Lage

Die Moschee steht inmitten eines dicht bebauten Industriegebietes.

Im Industriequartier Grüze in Winterthur, zwischen Autogaragen, Industriegeschäften und einer evangelischen Freikirche liegt die Moschee des Islamisch-Albanischen Vereins. Die ausschliesslich innen umgebaute ehemalige Werkhalle ist von aussen als solche immer noch deutlich zu erkennen und einzig das kleine Minarett von gut drei Metern Höhe und rund 50 cm Durchmesser liefert einen Hinweis auf die heutige Funktion des Gebäudes. Der Eingang für die Frauen liegt an der ruhigen Kronaustrasse, derjenige der Männer im Innenhof auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes. 

Baugeschichte und Grund der Sichtbarmachung

Einzig das Minarett kennzeichnet die ehemalige Werkhalle von aussen als Moschee.
Bild des Ausbaus der Moschee.

Bereits seit 1992 gibt es den Islamisch-Albanischen Verein. Während sich die Mitglieder zu Beginn noch umständlich in verschiedenen Räumlichkeiten in Winterthur eingemietet hatten, erwachte bald das Bedürfnis nach einem eigenen Gebäude und der Verein begann 1999 mit der Suche nach einer geeigneten Lokalität. 2002 schliesslich wurde eine Industriehalle gefunden und so konnte noch im gleichen Jahr der Grundstein gelegt und im folgenden Jahr mit den Umbauarbeiten begonnen werden. 2004 schliesslich war der Umbau mit Hilfe vieler freiwilliger Spenden und unzähliger Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder vollendet und die Moschee bereit zur Nutzung. 

Viele der baulichen Entscheidungen wurden während der Umbauarbeiten im Verein durch Mehrheitsentscheide getroffen. Rund ein Jahr später erhielt der Verein auch eine Genehmigung für ein kleines Minarett, welches am 29. Mai 2005 eingeweiht wurde. Das Minarett ist insbesondere von der nahe gelegenen Eishalle recht gut zu erkennen und obwohl bislang das Budget für eine markantere Aussengestaltung noch fehlt, existieren bereits erste Ideen dazu. 

Gesichter zum Gebäude

Irfan Ljatifi (links) und Sahit Cerimi (rechts) sind für die Aussenkontakte des Vereins zuständig.

Der Islamisch-Albanische Verein Winterthur besteht heute aus rund 280 Mitgliedern. Geleitet wird er von einem Vorstand und dem fest angestellten Imam. Die Vorstandsmitglieder übernehmen dabei verschiedene Funktionen, Sahit Cerimi und Irfan Ljatifi sind speziell für externe Anliegen wie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. 

Nachbarschaft und Konflikte

Umgebung der Moschee: Man pflegt einen freundschaftlichen Kontakt untereinander.

Sahit Cerimi ist sehr zufrieden mit der unmittelbaren Nachbarschaft: «Seit wir hier sind, sind viele Restaurants, Läden und Wohnungen in der Nähe entstanden.» Man pflege unter anderem einen freundlichen Umgang mit den Angestellten aus den angrenzenden Autogaragen, wo auch einige der Vereinsmitglieder arbeiten. Auch mit der evangelischen Freikirche, der «Chile Grüze» an der Industriestrasse nebenan konnte man bereits gemeinsame Veranstaltungen organisieren. Einzig mit dem Äusseren der Moschee ist man nicht ganz glücklich: «Nur wenige wissen von der Moschee und nehmen sie als ein solches Gebäude wahr», sagt Cerimi weiter. Mit dem kleinen Minarett als Symbol und Verschönerung der Moschee konnte allerdings die Sichtbarkeit etwas verstärkt werden. Die Errichtung des Minaretts gab weder im Zusammenhang mit der Baueingabe noch bei der Einweihung öffentlich zu reden, obwohl zu jener Zeit die Minarettbaugesuche in Wangen SO und Langenthal BE Anlass zu Diskussionen gaben. Einzig der «Winterthurer Stadtanzeiger» erwähnte die Einweihung des Minaretts in seiner Ausgabe vom 14. Juni 2005. 

Religiöse Tradition

Die Uhr zeigt die Gebetszeiten in Albanisch und in Arabisch an.
Blick in den Gebetsraum mit dem Kronleuchter.
Predigtstuhl (Kursi), für nicht-zeremonielle Ansprachen.
 

«Islam» bedeutet «Hingabe (an Gott)». Muslim ist derjenige, der sich Gott hingibt. Der Islam betont denn auch stark die Einheit, Einzigkeit und Allmacht Gottes. Er stellt sich in die jüdisch-christliche Offenbarungstradition mit Abraham als Urbild des Gläubigen und zählt so zu den «monotheistisch-abrahamitischen Religionen». Entstanden ist der Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. auf der Arabischen Halbinsel. Der Mekkaner Mohammed (ca. 570 - 632 n. Chr.) erlebte seit etwa dem Jahr 610 bis zu seinem Tod Offenbarungen, die von seiner Anhängerschaft memoriert und in den Jahrzehnten nach seinem Tod als fester Textbestand im Koran (wörtlich: Lesung) gesammelt wurden. In der Sicht des Korans ist Mohammed nur einer, der letzte, in der Reihe der Gottesgesandten seit Adam, als Überbringer der letztgültigen Offenbarung ist er «das Siegel der Propheten». In seiner Heimatstadt Mekka erlebte Mohammed anfangs so starke Anfeindung, dass er mit seinen Anhängern nach Medina auswanderte, wo er als Vermittler zwischen verfeindeten Stämmen willkommen war und in der Folge ein religiös geprägtes Gemeinwesen aufbauen konnte. 

Nach Mohammeds Tod wurden die sorgsam gesammelten Berichte (Hadithe) über seine Handlungen und Aussprüche neben dem Koran zum zweiten Orientierungspunkt für die junge Gemeinschaft. Sie umschreiben das vorbildhafte Verhalten des Propheten, die Sunna. Nach ihr benennen sich die Sunniten, die rund 90 Prozent der Muslime ausmachen. Die übrigen sind grösstenteils Schiiten, die sich in den Jahrzehnten nach Mohammeds Tod wegen Fragen der Nachfolge in der Leitung der Gemeinde hinter Mohammeds Cousin und Schwiegersohn Ali sammelten und auch später untereinander weiter spalteten. Die fünf Grundpflichten des erwachsenen Muslims und der Muslimin sind die Schahada, das Glaubensbekenntnis («Es gibt keine Gottheit ausser Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes»), weiter fünfmal täglich zu bestimmten Zeiten das Gebet (Salat) Richtung Mekka, die Almosensteuer (Zakat), das Fasten im Monat Ramadan zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang sowie die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch).

In der Schweiz leben rund 500'000 Muslime, unter ihnen rund 30'000 Schiiten. Etwas über die Hälfte der Muslime in der Schweiz stammen aus Ländern des ehemaligen Jugoslawien, knapp ein Fünftel aus der Türkei; mehr als ein Drittel der muslimischen Bevölkerung besitzt die Schweizer Staatsbürgerschaft. Zu erwähnen sind auch die schätzungsweise rund 50'000 Aleviten, meist türkischstämmige Anhänger einer religiösen Tradition mit schiitischen aber auch nicht-islamischen Elementen; sie sind eigenständig organisiert und betrachten sich selber oft nicht als Muslime.

Obwohl die Moschee von einem albanischen Vereins getragen wird, ist sie doch wie jede sunnitische Moschee offen für Muslime jeglicher Herkunft und so findet man neben albanischen Gläubigen auch immer wieder solche aus anderen Ländern wie der Türkei oder Pakistan. Der Islamisch-Albanische Verein selbst ist in den letzten Jahren stark gewachsen und konnte seine Mitgliederanzahl von den anfänglichen rund 80 Mitgliedern auf knapp 300 Personen, darunter auch viele Junge, beinahe vervierfachen. 

Besonderheiten

Ganz besonders stolz ist man im Verein auf die innen mit arabischer Kalligraphie reich verzierte Kuppel und den dazugehörigen, grossen Kronleuchter. Im grossen Gebetsraum gibt es für die Frauen eine eigene, offen geschwungene Empore.