Alternative Gottesdienstformen in der Schweiz
Dr. Ann-Katrin Gässlein
Die religiöse Landschaft westlicher Gesellschaften ist durch Individualisierung, Pluralisierung und veränderte Formen religiöser Zugehörigkeit geprägt. Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative Gottesdienstformen zunehmend an Bedeutung. Sie entstehen sowohl innerhalb kirchlicher Strukturen als auch an deren Rändern und suchen nach neuen Wegen, religiöse Erfahrungen, spirituelle Bedürfnisse und gemeinschaftliches Feiern in unterschiedlichen Lebenswelten zu ermöglichen. Die Forschung untersucht solche Formen liturgischen Handelns und fragt nach ihren theologischen, pastoralen und gesellschaftlichen Voraussetzungen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Gottesdienste Menschen erreichen können, die von traditionellen kirchlichen Angeboten nur bedingt angesprochen werden. Dabei werden neue liturgische Formate in säkularen Kontexten ebenso untersucht wie digitale Gottesdienste, zielgruppenspezifische Feierformen oder liturgische Angebote für Menschen in besonderen Lebenssituationen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichem Wandel und liturgischer Praxis sowie den Chancen und Grenzen alternativer Formen religiöser Vergemeinschaftung.
Die Forschung verbindet empirische Analysen mit liturgietheologischen Reflexionen und untersucht, wie alternative Gottesdienstformen auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren und neue Räume für religiöse Kommunikation eröffnen.
Veröffentlichungen und Vorträge zum Thema
- Gässlein, Ann-Katrin (2026): «Alternative Gottesdienstkultur – lebendige Feiern in säkularer Gesellschaft: Beispiele aus der Schweiz», in: Riegel, Jürgen u.a. (Hg.): "Große Räume - leere Kirchen - lebendige Feiern" (Liturgie und Leben) (in Vorbereitung).
- Dies. (2025): «Es ist nicht die Moral. Es ist der Mensch.» Liturgisches Handeln in der Seelsorge für und mit Frauen im Sexgewerbe. In: Spieß, Christian – Winkler, Katja (Hg.): Respekt für Sexarbeiter:innen. Wissenschaftliche, sozialprofessionelle und zivilgesellschaftliche Perspektiven (Linzer Schriften zu Gender und Recht 69), Linz: Trauner Verlag, 204–229.
- Dies. (2022): «Diese Milliarden von Menschen, die sind nicht in einem Wartesaal.»: Eine empirische Studie zur Bestattungspraxis und Deutung des Todes bei muslimischen Minderheiten in Süddeutschland und in der Schweiz. Transformatio 2, 58–82, doi.org/10.35093/tf.v2i0.973.
- Dies. (2021): «Communion without community?» – Lockdown-time as a catalyst for digital mediation of Catholic liturgical co-presence and alternative forms of worship (Vortrag auf der Konferenz «Religious Identity and the Media – Methods, concepts, theories and new research avenues» an der Universität Warschau (online))
- Dies. (2021): «Du darfst jetzt deine Wünsche und Bitten posten». Gottesdienst 8, 81–84.