Zu den folgenreichsten Interventionen, mit denen Friedrich Nietzsche die Bahn für die moderne Kulturkritik gebrochen hat, gehört seine Einstellung gegenüber dem Materialen. Situiert zwischen Ding, Leib und Schrift zeichnet sich das Materiale durch räumlich-zeitliche Bedingtheit, durch Komplexität und Unhintergehbarkeit sowie dadurch aus, dass es zu bedeuten gibt. Als »das Graue, will sagen das Urkundliche, das Wirklich-Feststellbare« bildet es den Schauplatz für Nietzsches Genealogie und gewinnt seine Relevanz vor der Kritik an der Metaphysik. Der interdisziplinäre Forschungskreis, bestehend aus Nachwuchsforschenden der Universitäten Luzern und Zürich, geht am Leitbegriff des ›Materialen‹ dem Wechsel nach, der sich um 1900 von der »Kulturkritik zur Kritik der Kultur« (Konersmann) vollzogen hat. Das Forschungsinteresse gilt dem philosophischen Beitrag an die Kulturwissenschaften wie auch den Einsatzstellen der ›materialen‹ Disziplinen bei kulturphilosophischen Fragestellungen.