Lage

Das Stationsschild «Romiti-Felsentor» weist darauf hin: Man befindet sich 1195 Meter über dem Meeresspiegel.
Das Felsentor, ein unvermittelter Durchgang im Gestein.

Station «Romiti-Felsentor». Wir befinden uns auf halbem Weg zwischen Vitznau und dem Ziel der meisten Passagiere: dem Aussichtsgipfel Rigi Kulm. Doch unsere Bahnfahrt endet schon hier. Nur wenige steigen bei dieser vermeintlich kaum benutzten Haltestelle aus. Nach etwa zehn Minuten auf dem Wanderweg talabwärts versperren, wie nach einem Felssturz, drei mächtige Gesteinsblöcke den Weg. Aus der Nähe bemerkt der Wanderer jedoch, dass die aneinander verkanteten Felsen einen natürlichen Durchgang bilden − das «Felsentor». 

Gleich nach diesem staunenswerten Naturkunstwerk zieht linkerhand ein zierlicher Kleinpark die Blicke auf sich und darin ein Holzgebäude:
keine Luzerner Alphütte, sondern ein tempelartiger Bau asiatischen Zuschnittes. Dies deutet zumindest dessen leicht geschwungenes Dach an. Zunächst erinnert es an ein «Zendo», einen Zen-buddhistischen Tempel. In der Tat ist der Architekt ein amerikanischer Zen-Priester, der in Japan Tempelbau studiert hat. Nach Vanja Palmers, dem Gründer der Stiftung Felsentor, war es jedoch dessen Absicht, «ein Gebäude zu schaffen, welches weder zeitlich noch kulturell eindeutig zugeordnet werden kann». 

Baugeschichte und Grund der Sichtbarmachung

Das Hotel am Felsentor in einer Aufnahme aus dem Jahr 1906
Blick auf das neue Gebäude, in dem sich die Meditationshalle befindet

Gleich unterhalb des «natürlichen Felsentors» baute um 1860 die Gemeinde Weggis das Hotel Felsentor, dessen atemberaubenden Panoramablick über den Vierwaldstättersee seit 2001 nicht mehr Kurgäste, sondern Seminarteilnehmer geniessen. 

Hans Vanja Palmers, der das «Felsentor» präsidiert, erklärt: «Da es in der Schweiz nur wenige Zendos in abgelegener Umgebung gab, in denen man auch übernachten und mehrtägige Sesshins (Mediationswoche) abhalten kann, entstand der Wunsch, einen solchen Platz zu suchen und zu schaffen.» 1999 konnte zu diesem Zweck die Liegenschaft Felsentor durch die neu gegründete Stiftung Felsentor gekauft werden. 

Anfänglich habe die lokale Baubehörde gegenüber dem geplanten Zendo-Bauprojekt Bedenken gehabt, berichtet Palmers. Insbesondere deshalb, weil das dafür beanspruchte Bauland ausserhalb der Bauzone war, und sich die Rigi in einem schweizerischen Kataster für schützenswerte Landschaften befindet. Nicht zuletzt war auch das voraussichtliche Erscheinungsbild des Zendos ein Problem für die Behörden. Nach längeren Verhandlungen klappte es schliesslich mit der Baubewilligung, sodass das Zendo Ende 2004 eingeweiht werden konnte. 

Ist dieses architektonische Kunstwerk um der Liebhaberei willen gebaut worden, oder gibt es auch andere Gründe dafür?

Das Erscheinungsbild des Zendos dürfe ruhig neugierig machen und soll zugleich auch einladend wirken, meint Palmers. Das Zendo wurde jedoch nicht nur aus ästhetischen Gründen gebaut: «Schönheit und Schlichtheit − innen und aussen − des Zendos unterstützen den Geist in seinem Bemühen die eigene Schönheit und Schlichtheit zu entdecken.»  Das Erscheinungsbild des Zendos dürfe ruhig neugierig machen und soll zugleich auch einladend wirken, meint Palmers. Das Zendo wurde jedoch nicht nur aus ästhetischen Gründen gebaut: «Schönheit und Schlichtheit − innen und aussen − des Zendos unterstützen den Geist in seinem Bemühen die eigene Schönheit und Schlichtheit zu entdecken.»

Gesicht zum Gebäude

Vanja Palmers

Vanja Palmers ist Gründer und Präsident der Stiftung Felsentor und war Mitbegründer des ökumenischen «Hauses der Stille» in Puregg in Österreich. Seit 30 Jahren fungiert er auch als Zen-Priester. Daneben engagiert er sich im Tierschutz − einem zentralen Anliegen der Stiftung Felsentor. Er war einer der hauptverantwortlichen Initianten des Zendo-Projektes und ist heute zuständig für dessen Betrieb. 

Nachbarschaft und Konflikte

Palmers bezeichnet das Verhältnis zur Umgebung Vitznau und Rigi als ausnahmslos gut: «Gemeinde, Behörden und die vorbeiziehenden Wanderer sind sehr zufrieden mit dem Gebäude und unseren Aktivitäten darin. Sie loben uns und unterstützen uns in allen Belangen.» Das öffentliche Gartenrestaurant mache es für Wanderer relativ leicht, etwas über das Begegnungs- und Meditationszentrum zu erfahren. 

Religiöse Tradition

Buddha-Statue auf einem Altar
Die Gemeinschaft auf dem Felsentor versteht sich, obwohl sie sich an der buddhistischen Lehre orientiert, als interreligiös. So findet sich auch eine schwarze Madonna im Zendo.

Siddhartha Gautama, der spätere «Buddha», lebte nach allgemeiner Annahme im 6. oder 5. Jahrhundert v. u. Z. im nördlichen Vorderindien, nach neueren Forschungen jedoch zwischen dem 5. und 4. Jahrhundert v. u. Z. Buddha verstand seine Unterweisung als «Lehre des Mittleren Weges»: Weder ein Lebenswandel in Prunk und Ausschweifung, noch in Askese und körperlicher Auszehrung führe zur Einsicht und Erleuchtung. Man soll sich von diesen Extremen fernhalten und in achtsamer und selbstloser Haltung sein Leben führen. Den indischen Gedanken der Wiedergeburt und der Karmalehre übernahm Buddha aus der vedisch-brahmanischen Tradition seiner Zeit. Nach ihr unterliegen alle irdischen und «überirdischen» Wesen gleichermassen dem Gesetz der Folgen von Taten (Sanskrit «Karma», Pali «Kamma»). Das heisst, dass im anfangs- und endlosen «Kreislauf der Geburten» (Samsara) sowohl diese als auch die nächste Existenz durch die guten oder schlechten Taten der handelnden Person bestimmt wird. Aus der Grundauffassung der Vergänglichkeit alles Gewordenen ergibt sich, dass es weder ein überdauerndes Glück noch ein gleichbleibendes Selbst gibt. Deshalb zielt die buddhistische Lehre auf das Überwinden «irriger Vorstellungen» und des daraus entspringenden Unbefriedigtseins (Dukkha) ab.

Der vor allem in Sri Lanka, Burma, Thailand, Laos und Kambodscha verbreitete «südliche Buddhismus» ging aus einer ersten Spaltung innerhalb der buddhistischen Tradition hervor. Die Selbstbezeichnung dieser Bewegung lautet «Theravada», «Schule der Ordensälteren». Ihre Anhänger beanspruchen, die Lehre so zu lehren, wie sie der Buddha gelehrt habe. Der Mahayana-Buddhismus («grosses Fahrzeug»), welcher aus Reformbewegungen um die abendländische Zeitenwende entstand, verbreitete sich im Laufe des ersten Jahrtausends in nördlichen Regionen Asiens und ist heute in China, Vietnam, Korea und Japan verbreitet. Eine Unterform des Mahayana ist die «Ch'an-Schule», die im 7. Jahrhundert in China entstand und sich im 13. Jahrhundert in Japan in unterschiedlichen «Zen-Schulen» etablierte. «Zen» leitet sich von «Ch'an» (Meditation, Versenkung) ab. Im Zentrum des Zen steht die Übung, in einer Haltung tiefer Konzentration aufrecht zu sitzen, ohne Ziel und ohne Streben nach Nutzen. Diese Meditationsform ist Zazen.

Die Gemeinschaft Felsentor besteht aus ungefähr zehn Personen, die für das Wohl der Gäste, der Tiere und des Ortes sorgen. Die Mitglieder leben und arbeiten während eines kürzeren oder längeren Zeitraumes im Felsentor und widmen sich vorwiegend der Zen-Meditationspraxis. Seit 2002 werden im «Felsentor» Meditationsseminare und auch Kurse zur Entwicklung des Körperbewusstseins angeboten. Lehrer und Lehrerinnen aus verschiedenen buddhistischen Traditionen leiten die Kurse. Daneben gibt es auch Kurse zu Homöopathie, für kontemplatives Tanzen, Tuschmalerei, Traumarbeit usw. Die Gemeinschaft orientiert sich zwar an der buddhistischen Lehre, versteht sich darüber hinaus jedoch breiter als «interreligiöse Begegnungsstätte». So wohnt und arbeitet auch die franziskanische Schwester und Zen-Lehrerin Theresa im «Felsentor». 

Besonderheiten

Schwester Theresa, eine Franziskanernonne, wohnt und arbeitet ebenfalls im Zentrum Felsentor. Hier hilft sie bei der Versorgung der Tiere.

Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftung liegt im Natur- und Tierschutz. Unterhalb des ehemaligen Hotelgebäudes bewirtschaftet die Gemeinschaft deshalb eine kleine Alp mit künstlichem Teich, auf der Hühner, Schweine, Ziegen und der durch die Medien bekannt gewordene Stier «Nandi» gehalten werden. Im Sommer betreibt die Stiftung das kleine vegetarische Restaurant.Ein weiterer Schwerpunkt der Stiftung liegt im Natur- und Tierschutz. Unterhalb des ehemaligen Hotelgebäudes bewirtschaftet die Gemeinschaft deshalb eine kleine Alp mit künstlichem Teich, auf der Hühner, Schweine, Ziegen und der durch die Medien bekannt gewordene Stier «Nandi» gehalten werden. Im Sommer betreibt die Stiftung das kleine vegetarische Restaurant.