Multi- und interreligiöse Feierformen

lic. phil. I, MTh Ann-Katrin Gässlein

Inter-, multi- oder gemischt-religiöse Feiern – d.h. Feiern mit Inhalten und unter Beteiligung von Angehörigen verschiedener Religionen – sind ein Phänomen der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. Ein Phänomen, das bislang regional begrenzt ist, vor allem auf den mittel- und westeuropäischen Raum, sowie Nordamerika. Trotz mitunter grosser medialer Begleitung und z.T. beträchtlicher Ressourcen, die in die Vorbereitung fliessen, sind gemischt-religiöse Feiern eine Ausnahmeerscheinung und auf eine spezifische Gruppe von Mitwirkenden begrenzt.

Die meisten offiziellen Verlautbarungen zu diesem Thema sprechen von inter- oder multireligiösen Gebeten. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass Gebete fast immer als Teil einer Feier angesehen werden. Ein gemischt-religiöses Gebet allein kann (noch) spontan entstehen; eine Feier, die Gebete als fundamentalen Teil der Glaubenspraxis einschliesst, beinhaltet darüber hinaus einen speziellen Anlass, Vorüberlegungen und Vorbereitung.

«Gemischt-religiös» wird eine Feier dann, wenn sie von VertreterInnen verschiedener Religionsgemeinschaften im Vorfeld überlegt und geplant wurde. Die Vorbereitungen umfassen Anlass, Ort, Zeitpunkt und Ablauf, Auswahl der Mitwirkenden, Intention und nicht zuletzt die Ausstrahlung einer solchen Feier.

Von kirchlicher Seite gibt es eine Reihe von Handreichungen, Positionspapiere und Arbeitshilfen für gemischt-religiöse Feiern. Daneben gibt es das Feld praktischer Erfahrungen und Beispiele. In diesem Forschungsprojekt wird die Frage gestellt, inwiefern offizielle Verlautbarungen und Stellungnahmen die soziale Wirklichkeit einer zunehmend religiös pluralen Gesellschaft reflektieren und sich zu ihr verhalten – hier wurde als empirisches Forschungsfeld gemischt-religiöse Feiern in der deutschsprachigen Schweiz ausgewählt. Ab Sommer 2019 werden verschiedene gemischt-religiöse Feiern mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung analysiert und durch Leitfadengestützte Interviews anschliessend vertieft untersucht.

 

Zeitraum: 2019 - 2021

Vorliegende Veröffentlichungen zum Thema