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    routinely assumed that decisions about marriage and divorce, household production, labor supply, [...] divorced people express regrets about their choice to separate, even many years later (e.g., Waite et [...] hold overly optimistic beliefs about their future marriage survival chances and hence also about their

    Grösse: 440 KB

    Erstellungsdatum: 09.02.2017

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    Prof. Dr. Adrian Loretan

    Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht ; Co-Direktor des Zentrums für Religionsverfassungsrecht Dr. iur. can. et lic. theol. T +41 41 229 52 66 adrian.loretan@unilu.ch Frohburgstrasse 3, Raum 3.B51 Erreichbarkeit am besten per Mail Öffentliche Veranstaltungen der Professur Vortragstätigkeit und Tagungen an der Universität Luzern Interview in "Christ in der Gegenwart" Internationale Vortragstätigkeit Neu: Rezension von Dr. Daniel Kosch zum Sammelband von Adrian Loretan (Hg.): "Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt in der Kirche. Beiträge von Adrian Loretan, Mary McAleese, Doris Reisinger und Wolfgang Treitler (ReligionsRecht im Dialog, Bd. 33), Wien 2023": https://www.feinschwarz.net/machtmissbrauch-und-sexuelle-gewalt-in-der-kirche/ 2020 Loretan mit Hannah Arendt im Gespräch: Raphael Rauch, kath.ch, https://www.kath.ch/newsd/ddr-filme-erinnern-mich-an-die-katholische-kirche/ 2021 Loretan: "Bonnemain könnte eine Frau zur Leiterin des Ordinariats ernennen". Interview mit Raphael Rauch, kath.ch, «Bonnemain könnte eine Frau zur Leiterin des Ordinariates ernennen» – kath.ch "Persönlich" in cogito 30. April 2019 Interview in "ite Das Magazin" CV Forschung Publikationen Weitere Forschungsleistungen CV * geboren 1959 in Brig/VS Studien in Philosophie, katholischer und evangelischer Theologie an den Universitäten Luzern und Tübingen (1984 lic.theol.), Studien beider Rechte an den Universitäten Fribourg und Gregoriana in Rom (1993 Dr. iur. can.); seit 1996 ordentlicher Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Universität Luzern, 1999–2001 Dekan der Theologischen Fakultät Luzern, seit 2012 Co-Direktor des Zentrums für Religionsverfassungsrecht an der Universität Luzern. Herausgeber der Reihe ReligionsRecht im Dialog. Aktuell erschienen: Religionsfreiheit im Kontext der Menschenrechte (Monographie) und Religionsfreiheit im Kontext der Grundrechte (Hg.). Seit 2000 gemeinsame Seminare mit der Rechtswissenschaftlichen und der Theologischen Fakultät der Universität Basel (Engelberger Seminare). Transdisziplinäre Zusammenarbeit in Lehre und Forschung mit unterschiedlichen Fakultäten in Europa. Aktueller CV (2021) Forschung Forschungsschwerpunkte Menschenwürde, ihre rechtsphilosophische und rechtstheologische Begründung Menschenrechte in Kirchen und Religionen Religionsgemeinschaften und Rechtsstaat Kirchenmanagement Gleichstellung der Geschlechter und die Kirchen Personalrecht der katholischen Kirche Forschungsprojekte Laufende Projekte Nationale Diskussion der Forschungsergebnisse: Die Schweizerische Gesellschaft für Geisteswissenschaften führt zwei Tagungen durch zum Thema, das vom Luzerner Gutachten eröffnet wurde: Voraussetzungen einer möglichen öffentlich-rechtlichen Anerkennung der Islamischen Gemeinschaften in der Schweiz (publiziert unter A. Loretan, Q. Weber, A. Morawa, Freiheit und Religion, Münster 2014, in der Buchreihe: ReligionsRecht im Dialog Bd. 17). 1. Der Islam als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft in der Schweiz? Eine Debatte zwischen Wissenschaft, Politik und Verbänden, Universität Bern, 20. Oktober 2017. Zur Veranstaltung 2. Feststellungen und Empfehlungen zur rechtlichen Anerkennung islamischer Religionsgemeinschaften in der Schweiz. Tagung Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Haus der Religionen, Bern, 26. April 2018. Zur Veranstaltung Abgeschlossene Projekte Freiheit und Religion. Die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften in der Schweiz (Adrian Loretan/Quierin Weber/Alexander H.E. Morawa). Die Rechte des Kindes als eine Bedingung dauerhaft wirksamer Prävention gegen die Gefahren sexualisierter Gewalt. Ein Rechtsvergleich 'Schweiz/Irland' unter Berücksichtigung der staatlichen Aufsicht über private Bildungseinrichtungen (wurde bearbeitet von Herrn Franz M. Wittmann). Religionsunterrichtsmodelle und ihre rechtlichen Rahmenbedingungen | Eine rechtsvergleichende Studie Schweiz - Frankreich unter Einbezug von Vertragsverhandlungstheorien (wurde bearbeitet von Frau Dr. Karin Furer). Begleitete wissenschaftliche Arbeiten Laufende Arbeiten Dissertationen Stofer Judith, Gertrud Heinzelmann. Ein Beitrag zur Gleichstellungsdiskussion in Staat und katholischer Kirche. Wittmann Franz M., Children´s Rights for Catholic Schools - A Comparative Rights-Based Approach to Certain Issues of Prevention and Protection. Masterarbeiten Schnurrenberger Severin, Über die "Würde der menschlichen Person" in der Konzilserklärung "Nostra Aetate 5". Theologische Rezeption, juristische Interpretation und organisationale Konsequenzen. Abgeschlossene Arbeiten Dissertationen Jäggi Christian, Doppelte Normativitäten zwischen staatlichen und religiösen Geltungsansprüchen – am Beispiel der katholischen Kirche, der muslimischen Gemeinschaften und der Baha’i-Gemeinde in der Schweiz, 2015. Röck Sarah Maria, Zeit der Taufe. Canon 856 CIC 1983 im Nexus von Kirchenrecht, Theologie und der ‚Philosophie der symbolischen Formen‘, 2014. Adam Schwartz Michèle, Pfarrei und Kirchgemeinde. Verhältnisbestimmung für die deutschsprachige Schweiz unter spezifischer Berücksichtigung rechtshistorischer Aspekte, Münster 2012. Furer Karin, "Teaching about religion" - Religionskunde im Vergleich. Rechtsvergleichende und verhandlungstheoretische Betrachtung von integrierter Religionskunde in Frankreich und Religionskunde als gesondertem Fach im Kanton Zürich. Münster 2012. Stüssi Marcel, Models of Religious Freedom Switzerland, the United States, and Syria by Analytical, Methodological, and Eclectic Representation, 2012 (Zweitgutachten in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät) Huser Patrick, Vernunft und Herrschaft. Die kanonischen Rechtsquellen als Grundlage natur- und völkerrechtlicher Argumentation im zweiten Prinzip des Traktates Principia quadam des Bartolomé de Las Casas, Münster 2011. Ahlers Stella, Gleichstellung der Frau in Staat und Kirche - ein problematisches Spannungsverhältnis, Münster 2006. Sahlfeld Konrad, Aspekte der Religionsfreiheit im Lichte der Rechtsprechung der EMRK-Organen, des UNO-Menschenrechtsausschusses und nationaler Gerichte, Zürich 2004 (Zweitgutachten in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät) Belliger Andrea, Die wiederverheirateten Geschiedenen. Eine ökumenische Studie im Blick auf die römisch-katholische und die griechisch-orthodoxe (Rechts-)Tradition der Unauflöslichkeit der Ehe, Beihefte zum Münsterischen Kommentar, Bd. 26, Essen 2000. Master- und Lizenziatsarbeiten Mitterer Monika (Sr. Franziska), Gehorsam im Bewusstsein der eigenen Verantwortung. Eine kirchenrechtliche Analyse von c. 212 § 1 CIC/1983, 2018. Schneider Paul, Ordensarmut und soziale Sicherheit. Eine Analyse des Ordensrechts und des staatlichen Rechts, 2018. Stüdli Andreas, Die Rechtsstellung des benediktinischen Abtes, 2015. Baggenstos Sabine, Ist jede gültige Eheschliessung zwischen Getauften ein Sakrament? Die Realidentität von Ehevertrag und Sakrament auf dem Prüfstand. Kirchenrechtliche und theologische Überlegungen zu can. 1055 § 2 CIC/1983, 2014. Yacoubian Natalie, Rezeption der Ehetheologie des II. Vatikanischen Konzils (GS 47-52) in c. 1057 §2 CIC/1983. Vom Recht auf den Leib zum gegenseitigen Schenken und Annehmen. Eine theologisch-kirchenrechtliche Analyse, 2014. Röck Sarah Maria, „Konsensueller Pluralismus“. John Rawls und Bassam Tibi auf der Suche nach den normativen Grundlagen und Wegen zu einer Moderne der gelebten Vielfalt, 2010. Moser Simon, Die katholische Kirche: Eine perfekte und vollkommene Gemeinschaft von lateinischer und unierten Ostkirchen. Annäherung durch eine kanonistisch, kodikarische Untersuchung im Bereich des zölibatären und verheirateten Priestertums, 2008. Papagni Francesco, Der Begriff „übergreifender Konsens“ in ‚Politischer Liberalismus‘ von John Rawls und seine Folgen für das staatliche Religionsrecht, 2008. Schmid Roger, Das Christentum auf dem Weg zur souveränen Reichskirche. Die Konstantinische Wende und ihre institutionelle Bedeutung für die Kirche des 4. Jahrhunderts, 2008. Adam Schwartz Michèle, Hat die ‚Gemeindeleiterin‘ eine Leitungsfunktion? Rechtliche Möglichkeiten der Anwendung der cc. 128 § 2 und 517 §2 CIC/a983. Aerni René, Die mitbestimmende Beteiligung der Gläubigen an der kirchlichen Rechtssetzung. Ekklesiologische und kanonistische Grundlagen, 1996. Publikationen Alle anzeigen Alle Sektionen des Akkordeons öffnen Buch als Monografie Loretan, Adrian: Der demokratische Rechtsstaat - eine Ideengeschichte. Ein Beitrag zur Rechtskultur des Westens und der Westkirche, Zürich im Druck. Loretan, Adrian: Kanonistik - Rechtswissenschaft oder Theologie? (Quaestiones Disputatae 336), Freiburg i.Br. 2024. Loretan, Adrian: Wahrheitsansprüche im Kontext der Freiheitsrechte. Religionsrechtliche Studien, Teil 3 (Religionsrechtliche Studien 3), Zürich 2017, https://doi.org/10.5281/zenodo.3878021. Loretan, Adrian/Weber, Quirin/Morawa, Alexander H.E.: Freiheit und Religion. Die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften in der Schweiz (ReligionsRecht im Dialog 17), Münster 2014. Loretan, Adrian: Religionen im Kontext der Menschenrechte. Religionsrechtliche Studien, Teil 1 (Religionsrechtliche Studien 1), Zürich 2010, https://doi.org/10.5281/zenodo.3878055. Loretan, Adrian: Laien im pastoralen Dienst: ein Amt in der kirchlichen Gesetzgebung: Pastoralassistent/-assistentin - Pastoralreferent/-referentin (Praktische Theologie im Dialog 9), Freiburg Schweiz 1994. Akkordeon-Panel schließen Zeitschriftenartikel Loretan, Adrian: Der demokratische Rechtsstaat. Zur Rechtskultur des Westens und der Westkirche, in: Kirche und Recht KuR 31/2 (2025), 177–190. Loretan, Adrian: Gehören Demokratie und Menschenrechte zur kirchlichen Rechtstradition?, in: ET-Studies 16/2 (2025), 171–181. Loretan, Adrian: Sexualized Violence against children in the church: a human rights perspective, in: Cardozo international & comparative law review (2024), auf: https://www.cardozo-ciclr.com/post/fall-2024-online-symposia-rights-of-the-child. Loretan, Adrian/Tollkühn, Martina: Das Recht wacht über die Freiheit. Freiheit und Kirche aus religionsphilosophischer Sicht, in: tauzeit 24/92 / März 2022 (2022), 6–7. Loretan, Adrian: Dignity of the Human Person, in: Philosophy and Law 8/2 (2022), 1–8, https://doi.org/https://doi.org/10.31261/PaCL.2022.08.2.01. Loretan, Adrian: Marriage Endings, new Beginnings, Sin and Grace: Reflections in Honor of Eberhard Schockenhoff, in: Marriage, Families, Spirituality (formerly INTAMS Review) 27/1 (2021), 82–91. Loretan, Adrian: Geschlechterdiskriminierung und religiöse Neutralität, in: Schweizerisches Jahrbuch für Kirchenrecht 26 (2021), 21–39. Loretan, Adrian: Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie Berlin 2019. Journal Abstract, in: The Philosopher’s Index (2021), auf: https://philindex.org/. Loretan, Adrian: Ein katholischer Priester vergewaltigt seine Schwägerin, in: INTAMS REVIEW - International Academy for Marital Spirituality 26/2 (2020), 245–247. 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Kirchenrecht und Menschenrechte, in: Lebendige Seelsorge 69/3 (2018), 203–208. Loretan, Adrian: Der Westen wurzelt in der Westkirche: Eine kleine Rechtsgeschichte, in: Theologisches Feuilleton feinschwarz.net (2018), auf: http://www.feinschwarz.net/der-westen-wurzelt-in-der-westkirche/. Loretan, Adrian: Das Konzil verlangt Gleichstellung der Geschlechter, in: Schweizerische Kirchenzeitung 185/42–43 (2017), 540–541, https://doi.org/10.5281/zenodo.3428871. Loretan, Adrian: Disput um rechtliches Denken, in: Schweizerische Kirchenzeitung 185/42–43 (2017), 553–554. Loretan, Adrian: Kirche – Staat und die Menschenrechte, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 185/11 (2017), 125–126. Loretan, Adrian: Kirche als Anwältin der Freiheit, in: Archiv für Katholisches Kirchenrecht 186 (2017), 647–657. Loretan, Adrian/Wehner, Betina: Zusammenleben der Religionen in Frieden, in: Religionen unterwegs – Zeitschrift des Forum für Weltreligionen 22/3 (2016). Loretan, Adrian: Menschenwürde. Grundlagenbegriff der Konzilserklärung über die Religionsfreiheit, in: Theologische Zeitschrift 72/2 (2016), 203–214. Loretan, Adrian: Orthodoxe Praxis bei geschiedenen Wiederverheirateten, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 183/38 (2015), 479–482. Loretan, Adrian: 50 Jahre Religionsfreiheit, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 183/36 (2015), 445–446. Loretan, Adrian: Trennung von Politik und Religion, in: Österreichisches Archiv für Recht & Religion 62/1 (2015), 25–37. Loretan, Adrian: Discrimination against Women in Religions – must it be Tolerated?, in: Internationale Kirchliche Zeitschrift – Berner Interreligiöse Ökumenische Studien (IKZ-bios) 2 (2015), 33–47. Loretan, Adrian: Zur kanonistischen Rechtslage der Diözese Chur und der Apostolischen Administration, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 182/21 (2014). Loretan, Adrian: Die Freiheitsrechte in der katholischen Kirche. Aporien und Desiderate, in: Jahrbuch für christliche Sozialwissenschaften 55 (2014), 131–154, https://doi.org/10.5281/zenodo.3256088. Loretan, Adrian: Pluralismus – eine Herausforderung für den Rechtsstaat und die Religionsgemeinschaften, in: Jusletter (2014), auf: http://jusletter.weblaw.ch/juslissues/2014/763.html. Loretan, Adrian: Gegeneinander oder miteinander? Beauftragte und geweihte Ämter nach Vatikanum II, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 181/1–3 (2013). Loretan, Adrian: Zwei Seiten einer Medaille? Zum Verhältnis von positiver und negativer Religionsfreiheit, in: Österreichisches Archiv für Recht & Religion 60/1 (2013), 3–22. Loretan, Adrian: Mitbestimmung und Menschenrechte in der Kirche, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 180/6 (2012), 94–96. Loretan, Adrian: Ausserordentliche Gemeindeleitung in Pfarreien ohne Pfarrer, in: Österreichisches Archiv für Recht & Religion 59/2 (2012), 315–326. Loretan, Adrian: „Einer der schönsten Texte des Konzils“ (Karl Rahner). Die theologische Entdeckung der Ehe im Vatikanum II, in: Schweizerische Kirchenzeitung SKZ 180/16 (2012), 265–269, https://doi.org/10.5281/zenodo.3338243. Loretan, Adrian/Morawa, Alexander H.E.: Dialog zwischen Theologie und Rechtswissenschaft, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 180/10 (2012), 171 ff. Loretan, Adrian: Menschenrechte in einer religiösen Verfassung? Zum Buch "Frauen in der iranischen Verfassungsordnung", in: Archiv für Katholisches Kirchenrecht 178/2 (2009), 532–541. Loretan, Adrian: Braucht es zum Glück eine kirchliche Heirat? Theologische Argumente für eine kirchliche Eheschliessung in säkularer Gesellschaft, in: De processibus matrimonialibus. Fachzeitschrift zu Fragen des kanonischen Ehe- und Prozessrechtes 15/16 (2009), 141–171. Loretan, Adrian: Ämter des gemeinsamen Priestertums? Dienste und Ämter aus kirchenrechtlicher Perspektive, in: Herder Korrespondenz Spezial 1 (2009), 10–13. Loretan, Adrian: Církev a stát ve Švýcarsku, in: Revue Církevního Práva / Church Law Review 41/3 (2008), 200–213. Loretan, Adrian: Das Verhältnis von Kirche und Staat in der Schweiz in der aktuellen Diskussion um die öffentlich-rechtliche Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften, in: Archiv für katholisches Kirchenrecht 176/1 (2007), 77–101. Loretan, Adrian: Die Berufung der Laien zum kirchlichen Dienst, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 174/13 (2006), 220–223. Loretan, Adrian: Chiesa e Stato in Svizzera, in: Rivista Teologica di Lugano 11/1 (2006), 155–167. Loretan, Adrian: Haben konfessionelle Theologische Fakultäten Zukunft in einem konfessionsneutralen Staat?, in: Bulletin ET 16/2 (2005), 60–69. Loretan, Adrian: Haben Theologische Fakultäten Zukunft in einem konfessionsneutralen Staat?, in: EuForNews (Dreimonatliche Zeitschrift des Europäischen Forums für den RU) 1 (2005), 27–32. Loretan, Adrian: Kirche und Management: unternehmerisches Denken in kirchlichen Strukturen?, in: Bulletin. Informationsblatt für die Mitglieder der Schweizerischen Theologischen Gesellschaft 2 (2005), 2. Loretan, Adrian: Was hat das Kriegsende mit Pfingsten zu tun?, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 173 (2005), 340–341. Loretan, Adrian: Hat der Religionsunterricht Zukunft?, in: EuForNews (Dreimonatliche Zeitschrift des Europäischen Forums für den RU) 3 (2004), 6 ff. Loretan, Adrian: Gleiche Rechte für Frau und Mann, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 172 (2004), 259–260. Loretan, Adrian: Gleichstellung der Geschlechter und die Kirchen aus religionsrechtlicher und rechtsphilosophischer Sicht, in: Schweizerisches Jahrbuch für Kirchenrecht (2004), 11–38. Loretan, Adrian: Theologische Fakultäten in der Universität von morgen, in: Schweizerisches Jahrbuch für Kirchenrecht 8 (2004), 77–101. Loretan, Adrian: Ein Leben für Gleichberechtigung in Kirche und Staat. Zu einer Biographie über Gertrud Heinzelmann (1914-1999), in: Orientierung 67/19 (2003), 202–206. Loretan, Adrian: Menschenrechte und Theologie, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 171 (2003), 881–883. Loretan, Adrian/Sahlfeld, Konrad: L’islam pone nuove sfide alla Svizzera. La Corte europea di Diritti umani in due casi contro la Svizzera (Traduzione Wolfgang Sahlfeld, Milano), in: Quaderni di diritto e politica ecclesiastica 10/3 (2002), 825–846. Loretan, Adrian: Die katholisch Theologischen Fakultäten im Spannungsfeld von Wissenschaftsfreiheit und Religionsfreiheit, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/2 (2002), 209–218. Loretan, Adrian: Ist ein urteilsunfähiger Papst absetzbar?, in: Plädoyer. Magazin für Recht und Politik 20/2 (2002), 27 ff. Loretan, Adrian: Redaktionelles Konzept für das Bulletin ET der Jahre 2002-2004, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/1 (2002), 20–24. Loretan, Adrian: Theologie in der Universität von morgen. Staatskirchenrechtliche Modelldiskussion, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/1 (2002), 98–111. Loretan, Adrian: Religionsunterricht oder Ethik (Leitartikel), in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 170 (2002), 685–686. Loretan, Adrian: Spitalseelsorge vor neuen Herausforderungen, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 170 (2002), 509–511. Loretan, Adrian: Theologie an der Universität von gestern, heute und morgen, in: KAGEB-Erwachsenenbildung. Zeitschrift der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein 38/2 (2001), 3–10. Loretan, Adrian: Solidarität auf dem Prüfstand, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 169 (2001), 533–534. Loretan, Adrian: UNI JA = Theologie JA, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 168 (2000), 237–238. Loretan, Adrian: Verheiratete Personen in kirchlichen Ämtern, in: INTAMS review 6 (2000), 82–97. Loretan, Adrian: Frauen und Verheiratete in kirchlichen Ämtern, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 167 (1999), 449–454. Loretan, Adrian: Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 167 (1999), 656–658. Loretan, Adrian: Medienpreis 1999 der Schweizer Bischofskonferenz (Laudatio), in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 167 (1999). Loretan, Adrian/Weibel, Rolf: Theologie in Luzern, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 167 (1999), 157–159. Loretan, Adrian: Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit oder ist der Kirchenaustritt Privatsache?, in: Kirche und Recht KuR 2 (1998), 1–23. Loretan, Adrian: Kirchenrechtliche Konsequenzen eines staatskirchenrechtlichen Kirchenaustritts, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 166 (1998), 99–101. Loretan, Adrian/Hoping, Helmut: Kirchenzugehörigkeit - Kirchenaustritt, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 166 (1998), 93–94. Loretan, Adrian: Kirche als Gemeinschaft und als Organisation, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 165 (1997), 609–612. Loretan, Adrian: Kirchgemeinde und Pfarrei - Ein Zusammenspiel ungleicher Partnerinnen, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 165 (1997), 553–555. Loretan, Adrian: Das "Streichungsrecht" der Diözesankonferenz bei der Bischofswahl gemäss Basler Bistumskonkordat. Eine Studie, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 163 (1995), 128–130. Loretan, Adrian: Die Beitragspflicht der Diözesanstände an das diözesane Priesterseminar gemäss Basler Bistumskonkordat. Eine Studie, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 163 (1995), 198–202. Loretan, Adrian: "Trennung von Kirche und Staat?". Bericht von der Staatskirchenrechtlertagung, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 162 (1994), 284–287. Loretan, Adrian: Das Verhältnis der Kirche zu den Grund- und Menschenrechten, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 162 (1994), 142–148. Loretan, Adrian: Das Verhältnis der Kirche zum Staat im Wandel. Wie die menschenrechtliche Tradition der Kirche eine konstruktive Begegnung mit dem Rechtsstaat ermöglicht, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 162 (1994), 77–81. Loretan, Adrian: Kirche im Bistum Basel, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 162 (1994), 541–542. Loretan, Adrian: Pro und kontra Menschenrechtsinstitut. Wie die Menschenrechte durch kirchliche Einrichtungen zu fördern sind, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 162 (1994), 148–149. Loretan, Adrian: Wie geht es den Seelsorgern und Seelsorgerinnen? Bericht von der Dekanenkonferenz des Bistums Basel, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 162 (1994), 542–546. Loretan, Adrian: Spiritualität der Menschenrechte. Zum Tag der Menschenrechte, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 161 (1993), 665–667. Loretan, Adrian: "Kirchliche Doppelmitgliedschaft" aus kirchenrechtlicher Sicht, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 160 (1992), 34–35. Loretan, Adrian: Staat und Kirche im Kanton Luzern. Die Entwicklung des Verhältnisses von staatskirchlichem und kirchlichem Recht, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 160 (1992), 50–54. Loretan, Adrian: Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit - 25 Jahre danach, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 159 (1991), 239–242. Loretan, Adrian: Die theologischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des kirchlichen Vereins, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 158 (1990), 478–482. Loretan, Adrian: Die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" - eine Herausforderung für die Kirche, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 156 (1988), 713–716. Akkordeon-Panel schließen Buchkapitel, Beitrag in Sammelband Loretan, Adrian: Das Naturrecht prägt die Menschenrechte des 20. Jahrhunderts, in: Famos, Cla Reto, Kraus, Dieter, u. a. (Hrsg.), Eine tragende Stimme des reformierten Kirchenrechts. Festschrift für Jakob Frey (Schweizerisches Jahrbuch für Kirchenrecht, Beiheft 8), Zürich 2025, 251–257. Loretan, Adrian: Begrüssung zum Festvortrag anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Frau Prof. Dr. Mary McAleese, in: Loretan, Adrian (Hrsg.), Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt in der Kirche. Beiträge aus Rechtswissenschaften und Theologie von Adrian Loretan, Mary McAleese, Doris Reisinger und Wolfgang Treitler (ReligionsRecht im Dialog 33), Wien; Münster; 2023, 73–75. Loretan, Adrian: Der sexuelle Missbrauch ist ein «Macht- und Gewissensmissbrauch», in: Loretan, Adrian (Hrsg.), Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt in der Kirche. Beiträge aus Rechtswissenschaften und Theologie von Adrian Loretan, Mary McAleese, Doris Reisinger und Wolfgang Treitler (ReligionsRecht im Dialog 33), Wien; Münster; 2023, 15–32. Loretan, Adrian: Die Mischehe – eine Zumutung für die Partnerschaft und ein Lernprozess für die Kirchen?, in: Neumann, Thomas, Platen, Peter & Schüller, Thomas (Hrsg.), Nulla est caritas sine iustitia. Festschrift für Klaus Lüdicke zum 80. Geburtstag (Beihefte zum Münsterischen Kommentar zum Codex Iuris Canonici 82), Essen 2023, 161–178. Tollkühn, Martina/Loretan, Adrian: Gemeindeleitung durch Nichtpriester als Anstoß zur Gemeindeentwicklung – Schweiz, in: Rees, Wilhelm & Graßmann, Andreas (Hrsg.), Der kanonische Pfarrer – ein herausgeforderter Amtsträger. Aufgaben, Rechte, Pflichten und Perspektiven eines kirchlichen Berufs, Regensburg 2023, 440–460. Loretan, Adrian/Tollkühn, Martina: Nichtchristen in den kirchlichen Rechtsordnungen. Eine kritische Konzilsrezeption, in: Bianchi, Letizia, Eisenring, Gabriele, u. a. (Hrsg.), Fides et jus in ecclesia. Scritti in onore di Arturo Cattaneo, Siena 2023, 521–544. 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Erste Luzerner Adventsgespräche Zürich; St. Gallen; Baden-Baden, 2019, 167–192. Loretan, Adrian: Spiritual Care in Swiss Public Institutions, in: Tretera, Jiří Rajmund & Horák, Záboj (Hrsg.), Spiritual Care in Public Institutions in Europe. Spiritual Care in Public Institutions 3, Berlin, 2019, 51–65. Loretan, Adrian: Klärung des Rechtsbegriffs, in: Baumeister, Martin, Böhnke, Michael, u. a. (Hrsg.), Menschenrechte in der katholischen Kirche. Internationale Tagung zum Thema "Menschenrechte in der katholischen Kirche" 12, Paderborn, 2018, 41–54. Loretan, Adrian: Wahrheit und Freiheit im Verhältnis von Staat und Religion. Von der Wahrheit mit Herrschaftsgewalt (Staatsreligion) zur Freiheit mit Weltanschaulichkeitspluralismus (Liberaler Rechtsstaat), in: Jeggle-Merz, Birgit & Durst, Michael (Hrsg.), Gewalt – Herrschaft – Religion. Gewalt - Herrschaft - Religion 38, Einsiedeln, 2018, 166–187, https://doi.org/10.5281/zenodo.4686650. 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Loretan, Adrian: Religionsfreiheit und Gleichstellung aus religionsrechtlicher und rechtsphilosophischer Sicht, in: Richli, Paul (Hrsg.), Wo bleibt die Gerechtigkeit? Antworten aus Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft 5, Zürich, Basel, Genf, 2005, 87–112. Loretan, Adrian: Religionsunterrichtskonzepte und ihre rechtlichen Koordinaten, in: Pahud de Mortanges, René & Tanner, Erwin (Hrsg.), Kooperation zwischen Staat und Religionsgemeinschaften nach schweizerischem Recht/Coopération entre Etat et communautés religieuses selon le droit suisse 15, Zürich, Basel, Genf, 2005, 358–387. Loretan, Adrian: Überpositive Gerechtigkeitskriterien sind unentbehrlich! Rechtsphilosophische Überlegungen, in: Richli, Paul (Hrsg.), Wo bleibt die Gerechtigkeit? Antworten aus Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft 5, Zürich, Basel, Genf, 2005, 39–66. Loretan, Adrian: Vorwort, in: Loretan, Adrian & Luzzatto, Franco (Hrsg.), Gesellschaftliche Ängste als theologische Herausforderung. Kontext Europa Münster, 2004, 7–10. Loretan, Adrian: Abgrenzungsfragen zwischen geweihten und beauftragten Ämtern, in: Hoping, Helmut & Münk, Hans J. (Hrsg.), Dienst im Namen Jesu Christi. Impulse für Pastoral, Katechese und Liturgie 24, Freiburg Schweiz, 2001, 145–167. Hafner, Felix/Loretan, Adrian/Spenlé, Christoph: Naturrecht und Menschenrecht. Der Beitrag der Spanischen Spätscholastik zur Entwicklung der Menschenrechte, in: Grunert, Frank & Seelmann, Kurt (Hrsg.), Die Ordnung der Praxis. Neue Studien zur spanischen Spätscholastik Tübingen, 2001, 123–153. Loretan, Adrian: Einleitung, in: Buser, Denise & Loretan, Adrian (Hrsg.), Gleichstellung der Geschlechter und die Kirchen. Ein Beitrag zur menschenrechtlichen und ökumenischen Diskussion 3, Freiburg Schweiz, 1999, 9–14. Loretan, Adrian: Pastoralassistentinnen und -assistenten als liturgische Vorsteherinnen und Vorsteher. Zur pastoralen und kirchenrechtlichen Situation in der Schweiz, in: Klöckener, Martin & Richter, Klemens (Hrsg.), Wie weit trägt das gemeinsame Priestertum? Liturgischer Leitungsdienst zwischen Ordination und Beauftragung 171, Freiburg, Basel, Wien, 2 , 2 1998, 228–248. Akkordeon-Panel schließen Herausgeberschaft eines Sammelbandes Loretan, Adrian (Hrsg.): Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt in der Kirche. Beiträge aus Rechtswissenschaften und Theologie von Adrian Loretan, Mary McAleese, Doris Reisinger und Wolfgang Treitler (ReligionsRecht im Dialog 33), Wien; Münster 2023. Loretan, Adrian/Rengith Ambrose, Merlin (Hrsg.): Right of Defence in Marriage Nullity Trials. A Study Based on CIC 1983, DC and MIDI (ReligionsRecht im Dialog 32), Münster 2022. Loretan, Adrian/Berkmann, Burkhard (Hrsg.): Widersprüche zwischen Universal- und Partikularrecht als Ernstfall von Dezentralisierung in der Kirche. Ausgewählte Beispiele in Deutschland, Österreich und der Schweiz (ReligionsRecht im Dialog 31), Münster 2022. Loretan, Adrian (Hrsg.): Das kanonische Grundrecht auf Ehe und das Ehehindernis der Impotenz in Gegenüberstellung mit dem staatlichen Recht (CH) (ReligionsRecht im Dialog 28), Münster 2021. Loretan, Adrian (Hrsg.): Grundrechte im Ordensrecht am Beispiel der Gleichheit der Personen (ReligionsRecht im Dialog 30), Münster 2021. Loretan, Adrian (Hrsg.): Ordens-Gehorsam im Kontext von Menschenwürde und Menschenrechten. Ein kirchenrechtlicher Beitrag (ReligionsRecht im Dialog 29), Münster 2021. Loretan, Adrian (Hrsg.): Ordensarmut und soziale Sicherheit. Eine Analyse des Ordensrechtes und des staatlichen Rechtes (ReligionsRecht im Dialog 27), Münster 2019. Loretan, Adrian (Hrsg.): Dem Kaiser, was des Kaisers ist? Papst Leo XIII. (1878-1903) und die Lehre von der potestas papae in temporalibus (ReligionsRecht im Dialog 26), Münster 2018. Loretan, Adrian/Wilfred, Felix (Hrsg.): Revision of the Codes. An Indian-European Dialogue (ReligionsRecht im Dialog 24), Wien/Münster 2018. Loretan, Adrian (Hrsg.): Die Würde der menschlichen Person. Zur Konzilserklärung über die Religionsfreiheit «Dignitatis humanae» (ReligionsRecht im Dialog 21), Münster 2017. Loretan, Adrian (Hrsg.): Nichtchristen im Recht der katholischen Kirche (ReligionsRecht im Dialog 23), Münster 2017. Loretan, Adrian (Hrsg.): Unholy Discrimination. An overview of the legal rules governing the consideration of the balance of interests between gender equality and the freedom of religion in access to leading spiritual offices (ReligionsRecht im Dialog 25), Münster 2017. Loretan, Adrian/Mäder, Ueli u. a. (Hrsg.): Kirchliche Gassenarbeit Luzern. Eine 30-jährige Zusammenarbeit von Kirchen und staatlichen Institutionen zugunsten von suchtbetroffenen Personen (ReligionsRecht im Dialog 22), Wien 2016. Loretan, Adrian (Hrsg.): Reflexion und Innovation im Forschungsprozess. Eine Einführung für Juristen, Kirchenrechtler und Ökonomen (ReligionsRecht im Dialog 20), Münster 2016. Loretan, Adrian (Hrsg.): Das Ringen um Religionsfreiheit. Die Positionen von John Courtney Murray und Fethullah Gülen im Vergleich (ReligionsRecht im Dialog 19), Münster 2015. Loretan, Adrian (Hrsg.): Zeit der Taufe. Canon 856 CIC 1983 im Nexus von Kirchenrecht, Theologie und der „Philosophie der symbolischen Formen“ (ReligionsRecht im Dialog 18), Münster 2015. Loretan, Adrian (Hrsg.): Die unheilige Diskriminierung. Eine juristische Auslegeordnung für die Interessenabwägung zwischen Geschlechtergleichstellung und Religionsfreiheit beim Zugang zu religiösen Leitungsämtern (ReligionsRecht im Dialog 16), Münster 2014. Loretan, Adrian/Weber, Quirin/Morawa, Alexander H.E. (Hrsg.): Freiheit und Religion. Die Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften in der Schweiz (ReligionsRecht im Dialog 17), Münster 2014. Loretan, Adrian (Hrsg.): Wie können Menschenrechte begründet werden? Ein für religiöse und säkulare Menschenrechtskonzeptionen anschlussfähiger Ansatz (ReligionsRecht im Dialog 15), Münster 2013, auf: https://lit-verlag.de/isbn/978-3-643-80142-5/. Loretan, Adrian (Hrsg.): "Teaching about religion" - Religionskunde im Vergleich. Rechtsvergleichende und verhandlungstheoretische Betrachtung von integrierter Religionskunde in Frankreich und Religionskunde als gesondertem Fach im Kanton Zürich (ReligionsRecht im Dialog 13), Münster 2012. Loretan, Adrian (Hrsg.): Models of Religious Freedom Switzerland, the United States, and Syria by Analytical, Methodological, and Eclectic Representation (ReligionsRecht im Dialog 12), Münster 2012. Loretan, Adrian (Hrsg.): Pfarrei und Kirchgemeinde. Verhältnisbestimmung für die deutschsprachige Schweiz unter spezifischer Berücksichtigung rechtshistorischer Aspekte (ReligionsRecht im Dialog 14), Münster 2012. 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Rechtliche Möglichkeiten der Anwendung der cc. 129 § 2 und 517 § 2 CIC/1083 (ReligionsRecht im Dialog 7), Münster 2008. Loretan, Adrian (Hrsg.): L’organisation d’une région diocésaine. Questions de droit canonique et de droit ecclésiastique à l’exemple de la région Berne-Jura-Soleure (Ste-Vérène) du diocèse de Bâle (ReligionsRecht im Dialog 8), Münster 2008. Loretan, Adrian (Hrsg.): Prozessmanagement für seelsorgliche Aufgaben. Am Beispiel der katholischen Kirche in Deutschland (ReligionsRecht im Dialog 6), Münster 2007. Albisser, Rudolf/Loretan, Adrian (Hrsg.): Spitalseelsorge im Wandel (ReligionsRecht im Dialog 5), Münster 2007. Loretan-Saladin, Adrian/Bernet-Strahm, Toni (Hrsg.): Das Kreuz der Kirche mit der Demokratie. Zum Verhältnis von katholischer Kirche und Rechtsstaat, Zürich 2006. Loretan, Adrian (Hrsg.): Visitation und Controlling in der Kirche. Führungsinstrumente des kirchlichen Managements (ReligionsRecht im Dialog 4), Münster 2006. Loretan, Adrian (Hrsg.): Gleichstellung der Frau in Staat und Kirche. Ein problematisches Spannungsverhältnis (ReligionsRecht im Dialog 2), Münster 2005. Loretan, Adrian (Hrsg.): Kirche zwischen Auftrag und Bedürfnis. Ein Beitrag zur ökonomischen Reflexionsperspektive in der Praktischen Theologie (ReligionsRecht im Dialog 3), Münster 2005. Loretan, Adrian (Hrsg.): Kirchliches Management. Grundlagen und Grenzen (ReligionsRecht im Dialog 1), Münster 2005. Loretan, Adrian/Luzzatto, Franco (Hrsg.): Gesellschaftliche Ängste als theologische Herausforderung. Kontext Europa (Theologie Ost-West 3), Münster 2004. Loretan, Adrian (Hrsg.): Theologische Fakultäten an europäischen Universitäten. Rechtliche Situation und theologische Perspektiven (Theologie Ost-West 1), Münster 2004. Kohler-Spiegel, Helga/Loretan, Adrian (Hrsg.): Religionsunterricht an der öffentlichen Schule. Orientierungen und Entscheidungshilfen zum Religionsunterricht, Zürich 2000. Buser, Denise/Loretan, Adrian (Hrsg.): Gleichstellung der Geschlechter und die Kirchen. Ein Beitrag zur menschenrechtlichen und ökumenischen Diskussion (Freiburger Veröffentlichungen zum Religionsrecht 3), Freiburg Schweiz 1999. Loretan, Adrian (Hrsg.): Oskar Stoffel. Beiträge zum Missionsrecht. Zur Erinnerung herausgegeben von Adrian Loretan (Beihefte zum Münsterischen Kommentar zum Codex Iuris Canonici 23), Essen 1999. Loretan, Adrian (Hrsg.): Rapports Église-État en mutation. La situation en Suisse romande et au Tessin, Freiburg Schweiz 1997. Loretan, Adrian (Hrsg.): Kirche - Staat im Umbruch. Neuere Entwicklungen im Verhältnis von Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften zum Staat, Zürich 1995. Akkordeon-Panel schließen Herausgeberschaft eines Konferenzbandes Hänni, Julia/Heselhaus, Sebastian/Loretan, Adrian (Hrsg.): Religionsfreiheit im säkularen Staat. Aktuelle Auslegungsfragen in der Schweiz, in Deutschland und weltweit, Zürich; St. Gallen; Baden-Baden 2019. Akkordeon-Panel schließen Artikel in Publikumsmedien Loretan, Adrian: Die demokratische legitimierte Universität, in: cogito - Das Wissensmagazin der Universität Luzern 15 (2025), 56–57, auf: https://www.unilu.ch/magazin/artikel/die-demokratisch-legitimierte-universitaet/. Loretan, Adrian: Keine Rede, in: aufbruch 37/266 (2024), 12. Wittmann, Franz/Loretan, Adrian: Kinderrechte und Kirchenrecht, in: Unilu Aktuell 53/November (16. August 2023), 9 ff., auf: https://www.unilu.ch/forschung/aktivitaeten/fokus-forschung/kinderrechte-und-kirchenrecht/. Loretan, Adrian: Franz-Xaver, Patron der Jesuitenkirche, in: Alles in Christus neu sehen. Vorträge in der Jesuitenkirche zum Ignatianischen Jahr 2021/2022 (2022), 15–26. Loretan, Adrian: Dank den Stimmberechtigten des Kantons Luzern. Rubrik: Die WB-Aula, in: Willisauer Bote (2. Oktober 2020). Loretan, Adrian: Wie lässt sich die patriarchalische Kirchenstruktur heute noch rechtfertigen?, in: Cogito. Das Wissensmagazin der Universität Luzern 3 (2019), 22. Loretan, Adrian: Amazonien könnte zu einem Modell für Europas Katholiken werden, in: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag (8. Dezember 2019), 19. Loretan, Adrian: Religiöse Gewalt und liberaler Rechtsstaat. Wahrheit und Freiheit. Gastkommentar, in: Neue Zürcher Zeitung (21. Oktober 2017), 12, https://doi.org/10.5281/zenodo.3266055. Loretan, Adrian: Das Konzil und die Menschenwürde. Ein theologischer Essay, in: Sonntag 96/49 (3. Dezember 2015), 13 ff. Loretan, Adrian: Personenwürde an erster Stelle. Über die Bedeutung von „Dignitatis humanae“, in: forumKirche. Pfarreiblatt der Bistumskantone Schaffhausen und Thurgau 19 (2015), 12 ff. Loretan, Adrian: Vom Recht der Wahrheit zum Recht der Person, in: Pfarreiblatt der Katholischen Kirche Stadt Luzern 17 (2015), 5 ff. Loretan, Adrian: Das Apostolat der Laien, in: ite. Das Magazin der Schweizer Kapuziner 92/5 (2014), 8–11. Loretan, Adrian: Vertrauensschwund in Unternehmen – Zeichen einer Wirtschaftskrise?, in: uniluAktuell 42 (2013), 16 ff. Loretan, Adrian: Religionsfreiheit - eine Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Religionen, in: Willisauer Bote (1. Juni 2012), 2 ff. Loretan, Adrian: Rechte und Pflichten im Apostolat der Laien, in: Mitteilungen. Zeitschrift der Religionslehrerinnen und -lehrer der Erzdiözese Salzburg 3 (2011), 10–11. Loretan, Adrian: Basler Bischof wird gewählt, nicht ernannt, in: Zentralschweiz am Sonntag 48 (28. November 2010), 39 ff. Loretan, Adrian: Dem Opfer grössere Beachtung schenken, in: reformiert 4.2 (9. April 2010). Loretan, Adrian: Was ist das für ein Gott, der Frauen diskriminiert, in: Kirche heute, Kirche im Kontext der Menschenrechte 39/25 (2010), 4–5. Loretan, Adrian: Wegen Zölibat, in: 20 Minuten online (10. April 2010). Loretan, Adrian: Freiheit in den Kirchen oder Church Management by Human Rights, in: uniluAktuell 29 (2009), 20–21. Loretan, Adrian: Maturajubiläum. 30 Jahre: 1979-2009, in: Titlisgrüsse. Zeitschrift des Klosters und der Stiftsschule Engelberg 95/2 (2009), 57–59. Loretan, Adrian: Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit, in: Kirchenblatt für römisch-katholische Pfarreien im Kanton Solothurn 40/6 (22. März 2008), 4–5. Loretan, Adrian: Gerechtigkeit ist jene Tugend …, in: Pfarrblatt. Wochenzeitung der röm.-kath. Pfarreien des Kantons Bern, alter Kantonsteil 6 (2. Februar 2008), 19 ff. Loretan, Adrian: Religionsrecht – was ist das?, in: Pfarreiblatt des Kantons Luzern 4 (2007). Loretan, Adrian: Wirtschaftsinformatik/Theologie, in: Pfarrblatt. Wochenzeitung der röm.-kath. Pfarreien des Kantons Bern, alter Kantonsteil 24 (9. Juni 2007), 22 ff. Loretan, Adrian: Ungewöhnlicher Dialog, in: Alpha (Stellenmarkt des Tages-Anzeigers und der Sonntagszeitung) (19. Mai 2007). Loretan, Adrian: Unternehmerisches Denken in kirchlichen Strukturen?, in: Kirche heute. Pfarrblatt der römisch-katholischen Pfarreien der Nordwestschweiz (11. März 2007), 22 ff. Loretan, Adrian: Interdisziplinär denken lernen, in: Pfarrblatt. Wochenzeitung der röm.-kath. Pfarreien des Kantons Bern, alter Kantonsteil 7 (11. Februar 2006), 3 ff. Loretan, Adrian: Geschieden und versöhnt mit der Kirche?, in: Neue Luzerner Zeitung 31 (7. Februar 2006), 36 ff. Loretan, Adrian: Kirche und Management, in: Alpha (Stellenmarkt des Tages-Anzeigers und der Sonntagszeitung) (8. Juli 2006), 48 ff. Loretan, Adrian: Weltkulturerbe Sonntag, in: Pfarrblatt. Wochenzeitung der röm.-kath. Pfarreien des Kantons Bern, alter Kantonsteil 43 (22. Oktober 2005), 1 ff. Loretan, Adrian: Das Kreuz mit der Demokratie. Eine Tagung zum Verhältnis von Kirche und Rechtsstaat, in: Horizonte. Pfarrblatt Aargau 20/29/30 (17. Juli 2005), 5 ff. Loretan, Adrian: Wünscht der Papst islamischen Religionsunterricht? Kirchen müssen Verhältnis zu Staat, Gesellschaft und anderen Religionen neu bestimmen, in: Kipa-Dienst 260/261 (18. September 2005), 9–11. Loretan, Adrian: Lange Demokratie-Tradition, in: Pfarreiblatt. Katholische Kirche Stadt Luzern 15 (2005), 2 ff. Loretan, Adrian: Die Religionsfreiheit und das Verhältnis von Kath. Kirche und Rechtsstaat, in: Kurszeitung theologiekurse.ch 1 (2005), 4 ff. Loretan, Adrian: Das Kreuz der Kirche mit der Demokratie, in: Willisauer Bote (23. September 2005), 2 ff. Loretan, Adrian: Ein Brief an Kurt Marti, in: Berner Pfarrblatt (12. März 2005), 3 ff. Loretan, Adrian: Universitäten ohne Theologie?, in: Titlisgrüsse. Zeitschrift des Klosters und der Stiftsschule Engelberg 90/2 (2004), 36–39. Loretan, Adrian: Kann der Papst einen Bischof absetzen?, in: Blick vom Samstag (24. Juli 2004), 17 ff. Loretan, Adrian: Freiheitliches Recht in der Kirche, in: Kirche heute. Pfarrblatt der Nordwestschweiz (10. Februar 2002), 21 ff. Loretan, Adrian: Bettag - Tag ohne Leistung, in: Neue Luzerner Zeitung (16. September 2000), 19 ff. Loretan, Adrian: Menschenrechte auch für Frauen? Beitrag in der Serie "Religion und Staat", in: Tages Anzeiger (11. August 1999), 10 ff. Loretan, Adrian: Fragen und Antworten zum Thema Kirchenaustritt und Religionsunterricht. Fragen von Annemarie Schwegler und Gregor Schwander, Antworten von Adrian Loretan, in: Verschiedene Pfarrblätter der Deutschschweiz (1998). Loretan, Adrian: Kirchenaustritt: Trotzdem den Religionsunterricht besuchen?, in: Neue Luzerner Zeitung 89 (18. April 1997), 54 ff. Loretan, Adrian: Recht und Billigkeit. Wieviel Barmherzigkeit erträgt das Kirchenrecht?, in: auftrag. Zeitschrift für praktische Pfarreiarbeit 6 (1997), 6 ff. Loretan, Adrian: Aus kirchenrechtlicher Sicht: Partizipation in der Seelsorge, in: auftrag. Zeitschrift für praktische Pfarreiarbeit 4 (1997), 6–7. Loretan, Adrian: Kirchenaustritt: Was passiert dereinst mit meinem Leichnam?, in: Neue Luzerner Zeitung 37 (14. Februar 1997), 52 ff. Loretan, Adrian: Die Klein-Uni nicht nur retten, sondern lieber noch ausbauen. Gastkommentar, in: Luzern heute 20 (18. Dezember 1997), 2 ff. Loretan, Adrian: Hat der Kirchen-Austritt innerkirchliche Konsequenzen?, in: Basler Pfarrblatt 18 (27. April 1997), 14 ff. Loretan, Adrian: In jedem Kanton anders, in: pfarrblatt (Region Aarau, Lenzburg) 37 (10. September 1995), 4 ff. Loretan, Adrian: Das Verhältnis von Kirche und Staat in der Schweiz (2): z. B. im Kanton Luzern, in: Pfarreiblatt-Gemeinschaft Luzern 16 (15. September 1995), 10–11. Loretan, Adrian: Das Verhältnis von Kirche und Staat in der Schweiz (1): Wie finanziert sich die Kirche?, in: Pfarreiblatt-Gemeinschaft Luzern 15 (1. September 1995), 10–11. Loretan, Adrian: Religionsfreiheit: ein Menschenrecht. Staatskirchenrecht und Religionsfreiheit am Beispiel des Kantons Luzern, in: Wochenendjournal der Urner, Schwyzer, Nidwaldner und Luzerner Zeitung 46 (23. November 1991), 7 ff. Akkordeon-Panel schließen Beitrag in einem Kommentar Loretan, Adrian: Religionsgemeinschaften: § 79 Öffentlich-rechtliche Anerkennung und § 80 Organisation und Finanzierung, in: Richli, Paul & Wicki, Franz (Hrsg.), Kommentar der Kantonsverfassung Luzern, Bern 2010, 665–676. Akkordeon-Panel schließen Interview Loretan, Adrian: Abschaffung des "Tanzverbots": Was ist das eigentlich?, Sendung Echo der Zeit, SRF 1 und 4, auf: https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/abschaffung-des-tanzverbots-was-ist-das-eigentlich?partId=qhzUdJeWbczVA1l43ICqH5SPmdA#autoplay. Loretan, Adrian: Menschenrechte - ein Instrument der Machtbegrenzung in der Kirche, kath.ch, auf: https://www.kath.ch/newsd/menschenrechte-ein-instrument-der-machtbegrenzung-in-der-kirche/. Loretan, Adrian: Demokratie beginnt im Kirchenrecht, Perspektiven, Radio SRF 2 Kultur, auf: https://www.srf.ch/audio/perspektiven/demokratie-beginnt-im-kirchenrecht?id=AUDI20250920_NR_0016#autoplay. Loretan, Adrian: Die Menschenrechte wurzeln in der kirchlichen Rechtskultur, cogito – Das Wissensmagazin der Universität Luzern, auf: https://www.unilu.ch/magazin/artikel/die-menschenrechte-wurzeln-in-der-kirchlichen-rechtskultur/. Loretan, Adrian: Demokratie und Menschenrechte gehören zur Rechtstradition der Kirche, feinschwarz - Theologisches Feuilleton, auf: https://www.feinschwarz.net/demokratie-und-menschenrechte-gehoeren-zur-rechtstradition-der-kirche/. Loretan, Adrian: Priester sollten nach einem Sexualverbrechen suspendiert werden. Der Luzerner Kirchenrechtlicher Adrian Loretan kritisiert die Zurückhaltung der Schweizer Bischofskonferenz, NZZ, auf: https://www.nzz.ch/schweiz/kirchenrechtler-fordert-priester-sollten-wie-lehrer-nach-einem-sexualverbrechen-von-kirchlichen-und-schulischen-aemtern-suspendiert-werden-ld.1761047. Loretan, Adrian: Engagement für Kinderrechte wird ausgezeichnet, Unilu.ch Newsmeldung, auf: https://www.unilu.ch/news/engagement-fuer-kinderrechte-wird-ausgezeichnet-7099/. Loretan, Adrian: «Bonnemain könnte eine Frau zur Leiterin des Ordinariates ernennen», www.kath.ch, auf: https://www.kath.ch/newsd/bonnemain-koennte-eine-frau-zur-leiterin-des-ordinariates-ernennen/. Loretan, Adrian: «DDR-Filme erinnern mich an die katholische Kirche», www.kath.ch, auf: https://www.kath.ch/newsd/ddr-filme-erinnern-mich-an-die-katholische-kirche/. Loretan, Adrian: «Wenn es Widerspruch gibt, fühle ich mich wohl». Vorgestellt, cogito. Das Wissensmagazin der Universität Luzern, auf: https://www.unilu.ch/magazin/artikel/wenn-es-widerspruch-gibt-fuehle-ich-mich-wohl-9355/. Loretan, Adrian: Es braucht jetzt einen radikalen Umbau der Kirche, ite-Magazin, auf: https://www.ite-dasmagazin.ch/es-braucht-jetzt-einen-radikalen-umbau-der-kirche/. Loretan, Adrian/auf der Maur, Jürg: Interview. interviewt von Jürg auf der Maur, Zentralschweiz am Sonntag. Loretan, Adrian: Interview über den Hirtenbrief von Benedikt XVI. an die irischen Bischöfe, Zentralschweiz am Sonntag. Loretan, Adrian: Fragebogen (= Interview), Christ in der Gegenwart. Loretan, Adrian: Theologie für die Gegenwart, Christ in der Gegenwart. Loretan, Adrian/Schneitter, Andreas: Kein christlicher Staat. interviewt von Andreas Schneitter, tachles. Akkordeon-Panel schließen Lexikonartikel Loretan, Adrian: Art. Willensfreiheit - Katholisch, in: Lexikon für Kirchen- und Religionsrecht 4 (2021), 740–742. Loretan, Adrian: Art. Menschenwürde – katholisch, in: Lexikon für Kirchen- und Religionsrecht 3 (2020), 194–196, https://doi.org/10.5281/zenodo.4643848. Loretan, Adrian: Art. Religionsfreiheit – katholisch, in: Lexikon für Kirchen- und Religionsrecht 3 (2020), 872–874, https://doi.org/10.5281/zenodo.4671433. Loretan, Adrian: Art. Autorität, religiöse – Katholisch, in: Lexikon für Kirchen- und Religionsrecht 1 (2019), 274–276, https://doi.org/10.30965/9783506786371_0221. Akkordeon-Panel schließen Rezension, Editorial Loretan, Adrian: 100 Jahre Mission im Wandel. = Besprechung: Josef Estermann, Mission im Wandel, Luzern 2021., in: Officiosa & Austausch 6 (2021), 228–235. Loretan, Adrian: Rezension: Judith Hahn, Grundlegung der Kirchenrechtssoziologie. Zur Realität des Rechts in der römisch-katholischen Kirche, Wiesbaden 2019, 248 S., in: Theologische Revue 116/April (2020), https://doi.org/10.17879/thrv-2020-2705. Loretan, Adrian: Interaktion von Philosophie und Recht. Rezension: Jürgen Habermas, Auch eine Geschichte der Philosophie. Berlin: Suhrkamp 2019. Bd. 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen, Bd. 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen., in: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie FZPhTh 67/2 (2020), 482–489. Loretan, Adrian: Rezension: Thomas Meckel, Konzil und Codex – Zur Hermeneutik des Kirchenrechts am Beispiel der ‚christifideles laici‘, Paderborn 2017, in: Kirche und Recht KuR 2/24 (2018), 281–282. Wojtczak, Dorothea/Loretan, Adrian: Rezension: Wahrheitsansprüche im Kontext der Freiheitsrechte, in: Theologisches Feuilleton feinschwarz.net (März 2018), auf: https://www.feinschwarz.net/rezension-wahrheitsansprueche-im-kontext-der-freiheitsrechte/. Loretan, Adrian: Does the Church have to be a part of the «great movement for the defence of the human person and the safeguarding of human dignity»? Editorial, in: Loretan, Adrian & Wilfred, Felix (Hrsg.), Revision of the Codes: An Indian-European Dialogue , Wien/Münster 2018, 11–14. Manea, Elham/Loretan, Adrian: Rezension Elham Manea, Women and Shari‘a Law: The Impact of Legal Pluralism in the UK. Pp. 256, in: Journal of Law and Religion 32/1 (Februar 2017), 202–205, https://doi.org/10.5281/zenodo.4686579. Loretan, Adrian: Geleitwort des Herausgebers der Reihe, in: Alexander Jungmeister, Reflexion und Innovation im Forschungsprozess: Eine Einführung für Juristen, Kirchenrechtler und Ökonomen , Wien 2016. Loretan, Adrian: Rezension: Markus Graulich/Ralph Weimann, Im Glauben das „Ja“ wagen. Auf dem Weg zur Ehe, Freiburg i.Br. 2015, in: Intams Review 23/2017/2 (2015), 262–263. Loretan, Adrian: Der Weihbischof im Bistum Basel. Rezension Alfred Bölle/Urban Fink, "Der Weihbischof im Bistum Basel". Historische und rechtliche Anmerkungen, in: Jahrbuch für Solothurnische Geschichte 83 (2010), 257-334, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 180/6 (2012), 102–103. Loretan, Adrian: Rezension Peter Kistner, Das göttliche Recht und die Kirchenverfassung. Der Freiraum für eine Reform, Berlin/Münster (LIT-Verlag) 2009, 228 S., in: Studia Pastoralne 6 (2010), 335–385. Loretan, Adrian: Rechtsstaat denken. Rezension Ernst-Wolfgang Böckenförde, Geschichte der Rechts- und Staatsphilosophie, Tübingen (Verlag Mohr Siebeck) 2002, 462 Seiten, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 178/24 (2010), 469–471. Loretan, Adrian: Religiöse Neutralität. Rezension René Pahud de Mortanges (Hg.), Religiöse Neutralität: Ein Rechtsprinzip in der multireligiösen Gesellschaft, Zürich (Schulthess) 2008, 155 S. (= Freiburger Veröffentlichungen zum Religionsrecht 21), in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 177/11 (2009), 198–199. Loretan, Adrian: Der kirchenrechtliche Amtsbegriff, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ). Bestimmung des Rechtsinstituts „Amt“ 176/6–7 (2008), 102–103. Loretan, Adrian: Familienwelten. Rezension Christoph Gellner (Hg.), Paar- und Familienwelten im Wandel. Neue Herausforderungen für Kirche und Pastoral, Zürich 2007, 234 S., in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 176/39 (2008), 649–651. Loretan, Adrian: Vorwort des Herausgebers der Reihe, in: Michèle Adam Schwartz, Hat die „Gemeindeleiterin“ eine Leitungsfunktion?: Rechtliche Möglichkeiten der Anwendung der cc. 129 § 2 und 517 § 2 CIC/1983 , Münster 2008, 7–8. Loretan, Adrian: Rezension: Marianne Heimbach-Steins, Rotraud Wielandt und Reinhard Zintl (Hrsg.), Religiöse Identität(en) und gemeinsame Religionsfreiheit. Eine Herausforderung pluraler Gesellschaften. Würzburg: Ergon 2006, 168 S., in: Theologische Literaturzeitung 132/10 (2007), 1056–1057. Loretan, Adrian: Geleitwort, in: Richard Götz, Prozessmanagement für seelsorgliche Aufgaben: Am Beispiel der katholischen Kirche in Deutschland , Münster 2007, 5–8. Loretan, Adrian: Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht. Rezension Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Hrsg. von Axel Frhr. v. Campenhausen/Ilona Riedel-Spangenberger/P. Reinhold Sebott SJ, unter Mitarbeit von Michael Ganster und Heribert Hallermann, Band 3 (N-Z): Paderborn (Schöningh) 2004, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 174/31–32 (2006), 513–514. Loretan, Adrian: Geleitwort des Herausgebers der Buchreihe, in: Stella Ahlers, Gleichstellung der Frau in Staat und Kirche – ein problematisches Spannungsverhältnis , Münster 2006, 7 ff. Loretan, Adrian: In den USA herrscht mehr Ungleichheit als in Europa. Rezension Gret Haller, Politik der Götter. Europa und der neue Fundamentalismus, Berlin (Aufbau-Verlag) 2005, in: NZZ am Sonntag (Dezember 2005), 93 ff., https://doi.org/10.5281/zenodo.3266048. Loretan, Adrian: Eine Geschichte der Gerechtigkeit. Rezension Paolo Prodi, Eine Geschichte der Gerechtigkeit. Vom Recht Gottes zum modernen Rechtsstaat, München (Beck) 2003, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 173 (2005), 617 ff. Loretan, Adrian: Geleitwort des Herausgebers der Buchreihe, in: Pius Bischofberger, Kirchliches Management: Grundlagen und Grenzen , Münster 2005, 5–6. Loretan, Adrian/Famos, Reto: Geleitwort: Ökumenisch-ökonomischer Dialog, in: Cla Reto Famos, Kirche zwischen Auftrag und Bedürfnis: Ein Beitrag zur ökonomischen Reflexionsperspektive in der Praktischen Theologie , Münster 2005, 5 ff. Loretan, Adrian: Recht, Menschenrechte, Moral. Rezension Gret Haller, Politik der Götter. Europa und der neue Fundamentalismus, Berlin (Aufbau-Verlag) 2005, in: Orientierung 69 (2005), 244–246. Loretan, Adrian: Die Frau, die den Papst das Fürchten lehrte. Rezension Barbara Kopp, Die Unbeirrbare. Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und die Schweiz das Fürchten lehrte, Zürich (Limmat) 2003, in: Publik-Forum 5 (März 2004), 59 ff. Loretan, Adrian: Editorial, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 15/2 (2004), 123–126. Loretan, Adrian: Recht und Staat denken. Rezension Ernst-Wolfgang Böckenförde, Geschichte der Rechts- und Staatsphilosophie, Tübingen 2002, in: Internationale Zeitschrift für Philosophie 13/2 (2004), 228–235. Loretan, Adrian: Editorial, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 15/1 (2004), 3–5. Loretan, Adrian: Leitungsstrukturen in der katholischen Kirche. Rezension Ilona Riedel-Spangenberger (Hrsg.), Leitungsstrukturen in der katholischen Kirche. Kirchenrechtliche Grundlagen und Reformbedarf, Freiburg i.Br. (Herder) 2002 (Quaestiones disputatae 198), in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 172 (2004), 222–224. Loretan, Adrian: Editorial, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 14/2 (2003), 119–122. Loretan, Adrian: Rezension: Rüdiger Althaus, Die Rezeption des Codex Iuris Canonici von 1983 in der Bundesrepublik Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung der Voten der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Paderborn 2000, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 14/2 (2003), 220–224. Loretan, Adrian: Editorial, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 14/1 (2003), 3–5. Loretan, Adrian: Rezension: Recht – Ethik – Religion. Der Spannungsbogen für aktuelle Fragen, historische Vorgaben und bleibende Probleme. FS für Dr. iur. Giusep Nay, Hrsg. von Dietmar Mieth und René Pahud de Mortanges, Luzern (Edition Exodus) 2002, in: Archiv für katholisches Kirchenrecht 172/1 (2003), 287–293. Loretan, Adrian: Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht. Rezension Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht, Hrsg. von Axel Frhr. v. Campenhausen/Ilona Riedel-Spangenberger/P. Reinhold Sebott SJ, Band 1 ( A-F): Paderborn 2000; Band 2 (G-M): Paderborn 2002, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 171 (2003), 214–217. Loretan, Adrian: Rezeption oder ortskirchliche Anpassung des weltkirchlichen Rechts. Rezension Rüdiger Althaus, Die Rezeption des Codex Iuris Canonici von 1983 in der Bundesrepublik Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung der Voten der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland, Paderborn 2000, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 171 (2003), 682–684. Loretan, Adrian: „Nur wer sich seiner Vergangenheit bewusst ist, hat Zukunft“. Rezension Konrad Breitsching und Wilhelm Rees (Hrsg.), Tradition – Wegweisung in die Zukunft. Festschrift für Johannes Mühlsteiger SJ zum 75. Geburtstag, Berlin 2001, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 171 (2003), 126–129. Loretan, Adrian: Editorial, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/2 (2002), 139–140. Loretan, Adrian: Öffentlichkeit und katholische Kirche. Rezension Franco Luzzatto, Öffentlichkeitsdefizit der katholischen Kirche, Freiburg Schweiz 2002, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/2 (2002), 240–243. Loretan, Adrian: Editorial, in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/1 (2002), 3–4. Loretan, Adrian: Was ist heute noch katholisch? Rezension Albert Franz (Hrsg.), Was ist heute noch katholisch? Zum Streit um die innere Einheit und Vielfalt der Kirche, Freiburg i.Br. (Herder) 2001 (Quaestiones disputatae, Bd. 192), in: Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa 13/1 (2002), 131–135. Loretan, Adrian: Kommunikationsstrukturen der katholischen Kirche Schweiz. Rezension Franco Luzzatto, Öffentlichkeitsdefizit der katholischen Kirche, Freiburg Schweiz 2002, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 170 (2002), 120–124. Loretan, Adrian: Was ist heute noch katholisch? Rezension Albert Franz (Hrsg.), Was ist heute noch katholisch? Zum Streit um die innere Einheit und Vielfalt der Kirche, Freiburg i.Br. (Herder) 2001 (Quaestiones disputatae, Bd. 192), in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 170 (2002). Loretan, Adrian: Kirchliche Organisationsstrukturen - aus österreichischer Sicht. Rezension Helmut Schnitzer, Rechtssubjekt, rechtswirksames Handeln und Organisationsstrukturen: ausgewählte Aufsätze aus Kirchenrecht, Rechtsgeschichte und Staatskirchenrecht, Freiburg i. Ü. 1995 (Freib. Veröff. aus d. Gebiete v. Kirche u. Staat 42), in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 164 (1996), 436–437. Loretan, Adrian: Das Verhältnis der Kirchen zu den Grund- und Menschenrechten. Rezension Felix Hafner, Kirchen im Kontext der Grund- und Menschenrechte, Freiburg 1992, in: Loretan, Adrian (Hrsg.), Kirche - Staat im Umbruch: Neuere Entwicklungen im Verhältnis von Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften zum Staat , o. O. 1995, 262–275. Loretan, Adrian: Hiobsbotschaften - und was bleibt von der Liebe Gottes? Eine Buchbesprechung: Carlo M. Kardinal Martini, Wer in der Prüfung bei mir bleibt. Von Ijob zu Jesus, in: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 160 (1992). Akkordeon-Panel schließen Übersetzung Loretan, Adrian: Wahrheit und Toleranz. Zum 300. Todestag von John Locke (1632-1704) (No. 69), (übers. von Loretan, Adrian), 47–48 o. O. 2005. Akkordeon-Panel schließen Unterrichtsmaterial, Skripte Loretan, Adrian: Kirchenrecht. Skript des Theologiekurs für Laien (TKL). Akkordeon-Panel schließen Virtuelle Medien: Audio, Video Loretan, Adrian: Der demokratische Rechtsstaat - Zur Rechtskultur des Westens und der Westkirche. Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. Adrian Loretan, auf: https://www.unilu.ch/fakultaeten/tf/institute/institut-fuer-sozialethik-ise/abschiedsvorlesung-von-prof-dr-adrian-loretan/. Loretan, Adrian: Viel Arbeit für den neuen Bischof von Chur, auf: https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/viel-arbeit-fuer-den-neuen-bischof-im-bistum-chur?id=11933188. Loretan, Adrian/Ueltschi, Kathrin: Müssen Priester über sexuellen Missbrauch schweigen? Bürde Beichtgeheimnis, auf: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/buerde-beichtgeheimnis-muessen-priester-ueber-sexuellen-missbrauch-schweigen. Loretan, Adrian/Pelosi, Dario: Kirchenrechtler: Muslime sollen Status als Landeskirche anstreben, auf: https://www.srf.ch/news/regional/zentralschweiz/kirchenrechtler-muslime-sollen-status-als-landeskirche-anstreben. Loretan, Adrian/Schwingruber, Anton/Stauffer, Beat: Kontext Debatte. Thema: Islam als Landeskirche? Loretan, Adrian/Schürer, Christian: Schweizer Landeskirchen: Leere Bänke, volle Kassen, auf: https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/geld/schweizer-landeskirchen-leere-baenke-volle-kassen. Akkordeon-Panel schließen Virtuelle Medien: Blog, Forum, Newsgruppe, Website Loretan, Adrian: Adrian Loretan zum Tod von Rudolf Schmid, auf: https://www.kath.ch/medienspiegel/adrian-loretan-zum-tod-von-rudolf-schmid/. Loretan, Adrian: Synodalität gegen Machtmissbrauch, auf: https://www.zhkath.ch/kirche-aktuell/gesellschaft-politik/synodalitaet-gegen-machtmissbrauch. Loretan, Adrian: „Synodales Vorgehen“: Willkür oder Rechtsverbindlichkeit?, auf: https://www.feinschwarz.net/synodales-vorgehen-willkuer-oder-rechtsverbindlichkeit/. Loretan, Adrian: Rechtliche Forderungen an die Kirche – auch aus kirchenrechtlicher Perspektive, auf: https://www.feinschwarz.net/rechtliche-forderungen-an-die-kirche-auch-aus-kirchenrechtlicher-perspektive/. Loretan, Adrian: Diakonat der Frau oder Trennung von Weihe und Leitung. Eine menschenrechtliche Sicht auf Konzil und CIC/1983, auf: http://www.kna2.de/dlpdf2.php?d=dd&j=2019&m=04&t=29&p=1026. Loretan, Adrian: Menschenrechte statt Privilegien!, https://doi.org/10.5281/zenodo.3265645. Loretan, Adrian: Die zwei Rechtssysteme in der Kirche und wie es dazu kam (Langfassung des Beitrags im Luzerner Kirchenschiff Juli 2018/Nr. 6, S. 2), auf: https://www.lukath.ch/aktuelles/beitraege/beitraege/die-zwei-rechtssysteme-in-der-kirche-und-wie-es-dazu-kam. Loretan, Adrian: Zwischen Wahrheit und Freiheit: Religiöse Gewalt und liberaler Rechtsstaat, auf: https://www.feinschwarz.net/zwischen-wahrheit-und-freiheit-religioese-gewalt-und-liberaler-rechtsstaat/. Loretan, Adrian: Menschenrechte in einer religiösen Verfassung?, auf: https://www.feinschwarz.net/menschenrechte-in-einer-religioesen-verfassung/. Loretan, Adrian: Orthodoxe Praxis bei geschiedenen Wiederverheirateten, auf: https://www.feinschwarz.net/orthodoxe-praxis-bei-geschiedenen-wiederverheirateten/. Loretan, Adrian: Katholische Kirche und die Menschenwürde, auf: https://www.feinschwarz.net/katholische-kirche-menschenwuerde/. Akkordeon-Panel schließen Weitere Forschungsleistungen Alle anzeigen Alle Sektionen des Akkordeons öffnen Beitrag/Präsentation an einer wissenschaftlichen Konferenz Systemische Ursachen der sexualisierten Gewalt in der Kirche. Referat, Semper Reformanda. Das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften auf dem Prüfstand, Ley, Isabelle; Stein, Tine; Essen, Georg;, Podsdam, 2023 Human Rights in the Catholic Church between Universalist Claim and Particular Genesis. Referat, Relativity and Universality of Human Rights. Questions of religious policy, Cudré-Mauroux, Mathieu; Zander, Helmut;, Fribourg, 2022 Verbot der Geschlechterdiskriminierung und religiöse Neutralität. Referat, Tagung der Schweizerischen Vereinigung für evangelisches Kirchenrecht, Schweizerische Vereinigung für evangelisches Kirchenrecht (SVEK), Zürich, 2021 Mixed denominational marriages. Referat, International Ecumenical-Legal Conference, Prof. Dr. Pastwa, Andrzei, Krakau/Katowice, 2021 Vermögensrecht und Laienpredigt (CH): I. Die demokratischen Kirchgemeinden mit spezieller Berücksichtigung des Vermögensrechts und II. Ortskirchliche Laienämter mit Predigtdienst. Referat, Partikularrecht widerspricht Universalrecht. Ernstfall für die Dezentralisierung im Kirchenrecht, Kanonistisches Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München (Prof. Dr. Berkmann, Burkhard), München, 2021 Staat und Kirche: Jerusalem, Rom, Athen oder nix? Diskussionsbeitrag, Staat und Kirche: Jerusalem, Rom, Athen oder nix?, Mediathek Wallis, Brig, Brig, 2020 Synodales Vorgehen: Willkür oder Rechtsverbindlichkeit? Referat, Synodales Vorgehen: Willkür oder Rechtsverbindlichkeit?, Verein tagsatzung.ch, Luzern, 2020 Synodalität und Hierarchie in der Katholischen Kirche. Referat, Das Verhältnis zwischen der lokalen, regionalen und universalen Ebene in der Kirchenverfassung. Ein Vergleich zwischen dem Recht verschiedener christlicher Konfessionen, Vertreter des orthodoxen und des katholischen Kirchenrechts an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Akad. Oberrat Dr. Dr. Anargyros Anapliotis; Prof. Dr. Dr. Burkhard Berkmann), München, 2019 Spiritual Care in Public Institutions in Switzerland. Referat, Fourth year of Prague Dialogues on Church and State Relations: Spiritual Care in Public Institutions, The Church Law Society in cooperation with the School of Law of the Charles Universit y in Prague, Prag, 2019 Auf der Suche nach der Freiheit. Ein kirchenrechliches Plädoyer. Referat, Abendgespräch zu Freiheit und Religion, Zentrum für Religionsverfassungsrecht der Universität Luzern (Hänni, Julia, Co-Direktorin; Loretan, Adrian, Co-Direktor), Luzern, 2019 Diakonat der Frau oder Trennung von Weihe- und Jurisdiktionshierarchie: Eine menschenrechtliche Sicht auf Konzil und CIC 1983. Referat, Die sakramentale Grundstruktur der Kirche und ihrer Dienste und Ämter, Internationales Diakonatszentrum (IDZ) und Theologische Fakultät Fulda, München, 2019 Die Synodalität nach Vaticanum II in der Schweiz. Swiss Synodality after Vatican II. Referat, VII International Ecumenical-Legal Conference «Idea of Synodality: Contexts, Chal-lenges and Perspectives»., Theological Faculty, University of Silesia in Katowice/Poland; Faculty of Theology, Ovidius University of Constanta/Romania; Faculty of Greek-Catholic Theology, University of Přesov in Přesov/Slovak Republic; u. a., Katowice-Brenna, 2018 Human dignity. Chair/Panel-Moderation, Lucerne Summer University: Ethics in a Global Context, Institut für Sozialethik (ISE) Universität der Universität Luzern, Luzern, 2018 Individuum contra Kollektiv. Referat, Luzerner Adventsgespräche zur Verfassung. Glaubens- und Gewissensfreiheit. Aktuelle Entwicklungen, Rechtswissenschaftliche und Theologische Fakultät der Universität Luzern, Luzern, 2017 Podium II: Demokratie, Freiheit und Repräsentanz: Rechtliche Voraussetzungen. (Panel-)Beitrag, Der Islam als öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaft in der Schweiz? Eine Debatte zwischen Wissenschaft, Politik und Verbänden, Universität Bern, Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie, Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, Schweizerische Asiengesellschaft, Bern, 2017 Menschenwürde. Dignitatis humanae [personae] und ihre kirchenrechtliche [Nicht-]Rezeption. Referat, Ius semper reformandum – Reformvorschläge aus der Kirchenrechtswissenschaft, Frankfurter und der Mainzer Lehrstuhl für Kirchenrecht, Schloss Hirschberg, 2017 Wahrheit und Freiheit im Verhältnis von Staat und Religion. Referat, Gewalt, Herrschaft, Religion, Universität Luzern, Theologische Fakultät, Luzern, 2017 Klärung des Rechtsbegriffs. Referat, Menschenrechte in der katholischen Kirche. Historische, systematische und praktische Perspektiven, Deutsches Historisches Institut in Rom. Istituto Storico Germanico di Roma, Rom, 2017 Klärung des Rechtsbegriffs. Referat, Menschenrechte in der katholischen Kirche. Historische, systematische und praktische Perspektiven, Deutsches Historisches Institut in Rom. Istituto Storico Germanico di Roma, Roma, 2017 Roundtable: Welchen Entfaltungsrahmen müssen nichtstaatliche Akteure den Menschenrechten geben? Diskussionsbeitrag, Menschenrechte und Religionen. Nichtstaatliche Akteure und ihr Verhältnis zu den Menschenrechten, Theologische Fakultät. Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht, Luzern, 2016 Discrimination against Women in Religions - Must it be Tolerated? Referat, Migration: Religions Without Borders - A European Perspective, Unversität Trnava und Ministry of Culture of Slovakia, Trnava, 2016 Volk Gottes und Verfassung der Kirche (Dokumente: LG, CD, PO). (Panel-)Beitrag, Das Konzil "eröffnen". Theologie und Kirche unter dem Anspruch des Zweiten Vatikanischen Konzils", Katholische Akademie in Bayern und Prof. Dr. Christoph Böttigheimer, Eichstätt, Katholische Akademie in Bayern, München, 2015 Wie leben Atheistinnen, Muslime und Katholikinnen und Protestanten friedlich zusammen in einer pluralistischen Gesellschaft? Eine rechtliche Perspektive. Referat, Kollegium Spiritus Sanctus, Kollegium Spiritus Sanctus, Brig, Brig, 2015 Democrazie e religioni. Libertà religiosa, diversità e convivenza nell’Europa del XXI secolo. Referat, Associazione dei docenti universitari ita-liani di diritto ecclesiastico e diritto canonico, Prof. Pierluigi Consorti, Direttore del Centro interdisciplinare "Scienze per la pace", Professore ordinario nel Dipartimento di giurisprudenza dell'Università di Pisa, Trento / Trient, 2015 Ehetheologie und Kanonisches Eherecht. (Panel-)Beitrag, Expertengespräch über das kanonische Eherecht, Intams. International Academy for Marital Spirituality, Rom, 2015 Pluralismus – eine Herausforderung für den Rechtsstaat und die Religionsgemeinschaften. Referat, Religionsrecht in europäischer Perspektive, Vereinigung Moraltheologen des Alpenraums, Innsbruck, 2015 Zur öffentlich-rechtlichen Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften. Referat, Staatliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften. Zukunfts- oder Auslaufmodell?, Universität Freiburg, Institut für Religionsrecht, Freiburg, 2014 Schützen Menschenrechte in den Kirchen vor Machtmissbrauch? Eine rechtsphilosophische und theologische Anfrage an Staat und Kirchen. Hauptreferat, Schaut hin! Eine Tagung zur Missbrauchsprävention in Seelsorge, Beratung und Kirchen, Abt. Seelsorge, Religionspsychologie und Religionspädagogik der Universität Bern und der nationalen „verbandsübergreifenden Arbeitsgruppe Prävention“, Bern, 2014 Freiheitsrechte in der katholischen Kirche. Referat, Intern. Expertengespräch zum Thema: Massstab Menschenrechte. Anspruch und Umsetzung in der katholischen Kirche, Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster und Exzellenzcluster "Religion und Politik in den Zeiten der Vormoderne und der Moderne" an derselben Universität, Liudgerhaus in Münster, 2013 The Constitutional State sets up Criteria in Dealing with Power. Referat, St. Petersburg International Legal Forum, Jusitizministerium der Russischen Föderation, St. Petersburg, 2013 Grund und Grenzen staatlicher Religionsförderung unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses von Staat und katholischer Kirche in Deutschland und in Europa. Chair/Panel-Moderation, Staatskirchenrechtliche Fachtagung, Prof. Dr. Matthias Pulte, Theologische Fakultät der Universität Mainz und Prof. Dr. Ansgar Hense, Institut für Staatskirchenrecht der Diözesen Deutschlands, Mainz, 2012 Geschlechtergerechtigkeit: Herausforderungen der Religionen. Diskussionsbeitrag, VII. Internationales Rudolf-Otto-Symposium, Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Marburg, Marburg, 2011 Ausserordentliche Gemeindeleitung in pfarrerlosen Pfarreien. Eine Zukunftsperspektive. Referat, "Gemeindeleitung" durch Laien. Internationale Erfahrungen und Erkenntnisse zu c. 517 §2 CIC., Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster, Münster, 2010 Financing of Churches and Religious Communities in Switzerland. Referat, Financing of Churches and Religious Societies in the 21st Century, Ministry of Culture of the Slovak Republic and the Institute for State-Church Relations in Bratislava and Nitra, Bratislava, 2009 Expertenpanel unter der Leitung von Erich Gysling zum Thema "Gleichstellung von Mann und Frau in den Religionen" (Panel-)Beitrag, Menschenrechte und Religionen, Internationales Menschenrechtsforum Luzern (IHRF), Luzern, 2009 Das kantonale Staatskirchenrecht oder Die rechtlichen Verhältnisse von Kirche und Staat in den 26 Kantonen der Schweiz. Referat, Conférence des évèques suisses en collaboration avec le Saint-Siège et l'Institut Di Re Com de la FTL, Conférence des évèques suisses, Lugano, 2008 Le droit ecclésiastique cantonal ou Les relations juridiques entre l'Egliseet l'Etat dans les 26 cantons suisses. Referat, Conférence des évèques suisses en collaboration avec le Saint-Siège et l'Institut Di Re Com de la FTL, Conférence des évèques suisses, Lugano, 2008 Religiöse Symbole in der Öffentlichkeit. Impulsreferat, Ist mit Religion ein Staat zu machen?, Paulus Akademie Zürich, Zürich, 2008 Leitung Workshop zusammen mit Dr. Ulrich Siegrist. Leitung Workshop, Ist mit Religion ein Staat zu machen?, Paulus Akademie Zürich, Zürich, 2008 Konfrontation, Konkurrenz und Kooperation im Miteinander der Religionen. Referat, VI. Internationales Rudolf-Otto-Symposium "Interreligiöse Verständigung zu Glaubensverbreitung und Religionswechsel", Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Marburg, Marburg, 2008 The public law concerning religious bodies in Switzerland. Referat, State-Church Relations in Europe. Contemporary Issues and Trends at the Beginning of the 21st Century, Dr. Lucia Greskova, Ministry of culture, Slovakia, Bratislava, 2007 Moderation. Chair/Panel-Moderation, Religiöse Vielfalt und der Religionsfrieden, Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut St. Gallen, vertreten durch dessen Leiterin Frau Dr. Judith Könemann, und die Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Universität Luzern, Luzern, 2007 Abschlussvotum. (Schluss-)statement;(Schluss-)zusammenfassung, Religiöse Vielfalt und der Religionsfrieden, Schweizerisches Pastoralsoziologisches Institut St. Gallen, vertreten durch dessen Leiterin Frau Dr. Judith Könemann, und die Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Universität Luzern, Luzern, 2007 Kirche und Staat in der Schweiz im Horizont einer globalisierten Gesellschaft. Thomas-Akademie-Vortrag. Keynote, Kirche und Staat im Horizont einer globalisierten Welt, Prof. Dr. Johann Paarhammer, Salzburg, 2007 Menschenrechte in den Religionen. Referat, Religionsfreiheit im Kontext der "Religionslandschaft Schweiz", Schweizerische Theologische Gesellschaft, Augst, 2006 Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit. Referat, Das Kreuz der Kirche mit der Demokratie, Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Theologischen Fakultät der Universtiät Luzern und RomeroHaus Luzern, Luzern, 2005 Wie entwickelt die römisch-katholische Kirche ein Ja zum demokratischen Rechtsstaat und seinen Grundrechten? Referat, Das Kreuz der Kirche mit der Demokratie, Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Theologischen Fakultät der Universtiät Luzern und RomeroHaus Luzern, Luzern, 2005 Have the Theological Faculties a Future in the State Universities of Europe? Referat, Conference of the Erasmus-Socrates Coordinators, Facoltà Teologica di Sicilia Palermo und Eberhard Karls Universität Tübingen, Palermo, 2005 Menschenrechte in den Religionsgemeinschaften. Referat, Menschenrechte und Wirtschaft im Spannungsfeld zwischen State und Nonstate Actors, 2. Internationales Menschenrechtsforum Luzern (IHRF), Luzern, 2005 Le facoltà teologiche nelle università europee. Referat, Convegno Internazionale di Studi "Le Università ‘di tendenza’ per l’Europa", Prof. Dr. iur. Giorgio Feliciani, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Mailand, Milano / Mailand, 2004 Grundrechte in den Kirchen. Referat, Wo bleibt die Gerechtigkeit? - Antworten aus Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft, Theologische, Geisteswissenschaftliche und Rechtswissenschaftliche Fakultäten der Universität Luzern, Luzern, 2004 Religionsfreiheit und Gleichstellung. Referat, Wo bleibt die Gerechtigkeit? - Antworten aus Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft, Theologische, Geisteswissenschaftliche und Rechtswissenschaftliche Fakultäten der Universität Luzern, Luzern, 2003 Vorpositive Gerechtigkeitskriterien sind unentbehrlich! Referat, Wo bleibt die Gerechtigkeit? - Antworten aus Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft, Theologische, Geisteswissenschaftliche und Rechtswissenschaftliche Fakultäten der Universität Luzern, Luzern, 2003 Mit- oder Gegeneinander? Priester, Diakone und Laien im pastoralen Dienst aus kirchenrechtlicher Sicht. Referat, Im Dienst der Gemeinde. Wirklichkeit und Zukunftsgestalt der kirchlichen Ämter, Demel, Sabine; Gerosa, Libero; Krämer, Peter; Müller, Ludger, Regensburg, 2002 Liturgische Leitungsdienste der Laien. Zur Situation in der Schweiz. Referat, Im Dienst der Gemeinde. Wirklichkeit und Zukunftsgestalt der kirchlichen Ämter, Demel, Sabine; Gerosa, Libero; Krämer, Peter; Müller, Ludger, Regensburg, 2002 Theologie in der Universität von morgen. Staatskirchenrechtliche Modelldiskussion. Referat, Katholisch in Europa. Wozu dient die Theologie?, Europäische Gesellschaft für Katholische Theologie, Graz, 2001 Naturrecht und Menschenrecht. Der Beitrag der Spanischen Spätscholastik zur Entwicklung der Menschenrechte. Referat, Tagung zum Thema Spanische Spätscholastik, Universität Basel (Seelmann, Kurt), Augst, 1998 Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten als liturgische Vorsteherinnen und Vorsteher. Zur pastoralen und kirchenrechtlichen Situation in der Schweiz. Referat, Tagung der Arbeitsgemeinschaft katholischer Liturgiedozentinnen und Liturgiedozenten des deutschen Sprachraums, Arbeitsgemeinschaft katholischer Liturgiedozentinnen und Liturgiedozenten des deutschen Sprachraums, Quarten, 1996 Frauen in kirchlichen Ämtern. Eine rechtliche Standortbestimmung. Referat, Die Gleichstellung der Geschlechter und die Kirche, Lehrstuhl für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Theologischen Fakultät der Universität Luzern, Luzern, 1988 Akkordeon-Panel schließen Beitrag/Präsentation an einer anderen Veranstaltung Kirchenrecht und Machtmissbrauch? Diskussionsbeitrag, Kirchenrecht – Ein Macht- und Missbrauchsinstrument?, Paulus Akademie, Zürich, 2023 Glaubst du an die Demokratie? Diskussionsbeitrag, 175 Jahre Bundesverfassung – Tag der Demokratie, offene kirche bern, Heiliggeistkirche Bern, 2023 The Constitutional State sets up Criteria with Power. Referat, Swiss-European Programme (Erasmus) Dozentenmobilität, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Sibiu (Rumänien), Sibiu, 2018 L'identité de l'élève à travers ses vêtements. Une approche juridique. Referat, Colloque international de Sorèze : L’habit ne fait pas l’écolier, L’Université Fédérale Toulouse Midi-Pyrénées (Castagnet-Lars, Veronique), Toulouse, 2021 Klärungen und Perspektiven zu den Fragen der Leitung in der Kirche. Impulsreferat, Leitung pastoraler Räume – zukunftsfähig gestalten!, Kommissionen der DBK (Pastoralkommission und Kommission für geistliche Berufe und kirchliche Dienste), Ludwigshafen, 2021 Mixed Marriages in Switzerland: A learning process for the churches. Referat, Expert Colloquium von INTAMS, International Academy for Marital Spirituality INTAMS, Brüssel, 2021 Eröffnungsreferat. Referat, Sexuelle Gewalt in der Seelsorge, Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Universität Luzern; Theologisches Feuilleton feinschwarz.net, Luzern, 2021 Response: What happens if marriage comes to an end? What about a new union – is it sinful or a new beginning? What is the sacramental value of the new union? Response, The Interface between Theology and Canon Law: In Search of a Common Perspective on Marriage in the Context of Amoris laetitia, International Academy for Marital Spirituality, Brussels, 2019 Waren die Jesuiten "staatsgefährlich"? Der "Jesuitenparagraph" Art. 51 Abs. 2 in der Bundesverfassung von 1874. Referat, Stürmische Zeiten. Zu Ehren des 200-jährigen Bestehens der Kunstgesellschaft Luzern, Universität Luzern, Professur für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht (Martina Tollkühn), Luzern, 2019 Identity in a Pluralistic Society. The Consequences of Legal Pluralism. Referat, Swiss-European Programme (Erasmus) Dozentenmobilität, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Sibiu (Rumänien), Sibiu, 2018 The Constitutional State sets up Criteria with Power. Referat, Swiss-European Programme (Erasmus) Dozentenmobilität, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Sibiu (Rumänien), Sibiu, 2018 Machtmissbrauch in der Kirche - Not-wendige Strukturveränderungen. Impulsreferat, Kader-Seminar 2018, Kader-Seminar der IV Luzern, Engelberg, 2018 Darum braucht es die Landeskirchen. Podiumsdiskussion, Reformation und Religion heute, Volkshochschule Zürich, Zürich, Zürich, 2018 Konfessioneller Religionsunterrricht an der Schule - eine Ausnahme zur religiös-weltanschaulichen Neutralität des Staates? Referat, Interdisziplinärer Workshop: Weltanschaulich-religiöse Neutralität der öffentlichen Schule?, Universität Zürich. Institut für Hermeneutik und Religionsphilosophie, Zürich, 2018 Die Französische Revolution und die "natürliche Vernunft". Risiken einer entgleisenden Säkularisierung. Referat, Dialog 47: Die unfertige Aufklärung, RomeroHaus Luzern, Luzern, 2017 Identity in a Pluralistic Society. The Consequences of Legal Pluralism. Referat, Identity in a pluralistic society Cultural? Religious? Christian Identity?, KU Leuven. Faculty of Canon Law, Leuven, 2017 Increase Scientific Rigor and Innovation. Referat, Annual PhD congress of the Faculty of Canon Law (KU Leuven), Kanonistische Fakultät der Universität von Leuven, Leuven, 2017 Wie viel Religion verträgt der moderne Staat? Diskussionsbeitrag, ORF-Sendung "kreuz und quer", Fernsehen ORF, Wien, 2013 Religion und Recht in der Rechtsphilosophie von Moses Mendelssohn. Moses Mendelssohns "Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum" Referat, „Interdependenzen von Recht und Religion – systematische Aspekte und Theoretische Perspektiven“, Forschungsstelle Recht und Religion der Universität Basel, Departement Rechtswissenschaften, Ordinariat öffentliches Recht, insb. Staatskirchenrecht, Kühler, Anne; Hafner, Felix; Mohn, Jürgen, Basel, 2012 Direkte Demokratie im Schweizerischen Religionsverfassungsrecht. Mehrere Vorträge. Referat, Europäisches Doktoranden Programm Sokrates-Gratianus, Prof. Dr. Brigitte Basdevant-Gaudemet, Paris, 2012 Le système juridique des cultes en Suisse". Mehrere Vorlesungen. Referat, Europäisches Doktoranden-Programm Sokrates-Gratianus, Prof. Dr. Brigitte Basdevant-Gaudemet, Paris, 2011 Direkte Demokratie im Schweizerischen Religionsverfassungsrecht. Mehrere Vorträge. Referat, Doktorandenprogramm Socrates-Gratianus, Prof. Dr. Brigitte Basdevant-Gaudemet, Paris, 2009 Direkte Demokratie im Schweizerischen Religionsverfassungsrecht. Mehrere Vorträge. Referat, Doktorandenprogramm Socrates-Gratianus, Prof. Dr. Brigitte Basdevant-Gaudemet, Paris, 2008 Kirche und Staat in der Schweiz. Mehrere Vorlesungen. Referat, Doktorandenprogramm Socrates-Gratianus, Prof. Dr. Brigitte Basdevant-Gaudemet, Paris, 2005 Akkordeon-Panel schließen Organisatorischer Beitrag zu/an einer Veranstaltung International Conference: «Right to a Future, Right of a Child» (12./13. März 2024), (Co-)Organisator/in, Luzern, 2024 Violence against children and the UNCRC: an evolving story – Festvortrag Ehrendoktorin Mary McAleese, Mitglied Organisationskomitee, Luzern, 2022 Sexuelle Gewalt in der Seelsorge, (Co-)Organisator/in, Luzern, 2021 Institutionengeschichtliche Entwicklung des Papsttums, (Co-)Organisator/in, Rom, 2020 Abendgespräch zu Freiheit und Religion, (Co-)Organisator/in, Luzern, 2019 Luzerner Adventsgespräche zur Verfassung. Glaubens- und Gewissensfreiheit. Aktuelle Entwicklungen, (Co-)Organisator/in, Luzern, 2017 Menschenrechte in der katholischen Kirche. Internationale Tagung zum Thema "Menschenrechte in der katholischen Kirche", (Co-)Organisator/in, Rom, 2017 Menschenrechte und Religionen. Nichtstaatliche Akteure und ihr Verhältnis zu den Menschenrechten, (Co-)Organisator/in, Luzern, 2016 Aktuelle Führungsfragen in Unternehmen und Non-Profit-Organisationen, (Co-)Organisator/in, Luzern, 2013 Akkordeon-Panel schließen Vortrag auf Einladung 100 Jahre SMB. 100 Jahre Mission im Wandel. 100 Jahre SMB, Oscar-Romero-Haus Luzern, 2021 Die Perspektive des anderen übernehmen. Predigt in der Jesuitenkirche, Luzern, 2020 Enthält eine Spiritualität der Synode demokratische Elemente? Ringvorlesung: Theologie des Spiritualität - Zur Bedeutung von Spiritualität in Religion, Kirche und Gesellschaft, Luzern, 2020 Religiöse Identität und freie Austrittsoption - staatliche Interventionspflichten angesichts von Menschenrechtsverletzungen in Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Ringvorlesung: Identität(en) im Rahmen des 40-Jahre-Jubiläums des Instituts für Sozialethik ISE, Luzern, 2020 Lässt sich die patriarchale Kirchenstruktur heute noch rechtfertigen? Anlass für Einzelmitglieder, Luzern, 2020 „Kirche heute – Verwalten wir den Untergang – oder brechen wir auf zu neuen Ufern? Politisches Nachtgebet, Glis, 2019 Das demokratische Schweizer Staatskirchenrecht. Jubiläumsfeier 20 Jahre Römisch-katholische Kantonalkirche Schwyz, Einsiedeln, 2019 Kirche als Anwältin der Freiheit. Vaticanum II - menschenrechtlich umgesetzt. Christsein im 21. Jahrhundert, Baar, 2019 Von der Wahrheit mit Herrschaftsgewalt (Staatsreligion) zur Freiheit mit Weltanschauungspluralismus (liberaler Rechtsstaat). Ökumenische Fastenvorträge "Gewalt und Religion", Langnau am Albis, 2019 Braucht es zum Glück eine kirchliche Heirat. Das Sakrament der Verbindlichkeit und Gleichstellung. Besinnungstag, Beromünster, 2018 „Gewalt und Religion. Ein religionsverfassungsrechtlicher Beitrag“. Von der Wahrheit mit Herrschaftsgewalt (Staatsreligion) zur Freiheit mit Weltanschauungspluralismus (liberaler Rechtsstaat). Veranstaltung Gastvortrag, Potsdam, 2017 Von der Wahrheit mit Herrschaftsgewalt (Staatsreligion) zur Freiheit mit Weltanschauungsplural ismus (liberaler Rechtsstaat). Gewalt und Religion, Potsdam, 2017 Freiheitsrechte und Wahrheitsanspruch am Beispiel der Schweizer Theologischen Fakultäten. Kirchliche Hochschule und Wissenschaftsfreiheit, Mainz, 2016 Muslimische Gemeinschaften: welche Wege führen zur Anerkennung? Gastvorlesung, Münster in Westfalen, 2016 Human Dignity - a Challenge for Canon Law. Revision of the Code, Chennai, 2016 Menschenwürde als Herausforderung für die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Öffentliche Vorlesung, Potsdam, 2015 Il pluralismo: una sifda. Vortrag, Pisa, 2015 Menschenwürde und Kirchen. Abendvortrag, Dülmen, 2014 Gemeindeleitung durch Laien. Öffentlicher Vortrag, Wien, 2012 Zwei Seiten einer Medallie? Zum Verhältnis von positiver und negativer Religionsfreiheit. Abendvortrag, Wien, 2012 ‘Jerusalem‘ - Ein Berliner Plädoyer für eine liberale Gesellschaft, Moses Mendelssohn (1783). Öffentlicher Vortrag, Potsdam, 2012 Die Machtfrage in den Religionen. Moses Mendelssohn, Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Studium Generale, Freiburg im Breisgau, 2011 Braucht es zum Glück eine kirchliche Heirat? Theologische Argumente für eine kirchliche Heirat in säkularer Gesellschaft. De processibus matrimonialibus, Potsdam, 2008 Církev a stát ve Švýcarsku - Kirche und Staat in der Schweiz. Gastvorlesung, Prag, 2007 Das Verhältnis von Kirche und Staat in der Schweiz in der aktuellen Diskussion um die öffentlich-rechtliche Anerkennung weiterer Religionsgemeinschaften. Öffentlicher Vortrag, München, 2007 Chiesa e Stato in Svizzera. Vorlesung, Firenze / Florenz, 2005 Grundrechte in den Kirchen. Öffentliche Vorlesung, Berlin, 2004 Abgrenzungsfragen zwischen geweihten und beauftragten Ämtern. Vortragsreihe an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern WS 2000/2001, Luzern, 2000 Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten in der Schweiz - Ein ortskirchliches Amt. Vortragsreihe an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern WS 2000/2001, Luzern, 2000 Akkordeon-Panel schließen (Mit-) Herausgeberschaft einer Buchreihe/einer Zeitschrift/eines wissenschaftl. Blogs Loretan Adrian, Religionsrechtliche Studien (Theologischer Verlag Zürich), (Ko-)Herausgeberschaft einer Buchreihe, 2010– Loretan Adrian, ReligionsRecht im Dialog, (Ko-)Herausgeberschaft einer Buchreihe, 2005– Loretan Adrian, Karrer Leo, Kohler-Spiegel Helga, Luzzatto Franco, Bulletin ET, (Ko-)Herausgeberschaft einer Zeitschrift, 2002–2004 Akkordeon-Panel schließen Gutachten Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) und Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (KIOS), Regensdorf (FIDS) und Faulensee (KIOS), 2013 Römisch-katholische Körperschaft des Kantons Zürich, Zürich, 2012 Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Aargau, Aarau, 2006 Römisch-Katholische Kirche des Kantons Basel-Stadt, Basel, 2004 Bundesleitung Blauring-Jungwacht, Luzern, 1990 Akkordeon-Panel schließen Mitgliedschaften Institut für Sozialethik ISE, Theologische Fakultät, Universität Luzern, Mitglied der Institutsleitung, Schweiz, 2020– Ecumeny and Law, Wissenschaftlicher Beirat, Polen, 2017– Philosophy and Canon Law, Wissenschaftlicher Beirat, Polen, 2017– International Advisory Board of Law and Religion, Cambridge. Center for the Study of Law and Religion at Emory University (USA), Mitglied, Vereinigte Staaten von Amerika, 2015– Universität Wien, Interdisciplinary Journal for Religion and Transformation in Contemporary Society (JRAT), Editorial Board, https://brill.com/view/journals/jrat/jrat-overview.xml, Mitglied, Österreich, 2015– Akkordeon-Panel schließen Funktionen und Dienstleistungen zugunsten/für die Universität Luzern Mitglied des Strategic Council des Forschungsprojekts SLHS, 2016– Mitglied wissenschaftliche Begleitkommission NDS-Berufseinführung, 2016– Mitglied Weiterbildungskommission, 2014– Co-Direktor des Zentrums für Religionsverfassungsrecht, 2011– Mitglied der Wissenschaftlichen Leitung Fernstudium, 2016–2018 Mitglied des Senats, 2016–2017 Mitglied Berufungskommission, 2008–2008 Mitglied Berufungskommission, 2006–2006 Dekan/in, 1999–2001 Prodekan der Theologischen Fakultät, 1998–1999 Akkordeon-Panel schließen Funktionen und Dienstleistungen in anderen wissenschaftlichen Institutionen Kooperationspartner, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät, Institut für Christliche Sozialwissenschaften, 2019– Mitglied eines wissenschaftlichen Beirats, Mitglied des Institutsrates des Instituts für Religionsrecht (vormals Institut für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht) an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg Schweiz (früherer Name Kuratorium), 1995– Mitglied eines wissenschaftlichen Beirats, Strategic Council of the Swiss Learning Health System, 2021–2024 Mitglied des Strategic Councils des SLHS (Swiss Learning Health System), Strategic Council of the Swiss Learning Health System, 2017–2020 Mitglied der Redaktionskommission, Schweizerische Kirchenzeitung, 1996–2018 Mitglied Teilnehmerkreis, Jährliche Fachtagung "Essener Gespräche zum Thema von Staat und Kirche", 2000–2017 Auswärtiger Experte Berufungskommission Kirchenrecht, Theologische Fakultät der Universität Freiburg Schweiz, 2008–2008 Chefredaktor, Bulletin ET. Zeitschrift für Theologie in Europa, 2002–2004 Vorstandsmitglied, Europäische Gesellschaft für Katholische Theologie, 2002–2004 Kommissionsmitglied, Arbeitsgruppe der Theologischen Kommission der Schweizer Bischofskonferenz zum Thema "Beauftragte Laien im kirchlichen Dienst", 2000–2004 Akkordeon-Panel schließen Funktionen und Dienstleistungen im öffentlichen Bereich Kooperationspartner, Eidgenössische Kommission für Frauenfragen EKF, 2019– Stiftungsrats-Mitglied, Dr. Z. und H. Luciak-Weilenmann-Stiftung zur finanziellen Unterstützung von Theologiestudierenden, 2012–2018 Stiftungsratsmitglied, Professor-Viktor-von-Ernst-Stiftung zur finanziellen Unterstützung von Theologiestudierenden, 2012–2018 Stiftungsratsmitglied, Augustinus-Stiftung zur finanziellen Unterstützung von Theologiestudierenden, 2008–2018 Mitglied der Verfassungsrevisionskommission, Kanton Luzern, 2002–2003 Akkordeon-Panel schließen

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    Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop

    Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop CONTRIBUTORS DETAILS All downloadable National Academies titles are free to be used for personal and/or non-commercial academic use. Users may also freely post links to our titles on this website; non-commercial academic users are encouraged to link to the version on this website rather than distribute a downloaded PDF to ensure that all users are accessing the latest authoritative version of the work. All other uses require written permission. (Request Permission) This PDF is protected by copyright and owned by the National Academy of Sciences; unless otherwise indicated, the National Academy of Sciences retains copyright to all materials in this PDF with all rights reserved. Visit the National Academies Press at nap.edu and login or register to get: – Access to free PDF downloads of thousands of publications – 10% off the price of print publications – Email or social media notifications of new titles related to your interests – Special offers and discounts SUGGESTED CITATION BUY THIS BOOK FIND RELATED TITLES This PDF is available at http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop (2024) 106 pages | 6 x 9 | PAPERBACK ISBN 978-0-309-71888-2 | DOI 10.17226/27763 Ruth Cooper, Adrienne Formentos, and Allison Boman, Rapporteurs; Board on Global Health; Board on Health Care Services; Health and Medicine Division; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine National Research Council. 2024. Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop. Washington, DC: The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/27763. https://nap.nationalacademies.org/cart/cart.cgi?list=fs&action=buy%20it&record_id=27763&isbn=978-0-309-71888-2&quantity=1 http://nap.nationalacademies.org/27763 https://nap.nationalacademies.org/related.php?record_id=27763 https://nap.nationalacademies.org/reprint_permission.html http://nap.edu http://api.addthis.com/oexchange/0.8/forward/facebook/offer?pco=tbxnj-1.0&url=http://www.nap.edu/27763&pubid=napdigops http://www.nap.edu/share.php?type=twitter&record_id=27763&title=Aging%2C+Functioning%2C+and+Rehabilitation%3A+Proceedings+of+a+Workshop http://api.addthis.com/oexchange/0.8/forward/linkedin/offer?pco=tbxnj-1.0&url=http://www.nap.edu/27763&pubid=napdigops mailto:?subject=null&body=http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved.PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Proceedings of a Workshop Ruth Cooper, Adrienne Formentos, and Allison Boman, Rapporteurs Board on Global Health Board on Health Care Services Health and Medicine Division Aging, Functioning, and Rehabilitation http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs NATIONAL ACADEMIES PRESS 500 Fifth Street, NW Washington, DC 20001 This activity was supported by contracts between the National Academy of Sciences and the NOMIS Foundation and the Velux Stiftung. Any opinions, findings, conclusions, or recommendations expressed in this publication do not necessarily reflect the views of any organization or agency that provided support for the project. International Standard Book Number-13: 978-0-309-XXXXX-X International Standard Book Number-10: 0-309-XXXXX-X Digital Object Identifier: https://doi.org/10.17226/27763 This publication is available from the National Academies Press, 500 Fifth Street, NW, Keck 360, Washington, DC 20001; (800) 624-6242 or (202) 334- 3313; http://www.nap.edu. Copyright 2024 by the National Academy of Sciences. National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine and National Academies Press and the graphical logos for each are all trademarks of the National Academy of Sciences. All rights reserved. Printed in the United States of America. Suggested citation: National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. 2024. Aging, functioning, and rehabilitation: Proceedings of a workshop. Washington, DC: The National Academies Press. https://doi. org/10.17226/27763. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs The National Academy of Sciences was established in 1863 by an Act of Congress, signed by President Lincoln, as a private, nongovernmental institution to advise the nation on issues related to science and technology. Members are elected by their peers for outstanding contributions to research. Dr. Marcia McNutt is president. The National Academy of Engineering was established in 1964 under the charter of the National Academy of Sciences to bring the practices of engineering to advising the nation. Members are elected by their peers for extraordinary contributions to engineering. Dr. John L. Anderson is president. The National Academy of Medicine (formerly the Institute of Medicine) was established in 1970 under the charter of the National Academy of Sciences to advise the nation on medical and health issues. Members are elected by their peers for distinguished contributions to medicine and health. Dr. Victor J. Dzau is president. The three Academies work together as the National Academies of Sciences, Engi neering, and Medicine to provide independent, objective analysis and advice to the nation and conduct other activities to solve complex problems and inform public policy decisions. The National Academies also encourage education and research, recognize outstanding contributions to knowledge, and increase public understanding in matters of science, engineering, and medicine. Learn more about the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine at www.nationalacademies.org. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Consensus Study Reports published by the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine document the evidence-based consensus on the study’s statement of task by an authoring committee of experts. Reports typically include findings, conclusions, and recommendations based on information gathered by the committee and the committee’s deliberations. Each report has been subjected to a rigorous and independent peer-review process and it represents the position of the National Academies on the statement of task. Proceedings published by the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine chronicle the presentations and discussions at a workshop, symposium, or other event convened by the National Academies. The statements and opinions contained in proceedings are those of the participants and are not endorsed by other participants, the planning committee, or the National Academies. Rapid Expert Consultations published by the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine are authored by subject-matter experts on narrowly focused topics that can be supported by a body of evidence. The discussions contained in rapid expert consultations are considered those of the authors and do not contain policy recommendations. Rapid expert consultations are reviewed by the institution before release. For information about other products and activities of the National Academies, please visit www.nationalacademies.org/about/whatwedo. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs PLANNING COMMITTEE FOR AGING, FUNCTIONING, AND REHABILIATION: A WORKSHOP WALTER FRONTERA (Chair), Professor, University of Puerto Rico School of Medicine SOMNATH CHATTERJI, World Health Organization, Emeritus JULIA PATRICK ENGKASAN, Associate Professor, Universiti Malaya NICOLE R. KEITH, Executive Associate Dean, Indiana University School of Public Health MATILDE LEONARDI, Director, Fondazione IRCCS Istituto Neurologico “Carlo Besta” GEROLD STUCKI, Professor, University of Lucerne Staff RUTH COOPER, Program Officer ADRIENNE FORMENTOS, Research Associate JOSEPH GOODMAN, Senior Program Assistant KAREN HELSING, Director, Standing Committee of Medical and Vocational Experts for the Social Security Administration’s Disability Programs TRACY LUSTIG, Director, Forum on Aging, Disability, and Independence SHARYL NASS, Senior Board Director, Board on Health Care Services JULIE PAVLIN, Senior Board Director, Board on Global Health JULIE WILTSHIRE, Senior Finance Business Partner Consultant ALLISON BOMAN, Writer v http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs vii This proceedings of a workshop was reviewed in draft form by indi- viduals chosen for their diverse perspectives and technical expertise. The purpose of this independent review is to provide candid and critical com- ments that will assist the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine in making each published proceedings as sound as possible and to ensure that it meets the institutional standards for quality, objectivity, evidence, and responsiveness to the charge. The review comments and draft manuscript remain confidential to protect the integrity of the process. We thank the following individuals for their review of this proceedings: CANDACE GOH XIAO HUEY, Hospital Beaufort, Malaysia MELISSA SELB, Swiss Paraplegic Research, Switzerland KATARZYNA WAC, University of Geneva, Switzerland Although the reviewers listed above provided many constructive com- ments and suggestions, they were not asked to endorse the content of the proceedings nor did they see the final draft before its release. The review of this proceedings was overseen by DAVID B. REUBEN, University of Cali- fornia, Los Angeles, United States. He was responsible for making certain that an independent examination of this proceedings was carried out in accordance with standards of the National Academies and that all review comments were carefully considered. Responsibility for the final content rests entirely with the rapporteur and the National Academies. We also thank staff member Samantha Koretsky for reading and providing helpful comments on this manuscript. Reviewers http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Acknowledgments The National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine’s Board on Health Care Services wishes to express its sincere gratitude to the planning committee chair, Walter Frontera, for his valuable contributions to the development and orchestration of this workshop. The board also wishes to thank all the members of the planning committee, who collaborated to ensure a workshop replete with informative presentation and moderated rich discussions. The board is grateful for the support of our workshop sponsors, without which we could not have undertaken this project. The board is deeply appreciative for the generous support and hospital- ity of the University of Lucerne and thank Cristina Mesa Vieira and Colette Lenherr for their logistical support of the workshop. The board wishes to thank the supporting scientists from the University of Lucerne and Swiss Paraplegic Research—Nicola Diviani, Marija Glisic, Diana Pacheco, Sara Rubinelli, and Carla Sabariego—for their support with the panel concept notes and in helping to moderate the virtual questions. Deep appreciation goes to staff at the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine for their support in the workshop process, especially Torrie Brown, Annalee Gonzales, Benjamin Hubbert, Jo’Elie Louis, Amber McLaughlin, Alexandra Molina, Jose Portillo, Leslie Sim, and Taryn Young. We also thank the staff of the National Academy of Medicine for their support of the workshop. Finally, the board thanks the workshop panelists, who generously shared their expertise and their time with workshop participants. ix http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs xi Contents ACRONYMS AND ABBREVIATIONS xv PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 1 WORKSHOP OVERVIEW 1 FOUNDATIONAL CONCEPTS 5 Functioning, 6 WHO’s International Classification of Functioning, Disability and Health, 6 Health Longevity and Aging, 8 Rehabilitation, 8 Disability-Adjusted Life-Years, 9 KEYNOTE PRESENTATIONS 10 The Functioning Revolution, 10 Healthy Longevity, 12 Rehabilitation in Health Systems: The Time Is Now, 15 FUNCTIONING AND REHABILITATION FOR HEALTHY LONGEVITY 17 Operationalizing Functioning for Population Health, 17 Role of Functioning in Healthy Longevity Research, 18 Monitoring Functioning for Health Systems: Lessons Learned, 20 Panel Discussion, 21 Reflections on Operationalizing Measurement of Functioning, 22 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. xii CONTENTS PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs MAKING A COMPELLING INVESTMENT CASE FOR OPTIMIZING FUNCTIONING 23 Measuring and Enhancing Functioning in Health Systems, 23 Building Evidence for an Investment Case, 25 Panel Discussion, 26 Reflections on Building the Economic Case for Functioning and Rehabilitation, 28 IMPROVING REHABILITATION IN HEALTH SERVICES DELIVERY AND CARE ACROSS THE LIFE COURSE 29 Rehabilitation as a Strategy for Promoting Healthy Aging, 29 Prehabilitation, Prevention, and Maintenance for Maximizing Functioning, 31 Rehabilitation as a Health Strategy for All Populations, 32 Panel Discussion, 33 Reflections on Developing Health Services for Rehabilitation and Functioning, 35 FUNCTIONING AS THE FOUNDATION FOR HEALTHY LONGEVITY RESEARCH 36 Harmonizing Research Addressing Functioning, 36 Standardized Collection of Functioning Information, 38 Using Functioning Data for 360-Degree Research, 39 Panel Discussion, 40 Reflections on Developing a Research Agenda for Functioning 41 ADVOCATING FOR POLICIES THAT SUPPORT HEALTHY LONGEVITY 42 Advocating for Functioning as the Third Indicator of Health, 42 Raising Awareness: The Policy Advocate Perspective, 44 New Directions for Health and Disability, 45 Panel Discussion, 46 Reflections on Promoting Advocacy for Functioning and Rehabilitation, 47 WRAP-UP 48 REFERENCES 49 APPENDIXES A Statement of Task 55 B Workshop Agenda 57 C Concept Notes 63 D Participant Biographical Sketches 77 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs xiii Boxes and Figures BOXES 1 Suggestions for Moving the Field Forward, 4 2 World Health Assembly Resolution 76.6 on Strengthening Rehabilitation in Health Systems: An Overview, 16 3 Characteristics of Functioning and Cost Data Needed to Build an Investment Case, 26 FIGURES 1 World Health Organization’s model for the International Classification of Functioning, Disability and Health, 7 2 Highlights for implementing human functioning within health systems, 8 3 Disability-adjusted life-years, 9 4 Life course opportunities for intervention, 14 5 Health system performance assessment framework by the Organisation for Economic Co-operation and Development, 24 6 Trajectories of healthy aging: Optimizing functional ability, 30 7 Integrated Care for Older People, 31 8 Life situations drive people’s health function, 33 9 Reimagined whole-life-oriented rehabilitation strategy, 34 10 The 4Ms framework, 37 11 Assistive technology demonstrates a nine-to-one return on invest- ment, 44 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs xv CAT computerized adaptive testing ClinFIT Clinical Functioning Information Tool DALY disability-adjusted life-year FNAT Functional Needs Assessment Tool ICD International Classification of Diseases ICF International Classification of Functioning, Disability and Health ICOPE Integrated Care for Older People LMIC low- or middle-income country NAM National Academy of Medicine OECD Organisation for Economic Co-operation and Development PAHO Pan American Health Organization UN United Nations WHO World Health Organization Acronyms and Abbreviations http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Proceedings of a Workshop WORKSHOP OVERVIEW1 With breakthroughs in medicine and technology and socioeconomic developments globally, people are living longer. The global population over age 60 is projected to reach 1.4 billion by 2030 (WHO, 2022a). Function- ing, as a concept, constitutes a rethinking of health that goes beyond the medical model, which is focused almost exclusively on disease and disability (see section on foundational concepts for more information). Rehabilita- tion professionals are key in this transformative approach, particularly to provide care for and improve prevention for the aging population. A recent World Health Organization (WHO) statement has noted that the need for rehabilitation is increasing due to the epidemiological shift from communi- cable to noncommunicable diseases, and new rehabilitation needs are also emerging from infectious diseases such as COVID-19 (WHO, 2023a). Fur- ther, the need for rehabilitation is increasing due to rapid population aging worldwide accompanied by a rise in physical and mental health conditions, limitations, and injuries. The WHO statement emphasized that rehabilita- tion needs are largely unmet globally and that rehabilitation services are key to the achievement of the United Nations’ Sustainable Development 1 The planning committee’s role was limited to planning the workshop, and the Proceedings of a Workshop has been prepared by the workshop rapporteurs as a factual summary of what occurred at the workshop. Statements, recommendations, and opinions expressed are those of individual presenters and participants and are not necessarily endorsed or verified by the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine, and they should not be construed as reflecting any group consensus. 1 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 2 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Goal 3 (to ensure healthy lives and promote well-being for all at all ages).2 It has been suggested that efforts are needed in identifying the economic challenges in operationalizing the concept of functioning as a measure for health policy, rethinking disability as a universal human experience, and formulating a feasible public health agenda that addresses the increasing relevance of rehabilitation for the twenty-first century (Cieza et al., 2019). A public health agenda that incorporates a new understanding of function- ing and rehabilitation in the context of healthy aging could better address the health needs of older adults and facilitate this population’s continued contribution to society On February 16–17, 2024, the National Academies of Sciences, Engi- neering, and Medicine convened a hybrid workshop in Lucerne, Switzer- land, hosted by the University of Lucerne, to facilitate a discussion focused on the WHO’s concept of functioning and its role in rethinking the concept of health, with a focus on healthy aging and the future of rehabilitation as a health strategy. The planning committee developed the agenda for the workshop sessions, selected and invited panelists, and moderated the panels discussions. In designing the workshop, the planning committee focused on identifying opportunities and challenges in improving human functioning across the life course. The workshop convened an array of global experts in diverse fields from all WHO regions. The expertise of the invited speakers included aging and healthy longevity, disability studies and functioning, geriatric medicine, health economics and policy, physical and rehabilitation medicine, and public policy, as well as other areas. The workshop was open to the public, and audience members represented a variety of perspectives. This workshop proceedings is the rapporteurs’ summary of the speakers’ presentations and the moderated panel discussions. The moderated discus- sions included panelists’ responses to questions from both the in-person and virtual audience, as well as audience comments; when identified, audience comments are attributed by name and affiliation. The workshop statement of task is provided in Appendix A, the agenda in Appendix B, the panel concept notes in Appendix C, and the biosketches of workshop planning committee members, invited panelists, and supporting scientists in Appen- dix D. Walter Frontera, University of Puerto Rico School of Medicine (United States), opened the workshop by outlining the major themes to be explored, including the concepts of functioning, healthy longevity, and rehabilita- tion; the idea of functioning as a measure in health policy and methods for 2 The Sustainable Development Goals are 17 global goals adopted by the United Nations in 2015. Goal 3 of “good health and well-being” includes 13 target goals to be reached by 2030. See https://www.undp.org/sustainable-development-goals/good-health (accessed April 16, 2024). https://www.undp.org/sustainable-development-goals/good-health http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 3 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs operationalization; the investment case for functioning and rehabilitation; the research ecosystem for functioning, aging, and rehabilitation; health ser- vices delivery and person-centered care; and the role of advocacy and com- munications in social policies. Victor Dzau, National Academy of Medicine (NAM) (United States), emphasized that healthy aging involves not only lengthening the lifespan but also extending the health span, allowing indi- viduals to live well and productively throughout their lives. While the aging of the world’s population will include “rising rates of chronic disease and disability, rising costs of care, and increasingly complex patient profiles,” he said, keeping older adults healthy increases their “productivity and contri- bution to society.” He suggested reframing this challenge as an opportunity for society. He described NAM’s Healthy Longevity initiative, its associated grand challenge, and its roadmap published in 2022 (NASEM, 2022), not- ing that “healthy aging is an issue that affects all countries, and we have a real global imperative to address this, which is why collaboration across international boundaries is so important.” Gerold Stucki, University of Lucerne (Switzerland), and Bruno Staffel- bach, University of Lucerne (Switzerland), both emphasized the University of Lucerne’s commitment to functioning and well-being. Stucki described the Lucerne Initiative for Functioning Health and Well-being,3 which has a mission to optimize functioning, health, and well-being in the face of acute and chronic diseases, injuries, and aging. He stated that the initiative is interested in pursuing global partnerships to promote a new understanding of health as functioning within society. Henri Bounameaux, Swiss Academy of Medical Sciences (Switzerland), noted that there is still room for the Swiss health care system to truly encompass the whole lifespan, including aging, functioning, and rehabilitation, adding that he believes reform is needed for the development of a sustainable Swiss health system, with a triple aim of “a population in good health, an individual high-quality care for all patients, and an accountable utilization of the financial, human, and natural resources.” Bounameaux concluded his remarks with a charge for the workshop to further enrich the discussions toward a sustainable health system both globally and in Switzerland. Over the course of the workshop, participants offered many suggestions for operationalizing functioning as a measure in health policy, rethinking disability as a universal human experience, and formulating a feasible pub- lic health agenda that addresses the increasing relevance of rehabilitation for the twenty-first century, and these are summarized in Box 1. 3 Lucerne Initiative for Functioning, Health, and Well-being is a global initiative driven by the University of Lucerne. See https://www.unilu.ch/en/faculties/faculty-of-health-sciences-and- medicine/sections-centers-research-units/life/ (accessed April 16, 2024). https://www.unilu.ch/en/faculties/faculty-of-health-sciences-and-medicine/sections-centers-research-units/life/ https://www.unilu.ch/en/faculties/faculty-of-health-sciences-and-medicine/sections-centers-research-units/life/ http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 4 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs BOX 1a Suggestions for Supporting Healthy Aging, Functioning, and Rehabilitation Made by Individual Workshop Participants Improving Functioning Across the Life Course • Shift the orientation of health systems away from a focus on mortality and morbidity to include functioning as the third indicator of health. (Bickenbach, Boggs, Chatterji, Gimigliano, Khan) • Aim for conceptual clarity for functioning and rehabilitation, as rehabilitation seeks to optimize functioning. (Bean, Beard, Bickenbach, Cieza, Jette) • Create functioning trajectories that span the life course to use in evaluating an individuals’ functioning and the effectiveness (and cost-effectiveness) of interventions. (Beard, Prodinger, Stucki) • Elevate standards and tools to rise above the “tyranny of low expectations,” or low levels of ability described as baseline or acceptable, in the aging popula- tion. (Bean, Keith, Simonsick) • Include age-appropriate metrics of success alongside indicators of failure in functional performance assessments, including maximum capacity test- ing, patient-reporting outcome measures, and other data collection methods. (Simonsick) • Stratify older adult populations in order to target interventions that maximize functioning. (Beard, Chatterji) Building the Economic and Investment Case for Functioning and Rehabilitation • Use return-on-investment and cost-effectiveness studies to build the economic case for investing in functioning and rehabilitation, such as cost benefits and cost savings. For example, investments may enable older adults to contribute to society (cost benefits) and reduce the need for acute and long-term care (cost savings). (Boggs, Gimigliano, Sillitti, Willers) • Develop direct measures for functioning, moving beyond indirect measures such as disability-adjusted life-years. (Beard, Reinhardt, Willers) Supporting Rehabilitation Health Services as a Strategy for All People In Need • Embrace new technologies to enable early identification of disease that could impair functioning and possibly avoid or delay disease onset. (Beard, Jette, Katz) • Integrate rehabilitation into all components of health systems and in the com- munity, not only in specialized services and centers. (Cieza, Frontera, Morsch, Mpofu) • Encompass the whole lifespan, including aging, functioning, and rehabilitation, to develop sustainable health systems. (Bounameaux, Leonardi) http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 5 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs BOX 1 Continued Exploring 360-degree Functioning-Based Health Research • Use the International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) system as a foundation to “convert abstract concepts into quantifiable data” and use standards from the ICF to: establish comparability among measures for functioning; standardize reporting and data collection on functioning in health systems; assist in defining improved outcomes from rehabilitation in the context of research; serve as a context for understanding functioning’s importance in health care delivery and policy; and consider its applicability to aging. (Beard, Bickenbach, Boggs, Engkasan, Gimigliano, Hajjioui, Leonardi, Prodinger, Reinhardt, Sillitti, Stucki, Willers) • Develop hybrid assessment tools that combine self-reporting and clinical as- sessments. (Beard, Boggs, Prodinger, Simonsick) • Create a clear, prioritized research agenda for the next five years that incor- porates implementation research. (Bean, Chatterji, Engkasan) Promoting Advocacy that Increases Support for Health Longevity, Rehabili- tation, and Functioning • Counter ageism, which limits access to rehabilitation and reinforces low ex- pectations, by calling it out directly, but also recognize that supporting healthy longevity and aging means understanding that older adults can have different goals. (Bickenbach, Katz, Keith, Morsch) • Establish human functioning sciences as a distinct discipline through mecha- nisms such as dedicated conferences and a scientific journal. (Beard, Cieza, Engkasan, Stucki) • Develop curricula to train researchers in best practices—both conducting and disseminating research—for human functioning sciences. (Engkasan, Hajjioui, Reinhardt) • Implement interprofessional approaches and models that optimize functioning, focus on the individual, and develop a more robust plan for evaluation and care, with an emphasis on community engagement across a variety of settings. (Hajjioui, Jette, Morsch, Willers) aThis list is the rapporteurs’ summary of points made by the individual speakers identi- fied, and the statements have not been endorsed or verified by the National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. They are not intended to reflect a consensus among workshop participants. FOUNDATIONAL CONCEPTS Throughout the workshop, presenters built on foundational work by the WHO, NAM, and other groups. This section provides an overview of terms, concepts, and models that workshop participants referred to repeat- edly and discussed at length, though these definitions were not a focus of the workshop and consensus was not achieved or attempted on defining these terms. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 6 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Functioning Jerome Bickenbach, University of Lucerne (Switzerland), defined func- tioning as “information about how a person’s health state affects their daily life…information that describes the actual lived experience of health” (Bickenbach et al., 2023). He explained that functioning comprises the domains of both biological health (with biophysical information about bodily functions and structures), and lived health (with information about actual performance), where lived health is fully contextualized as an out- come of interactions between a person’s intrinsic health capacity and fea- tures of their environment (Bickenbach et al. 2023; Stucki and Bickenbach, 2017, 2019). According to Bickenbach, functioning “accounts for the value of health because it tells us that health matters to us because it improves what matters to us, namely what we can do. It explains behaviors, why we move toward seeking health care. It allows us to predict future health needs in terms of what people’s aspirations for what they want.” He added that functioning also helps make sense of disability in a way that fully comprehends the experience, as a limitation in functioning in the person’s environment. Alarcos Cieza, WHO (Switzerland), explained that function- ing can be categorized by our body functions and structures (e.g., pain, muscle weakness), our activities (e.g., self-care, walking), and our participa- tion (e.g., going to work or school). Matilde Leonardi, Fondazione IRCCS Istituto Nuerologico “Carlo Besta” (Italy), said that describing functioning is like describing the wetness of water in that the whole is obvious—how a person’s health state affects their daily life—but the components (i.e., hydro- gen and oxygen) by themselves do not explain the experience. Functioning is more than just the sum of its parts, but a comprehensive experience. She advocated for the initial definition of functioning as operationalizing health using a biopsychosocial model, with recognition that biological, psychologi- cal, and social factors interact and can affect functioning through different policies, systems, and services.4 WHO’s International Classification of Functioning, Disability and Health Several participants discussed using WHO’s International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) to operationalize functioning in health systems and to build an evidence base for investing in function- ing and for identifying effective interventions. Bickenbach said the ICF is designed to measure and compare differences in health, enabling function- 4 The biopsychosocial approach systematically considers biological, psychological, and social factors and their complex interactions in understanding health, illness, and health care delivery. See: Engel, G. L. 1977. The need for a new medical model: A challenge for biomedi- cine. Science 196(4286):129-136. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 7 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs ing to serve as a third indicator of health, alongside mortality and morbid- ity. 5 The environmental, contextual, and personal factors that influence a person’s functioning were discussed in depth (see Figure 1). Several present- ers also referred to the discussion in a study by Bickenbach and colleagues (2023) of how functioning aligns with all six of the WHO’s health system building blocks (see Figure 2). John Beard, Columbia University (United States) and previously director of the WHO Department of Ageing and Life Course, noted that the ICF has been revolutionary in the field of aging. FIGURE 1 World Health Organization’s model for the International Classification of Functioning, Disability and Health. NOTES: Contextual factors include environmental factors and personal factors. Environmental factors make up the physical, social, and attitudinal environment in which people live and conduct their lives. These factors are external to individuals and can have a positive or negative influence on the individual’s performance as a member of society, on the individual’s capacity to execute actions or tasks, or on individual’s body function or structure. Personal factors are the particular back- ground of an individual’s life and living and comprises features of the individual that are not part of a health condition or health state. These factors may include gender, race, age, other health conditions, fitness, lifestyle, habits, coping styles, social background, education, profession, past and current experience, and more. SOURCE: Presented by Francesca Gimigliano, University of Campania, February 16, 2024. Adapted from WHO, 2001. CC BY-NC-SA 3.0 JGO. 5 The WHO ICF model is not specific to health-related quality of life (HRQOL). Cieza and Stucki (2008) noted that while the WHO ICF categories under functioning can serve as the basis for the operationalization of HRQOL, these are not the only potential applications of the WHO ICF. Other frameworks, such as the Wilson and Clearly model, are specific to HRQOL. See Wilson, I. B., and P. D. Cleary. 1995. Linking clinical variables with health-related quality of life. A conceptual model of patient outcomes. JAMA 273(1):59-65. Health condition (disease, trauma) Activity Body function and body structure Participation Environmental Factors Personal FactorsContextual Factors http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 8 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs FIGURE 2 Highlights for implementing human functioning within health systems. NOTE: ICF = International Classification of Functioning, Disability and Health. SOURCE: Presented by Francesca Gimigliano, University of Campania, February 16, 2024. Bickenbach et al., 2023. CC BY 4.0. Health Longevity and Aging John Beard explained that the NAM Global Roadmap for Healthy Longevity defined health longevity as the state in which years in good health approach the biological life span, with physical, cognitive, and social functioning that enables well-being across populations (NASEM, 2022). He added that healthy aging is “not only lengthening the lifespan, but also extending the health span, allowing individuals to live high-quality, produc- tive lives well into the later years.” Rehabilitation Paola Sillitti, Organisation for Economic Co-operation and Develop- ment (OECD) (France), noted that rehabilitation is “sometimes a blurry term that includes many different types of services,” including physical therapy, occupational therapy, speech and language therapy, cognitive therapy, and mental health therapy, and can be accessed in a variety of settings. Alarcos Cieza shared the WHO’s definition of rehabilitation as “a set of interventions designed to optimize functioning and reduce disability in individuals with health conditions in interaction with their environment” http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 9 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs (WHO, 2023b). In her presentation, Francesca Gimigliano, University of Campania “Luigi Vanvitelli” (Italy), added that the definition of rehabilita- tion for research purposes is a “multimodal, person-centered, collaborative process including interventions targeting a person’s capacity and/or contex- tual factors related to performance, with the goal of optimizing the func- tioning of persons with health conditions currently experiencing disability or likely to experience disability, or persons with disability” (Negrini et al., 2022). Throughout the workshop, participants and presenters discussed— and sometimes disagreed about—to what extent rehabilitation should occur primarily in clinical practice (responding to a particular medical condition) or within a public health agenda. Disability-Adjusted Life-Years Researchers often use disability-adjusted life-years (DALYs) to measure functioning in a public health or economic context (see Figure 3). Abder- razak Hajjioui, Abdelmalek Essaâdi University (Morocco), noted that the rehabilitation community can aim to improve the years lived with a dis- ability, which can be reframed as “years lived without functioning, with- out quality of life, without well-being” for advocacy purposes. The use of DALYs and similar proxies was discussed at length, as was the need for more direct forms of measurement. For instance, Jan Reinhardt, Sichuan FIGURE 3 Disability-adjusted life-years. NOTE: DALY = Disability-adjusted life-years; RIP = rest in peace (referring to death). SOURCES: Presented by Abderrazak Hajjioui, February 16, 2024. Shah et al., 2019; originally adapted and reproduced through an Open Government License from Public Health England. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 10 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs University (China), commented that DALYs and similar units, which are often used to quantify burden of disease, rely on a “concept of disability that has absolutely nothing to do with how we see . . . and define” disabil- ity. Nonetheless, Carl Willers, Karolinska Institutet (Sweden), noted that such measures are currently used to build the case for investing in function- ing and rehabilitation. KEYNOTE PRESENTATIONS The workshop began with presentations by three keynote speakers on the three focuses of the workshop: the functioning revolution, health lon- gevity, and the WHO’s concept of rehabilitation. The Functioning Revolution Jerome Bickenbach posited that while “we’ve been speaking in func- tioning all of our lives,” its significance to our health and well-being is underappreciated and underacknowledged. He noted that the experience of health and what it means to a person to live with a condition is miss- ing from society’s concept and picture of health, which focuses solely on longevity, mortality, and morbidity. He used a personal example of how his foot joint pain is medically defined as concentrated urea crystals in his joint, which, while being important information, is an abstraction because it doesn’t communicate the pain felt when walking. The condition affects how he moves through the world, which affects whether he achieves or fails to achieve what he wants to accomplish. He asserted that being able to achieve our goals and aspirations is why health matters to us. Bickenbach stated that health systems need to be reoriented from assessing and addressing mortality and morbidity to assessing and address- ing the experience of health conditions—that is, functioning. Doing so, he argued, would fulfill the United Nations (UN) Sustainable Development Goal 3: to ensure healthy lives and promote well-being for all at all ages. This goal implies a link between health and well-being, he continued; why does improving health improve well-being? “Well,” he said, “living a long life is a good thing . . . but you can live a long life in utter misery.” Bickenbach pointed out that, while the idea of well-being is very simple (“being able to do and become what you wish”), multiple factors adversely affect well-being, like poverty, discrimination, and migration. Health, he added, can also be a barrier. Bickenbach explained that the International Classification of Diseases (ICD) is a way to categorize information about disease and morbidity in an internationally comparable, standardized way. The ICD allows researchers to collect information that contributes to the understanding of what health services are being provided—and, more http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 11 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs importantly, he said, how those services can change outcomes. But the ICD does not enable data collection on what it is like to live with the conditions it describes; “we need to know what it’s like to live those conditions,” he stated. Early on, said Bickenbach, the ICF was characterized as a complement to the ICD, to provide more comprehensive data collection for research. But the ICF was also intended “to capture something which had been missing in our understanding of health,” he explained, to measure differ- ences in health states and identify the impact of interventions. He said that morbidity and mortality are indicators of health, but “the space in which you live [health conditions] out,” required a third, complementary indica- tor (Stucki and Bickenbach, 2017). “We use the term functioning for this space,” Bickenbach stated, which identifies classifications of body functions and structures, as well as activities and participation. According to Bickenbach, the major conceptual revolution is that functioning reveals the lived experience of health, and environmental fac- tors shape and determine that experience as much as the biophysiological changes that occur with a morbidity. Two people experiencing the same condition but in different environments experience different functioning, he continued. Two people suffering knee arthritis, as he does, who are in different environments, will experience qualitatively and quantitively differ- ent functioning: “it’s a different phenomenon to struggle to walk through snow uphill” than on flat ground, he explained. The environmental context, Bickenbach said, is a complex interplay of several factors made up of not only the physical elements of the environment (e.g., air quality, air pollu- tion levels, altitude) but also human-built structures that can contribute to or interfere with health. Environment may also include assistance that mitigate such difficulties, interpersonal interactions, and social structures and legal systems. Bickenbach clarified the relationship between intrinsic capacity and performance, emphasizing that distinguishing between these two concepts is central to the revolution of functioning and the theory of the ICF. Intrinsic health capacity, he said, is an abstraction of what we understand biophysi- ologically: information about the state of the body, expressed by functions and structures of basic biological components, known as biological health. This capacity is then translated and mediated through the environment, “which can contribute positively or negatively to an experience,” resulting in the lived experience of a health condition, or functioning. Information about functioning, Bickenbach said, includes both the biophysiological state (intrinsic capacity) and its effect on a person’s engaging in activities in their environment (performance), which describes information about how the state if the body affects all of the activities that a person actually engages in their actual environment. He asserted that the lens of performance offers http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 12 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs tools for changing environments, medications, and assistive technology. Disentangling capacity from performance enables a clearer understanding of what health services can offer when a person is facing diminished capac- ity, he said. Bickenbach then discussed how the functioning revolution applies not only to population aging but also to noncommunicable chronic diseases. He noted that the most salient indicator of a chronic health condition is stable or progressive decline in capacity, with low chances for improvement. But even with reduced capacity, there are tools to improve performance, such as changing environments to make them more accessible, modifying medica- tions and using assistive technologies. Bickenbach said that functioning is the “basis for conceptualizing health itself.” It links varying perspectives on capacity and provides a platform for operationalizing health, he explained. It also provides a way to measure improvement before and after an intervention. Functioning is revolutionary, asserted Bickenbach, because it shifts “the center of grav- ity” of health sciences. He concluded his presentation by adding that “a functioning-based approach to health sciences is a revolutionary way of entering into the domain and rearranging, coordinating, disentangling, and re-reconciling the health sciences in something which could literally be the first legitimate approach to interdisciplinary health research.” Healthy Longevity John Beard described how recent changes in health sciences can influ- ence and shift the global approach to aging and how functioning might be framed in the future. First, he mentioned the developing field of geroscience, which takes a biological perspective on aging. Second, he pointed out that an understanding of complex systems (e.g., related to climate change) has advanced, exposing the reality that change is often nonlinear and needs to be understood holistically. Third, he said, computational mechanisms, including machine learning, are enabling analysis of the “complex, dynamic biological changes that occur with age.” Beard asserted that this shift away from the traditional model, which waits for conditions to manifest before responding, has led to a tipping point in the field. He stated prevalence of chronic disease tends to increase with age and that “aging is the biggest risk factor for almost all of those chronic diseases, far more important than our behavior or other risk fac- tors,” but that “we’re identifying the health changes very, very late.” If clinicians wait until symptoms associated with a chronic conditions manifest, the best option is to limit progress of the condition, he explained. Although most people over age 65 are managing complex chronic morbidi- ties, Beard continued, it is becoming possible to identify conditions earlier, http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 13 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs before crossing the symptom threshold, so that the chronic disease does not develop or is delayed until much later in life. Functioning declines long after the onset of biological and phenotypical deterioration, he said, due to the body’s ability to compensate. Beard stated that 2015 WHO World Report on Ageing and Health “framed healthy aging around the functional ability to be and do” what people value to foster well-being (WHO, 2015). People value feeling safe, having a place to live, having access to healthy nutrition, and being in a walkable and safe environment. Older adults also want to learn, grow, be mobile, and retain autonomy “to their last breath, if possible,” he said, and importantly, older adults want to have relationships and contribute to society, and to be acknowledged. Being able to achieve this well-being relies on both the individual’s health state and their physical and social environment, he said. Adding to Bickenbach’s discussion of capacity as an abstraction, Beard said that WHO’s idea of intrinsic capacity includes all the individual-level attributes that contribute to ability. Capacity grows and develops over the life course, he said, then reaches a peak and declines gradually. The second half of life includes a significant range of capacity, said Beard, and the tendency to box older adults into one group of those age 65 and older is incorrect, as “one of the great hallmarks of aging is heterogeneity.” Beard emphasized that segmenting the population into groups enables appropriate policy responses to help them “build and maintain the highest possible level of capacity” (see Figure 4). This approach formed the basis for the UN Decade of Healthy Ageing, spanning 2021 to 2030, with four priority areas: (1) combatting agism and “changing the way we think, feel, and act about aging and older people”; (2) changing the built environment to allow people to experience aging positively; (3) reframing health systems to address chronic complex conditions that tend to accompany older age; and (4) ensuring access for all to health care and other forms of support. Beard described WHO’s Integrated Care for Older People (ICOPE) approach as being functioning-based (WHO, 2019). Using a model similar to that of pediatrics, ICOPE compares an individual’s functional trajectory with population means. ICOPE’s entry point is screening for functioning rather than disease, and if an individual screens below a certain level, they receive more in-depth assessment and an integrative care pathway. Beard reported that ICOPE is being scaled up in several places, such as in France.6 In order to make the concept of intrinsic capacity more concrete, Beard said that five subdomains of capacity (cognitive, sensory, locomotor, vital- ity, and psychological) can be assessed using common indicators, such as recall and verbal with cognitive capacity, or vision and hearing with sensory 6 See https://www.icope.fr/ (accessed April 16, 2024). https://www.icope.fr/ http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs 14 FI G U R E 4 L if e co ur se o pp or tu ni ti es f or in te rv en ti on . SO U R C E : P re se nt ed b y Jo hn B ea rd , F eb ru ar y 16 , 2 02 4. B ea rd e t al ., fo rt hc om in g. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 15 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs capacity. He cited two studies that reveal the power of capacity at predict- ing outcomes: One study from England demonstrated that after accounting for factors such as gender, age, education level, wealth and multimorbidi- ties, intrinsic capacity strongly predicted the subsequent development of care dependence (Beard et al., 2019). Another in China showed similar associations (Beard et al., 2022). He linked the vitality subdomain specifi- cally to potentially capturing the underlying biological changes that are the focus of geroscience, suggesting these biological changes ultimately become expressed as more overt capacities and provide resilience to allow people to recover from external stressors. Beard discussed the Study of Health, Ageing and Retirement in Europe,7 which revealed that people of lower socioeconomic status experience worse capacity as they age compared with those of higher socioeconomic status, and that those who need resources the most have the least access them Additionally, this study found vast differences among European countries in declines in capacity, indicating the role of environment and the muta- bility of these effects (Arokiasamy et al., 2015). Beard then examined the English Longitudinal Study of Ageing,8 which looked at intrinsic capacity in four cohorts and found that more recent cohorts had slower reductions in capacity and that people are entering older age at higher capacities (mainly because they gained higher capacities earlier in life; Beard et al., 2019). Beard discussed the National Academy of Medicine’s Global Roadmap for Healthy Longevity (NASEM, 2022), which defines healthy longevity as “when the health span equals the lifespan.” Although people are surviving diseases and thereby living longer, they often have more or more severe chronic conditions, he said; for example, people can survive a heart attack but still live with chronic heart disease. Beard closed by saying, “Now is the time to start thinking about how we can actually move forward and embrace all of these dramatic changes” in other fields and “reframe the way we think about aging and health.” Rehabilitation in Health Systems: The Time Is Now Alarcos Cieza discussed the World Health Assembly’s recent adoption of the WHO resolution on rehabilitation in health systems and emphasized how three factors contributed to the resolution: conceptual clarity on 7 The Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe is a research infrastructure for studying the effects of health, social, economic and environmental policies over the life course of European citizens and beyond. See https://share-eric.eu/ (accessed April 16, 2024). 8 The English Longitudinal Study of Ageing is an ongoing study on a group of adults liv- ing in England ages 50 years and older. The study began in 2002, with interviews conducted at two-year intervals on multiple topics including demographics, social care, and functional capacity. See https://www.elsa-project.ac.uk/about-elsa (accessed April 16, 2024). https://share-eric.eu/ https://www.elsa-project.ac.uk/about-elsa http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 16 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs rehabilitation; stakeholder cohesion; and support from individuals, coun- tries, institutions, and organizations for the rehabilitation agenda. Cieza said the resolution focuses on ways that rehabilitation is fundamental for strengthening health systems with a political mandate, normative weight, and moral value. Box 2 summarizes Cieza’s overview of the resolution’s key components. Conceptually, rehabilitation is about optimizing a person’s level of functioning, Cieza said, and how interventions seek to reduce disability and work with people’s environments toward optimal functioning. A key component of the WHO resolution was to support equity and improve access to high-quality rehabilitation services, she noted. Less than 50 per- cent of those who could benefit from rehabilitation services have access to them (Cieza et al., 2021). The only mechanism for achieving equity, she declared, is ensuring that rehabilitation services are part of universal health care coverage through the strengthening of health systems so that people can receive needed services without facing financial hardship. She added that rehabilitation services should be integrated not only in specialized centers but also at the secondary, tertiary, and community levels to ensure comprehensive coverage and access. BOX 2 World Health Assembly Resolution 76.6 on Strengthening Rehabilitation in Health Systems: An Overviewa On May 30, 2023, the WHO passed Resolution WHA76.6, Strengthening Rehabilitation in Health Systems. Alarcos Cieza summarized the major compo- nents of the resolution: 1. Requests that the WHO Director-General continues the work of producing evidence, engaging stakeholders, and supporting countries. 2. Urges member states to integrate rehabilitation in their national health plans and policies, taking action in (a) financing, (b) expanding services and the health services workforce, (c) developing health information systems, (d) continuing quality research, (e) establishing rehabilitation in emergency services, and (f) developing assistive technologies. 3. Invites civil society to collect data for evidence-based policymaking, research and innovate assistive technologies, and advocate for rehabilitation. SOURCE: Presentation by Alarcos Cieza, February 16, 2024; WHO, 2023a. aThis list is the rapporteurs’ summary of points made by the individual speaker identified. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 17 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Cieza explained that the resolution required “stakeholders’ cohesion”, which was garnered through the Rehabilitation 2030 initiative.9 These efforts included producing evidence, such as the 2019 Global Burden of Disease Study, which reported that 2.4 billion people globally experience a health condition that could benefit from rehabilitation (Cieza et al. 2021). This figure increased by 63 percent in 30 years, driven by the aging population. Cieza also mentioned a special issue of the WHO Bulletin on advancing rehabilitation through health policy and systems research (WHO, 2022b) and the guidebook Clinical Management of COVID- 19 (WHO, 2023c), which showed that rehabilitation is essential for the clinical management of infectious diseases, as well as other conditions. Through Rehabilitation 2030, Cieza said, WHO also developed technical tools for strengthening health systems, such as the Package of Interven- tions for Rehabilitation.10 Cieza reported that WHO worked for 3 years with 725 rehabilitation experts from all 6 WHO regions to create these technical tools, and these efforts contributed substantially to stakeholder cohesion. Finally, Cieza explained, passing the resolution required the work of “champions”. She said that these included individuals, many of whom participated in the workshop, academic institutions, organizations such as nongovernmental organizations and foundations, and WHO member states. In closing, Cieza invited participants to study the resolution and also challenged participants to use the resolution to inform their deliberations throughout the workshop and beyond. FUNCTIONING AND REHABILITATION FOR HEALTHY LONGEVITY Somnath Chatterji, formerly of the WHO, opened the first panel ses- sion by discussing tools and standards for measurement necessary to move the field forward. He remarked on the importance of measurement, saying, “What you measure is what you manage, and what you manage is what you change.” Operationalizing Functioning for Population Health Francesca Gimigliano explained that rehabilitation is key to optimizing functioning. She discussed the importance of contextualizing functioning and presented different tools and methods in operationalizing functioning 9 See https://www.who.int/initiatives/rehabilitation-2030 (accessed April 17, 2024). 10 See https://www.who.int/activities/integrating-rehabilitation-into-health-systems/service- delivery/package-of-interventions-for-rehabilitation (accessed May 10, 2024). https://www.who.int/initiatives/rehabilitation-2030 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 18 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs and rehabilitation in health care settings. Understanding a person’s function- ing in context is key, said Gimigliano. She illustrated why context matters with an example of astronauts, who often have very high intrinsic capacity on Earth but limited capacity in a different environment like the moon. Gimigliano noted that although there are differing definitions of rehabil- itation, functioning is a critical aspect of rehabilitation. She outlined several tools to describe the building blocks of integrating functioning across health systems, including the International Classification of Service Organization in Rehabilitation,11 the Individual Rehabilitation Project,12 the Scheda di Dimissione Ospedaliera in Riabilitazione,13 Standardized Assessment and Reporting System for functioning information,14 the WHO’s Model Dis- ability Survey,15 and the International Society of Physical and Rehabilita- tion Medicine’s Clinical Functioning Information Tool (ClinFIT).16 Gimigliano said that key to functioning as it relates to the ICF is partici- pation or performance, which is “the ultimate goal of rehabilitation.” She suggested that advancing technologies such as the Metaverse could enable individuals to return to participation in new way (Calabrò et al., 2022). She concluded that “functioning really depends on the timing, on the context, on the place, and on everything that is around us.” Role of Functioning in Healthy Longevity Research Eleanor Simonsick, National Institute on Aging (United States), dis- cussed three areas of functioning in healthy longevity research: hands-on functional performance testing, functional assessment, and assessing age- appropriate metrics of success. She stated that functional performance 11 See Gutenbrunner et al., 2020. 12 See Zampolini et al., 2022. 13 The Scheda di Dimissione Ospedaliera in Riabilitazione is a tool for collecting informa- tion relating to each patient discharged from public and private hospitalization institutions throughout the national territory. In English, this is known as the “Hospital Discharge Form in Rehabilitation.” See https://www.salute.gov.it/portale/temi/p2_5.jsp?lingua=italiano&area= ricoveriOspedalieri&menu=rilevazione (accessed April 18, 2024). 14 The Standardized Assessment and Reporting System for functioning information is a methodology for developing an interval-scaled common metric system to apply the ICF in different settings to assess and report functioning information in a standardized manner. It builds upon the ICF framework. See Maritz et al., 2020; Prodinger et al., 2016; Prodinger et al., 2018. 15 The Model Disability Survey is a survey tool that provides comprehensive information about the levels of disability in a population. See https://www.who.int/news-room/questions- and-answers/item/model-disability-survey (accessed April 18, 2024). 16 The Clinical Functioning Information Tool (ClinFIT) is a tool developed under the aus- pices of International Society of Physical and Rehabilitation Medicine based on the 30 ICF categories of the ICF Generic-30. ClinFIT can be tailored and adapted for specific patient groups and settings. See Frontera et al., 2019. https://www.salute.gov.it/portale/temi/p2_5.jsp?lingua=italiano&area=ricoveriOspedalieri&menu=rilevazione https://www.salute.gov.it/portale/temi/p2_5.jsp?lingua=italiano&area=ricoveriOspedalieri&menu=rilevazione https://www.who.int/news-room/questions-and-answers/item/model-disability-survey https://www.who.int/news-room/questions-and-answers/item/model-disability-survey http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 19 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs assessments are essential as many individuals are unaware of their capaci- ties and limitations; functional performance testing is just the beginning as the behaviors and health conditions that underly or contribute to defi- cient performance are vast; and functional performance testing should tap capacities as well as limitations, with evaluation criteria accounting for age, sex, and size. She explained that many people are unaware of their limitations or may underreport the severity of their impairments, so performance tests can provide a more accurate assessment of functioning. Simonsick described the Health, Aging and Body Composition Study,17 which evaluated older adults who reported no difficulty with walking a quarter mile (or 400 meters), climbing a flight of stairs or activities of daily living using an objec- tive walking test covering 400 meters. Participants were first assessed by phone, and eligible participants received a secondary assessment during a home visit. Following these two assessments, nearly 400 participants, or 12 percent, were excluded from the walking test due to health-related exclu- sion criteria (e.g., an electrocardiogram abnormality), and 356 participants could not complete the test because of an overly elevated heart rate, chest or leg pain, shortness of breath, or excessive fatigue. Stoppage or exclu- sion from the test predicted walking difficulty two and a half years later. Walking test performance also predicted cardiac outcomes and mortality (Newman et al., 2003). Next, Simonsick explained that functional assessment is like a cur- tained window to health and aging, in that while functional performance testing can reveal limitations, it does not necessarily reveal the underlying causes (i.e., what is on the other side of the window). The Lifestyle Inter- ventions and Independence for Elders Study sought to understand whether structured physical activity could delay onset of disability for people on the cusp of mobility disability and found statistically significant but nonetheless weak differences between the intervention and control groups.18 In addition to an overall weak impact of the mobility intervention, Simonsick noted that around 60 percent of the 800 total participants went on medical leave at least once, and 25 percent went on medical leave at least twice during the study period (Pahor et al., 2006). Simonsick also shared the study results within selected population subgroups, noting that the activity intervention was not successful in those with cardiovascular disease, as it did not address the likely underlying cause(s) or provide appropriate rehabilitation services. 17 The Health, Aging and Body Composition Study is an interdisciplinary study that began in 1997 and collected data for 17 years on a cohort of Black and White adults living in two U.S. cities. See https://www.nia.nih.gov/healthabc-study (accessed May 10, 2024). 18 The Lifestyle Interventions and Independence for Elders Study was a National Institute on Aging clinical trial that studied 1,600 sedentary older adults over a 2.7-year period. See https://www.clinicaltrials.gov/study/NCT01072500 (accessed April 18, 2024). https://www.clinicaltrials.gov/study/NCT01072500 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 20 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Likewise, individuals exhibiting mild cognitive impairment also did not derive benefit from the activity intervention as it did not target cognitive challenges. Simonsick concluded her presentation by discussing the “tyranny of low expectations” and stressed the importance of including age-appropriate metrics of success alongside indicators of failure. Simonsick illustrated this point by highlighting several longitudinal cohort studies on sarcopenia— age-related loss of muscle mass and strength, which has been evaluated using grip strength, chair stand performance, and gait speed (Cleveland Clinic, 2022). Simonsick used an article providing normative data from 12 studies of British participants to illustrate that men and women ages 60-65 with grip strength below the fifth, tenth, or fifteenth percentile for their sex and age group do not meet age-agnostic criteria for sarcopenia (Dodds et al., 2014), whereas high proportions of those older than 80 performing in the 75th percentile for their age would be deemed sarcopenic. Simonsick emphasized that in a resource-limited environment, young-old individuals performing well below their age-peers and just beginning to decline may derive more benefit from active rehabilitation than individuals in their nine- ties performing well relative to their peers. Monitoring Functioning for Health Systems: Lessons Learned Alan Jette, Boston University (United States), shared lessons he has learned when working with health systems in monitoring patients’ func- tioning throughout the episode of care. Jette reiterated the importance of conceptual clarity and said that monitoring functioning should be done at the level of an individual’s performance of activities, which can help researchers and clinicians describe, measure, and explain the interaction between an individual’s biological health and the environment. He argued that both capacity and actual daily life performance are important because they provide different information and emphasized that when discussing functioning, a focus on an individual’s behavior in an environmental con- text, not on body systems and organs, is necessary. Jette said a key lesson is being very selective in what health systems monitor, as too much detail may not be useful. Rather than a universal core set of functions, he said that health systems should focus on monitor- ing selective functions that reflect the system context for a specific purpose or application. Jette also emphasized the importance of collaborating with health systems, clinician and patient groups, and content and health system experts. Partnerships with these groups have changed the way functioning is monitored in health systems. The next lesson, Jette said, is accepting and adopting contemporary approaches and tools. Classically, monitoring function used a set of fixed http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 21 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs items regardless of their appropriateness to a particular patient (e.g., the Functional Independence Measure). And while many instruments for mea- suring functioning are available and can be useful, most are setting-specific, generate different scores, cannot be compared easily, and need many items or instruments to cover all relevant functional outcomes, which can be burdensome. Newer approaches include the Item Response Theory,19 a group of measurement models where outcome scores are item-based rather than test-based and scored on probability models. This enables quantitative measuring of function and leaves behind traditional ordinal scores. Another innovation is computerized adaptive testing (CAT),20 which can integrate Item Response Theory efficiently on large scales using an algorithm that selects a functional item based on a patient’s previous response. Jette said his work using CAT in the Activity Measure for Post-acute Care21 can be completed by either clinicians or patients and is sensitive to clinically meaningful change. Finally, Jette said, functional monitoring needs to be adaptable and simple. For example, colleagues from the Cleveland Clinic asked for an adaptation of Activity Measure for Post-acute Care that did not include CAT, which was impractical for their health system. In simplifying the instrument, the team was able to use Item Response Theory to track selected items that improved decision making in referrals and discharge planning. Jette’s team also developed short-form tests without CAT technology, ver- sions of which are being used by more than 1,000 health care institutions in the United States. Panel Discussion In response to Jette’s call for conceptual clarity, John Beard suggested that there is a philosophical difference between the current approaches toward aging science and clinical rehabilitation. The latter tends to measure and restore significant losses, he said, whereas the field of aging science seeks to identify and prevent incremental changes early on. Gerold Stucki expressed his worry that different approaches to rehabilitation and aging may divide the world, commenting that rehabilitation is a health strategy for improvement in all settings, not just clinical. Jan Reinhardt noted that the environmental setting is important when considering measurement, as 19 Item response theory refers to models that explain the relationship between unobservable characteristics or attributes and their observed outcomes, responses, or performance. 20 Computerized adaptive testing is a type of computer-based testing that adapts and re- sponds to the test-taker’s ability level. 21 Activity measure for post-acute care (AM-PAC) is an instrument that assesses an indi- vidual’s execution of discrete daily tasks in their environment across major domains defined by the ICF. See Haley et al., 2004. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 22 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs capacity and performance may differ based on the presence of facilitators or supports. Jette responded that conceptually, the capacity to function is different than actual functional behavior or daily life performance. Fary Khan, University of Melbourne (Australia), mentioned that for older adults, it is often not a single impairment but cumulative and multiple deficits that lead to functional decline, citing research with individuals with multiple sclerosis. Reflections on Operationalizing Measurement of Functioning On the second day of the workshop, a breakout group composed of the first panel’s speakers and other workshop participants discussed how to advance functioning measurement.22 Chatterji reported on the group’s dis- cussion on two aspects of measurement: (1) monitoring population health using functioning, as well as whether health interventions are improv- ing population health and disease burden, and (2) creating measures that improve clinical management of patients, with implications for both clinical epidemiology and the impact of interventions. He highlighted the need for matching patients’ profiles with specific interventions to improve outcomes and co-effectiveness. In discussing future action, Chatterji stated that a clear research agenda identifying priorities and milestones for the next five years is needed. Additionally, referencing implementation of functioning measures within national health information systems would demonstrate proof of concept. Chatterji asserted that because burden of disease is important to the pub- lic health agenda, collaboration with those involved in measuring disease burden is critical, with the hope of potentially shifting their thinking as it relates to measurement. Collaboration is also needed, he said, with research funders, patient associations, and philanthropies. Other members of the breakout group discussed stratifying the popu- lation by risk and other factors to enable early identification and targeted interventions. The group also discussed how to study the two-way relation- ship between determinants of health and functioning; monitoring func- tioning over time to assess cohort effects, rates of decline, and impact of interventions; and examining factors that determine older adults’ functional capacities compared to actual functional performance. In response to Chatterji’s report on measuring functioning at the popu- lation level, Beard commented on the need for direct measures of func- tioning, stating that DALYs (see Figure 3) and healthy life expectancy are 22 This section describes the report-backs of discussions that occurred during a breakout session. Statements, recommendations, and opinions expressed are those of individual partici- pants and should not be construed as reflecting any group consensus. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 23 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs indirect measures. He expressed concern that overlaying aging with func- tioning will promote ageism, sharing the example that measuring workforce participation does not apply equally to all. An impoverished older person who has lost significant capacity through years of heavy work may con- tinue to participate in the workforce out of necessity, not because they are healthy. Leonardi suggested that the five-year plan could call for studies on risk factors and determinants of health because these factors are modifiable. Chatterji replied that “we have to pick our battles here”; making the case that burden of disease is an inadequate measure and demonstrating the feasibility of direct measurement of functioning in the population would be immense progress, he asserted. Walter Frontera commented on the need to develop tools for collecting data and making the economic case for invest- ment in functioning and rehabilitation. Chatterji replied that numerous tools are available (e.g., ClinFIT and ICF Standardized Assessment and Report System), but domains need to be identified that span from patients in a clinical setting to healthy individuals in a community. MAKING A COMPELLING INVESTMENT CASE FOR OPTIMIZING FUNCTIONING Gerold Stucki moderated the second panel, on building the evidence base to make the economic case for investing in rehabilitation and function- ing. He mentioned that while expanding services and insurance coverage may be the first area to address, proactive, innovative solutions are needed to shift the focus from merely treating health conditions to a more compre- hensive approach to optimizing functioning. Measuring and Enhancing Functioning in Health Systems Paola Sillitti presented the importance of measuring what matters to people by gathering data on their health, well-being, and functioning, and on how to build the economic case for rehabilitation. In 2021 OECD countries spent an average of 15 percent of their budget on health (OECD, 2023).23 Investments in health typically focus on preventing and managing chronic conditions, Sillitti continued. The outcome of these expenditures is that people are living longer: in 2022 the average life expectancy in OECD countries was approximately 80 years, which is up from around 68 years in 1960 and 77 years at the turn of the century (OECD, 2023). Preliminary data from the OECD Patient-Reported Indicator Surveys also showed that 23 The OECD has 38 member countries. See https://www.oecd.org/about/members-and- partners/ (accessed April 18, 2024). https://www.oecd.org/about/members-and-partners/ https://www.oecd.org/about/members-and-partners/ http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 24 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs people’s rating of their health depended more on the number of chronic conditions they were facing than on their age (OECD, 2023). Historically, researchers first focused on measuring mortality and life expectancy, then moved toward understanding levels of disability and now toward measuring well-being. There is growing interest in measuring what really matters to people, though gathering such data is challenging, she explained. Since 2017 the Patient-Reported Indicator Surveys initiative has sought to center people’s needs and preferences in health systems perfor- mance assessment, which is at the core of OECD’s new framework (OECD, 2024; see Figure 5). FIGURE 5 Health system performance assessment framework by the Organisation for Economic Co-operation and Development. SOURCE: Presented by Paola Sillitti, February 16, 2024. OECD, 2024. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 25 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Sillitti continued by stating that investments in health are necessary for curative care, as well as preventing and managing chronic conditions and supporting functioning. Rehabilitation is an important component of these objectives, and rehabilitation services are available in 86 percent of OECD countries.24 She added that the evidence base is small but growing for demonstrating the effectiveness of rehabilitation. Some existing evidence shows that rehabilitation might provide both cost benefits and savings. Rehabilitation could also enable older adults to continue contributing to the “economy of well-being,” she said. When people contribute to society, they also contribute to economic advancement, leading to healthier popula- tions with higher levels of well-being. Additionally, rehabilitation supports older adults after they receive acute care, when they are more likely to have accidents and falls—thereby reducing the risk of receiving additional (and costly) acute care, according to some existing evidence. She added that investments are needed to establish a stronger evidence base to demonstrate these benefits of rehabilitation. She concluded her presentation by inviting those interested to review OECD’s work on the Patient-Reported Indicator Surveys initiative and other efforts, such as the Health at a Glance report (OECD, 2023).25 Building Evidence for an Investment Case Carl Willers discussed the investment case for optimizing functioning for healthy aging and longevity. Because resources are scarce and interven- tions are costly, defining the indicators for functioning is essential. Health indicators have historically focused on morbidity and mortality and most resources are concentrated on reducing those. But if these indicators are not sufficient to explain individuals’ degree of well-being and if efforts to address these do not correlate with well-being, then resources may be concentrated in areas that are not of the highest priority, he explained. He added that health-related quality of life is traditionally used to indicate the benefit of a given treatment but may differ from actual lived health without accounting for the contributions a person may make to society as a result of reducing burden of disease. Willers stated that building a case for optimizing functioning will require high-quality data to demonstrate the cost difference in outcomes with new versus old interventions (see Box 3). Additionally, data can show value based on outcomes from an intervention compared with the costs of that intervention. Worldwide, 2.4 billion people would benefit from 24 These are preliminary data from OECD. 25 See https://OECD.org/health (accessed May 10, 2024). http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 26 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs rehabilitation services (Cieza et al., 2021).26 In the United States, the cost- effectiveness of rehabilitation interventions could save an estimated $15.5 billion annually (Neumann et al., 2014).27 Willers asserted that rehabilita- tion efforts are needed in many sectors in addition to health care, including the labor market, education, and social affairs and leisure. Panel Discussion In response to Willers’s comments on a multisector approach to reha- bilitation, Leonardi cautioned that defining functioning broadly may be “deresponsibilizing everyone,” implying inaction because no one in particu- lar bears responsibility to solve the problem. Willers agreed that the multi- sectoral approach risks diluting the value of rehabilitation and that the first step is building evidence for rehabilitation interventions within health care. However, he said, this does not contradict the need for continued data col- lection, research, and studies to show ministries of health that investment 26 The cumulative estimate of 2.4 billion people living with a disability equals about 310 million years lived with disability. Years of healthy life lost due to disability is defined as one full year of healthy life lost due to disability or illness. See https://www.who.int/data/gho/ indicator-metadata-registry/imr-details/160 (accessed May 10, 2024). 27 In U.S. cost-effectiveness studies, $50,000 is the most commonly cited cost-per-QALY threshold. See Grosse, 2008. BOX 3 Characteristics of Functioning and Cost Data Needed to Build an Investment Case Carl Willers presented characteristics of data needed to build a case for investing in functioning. Data should be: • Structured and standardized, applying the International Classification of Functioning, Disability and Health to enable comparison across condi- tions and contexts; • Granular in detailing both outcomes and costs; • Contextualized and based on individual preferences; • Routine-based for registration and reporting; • Accessible for continuous monitoring and research; • Complete, including both direct and indirect costs; and • Transparent about methods used (e.g., how expense categories were allocated, approach for quantifying indirect costs). SOURCE: Presented by Carl Willers, February 16, 2024. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 27 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs should occur across all sectors. Sillitti brought up “health in all policies” as a precedent for this approach and said involving other sectors does not necessarily dilute efforts but makes them stronger with more support. Beard commented that the Global Burden of Disease does not account for the benefits of rehabilitation; people who are recovering from a disease would still be counted in prevalence data. Willers responded that the aim is to add a functioning perspective to a common unit of measure, such as DALYs. Jerome Bickenbach warned against mixing descriptions (e.g., does a person have deficits?) and assessments of functioning (e.g., do those deficits bother them?) and said that using a description such as DALYs as a proxy for assessment can be confusing. Sillitti replied that the two comple- ment rather than oppose one another, and Willers add that the maxim “don’t let the perfect become the enemy of the better” can be useful, as seeking a perfect indicator or measurement should not conflict with striv- ing for improved tools. Walter Frontera asked whether the rationale built on the OECD data can be applied to low- and middle-income countries (LMICs). Sillitti replied that OECD mainly comprises high- and middle- income countries, but the cost-effectiveness of rehabilitation should apply to LMICs as well. One workshop attendee asked about the bottleneck in data collec- tion. Willers said, “It’s at least partially a matter of comparability,” and said using the ICF would enable comparisons across diseases and in other contexts. Stucki agreed, noting that the data may be available and the ICF can be used as a reference system to map the data. Sillitti added that health care research is “data rich but information poor”—in other words, lots of data are available but the tools to interpret them properly are less so. Vanessa Seijas, University of Lucerne, said, “Some people could argue that we have been measuring functioning for a long time,” citing the 36-Item Short-Form Health Survey, used in the Nurse Health Survey since 1992, which asks questions such as how conditions limited a person’s ability to perform tasks in the last four weeks.28 She asked Willers to comment about the challenges seen so far. Willers responded that two obstacles are the subjectivity of patient-reported data (such as in the 36-Item Short-Form Health Survey) and the need for greater context specificity. Elias Mpofu, University of North Texas (United States), asked whether subjective costs are adequately measured when using cost-effectiveness and utility to dem- onstrate value. Willers agreed that suffering, pain, and other categories need to be acknowledged and included in the equation. 28 The 36-Item Short-Form Survey is a tool used to assess quality-of-life measures. See https://www.rand.org/health-care/surveys_tools/mos/36-item-short-form.html (accessed April 18, 2024). https://www.rand.org/health-care/surveys_tools/mos/36-item-short-form.html http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 28 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Reflections on Building the Economic Case for Functioning and Rehabilitation On the second day of the workshop, Sillitti reported back on the discus- sion from the breakout group on economics,29 which discussed developing policies that allow people to “live better, improve their well-being,” and that incorporate people’s health, social system, and environment. Because these policies must be evidence driven, the evidence itself needs to be devel- oped, ideally using a learning health system approach, she explained. Sil- litti emphasized that economic outcomes need to include affected people’s viewpoints, such as the importance of contributing within their workplace or living independently. Outcome measures need to account for both formal and informal costs, including long-term care and social services. Data col- lected need to be accessible and interoperable, and they need to reflect the continuum of care across the lifespan and across sectors. These qualities will address the issue of the health care sector being “data rich and informa- tion poor,” where data are available but not linked or comparable for use in a meaningful way, she explained. The participants in this breakout group said that the understanding of conceptual frameworks and measurement instruments for disability, functioning, and well-being need to be clarified as two distinct but comple- mentary things. Additionally, infrastructure needs to be developed to enable standardized reporting of functioning information. Making an investment case includes demonstrating opportunity costs, showing the cost of not investing in rehabilitation across sectors or having adequate access to ade- quate services, and aligning incentives for those who are financing services and those receiving positive spillovers from implementing services. Abderrazak Hajjioui commented that the field needs more studies about opportunity costs for LMICs specifically, because while governments in these countries do not need to be convinced that rehabilitation is important, they need to see that these investments affect the gross domestic product. Policymakers may be convinced, he continued, if they see that they are losing money by investing only in acute medicine, especially when patients go home to die of complications. Patricia Morsch, Pan American Health Organization (PAHO) (United States), agreed, saying that disaggregating information can demonstrate the benefits of rehabilitation on older adults because long-term care for these individuals is expensive for countries. Leonardi commented that instruments are needed for demonstrating that rehabilitation helps to maintain a level of functioning and that without it, functioning levels would worsen. Most measures are designed to show 29 This section describes the discussions that occurred during a breakout session. Statements, recommendations, and opinions expressed are those of individual participants and should not be construed as reflecting any group consensus. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 29 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs improvement rather than maintaining the same function, she added. Diana Pacheco, University of Lucerne, responded that economists make the case for an intervention by comparing people who have a health condition with members of the general population who have similar characteristics but lack that health condition; this allows for measuring the benefits of main- taining functioning, even if the intervention does not improve functioning. Stucki brought up the need for functioning trajectories that demonstrate how a person’s functioning would be affected without an intervention (a counterfactual), which would enable cost analysis and evaluation of both overall effectiveness and cost-effectiveness. IMPROVING REHABILITATION IN HEALTH SERVICES DELIVERY AND CARE ACROSS THE LIFE COURSE NiCole Keith, Indiana University (United States), introduced the panel on health services delivery by emphasizing that rehabilitation is a public health strategy that extends beyond the health care sector. Referencing the billions of people who lack access to health care, she emphasized that if measurement is only occurring in health care settings, then “we’re missing a large percentage of the population.” Panelists described the implementa- tion of rehabilitation strategies in the health systems in various parts of the world, emphasizing the role of the community and environment in individual functioning. Rehabilitation as a Strategy for Promoting Healthy Aging Patricia Morsch presented on ways rehabilitation can serve as an inter- professional and transdisciplinary strategy to support healthy aging and healthy longevity. In PAHO countries, the gap between life expectancy and healthy life expectancy is 12 years (PAHO, n.d.).30 Functioning can be optimized in spite of diminished capacity through appropriate and timely interventions in the health system (e.g., rehabilitation), long-term care, and age-friendly environments (see Figure 6). Morsch added that rehabilitation needs are increasing with age and thus emphasized the importance of having rehabilitation services specifically for older adults, as well as preventive care. Morsch described PAHO’s ICOPE framework for implementing a strat- egy for promoting healthy aging (see Figure 7). These guidelines support health professionals at the micro, meso, and macro levels (see Meyer et al., 2014). ICOPE starts with a person’s intrinsic capacity and develops a more 30 Data for the widening gap between life expectancy and healthy life expectancy between 1990 to 2017 comes from the Global Burden of Disease Collaborative Network. See https:// vizhub.healthdata.org/gbd-results/ (accessed April 18, 2024). https://vizhub.healthdata.org/gbd-results/ https://vizhub.healthdata.org/gbd-results/ http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 30 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs FIGURE 6 Trajectories of healthy aging: Optimizing functional ability. SOURCES: Presented by Patricia Morsch, February 16, 2024. Adapted from WHO. 2021. Decade of healthy ageing: Baseline report. https://www.who.int/publications/i/ item/9789240017900 (accessed April 3, 2024). WHO is not responsible for the con- tent or accuracy of this adaption. in-depth, person-centered plan for evaluation and care, with an emphasis on community engagement. It also involves risk assessment to enable inter- ventions to begin before capacities are lost. With a focus on functioning, ICOPE can been adapted to the reali- ties of each PAHO country where it is implemented. The strategy aims to incorporate functioning in the practices already in place in each country, with a community worker or case manager to integrate the information and help the individual navigate referrals to community services, keeping the emphasis on what is important for each person. Morsch presented two examples of programs that PAHO has used to implement ICOPE and increase community engagement. The Com- munity Aging in Place Advancing Better Living for Elders program, which is being implemented in the United States, connects older adults with a repair worker, occupational therapist, and nurse to improve functioning.31 31 See https://nursing.jhu.edu/faculty-research/research/projects/capable/ (accessed April 12, 2024). 17 IN S IG H T S Functional ability Intrinsic capacity Supportive environments Functional ability Intrinsic capacity Supportive environments Functional ability Intrinsic capacity Supportive environments HEALTH SYSTEM LONG-TERM CARE ENVIRONMENTS Prevent and detect chronic conditions Reverse/slow declines Promote capacity- enhancing behaviours Change how we think, feel and act towards age and ageing Remove barriers to compensate for loss of capacity Ensure dignified late life Manage conditions HIGH AND STABLE CAPACITY DECLINING CAPACITY Support capacity-enhancing behaviours SIGNIFICANT LOSS OF CAPACITY Functional ability optimized due to supportive environments http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 31 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Through this program, a repair worker might provide adjustments to the patient’s home so that they can remain living there with improved function- ing. Initial evidence points to improvements in activities of daily living and reduction in depressive symptoms and home hazards (Szanton et al., 2016). Second, Vivifrail is a 12-week program that prescribes home-based exercise based on results of a functional test, with the goal of improving functional capacity.32 Participants receive a passport book with their exercises, and after 12 weeks, they receive a new passport of exercises tailored to their improvements through the program. Vivifrail is a unique intervention as it allows participants to complete exercises at home and does not require a health care provider or rehabilitation professional. Prehabilitation, Prevention, and Maintenance for Maximizing Functioning Fary Khan spoke about the clinician perspective in the Asia-Pacific region,33 and ongoing work on integrating prevention into rehabilitation (“prehabilitation”) and optimizing functioning in multiple programs. By 2050 an estimated 59 percent of the world’s population of those aged 80 32 See https://vivifrail.com/ (accessed May 10, 2024). 33 The Asia-Pacific region includes more than 53 member states. For a complete list of countries, see https://www.un.org/dgacm/en/content/regional-groups (accessed May 10, 2024). FIGURE 7 Integrated Care for Older People. NOTE: IC = intrinsic capacity; FA = functional ability. SOURCES: Presented by Patricia Morsch, February 16, 2024. Adapted from WHO. 2019. Handbook: Guidance on person-centered assessment and pathways in primary care. Integrated Care for Older People. https://iris.who.int/bitstream/ handle/10665/326843/WHO-FWC-ALC-19.1-eng.pdf (accessed April 3, 2024). IN EGRA ED CARE HO DOES ORK? Providing care at the communities, close to where people live1 Person centered assessment and care plan shared with everyone involved2 All professionals work together to maintain IC and FA3 Engaging communities and supporting family care givers 4 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 32 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs years and older will be living in the Asia-Pacific region (United Nations, 2022). In Australia, 4.4 million people (18 percent of the population) have a disability (Australian Institute of Health and Welfare, 2022). Rehabili- tation service delivery within the public hospital system in Melbourne aims to reduce variation in clinical practice by standardizing community care and reducing the incidence of people returning to the hospital. The health system operates with a hub-and-spoke model, where the rehabili- tation clinician connects patients with resources both inside and outside the health care system. She added that longer-term surveillance is critical. The Australian Rehab Outcome Center is the second-largest rehabilitation medicine registry in the world, Khan said, and recently began collecting data on ambulatory care. She shared that there are many opportunities to reduce variation and standardize the community care process, such as leveraging advocacy associations for diagnosed diseases (e.g., the Multiple Sclerosis Society) that develop clinical guidelines, building cohesive team structures and community supports, such as physiotherapists in local gyms who receive specific training for working with those recovering from spi- nal injuries, and generating timely accessible actional information through electronic medical record and patient journey boards. Community-based organizations provide wellness programming, she said, and options are expanding for integrating technology across the rehabilitation care contin- uum (e.g., wellness apps, cybernetics, artificial intelligence, and telehealth). Khan cited several studies demonstrating that prehabilitation can improve health outcomes for high-risk patients during post-operative recov- ery. Prehabilitation involves meeting with behavioral therapists, physio- therapists, occupational therapists, and others to prepare for recovery from treatments. This strategy provides preventive services for patients with high- level risk factors, such as major surgery or high-risk procedures for lung, colorectal, gastrointestinal cancers, and abdominal surgery (Assouline et al., 2021; Lambert et al., 2021; Rosero et al., 2019; Waterland et al., 2021). Rehabilitation as a Health Strategy for All Populations Elias Mpofu discussed how to reorient rehabilitation as a health strat- egy, and how to see capabilities as opportunities in people’s lives. Capabili- ties are a means for people to influence what happens in their lives, and by addressing capabilities, rehabilitation can be used as a health strategy to empower healthy aging. Reorienting approaches to rehabilitation must consider the context of people’s life situations, he explained (see Figure 8). Health systems often focus on symptom relief, or “ameliorative change” (the innermost ring in Figure 8), but that does not account for other domains of a person’s life that http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 33 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs impact health status, such as work, family, and education, or their interac- tion with services. Mpofu also emphasized the impact of health disparities, and how people access and use health services. Preventive care can address not only people’s health conditions but also their life situations by help- ing them with personal goals and development. He advocated for a social justice approach, with the goal of influencing individuals, the role of social systems in their lives, and society at a broader level. Rehabilitation needs to be reimagined as oriented toward the whole life, with a health strategy that includes counseling, stewardship, advocacy, and more (see Figure 9). He referenced work by Stucki and colleagues on this topic (Stucki and Bickenbach, 2017, 2019; Stucki et al., 2019) and added that he believed community public health is the future of aging and functioning. Panel Discussion In discussion following the panelists’ presentations, Leonardi asked about the government or society’s responsibility when people may not have the strength to speak for themselves. Mpofu responded that guardianship issues vary by jurisdiction, and each panelist discussed the benefits of help- ing people plan ahead (e.g., using advanced care directives), especially when they receive a diagnosis that will likely lead to the inability to speak for themselves in the future. FIGURE 8 Life situations drive people’s health function. SOURCES: Presented by Elias Mpofu, February 16, 2024; Mpofu, 2024. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 34 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Keith asked panelists to address the social determinants of physical functioning. Mpofu urged a holistic approach, and not partitioning people according to medical specialties. Morsch said that all stakeholders should be included and that a multisectoral approach will be very helpful. Khan said she’s observed areas with limited economic resources produce “really good outcomes,” and that “it’s really about how you tailor your service delivery to match the needs of the person in the community.” Roxanne Maritz, University of Lucerne, described cutoffs in rehabilitation services in many health systems for those who pass a working age. Given that context, she asked Khan how to sustain rehabilitation services for the aging population. Khan identified that cutting off services in this way is a form of ageism but stated that some health systems, such as Melbourne’s, have rehabilitation services for adults of all ages. Carla Sabariego, University of Lucerne, asked why the term rehabilitation is not included in the ICOPE description or featured in PAHO’s implementation strategies. Morsch replied that reha- bilitation is considered part of integrated care. Khan added that “you can’t just box rehabilitation into a tiny area. It’s huge . . . the preventative, the health promotion elements, the prehabilitation elements in the community right through to triaging in the community.” Mpofu agreed, adding that a broader view of rehabilitation is more sustainable and allows for greater empowerment. FIGURE 9 Reimagined whole-life-oriented rehabilitation strategy. SOURCES: Presented by Elias Mpofu, February 16, 2024. Mpofu, 2024. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 35 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Reflections on Developing Health Services for Rehabilitation and Functioning On the second day of the workshop, Keith presented on the points discussed by the health services breakout group.34 She explained that two major themes emerged from this discussion: (1) physical functioning main- tenance and care within the health system and community settings, and (2) early screening assessments for older adults who appear to be functioning normally. Older adults who are functioning normally are not typically screened for changes in functioning or fall risks, but this monitoring is an important opportunity to intervene before extensive health care services are necessary, she explained. Participants in the breakout group discussed promising areas for the future, including assessment instruments that are consistent across care and community settings, and expanding the availability of prehabilitation and rehabilitation in primary and long-term care, Keith said. Rehabilitation professionals need to be part of an integrated health care team, including in underserved areas, and rehabilitation needs to be person-centered and account for the specific needs of the patient’s physical and social environ- ment, including whether or not they have pre-existing conditions. She added that assistive technologies should also fit the needs of the person. Marija Glisic, Swiss Paraplegic Research (Switzerland), asked how to address cultural considerations, as decline and death in the older popula- tion are to be expected and even doctors have low expectations in some countries. Keith referred to Eleanor Simonsick’s phrase, the “tyranny of low expectations,” and said that “we have to call out [ageism] when we see this in social media and other kinds of popular media, when we hear people dis- paraging themselves because they’re older adults. That has to all change.” Seijas agreed that ageism is an issue in the criteria clinicians use to determine whether “a person is worth the effort” of receiving rehabilitation, and said this bias can appear in many areas, including insurance policies. Keith responded that a trio of challenges relate to ageism in rehabilitation: beliefs about whether the patient can do the rehabilitation, beliefs about whether the patient will do the rehabilitation, and the question of whether providers trust facilities enough to refer their patients to them. Frontera mentioned that almost all of those who would benefit from rehabilitation live at home in their communities, not in rehabilitation units or acute care hospitals. Given this, Leonardi and Keith discussed how to delineate rehabilitation services. Leonardi said that payment systems need 34 This section describes the discussions that occurred during a breakout session. Statements, recommendations, and opinions expressed are those of individual participants and should not be construed as reflecting any group consensus. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 36 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs to identify which professionals are providing rehabilitation, and Keith emphasized that rehabilitation affects “a multitude of health outcomes, not just body function.” FUNCTIONING AS THE FOUNDATION FOR HEALTHY LONGEVITY RESEARCH Julia Patrick Engkasan, Universiti Malaya (Malaysia), moderated the workshop’s fourth panel on how measuring functioning can form a foun- dation for healthy longevity research. Engkasan described the challenge of designing and executing research that “captures the full lived experience of health.” She added that the research ecosystem needs to be “prepared and primed” to undertake the multifaceted concept of functioning. Harmonizing Research Addressing Functioning Jonathan Bean, Harvard Medical School (United States), presented on how the aging and geriatrics field responded to the ICF framework, impor- tant initiatives in aging and rehabilitation, and ways to harmonize strategies moving forward. The ICF framework was initially met with debate and hesitancy to adopt the model fully in the field of geriatrics and gerontol- ogy (Guralnik and Ferrucci, 2009), especially in countries like the United States (Jette, 2009). The primary concerns were that ICF was redefining the concept of disability and that there was a lack of clarity about the border between activities and participation (Freedman, 2009). This ambivalence and sometimes ignorance around applying ICF continues today, said Bean, which is why communicating in a common language is key. Frailty, defined as a “state of increased vulnerability to stressors caused by decreased physiologic reserves” (Fried et al., 2004, p. 256), is a powerful tool for stratifying older adults and adverse health outcomes. It is relevant for rehabilitation as it addresses the ability to withstand and recover from stress. Bean explained that despite much debate (Costenoble et al., 2021), frailty can be a useful concept for approaches and discussions related to function and disability (Fried et al., 2001; Rockwood et al., 2005). Bean described two ongoing initiatives to support aging and rehabilita- tion. The Age-Friendly Health Care Systems Initiative recognizes that given the growing aging population, there are not enough geriatricians to go around.35 The initiative seeks to help non-geriatricians to think like geri- atricians and uses the 4Ms Framework to teach best practices for care of older adults in a patient-centered care approach (see Figure 10). 35 See https://ihi.org/agefriendly (accessed May 10, 2024). http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 37 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs The Research Treatment Specification System,36 a theoretical frame- work that can improve research intervention reporting (Van Stan et al., 2019), recognizes the problem of lacking standardization in rehabilitation research. Sometimes referred to as a “black box of rehabilitation,” a lack of standardization in research methods can mean the active ingredients that make an intervention work remain unknown.37 It is important to operationally define the contents of care, Bean continued, so clinicians can understand which approach may be best for their patients. This helps them avoid a “machine gun” approach, where the clinician tries to treat all the different deficits at once, he explained. The Research Treatment Specifica- tion System treatment theory focuses on what clinicians can do to support functional change and how they can include the active ingredients needed for rehabilitation treatments to expand the evidence base for those treat- ments. Treatment theory defines a mechanism of action and the outcomes 36 See https://acrm.org/acrm-communities/rehabilitation-treatment-specification/manual-for- rehabilitation-treatment-specification/ (accessed May 20, 2024). 37 As defined by the Research Treatment Specification System, “active ingredients” are the attributes of a treatment selected or delivered by a clinician that are hypothesized to exert the treatment’s effect on a patient. For more on this system, see https://acrm.org/acrm-commu- nities/rehabilitation-treatment-specification/manual-for-rehabilitation-treatment-specification/ (accessed May 10, 2024). FIGURE 10 The 4Ms Framework. SOURCE: Presented by Jonathan Bean, February 16, 2024; Institute for Health Improvement, n.d. https://acrm.org/acrm-communities/rehabilitation-treatment-specification/manual-for-rehabilitation-treatment-specification/ https://acrm.org/acrm-communities/rehabilitation-treatment-specification/manual-for-rehabilitation-treatment-specification/ http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 38 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs that are directly linked to that mechanism, which reflects the ICF model, he explained. Bean concluded by saying we need to harmonize concepts and to iden- tify ways to bridge concepts on functioning and rehabilitation that advance research, so as not to repeat the miscommunications and misunderstand- ings in geriatrics and gerontology that occurred when the ICF was initially introduced. Standardized Collection of Functioning Information Birgit Prodinger, University of Augsburg (Germany), discussed the challenges and opportunities in the standardized collection of function- ing information for research in rehabilitation and healthy longevity. She explained that functioning information is collected using various tools and at various levels, including micro (patient and provider interaction), meso (service provision and payment), and macro (planning, implementing, and evaluating policies and programs) levels and available through clinical, cohort, and population studies, as well as administrative and clinical data. A challenge in data collection is the comparability of the data. While some measurements of body function and structure can be converted easily (e.g., feet to centimeters), information collected about activity and participation are more complex to translate, which challenges comparability. Prodinger described three instruments for assessing mobility that address similar concepts from different perspectives: Can you walk 500 meters on a flat surface without an aid or assistance? Are you able to walk outdoors on flat ground? How well are you able to get around, and how satisfied are you with your ability to perform your daily activities? The first question centers on intrinsic capacity, the second addresses a person’s actual daily life performance, which may include the use of assistive devices, and the third is a subjective appraisal of the person’s own ability to do the activity and their satisfaction regarding the activity. Not only is conceptual equivalence (i.e., that instruments or items are measuring the same concept) needed for comparability but there also needs to be metric equivalence (i.e., that numerical measures or scoring align), she explained. For example, a 3 on the WHO Disability Assessment Schedule indicates moderate problems,38 but a 3 on the 36-Item Short-Form Health Survey indicates severe problems. Solutions for comparability challenges, she said, include standardizing data collection as well as reporting. Stan- 38 World Health Organization Disability Assessment Schedule is a generic assessment instru- ment to provide a standardized method for measuring health and disability across cultures. See https://www.who.int/publications/i/item/measuring-health-and-disability-manual-for-who- disability-assessment-schedule-(-whodas-2.0) (accessed May 10, 2024). http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 39 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs dardizing data collection requires changing practices, which may result in losing comparability with previously collected data. Unifying report- ing requires agreeing on standards for reporting functioning information, including developing a conversion factor. A benefit to this approach is that it allows researchers to continue using existing data collection tools, which enables comparability over time, she added. However, she advocated for using both approaches, and mentioned ClinFIT as an example for standard- izing data collection and the ICF Standardized Assessment and Reporting System for standardizing reporting. Prodinger outlined three characteristics of functioning that are of value in rehabilitation but also present challenges for researchers. (1) Functioning is multidimensional, and all dimensions need to be assessed. She noted that ICF core sets can guide researchers in thinking about all dimensions when collecting information. To illustrate the importance of assessing all the dimensions, Prodinger expanded on a study that sought to expand docu- mentation on spinal cord injury which found that in the acute phase the focus is on body functions and structures, with limited focus on activities and participation or environmental factors, whereas in the early long-term setting, body functions are the least important (Pongpipatpaiboon et al., 2020). (2) Functioning is interactive, and lived health is an outcome of the interaction between a person’s capacity and the environment in which they live. Thus, it is necessary to collect the information on the environmental factors to understand disablement and enablement processes. (3) Func- tioning is continuous, and changes in functioning need to be interpreted throughout the rehabilitation process, as people enter rehabilitation at dif- ferent levels of functioning and their functioning changes over time. More research is needed to understand the minimal clinically important difference of such changes, or the smallest change or improvement in a treatment outcome that a patient would identify as important, because that informa- tion can inform interpretability to inform regulatory and financing decision making, she explained. Prodinger concluded by saying that functioning, as the main outcome of rehabilitation, uniquely positions rehabilitation as a health strategy at the intersection of various disciplines. But we need to have the information about people’s functioning in order to support reha- bilitation as a viable health strategy. Using Functioning Data for 360-Degree Research Jan Reinhardt illustrated how to operationalize functional data and research in an ongoing trial in China. He explained that many OECD coun- tries face growing health care spending with only marginal improvements in outcomes (OECD, 2023; World Bank and WHO, 2019). China is establish- ing new payment models similar to those of the United States wherein cost http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 40 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs estimates are independent of improved health. In a health system, reduced costs up front may lead to greater costs elsewhere (e.g., follow-up treatment episodes) because lower-cost care does not necessarily yield better health outcomes. He explained that a better approach is to integrate functioning as a core indicator in the payment system for baseline health, treatment target- ing, and outcomes, which enables a payment system that improves health. Reinhardt and his colleagues are seeking to develop a performance- oriented payment system for rehabilitation. Using data from a multicenter cohort study at 11 hospitals in China and an ICF-based metric from the rehabilitation set, they found that only 615 of the 2,020 patients improved meaningfully39, which affects estimated costs for the population as total inpatient rehabilitations costs increase for patients who experience no improvement or worsening outcomes Then, they used a cluster-based approach based on 17 ICF categories to stratify the population into three groups, whereby costs for improvement aligned with baseline functional status at entry: mild, moderate, and severe40. Using a machine learning approach, the team identified a support vector machine model that can predict average costs and is now considering how to use this model to develop performance-oriented payment algorithms and incentives for patient improvement. Although the study’s analysis remains preliminary, he drew several conclusions: meaningful improvement of functioning will require more investment than the current average; baseline functioning is an important predictor of costs within a diagnostic group; key performance indicators drawn from functioning information can be used for benchmark- ing and performance-oriented payment components; and using functioning as a core indicator enables payment systems to offer rewards for improving health. Panel Discussion During the discussion, a participant asked how to advocate for func- tioning as a priority when some members of a health team may not think of themselves as part of a rehabilitation team. Bean replied that the age- friendly health systems have it right because functioning is shown in research to usually be the primary concern for individuals seeking care; providers may need to be educated about how to measure functioning and how it is 39 Meaningful improvement was measured by whether patients scored above the minimal important difference, which is the smallest change or improvement in a treatment outcome that a patient would identify as important. 40 The ICF classification system uses qualifiers to assess the extent of functioning or disability and using a scale determines how much a factor is a barrier or facilitator, e.g., 0—no barrier; 1—mild barrier; 2—moderate barrier; 3—severe barrier; 4—complete barrier. See https://www. cdc.gov/nchs/data/icd/icfoverview_finalforwho10sept.pdf http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 41 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs conceptualized. He reiterated that work is needed to communicate about ICF outside its field. Prodinger noted that using the ICF as a frame of refer- ence to link existing clinical research data conceptually and metrically could be a good approach, though access to the data may be a mitigating factor. A workshop participant asked how to bridge the gap between research and practice. Bean brought up the opportunity to work with implementa- tion researchers under the health services umbrella and said implementation research can shed light on how interventions should be packaged and which ones are truly effective. Glisic asked about the dichotomy between the need for standardized rehabilitation interventions to improve “the black box of rehabilitation” and the emerging development of personalized rehabilita- tion strategies, such as assistive devices. Bean replied that in order to show the efficacy of a treatment, it is critical “that we understand what the con- tents of that treatment are.” Reinhardt countered that the black box may serve to return decision-making power to clinicians. Simonsick restated her concerns about the “tyranny of low expecta- tions,” pointing out that rehabilitation is expected to raise patients’ abili- ties to a level that most people would still consider disability and called for developing a way to “capture function that isn’t about loss or incapacity, but also considers levels of actual capacity.” Bean agreed and said that we need measurements that reflect a broad range of capacity, especially for the aging population. He added that basic continuous measures, such as gait speed, are a powerful predictor even among younger people, though context is important. Reflections on Developing a Research Agenda for Functioning On the second day of the workshop, Engkasan shared the discussion of the breakout group on research.41 She presented the idea of establishing human functioning sciences as a new field, using the examples of bioinfor- matics, digital health, and evidence-based medicine as precedent. Creating a distinct discipline would facilitate broader participation from stakeholders outside the rehabilitation field, such as universities, hospitals, professional rehabilitation organizations, and those developing assistive technology, she asserted. Participants in the breakout group also discussed using ICF as a refer- ence system for developing standardized reporting and assessment tools but stated that curriculum and education on operationalizing ICF is needed because many methods currently in use lead to low-quality evidence. Rein- 41 This section describes the discussions that occurred during a breakout session. Statements, recommendations, and opinions expressed are those of individual participants and should not be construed as reflecting any group consensus. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 42 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs hardt added that education and training are also needed on best practices for human functioning research. Engkasan reported that the group lacked sufficient time to discuss how to ensure that all the building blocks of the health system (see Figure 2) are researched appropriately. Keith asked how to get health systems to cooperate with researchers by sharing data when they are disincentivized to do so because of competi- tion among themselves. Reinhardt said that observing how health systems research is implemented in other countries may help, and some international groups have ongoing work to discuss how payment systems work in differ- ent countries. Additionally, he cited work on indicators for implementing the United Nations Convention on the Rights of Persons with Disabilities. Hajjioui asked how research can be translated into health policy, guid- ing advocacy groups, educators, and policymakers. Engkasan responded that the research breakout group discussed collaborating with existing organizations to disseminate research findings and emphasized training researchers on moving beyond publication to disseminate their findings by becoming visible in the media and writing policy briefs. ADVOCATING FOR POLICIES THAT SUPPORT HEALTHY LONGEVITY Leonardi introduced the final panel, citing Nietzsche’s idea that vigor- ous health can only be properly understood from the viewpoint of fragile health. She added that the aftermath of the COVID-19 pandemic—a time of global fragile health—has enabled people to appreciate vigorous health as a common good. Furthermore, building “collective intelligence” about functioning provides an opportunity to contribute to the common good. Panelists presented on advocacy efforts and tools for bringing research find- ings to policymakers and others. Advocating for Functioning as the Third Indicator of Health Dorothy Boggs, London School of Hygiene and Tropical Medicine (United Kingdom), presented on challenges and opportunities of advocating for functioning as the third indicator of health and focused on population- level functioning, rehabilitation, and assistive products (e.g., hearing aids, glasses, walking aids). Boggs noted that approaches for measuring function- ing need to include both self-reporting and clinical assessments, which will require simplified messaging and explanations using ICF. She identified a research gap for a multidomain survey assessment tool that combines both self-report and clinical assessments, including functional assessments, to measure functioning and the need for rehabilitation and assistive products (Boggs et al., 2021a). http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 43 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Hybrid tools can use technologies, such as artificial intelligence, to shorten assessment times and incorporate all six ICF components (see Fig- ure 2). An example of a hybrid multidomain tool is the Functional Needs Assessment Tool (FNAT), developed in collaboration with the Assistive Technology 2030 research consortium.42 FNAT is a population survey method for identifying needs for services, such as rehabilitation, and assis- tive products, such as glasses and hearing aids as it is estimated that 2.5 billion people worldwide would benefit from assistive products (WHO, 2022c). FNAT uses a mobile app and is built using existing survey tools, such as the Washington Group Extended Set on Functioning43 and rapid survey methodology developed by the London School of Hygiene and Tropical Medicine for vision, hearing (Bright et al., 2019), and mobility (original tool, Atijosan et al., 2007; updated in Boggs et al., 2021b).44 The tool was field tested in Kalugu, Uganda, in 2023. Boggs asserted that tools such as FNAT are needed to improve the met- rics available for planning rehabilitation, assistive products, and more, and these data can help build the economic case for functioning. The economic case can also reassess how to value health and well-being, including the cost of inaction. For rehabilitation, more economic research is available from high-income countries than from low-income countries, and that research typically focuses on cost benefits and cost-effectiveness related to specific conditions (e.g., cost benefits of rehabilitation from a stroke) (Mills et al., 2017). For disability, existing research tends to focus on the harms and costs of disability, but shifting to a positive focus could include looking at the cost benefits of social assistance programs that help people with disabili- ties return to work, she explained. For assistive technology, Boggs used the example of the Global Partnership for Assistive Technology ATscale case study, which demonstrated a nine-to-one return on investment, identifying four assistive products as priorities: hearing aids, prosthetics, eyeglasses, and wheelchairs. ATscale presents benefits in different sectors, including the economic, social, and education sectors, and at user, family, and society levels (ATscale, 2020; see Figure 9). 42 See Global Disability Innovation Hub, AT 2030: Life Changing Assistive Technology for All, https://www.disabilityinnovation.com/at-2030 (accessed May 10, 2024). 43 The Washington Group Extended Set on Functioning is a series of questions developed by the Washington Group on Disability Statistics intended for use in population-based health surveys and surveys on disability. It obtains information on difficulties a person may have in basic functioning activities. See https://www.washingtongroup-disability.com/fileadmin/ uploads/wg/Washington_Group_Questionnaire__2_-_WG_Extended_Set_on_Functioning__ October_2022_.pdf (accessed May 10, 2024). 44 See International Centre for Evidence in Disability and PEEK, Rapid Assessment of Avoid- able Blindness (RAAB), https://www.raab.world (accessed May 10, 2024). http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 44 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Boggs discussed challenges and opportunities for building the economic case for functioning, including lack of economic data and limited return- on-investment research, for targeting multisectoral and interdisciplinary approaches, and for focusing on populations with the most need, such as the aging population. Boggs concluded by proposing next steps to achieve “functioning for all,” including decreasing measurement gaps by strength- ening survey measurement tools and economic research. These need to include user-led groups, such as organizations for disabled or older adults, as well as case studies. Raising Awareness: The Policy Advocate Perspective Ruth Katz, Association of Jewish Aging Services (United States), dis- cussed the importance of ensuring people’s goals are integrated into pro- grams, provided examples of how programs should incorporate functioning, and explained how different programs are financed. Many policies are not informed by evidence despite the existing data, she explained, and policies for health care and rehabilitation in the older population are often do not match their needs and preferences. Maintaining quality of life matters to people, said Katz, and among older adults, mobility, independence, and FIGURE 11 Assistive technology demonstrates a nine-to-one return on investment. NOTE: CRPD = United Nations Convention on the Rights of People with Dis- abilities; GDP = gross domestic product; LMIC = low- or middle-income countries; QALY = quality-adjusted life-year. SOURCE: Presented by Dorothy Boggs, February 16, 2024; ATscale, 2020. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 45 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs mental health are high priorities. Adults older than 65 are a heterogenous group and may have different goals, but they typically end up in the same financing programs, where all receive the same services. Katz also said that for different populations, rehabilitation can serve different purposes, such as restoring functioning and independence or improving a person’s functioning so that they can return to work. Care planning for older adults includes diagnosis and functional assess- ment, and it is supposed to be based on the individual’s preferences or goals. Although these goals vary among individuals, older adults tend to receive therapies or programs based on broad groupings. Programs are sometimes based on irrelevant or ill-fitting policies, she explained. Adult day service programs in the United States, for example, must follow specific guidelines (such as supporting people at their highest level of functioning) to receive Medicaid funding and might include career services or interactive outings.45 These programs might benefit people who are still actively seeking work but are not well suited to the needs or abilities of older adults with dementia. Katz concluded by discussing how policy programs are often disconnected from each other and said that financing for long-term care is especially lack- ing in the United States for people with middle-level incomes. New Directions for Health and Disability Abderrazak Hajjioui presented on how different approaches to advo- cacy efforts to improve functioning and overall health. Defining the con- cepts of health, rehabilitation, and functioning in a straightforward manner is key with policymakers and stakeholders, and he emphasized how pre- vention and emergency response can be avenues for advocacy. The WHO defines health as a holistic state of well-being, not just the absence of disease, and includes other factors such as access, support for education, and improved environmental conditions.46 Hajjioui said the goal of health interventions is improving function. The COVID-19 pandemic, which sig- nificantly increased mortality and restricted participation and function- ing, required government response and mass health interventions in both prevention and treatment. He added that framing functioning in terms of acute medicine and return to work has been a successful strategy when communicating with policymakers. 45 Medicaid is a U.S.-funded program that provides free or low-cost health care to low-in- come people, families and children, pregnant persons, older adults, and people with disabilities. 46 The WHO defines health as “a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.” The WHO constitution includes several of principles of increased and sustained access and health promotion. See https://www.who. int/about/accountability/governance/constitution (accessed May 10, 2024). http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 46 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Hajjioui said there are different entry points for advocacy and asserted that advocacy starts with education “because the students of today will be the leaders and policymakers of tomorrow.” Advocacy approaches need to consider stakeholders’ contexts and perspectives. Governments need to know about human rights approaches, wherein the objectives are dignity and autonomy and increased access. Private institutions want to understand the economic impacts, such as cost-effectiveness and workforce productiv- ity. Consumer organizations respond well to a person-centered approach, with holistic care, empowerment, and engagement, while academic insti- tutions tend to prefer public health approaches, such as prevention and community-based programs. He noted that DALYs can be used to show the value of rehabilitation in improving years lived with disability (see Figure 3). Within the rehabilitation field, advocates should consider prevention (e.g., preventing falls and risk for chronic illnesses), primary prevention through treatment (i.e., beginning rehabilitation at the time of diagnosis), and secondary and tertiary prevention through improving people’s environ- ments and removing barriers to care. He concluded by emphasizing the importance of communicating with policymakers that “it’s time to end the global neglect of rehabilitation.” Panel Discussion Keith, asked who, in addition to health economists and policymak- ers, should be part of an advocacy team. Katz replied that such teams can include family members, individuals who use care services, students, advocacy organizations, and boards of organizations. Boggs reiterated that user-led organizations such as those for people with disabilities or for older adults are important. A workshop participant asked about the gap between aging and reha- bilitation in developing countries, stating that one cannot assume the asso- ciation between the two is automatic, and asked what steps could be taken from an advocacy perspective. Hajjioui agreed that this is a problem in low- and middle-income countries, and that work is needed to educate professionals in the acute medicine workforce (e.g., internal medicine, geri- atrics, neurology). Boggs responded that her LMICs research has revealed that older adults have a higher prevalence of need, and more data will help demonstrate this. Pacheco emphasized the need for data to show the economic value of rehabilitation. Gimigliano added that it is important to advocate for rehabilitation as an investment to improve functioning rather than another health expense. Sara Rubinelli, University of Lucerne, stated that although some sug- gest that functioning and rehabilitation are fuzzy concepts, clearer defini- tions are now available. Boggs responded that while the concepts are clear http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 47 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs to those in the room, they can be overwhelming for audiences unfamiliar with frameworks such as the ICF. Boggs added that case studies are key to communicating effectively, recalling Hajjioui’s example of a well-known athlete’s injury, subsequent rehabilitation, and improved performance. In fact, she said, in discussions over lunch during the workshop, participants quickly resorted to tangible examples from their own families, reinforcing the utility of case studies as communication strategies. Hajjioui added that advocacy for functioning is challenging because of the low levels of knowl- edge and education about the concept, so education is a critical component. Reflections on Promoting Advocacy for Functioning and Rehabilitation Leonardi said that her breakout group discussed how, for many coun- tries, rehabilitation is not embedded in the health care system as well as other strategies such as prevention, promotion, diagnosis, and palliative care.47 Raising awareness is needed first, she said; the issue of rehabilitation and functioning needs to be clear at all levels of policy, and case studies and identifying clear problems and solutions will help. She underlined the term biopsychosocial model as part of communications around functioning, which she said has “a bit disappeared.” Leonardi said that functioning implies coordination between services along a continuum of care across the lifespan. However, most of the strate- gies for noncommunicable diseases don’t include strategies about rehabilita- tion or functioning. Participants from the breakout session also discussed opportunities for collaboration. Some suggested that WHO should embed functioning and rehabilitation in all its programs and argued that the World Rehabilitation Alliance should consider supporting the concept of function- ing, not only address deficits and impairments. Leonardi stated that the United Nations Convention on the Rights of People with Disability, which she described as a “Trojan horse,” has been endorsed by 192 countries, and its Article 26 could be used to support the introduction of rehabilitation. Chatterji suggested that advocacy might best be accomplished by com- municating the instrumental value of functioning insofar as it enables people to do what they want to do and thereby enhances well-being, rather than discussing intrinsic value alone. Leonardi agreed but also mentioned that different countries value the aging population and people with dis- abilities in different ways. 47 This section describes the discussions that occurred during a breakout session. Statements, recommendations, and opinions expressed are those of individual participants and should not be construed as reflecting any group consensus. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 48 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs WRAP-UP The last session of the workshop featured the three keynote speakers, who contributed final remarks and reflections on the panel and break- out discussions. Jerome Bickenbach reiterated the importance of concep- tual clarity. He stated that conceptual clarity is foundational for avoiding “agreement by misunderstanding” and is needed because of how the mean- ing of functioning and rehabilitation are used different based on their con- text. Conceptual clarity is not just semantics, he asserted; in fact, he said, “semantics is all we have.” Somnath Chatterji warned against conflating description, which is value-neutral, and appraisal, which describes societal value. In order to disentangle improving capacity versus performance, he said, an outcome of interest must be identified, which may be considered improving well-being. Bickenbach addressed barriers for implementation and scaling up inter- ventions. Some challenges include what he described as “proxy fetishiza- tion”—proxies merely approximate phenomena, but the actual thing being measured gets lost. He gave the example of quality of life, which he described as a collection of unrelated and random items with no concrete content. These challenges aside, he said, direct measurement is possible. A second barrier for implementation is institutional inertia, wherein institu- tions have vested economic and other interests that need to be accounted for. These paradigms are not easy to move, and implementation will not likely go smoothly. Bickenbach supported the need for involving multiple sectors, as stated by several panelists. While functioning is always considered in the context of a health condition, approaches to optimizing functioning (e.g., putting in a ramp) will involve other sectors. Proof-of-concept demonstrations will also move the field forward. Bickenbach raised the issue of whether it is possible to create trajectories over the life course to optimize capacity and performance using environmental improvements, and whether the focus should be on increasing interventions across the lifespan to address capac- ity or on the “huge repertoire” for improving performance (e.g., antidis- crimination laws, ramps). Ultimately, he asserted, the question for the field will be which is more achievable: a healthy aging agenda or on making the world more accessible and a better place to live. John Beard reiterated Bickenbach’s point about relying too heavily on proxies and said that while social determinants of health often arise in discussion on noncommunicable diseases, there are social determinants of performance as well. He also said that while the ICF is valuable as a clas- sification system, the field lacks “plug-and-play” tools at both the popula- tion and clinical levels. He added that tools need to be developed with the http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PROCEEDINGS OF A WORKSHOP 49 PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs changing world in mind, such as for health information technology and using smartphones to determine gait speed. Beard raised two ways capacity and rehabilitation might be deployed in practice: there is an ICD code—age-related declines in intrinsic capac- ity—that can be used for measurement and to drive research. Additionally, rehabilitation is embedded into the ICOPE model, which could be used as a platform in the future. Beard next addressed the idea of creating a specific discipline for human functioning sciences. He stated that it is time to be assertive and take advocacy to the next level, looking at the world not only through the lens of disease. Alarcos Cieza described the tension between functioning as a public health agenda and rehabilitation as clinical care, as they are currently considered separate agendas. Public health is about the whole population, while rehabilitation is about clinical care for people who have reduced func- tioning, she said. Rehabilitation can have public health relevance, because of the 2.4 billion people who could benefit from it. But, she said, it is bet- ter to see these as separate agendas. Moving back and forth between the two reduces conceptual clarity and forward movement, she stated, adding that people promoting healthy aging do not want to be cornered with the rehabilitation sector: “Don’t put me into that clinical box.” Cieza added that human functioning sciences should be the top level, and rehabilitation can contribute to that agenda. She asked how to incorporate functioning in a post–Sustainable Development Goals agenda and emphasized the impor- tance of cross-sectoral collaborations. Beard agreed with Cieza that the relationship between rehabilitation and functioning relate needs to be defined and emphasized that now is the time to reframe competing agendas. Beard also mentioned that human ability is changing with advances in science. Stucki remarked that it is time to seize the moment to establish functioning as a core concept relevant to population health, aging, and rehabilitation. Frontera encouraged thinking outside the box—or expanding the box. Not everyone is comfortable with change, he said. He closed with a quote by Albert Einstein: “The measure- ment of intelligence is the ability to change.” REFERENCES Arokiasamy, P., U. Uttamacharya, K. Jain, R. B. Biritwum, A. E. Yawson, F. Wu, Y. Guo, T. Maximova, B. M. Espinoza, A. Salinas Rodríguez, S. Afshar, S. Pati, G. Ice, S. Banerjee, M. A. Liebert, J. J. 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The individual rehabilitation project as the core of person-centered rehabilitation: The physical and rehabilitation medicine section and board of the european union of medical specialists framework for rehabilitation in europe. Eur J Phys Rehabil Med 58(4):503-510. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Appendix A Statement of Task A planning committee of the National Academies of Sciences, Engi- neering, and Medicine will organize and host a one-and-a-half-day public workshop that will facilitate a discussion focused on the World Health Organization’s concept of functioning and its role in rethinking the concept of health, with a focus on healthy aging and the future of rehabilitation as a health strategy. The workshop will include presentations on: challenges in operationalizing function as a measure in health policy, rethinking dis- ability as a universal human experience, and discussing a feasible public health agenda that addresses the increasing relevance of rehabilitation for the 21st century. The workshop will feature invited presentations and panel discussions on topics such as: • The World Health Organization’s concept of functioning in the International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF); • Moving beyond traditional health outcome measures and opera- tionalizing functioning as a measure of health; • Standardizing and routinely collecting functioning data in health information systems; • Ways to integrate functioning into public health strategies for healthy aging and healthy longevity; • Disability from the perspective of functioning: a universal human experience as well as a discrete social group seeking equity; 55 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 56 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs • Epidemiology of functioning: the consequences of using functioning as the third health indicator augmenting mortality and morbidity; • How demographic and epidemiological projections are shaping the future of public health in the context of functioning; • Conceptualizing and operationalizing rehabilitation as the health strategy that aims to optimize functioning, which could serve as the basis for scaling rehabilitation in the 21st century; • Functioning and person-centered care: the lived experience of health; • Functioning and value-based health care. The planning committee will develop the agenda for the workshop ses- sions, select and invite speakers and discussants, and moderate the discus- sions. A proceeding of the presentations and discussions at the workshop shall be prepared by a designated rapporteur in accordance with institu- tional guidelines. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs 16–17 FEBRUARY 2024 LECTURE HALL 1 UNIVERSITY OF LUCERNE LUCERNE, SWITZERLAND FRIDAY, 16 FEBRUARY 2024 – DAY 1 8:30 Welcome and Workshop Overview Walter Frontera, Chair, Planning Committee University of Puerto Rico School of Medicine Welcome by the U.S. National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine Victor Dzau U.S. National Academy of Medicine Welcome by the University of Lucerne and the Swiss Academy of Medical Sciences Gerold Stucki University of Lucerne Appendix B Workshop Agenda 57 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 58 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Bruno Staffelbach University of Lucerne Henri Bounameaux Swiss Academy of Medical Sciences 9:00 Keynote: The Functioning Revolution Jerome Bickenbach University of Lucerne 9:30 Keynote: Healthy Longevity John Beard Columbia University 10:00 Keynote: World Health Organization’s Perspective on Rehabilitation Alarcos Cieza World Health Organization 10:30 BREAK 10:45 Panel 1: Functioning and the Realization of Healthy Longevity through Rehabilitation Moderator: Somnath Chatterji, World Health Organization, Emeritus, Planning Committee Member Operationalization of Functioning for Population Health Francesca Gimigliano University of Campania “Luigi Vanvitelli” The Role of Functioning in Healthy Longevity Research Eleanor Simonsick National Institute on Aging Implications of Tracking Functioning for Health Systems and Health Care Alan Jette Boston University 11:45 LUNCH http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX B 59 12:45 Panel 2: Functioning and the Investment Case for the Role of Rehabilitation in Healthy Longevity Moderator: Gerold Stucki, University of Lucerne, Planning Committee Member Measuring and Enhancing Functioning in Health Systems Paola Sillitti Organisation for Economic Co-operation and Development Making a Compelling Investment Case for Optimizing Functioning for Healthy Longevity Carl Willers Karolinska Institutet 13:45 Panel 3: The Foundation for Improving Rehabilitation Service Delivery and Care across the Life Course: Continuity and Person-Centered Care and the Lived Experience of Health Moderator: NiCole R. Keith, Indiana University, Planning Committee Member Rehabilitation as an Interprofessional and Transdisciplinary Health Strategy for Healthy Aging Patricia Morsch Pan American Health Organization Integrating Prehabilitation, Prevention, and Maintenance to Maximize Functioning Fary Khan University of Melbourne Reorienting Rehabilitation as a Health Strategy for All Populations in the Community Elias Mpofu University of North Texas, University of Syndey 14:45 BREAK http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 60 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs 15:00 Panel 4: Functioning as the Key to a Comprehensive 360-Degree Life Course Foundation for Healthy Longevity Research Moderator: Julia Patrick Engkasan, Universiti Malaya, Planning Committee Member Harmonizing Research Addressing Functioning within Aging and Rehabilitation Ecosystems Jonathan Bean Harvard Medical School, VA Boston Health Care System, Spaulding Rehabilitation Hospital, Massachusetts General Hospital Challenges and Opportunities in the Standardized Collection of Functioning Information for Research in Rehabilitation and Healthy Longevity Birgit Prodinger University of Augsburg Utilizing Functioning Data for 360 Degree Research: Using the Example of Prospective Budgeting and Performance-Oriented Incentive Mechanism for Insurance Payment for Rehabilitation Episodes based on WHO’s International Classification of Functioning, Disability and Health Jan Reinhardt Sichuan University, Jiangsu Province Hospital, Univer- sity of Lucerne 16:00 Panel 5: Advocating for Health and Social Policy in Support of Healthy Longevity: Functioning as the Third Indicator of Health Moderator: Matilde Leonardi IRCCS Foundation “Carlo Besta” Neurological Insti- tute, Planning Committee Member The Challenges and Opportunities of Advocating for Functioning as the Third Indicator of Health Dorothy Boggs London School of Hygiene and Tropical Medicine http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX B 61 The Policy Advocate Perspective: Raising Policy Awareness and Championing Communications related to Functioning Ruth Katz Association of Jewish Aging Services New Directions on Health and Disability Abderrazak Hajjioui Sidi Mohamed Ben Abdellah University 17:00 ADJOURN DAY 1 SATURDAY, 17 FEBRUARY 2024 – DAY 2 8:30 Welcome to Day 2 of the Workshop Walter Frontera, Chair, Planning Committee 8:35 Facilitated Breakout Sessions FUNCTIONING Facilitator: Somnath Chatterji, World Health Organization, Emeritus, Planning Committee Member Supporting Scientist: Nicola Diviani, Swiss Paraplegic Research ECONOMICS Facilitator: Gerold Stucki, University of Lucerne, Planning Committee Member Supporting Scientist: Diana Pacheco, University of Lucerne HEALTH SERVICES Facilitator: NiCole R. Keith, Indiana University, Planning Committee Member Supporting Scientist: Carla Sabariego, University of Lucerne RESEARCH Facilitator: Julia Patrick Engkasan, Universiti Malaya, Planning Committee Member Supporting Scientist: Marija Glisic, Swiss Paraplegic Research ADVOCACY Facilitator: Matilde Leonardi, IRCCS Foundation Carlo Besta Neurological Institute, Planning Committee Member http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 62 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Supporting Scientist: Sara Rubinelli, University of Lucerne 9:30 BREAK 9:45 Report-Backs from Facilitated Discussions and Workshop Reflections Moderator: Walter Frontera, Planning Committee Chair Somnath Chatterji World Health Organization, Emeritus Gerold Stucki University of Lucerne NiCole R. Keith Indiana University Julia Patrick Engkasan Universiti Malaya Mattilde Leonardi IRCCS Foundation Carlo Besta Neurological Institute 11:00 BREAK 11:30 Next Steps for the Way Forward: Fireside Conversation with Discussants Co-moderators: Walter Frontera, Planning Committee Chair, and Gerold Stucki, Planning Committee Member John Beard Columbia University Jerome Bickenbach University of Lucerne Alarcos Cieza World Health Organization 12:50 Closing Remarks Walter Frontera, Chair, Planning Committee 13:00 MEETING ADJOURNS http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Appendix C Concept Notes FUNCTIONING AND THE REALIZATION OF HEALTHY LONGEVITY THROUGH REHABILITATION Concept Note, Panel 1 Context The aim of this Workshop is to facilitate a discussion of the World Health Organization’s concept of functioning as introduced in its Interna- tional Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), and to explore its role in rethinking the operationalization of health and its appli- cation to healthy longevity and the increasing relevance of rehabilitation as a key health strategy for the twenty-first century. In the ICF, functioning includes the functions and structures of the body that constitute the intrinsic health capacity of a person as well as the actual performance of simple and complex activities in interaction with the per- son’s physical and social environment. Conceptually, functioning comprises the domains of both biological health and lived health, where lived health is fully contextualized as an outcome of interactions between a person’s intrinsic health capacity and features of their environment. Across the lifespan, all of us may experience pain, anxiety, fatigue and weakness, tight joints, skin sores, and other sensory, mobility, and cognitive impairments. When these impairments affect our lives—when we cannot climb stairs painlessly, walk as far as we used to, clean or dress ourselves, read a book, make and keep friends, do all the homework we need to do, 63 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 64 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs or perform our jobs—these concrete, real-life difficulties shape our lived experience of health. And this lived experience is what matters to us about our health; it’s why we seek out health care in the first place. When we do not experience these difficulties, we are well advised to invest in health promotion activities to make us more resilient in functioning. In short, the notion of functioning creates a more meaningful operationalization of what health means to us. WHO’s concept of human functioning constitutes a new understanding and conceptualization of health with wide-ranging consequences, for aging and rehabilitation research, practice and policy. Functioning constitutes a third indicator of health, augmenting the traditional indicators of mortality and morbidity. As the third indicator, functioning completes our intuitive sense of why health matters: avoiding premature mortality and controlling morbidity are clearly important to us, both individually and as members of society at large. But there is a third dimension that is missing to this picture, our everyday functioning and lived experience of our state of health. This is most clear in the case of population aging. As improved health care and other social improvements continues to add more years to our lives, it becomes equally important to add more life to our years. As well as population aging, the increased prevalence of noncommuni- cable diseases—whose impact is primarily assessed in terms of changes in functioning—is a substantial public health concern, warranting increased investment in rehabilitation which aims to optimize functioning. These trends point to the need to prepare our health care systems by reorienting their focus to optimizing functioning through strengthening rehabilitation. The operationalization of health as functioning helps to explain the contribution the health care system can make to individual well-being and societal welfare, providing as well a more robust foundation for our under- standing of disability, as a decrement of functioning, and how we for health and social purposes assess disability. Objective of the Panel The objective of this panel is to prepare the ground for the Workshop by scrutinizing WHO’s notion of functioning. The focus is conceptual and includes A. The role of functioning as the third indicator of health in the operationalization of health for aging and rehabilitation research, practice, and policy. B. Functioning as a robust and sound basis for the healthy longevity agenda, especially in ensuring that rehabilitation—the health strat- http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX C 65 egy whose primary aim is to optimize functioning—can contribute to these goals. C. The potential of functioning to capture what the health care system can contribute to individual well-being and societal welfare, in light of population aging. D. The role of functioning for reorienting the notion of disability, especially for standardized, transparent and fair assessment for health and social benefits. Questions for Discussion 1) What is the role of functioning in operationalizing health for mea- surement, the health sciences, practice, and policy—how can func- tioning as the third indicator of health be concretely implemented? 2) How can functioning in practice provide a robust and sound basis for the healthy longevity agenda, especially in ensuring that reha- bilitation—the health strategy whose primary aim is to optimize functioning—can contribute to those goals? 3) How can functioning directly contribute to the explanation of the health care system’s role in individual well-being and societal welfare? 4) How can functioning reorient our understanding of disability, espe- cially for to achieve standardized, transparent and fair assessment of disability for health and social benefits? References Chatterji, S., J. Byles, D. Cutler, T. Seeman, and E. Verdes. 2015. Health, functioning, and dis- ability in older adults--present status and future implications. Lancet 385(9967):563–575. 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All rights reserved. 66 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs FUNCTIONING AND THE INVESTMENT CASE FOR THE ROLE OF REHABILITATION IN HEALTHY LONGEVITY Concept Note, Panel 2 Context This panel will show how expanding the focus on human functioning can bring enormous economic gains both to individuals and society at large. The focus on functioning emphasizes that people care about their health not just because of the stock of health they can accumulate but because of what they can do when healthy, that is, their functioning. In general, people with a wider range and more robust functioning are more independent and more able to actively participate in society, which has important implica- tions for the financial stability of families, the economy, and health and social systems. People are living longer—the product of the great success of medicine and technology—but they are also more likely to face chronic health condi- tions that limit their everyday lives. Increasing prevalence of chronic health conditions means more disability, which in turn creates economic chal- lenges both for the individual and the rest of society. Not only do people facing disability require more care, support, and accommodation, but many must also limit their labor market participation. As these epidemiological and social trends continue, the increasing dependency and accommodation levels will bring significant financial constraints for individuals, their fami- lies, and the economy in general, with important effects on how our health and social systems are organized. While expanding services and insurance coverage may be the first solution to cope with the changing needs of the population, the increas- ing health and social care costs will constrain the growth possibilities of societies. Therefore, a more proactive solution will be to fundamentally shift the policy focus from a limited one of treating health conditions to a more comprehensive measure of functioning. If successful, we will achieve a more productive and effective societal structure, more financially stable individuals and families, more dynamic economies, and more sustainable health and social systems. Objective of the Panel This panel discusses how recentering the focus of health and social sys- tems to people’s functioning can bring significant economic gains to society. This panel will take a societal perspective and will consider whether http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX C 67 A. Targeting functioning translates into more active and participating citizens in the labor market, and the potential economic gains: this shift directly affects the labor supply, which is limited in industrial- ized economies. B. Targeting functioning translates into a more independent popula- tion that relies less on the support, care, and accommodation from others: this shift will have important implications for the financial situation of individuals and their families. C. Targeting functioning will result in healthier and more active peo- ple and contain the increasing health and social care expenditure: this shift will impact health and social cost and the sustainability of health and social systems in the long term. Questions for Discussion 1) Demographic dynamics put disability at the center of public health. Therefore, how can we show health and social systems that what matters for society is functioning and not only health? 2) One of the main challenges for health and social systems is cop- ing with the increasing needs of care in the population. Currently, long-term care is extremely expensive and available to only a small part of the population. How can we shift the focus of health and social systems toward functioning and not only expanding care services? 3) While health is important, what matters at the social level is that people be independent. Therefore, how can we incentivize the active measurement of other relevant outcomes, such as working status, in health and social care systems? 4) How can we expand the focus toward a more comprehensive understanding of human health in terms of functioning within the existing structure of health and social systems? Do health and social services need to adapt their information systems and their reimbursement and other financial arrangements in order to include indicators that allow us to measure functioning? References Bickenbach, J., C. Sabariego, and G. Stucki. 2021. Beneficiaries of rehabilitation. Arch Phys Med Rehabil 102(3):543–548. Bickenbach, J., S. Rubinelli, C. Baffone, and G. Stucki. 2023. The human functioning revolu- tion: implications for health systems and sciences. Front Sci 1:1118512. Börsch-Supan, A. 2003. Labor market effects of population aging. Labour 17(s1):5–44. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 68 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Chetty, R, M. Stepner, S. Abraham, S. Lin, B. Scuderi, N. Turner, et al. 2016. The asso- ciation between income and life expectancy in the United States, 2001–2014. JAMA 315(16):1750–1766. Colombo, F. 2023. Human functioning: realizing the value of health. Front Sci 1. Directorate-General for Employment, Social Affairs and Inclusion (European Commission). 2021. Long-term care report: Trends, challenges and opportunities in an ageing society. Luxembourg: Publications Office of the European Union. Grosse, S. D., J. Pike, R. Soelaeman, and J. M. Tilford. 2019. Quantifying family spillover effects in economic evaluations: Measurement and valuation of informal care time. Phar- macoeconomics 37(4):461–473. Halla, M., and M. Zweimüller. 2013. The effect of health on earnings: Quasi-experimental evidence from commuting accidents. Labour Econ 24:23–38. Iezzoni, L. I., S. G. Kurtz, and S. R. Rao. 2014. Trends in U.S. adult chronic disability rates over time. Disabil Health J 7(4):402–412. Mathers, C. D., G. A. Stevens, T. Boerma, R. A. White, and M. I. Tobias. 2015. Causes of international increases in older age life expectancy. Lancet 385(9967):540–548. Mudrazija S. 2019. Work-related opportunity costs of providing unpaid family care in 2013 And 2050. Health Aff (Millwood) 38(6):1003–1010. Muurinen, J. M. 1986. The economics of informal care: Labor market effects in the National Hospice Study. Med Care 24(11):1007–1017. Peng, W., S. Chen, X. Chen, Y. Ma, T. Wang, X. Sun, et al. 2023. Trends in major noncommu- nicable diseases and related risk factors in China, 2002–2019: An analysis of nationally representative survey data. Lancet Reg Health West Pac 43:100809. —Drafted by Diana Pacheco THE FOUNDATION FOR IMPROVING REHABILITATION SERVICE DELIVERY AND CARE ACROSS THE LIFE COURSE: PERSON-CENTERED CARE, INTEGRATED CARE PRINCIPLES AND THE LIVED EXPERIENCE OF HEALTH Concept Note, Panel 3 Context The overall aim of this workshop is to facilitate a discussion on how rehabilitation services, focusing on effective, accessible, integrated and per- son-centered care, can contribute to achieving the goals of the UN Decade of Healthy Ageing. As the main goal of rehabilitation is to optimize func- tioning, the concept of functioning provides the basis for achieving this goal and fully realizing the healthy longevity agenda. Rehabilitation is recognized by WHO as one of its five health strategies in the Astana Declaration, in which member states committed to “meet the health needs of all people across the life course through comprehensive preventive, promotive, curative, rehabilitative and palliative care.” Due to its importance in a world increasingly characterized by aging societ- http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX C 69 ies and epidemic noncommunicable diseases, in 2017 WHO launched a specific agenda—WHO Rehabilitation 2030—calling on member states to strengthen health systems to provide rehabilitation to all people in need, including people with health conditions, the aging population and people with disabilities. Finally, access to rehabilitation is a human rights issue. The Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD) devotes Article 26 to rehabilitation, stressing the need to strengthen services and programs and access to assistive technology. The global need for rehabilitation is profound. In 2019 a landmark article in The Lancet using data from the Global Burden of Disease showed that 2.41 billion people have health conditions that would benefit from rehabilitation. This represents one in three people worldwide, many of whom are older adults. The main health conditions associated with the needs of people over 65 are musculoskeletal disorders, neurological disor- ders, sensory disorders (hearing, vision), and chronic respiratory diseases. A Resolution on Rehabilitation was adopted by the World Health Assem- bly in 2023, emphasizing the need to strengthen rehabilitation into health systems worldwide. The importance of giving rehabilitation a more prominent role in healthy longevity agendas has been well justified, especially to improve health and social support services and assistive technologies for the aging population. At the European level, scoping reviews and online consultations currently being performed under the auspices of WHO EURO will lead to an expert consultation on priority setting for strengthening rehabilitation services for healthy aging in Europe and a WHO EURO Regional Summit for National Policy Experts on Healthy Ageing in Lisbon in October 2023 focused on the United Nations goals as part of the Decade on Healthy Ageing. All these initiatives to strengthen rehabilitation, however, depend on concerted efforts to ensure changes and reforms to health systems to support rehabilitation and international aging agendas. Objective of the Panel The objective of this panel is to interrogate health systems in light of international healthy aging agendas and in particular the essential role that rehabilitation, as the health strategy whose aim is to optimize functioning, plays in healthy longevity and aging. The panel focuses on A. the role of rehabilitation service delivery and care across the life course; B. rehabilitation as a key WHO health strategy to achieve healthy aging; http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 70 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs C. the potential of health systems reforms to ensure that rehabilitation contributes to individual well-being and societal welfare, in light of population aging; D. rehabilitation as a health strategy to all people in need, including people with health conditions, the aging population and people with disabilities. Questions for Discussion 1) What is the role of rehabilitation service delivery and care across the life course for the health sciences, practice, and policy? How can rehabilitation as a health strategy be concretely strengthened in health systems? 2) How can rehabilitation as a key health strategy contribute to achieve a healthy longevity of populations worldwide? 3) What is the potential of rehabilitation to contribute to individual well-being and societal welfare in light of population aging, and how this should be communicated to policy makers? 4) How can we reorient our understanding of rehabilitation from a service exclusive to specific groups to a health strategy relevant to all people in need, including people with health conditions, the aging population, and people with disabilities? References Cieza, A., K. Causey, K. Kamenov, S. W. Hanson, S. Chatterji, and T. Vos. 2021. Global estimates of the need for rehabilitation based on the Global Burden of Disease study 2019: a systematic analysis for the Decade of Healthy Ageing: 2021–2030, Divi- sion for Inclusive Social Development Global Burden of Disease Study 2019. Lancet 396(10267):2006–2017. Lorenz, V., V. Seijas, H. Gattinger, C. Gabriel, M. Langins, S. Mishra, et al. 2023. The role of nurses in rehabilitation interventions to the ageing population in primary health care: A secondary analysis as a scoping review (preprint). Research Square. Seijas, V., C. Kiekens, and F. Gimigliano. 2023. Advancing the World Health Assembly’s landmark Resolution on Strengthening Rehabilitation in Health Systems: Unlocking the Future of rehabilitation. Eur J Phys Rehabil Med 59(4):447–451. Seijas, V., M. Roxanne, P. Fernandes, R. M. Benard, L. H. Lugo, J. Bickenbach, et al. 2023. Rehabilitation delivery models to foster healthy ageing—a scoping review (preprint). Research Square. Seijas, V., M. Roxanne, S. Mishra, R. M. Bernard, P. Fernandes, V. Lorenz, et al. 2023. Re- habilitation in primary health care for the ageing population: A secondary analysis from a scoping review of rehabilitation models for the ageing population (preprint). Research Square. Stucki, G., J. Bickenbach, and W. Frontera. 2019. Why rehabilitation should be included in international healthy ageing agendas. Am J Phys Med Rehabil 98(4):251–252. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX C 71 Welch, V., C. M. Mathew, P. Babelmorad, Y. Li, E. T. Ghogomu, J. Borg, et al. 2021. Health, social care and technological interventions to improve functional ability of older adults living at home: An evidence and gap map. Campbell Syst Rev 17(3):e1175. World Health Organization. 2023. Landmark resolution on strengthening rehabilitation in health systems. https://www.who.int/news/item/27-05-2023-landmark-resolution-on- strengthening-rehabilitation-in-health-systems (accessed May 10, 2024). World Health Organizatino. 2023. Regional summit on policy innovation for healthy age- ing in the WHO European region. https://www.who.int/europe/news-room/events/ item/2023/10/10/default-calendar/regional-summit-on-policy-innovation-for-healthy- ageing-in-the-who-european-region (accessed May 10, 2024). World Health Organization. 2019. Rehabilitation in health systems: Guide for action. https:// www.who.int/publications/i/item/9789241515986 (accessed May 10, 2024). —Drafted by Carla Sabariego FUNCTIONING AS THE KEY TO A COMPREHENSIVE 360-DEGREE LIFE COURSE FOUNDATION FOR HEALTHY LONGEVITY RESEARCH Concept Note, Panel 4 Context As functioning is a multifaceted concept, when used as the foundation for research into the lived experience of health, it is a challenge to capture in study design its complexity integrating different methodologies, measures, and perspectives that represent the biomedical, psychological, and social dimensions of functioning. This is not merely a matter of collaboration across disciplines, but also collecting comparable functioning informa- tion. While the International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) provides the framework for describing and organizing com- parable functioning information, considerable work remains to develop standardized assessment and statistical analysis of functioning information, including harmonization across different data sources, clinical, cohort and population studies, and administrative data. Particularly challenging, given that functioning changes over time and across different environmental contexts, is assessing change longitudinally. This is especially important for aging studies when life events and the aging process itself influence trajectories of functioning. Rehabilitation involves diverse populations with different health condi- tions, impairments, and health and health-related needs. This heterogeneity can make it difficult to generalize findings and develop universally appli- cable interventions. Because functioning is influenced by diverse contextual factors—from climate to interpersonal relations and attitudes to social and https://www.who.int/publications/i/item/9789241515986 https://www.who.int/publications/i/item/9789241515986 https://www.who.int/europe/news-room/events/item/2023/10/10/default-calendar/regional-summit-on-policy-innovation-for-healthy-ageing-in-the-who-european-region http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 72 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs economic structures—researchers are challenged to ensure that findings are applicable across diverse populations and settings. Statistical analysis of heterogeneous samples requires large sample sizes, which are often difficult to achieve in rehabilitation settings. Finally, as with all health research that aims to capture the full experi- ence of health, functioning research that a 360-degree perspective faces con- siderable practical challenges. Investigating rehabilitation interventions can be resource-intensive, and economic constraints may limit the scope and scale of these studies, which in turn affects researchers’ ability to address all aspects of functioning. It is also challenging to ensure that functioning research addresses issues that are aligned with individuals’ priorities and values and to achieve meaningful patient participation in the research pro- cess. Disparities in access to rehabilitation services, particularly in under- served communities or low-income populations, pose challenges for study recruitment, may introduce selection bias, and compromise the external validity of studies. More generally, rehabilitation and healthy longevity research is underfunded, making it difficult to conduct high-quality research and to recruit and retain talented researchers. There is, as well, a need to train health scientists in functioning and to build academic capacity for a new generation of health researchers. Finally, functioning research results must be translated into practice and inform policy, which will require new strategies of implementation. Objective of the Panel The notion of functioning opens up the possibility for innovative research in health sciences, and rehabilitation and health longevity spe- cifically, but capturing the full 360-degree view of the lived experience of health requires a range of scientific perspectives, including the biomedical, clinical, epidemiological, psychosocial, and socio-humanistic. The goals of this workshop is to explore this potential and opportunities of functioning- based health research and to identify key challenges in research on function- ing for rehabilitation and healthy longevity. Questions for Discussion 1) Does reorienting health sciences around the concept of functioning augment our understanding of the lived experience of health, and if so in which ways? 2) How can functioning as a framework for 360-degree research on the lived experience of health conditions be used fully in service of the scientific advancement of rehabilitation and the healthy longev- ity agenda? http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX C 73 3) How can functioning within rehabilitation and healthy longevity research have maximum impact and recognition, given the need to emphasis multidisciplinary collaboration rather than prioritizing specific scientific disciplines or methodological approaches? 4) Do we need tailored scientific research careers in rehabilitation and healthy longevity to address challenges and enhance efforts to study functioning? What would ideal research curriculum look like in detail? 5) Are there unique and uniquely challenging issues in bridging the gap between functioning-based rehabilitation and healthy longev- ity research findings and practice and policy? Is novel translational research required to ensure that evidence-based interventions and policies are effectively implemented? References Bickenbach, J., S. Rubinelli, C. Baffone, and G. Stucki. 2023. The human functioning revolu- tion: Implications for health systems and sciences. Front Sci 1:1118512. Stucki, G., and G. Grimby. 2007. Organizing human functioning and rehabilitation research into distinct scientific fields. Part I: Developing a comprehensive structure from the cell to society. J Rehabil Med 39(4):293–298. Stucki, G., and J. Bickenbach. 2021. Editorial. Spinal Cord 59(4):361–362. Stucki, G., J. Bickenbach, and W. Frontera. 2019. Why rehabilitation should be included in international healthy ageing agendas. Am J Phys Med Rehabil 98(4):251–252. —Drafted by Armin Gemperli ADVOCACY FOR HEALTH AND SOCIAL POLICY IN SUPPORT OF HEALTHY LONGEVITY: FUNCTIONING AS THE THIRD INDICATOR OF HEALTH Concept Note, Panel 5 Context This panel will highlight the crucial role of advocacy in bringing aware- ness of the importance of the World Health Organization’s concept of functioning from the International Classification of Functioning, Disability, and Health (ICF) as a fundamental pillar in reimagining health operation- alization, and specifically the potential for rehabilitation being the health strategy of the twenty-first century. Advocacy, at its heart, is the act of promoting and championing a particular cause or policy. In the realm of health and health care, advocacy http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 74 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs takes on a pivotal role, serving as the bridge between innovative concepts and their acceptance in broader society. The revolutionary concept of functioning in particular, while ground- breaking, is not immediately grasped or universally understood. The depth of its meaning, interlinking biological health factors with lived experiences, often clashes with prevalent, more monolithic interpretations of health. Addressing these misconceptions and the variety of interpretations requires targeted, informed advocacy. Functioning melds the biological dimension of health with real-world lived experiences. These experiences, reflecting the dynamic between indi- vidual health states and their environment, shape our perceptions and understanding of health and what it means for us in our daily lives. Yet, this very depth and intricacy make it susceptible to misinterpretation or oversimplification. For functioning to truly reshape how we perceive health and rehabilitation, especially in the context of healthy longevity, strong advocacy initiatives are required to elucidate its nuances and significance. Introducing functioning as the third health indicator, augmenting tra- ditional indicators of mortality and morbidity, demands a shift in societal perspective, especially as the world contends with challenges like an aging population and the rise of noncommunicable diseases. These challenges underscore the need not just for quantitative longevity but also ensuring quality and purpose in those added years. Advocacy, then, becomes the key to stressing this nuance and urging the health care system to reorient its priorities toward optimizing functioning and recognizing the central role of rehabilitation. In this light, the concept of functioning not only transforms our under- standing of health but also refines our perspective on disability, framing it as a decrement in functioning. However, for this concept to take root, and to influence policies and public opinion, focused advocacy efforts are essential. This panel seeks to emphasize the paramount importance of advocacy in solidifying the place of functioning within our health care discourse. It will explore the challenges and strategies in promoting this nuanced concept, and how, through informed and evidence-based advocacy, we can pave the way for a more comprehensive and effective approach to rehabilitation. Objective of the Panel The objective of this panel is to highlight the vital role of advocacy in advancing the understanding and integration of the World Health Orga- nization’s functioning concept within the broader health care and societal http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX C 75 discourse, thereby paving the way for a central role of rehabilitation in health systems. A. Awareness and clarification: to illuminate the depth and intricacies of the functioning concept, identifying what is difficult to commu- nicate about it. B. Strategizing advocacy: to discuss effective advocacy strategies that can resonate with diverse stakeholders—from health care profes- sionals and policymakers to the general public. C. Case studies and challenges: To share instances where advocacy for functioning faced hurdles, providing insights on overcoming these barriers and the lessons learned from these experiences. D. Interdisciplinary collaboration: to underscore the importance of multidisciplinary collaboration in advocacy, bringing together voices from health care, policy, academia, and patient advocacy to create a unified and compelling narrative. E. Futurescape: to envision the potential impact on health care and society should the advocacy for functioning succeed, emphasizing the transformations in policy, practice, and public perception. Questions for Discussion 1) What are the most common misconceptions and challenges in com- municating and speaking about functioning, and how can we more effectively explain its depth and nuances to varied audiences? 2) What best practices or innovative approaches can be adopted to ensure that advocacy strategies for the concept of functioning to resonate not only with medical professionals but also with policy- makers and the general public? 3) How can we foster a more collaborative advocacy approach that integrates perspectives from health care, policy, academia, and patient advocacy to present a cohesive and impactful message about the concept of functioning? 4) Looking ahead, if our advocacy efforts concerning the concept of functioning are successful, what transformative changes can we anticipate in health care policies, practices, and public perceptions in the coming years? References Al-Qudah, R. A., M. M. Barakat, and Y. S. Batarseh. 2020. Public health advocacy. In Ency- clopedia of Evidence in Pharmaceutical Public Health and Health Services Research in Pharmacy, p. 1–10. Cham: Springer International. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 76 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs American Public Health Association. 1999. APHA legislative advocacy handbook: A guide for effective public health advocacy. Washington, DC: APHA. Chapman, S. 2001. Advocacy in public health: Roles and challenges. Int J Epidemiol 30(6):1226–1232. Daly, J. A. 2012. Advocacy: Championing ideas and influencing others. New Haven: Yale University Press. Franklin, H. 2001. Advocating for the public’s health: A training manual. Association of North Carolina Boards of Health and NCPH. World Health Organization. 1992. Advocacy strategies for health and development: develop- ment communication in action. Geneva: World Health Organization. World Health Organization. 2006. Stop the global epidemic of chronic disease: a practical guide to successful advocacy. Geneva: World Health Organization. —Drafted by Sara Rubinelli http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Appendix D Participant Biographical Sketches Jonathan F. Bean, M.D., M.S., M.P.H., is a professor in the Department of Physical Medicine and Rehabilitation at Harvard Medical School. Bean is an internationally recognized expert in geriatric rehabilitation. The goal of his work is to foster the development of new models of care that optimize the functioning of older adults. This includes an emphasis on principles that are prioritized within age-friendly health care systems. These overarch- ing goals are addressed through his leadership of the based New England Geriatric Research, Education and Clinical Center (GRECC), one of the 20 congressionally mandated VA GRECCS. Bean is the first physiatrist to ever lead a VA GRECC. He is also a staff physician at Spaulding Rehabilitation Hospital. His own research program focuses on developing new models of care that position rehabilitation as the center piece of secondary prevention of functional decline and adverse health outcomes among older adults. He leads a strong federally funded (NIH and VA) research training program for trainees of all levels desiring to pursue a career in patient-oriented research. John Beard, Ph.D., M.B.B.S., is Irene Diamond Professor and director of the International Longevity Center USA at Columbia University, New York. He was previously director of ageing and life course with WHO in Geneva. While at WHO he led multiple large international initiatives including the 2015 World Report on Ageing and Health, the Integrated Care for Older People program, and the Global Network of Age-Friendly Cities and Communities, which now covers more than 300 million people. He has worked extensively with the World Economic Forum and was a commissioner with the recent U.S. National Academy of Medicine Commission on Healthy Longevity. 77 http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 78 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Jerome Bickenbach, Ph.D., LL.B., is a permanent visiting professor at the Faculty of Health Sciences and Medicine at the University of Lucerne and professor emeritus in the Department of Philosophy and Faculties of Law and Medicine at Queen’s University. Since 1995 he has been a consultant with the WHO working on the revision of the International Classification of Impairments, Disabilities, and Handicaps to the final draft leading to the ICF. Bickenbach has participated in nearly all revision activities and continues to consult with WHO on ICF dissemination and international disability social policy. His research is in disability studies, using qualitative and quantitative research techniques within the paradigm of participatory action research. Most recently his research includes disability quality of life and the disability critique, disability epidemiology, universal design and inclusion, modeling disability statistics for population health surveys, the relationship between disability and well-being, disability and aging issues and the application of ICF to monitoring the implementation of the UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities. As a lawyer, Bick- enbach was a human rights litigator, specializing in antidiscrimination for persons with intellectual impairments and mental illness. Since 2007 he has led the Disability Policy Unit at Swiss Paraplegic Research in Nottwil. He is the author of Physical Disability and Social Policy (1993) and the coeditor of Introduction to Disability (1998), Disability and Culture: Universalism and Diversity (2000), A Seat at the Table: Persons with Disabilities and Policy Making (2001), Quality of Life and Human Difference (2003), and numerous articles and chapters in disability studies. Dorothy Boggs, Ph.D., O.T.R./L., M.Sc.P.H., F.H.E.A., is a mixed meth- ods researcher at the London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) who works with the International Centre for Evidence on Dis- ability. She is a U.S. occupational therapist who received her bachelors in occupational therapy at Boston University and both her master’s in public health and her Ph.D. in clinical research at LSHTM. She worked for Humanity & Inclusionfor almost seven years before joining LSHTM as a researcher in 2016. Boggs’s work focuses primarily on health, function- ing, and disability metrics and measurement approaches and global access to rehabilitation and assistive technology. She has published more than 25 peer-reviewed publications, in addition to a variety of gray literature publications and international conference presentations. She has more than 15 years’ experience in rehabilitation, disability, inclusion, and maternal, newborn, and child health in low- and middle-income countries. Henri Bounameaux, M.D., is an honorary professor and emeritus dean of the Faculty of Medicine of the University of Geneva. He was active for 40 years at the University Hospitals of Geneva as chief of the Division of http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX D 79 Angiology and Hemostasis, chair of the Department of Internal Medicine, and director of education and research. His research topics dealt with all aspects of venous thromboembolic disease, mainly pulmonary embolism. Since 2020 he is the President of the Swiss Academy of Medical Sciences. Somnath Chatterji, M.D., worked with WHO for more than 20 years, most recently as the outgoing director of the department of Data and Analyt- ics. He trained as a medical doctor and specialized in psychiatry. He has coordinated several large international projects, including the development of the International Classification of Functioning, Disability and Health, the revision of the International Classification of Diseases and Related Health Problems, the World Health Surveys, WHO’s Study on Global Age- ing and Adult Health, the World Mental Health surveys, and several other large international projects funded by the National Institute on Aging, the National Institute of Mental Health, National Institute of Alcohol and Alcoholism, National Institute of Drug Abuse, the European Commission, and other funding agencies. He has participated as a speaker at several National Academies of Sciences meetings on subjective well-being, aging, and healthy longevity. He has a published track record of estimating the impact of health conditions and their burden globally, including books on the burden of mental disorders and on the cross-cultural study of disabil- ity. He has been listed by the Web of Science as being among the world’s most cited researchers (h-index 102) and has more than 200 publications in prestigious peer-reviewed journals. Alarcos Cieza, Ph.D., M.P.H., M.Sc., is head of the Integrated Service Delivery Unit and the Sensory Functions, Disability and Rehabilitation Unit at the WHO Department of Noncommunicable Diseases. In this role, she provides strategic leadership, management support and overall direction to WHO’s work on integrated service delivery with a focus on noncom- municable diseases, eye and hearing care, rehabilitation, and disability. Before joining WHO in September 2014, she served as chair and professor of medical psychology at the Faculty of Social and Human Sciences at the University of Southampton in the United Kingdom and led a research unit for more than 10 years at the Department of Physical Medicine and Reha- bilitation and then at the Pettenkofer School of Public Health at Ludwig- Maximilians-University, Munich, Germany. Nicola Diviani, Ph.D., serves as a senior research associate at Swiss Paraple- gic Research within the Person-Centered Health Care and Health Commu- nication Group. He is also a lecturer at the University of Lucerne’s Faculty of Health Sciences and Medicine. He is leading a pivotal four-year proj- ect focusing on the existential aspects of self-management for individuals http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 80 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs recently diagnosed with spinal cord injuries, generously supported by the Swiss National Science Foundation. His involvement extends to numer- ous projects exploring health behavior and related factors. Diviani is an active member of the University of Lucerne’s Center for Rehabilitation in Global Health Systems and has offered his expertise as a consultant to the World Health Organization’s Make Listening Safe program and the World Rehabilitation Alliance. Furthermore, from 2016 to 2022 he represented Switzerland on the advisory committee of the International Association for Communication in Healthcare. Holding a PhD in communication sciences from the University of Lugano, Diviani’s research primarily explores health behavior, literacy, self-management, health information seeking (both online and offline), health empowerment, eHealth, and mHealth. His work critically examines the challenges individuals face in leveraging new com- munication technologies for health-related purposes, such as cancer preven- tion, vaccination, or self-management, aiming to identify effective solutions to these issues. Over the years, Diviani has conducted extensive research at the Institute of Communication and Health at the University of Lugano, as well as at the Harvard School of Public Health and the Amsterdam School of Communication Research, contributing significantly to the field. Victor J. Dzau, M.D., is president of the U.S. National Academy of Medi- cine and serves as vice chair of the U.S. National Research Council. He is chancellor emeritus and James B. Duke Professor at Duke University and past CEO of the Duke Health System. Previously, he was professor and chair of medicine at Harvard and Stanford Universities. He is an inter- nationally acclaimed leader and physician-scientist whose research laid the foundation for development of the class of lifesaving drugs known as ACE inhibitors, used globally to treat high blood pressure and congestive heart failure. Dzau serves as the inaugural president of the NAM, where he leads a strategy of innovation, action, and equity. The launch of the NAM Healthy Longevity Global Grand Challenge represents Dzau’s vision to inspire across disciplines and sectors to coalesce around a shared priority and audacious goal to advance health. The Grand Challenge consists of the Global Roadmap for Healthy Longevity and the Global Competition. Among Dzau’s many honors and recognitions are the Gustav Nylin Medal from the Swedish Royal College of Medicine and the Poulzer Prize of the European Academy of Sciences and Arts. He is a member of the American Academy of Arts and Sciences, the Royal Society of Medicine, and the European Academy of Sciences and Arts. Dzau has received 18 honorary doctorates. Julia Patrick Engkasan, Ph.D., M.B.B.S., is an associate professor at the Department of Rehabilitation Medicine, Universiti Malaya. Her primary http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX D 81 research area is in spinal cord injury rehabilitation, but she is also lead- ing research in pulmonary and geriatric rehabilitation. She has performed collaborative research within different disciplines in Universiti Malaya, Malaysia, and internationally. She is the chair of International Society of Physical and Rehabilitation Medicine–WHO Subcommittee and is a committee member of the International Classification of Functioning, Dis- ability and Health Taskforce. She sits on the editorial boards of Spinal Cord journal, Journal of Rehabilitation Medicine, and ASEAN Journal of Rehabilitation Medicine. She graduated from the Universiti Malaya with a master’s of rehabilitation medicine degree in 2006 and with a Ph.D. in shared decision making in 2017. Walter R. Frontera, M.D., Ph.D., F.R.C.P., is a professor of physical medi- cine and rehabilitation at the University of Puerto Rico School of Medi- cine. He formerly served as the inaugural chair and professor of physical medicine and rehabilitation at Harvard Medical School and Vanderbilt University School of Medicine. Frontera’s main research interest is study of the mechanisms underlying muscle atrophy and weakness in older people and the development of rehabilitative interventions for sarcopenia. He is editor in chief of the American Journal of Physical Medicine and Reha- bilitation and the immediate past president of the International Society of Physical and Rehabilitation Medicine. He received his medical degree from the University of Puerto Rico School of Medicine and a Ph.D. in applied anatomy and physiology from Boston University. Frontera is a member of the National Academy of Medicine and has served on numerous National Academies’ committees, including the Standing Committee of Medical and Vocational Experts for the Social Security Administration’s Disability Pro- grams and the Committee on the Use of Selected Assistive Products and Technologies in Eliminating or Reducing the Effects of Impairments. He is also a fellow of the Royal College of Physicians (London). Francesca Gimigliano, M.D., Ph.D., is professor of physical and rehabilita- tion medicine, chair of the Clinical Unit of General and Specialist Reha- bilitation Medicine, coordinator of the PhD National Program in Public Administration and Innovation for Disability and Social Inclusion, and president of the Bachelor Program of Speech and Language Therapy in the Department of Mental and Physical Health and Preventive Medicine at the University of Campania “Luigi Vanvitelli.” Gimigliano is also the president of the International Society of Physical and Rehabilitation Medicine. Marija Glisic, M.D., Ph.D., P.D., is a medical doctor with a master’s degree in health sciences and a PhD in clinical epidemiology from Erasmus Uni- versity Rotterdam Medical Center, the Netherlands. She has completed http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 82 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs a postdoctoral qualification (habilitation) in clinical epidemiology at the University of Bern, Switzerland. Glisic is leading a research group at the Institute for Social and Preventative Medicine, University of Bern, that focuses on cardiometabolic disease and spinal cord injury. She also works at the Swiss Paraplegic Research in Campus Nottwil, Switzerland, where she co-leads the Cardiometabolic and Respiratory Research group. Glisic’s research aims to understand the determinants of cardiometabolic disease risk in individuals with neurotrauma. Additionally, she seeks to support the development and implementation of cost-effective personalized interven- tions to reduce disease burden and improve the lived experience of people with injuries. Her research has a special focus on sex/gender differences, women’s health, and lifestyle. Abderrazak Hajjioui, M.D., M.P.M., Ph.D., has specialized in physical and rehabilitation medicine since 2009 and in pain medicine since 2011. Cur- rently serving as a full professor at the Faculty of Medicine and Pharmacy, University Abdelmalek Essaâdi of Tangier, Morocco, he holds a Euro- pean master’s degree in physical and rehabilitation medicine and earned a master’s degree in public management in 2014. In 2017 he was awarded the national prize for research and innovation in disability. His extensive contributions include the publication of numerous articles and books. As an international expert in rehabilitation in health systems, he serves as the cochair of the workforce workstream of the World Rehabilitation Alliance and is a member of the International Society of Physical and Rehabilita- tion Medicine ClinFIT Committee and the Task Force on Physical Activity for People with Disabilities, and the International Society of Physical and Rehabilitation Medicine–WHO Liaison Committee. Additionally, he is president of the Moroccan Association for the Promotion of Rehabilitation Sciences and Prevention of Disability, vice president of the Middle Eastern and North African network, and a member of the African SCI Network. Alan M. Jette, Ph.D., is emeritus professor and dean at Boston Univer- sity’s Sargent College of Health and Rehabilitation Sciences and served as professor of health policy and management at the Boston University School of Public Health from 2005 to 2017. He also served as professor of rehabilitation sciences at the Massachusetts General Hospital Institute of Health Professions from 2012 to 2021. He is an international expert on rehabilitation and a leader in developing patient-centered rehabilitation outcome measures in a range of challenging clinical areas such as work disability, post-acute care, spinal cord injury, and neurological, orthopedic, and geriatric conditions. He has authored more than 250 publications in the rehabilitation sciences field and served as a principal investigator for http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX D 83 numerous studies funded by the National Institutes for Health, the National Institute on Disability, Independent Living, and Rehabilitation Research, the Agency for Healthcare Quality and Research, and several foundations. He has served as a member of more than a dozen National Academy of Sciences, Engineering, and Medicine boards and committees. He chaired the Institute of Medicine committee that authored the 2007 report The Future of Disability in America. In addition to cochairing the Forum on Aging, Disability, and Independence, he was chair of the Committee on the Use of Selected Assistive Products and Technologies in Eliminating or Reducing the Effects of Impairments. He was elected to the National Academy of Medicine in 2013. He earned a bachelor’s degree in physical therapy from the State University of New York at Buffalo and a master’s degree and Ph.D. in public health from the University of Michigan. Ruth Katz, M.Ed., is the incoming president and CEO of Association of Jewish Aging Services in late February 2024. From 2018 to 2024 she served as senior vice president for policy and advocacy at LeadingAge. Both the Association of Jewish Aging Services and LeadingAge are membership organizations of nonprofit providers of aging services across the continuum of care, including nursing homes, assisted living, home care, hospice, low- income senior housing, and independent living services. At LeadingAge she led the Public Policy and Advocacy team, developing, leading, and oversee- ing the successful execution of LeadingAge’s public policy agenda, includ- ing legislation and regulation. Based on the board-approved public policy agenda and in collaboration with state partners, Katz oversaw the develop- ment of LeadingAge’s public policy positions and employed strategies to advance its policy agenda through Congress and the executive branch. She ensured thoughtful analysis of policy options and direction and activated the membership to achieve the LeadingAge agenda through engagement and grassroots efforts. Katz is a principal spokesperson for the association’s public policy positions and the primary representative of the policy agenda to other organizations and coalitions concerned with policy issues affecting LeadingAge membership. Before joining LeadingAge, Ruth was a longtime executive at the U.S. Department of Health and Human Services, with a focus on development and execution of policy research and analysis for programs in aging, long-term care and disability. Ruth built her career at the Health and Human Services office of the assistant secretary for planning and evaluation and the office of disability, aging and long-term care policy. In her dual roles as the associate deputy assistant secretary and director of the division of aging and disability, she led, directed, and coordinated policy and research regarding the Health and Human Services disability, aging, Medicare, and long-term care policy agenda. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 84 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs NiCole R. Keith, Ph.D., M.S., is dedicated to research and programming that increases physical activity participation, improves fitness, and posi- tively influences health outcomes while addressing health equity. She has served on the Indiana University Bloomington faculty since 2023. She also is a research scientist at the Center for Aging Research in the Indiana Uni- versity School of Medicine and a Regenstrief Institute investigator. Keith was the 2020–2021 American College of Sports Medicine vice president of membership, communication, education, and policy as well as its 2020–21 president, and she serves on several other national committees for the orga- nization. A fellow of the National Academy of Kinesiology, Keith serves on the academy’s Justice, Equity, Diversity, and Inclusion Presidential Com- mittee, the membership committee, and the editorial board. She is currently the chair of the National Physical Activity Plan and serves on the Physical Activity Alliance Advisory Committee. Keith earned a B.S. degree in physi- cal education from Howard University in 1992, an M.S. degree in exercise science from the University of Rhode Island in 1994, a Ph.D. degree in exer- cise physiology from the University of Connecticut in 1999, and an M.S. degree in clinical research from Indiana University in 2011. She is trained in physical activity, community, and clinical research. Fary Khan, M.D., A.M., M.B.B.S., F.A.F.R.M., is a specialist in rehabilita- tion and physical medicine and a fellow of the Royal Australasian College of Physicians. She is director of rehabilitation services at Royal Melbourne Hospital, clinical director at Australian Rehabilitation Research Centre, and clinical professor in the Department of Medicine at University of Melbourne, the Nossal Institute of Global Health, and the Peter MacCallum Cancer Cen- tre. She is an elected international member for the U.S. National Academy of Medicine and was awarded the Member for the Order of Australia (2022) for her contribution to rehabilitation medicine and research. She is the inaugural academic fellow to the Royal Australasian College of Physicians’ Board of the Australasian Faculty of Rehabilitation Medicine and elected board member of the Rehabilitation Medicine Society of Australia and New Zealand. She has 20 years of experience in neurological, cancer, and trauma rehabilitation. She set up evidence-based specialized rehabilitation programs for specific conditions such as multiple sclerosis, Guillain-Barre Syndrome, stroke, oncology, musculoskeletal injuries, and disaster manage- ment. She is chair of the Disaster Rehabilitation Committee, International Society of Physical and Rehabilitation Medicine, and Disaster Rehabilitation Special Interest Group, Rehabilitation Medicine Society of Australia and New Zealand. She holds more than 20 national and international executive positions and more than 15 international academic appointments at various universities. She is an executive member of International Society of Physical and Rehabilitation Medicine Women’s Taskforce and Cancer Rehabilitation http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX D 85 Working Group. She has an interest in refugee health and disability. She works with the executive for the UN International Council for Caring Com- munities and WHO–International Society of Physical and Rehabilitation Medicine Liaison Committee representing medical disability. She leads the Global Rehabilitation Flying Faculty (endorsed by the Australasian Faculty of Rehabilitation Medicine, Royal Australasian College of Physicians, and International Society of Physical and Rehabilitation Medicine), established to support capacity-building activities in Rehabilitation Medicine, with edu- cational training programs in more than 15 countries. Khan has a leadership role in rehabilitative care in Australia with more than 20 years of experience in health outcomes and health services research. She has published more than 500 scientific papers in peer-reviewed academic journals (including 14 Cochrane reviews and 20 book chapters). Matilde Leonardi, M.D., is the director of the Neurology, Public Health, and Disability Unit and Coma Research Centre, and is director Italian of the WHO Collaborating Centre Research Branch, Fondazione IRCCS Istituto Neurologico Carlo Besta, Milan, Italy. Leonardi is a neurologist, pediatrician, neonatologist, and child neurologist and specializes in bioeth- ics. Leonardi is also a World Federation for NeuroRehabilitation Presidium member, Flying Faculty, and board member of advocacy; One Neurology ambassador; communication committee chair, board member, and FEAN Fellow of the European Academy of Neurology; European Federation Research in Rehabilitation board member; WHO expert on disability and neurology; cochair of the WHO NeuroCovid Forum essential neurological services group; and member of the Neuro Covid Global Research Coalition. Leonardi is a corresponding member of the Pontificia Academia Pro Vita and sits on the board of directors of the Bioethics Centdre at the Catholic University of Milan. Leonardi was nominated by Italian government to be a member of the National Bioethics Committee in 2022, was an elected board member of the National Neurology Society in October 2023, and was elected to the European Federation for Rehabilitation Research in November 2023. Patricia Morsch, Ph.D., M.A., P.T., is a physical therapist and has more than 18 years of combined experience in clinical physical therapy and research on aging, older adults’ health, and public health. She holds a graduate cer- tificate in public health, a master of arts in gerontology from the University of North Carolina at Charlotte, and a PhD in biomedical gerontology from the Pontifical Catholic University of de Rio Grande do Sul, Brazil. Morsch works as the healthy aging advisor in the Department of Health Systems and Services at the Pan American Health Organization headquarters in the Washington, DC, regional WHO office for the Americas. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 86 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Elias Mpofu, Ph.D., D.Ed., is a professor of aging and rehabilitation sci- ences at the University of North Texas and honorary professor of health sciences at the University of Sydney. His aging and rehabilitation sciences research focuses on the development, implementation, and evaluation of resilience, social supports, and other health promotive relationships of older adults aging with or into disability. It frames aging and disability questions on the World Health Organization’s International Classifica- tion of Disability, Health, and Functioning, an integrative approach for biological, psychological, and behavioral data. This provides for a holistic person–environment interaction perspective in which contextual factors are moderators between health and well-being components (body function and structure, activity limitations, and participation restrictions) and with feedback pathways among the components. His research advances the design of person-centric approaches for the successful community living and participation of older adults, supporting their empowered aging. Diana Pacheco, Ph.D., is professor in the Faculty of Health Sciences and Medicine, University of Lucerne, and group leader of the Health Economics Group at Swiss Paraplegic Research. She earned a Ph.D. in economics from the University of Neuchatel, Switzerland, in 2013 and a M.Sc. in econom- ics from the University of Lausanne, Switzerland, in 2008. Between 2015 and 2020, she was a postdoctoral fellow at Swiss Paraplegic Research in the Rehabilitation Services, Economics and Statistics Group. Since obtain- ing her Ph.D., Pacheco has taught several courses, including social policy, health systems and services, applied economics, and social impact of health. Her research interests include health economics, applied economics, and social policy. Birgit Prodinger, Ph.D., M.Sc., M.Sc., is chair and professor of inclusive health care at the Faculty of Medicine at the University of Augsburg, Germany. Prodinger is a health and rehabilitation scientist with extensive experience in studying and teaching functioning. Her research focuses on describing and understanding the lived experience of people with disability and how health systems respond to their needs. By using the International Classification of Functioning, Disability and Health as a reference, she has contributed considerably to establishing methods for the standard- ized reporting of routinely collected functioning data in clinical practice. Prodinger is a member of the Centre for Rehabilitation in Global Health Systems, a Collaborating Centre of the WHO, at the University of Lucerne. Prodinger was trained as an occupational therapist in Salzburg, Austria, completed then the European master of science in occupational therapy program, a joint program of the Hogeschool van Amsterdam, Karolinska Institute, CVU Sud, and the University of Brighton. She completed her http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX D 87 Ph.D. in health and rehabilitation sciences at Western University, Ontario, and received the Venia Legendi in Health Sciences from the University of Lucerne. Prodinger also holds a master of science in health informatics from University College London. Prodinger led a research group at Swiss Paraplegic Research focusing on describing and understanding the lived experience of health using the ICF as a reference system. Her research was conducted in close collaboration with the WHO, among other national and international stakeholders. Jan D. Reinhardt, Ph.D., is an epidemiologist and rehabilitation researcher. He is currently employed as full professor and director of health sciences at the Institute for Disaster Management and Reconstruction of Sichuan University and Hong Kong Polytechnic University, China. In addition, Reinhardt is visiting professor at Jiangsu Province Hospital/Nanjing Medi- cal University First Affiliated Hospital, China, and lecturing professor at the Department of Health Sciences and Medicine of the University of Lucerne, Switzerland. He is a Ph.D. supervisor at the West China School of Public Health and School of Nursing, Sichuan University, and at the Department of Health Sciences and Medicine, University of Lucerne. He is a former chair of the Disaster Rehabilitation Committee of the International Society of Physical and Rehabilitation Medicine and current chair of the Disaster Special Interest Group of the Asia-Oceania Society of Physical and Reha- bilitation Medicine. Reinhardt is associate editor of the International Jour- nal of Public Health. He has authored more than 150 original articles in international journals listed in science citation index with more than 3,700 citations and an h-index of 37. His research interests include rehabilita- tion research; International Classification of Functioning, Disability, and Health; epidemiology of functioning and disability; theory, measurement, and models of environmental factors and their relation to human health; labor market participation of persons with health conditions; effectiveness of clinical and health services interventions; international NGOs in dis- ability and rehabilitation; health and rehabilitation after natural disaster; clinical trial design and research methodology; and prediction models for health care demand and payment. Sara Rubinelli, Ph.D., holds a degree in classics and philosophy from the Catholic University of Milan and a Ph.D. from the University of Leeds in the areas of argumentation theory, persuasion, and rhetoric. She is professor in health communication at the Faculty of Health Sciences and Medicine of the University of Lucerne, and vice dean of health sciences. Since September 2009 she has led the Person-Centered Healthcare/Health Communication Group at Swiss Paraplegic Research. Since 2017 she has been a scientific advisor for the World Health Organization. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. 88 AGING, FUNCTIONING, AND REHABILITATION PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs Carla Sabariego, Ph.D., M.P.H., is a clinical psychologist and holds a master’s degree in public health and epidemiology from the Ludwig-Maxi- milians-Universität in Munich, Germany. She completed her Ph.D. in 2011 with a focus on cost-effectiveness evaluations of rehabilitation programs. Her habilitation, finished in 2016, focused on the implementation of the WHO ICF as a conceptual framework in clinical rehabilitation and public health. She pursued both her Ph.D. and habilitation at the Medical Faculty of Ludwig-Maximilians-Universität Munich, where she worked for 15 years as a senior researcher and lecturer at the Institute of Public Health and Health Services Research. From 2011 to 2018, she was a consultant to the WHO in the area of functioning and disability measurement; she mainly contributed to the development, pilot testing and implementation of the WHO Model Disability Survey—a dedicated functioning and disability survey—in several countries. From May 2017 to July 2018, she worked in the WHO’s Disability and Rehabilitation Programme in the Department of Noncommunicable Diseases, Disability, Violence and Injury Preven- tion in Geneva. In January 2021 she was appointed assistant professor (tenure track) for rehabilitation and healthy aging at the Faculty of Health Sciences and Medicine, University of Lucerne, and is currently vice dean of the Department of Rehabilitation and Functioning Sciences. Together with Gerold Stucki, she heads the faculty’s Centre for Rehabilitation in Global Health Systems, which has been a WHO Collaborating Centre since 2018. Through her bridge professorship, she leads the Ageing, Functioning Epidemiology and Implementation working group, together with Jerome Bickenbach, at Swiss Paraplegic Research in Nottwil. Paola Sillitti, M.Sc., is a research officer in the Health Division at the Orga- nization for Economic Co-operation and Development. Her work covers mainly the topics of end-of-life care, long-term care, and integrated care. She holds a master of science in economics and management and a bach- elor of science in economics from Bocconi University, Milan. She has also studied economics at the Faculty of Business and Economics, University of Lausanne, and International Affairs at Sciences Po Paris. Eleanor Simonsick, Ph.D., is an epidemiologist in the Longitudinal Stud- ies Section of the Translational Gerontology Branch within the Intramural Research Program of the National Institute on Aging, where she serves as co-director of the Baltimore Longitudinal Study of Aging and Federal Proj- ect Officer of the Health, Aging and Body Composition study. For more than 35 years she has conducted aging-related research within the context of longitudinal observational studies focused on assessment of higher-order physical function and evaluating the behavioral, psychological, biomechani- http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs APPENDIX D 89 cal, and physiologic factors and conditions that impact maintenance and decline in function and the overall aging process. Bruno Staffelbach, Ph.D., is a professor for business administration, direc- tor of the Center for Human Resource Management, and president of the University of Lucerne. Staffelbach is an honorary member of the Interna- tional Committee of the Red Cross and is a former brigadier general and commander of an infantry brigade of the Swiss Armed Forces. Gerold Stucki, M.D., M.S., is a professor in the Faculty of Health Sci- ences and Medicine and director of the Center for Rehabilitation in Global Health Systems, a WHO Collaborating Center, at the University of Lucerne. He is also director of Swiss Paraplegic Research and the ICF Research Branch, Switzerland. A physician with clinical training in physical and rehabilitation medicine and rheumatology, Stucki holds a master of science in health policy and management from the Harvard School of Public Health and a diploma in biostatistics and epidemiology from McGill University, Montreal. He has been a member of the National Academy of Medicine since 2012. Carl Willers, M.D., Ph.D., holds a Ph.D. in public health and epidemiol- ogy from Karolinska Institutet, where he is a postdoctoral researcher at the Department of Neurobiology, Care Sciences and Society. He is a member of a multidisciplinary research group focusing on rehabilitation, collaboration, and aging and has taught at various courses on the subjects of health equity and registry data studies. Ongoing research projects include health eco- nomic analysis of health care and social care for the Swedish geriatric popu- lation, evaluation of existing models for discharge from geriatric inpatient care, and development of new ways of working to optimize care transitions. He is employed as an intern physician at the Karolinska University hospital and is an affiliated researcher at the Research and Development Center for the Elderly, an initiative for enhancing operationalization of research for older adults, run by the Stockholm Region Council and its municipalities. He also holds a degree in economics from the Stockholm School of Eco- nomics and worked in management consultancy (McKinsey & Company) and health economics (i3, United Health Group) before entering academia. http://nap.nationalacademies.org/27763 Aging, Functioning, and Rehabilitation: Proceedings of a Workshop Copyright National Academy of Sciences. All rights reserved. PREPUBLICATION COPY—Uncorrected Proofs http://nap.nationalacademies.org/27763 FrontMatter Reviewers Acknowledgments Contents Boxes and Figures Acronyms and Abbreviations Proceedings of a Workshop Appendix A: Statement of Task Appendix B: Workshop Agenda Appendix C: Concept Notes Appendix D: Participant Biographical Sketches

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    Erstellungsdatum: 26.08.2024

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    KSF Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Ethnologisches Seminar INFORMATION ETHNOLOGIE VORLESUNGSVERZEICHNIS HERBSTSEMESTER 2019 Lehrveranstaltungen 2 3 Inhaltsverzeichnis Adressen und Öffnungszeiten 4 Informationen 5 Wie kann ein Studienverlauf konkret aussehen? 7 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im BA 8 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im MA 12 Lehrveranstaltungen des Ethnologischen Seminars 16 Anrechenbare Lehrveranstaltungen aus anderen Fachbereichen 31 Stundenplan HS 2019 36 4 Adressen und Öffnungszeiten Universität Luzern Ethnologisches Seminar Frohburgstr. 3 Postfach 4466 6002 Luzern ethnosem@unilu.ch Professuren: Bettina Beer, Prof. Dr., bettina.beer@unilu.ch Seminarleitung (Sprechstunde nach Vereinbarung) Büro 3.A28 Studienberatung: Werner Egli, Prof. Dr., werner.egli@unilu.ch Fachstudienberater für Mobilität Tel. ++41 (0)41 229 55 73 (Sprechstunde siehe Website) Büro 3.A20 Sekretariat: Luzia Weber, luzia.weber@unilu.ch Tel. ++41 (0)41 229 55 71 Büro 3.A27 Öffnungszeiten Sekretariat: Montag: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr Dienstag: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr Mittwoch: 8.00 - 12.00 / 13.30 - 16.30 Uhr mailto:bettina.beer@unilu.ch mailto:werner.egli@unilu.ch mailto:luzia.weber@unilu.ch 5 Informationen 1. Abschlüsse Frühjahrssemester 2019 BA-Arbeit von Lucia Messer: «Muslimische Frauen in der Schweiz. Individuelle von Identität, Zugehörigkeit und Freiheit im Kontext des aktuellen Islam-Diskurses.» (Gutachterin: Dr. Angelica Wehrli) BA-Arbeit von Sonja Dilly: «Die ändern sich doch nie! Heisses Blut auf Korsika.» (Gutachter: Prof. Dr. Jürg Helbling) MA-Arbeit von Anina Kamm: «Die Repräsentation einer kontroversen Praktik – Eine Analyse ethnologischer Perspektiven auf die weibliche Genitalbeschneidung» (Erstgutachterin: Prof. Dr. Bettina Beer, Zweitgutachterin: Dr. Anika König) MA-Arbeit von Katharina Steiner: «Sports Are Not Simple, Idle Diversions. A critical assessment of the anthropology of sport.» (Gutachterin: Prof. Dr. Bettina Beer) MA-Arbeit von Sina Liechti: «(Un-)Safe Heaven?» (Erstgutachterin: Dr. Angelica Wehrli; Zweitgutachter: Dr. Werner Egli) Herbstsemester 2018 BA-Arbeit von Sabine Binelli: «’Syrische Flüchtlinge’. Eine Analyse der Selbstidentifikation und Fremdkategorisierung von Zuwandernden in der Schweiz.» (Gutachterin: Prof. Dr. Bettina Beer) BA-Arbeit von Johanna Kallion: «Geboren in der Schweiz aber doch nicht wirklich schweizerisch? Die Rolle des Mehrspracherwerbs bei der Identitätsbildung der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund der zweiten Generation.» (Gutachterin: Dr. Angelica Wehrli) BA-Arbeit von Silvana Liniger: «La construccí𝑜n social y cultural del ‘animal no humano’ en un zooĺ𝑜gico amaź𝑜nico. Un estudio de caso peruano (Iguitos).» (Gutachter: PhD Peter Larsen) BA-Arbeit von Fabienne Wenger: “Die eritreische Diaspora. Eine ethnographische Herausforderung.» (Gutachterin: Prof. Dr. Bettina Beer) MA-Arbeit von Carol Baumann: «Ein Panorama der Schweizer Goldbranche» ?» (Erstgutachter: Dr. Stefan Leins, Zweitgutachterin: Prof. Dr. Bettina Beer) MA-Arbeit von Margaretha Schelbert-Bürgler: «Der Wolf im Wallis – ‘Ein unnützes Tier?’ Ethnografische Untersuchung der Haltung gegenüber dem Wolf bei Bewohnern von Törbel (Wallis) im Zusammenhang mit dem Einfluss der Medienberichterstattung des Walliser Boten zum Wolf.» (Erstgutachter: Dr. Werner Egli, Zweitgutachter: Prof. Dr. Jürg Helbling) 2. Studentische Mobilität Wer ein oder mehrere Semester an einer anderen Universität im In- oder Ausland studieren möchte, sollte sich angesichts der Fristen und relativ kurzen Regelstudienzeit von 6 Semestern im BA und 4 Semestern im MA möglichst frühzeitig über die Modalitäten der Studierendenmobilität informieren und mit den für die Mobilität zuständigen Personen im Dekanat und im Seminar sowie mit der Fachstudienberatung Kontakt aufnehmen. Besonders vorteilhaft sind Austauschsemester an ausländischen Partneruniversitäten im Rahmen des ERASMUS-Programms. Weitere Informationen befinden sich auf der Website der Universität Luzern: https://www.unilu.ch/international/mobilitaet/studierendenmobilitaet/studierende-outgoing/ 3. Facebook-Gruppe „Ethnologie Luzern“ Am Ethnologischen Seminar ist eine offene Facebook-Gruppe („Ethnologie Luzern“) entstanden, zu der alle Studierenden und Interessierten herzlich eingeladen sind! https://www.unilu.ch/international/mobilitaet/studierendenmobilitaet/studierende-outgoing/ 6 4. Informationskompetenz Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) Einmal im Jahr wird jeweils im Herbstsemester von der ZHB ein Modul zur Informationskompetenz angeboten, das Teil der Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" ist. Eine Doppelstunde findet im Rahmen der Vorlesung statt, zwei Doppelstunden werden als Block angeboten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Der Besuch der Veranstaltung zur Informationskompetenz ist für alle Studierenden verpflichtend. Ohne den Nachweis des Besuchs der Veranstaltung ist eine Zulassung zur BA- Prüfung nicht möglich. Studierende aus integrierten Studiengängen können wählen, in welchem der an ihrem Studiengang beteiligten Fächer sie daran teilnehmen. Studierenden der Ethnologie wird dringend empfohlen, diese im Rahmen der Einführungsvorlesung zu absolvieren. Im HS19 findet die IK mit Dr. Daniel Geiger am Freitag, 27.9.19 von 15.00 – 19.00 Uhr statt, im Raum 3.B52! 5. News Dr. Sandra Bärenreuther hat den Ruf auf die Assistenzprofessur Ethnologie mit dem Schwerpunkt Medical Anthropology erhalten. Nimmt sie den Ruf an, beginnt sie im FS 20 am Ethnologischen Seminar zu lehren und zu forschen. Jürg Helbling wurde pensioniert und unterrichtet als Seniorprofessor für weitere drei Jahre mit Lehraufträgen. Dr. Anika König erhielt von der Forschungskommission der Universität Luzern ein SpeedUp Sabbatical zum Abschluss ihrer Habilitationsschrift Leihmutterschaft in transnationaler Perspektive. Sie wird im FS 20 von Willem Church vertreten. Katharina Steiner schloss ihren Ethnologie Master ab und wird künftig in dem Projekt Reinheit verkaufen. Visuelle Codes für die Vermarktung des Ursprünglichen vom späten Mittelalter bis in die Moderne als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an ihrem Dissertationsprojekt arbeiten. Lea Helfenstein wird ab September 2019 ihre Stelle als Hilfsassistentin übernehmen. 7 Wie kann ein Studienverlauf konkret aussehen? Hier wird eine von verschiedenen möglichen Varianten dargestellt, wie ein Studium in der Regelstudienzeit von 6 Semestern gestaltet werden kann. Die Regelstudienzeit kann sowohl unter- als auch überschritten werden, wobei letzteres wahrscheinlicher ist, vor allem wenn neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wird. Die Reihenfolge des Besuchs von Veranstaltungen kann variieren, so kann etwa das Proseminar „Ethnographien“ im ersten Semester oder später besucht werden. Bachelorstudium 1.Semester Vorlesung: Einführung in die Ethnologie Proseminar: Einführung in die Ethnologie Proseminar: Ethnographien Verfassen einer Proseminararbeit 2.Semester Vorlesung: Geschichte der Ethnologie Methodenseminar: Einführung in die Methoden der Ethnologie Proseminar: Klassiker der Ethnologie Verfassen einer Proseminararbeit 3.Semester Vorlesung: Einführung in einen Bereich der Ethnologie Hauptseminar nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltung Orientierungsgespräch 4.Semester Hauptseminar zu einem Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit zu einem Bereich der Ethnologie Hauptseminar nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltungen 5.Semester Hauptseminar zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Hauptseminararbeit nach freier Wahl Weitere Lehrveranstaltungen 6.Semester Anfertigen der Bachelorarbeit Weitere Lehrveranstaltungen Prüfungen Masterstudium (mit Feldforschungspraktikum) 1.Semester Masterseminar zu einem Bereich der Ethnologie Masterseminararbeit Weitere Lehrveranstaltungen 2.Semester Masterseminar zu einem zweiten anderen Bereich der Ethnologie Masterseminararbeit Weitere Lehrveranstaltungen 3.Semester Feldforschungspraktikum (vorzugsweise in den Semesterferien) Weitere Lehrveranstaltungen 4.Semester Anfertigen der MA-Arbeit Prüfungen 8 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im BA (Bachelor of Arts in Ethnologie / BA in Cultural and Social Anthropology) Musterstudienplan Im Folgenden wird der Musterstudienplan für das BA-Studium im Major aufgeführt. Auf Unterschiede zum Minorstudium gehen die anschliessenden Beschreibung der Veranstaltungstypen und Anforderungen ein. Die Musterstudienpläne für Major und Minor befinden sich im PDF-Format auf der Website der Kultur- und Sozial- wissenschaftlichen Fakultät. Ebenfalls finden Sie dort Musterstudienpläne für Studenten mit Studienbeginn vor HS 2011: https://www.unilu.ch/studium/lehrveranstaltungen-pruefungen-reglemente/ksf/musterstudienplaene/ I BA-Abschluss Schriftliche BA-Prüfung Minor 5 Mündliche BA-Prüfung Major 5 BA-Arbeit Major 25 II Studienleistungen Major VL (benotet) Einführung in die Ethnologie 2*) Assessm entstufe (1. & 2. Sem ester) PS Einführung in die Ethnologie 4 MS Einführung in die Methoden der Ethnologie 4 PS Ethnographie 4 PS Klassiker der Ethnologie 4 (benotet) 1. Proseminararbeit zu PS oder MS**) 4 (benotet) 2. Proseminararbeit zu PS 4 Orientierungsgespräch Major 0 VL (benotet) Einführung in Bereiche der Ethnologie 2*) H auptstudium (3.-6. Sem ester) HS Hauptseminar aus einem Bereich der Ethnologie 4 (benotet) Hauptseminararbeit aus einem Bereich der Ethnologie 6 HS Hauptseminar aus einem zweiten Bereich der Ethnologie 4 (benotet) Hauptseminararbeit aus einem zweiten Bereich der Ethnologie 6 HS Hauptseminar freier Wahl 4 (benotet) Hauptseminararbeit 6 Weitere Leistungen Major 17 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 50 IV Sozialkompetenz und Studienleistungen im Major, Minor oder in anderen Fächern Sozialkompetenz (2-6 Cr) 4 Freie Leistungen Major, Minor o. davon unterschiedene Fächer 16 *) Für Vorlesungen können je nach Arbeitsaufwand auch 3 Credit Points vergeben werden. Veranstaltungstypen und Anforderungen im Bachelorstudium Vorlesung (VL): Einführung in die Ethnologie Diese Pflichtveranstaltung ist als Überblick und Einführung in das Studium der Ethnologie, in Gegenstand, Methodik, Grundbegriffe und Geschichte des Faches angelegt und sollte im ersten oder zweiten Semester besucht werden. Sie soll Antworten auf die Fragen geben, was Ethnologie ist und welche Fragestellungen mit welchen Methoden verfolgt werden. Neben fachspezifischen Methoden und Theorien werden auch fächerübergreifende wissenschaftliche Arbeitsweisen vorgestellt. Sowohl praktische Studien- und Arbeitstechniken als auch wissenschaftstheoretische Grundlagen sind Gegenstand der Lehrveranstaltung. In der Einführung sollen Erstsemester außerdem eine eigene Vorstellung davon entwickeln, welchen Sinn das Studium der Ethnologie hat und welches ihre eigenen Zielsetzungen sind. Aus diesem Grund wird auch die Frage der Berufsperspektiven berücksichtigt. 9 Informationskompetenz Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern (ZHB) Einmal im Jahr jeweils im Herbstsemester bietet die ZHB ein Modul zur Informationskompetenz an. Eine Doppelstunde findet im Rahmen der Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" statt, zwei Doppelstunden werden als Block angeboten. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Für Studierende ist der Besuch der Veranstaltung zur Informationskompetenz verpflichtend. Ohne den Nachweis des Besuchs der Veranstaltung ist eine Zulassung zur BA-Prüfung nicht möglich. Studierende aus integrierten Studiengängen können wählen, in welchem der an ihrem Studiengang beteiligten Fächer sie daran teilnehmen. Studierenden der Ethnologie wird dringend empfohlen diese im Rahmen der Einführungsvorlesung zu absolvieren. Proseminar (PS): Einführung in die Ethnologie Ergänzend zur Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" wird im ebenfalls obligatorischen Proseminar basierend auf einem Lehrbuch und zusätzlichen Artikeln ein Überblick über das Fach gegeben. Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten. Vorlesung (VL): Einführung in Bereiche der Ethnologie Zusätzlich zur Vorlesung „Einführung in die Ethnologie“ werden regelmäßig einführende Vorlesungen in die Wirtschafts-, Politik- und Rechtsethnologie sowie in Religions- und Verwandtschaftsethnologie angeboten. Von den Vorlesungen zur Einführung in die verschiedenen Bereiche der Ethnologie ist ebenfalls eine obligatorisch zu besuchen. In diesen Vorlesungen wird ein erster Überblick über die behandelten Themen gegeben, die dann in Haupt- und Masterseminaren vertieft werden können. Methodenseminar (MS): Einführung in Methoden der Ethnologie In dieser Pflichtveranstaltung wird anhand von einer oder mehrerer ethnologischer Monographien gezeigt, wie Ethnologen Forschungsfragen entwickeln, sich Problemen annähern und mit welchen empirischen Methoden sie Daten erheben und wie sie diese auswerten. Auch Strategien der Darstellung von Forschungsergebnissen werden diskutiert. Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten. Proseminar (PS): Ethnographien In diesem ebenfalls obligatorischen Proseminar werden abwechselnd zu verschiedenen regionalen Gebieten Veranstaltungen angeboten. Im Mittelpunkt steht die Lektüre und Diskussion klassischer und vorbildlicher ethnographischer Texte. Die Auseinandersetzung mit ethnographischen Quellen dient sowohl der Vertiefung des Stoffes des methodischen Seminars als auch dem Erwerb regionaler Kompetenzen (Südostasien, Ozeanien u.a.). Die Veranstaltung wird jedes Semester angeboten und kann aufgrund wechselnder Inhalte auch mehrmals besucht werden. Zudem dient dieses Proseminar dem Einüben wissenschaftlicher Arbeitstechniken der Ethnologie. Proseminar (PS): Klassiker der Ethnologie Im Zentrum dieses obligatorischen Proseminars steht die Lektüre und Diskussion klassischer Texte aus der Geschichte des Faches von der Zeit der Aufklärung bis zu rezenten theoretischen Debatten. Es kann auch erstetzt werden durch die Vorlesung „Geschichte der Ethnologie“. Die Veranstaltung wird einmal jährlich angeboten und kann aufgrund wechselnder Inhalte auch mehrmals besucht werden. Auch die Vorlesung „Einführung in die Geschichte der Ethnologie“ kann als Veranstaltung aus dem Bereich „Klassiker der Ethnologie“ angerechnet werden. Sie gibt einen Überblick über Fragestellungen, Grundannahmen und Methoden von Hauptrichtungen der Ethnologie. Wissenschaftsgeschichtliche Kenntnisse sind in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: Für die Ausbildung ist es häufig praktischer, mit leichter verständlichen älteren Autoren und Publikationen zu beginnen, die Grundlage und Bezug für komplexere neuere sind. Zentrales Anliegen der Vorlesung ist die Zielsetzung, Wissenschaft als Prozess verständlich zu machen, in dem auch das heute Modernste vielleicht morgen schon als "out" gilt, andererseits aber scheinbar neueste Ideen Jahrhunderte alt sein können. Die Betonung der Vorlesung wird auf früheren Perioden liegen. Grundlegende Kenntnisse in der Geschichte ethnologischer Theorien und Methoden der Ethnologie werden bei der BA-Abschlussprüfung vorausgesetzt. Proseminararbeiten Zu zwei der in einem Proseminar oder im Methodenseminar behandelten Themen muss eine schriftliche Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten nach Absprache mit der jeweiligen Dozentin bzw. dem Dozenten angefertigt werden. Die Arbeiten werden benotet. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. 10 Orientierungsgespräch Das im Major obligatorische Orientierungsgespräch soll zum einen die Studierenden hinsichtlich der generellen Eignung zum Studium orientieren und zum zweiten Empfehlungen für die inhaltliche Gestaltung des Hauptstudiums geben. Es findet nach dem zweiten oder spätestens nach dem dritten Fachsemester mit einem der Professoren statt. Die Termine sind direkt mit ihnen zu vereinbaren. Mit der Anmeldung ist eine ca. zweiseitige Reflexion über das bisherige Studium einzureichen, die eine Selbsteinschätzung in Bezug auf die erworbenen Fähigkeiten sowie auf Stärken und Schwächen enthalten soll. Des Weiteren müssen ein aktueller Leistungsnachweis mit allen bislang erworbenen Credit Points sowie die Kopie einer schriftlichen Arbeit vorgelegt werden. Hauptseminare (HS) Hauptseminare werden zu verschiedenen Bereichen der Ethnologie (Politik, Wirtschaft, Verwandtschaft, Mensch- Umwelt-Beziehungen) angeboten. Daneben gibt es regelmäßig Lehrveranstaltungen zu weiteren Themen der Ethnologie wie beispielsweise Migration, neue Medien, Religionsethnologie oder Kindheitsforschung. Es muss jeweils aus verschiedenen Bereichen der Ethnologie mindestens ein Hauptseminar besucht werden. Im Major sind weitere Hauptseminare zu frei wählbaren Themen zu besuchen. Im Minor können diese durch andere Veranstaltungen oder schriftliche Arbeiten ersetzt werden. Hauptseminararbeiten Es sind drei schriftliche Hausarbeiten im Umfang von 20-25 Seiten, im allgemeinen im Anschluss an ein Haupt- seminar, nach Absprache mit dem jeweiligen Dozierenden anzufertigen. Die Arbeiten werden benotet. Die schriftliche Arbeit, die zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Bachelorverfahren noch ausstehend sein darf, muss – wenn mit der /dem betreuenden Dozierenden nichts anderes vereinbart wurde - mindestens 4 Wochen vor dem letztmöglichen Abgabetermin eingereicht werden. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. Sozialkompetenz Wenigstens fünf Studierende können sich zusammenfinden und eine Lektüregruppe organisieren. Zu Lehrveranstaltungen sind auch Tutorate möglich. Listen für empfohlene Literatur sind im Sekretariat 3.A27 erhältlich. Das Vorhaben muss in jedem Fall vor Semesterbeginn mit einer/-m Lehrenden abgesprochen werden, bei dem abschließend ein Protokoll eingereicht wird. Wird die regelmässige Teilnahme am wöchentlichen Forschungskolloquium des Ethnologischen Seminars durch eine Lektüregruppe ergänzt, können zusätzlich zu 2 Credits für freie oder weitere Leistungen 2 Social Credits erworben werden. Weitere Möglichkeiten siehe auch unter: Weisungen zur Vergabe für Credit Points für Sozialkompetenz (SCP) an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät: https://www.unilu.ch/fileadmin/fakultaeten/ksf/Dekanat/dok/Reglemente_Merkblaetter_Formulare/Neuste_Version en/Merkblaetter_und_Formulare/WeisungenSocialCredits_KSF.pdf Weitere und freie Studienleistungen Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie sind weder an Veranstaltungen besonderen Typs noch besonderen Inhalts gebunden. Letzteres gilt auch für die freien Studienleistungen, die sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Faches Ethnologie erbracht werden können. Anstelle von Veranstaltungsbesuchen ist auch das Verfassen von schriftlichen Arbeiten (in Absprache mit dem Dozierenden) möglich. Seminar- und Forschungskolloquium Im ethnologischen Forschunskolloquium werden aktuelle Forschungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars vorgestellt, aber auch Gäste eingeladen, die von Themen, Fragestellungen und Ergebnissen ihrer laufenden Forschungen berichten. Bei regelmässiger Teilnahme können 2 Credits erworben werden, die bei freien oder weiteren Studienleistungen anrechenbar sind. Ergänzen Studierende die regelmässige Teilnahme durch eine Lektüregruppe, können sie zusätzlich 2 Social Credits erwerben. BA-Abschluss Um das Studium mit dem BA abzuschließen, muss eine schriftliche Arbeit im Umfang von nicht mehr als 60 Seiten angefertigt werden. Das Thema wird gemeinsam mit einer/m der Dozierenden entwickelt. Außerdem wird eine mündliche Prüfung von 30 Minuten zu zwei verschiedenen Themen abgelegt. Für die mündliche Prüfung werden 5 und für die schriftliche Arbeit 25 Credits vergeben. 11 12 Leitfaden zum Studium der Ethnologie im MA (Master of Arts in Ethnologie / MA in Cultural and Social Anthropology) Voraussetzungen Ein Masterstudium in Ethnologie setzt ein Bachelorstudium voraus. Im Fach Ethnologie müssen mind. 60 Credits erworben worden sein. Von Inhaberinnen und Inhabern eines Bachelordiploms eines andern Faches können vor Aufnahme des Masterstudiums zusätzliche Leistungen in Ethnologie zur Bedingung gemacht werden. Zudem können in allen Fällen für den Abschluss des Masterstudiums weitere Auflagen gemacht werden. Musterstudienplan Masterstudium Das Masterstudium wird in zwei Varianten angeboten, die gewählt werden können: Ein Masterstudium mit Feldforschungspraktikum und eines ohne Feldforschungspraktikum. Für beide Varianten wird empfohlen im Rahmen der freien oder weiteren Studienleistungen im Fachbereich Ethnologie ein Seminar zu empirischen Methoden der Datenerhebung zu besuchen. Das Methodenseminar, in dem insbesondere qualitative Methoden der ethnologischen Feldforschung behandelt und auch geübt werden, bereitet auf einen mindestens dreimonatigen Forschungsaufenthalt im Aus- oder Inland vor. Wird der Studiengang mit Forschungspraktikum gewählt, reduzieren sich die Freien Studienleistungen im Major oder Minor um vier Credits. Es gibt die Möglichkeit Social Credits im Rahmen des Forschungspraktikums zu erwerben. Im Folgenden wird nur der Musterstudienplan im Major aufgeführt. Auf Unterschiede zum Minorstudium wird in der anschliessenden Beschreibung der Veranstaltungstypen und Anforderungen eingegangen. Musterstudienplan Major mit Feldforschungspraktikum I MA-Abschluss Schriftliche MA-Prüfung Minor 5 Mündliche MA-Prüfung Major 10 MA-Arbeit Major 30 II Studienleistungen Major MAS Masterseminar in einem Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 MAS Masterseminar freier Wahl 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 Forschungspraktikum Major 18 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 20 IV Freie Studienleistungen im Major oder Minor Freie Leistungen Major oder Minor, davon 2-6 Cr zur Erweiterung der Sozialkompetenz 17 Musterstudienplan Major ohne Feldforschungspraktikum I MA-Abschluss Schriftliche MA-Prüfung Minor 5 Mündliche MA-Prüfung Major 10 MA-Arbeit Major 30 I Studienleistungen Major MAS Masterseminar in einem Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 MAS Masterseminar in zweiten Bereich der Ethnologie 4 Schriftliche, benotete Arbeit zum MAS 6 Weitere Leistungen Major 14 III Studienleistungen im Minor Min. Studienleistungen Minor 20 IV Freie Studienleistungen im Major oder Minor Freie Studienleistungen Major oder Minor, davon 2-6Cr zur Erweiterung der Sozialkompetenz 21 Veranstaltungstypen und Anforderungen im Masterstudium 13 Masterseminare (MAS) Masterseminare werden zu verschiedenen Bereichen der Ethnologie (Politik, Wirtschaft, Verwandtschaft, Migration und Ethnizität) angeboten. Außerdem werden regelmäßig Lehrveranstaltungen zu weiteren aktuellen Themen in das Lehrprogramm aufgenommen. Im MA-Major ohne Feldforschungspraktikum und im MA-Minor sollten die Masterseminare aus zwei verschiedenen Bereichen der Ethnologie gewählt werden. Masterseminararbeit Zu einem der in einem Masterseminar behandelten Themen sollte eine schriftliche Masterseminararbeit nach Absprache mit der jeweiligen Dozentin bzw. dem Dozenten angefertigt werden. Diese Arbeit wird benotet und ist auch als Übung für die Masterarbeit anzusehen. Sie soll einen Umfang von 20-25 Seiten haben. Im Major ohne Feldforschungspraktikum und im Minor werden zwei Arbeiten gefordert. Wichtig: Erst nachdem der Dozentin bzw. dem Dozenten eine Disposition (inklusive Literaturangaben) vorgelegt wurde und diese/r die Disposition (allenfalls unter dem Vorbehalt der Verbesserung) gutgeheissen hat, kann mit dem Abfassen der Arbeit begonnen werden bzw. gilt die Dozentin oder der Dozent als offizielle Betreuungsperson der Arbeit. Die schriftliche Arbeit, die zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Masterverfahren noch ausstehend sein darf, muss – wenn mit der /dem betreuenden Dozierenden nichts anderes vereinbart wurde - mindestens 4 Wochen vor dem letztmöglichen Abgabetermin eingereicht werden. Feldforschungspraktikum Das Feldforschungspraktikum von in der Regel 3 Monaten Dauer soll Studierenden die Möglichkeit geben, ein eigenes empirisches Forschungsvorhaben durchzuführen. Vorbereitung, Abfassen eines Exposés, Durchführung und Auswertung werden von den Lehrpersonen des Ethnologischen Seminars – die alle über Forschungserfahrung und Vertrautheit mit unterschiedlichen Regionen (Südostasien, Ozeanien u.a.) verfügen – intensiv betreut. Das Praktikum kann selbstständig, einzeln oder in Kleingruppen nach Absprache mit einem der Lehrenden oder als von einem Lehrenden betreutes eigenständiges Projekt durchgeführt werden. Bringen Organisations- und Betreuungsform eine intensivere Forschungstätigkeit mit sich, kann sich die Dauer des Praktikums auch verkürzen. Zielsetzungen des Feldforschungspraktikums: o Die Formulierung einer konkreten Fragestellung und eines Forschungsantrags soll geübt, o regionale Kenntnisse sollen vermittelt bzw. vertieft werden, o möglichst verschiedene Methoden sollen erlernt, o und die Erfahrung der Teilnahme am täglichen Leben in einer fremden Gesellschaft gemacht werden. Durch eigene Erfahrungen mit der ethnologischen Feldforschung können Studierende zum einen Ethnographien besser beurteilen und zum anderen ermöglichen sie die notwendige fundierte Quellenkritik. Neben der Stärkung der Methodenkompetenz kann ein Feldforschungspraktikum auch Regionalkompetenz vermitteln, die sich bei der späteren Stellensuche positiv auswirken kann, liegen doch Berufsperspektiven von AbsolventInnen sozial- und kulturanthropologischer Studiengänge erfahrungsgemäß auch im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, von Institutionen, die sich mit Migration befassen, oder im Museums- und Ausstellungsbereich. Hier sind regionale Kompetenzen meist ebenso gefragt wie fachliche. Ein erfolgreich durchgeführtes Feldforschungspraktikum kann außerdem die Grundlage der Masterarbeit bilden. Diese kann jedoch in jedem Fall auch auf einem Literaturstudium basieren. Am Ende des Feldforschungspraktikums ist ein Feldforschungsbericht im Umfang einer Hausarbeit auf Masterebene obligatorisch. Erst nach der Abgabe des Berichtes können die Credits angerechnet werden. Für die formelle Anrechnung des Feldforschungpraktikums ist der Fachstudienberater zu konsultieren, da eine Buchung der einzelnen Bestandteile des Praktikums online nicht möglich ist. MA-Abschluss Um das Studium mit dem MA abzuschließen, muss eine schriftliche Arbeit im Umfang von nicht mehr als 100 Seiten angefertigt werden. Das Thema wird gemeinsam mit einer/-m der Dozenten entwickelt. Außerdem wird eine mündliche Prüfung von 60 Minuten zu vier verschiedenen Themen abgelegt. Für die mündliche Prüfung werden 10 und für die schriftliche Arbeit 30 Credits vergeben. 14 15 Lehrveranstaltungen des Ethnologischen Seminars Einführung in die Ethnologie Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 16.09.2019, 14:15 - 16:00, ab 16.09.2019 FRO, 3.A05 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Die Vorlesung "Einführung in die Ethnologie" vermittelt einen Überblick über das Fach und das Studium der Ethnologie. Dabei geht es sowohl um wissenschaftliche Arbeitstechniken als auch um zentrale Fragestellungen, Begriffe, Themenbereiche, aber auch Geschichte und Methoden des Faches. "Kultur" und "Ethnie" etwa sind für die Ethnologie zentrale und umstrittene Konzepte, die in der Vorlesung erläutert werden. Ausserdem werden die empirische Methode der ethnologischen Feldforschung und die dabei angewandten Verfahren der Datenerhebung vorgestellt. Nur wer Grundkenntnisse der empirischen Methoden hat, kann die Ergebnisse ethnologischer Forschungen nachvollziehen und bewerten. Die wichtigsten thematischen Bereiche der Ethnologie – Religion, Verwandtschaft/soziale Organisation, Politik und Wirtschaft – werden einführend vorgestellt und dabei gleichzeitig erste Einblicke in Theorien der Ethnologie vermittelt. Ein solcher Überblick hilft, weiterführende Informationen und Kenntnisse aus vertiefenden Seminaren in einen grösseren Rahmen einzuordnen und dadurch besser zu verstehen. Während des Semesters werden kurze schriftliche Aufgaben gestellt, deren Lösung sowie die Klausur am Endes des Semesters sind Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme. Unterrichtsmaterial, Texte und Illustrationen sowie ein Online-Forum sind auf OLAT bereitgestellt. Die Selbstorganisation eines begleitenden Lektürekurses, für den Social Credit Points vergeben werden, ist möglich. Für die Vorlesung gibt es nach erfolgreich bestandener Klausur 3 CP und für das begleitend stattfindende Tutorat 1 CP. Das Tutorat – sofern es zustande kommt– ist nicht verpflichtend und für Studierende gedacht, die den in der Vorlesung vermittelten Stoff vertiefen und die Aufgaben besprechen wollen. Den Termin des Tutorats stimmen die TeilnehmerInnen zu Beginn des Semesters mit der Tutorin / dem Tutor ab. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Vorlesung Einführung in die Ethnologie Vorlesung im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Benotete Prüfung (3 Cr) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch Literatur Beer, Bettina und Hans Fischer 2009: Wissenschaftliche Arbeitstechniken in der Ethnologie. (3., überarbeitete und erweiterte Auflage). Berlin: Reimer. Pflichtlektüre: Beer, Bettina und Hans Fischer (Hg.) 2013: Ethnologie. Einführung und Überblick. (8. Auflage). Berlin: Reimer. 16 Einführung in die Ethnologie Dozent/in: Prof. Dr. Werner Egli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 23.09.2019, 12:15 - 14:00, ab 23.09.2019 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: In diesem einführenden Proseminar wird auf der Basis eines Lehrbuchs und einer Reihe ausgewählter Filme ein erster Einblick ins Fach vermittelt. Anhand ethnographischer Beispiele aus aller Welt wird die Vielfalt und Breite des Fachs veranschaulicht und kulturelle Phänomene auch im Vergleich zur eigenen Gesellschaft diskutiert. Es werden klassische Themengebiete wie Verwandtschaft und Geschlechterbeziehungen, politische und wirtschaftliche Organisation oder Kosmologie und Ritual behandelt, sowie Grundbegriffe wie Klassifikation, Reziprozität oder Habitus erläutert. Zudem wird auf aktuelle Themen der Ethnologie wie Reproduktionsmedizin oder die Auseinandersetzung mit Naturkatastrophen eingegangen, sowie auf aktuelle Debatten wie die Rückführung von Museumsgegenständen in ihre Herkunftsländer oder die Ethnisierung des Politischen. Das Proseminar ergänzt die Vorlesung zur Einführung in die Ethnologie und kann parallel dazu oder zur Vor- oder Nachbereitung besucht werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: werner.egli@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Das Lehrbuch wird zu Beginn der Veranstaltung auf OLAT als PDF zur Verfügung gestellt. 17 Einführung in die Politikethnologie Dozent/in: Dr. des. Tobias Schwörer Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 17.09.2019, 16:15 - 18:00, ab 17.09.2019 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Diese Einführungsveranstaltung bietet einen Einblick in klassische und aktuelle Themenbereiche und Fragestellungen der Politikethnologie. Anhand zahlreicher ethnographischer Fallbeispiele aus aller Welt werden politische Prozesse und sich daraus ergebende Konflikte in einfachen wie in komplexen Gesellschaftssystemen (Wildbeuter, tribale Gesellschaften, Staaten) untersucht. Es wird aufgezeigt, wie politische Macht zustande kommt und wie sie sich in unterschiedlichen Gesellschaftsformen - auch unserer heutigen globalisierten Welt - manifestiert. Es wird analysiert, welche Legitimationsstrategien politische Führer anwenden, um Macht zu erlangen und zu verteidigen, und unter welchen Bedingungen sich Beherrschte gegen die Forderungen und Dominanz politischen Eliten zur Wehr setzen können. Politische Konflikte zwischen Individuen, Interessengruppen oder Lokalgruppen und Staaten, sowie die Institutionen und Formen zu deren Beilegung durch Schlichtung, Vermittlung, Rechtsprechung oder Krieg werden ebenso thematisiert wie die vielfältigen Bezüge von politischen Strukturen zu Wirtschaft, Verwandtschaft und Religion. All diesen Themen gemeinsam ist, dass sie aus einer ausgeprägt ethnologischen Sichtweise - d.h. mit Blick auf die daran beteiligten Individuen und das soziale und kulturelle Umfeld, in dem sie sich bewegen - analysiert werden sollen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: tobias.schwoerer@doz.unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Lewellen, Ted C. 2003. Political Anthropology: An Introduction. 3rd Edition. Westport und London: Praeger. 18 Ethnologie des Lebensanfangs und -endes Dozent/in: Laura Katharina Preissler, M.A. Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 18.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 18.09.2019 FRO, HS 13 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Das Seminar gibt Einblicke in die ethnologische Erforschung der Anfänge des Lebens und seiner Vergänglichkeit. Prokreationsmodelle und Jenseitsvorstellungen, Praktiken, die Schwangerschaft, Geburt und Bestattung betreffen, haben EthnologInnen seit den Anfängen der Disziplin beschäftigt. Entwicklungen im Bereich der Biomedizin, wie assistierte Reproduktion oder lebensverlängernde Massnahmen bzw. assistiertes Sterben, sowie die zunehmende Medikalisierung von Geburt und Sterben haben gerade für MedizinethnologInnen neue Zugänge zu diesen Themen geschaffen und die Forschungen dazu erweitert. In diesem Seminar stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie legen Menschen in verschiedenen Situationen fest, wann und wie Leben beginnt oder endet? Welchen „Wert“ hat Leben zu verschiedenen Zeitpunkten in lokalen Kontexten? Wie werden die Grenzen zwischen Leben und Tod ausgehandelt? Gleichzeitig werden Begriffe wie „Anfang“ und „Ende“ und lineare Vorstellungen des Lebens problematisiert, wenn es etwa um Wiedergeburt, Auferstehung, Geisterwelt oder neue Biotechnologien geht. Ethnographische Untersuchungen zur künstlichen Befruchtung oder Stammzellenforschung, aber auch zu Infantizid und Organspende zeigen, wie eng verbunden Anfang und Ende des Lebens sein können. In Abgrenzung zum physischen Tod thematisieren EthnologInnen zudem auch Formen von sozialem Tod, von dem beispielsweise kinderlose Frauen und Männer, aber auch mit HIV/AIDS infizierte Personen betroffen sein können. Diese Themen werden im Seminar anhand konkreter Fallbeispiele, welche vorwiegend afrikanischen Kontexten, aber auch anderen Regionen entnommen sind, beleuchtet und mit relevanten theoretischen Ansätzen der Ethnologie verknüpft. Voraussetzungen: Bereitschaft englische Texte zu lesen, aktive Teilnahme Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Bereich Systematische Religionswissenschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: laura.preissler@unilu.ch Hinweise: English-speaking students are welcome to attend the course as well. Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Gottlieb, Alma (2004): The afterlife is where we come from. The culture of infancy in West Africa, Chicago: The University of Chicago Press. Das, Veena & Han, Clara (2016): Living and dying in the contemporary world: a compendium, Oakland, University of California Press. Bledsoe, Caroline (2002): Contingent lives: fertility, time and aging in West Africa, Chicago: University of California Press. de Witte, Marleen (2003): Money and Death: Funeral Business in Asante, Ghana Africa: Journal of the International African Institute Vol. 73, No. 4 (2003), S. 531-559. Kaufman, Sharon R. & Morgan, Lynn M. (2005): The Anthropology of the Beginnings and Ends of Life, Annual Review of Anthropology, Vol. 34, pp. 317-341. 19 Ethnologie des Sports: “Ready, Set, Go!” Dozent/in: Katharina Steiner, MA Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 19.09.2019, 14:15 - 16:00, ab 19.09.2019 FRO, 3.B01 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Menschen bewegen sich, spielen, verlieren und gewinnen – im Sport zeigt sich dies besonders deutlich. In diesem Proseminar befassen wir uns mit ethnologischen Perspektiven auf das Thema Sport und der Frage, wieweit Sport kulturspezifisch oder universal ist. Die Ethnologie des Sports hat in den letzten Jahrzehnten an Popularität gewonnen, ihre Wurzeln reichen jedoch bis in das vorletzte Jahrhundert. Geisteswissenschaftler stellten sich etwa schon früh die Frage, was denn “Sport” sei; Worin liegen die Gemeinsamkeiten von Curling, Fussball und Karate? Heute ergründet man unter anderem, warum eine dieser Sportarten weltweit besonders beliebt ist. Wir werden theoretische Grundlagen und Überlegungen dieses Interessenbereichs kennenlernen und miteinander diskutieren. Thematiken wie Kolonialismus, Globalisierung, Krieg, Nationalismus, Körper, Unterhaltung, oder Ritual, werden uns dabei begegnen. Zusätzlich werden wir ethnographische Texte zu Sport rund um den Globus lesen, von Rugby auf Fiji bis zu Boxen in Chicago. Über die Verbindung aus Theorie und ethnographischen Beispielen, nähern wir uns der facettenreichen Ethnologie des Sports an. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: katharina.steiner@unilu.ch Literatur Besnier, Niko & Susan Brownell 2012 Sport, Modernity, and the Body. Annual Review of Anthropology 41, 443—459. Besnier, Niko, Susan Brownell, and Thomas F. Carter 2018 The Anthropology of Sport; Bodies, Borders, Biopolitics. Oakland: University of California Press. Blanchard, Kendall 1995 The Anthropology of Sport; An Introduction. Westport: Bergin & Garvey. 2010 The Anthropology of Sport. In: Jay Coakley & Eric Dunning (eds): Handbook of Sport Studies. Los Angeles: SAGE, 144—156. Müller, Juliane, Christian Ungruhe, and Christian Peter-Oehmichen 2016 Neue Perspektiven einer Ethnologie des Sports. Zeitschrift für Ethnologie 141(1), 1—18. Traphagen, John W. 2015 Anthropology of Sport. In: Pamela J. Stewart & Andrew J. Strathern (eds): The Ashgate Research Companion to Anthropology. Surrey: Ashgate, 145—159. 20 Fluchtforschung in der Ethnologie Dozent/in: Clara Bombach, MA Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 18.09.2019, 14:15 - 16:00, ab 18.09.2019 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Im Seminar werden Flucht und Vertreibung als komplexe Prozesse unter Berücksichtigung ihrer verschiedenen Gründe, Merkmale und Konsequenzen diskutiert. Die Studierenden befassen sich mit aktuellen Fluchtforschungen in der Ethnologie. Die Texte geben Einblicke in das Zusammenspiel von lokalen und geo-politischen Kräften, das individuelle Erleben von Flucht und Vertreibung und soziale und kulturelle Konsequenzen. Die Dozentin befasst sich derzeit mit dem Lebensalltag von Kindern in Schweizer Asylunterkünften. Sie wird im Seminar aus ihrer laufenden Forschung berichten und mit den Studierenden ausgewählte Feldnotizen und Materialien aus ihrer Arbeit mit Kindern analysieren und diskutieren. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: clara.bombach@uzh.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur Colson, Elizabeth 2003: Forced Migration and the Anthropological Response. In: Journal of Refugee Studies Vol. 16, No. 1, p. 2-18 Caroline B. Brettell & James F. Hollifield (Hrsg.) 2015: Migration Theory. Routledge. Eastmond, Marita 2007: Stories as Lived Experiences: Narratives in Forced Migration Research. In: Journal of Refugee Studies Vol. 20, No. 2, p. 248- 264. Gatrell, Peter 2015: The Making of the Modern Refugee. Oxford: Oxford University Press. Kaiser, Tanja 2014: Crisis? Which crisis? Families and forced migration. In: Crises and Migration. Ciritical Perspectives. Hrsg. von Anna Lindley. London and New York: Routledge, S. 181-202. 21 Methoden ethnologischer Feldforschung Dozent/in: Dr. phil. Anika König Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 19.09.2019, 12:15 - 14:00, ab 19.09.2019 FRO, 3.B01 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Methodisches Seminar Inhalt: Feldforschung ist die zentrale empirische Methode der Ethnologie. Kenntnisse der verwendeten Verfahren und Techniken sind nicht nur zur Planung und Durchführung eigener Forschung Voraussetzung, sondern auch zur Quellenkritik. Nur wer versteht, wie Ethnologen und Ethnologinnen ihre Daten gewinnen, kann die Ergebnisse beurteilen, einordnen und kritisieren. In diesem Seminar werden theoretische Ansätze und praktische Übungen miteinander kombiniert, damit die TeilnehmerInnen lernen, das erarbeitete Wissen direkt anzuwenden. An Beispielen wird die Erhebung, Aufbereitung und Auswertung von Daten geübt. So können auch Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren und die Auswahl der geeigneten Forschungsmethode für unterschiedliche Fragestellungen kennengelernt werden. Durchführung: das Seminar findet wöchtentlich statt. Zwischen den Sitzungen werden jeweils die Texte erarbeitet und die Übungen durchgeführt. Die TeilnehmerInnen dokumentieren ihre Übungen in kurzen schriftlichen Zusammenfassungen, die zu festgelegten Terminen abgegeben und in der nächsten Sitzung nachbesprochen werden. Regelmäßige, pünktliche Teilnahme und Durchführung und Dokumentation der Aufgaben sind die Voraussetzungen für den Erwerb von Credit Points. Für weitere Credit Points kann eine zusätzliche schriftliche Aufgabe eingereicht werden. Voraussetzungen: Dieses Seminar richtet sich an Bachelor- und Master-Studierende, die eine eigene empirische Arbeit planen. Interessierte Doktorierende können nach Absprache ebenfalls teilnehmen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Methodenseminar im Bereich Religionsgeschichte (BA) Methodenseminar im Bereich Systematische Religionswissenschaft (BA) Methodenseminar in Ethnologie (BA) Methodenseminar in Religionswissenschaft Methodenübung in Wissenschaftsforschung (MA) Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft MA Weitere Studienleistungen im Fach Wissenschaftsforschung MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: anika.koenig@unilu.ch Hinweise: Bitte melden Sie sich auf OLAT für den Kurs an. Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Pflichtlektüre: Bettina Beer (Hg.), 2008: Methoden ethnologischer Feldforschung. (Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage). Berlin: Reimer. Das Buch kann bei Angabe der Lehrveranstaltung vergünstigt mit Hörerschein beim Studiladen gekauft werden. Weitere Literatur steht im Semesterapparat der Präsenzbibliothek. 22 Aktuelle Debatten in der Wirtschaftsethnologie Dozent/in: Dr. phil. Esther Leemann Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 17.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 17.09.2019 FRO, HS 2 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Wie wirkt sich die Sparpolitik der öffentlichen Hand auf Gesellschaft und Umwelt aus? Wie beeinflusst die Aussicht auf schnelles Geld aus Rohstoffindustrie, boom crops oder Tourismus einen lokalen Kontext? Was haben Plantagen mit Monopoly, Infrastrukturgrossprojekten und Gewalt zu tun? Was ist, wenn das Problem der Armut darin besteht, dass sie für andere Menschen von Vorteil ist? Diese Fragen sind in grösseren Debatten um Globalisierung, Finanzialisierung, Kommodifizierung, Ressourcenmanagment und Widerstand eingebettet. In der Veranstaltung beschäftigen wir uns mit diesen aktuellen Fragen und Debatten der Wirtschftsethnologie und lesen dazu kürzlich erschienene Monographien. Das Detailprogramm und eine ausführliche Literaturliste werden in der Veranstaltung bekannt gegeben. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: esther.leemann@me.com Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Bear, Laura 2015. Navigating austerity: currents of debt along a South Asian river. Stanford University Press. Desmond, Matthew 2016. Evicted. Poverty and Profit in the American City. New York: Crown Publishers. High, Mette M. 2017. Fear and Fortune. Spirit Worlds and Emerging Economies in the Mongolian Gold Rush. Ithaca and London: Cornell University Press. Li, Tania 2015. Land's End: Capitalist Relations on an Indigenous Frontier 23 Anthropology of the Body Dozent/in: Dr. phil. Anika König Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Do., 19.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 19.09.2019 FRO, 3.B01 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: In the last two decades, the body has become an important field of research within anthropology and related disciplines. While in the second half of the last century, philosophical, feminist, and poststructuralist approaches focused on the body at a rather abstract level, more recently, several anthropologists have begun to take a closer look at this topic in a more concrete, empirical way. This focus has ranged from ethnographers‘ direct and explicit bodily participation in social practices (such as Loic Wacquant, who trained in a boxing gym in Chicago, or Paul Stoller, who for many years was a sorcerer‘s apprentice with the Songhay in Mali and Niger) to bodily practices and experiences of the subjects of ethnographic research (e.g. Bourgeois' und Schonberg‘s research with drug addicts in the US or Teman’s research with gestational surrogates and commissioning parents in Israel). The Anthropology of the Body overlaps with many other, related, fields of anthropology – particularly Medical Anthropology, the Anthropology of the Senses, and phenomenological approaches to the body. In this course we will take a closer look at some of these case studies and use them as examples for the discussion of theoretical as well as practical questions. On the theoretical level, we focus on the role of the body in anthropology and current debates on this issue within the discipline. On a more practical level, we will talk about the possibilities we have as anthropologists to incorporate our own body and bodily sensations as well as those of the people who participate in our research, into our research and the ways we write about it. Voraussetzungen: This class is not suitable for beginning students. Participants should be familiar with the central concepts in anthropology. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar in Ethnologie Hauptseminar in Wissenschaftsforschung Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Wissenschaftsforschung MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: anika.koenig@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Bourgeois, P., and J. Schonberg. 2009. Righteous Dopefiend. Berkeley: University of California Press. Stoller, P. 1997. Sensuous Scholarship. Philadelphia: University of Pennsylvania Press. Teman, E. 2010. Birthing a Mother: The Surrogate Body and the Pregnant Self. Berkeley: University of California Press. Wacquant, L. 2004. Body & Soul: Notebooks of an Apprentice Boxer. Oxford et al.: Oxford University Press. 24 Ethnologie des Christentums Dozent/in: Prof. Dr. Werner Egli Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 16.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 16.09.2019 FRO, HS 12 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Lange hat die Ethnologie das Christentum als Untersuchungsgegenstand übersehen, wenn nicht gar unterdrückt. Diese Vernachlässigung wiegt umso schwerer, als die christliche Missionierung mit dem Kolonialismus Hand in Hand ging und viele der von der Ethnologie erforschten Gesellschaften das Christentum schon lange vor der Begegnung mit den EthnologInnen angenommen oder es mit ihrer eigenen Religion verbunden hatten, aber auch, weil die ethnologische Theoriebildung, die schon früh der Religion galt, das Christentum sowohl als Gegenstand als auch als kulturspezifischen Hintergrund überging. Erst unter dem Eindruck der massenhaften Konversion zu (meist charismatischen) Formen des Christentums in den Ländern des Globalen Südens – wo heute die Mehrheit der Christen lebt – hat sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts eine "Anthropology of Christianity" herausgebildet, die die Versäumnisse zu beheben versucht. Der Herausbildung dieser neuen Teildisziplin, ihren Fragestellungen und Untersuchungsfeldern ist der 1. Teil des Seminars gewidmet. Im 2. Teil wenden wir uns ethnographischen Untersuchungen unterschiedlicher lokaler Ausformungen des Christentums und Konversionsprozessen im Globalen Süden zu. Im 3. Teil befassen wir uns dann mit diesen Konversions- prozessen in theoretischer Perspektive, in der u.a. Erklärungen der Konversion als Ausdruck der Modernisierung und Individualisierung, aber auch als Reaktion von Verlierern der Globalisierung oder als Versuch der Wiedergewinnung verloren gegangener traditioneller Identifikations- möglichkeiten oder lokaler Solidaritätsmechanismen vorgeschlagen wurden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Religionsgeschichte Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft BA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: werner.egli@unilu.ch Hörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur Zur einführenden Lektüre empfohlen: Joel Robbins, The Anthropology of Christianity: Unity, Diversity, New Directions, in: Current Anthropology, 55/10, 2014: 157–171. (http://www.journals.uchicago.edu/doi/pdfplus/10.1086/678289) http://www.journals.uchicago.edu/doi/pdfplus/10.1086/678289 25 Feldforschung mit der Kamera – eine Einführung in die visuelle Dozent/in: Dr. phil. Mehdi Sahebi Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: 14-täglich Do., 19.09.2019, 16:15 - 20:00, ab 19.09.2019 FRO, 3.B01 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Forschung mit der Kamera bedingt ein anderes Vorgehen als eine klassische Forschung mit Stift und Notizblock. Im Unterschied zu einem schriftlichen Text, der in der Regel nach Abschluss der Forschungsarbeiten am Schreibtisch entsteht, beginnt die "Schreibarbeit" bei der Produktion eines ethnografischen Films bereits während der Drehphase. Das Seminar befasst sich mit verschiedenen Aspekten der filmischen Arbeit im Kontext ethnografischer Feldforschung. Mehdi Sahebi ist Ethnologe und Filmemacher. Seinen jüngsten Kinodokumentarfilm MIRR (2016) über das Thema Landgrabbing in Kambodscha, drehte er im Rahmen eines ethnografischen Forschungsprojekts unter der Leitung von Prof. Dr. Jürg Helbling. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: 14-tägig Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar in Ethnologie Methodenseminar im Bereich Religionsgeschichte (BA) Methodenseminar im Bereich Systematische Religionswissenschaft (BA) Methodenseminar in Religionswissenschaft Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Religionswissenschaft MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: mehdi.sahebi@doz.unilu.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur Ballhaus, Edmund und Beate Engelbrecht (Hrsg.). 1995. Der Ethnographische Film. Einführung in Methoden und Praxis. Berlin: Dietrich Reimer Verlag. Barnouw, Erik. 1993. Documentary. A History of the Non-Fiction Film. Oxford. Beller, Hans (Hrsg.). 2002. Handbuch der Filmmontage. München. Geertz, Clifford. 1987. Dichte Beschreibung. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag. Hattendorf, Manfred. 1994. Dokumentarfilm und Authentizität. Ästhetik und Pragmatik einer Gattung. Konstanz. Heider, Karl G. 2006. Ethnographic Film. Austin: University of Texas Press. Hohenberger, Eva. 1988. Die Wirklichkeit des Films. Dokumentarfilm. Ethnographischer Film. Jean Rouch. Hildesheim: Georg Olms Verlag. Hohenberger, Eva. 1998. Bilder des Wirklichen. Texte zur Theorie des Dokumentarfilms. Berlin: Vorwerk 8. Monaco, James. 1995. Film verstehen. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. Oppitz, Michael. 1989. Kunst der Genauigkeit. München: Trickster. Pink, Sarah. 2009. Doing Sensory Ethnography. SAGE Publications. Schadt, Thomas. 2002. Das Gefühl des Augenblicks. Zur Dramaturgie des Dokumentarfilms. Bergisch Gladbach. 26 Fundamental issues in cross-cultural understanding Dozent/in: Donald Gardner, PhD Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 17.09.2019, 14:15 - 16:00, ab 17.09.2019 FRO, 4.B54 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Socio-cultural anthropology, like other social sciences, has faced several quite general challenges to its claims to important and useful knowledge; but, because it seeks cross-cultural understanding, anthropology has often been thought to face more conceptual difficulties than other social sciences. More recently, however, anthropology's experience of cross-cultural encounters has given it a central place in the dialogues that followed „the crisis of representation“, in which an appropriate sensitivity to difference and its effects came to be regarded as crucial to adequate social science. Furthermore, globalization and the 'deterritorialization of cultures' has produced multi-cultural cities and suburbs around the world, which, in turn, have posed questions to governments no less than to the social sciences, questions that make the politics of interpretation highly salient. In this course we will examine these and related issues; not only because they are interesting and important in their own right, but because an appreciation of them is helpful in dealing with the various strands that constitute theory in the social sciences. A word of caution: the issues we will discuss are interconnected in ways that are not always obvious, and each of them is steeped in debate and controversy. Accordingly, we must not expect our considerations to produce definitive answers. We can hope, though, that we will learn to recognise some of the bad answers that are on offer, as well as to appreciate the extent of the subtle interconnections between different issues, so that the implications of deciding for or against any particular position will become clearer. This course would be helpful for later year students who have already found themselves bumping against the points where issues are sharpest, but it should also appeal to newcomers wishing for a broader context for their particular disciplinary or interdisciplinary studies. Die Ethnologie, wie andere Sozialwissenschaften auch, muss sich Herausforderungen bezüglich ihrer Wissensbasis stellen. Sie wird sogar als eine Wissenschaft wahrgenommen, die aufgrund ihres Ansatzes des interkulturellen Verstehens mit größeren konzeptionellen Schwierigkeiten als andere Sozialwissenschaften konfrontiert ist. In jüngerer Zeit hat die Ethnologie durch ihre Beschäftigung mit interkulturellem Verstehen in den sich auf die sogenannte "Krise der Repräsentation" beziehenden Diskursen eine zentrale Bedeutung gewonnen. Im Rahmen dieser Krise der Repräsentation wird die angemessene Sensitivität im Umgang mit Differenzen und ihren Auswirkungen als zentrales Moment der Sozialwissenschaften betrachtet. Darüber hinaus haben Globalisierung und die "Deterritorialisierung von Kulturen" weltweit multikulturelle Städte und Vorstädte hervorgebracht, die nicht nur an Regierungen sondern auch an die Sozialwissenschaften Fragen stellen. Diese Fragen betonen ganz besonders die Politik von Interpretationen. In diesem Seminar werden wir solche und damit zusammenhängende Fragen diskutieren, nicht nur weil sie an und für sich wichtig und interessant, sondern auch weil ihre Behandlung dabei helfen kann, die verschiedenen theoretischen Richtungen zu verstehen, die heute die Sozialwissenschaften ausmachen. Eine Mahnung zur Vorsicht: Die Themen, die wir diskutieren sind in einer Weise miteinander verbunden, die nicht immer offensichtlich ist, und ein jedes von ihnen ist durchdrungen von Debatten und Kontroversen. Dementsprechend sollten wir keine definitiven Antworten erwarten. Dennoch können wir hoffen zu lernen, einige der schlechten Antworten auf die diskutierten Fragen zu erkennen und zu meiden. Außerdem werden wir die subtilen Verbindungen zwischen verschiedenen Themen würdigen können, so dass die Folgen einer Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Position klarer werden. Dieses Seminar ist für fortgeschrittene Studierende hilfreich, die bereits über einige der größten Schwierigkeiten der Debatten über die Grundlagen interkulturellen Verstehens gestolpert sind; es ist jedoch auch für Anfänger geeignet, die ihre (inter-)disziplinären Interessen gerne in einen weiteren theoretischen Kontext einbetten möchten. Umfang: 2 Semesterwochenstunden 27 Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: donald.gardner@alumni.anu.edu.au Literatur: Fay, Brian 2006 Contemporary Philosophy of Social Science. Malden, Oxford, Victoria: Blackwell. Risjord, Mark 2014 Philosophy of Social Science: A Contemporary Introduction. Routledge. Rosenberg, Alexander 2012 Philosophy of Social Science. Boulder, CO: Westview Press. Klassiker der Anthropologie Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Prof. Dr. Christiane Schildknecht Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 18.09.2019, 12:15 - 14:00, ab 18.09.2019 FRO, 4.B02 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Fragen nach der Natur des Menschen sowie nach der Einheit bzw. Vielfalt der Menschheit insgesamt sind für Ethnologie und Philosophie gleichermassen zentral. Denn die Anthropologie ist der Erforschung dessen gewidmet, was der Mensch "als freihandelndes Wesen aus sich selbst macht oder machen kann und soll" (Kant). Unterschiedliche anthropologische Konzeptionen bestimmen den Menschen in Abgrenzung vom Tier entweder als ein 'Mängelwesen' (J. G. Herder) oder betonen die kulturellen Leistungen des Menschen als 'Organersatz' (A. Gehlen). Andere Ansätze suchen die Natur des Menschen, ungeachtet seiner Rationalität, unter Einbezug von Erkenntnissen der empirischen Wissenschaften zu erfassen (M. Scheler, H. Plessner). Vor diesem Hintergrund widmet sich das Seminar der Lektüre und Diskussion klassischer Texte zur Anthropologie u.a. von Kant, Herder, Rousseau, Gehlen, Scheler und Plessner aus aufklärerischer, lebensweltlich-phänomenologischer oder strukturalistischer Sicht. Voraussetzungen: Für Philosophiestudierende: Besuch von mindestens einem Proseminar in Philosophie mit abgeschlossener (benoteter) schriftlicher Seminararbeit. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Freie Studienleistungen Kulturwissenschaften MA Freie Studienleistungen Philosophie BA Freie Studienleistungen Philosophie MA Hauptseminar im Bereich Praktische Philosophie Hauptseminar in Ethnologie Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie BA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch / christiane.schildknecht@unilu.ch 28 The anthropology of heritage: an introduction Dozent/in: Peter Larsen, PhD Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Di., 17.09.2019, 12:15 - 14:00, ab 17.09.2019 FRO, 4.B51 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Heritage is today omnipresent from special places, buildings and objects to dances, traditions and cultural practices. It may be natural and cultural, physical and non-physical, dead or alive found in distinct outside places, food practices or inside the walls and vitrines of museums. This course is about its multiple forms and how to make sense of the distinct representations, practices and politics of heritage. We shall look at different forms of heritage, explore different analytical approaches and learn from both local and global cases of heritage-making and contestation. The course is particularly relevant for students considering future work in relation to cultural policy, museum institutions or simply interested in the wide range of heritage dynamics that surround us. Course modalities will include a visit to a local heritage institution, but also exploring the role and practices of heritage in other regional and global policy contexts. Voraussetzungen: Interest in the topic. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Neuzeit Hauptseminar im Bereich Politik und Recht Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte BA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: peter.larsen@unige.ch Literatur Brumann, C. and D. Berliner (2016). UNESCO World Heritage – Grounded? World Heritage on the Ground: Ethnographic Perspectives. Oxford and New York, Berghan. Geismar, H. (2015). Anthropology and heritage regimes. Annual Review of Anthropology, 44. Logan, W., Craith, M. N., & Kockel, U. (Eds.). (2015). A companion to heritage studies (Vol. 28). John Wiley & Sons. Smith, L., & Akagawa, N. (Eds.). (2008). Intangible heritage. Routledge. 29 Ethnographische Perspektiven auf Fast Money und Black Markets Dozent/in: Prof. Dr. Bettina Beer Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mo., 16.09.2019, 12:15 - 14:00, ab 16.09.2019 FRO, HS 11 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Dreams of sudden wealth and “get-rich-quick” schemes are very old in Western history. But they seem to be spreading in global social networks with the increasingly urgent push to find new raw materials and sources of energy to sustain the growth of the world’s economy, and with the increasing circulation of tourists, as people in locations very remote from the centres of hyper-consumption, who had hitherto experienced only trickles of local currency, witness surges of wealth through their regions, as governments and international companies invest vast sums in oil, gas and minerals and industrial-scale cash-cropping. To anthropologists studying change in the local and regional social settings affected by these ventures, global resonances and highly particular local responses interact to produce great analytical challenges. What drives local forms of engagement with these flows of capital and how do local processes of change unfold? How do negotiation, loss and resistance, affect the extent and nature of the changes that occur in local life-worlds? How is strategic engagement with these massive projects shaped by the social fields in place and by the imagination of social fields to come? One common feature of this apparent “casino capitalism” is the advent of “fast money” schemes, on scales ranging from the very local though the national to the international. Often these schemes are difficult to disentangle from state- and bank- sponsored micro-investment projects, especially for local hopefuls concerned to secure their future in a world in which access to sufficient cash is at once vital and difficult. Anthropological approaches have proved important in dissecting the micro-level processes that constitute people's engagement with and understanding of 'fast money' (e.g. pyramid selling schemes), and showing how these speak to broader debates about globalization, financialization, 'friction', capitalism, commodification, resistance, and resource management. We will read ethnographies that reflect on how the populations studied by anthropologists relate to these various manifestations of fast money. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch / Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie MA Hauptseminar im Bereich Politik und Recht Hauptseminar im Bereich Wirtschaft und Ökologie Masterseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Masterseminar im Modul Weltgesellschaft Masterseminar im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Masterseminar in Ethnologie Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft Weitere Studienleistungen im Modul Weltgesellschaft und Weltpolitik Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Kontakt: bettina.beer@unilu.ch Hinweise: Zweisprachig Deutsch / Englisch Literatur Cox, John 2018 Fast Money Schemes. Hope and Deception in Papua New Guinea. Bloomington: Indiana University Press. High, Mette M. 2017 Fear and Fortune. Spirit Worlds and Emerging Economies in the Mongolian Gold Rush. Ithaca, London: Cornell University Press. Schuster, Caroline 2015 Social Collateral: Women and Microfinance in Paraguay's Smuggling Economy. Berkeley: University of California Press. 30 Forschungskolloquium Dozent/in: Dr. des. Tobias Schwörer Durchführender Fachbereich: KSF \ Ethnologie Termine: Wöchentlich Mi., 18.09.2019, 16:15 - 18:00, ab 18.09.2019 FRO, HS 13 Studienstufe: Bachelor / Master / Doktorat Veranstaltungsart: Kolloquium Inhalt: The colloquium presents current on-going research of department members and invited guest speakers on a range of themes and problems. Students are highly encouraged to participate (and receive 2 credit points for this). They may also set-up reading groups, where selected texts are analyzed and discussed for which they receive additional 2 social competency points. Im Kolloquium werden aktuelle Forschungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seminars vorgestellt, aber auch Gäste eingeladen, die von Themen und Problemen aus ihren laufenden Forschungen berichten. Studierende können am Kolloquium teilnehmen und bei regelmäßiger Teilnahme sowie aktiver Vorbereitung 2 CP erhalten. Gründen Studierende eine Lektüregruppe, in der sie jeweils einen ausgewählten Text der Vortragenden lesen und diskutieren, können außerdem 2 Sozialkompetenzpunkte vergeben werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (2 Cr) Kontakt: tobias.schwoerer@doz.unilu.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen 31 Anrechenbare Lehrveranstaltungen aus anderen Fachbereichen "We are not free." Ego-Dokumente nordamerikanischer Indianer Dozent/in: Prof. Dr. phil. Aram Mattioli Durchführender Fachbereich: KSF \ Geschichte Termine: Wöchentlich Mo., 16.09.2019, 14:15 - 16:00, ab 16.09.2019 FRO, 3.B47 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Über Jahrhunderte haben die nordamerikanischen Indianer Wissen und Informationen mündlich tradiert, weil sie keine Schrift im westlichen Sinn kannten. Erst als sie vollständig unter die Kolonialherrschaft der USA und Kanadas geraten waren, begann sich dies im späten 19. Jahrhundert gründlich zu ändern. Im Zuge einer ethnozidalen Politik, die versuchte, den Mitgliedern der First Peoples ihr Indianischsein auszutreiben, um sie völlig in der amerikanischen oder kanadischen Gesellschaft aufgehen zu lassen, mussten die meisten von ihnen das Lesen und Schreiben erlernen. Oft gegen ihren Willen in diese westlichen Kulturtechniken eingewiesen, versetzten sie diese umgekehrt in die Lage, auf neuartige Weise zu kommunizieren. Auf diese Weise entstand seit 1890 eine Unzahl von Ego- Dokumenten, also von Selbstzeugnissen, in denen historische Situationen als persönliche Biographien lesbar sind. Diese Texte geben oft einen tiefen Einblick in indianische Lebenswelten und den Eigensinn von Individuen. Auf schonungslose Weise beleuchten sie auch das an den First Peoples bis in unsere Tage begangene Unrecht. In diesem Masterseminar werden wir uns unter anderem mit den funkelnden, viel zu wenig bekannten Texten von Simon Pokagon, Charles Eastman, Arthur Parker, Luther Standing Bear, Clinton Rickard, Harold Cardinal, Clyde Warrior, Vine Deloria Jr., Mary Crow Dog, Russell Means und anderen auseinandersetzen und sie aus ihren spezifischen Entstehungskontexten heraus deuten. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Geschichte MA Masterseminar aus dem Bereich Neuzeit Masterseminar in Ethnologie Studienschwerpunkt Medienanalyse Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Begrenzung: max. 30 Teilnehmende Kontakt: aram.mattioli@unilu.ch 32 Markt und Märkte: Theorien und Fallbeispiele Dozent/in: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: KSF \ Soziologie Termine: Wöchentlich Do., 26.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 26.09.2019 FRO, 3.B55 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Märkte gelten als zentrale Institutionen in verschiedensten Wirtschaftsformen und Gesellschaften. In einer kurzen Einführung soll die Bandbreite der unterschiedlichen Konzepte und Theorien von Markt skizziert werden. In den darauffolgenden Sitzungen werden Studierende die empirischen Fallbeispiele in Handouts zusammenfassen, in der jeweiligen Sitzung vorstellen und zur Diskussion stellen. Behandelt werden Bauernmärkte auf Java und in Marokko, die räumliche Verteilung von Marktorten in China, globale Warenketten sowie Finanzmärkte, aber auch Märkte ohne Staat, Gewaltmärkte, informelle Ökonomie in Städten und Tauschhandel in Neuguinea. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Soziologie BA Hauptseminar im Modul Organisationen Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Ethnologie & Wirtschaft Hauptseminar im Modul Wahlschwerpunkt Soziologie & Wirtschaft Hauptseminar in Ethnologie Hauptseminar in Soziologie Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Wahlpflichtbereich Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Soziologie BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat + Handouts) (4 Cr) Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Dekolonisation Afrikas Dozent/in: Prof. Dr. Daniel Speich Chassé Durchführender Fachbereich: KSF \ Geschichte Termine: Wöchentlich Di., 17.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 17.09.2019 FRO, 4.B47 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Proseminar Inhalt: Der europäische Imperialismus hat die Welt geprägt. Das Proseminar blickt auf das Ende dieses Ausgreifens und nimmt sich am Beispiel Afrikas das Thema der „Dekolonisation“ vor, das bis heute kontrovers diskutiert wird. Im Zentrum stehen die 1960er-Jahre, als viele afrikanische Länder unabhängig wurden. Am Beispiel dieses zentralen Einschnitts in der Geschichte vieler nicht-europäischer Staaten führt der Kurs in das (global-)historische Denken und Forschen ein. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Geschichte BA Proseminar Einführung in die Ethnologie Proseminar im Bereich Neuzeit Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Geschichte BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (4 Cr) Begrenzung: max. 30 Teilnehmende Kontakt: daniel.speich@unilu.ch Hinweise: Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Studierende der Geschichte und der Kulturwissenschaften mit Major Geschichte im BA-Studium auf Assessmentstufe. Lektüre zur Vorbereitung: Jansen, Jan C. und Jürgen Osterhammel: Dekolonisation. Das Ende der Imperie München 2013. 33 Schreibwerkstatt: Wissenschaftliches Schreiben Dozent/in: Cyrill Mamin, Dr. des. Roman Gibel, MA Katharina Steiner, MA Durchführender Fachbereich: KSF \ Diverse Termine: Wöchentlich Mi., 18.09.2019, 18:15 - 20:00, ab 18.09.2019 FRO, 4.B54 Studienstufe: Bachelor Veranstaltungsart: Methodisches Seminar Inhalt: Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften sind textintensive Disziplinen. Das Lesen, Verstehen und Schreiben von Texten sind Kernkompetenzen eines solchen Studiums. Dies fällt nicht immer allen gleich leicht. Mit praktischen Übungen und Techniken werden in diesem Kurs die Grundlagen des wissenschaftlichen Schreibens vermittelt. Im Fokus steht das Schreiben von Seminararbeiten: Zunächst wird deshalb die Planung und erste Herangehensweise beim Schreiben einer Seminararbeit thematisiert und praktisch umgesetzt (Themenwahl, BetreuerInnen, Fragestellung und Exposé). In einem weiteren Schritt werden Aufbau, Inhaltsverzeichnisse und Zitierregeln behandelt. Darüber hinaus bietet der Kurs Hilfestellungen, Tipps und Tricks (mit Techniken wie Mindmaps, 6-Zeiler, Literaturrecherche). Das Seminar ist fächerübergreifend angelegt und begleitet das Schreiben einer eigenen Seminararbeit. D.h.: Die Studierenden suchen eine Betreuungsperson für eine Pro-/Hauptseminararbeit, die sie in ihrem Studium verpflichtend schreiben müssen. In der Schreibwerkstatt werden keine Arbeiten betreut, sondern reale Seminararbeiten begleitend unterstützt. Voraussetzungen: Weil wir das Gelernte unmittelbar umsetzen, wird erwartet, dass die Studierenden bereit sind, während des Kurses eine Seminararbeit zu verfassen (siehe Kursbeschreibung). Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Ethnologie BA Freie Studienleistungen Geschichte BA Freie Studienleistungen Gesundheitswissenschaften und Gesundheitspolitik BA Freie Studienleistungen Judaistik BA Freie Studienleistungen Kulturwissenschaften BA Freie Studienleistungen Philosophie BA Freie Studienleistungen Politikwissenschaft BA Freie Studienleistungen Soziologie BA Freie Studienleistungen Wissenschaftsforschung BA Methodenseminar in Judaistik (BA) Philosophie: Weitere Leistungen Profilierungsbereich Weitere Studienleistungen im Fach Judaistik BA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat) (2 Cr) Anmeldung: Eine Anmeldung im Uni Portal ist keine Garantie für die Teilnahme. Übersteigt die Anzahl der Anmeldungen die Zahl der verfügbaren Seminarplätze, werden die Seminarplätze unter den angemeldeten und in der ersten Sitzung anwesenden Studierenden verlost. Begrenzung: 30 Studierende. Studierende der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät haben gegenüber Studierenden anderer Fakultäten den Vortritt. Kontakt: katharina.steiner@unilu.ch / roman.gibel@unilu.ch Hinweise: Das Seminar richtet sich hauptsächlich an Studierende des 2. und 3. Semesters (da man für die Teilnahme ein Arbeitsthema und eine Betreuung braucht) sowie an Studierende, denen das Aufgleisen und Schreiben von Seminararbeiten Mühe bereitet. Material: Olat-Plattform Literatur · Eco, Umberto (1990): Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt: Doktor-, Diplom- und Magisterarbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Heidelberg: Müller. (=UTB 1512) · Groebner, Valentin (2012): Wissenschaftssprache. Eine Gebrauchsanweisung. Paderborn: Konstanz University Press (Essay). 34 · Kornmeier, Martin (2013): Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht. Für Bachelor, Master und Dissertation. 6., aktualisierte Aufl. Stuttgart: UTB (UTB, 3154). · Krämer, Walter (1999): Wie schreibe ich eine Seminar- oder Examensarbeit? Frankfurt/Main: Campus. · Kruse, Otto (1994): Keine Angst vorm leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt/Main: Campus. · Kruse, Otto (Hg.) (1998): Handbuch Studieren. Von der Einschreibung bis zum Examen. Frankfurt/Main: Campus. · Reiners, Ludwig (2011): Stilfibel. Der sichere Weg zum guten Deutsch. 3. Aufl., ungekürzte Ausg. München: Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv Sachbuch, 34358). . Schneider, Wolf (2001): Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. 15. Aufl., überarb. Taschenbuchausg. München: Mosaik bei Goldmann Equality, Inequality, Justice: Problems of Contemporary Political Philosophy Dozent/in: Prof. Dr. phil. Martin Hartmann Durchführender Fachbereich: KSF \ Philosophie Termine: Wöchentlich Di., 17.09.2019, 10:15 - 12:00, ab 17.09.2019 FRO, 4.B51 Studienstufe: Bachelor / Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: A recent Oxfam Briefing Paper entitled „An Economy for the 1 %“ claims this: “The global inequality is reaching new extremes. The richest 1 % now have more wealth than the rest of the world combined.” Thomas Piketty, in his best-selling Capital in the Twenty-First Century, writes: “There is no fundamental reason why we should believe that growth is automatically balanced.” If these claims are right economic inequalities are on the rise within comparatively rich countries and between countries. But is this a problem? Are these inequalities unjust or does criticizing them just amount to envy (Hayek)? In this seminar we want to discuss these questions from a philosophical perspective that is open to political and economic arguments. We will deal with the so-called egalitarianism debate and its critique (Dworkin, Cohen, Frankfurt) and will also discuss economic arguments of a more descriptive kind (Piketty). Lastly, we will also discuss social psychological texts that claim the excessive inequalities have overall detrimental effects on a society. If possible teaching staff from the economics department or the political science department will join the course. Voraussetzungen: Besuch von mindestens einem Proseminar in Philosophie mit abgeschlossener (benoteter) schriftlicher Seminararbeit. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: Wöchentlich Sprache: Englisch Anrechnungsmöglichkeit/en: Freie Studienleistungen Philosophie BA Freie Studienleistungen Philosophie MA Hauptseminar im Bereich Praktische Philosophie Hauptseminar in Ethnologie Hauptseminar Philosophie der Ökonomie Profilierungsbereich Wahlmodul Kultur- und Sozialwissenschaften Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie BA Weitere Studienleistungen im Fach Ethnologie MA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie BA Weitere Studienleistungen im Fach Philosophie MA Prüfungsmodus / Credits: Aktive Teilnahme (Referat, Essay, Protokoll) (4 Cr) Kontakt: bea.schuler@unilu.ch Hörer/innen: Offen für Hörer/innen Literatur I. Hirose, Egalitarianism, New York 2014. R. Dworkin, Sovereign Virtue. The Theory and Practice of Equality, Cambridge/Mass. 2000. H. Frankfurt, On Inequality, Princeton 2015. T. Piketty, Capital in the Twenty-First Century, Cambridge/Mass. 2014. G. Cohen, If You’re an Egalitarian, How Come You’re so Rich?, Cambridge/Mass. 2009. Et hn ol og is ch es S em in ar Le hr ve ra ns ta ltu ng en im H er bs ts em es te r 20 19 M O N TA G D IE N ST AG M IT TW O C H D O N N ER ST AG 10 .1 5- 11 .0 0 W er ne r E gl i H au pt se m in ar Et hn ol og ie d es C hr is te nt um s H S1 2 Es th er L ee m an n H au pt se m in ar Ak tu el le D eb at te n in d er W irt sc ha fts et hn ol og ie H S2 La ur a Pr ei ss le r Pr os em in ar Et hn ol og ie d es Le be ns an fa ng s un d –e nd es H S1 3 An ik a Kö ni g H au pt se m in ar An th ro po lo gy o f t he B od y 3. B0 1 11 .1 5- 12 .0 0 12 .1 5- 13 .0 0 W er ne r E gl i Pr os em in ar Ei nf üh ru ng in di e Et hn ol og ie 4. B0 2 Be er B et tin a M as te rs em in ar Et hn og ra ph is ch e Pe rs pe kt iv en a uf Fa st M on ey u nd B la ck M ar ke ts H S1 1 Pe te r L ar se n H au pt se m in ar Th e an th ro po lo gy o f h er ita ge : an in tr od uc tio n 4. B5 1 Be tti na B ee r C hr is tia ne S ch ild kn ec ht H au pt se m in ar K la ss ik er d er A nt hr op ol og ie 4. B0 2 An ik a Kö ni g M et ho de ns em in ar M et ho de n et hn ol og is ch er Fe ld fo rs ch un g 3. B0 1 13 .1 5- 14 .0 0 14 .1 5- 15 .0 0 Be tti na B ee r Vo rle su ng Ei nf üh ru ng in d ie E th no lo gi e 3. A0 5 D on G ar dn er H au pt se m in ar Fu nd am en ta l i ss ue s in c ro ss -c ul tu ra l un de rs ta nd in g 4. B5 4 C la ra B om ba ch Pr os em in ar Fl uc ht fo rs ch un g in d er E th no lo gi e 4. B0 2 Ka th ar in a St ei ne r Pr os em in ar Et hn ol og ie d es S po rt s: “ R ea dy , Se t, G o! ” 3. B0 1 15 .1 5- 16 .0 0 16 .1 5- 17 .0 0 To bi as S ch w ör er Pr os em in ar Ei nf üh ru ng in d ie P ol iti ke th no lo gi e 4. B0 2 To bi as S ch w ör er K ol lo qu iu m H S1 3 M eh di S ah eb i 14 -tä gi g H au pt se m in ar Fe ld fo rs ch un g m it de r K am er a – ei ne E in fü hr un g in d ie vi su el le A nt hr op ol og ie 3. B0 1 17 .1 5- 18 .0 0 18 .1 5- 19 .0 0 Ka th ar in a St ei ne r; C yr ill M am in ; R om an G ib el Sc hr ei bw er ks ta tt: W is se ns ch af tli ch es S ch re ib en 4. B5 4 19 .1 5- 20 .0 0

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    Erstellungsdatum: 23.07.2019

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    Schriftenverzeichnis

    Band 13: Karin Furer, “Teaching about religion” – Religionskunde im Vergleich. Rechtsvergleichende und [...] of interests between gender equality and the freedom of religion in access to leading spiritual [...] . 157 Must the infringement of women’s rights within religions be tolerated? A Swiss perspective, in:

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    Erstellungsdatum: 02.12.2025

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    Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät Lehrveranstaltungen MASTER WELTGESELLSCHAFT UND WELTPOLITIK KOMMENTIERTES VORLESUNGSVERZEICHNIS FRÜHJAHRSSEMESTER 2010 INFORMATION Inhaltsverzeichnis Adressen .................................................................................................................................4 Termine....................................................................................................................................5 Der Masterstudiengang Weltgesellschaft und Weltpolitk: .................................................7 Kurzübersicht der Lehrveranstaltungen ..............................................................................9 Detaillierte Beschreibung der Lehrveranstaltungen .........................................................11 Lehrveranstaltungen Master Weltgesellschaft und Weltpolitik .......................................12 Modul Weltgesellschaft ......................................................................................................12 Modul Weltpolitik................................................................................................................23 Modulübergreifende Veranstaltungen……………………… ………………………………..43 Modul Forschung-Praxis-Methoden...................................................................................46 4 5 Adressen Administration Politikwissenschaftliches Seminar Adresse Hirschmattstrasse 25 Postanschrift Postfach 7992, 6000 Luzern 7 E-Mail-Adresse polsem@unilu.ch Homepage www.unilu.ch/polsem Telefon 041 228 74 00 Fax 041 228 70 92 Sekretariat Trudi Baumann Schürch Büro 511 E-Mail: trudi.baumann@unilu.ch 041 228 74 00 Studienberatung Michael Buess, M.A. Büro 503 Masterstudiengang E-Mail: michael.buess@unilu.ch 041 228 74 03 Leitung Studiengang Prof. Dr. Sandra Lavenex Büro 504 E-Mail: sandra.lavenex@unilu.ch 041 228 77 46 Professur für Internationale Beziehungen und Global Governance beteiligte Seminare KSF Politikwissenschaftliches Seminar E-Mail: polsem@unilu.ch Trudi Baumann Schürch 041 228 74 00 Kultur- und Sozialanthropologisches Seminar E-Mail: ksasem@unilu.ch Luzia Weber 041 228 70 73 Religionswissenschaftliches Seminar E-Mail: relsem@unilu.ch Christine Waghorn-Gmür 041 228 73 88 Soziologisches Seminar E-Mail: sozsem@unilu.ch Alexandra Kratzer 041 228 62 00 Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) E-Mail: antonius.liedhegener@unilu.ch 041 228 70 46 RF Rechtswissenschaftliche Fakultät E-Mail: rf@unilu.ch Carmen Dusi, Lehrplanung 041 228 57 91 Adressen Administration Politikwissenschaftliches Seminar Adresse Hirschmattstrasse 25 Postanschrift Postfach 7992, 6000 Luzern 7 E-Mail-Adresse polsem@unilu.ch Homepage www.unilu.ch/polsem Telefon 041 228 74 00 Fax 041 228 70 92 Sekretariat Trudi Baumann Schürch Büro 511 E-Mail: trudi.baumann@unilu.ch 041 228 74 00 Studienberatung Michael Buess, M.A. Büro 503 Masterstudiengang E-Mail: michael.buess@unilu.ch 041 228 74 03 Leitung Studiengang Prof. Dr. Sandra Lavenex Büro 504 E-Mail: sandra.lavenex@unilu.ch 041 228 77 46 Professur für Internationale Beziehungen und Global Governance beteiligte Seminare KSF Politikwissenschaftliches Seminar E-Mail: polsem@unilu.ch Trudi Baumann Schürch 041 228 74 00 Kultur- und Sozialanthropologisches Seminar E-Mail: ksasem@unilu.ch Luzia Weber 041 228 70 73 Religionswissenschaftliches Seminar E-Mail: relsem@unilu.ch Christine Waghorn-Gmür 041 228 73 88 Soziologisches Seminar E-Mail: sozsem@unilu.ch Alexandra Kratzer 041 228 62 00 Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP) E-Mail: antonius.liedhegener@unilu.ch 041 228 70 46 RF Rechtswissenschaftliche Fakultät E-Mail: rf@unilu.ch Carmen Dusi, Lehrplanung 041 228 57 91 Termine Frühjahrssemester 2010 Lehrveranstaltungen vom 22. Februar bis 2. Juni 2010 Ausfall der Vorlesungen: Fr. 2. bis So 11. April Osterpause Do 13. Mai Christi Himmelfahrt Mo 24. Mai Pfingstmontag Do 3. Juni Fronleichnam (Semesterende) Herbstsemester 2010 Lehrveranstaltungen vom 20. September bis 23. Dezember 2010 Anmeldung Die Anmeldung zum Masterstudium erfolgt über das Uni-Portal (https://portal.unilu.ch). Anmeldefrist ist der 30. April für das Herbstsemester und der 30. November für das Frühjahrssemester. Prüfungstermine Die Anmeldetermine zum Masterverfahren sowie die Prüfungstermine sind auf der Homepage unter http://www.unilu.ch/deu/pruefungen_3214.aspx publiziert. Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen Die Anmeldungen zu den einzelnen Lehrveranstaltungen der KSF erfolgen über das Uni-Portal (https://portal.unilu.ch). Für Veranstaltungen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät (RF) ist keine Anmeldung über das Uni- Portal nötig, resp. möglich. Es wird empfohlen, sich in die Mailingliste (https://mlist-rf.unilu.ch/) der jeweiligen Veranstaltung einzutragen um wichtige Informationen und Dokumente auf diesem Weg zu erhalten. In der Veranstaltung selber wird dann darüber infomiert, wie und wann Sie sich zur Veranstaltungsprüfung verbindlich anmelden können. 6 7 MA Weltgesellschaft und Weltpolitik an der Universität Luzern Profil des Studiengangs Der Studiengang „Weltgesellschaft und Weltpolitik“ vermittelt umfassende und fundierte Kenntnisse über Formen globaler Vergesellschaftung und ihre politische und rechtliche Gestaltung. Es ist interdisziplinär ausgerichtet und kombiniert die soziologische, kultur- und sozialanthropologische, politik- und rechtswissenschaftliche Analyse von Globalisierungsprozessen. Angebote aus diesen vier Fächern füllen die zwei inhaltlichen Module des Studienganges und können in unterschiedlichen Kombinationen und fachlichen Spezialisierungen studiert werden. Im Modul Weltgesellschaft erlaubt die Kombination dieser sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die historische Besonderheit der heutigen Weltgesellschaft herauszuarbeiten. Diese Besonderheit zeigt sich beispielsweise in der Entwicklung globaler Funktionssysteme (wie Ökonomie, Wissenschaft, Religion und Recht), grenzüberschreitender Vernetzung, transnationaler Kommunikation und Mobilität. Neben ihren integrativen Tendenzen ist die Weltgesellschaft aber auch von Konflikt und gewalttätigen Auseinandersetzungen geprägt, welche unterschiedliche Formen der politischen und rechtlichen Bearbeitung finden. Das Modul Weltpolitik konzentriert sich auf die Formen grenzüberschreitender Verregelung und ihre demokratische Legitimität, internatonale Organisationen und Regime, sowie auf Fragen der Migration und Staatsbürgerschaft. Es setzt seinen Schwerpunkt auf die Strukturen des Regierens jenseits des Staates, auf die Analyse der daran beteiligten staatlichen und nicht-staatlichen Akteure sowie auf die Inhalte der daraus resultierenden Regierungsleistungen. Das schliesst die rechtlichen Aspekte zunehmender internationaler Institutionalisierung mit ein. Studierende lernen im Verlauf des Studiums, eigenständige Forschungsfragen zu entwickeln und praktische Problemstellungen zu lösen. Aufbauend auf der Vermittlung methodischer Grundlagen bietet das Forschungs-Praxis-Modul zusätzliche Spezialisierungsmöglichkeiten. Entweder im Rahmen von Veranstaltungen, die zur empirischen Bearbeitung aktueller Themen anleiten, durch wissenschaftliche Workshops, die auch „Praktiker“ aus einschlägigen Organisationen einschliessen können, oder auf der Grundlage eines Praktikums mit anschliessender Auswertung. Ein Praktikum kann in Forschungsprojekten (an der Universität Luzern oder andernorts), in Verbänden und Parteien oder in Non Profit-Organisationen (zum Beispiel NGOs) auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene absolviert werden. Das Praktikum und die dazugehörige Auswertung bieten besondere Möglichkeiten der Verzahnung von Studium und beruflichen Perspektiven. Studieren im Ausland: Internationale Erfahrungen sind wichtig, und ein Studium bietet hier ausgezeichnete Möglichkeiten. Studierende, die ein Semester an einer ausländischen Universität studieren möchten, werden in ihrem Vorhaben unterstützt. In sämtlichen Bereichen können Credit Points auch an anderen Universitäten erworben werden, so dass das MA-Studium auch bei einem geplanten Auslandsstudium innerhalb von 4 Semestern absolviert werden kann. Das Studium umfasst insgesamt 120 Credit Points (CP) gemäss ECTS. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester; ein Teilzeit-Studium von entsprechend längerer Dauer ist möglich. Qualifikation und Perspektiven Aufgrund des interdisziplinären Zuschnitts des Schwerpunkts Weltgesellschaft und Weltpolitik sind die erworbenen Kompetenzen in vielen Bereichen einsetzbar. AbsolventInnen qualifizieren sich für obere Kaderpositionen sowie für eine akademische Laufbahn, die auch Anschlüsse an das Promotionsstudium einschlägiger Disziplinen eröffnet (z.B. Soziologie, Politikwissenschaft, Kultur- und Sozialanthropologie). Gleichzeitig können individuelle Schwerpunktsetzungen verfolgt werden, die wesentlich für die Persönlichkeits- und für die fachliche Entwicklung sind. Zulassungsvoraussetzungen und Anmeldung Für das Masterstudienprogramm Weltpolitik und Weltgesellschaft müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: - ein abgeschlossenes Hochschulstudium (i. d. R. Bachelor), - mindestens 60 CP in einer dieser Studienrichtungen: Kultur- und Sozialanthropologie (oder Ethnologie), Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Soziologie, Gesellschafts- und Kommunikations- wissenschaften, oder Geschichte. Die Anmeldung zum Masterstudium erfolgt über das Uni-Portal (https://portal.unilu.ch). Anmeldefrist ist der 30. April für das Herbstsemester und der 30. November für das Frühjahrs- semester. Mehr Informationen zum Studiengang finden Sie auf: http://www.unilu.ch/deu/programm-weltgesellschaft-und-weltpolitik_330454.aspx 8 9 Der Masterstudiengang Weltgesellschaft und Weltpolitik Musterstudienplan MA Weltgesellschaft und Weltpolitik Art der Veranstaltung Beschreibung CP Gesamtanzahl CP 120 I Masterabschluss Mündliche Masterprüfung 10 Masterarbeit 30 II Studienleistungen in den Modulen Weltgesellschaft und Weltpolitik VL 2 VL 2 MAS mit schriftlicher Masterseminararbeit 8 MAS mit schriftlicher Masterseminararbeit 8 Forschungskolloquium 4 Weitere Studienleistungen 10 III Studienleistungen aus dem Master-Lehrangebot der KSF 2 VL oder 1 HS / MAS 4 HS oder MAS mit schriftlicher Seminararbeit 8 IV Studienleistungen im Modul Forschung-Praxis-Methoden Allgemeine Methodenlehre HS oder MAS mit schriftlicher Seminararbeit 8 Variante 1: Berufs- und Forschungspraxis Praktikum Absolvierung eines selbst organisierten Praktikums von mind. 8 Wochen Vollzeit 14 Methodische Forschungsarbeit 8 Variante 2: Methodische Spezialisierung Weitere Studienleistungen aus dem methodisch-empirischen Lehrangebot der KSF 14 Methodische Forschungsarbeit 8 V Sozialkompetenz Sozialkompetenz 4 CP = Credit Points MAS = Masterseminar VL = Vorlesung HS = Hauptseminar Diese Übersicht der Studienleistungen bezieht sich auf die Angaben der Studien- und Prüfungsordnung vom 15. März 2006, 2. Revision sowie auf die entsprechenden Wegleitungen (download unter www.unilu.ch/ksf). Kurzübersicht der Lehrveranstaltungen A n r e c h e n b a r f ü r M a s t e r m o d u l „ W e l t g e s e l l s c h a f t “ Veran- staltung Dozent/in: Titel Zeit VL Beer: Soziale und sexuelle Reproduktion Do 10.15 – 12.00 VL Behloul: Islam – Vom Stammes-Ethos zur Weltreligion Do 10.15 – 12.00 HS Endres: Clash of Civilizations – Konzept, Kritik und Anlternativmodelle von Religion und Globalpolitik Blockveranstaltung HS Marchart: Forschungsseminar Soziale Bewegungen in Theorie und Feldforschung Do 10.15 – 12.00 HS Marchart: Konflikt und Gesellschaft Mi 13.15 – 15.00 HS Stichweh: Theorie der Weltgesellschaft Di 10.15 – 12.00 MAS Beer/Mattioli: Fremdenbilder in Wissenschaft und deutschsprachiger Populärkultur 1870 - 1950 Mo 15.15 – 17.00 MAS Holzer/Werron: Medien und Globalisierung Blockveranstaltung MAS Behloul: Religion(en) in gesellschaftlichen Kontexten und öffentlichen Diskurs-Arenen Do 15.15 – 17.00 MAS Carruthers: The Sociology of Financial Crisis Blockveranstaltung MAS Hasse: Zivilgesellschaft, Non-Profit-Organisationen und Corporate Social Responsibility Di 10.15 – 12.00 A n r e c h e n b a r f ü r M a s t e r m o d u l „ W e l t p o l i t i k “ Veran- staltung Dozent/in: Titel Zeit VL Blatter: Handlungs- und Institutionstheorien Mi 10.15 – 12.00 VL Caroni: International Humanitarian Law Mi 08.15 – 10.00 VL Caroni: International Human Rights Law Mi 10.15 – 12.00 VL Heselhaus: Moderne demokratische Grundrecht in Europa Do 15.15 – 17.00 VL Lehmkuhl: Vergleichende Regionale Integration Do 08.15 – 10.00 VL Morawa: Modern Foreign Relations Law and Diplomacy Mo 13.15 – 15.00 VL Morawa: The Quest of Justice: The Transition to a Democratic Society Blockveranstaltung VL Speich: Geschichte des Nord-Süd-Konflikts. Konzeptionen und Wirkungen einer globalen Differenz Do 10.15 - 12.00 HS Bächtiger: Vergleichende Demokratisierung Mo 10.15 – 12.00 HS Beer: Lektürekurs: Aktuelle Diskussionen in der Politik- und Rechtsethnologie Do 13.15 - 15.00 HS Helbling: Akteure in gegenwärtigen Gewaltkonflikten Mi 10.15 – 12.00 HS Kunz: International Political Economy of Development Di 13.15 – 15.00 HS Linder: Politische Integration in der multikulturellen Di 17.15 – 19.00 10 11 Gesellschaft – am Beispiel schweizerischer Demokratie HS Milan: Democracy, Cosmopolitanism and the Global Civil Society Blockveranstaltung HS Schwörer: Pazifizierungsprozesse im Vergleich Di 10.15 - 12.00 HS Viefhues: Gender, Citizenship and Religion in the Secular State Blockveranstaltung MAS Blatter: Migration, Staatsbürgerschaft und Demokratie / Forschungsseminar Mi 13.15 – 15.00 MAS Liedhegener: Religion, Parteien und Wahlen im transnationalen Vergleich Do 13.15 – 15.00 M o d u l ü b e r g r e i f e n d e V e r a n s t a l t u n g e n Veran- staltung Dozent/in: Titel Zeit KOL Blatter: Kolloquium für Bachelor- und Masterabschlussarbeiten Mo 17.15 – 19.00 KOL Stichweh: Master- und Doktorierendenkolloquium Forschungsseminar Mi 15.15 – 17.00 14-tägig Workshop Stichweh: Workshop zum Thema „Wie inklusiv ist die Weltgesellschaft“ Fr, 30.04. 10.15 – 16.30 A n r e c h e n b a r f ü r M a s t e r m o d u l „ F o r s c h u n g - P r a x i s - M e t h o d e n “ Veran- staltung Dozent/in: Titel Zeit HS Manderscheid: Inhaltsanalyse Do 15.15 – 17.00 MAS Blatter: Migration, Staatsbürgerschaft und Demokratie / Forschungsseminar Mi 13.15 – 15.00 MAS Diaz-Bone: Sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse II Do 13.15 – 15.00 MAS Diaz-Bone/Kirchschlager: Begleitveranstaltung zum Praktikum im Mastermodul Do 17.15 – 19.00, 14-tägig KOL Diaz-Bone: Masterkolloquium Methoden Do 17.15 – 19.00, 14-tägig Legende VL Vorlesung HS Hauptseminar MAS Masterseminar KOL Masterkolloquium Detaillierte Beschreibung der Lehrveranstaltungen Modul Weltgesellschaft Soziale und sexuelle Reproduktion Dozentin: Prof. Dr. Bettina Beer Durchführender Fachbereich: Kultur- und Sozialanthropologie Termine: Wöchentlich Do, 10.15 - 12.00, ab 25.02.2010 PFI, HS 4 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Diese Vorlesung gehört in den Bereich Einführung in Teilgebiete der Ethnologie des BA-Studienganges Kultur- und Sozialanthropologie/ Ethnologie und wird in regelmäßigen Abständen angeboten. Verwandtschaft ist das wichtigste Organisationsprinzip nicht-staatlicher Gesellschaften. Beziehungen zwischen Menschen aufgrund von Geburt und Ehe sind die Grundlage für Gruppenzuordnung und Heiratsregelung, Landrechte und Erbrecht, Siedlung und Wohnen, Krieg und Kult, Freundschaft und Feind- schaft und viele andere Bereiche. Dabei sind die Konzepte von Verwandt- schaft zum einen in Bedingungen der sozialen Reproduktion (Geschlecht, Geburt und Kindschaft), zum anderen in lokalen Vorstellungen von Körper und Ideologien (Ursprung, Abstammung und Vaterschaft) begründet. Das Interesse an Verwandtschaft stand am Anfang der sich etablierenden Ethnologie (Johann Jakob Bachofen, Lewis Henry Morgan, Sir Henry Maine und viele andere), es blieb spezieller Arbeitsbereich dieser Disziplin und von großer Bedeutung für den Zugang zu außereuropäischen Kulturen. Theoretische Auseinandersetzungen in der Ethnologie waren eng mit Diskussionen über Verwandtschaft, über die Universalität oder Relativität sozialer Institutionen (etwa Blutsverwandtschaft und Ehe) verbunden. Geschlecht ist eine zentrale Kategorie verwandtschaftlicher Beziehungen. Seit den 1990er Jahren haben sich Verwandtschaftsethnologie und ethnologische Gender-Forschung deshalb auch zunehmend miteinander verbunden. Heute werden dadurch angestoßen beispielsweise Forschungen zu neuen Reproduktionstechnologien und veränderten verwandtschaftlichen Bindungen durchgeführt. Die Vorlesung ist als Einführung für Hörer ohne Voraussetzungen konzipiert. Vorgestellt werden – ausgehend von europäischen Konzepten und Wertungen – Abstammungsrechnungen und Verwandtschaftsgruppen, Heirats- und Wohnfolgeregelungen, Prinzipien der Verwandtschafts- Terminologie, Familie und Haushalt sowie auf Verwandtschaft bezogene Ideologien und religiöse Vorstellungen. Ausgegangen wird jeweils von ethnographischen Einzelbeispielen, aus denen allgemeine Probleme und Prinzipien, Terminologie und Theorie abgeleitet werden. Für Studierende höherer Semester ist es möglich, anknüpfend an die Vorlesung einzelne Themen vertiefend zu behandeln und darüber eine Seminararbeit zu schreiben. Themen: Konzeptionsvorstellungen Vaterschaft und Mutterschaft Abstammungsrechungen, Filiation und Deszendenz Genealogien und die Genealogische Methode 12 13 lineare und laterale Verwandtschaft Lineage, Sippe, Klan, Moiety Heirat und Ehe Wohnfolgeregelungen Familienformen Verwandtschafts-Terminologie Adoption, rituelle und künstliche Verwandtschaft Relatedness und neue Tendenzen der Netzwerkanalyse Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Unbenotete Prüfung / 2 Kontakt: bettina.beer@unilu.ch Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Literatur - Barnard, Alan, and Anthony Good 1984. Research practices in the study of kinship. London: Academic Press. - Carsten, J. (Hg.) 2000. Cultures of Relatedness. New Approaches to the Study of Kinship. Cambridge: Cambridge University Press. - Carsten, J. 2003. After Kinship (New Departures in Anthropology). Cambridge: Cambridge University Press. - Feinberg, R. & Oppenheimer, M. (Hg.) 2001. The Cultural Analysis of Kinship. The Legacy of David M. Schneider. Urbana und Chicago: Univ. of Illinois Press. - Fischer, H. 1996. Lehrbuch der Genealogischen Methode. Berlin: Reimer. - Goodwin, R. 1999. Personal Relationships across Cultures. London und New York: Routledge. - Holy, L. 1996. Anthropological Perspectives on Kinship. London: Pluto Press. - Parkin, R. 1997. Kinship. An Introduction to Basic Concepts. Oxford: Blackwell. - Schweitzer, P. P. (Hg.) 2000. Dividends of Kinship. Meanings and Uses of Social Relatedness. London und New York: Routledge. - Schwimmer, B. 1995-2003. Kinship and Social Organization. An Interactive Tutorial. http://www.umanitoba.ca/faculties/arts/anthropology/kintitle.html. Department of Anthropology, University of Manitoba. - Vowinckel, G. 1995. Verwandtschaft, Freundschaft und die Gesellschaft der Fremden. Grundlagen menschlichen Zusammenlebens. Darmstadt: Wissenschaftl. Buchgesellschaft. Islam - Vom Stammes-Ethos zur Weltreligion. Einführung in die Hauptphasen der geschichtlichen Entwicklung des Islam Dozent: Dr. phil., lic. theol. Samuel-Martin Behloul Durchführender Fachbereich: Religionswissenschaft Termine: Wöchentlich Do, 10.15 - 12.00, ab 25.02.2010 PFI, HS 1 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptvorlesung Inhalt: Trotz grosser gesellschaftlicher Relevanz des Themas Islam, ist im Westen wenig über die innere kulturelle Vielfalt der Weltreligion Islam und ihre Angehörige bekannt. Die ins Rampenlicht gerückten politischen Ereignisse im Zusammenhang mit dem militanten Islamismus haben den Blick auf die Religion des Islam und ihre Angehörige eher verstellt. In der öffentlichen Wahrnehmung stellen Islam und Muslime ein homogenes und im Kern unwandelbares religiös-dogmatisches System dar. Ein genauerer Blick in die Kultur- und Geistesgeschichte des islam hingegen zeigt, dass die Religion des Islam seit der frühesten Zeit ihrer Entstehungsgeschichte in einem offenen Austausch mit anderen Religionen und Kulturen stand. Ziel der Vorlesung ist es, überblicksartig religionsgeschichtliche Kenntnisse zu dem Entstehungskontext und den Entwicklungsbedingungen der islamischen Religion zu vermitteln und wichtigste Begriffe sowie grundlegende Lehrkonzepte und Richtungen innerhalb des Islam vorzustellen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf interreligiösen und interkulturellen Verflechtungen liegen, die für die Entstehungs- und Ausbreitungsphase des Islam prägend waren. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: regelmässige Teilnahme und schriftliche Prüfung / 2 Kontakt: samuel-martin.behloul@unilu.ch Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen 14 15 Clash of Civilizations - Konzept, Kritik und Alternativmodelle von Religion und Globalpolitik Dozent: Dr. Juergen Endres Durchführender Fachbereich: Religionswissenschaft Vorbesprechung: Fr, 05.03.2010, 13.15 - 17.00 PFI, HS 3 Fr, 26.03.2010, 13.15 - 18.00, Sa, 27.03.2010, 09.15 - 12.00, Fr, 23.04.2010, 13.15 - 18.00, Sa, 24.04.2010, 09.15 - 12.00, Fr, 21.05.2010, 13.15 - 16.00 PFI, HS 3 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Mit Samuel P. Huntingtons 1993 vorgelegten Konzept des "Clash of Civilizations" gerieten "Kultur" und "Religion" unmittelbar zu zentralen und oftmals bestimmenden Faktoren der internationalen Politik und ihrer wissenschaftlichen Analyse. Während die einen das Konzept des "Kampfes der Kulturen" begeistert aufnahmen, distanzierten sich etliche andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedensten Disziplinen vehement von dem Konzept und brachten Alternativmodelle in die Diskussion um die Bedeutung und Reichweite von "Kultur" und "Religion" für die Politik ein. Ziel des Hauptseminars ist vor diesem Hintergrund die kritische Analyse des Huntingtonschen Konzepts wie auch die Diskussion alternativer Paradigmen der internationalen Politik. Folgende Teilnahmebedingungen gelten: regelmässige Teilnahme, Pflichtlektüre und Übernahme eines Referates. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: Blockseminar s. Semesterbroschüre Sprache: Deutsch Material: s. Semesterapparat Forschungsseminar Soziale Bewegungen in Theorie und Feldforschung Dozent: Ass.-Prof. Dr. Oliver Marchart Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: Wöchentlich Do, 10.15 - 12.00, ab 25.02.2010, PFI, K 1 Termin: Do, 27.05.2010, 13.15 - 17.00 PFI, HS 4 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: In dem Seminar wird die Funktion und Rolle gegenwärtiger Sozialer Bewegungen theoretisch und forschungspraktisch durchleuchtet. Dabei stehen sog. „post-identitäre“ Bewegungen im Zentrum, d.h. Bewegungen, die keine Identitätspolitik betreiben (um die eigene Identität - wie „race“, class, gender - zu stärken), sondern die eigene Identität gerade problematisieren. Am Beispiel einer dieser Bewegungen, der sog. EuroMayDay-Bewegung, die in bislang 40 europäischen Städten jedes Jahr alternative Demonstrationen zum 1. Mai veranstaltet, sollen die entwickelten Thesen vor Ort forschungspraktisch getestet werden. Voraussetzungen: Besuch eines Proseminars. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme, 1-tägige Feldforschung und Präsentation / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: oliver.marchart@unilu.ch Hinweise: Das Seminar beinhaltet die ethnographische und diskursanalytische Arbeit im Feld (am 1. Mai) und die Präsentation der Ergebnisse. Material: Die Texte werden in einem Reader zu Verfügung gestellt. Literatur - Sylvia Riedmann: „Lasset uns beten …! MayDay-Mobilisierung zwischen Kultur und Politik“, in Oliver Marchart, Rupert Weinzierl (Hg.): Stand der Bewegung. Protest, Globalisierung, Demokratie, Münster: Westfälisches Dampfboot 2006, 45-60. 16 17 Konflikt und Gesellschaft Dozent: Ass.-Prof. Dr. Oliver Marchart Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: Wöchentlich Mi, 13.15 - 15.00, ab 24.02.2010 PFI, HS 1 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Das Seminar will mit Theorien sozialen Konflikts vertraut machen. Diese sollen ausgehend von der Hypothese gelesen werden, dass es sich bei Konflikt – wie er etwa von sozialen Bewegungen angestossen wird – um ein Medium der Gesellschaft handelt. Im Anschluss an poststrukturalistische Sozialtheorien sollen schließlich neuere Konzepte sozialen Konflikts genauer untersucht werden: so z.B. das diskurstheoretische Konzept des „Antagonismus“ (Laclau/Mouffe), das Foucault’sche der „Schlacht“ oder das postmoderne des „Widerstreits“ (Lyotard). Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: oliver.marchart@unilu.ch Material: Die Texte werden in einem Reader zu Verfügung gestellt. Literatur - Urs Stäheli: Poststrukturalistische Soziologien, Bielefeld 2000. - Ernesto Laclau/Chantal Mouffe: Hegemonie und radikale Demokratie, Wien 1991. Theorie der Weltgesellschaft Dozent: Prof. Dr. rer. soc. Rudolf Stichweh Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: Wöchentlich Di, 10.15 - 12.00, ab 23.02.2010 PFI, HS 3 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Das Seminar schliesst an die im HS 09 gehaltene Vorlesung „Theorie der Weltgesellschaft“ an (die vorherige Teilnahme an dieser Vorlesung ist keine Bedingung) und vertieft und erweitert das Themenspektrum dieser Vorlesung. Denkbare Themen der Veranstaltung sind: Globalisierung einzelner Funktionssysteme; ‚Small World’ Theorie als Theorie der Weltgesellschaft; Weltkriege und andere Typen von Weltereignissen seit dem 18. Jh.; ‚Global Cities’ und die Formen der Kontrolle des Raums; Tourismus als Weltsystem; Intimbeziehungen und Familien als globale Semantik und Struktur. Ausser Sachthemen kommen auch konzeptionell und / oder empirisch wichtige Bücher und Aufsätze als Diskussionsgegenstand einzelner Sitzungen in Frage. Die Teilnehmer werden ausdrücklich gebeten, eigene Vorschläge einzubringen. Voraussetzungen: Die Teilnehmer sollten sich bereits mit Fragen der Globalisierungstheorie / der Theorie der Weltgesellschaft befasst haben. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat/Essay) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: rudolf.stichweh@unilu.ch Material: OLAT Literatur Der Veranstalter wird in der ersten Sitzung eine Themenliste mit zugeordneter Literatur mitbringen. Auf dieser Basis wird der detaillierte Themenplan festgelegt. 18 19 Fremdenbilder in Wissenschaft und deutschsprachiger Populärkultur 1870 - 1950 Dozenten: Prof. Dr. Bettina Beer Prof. Dr. Aram Mattioli Durchführender Fachbereich: Geschichte Termine: Wöchentlich Mo, 15.15 - 17.00, ab 22.02.2010 PFI, HS 4 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: In diesem Masterseminar steht die Vermittlung von Fremdenbildern im deutschsprachigen Raum zwischen 1870 und 1950 im Mittelpunkt. Deren Verbreitung geschah in unterschiedlichsten Medien: Neben wissenschaftlichen Publikationen, Sammlungen und Museen spielten Völkerschauen, Varieté-Darbietungen, Malerei, Literatur, Postkarten, Reiseberichte, Berichte von Kolonialbeamten, Händlern sowie Missionaren und auch Filme und Fotos eine Rolle. Entsprechend sollen Fremdenbilder in diesen verschiedenen Darstellungsformen im Seminar analysiert werden. Dabei werden wir "Wissenschaft" und "Populärkultur" als nicht scharf voneinander abgegrenzt betrachten, das Ineinandergreifen beider Bereiche und die sich wandelnde Rezeption berücksichtigen. Auch die Erwartungen der Öffentlichkeit und deren Welchselwirkungen mit der Repräsentation von Fremdheit wird berücksichtigt. Einige der Quellen sind bereits gut untersucht, andere sind nur in Ansätzen aufgearbeitet. Für Studierende höherer Semester bietet das die Gelegenheit, sich in Themen für mögliche Abschlussarbeiten einzuarbeiten und neue Quellen zu erschließen. Voraussetzungen: Abschluss des BA-Studiums Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 zusätzliche schriftliche, benotete Seminararbeit / 4 zusätzliche, schriftliche, benotete Seminararbeit / 4 Begrenzung: Max. 30 TeilnehmerInnen Gasthörer/innen: Teilnahme nach Vereinbarung Literatur - Fischer, Hans 2003. Randfiguren der Ethnologie. Gelehrte und Amateure, Schwindler und Phantasten. Berlin: Reimer. - Geulen, Christian 2007. Geschichte des Rassismus. München: Beck. - Petermann, Werner 2004. Die Geschichte der Ethnologie. Wuppertal: Peter Hammer Verlag. - Theye, Thomas, ed. 1985. Wir und die Wilden. Einblicke in eine kannibalische Beziehung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. Medien und Globalisierung Dozenten: Ph. D. Boris Holzer / Dr. des. Tobias Werron Durchführender Fachbereich: Soziologie Vorbesprechung: Fr, 26.02.2010, 12.15 - 14.00 PFI, HS 4 Fr, 19.03.2010, 10.15 - 12.00, Fr, 19.03.2010, 13.15 - 17.00, Sa, 20.03.2010, 09.15 - 12.00, Sa, 20.03.2010, 13.15 - 16.00, Fr, 14.05.2010, 10.15 - 12.00, Fr, 14.05.2010, 13.15 - 17.00, Sa, 15.05.2010, 09.15 - 12.00, Sa, 15.05.2010, 13.15 - 16.00 PFI, HS 4 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Die Geschichte der Globalisierung hängt eng zusammen mit der Entwicklung von Kommunikationsmedien. Globalisierung als „Intensivierung weltweiter sozialer Beziehungen“ (Giddens) setzt voraus, dass man auch über größere Distanzen hinweg miteinander in Kontakt treten kann. Während es dazu lange Zeit erforderlich war, dass Menschen reisen, stehen mittlerweile vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, auch unter Verzicht auf körperliche Kopräsenz miteinander zu kommunizieren. Dies gilt bereits für Schrift und Buchdruck, gewinnt jedoch eine neue Qualität mit den Technologien der Telekommunikation, die seit dem mittleren 19. Jahrhundert in rascher Folge erfunden wurden und schnelle Verbreitung fanden, von der Telegraphie über Telefon, Radio und Fernsehen bis zum Internet. Angesichts der gleichzeitig stattfindenden gesellschaftlichen Umbrüche stellt sich die Frage, wie einzelne Globalisierungsprozesse, wie z.B. die Ausbreitung von Religionen und die Globalisierung von Wirtschaft und Politik, durch diese Kommunikationstechnologien beeinflusst und befördert wurden. Über die Förderung weltweiter Vernetzung hinaus hat die zunehmende Verbreitung und Geschwindigkeit neuer Kommunikationstechnologie auch die Beobachtung von Globalität verändert: „Weltereignisse“ finden ein globales Publikum, und das Internet hat die Bedeutung territorialer Grenzen auch und gerade für die Alltagskommunikation erheblich reduziert. In dem Seminar wollen wir diskutieren, welche Schlüsse eine soziologische Theorie der Weltgesellschaft aus der Analyse der Interdependenzen und historischen Parallelen von Globalisierungsdynamiken und Medienevolution ziehen könnte. Voraussetzungen: Studierende im MA-Studium. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: boris.holzer@uni-bielefeld.de, tobias.werron@uni-bielefeld.de Literatur - Calhoun, C. (1998): Community without propinquity revisited: communications technology and the transformation of the urban public sphere, in Sociological Inquiry, 68 (3), S. 373-393 - Standage, T. (1999): Das viktorianische Internet, St. Gallen/Zürich: Midas - Stichweh, R. (2000): Die Weltgesellschaft. Soziologische Analysen, Frankfurt/Main: Suhrkamp 20 21 Religion(en) in gesellschaftlichen Kontexten und öffentlichen Diskurs-Arenen. Diskurstheorie und Dynamiken von Religionsgeschichte und -gegenwart. Dozent: Dr. phil., lic. theol. Samuel-Martin Behloul Durchführender Fachbereich: Religionswissenschaft Termine: Wöchentlich Do, 15.15 - 17.00, ab 25.02.2010 GIB, 010G Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Die Geschichte und die Gegenwart grosser Religionstraditionen spielen sich an geographisch verschiedenen Orten und in kulturell und gesellschaftpolitisch unterschiedlichen Kontexten ab. Auf vielfältige Weise in diese Kontexte sowie öffentliche Diskursarenen eingebunden, bringen Religionen im Laufe ihrer Entwicklung eine grosse Vielfalt von Glaubensvorstellungen, theologischen Lehren und rituellen Praktiken hervor. Das Ziel des Masterseminars ist es, an ausgewählten Beispielen aus Geschichte und Gegenwart einzelner Religionskulturen in diachron- vergleichender Perspektive das Eingebundensein von Religionen in die sich wandelnenden religiös-kulturellen und gesellschaftspolitischen Rahmendaten ihres jeweiligen Erfahrungsraumes aufzuzeigen. Dabei soll nach der Relevanz des diskursanalytischen Models von Michel Foucault als Forschungsperspektive für die Analyse transkultureller, transhistorischer und transreligiöser Deutungskonzepte, die die Religionsgeschichte kennzeichnen, gefragt werden. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: regelmässige aktive Teilnahme mit Referat / 4 benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: samuel-martin.behloul@unilu.ch The Sociology of Financial Crisis Dozent: Prof. Bruce G. Carruthers Durchführender Fachbereich: Sozioloige Vorbesprechung: Mo, 22.03.2010, 08.15 - 15.00 HK, Heke Di, 23.03.2010, 08.15 - 15.00 LOE, U 0.05 Mi, 24.03.2010, 08.15 - 17.00 HK, Heke Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: This course offers a sociological perspective on the recent financial crisis that began in the U.S. subprime mortgage market and spread worldwide. Financial markets are characterized by what economists call “asymmetries of information.” This means that knowledge about the value of financial assets, and how to assess that value, is unevenly distributed. Such asymmetries raise questions in the sociology of knowledge. Without sufficient confidence in the worth of such assets, or in the trustworthiness of debtors, market liquidity disappears. Without sufficient confidence or trust, financial markets will cease to function. This course will focus on the institutions and devices that underpin market cognition (for example, credit ratings), and how these failed to perform in the current crisis. In order to understand the context for the crisis, we will also examine the politics of mortgage-lending, financial market deregulation, disintermediation and “financialization.” Voraussetzungen: Studierende im Masterstudium. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: b-carruthers@northwestern.edu Hinweise: Die Vorbesprechung findet am Di, 23. 2., 12.15 - 13.00 h im Raum K1 (Pfistergasse 20) statt. Literatur - Preliminary reading list: - Brunnermeier, Markus. 2009. “Deciphering the Liquidity and Credit Crunch 2007-2008,” Journal of Economic Perspectives 23(1): 77-100. - Carruthers, Bruce G. 2009. “A Sociology of Bubbles,” Contexts 8(3). - Carruthers, Bruce G. and Arthur Stinchcombe. 1999. “The Social Structure of Liquidity: Flexibility in Markets and States,” Theory and Society, 28(3): 353-382. - Davis, Gerald. 2009. Managed by the Markets: How Finance Re-Shaped America. New York: Oxford University Press. - Krippner, Greta R. 2005. “The Financialization of the American Economy,” Socio-Economic Review 3: 173-208. - MacKenzie, Donald. 2009. “All Those Arrows,” London Review of Books 25 June 2009. - MacKenzie, Donald. 2008. “End-of-the-World-Trade,” London Review of Books 8 May 2008. - MacKenzie, Donald and Yuval Millo. 2003. “Constructing a Market, Performing Theory: The Historical Sociology of a Financial Derivatives Exchange,” American Journal of Sociology 109(1): 107-145. - Sinclair, Timothy J. 2005. The New Masters of Capital: American Bond Rating Agencies and the Politics of Creditworthiness. Ithaca NY: Cornell University Press. 22 23 Zivilgesellschaft, Non-Profit-Organisationen und Corporate Social Responsibility Dozent: Prof. Dr. Raimund Hasse Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: Wöchentlich Di, 10.15 - 12.00, ab 23.02.2010 PIL, P1 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Das Seminar beschäftigt sich mit Organisationsformen der Zivilgesellschaft. Nachdem in einem ersten Schritt auf Grundzüge des Konzepts der Zivilgesellschaft eingegangen worden ist, steht die Auseinandersetzung mit einem Organisationstypus im Zentrum der Aufmerksamkeit, der durch eine doppelte Abgrenzung gekennzeichnet ist. Sog. Non Profit-Organisationen sind weder gewinnorientiert, noch handelt es sich um öffentliche Einrichtungen. Non Profit Organisationen sind ein wichtiges Merkmal der gegenwärtigen Gesellschaft, weil sie etwa im Bereich der Sozialpolitik oder in der Kulturpolitik, zentrale Leistungserbringer sind. In einem zweiten Schritt werden Wirtschaftsorganisationen berücksichtigt. Dabei steht die Frage nach Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen sog. Corporate Social Responsibility im Zentrum der Aufmerksamkeit. Voraussetzungen: Studierende des MA-Studiums. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: raimund.hasse@unilu.ch Literatur - Anheier, H., 1999, Der Dritte Sektor im internationalen Vergleich. In: Berliner Journal für Soziologie 9: 197-212 - Clarke, L./Estes, C.L., 1992, Sociological and Economic Theories of Markets and Non-Profits. In: American Journal of Sociology 97: 945-969 - Frumkin, P., 2002, On Being Nonprofit. Harvard, MA: Harvard University Press. - Powell, W.W. & Clemens, E. (eds.), 1998, Private Action and the Public Good. Yale, CT: Yale University Press. - Smith, S.R./Lipsky, M., 1993, Nonprofits for Hire: The Welfare State in the Age of Contracting. Cambridge, MA: Harvard University Press. - Weisbrod, T.A., 1998, To profit or not to profit. The Commercial Transformation of the Nonprofit Sector. Cambridge: Cambridge University Press. Modul Weltpolitik Handlungs- und Institutionstheorien Dozent: Prof. Dr. Joachim Blatter Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Wöchentlich Mi, 10.15 - 12.00, ab 24.02.2010 GIB, 010G Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Wie kann man politische Entscheidungen, wie z.B. die Wahl eines Bundesrates im Parlament oder das Verhalten der Schweizer Regierung in internationalen Verhandlungen (z.B. im Steuerstreit, in den Klimaverhandlungen oder im Umgang mit M. Gaddafi) erklären? In der Politikwissenschaft basieren Erklärungen üblicherweise auf einer Handlungstheorie und den entsprechenden strukturellen Rahmenbedingungen, die das Handeln der Akteure beeinflussen. Bei den Handlungstheorien greift die Politikwissenschaft auf die beiden klassischen Menschenbilder der Sozialwissenschaften, den homo oeconomicus und den homo sociologicus zurück. Der homo oeconomicus versucht, durch strategisches Handeln seine Interessen umzusetzen, der homo sociologicus folgt dagegen den Normen, die er infolge seiner Rolle und/oder seiner Identität als angemessen empfindet. Aus der Philosophie, der Psychologie und den Kulturwissenschaften wurden weitere handlungstheoretische Modelle entwickelt, die in einer durch Information und Kommunikation gekennzeichneten Gesellschaft Relevanz besitzen, so z.B. das verständigungsorientierte Handeln, das rhetorische Handeln, das emotionale, das kreative und das symbolische Handeln. Bei diesen verschiedenen Handlungstheorien sind jeweils typische Strukturen relevant, welche, wenn sie eine gewisse zeitliche Stabilität besitzen, in den Sozialwissenschaften als Institutionen bezeichnet werden. Für den homo oeconomicus sind das formale Organisations- und Entscheidungsregeln, für den homo sociologicus z.B. Traditionen oder Routinen, während bei den anderen Theorien kommunikative Strukturen wie Konventionen, Leitbilder oder hegemoniale Diskurse im Vordergrund stehen. Die Veranstaltung ist zweistufig aufgebaut. Zuerst werden die verschiedenen Handlungstheorien dargestellt und verglichen. Im zweiten Teil wird dann gezeigt, wie man mit entsprechenden Institutionentheorien politische Prozesse und Ergebnisse verstehen und analysieren kann und wie man politische Steuerungs- und Governanceformen interpretieren und konzipieren kann. Die Veranstaltung verdeutlicht zum einen die breite interdisziplinäre Verankerung der modernen Politikwissenschaft und ermöglicht zum anderen den Studierenden anderer Fächer den Blick über den Tellerrand ihrer Disziplinen. Bei geringer Teilnehmerzahl wird die Veranstaltung als Hauptseminar durchgeführt. Voraussetzungen: keine Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich, ab 24.2.2010 Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Benotete schriftliche Prüfung / 3 Anmeldung: Studienschwerpunkt Poltische Theorie Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Material: auf Studienplatform "OLAT" 24 25 Literatur - Blatter, J. (2007): Governance – Theoretische Formen und historische Transformationen. Baden-Baden: Nomos - Etzrodt, Ch. (2003): Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien. Eine Einführung. Konstanz: UVK International Humanitarian Law Dozentin: Prof. Dr. iur. Martina Caroni, LL.M. Durchführender Fachbereich: Recht Termine: Wöchentlich Mi, 08.15 - 10.00, ab 24.02.2010 HOF, R 0.01 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Despite the fact that the UN Charter prohibits the use of force, armed conflicts remain a reality in today's world. The special legal regime for situations of armed conflicts is provided by International Humanitarian Law (IHL). IHL neither addresses the reasons of nor the possible legal justifications of armed conflicts; instead it focuses on the protection of the victims of warfare. IHL aims at mitigating the effects of armed conflicts by constraining the means and methods of warfare and by obliging all parties of a conflict to protect persons not engaged in hostilities, mainly civilians and soldiers out of combat. Humanitarian law therefore aims at limiting harm caused by wars, thereby accepting the existence of armed conflict in today’s world. The course offers an introduction to IHL, its development, legal bases and challenges. It focuses on the two branches of international humanitarian law, the law of Geneva (protection of victims) and the law of The Hague (means of warfare), the rules governing international and non-international armed conflicts as well as the implementation of those legal norms. These issues will be discussed and analyzed in the light of current developments, recent events and challenges to IHL. In addition, guest lecturers will deliver insights on practical issues of humanitarian law. Voraussetzungen: Basic knowledge of Public International Law and Human Rights Law is recommended Lernziele: Students are able to identify, analyze and assess issues relating to IHL when faced with situations of armed conflict. Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: RF, Recht: The examination type (oral or written) will be announced at the beginning of the term / 6 Kontakt: martina.caroni@unilu.ch tobias.meyer@unilu.ch (Assistant) Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen 26 27 International Human Rights Law Dozentin: Prof. Dr. iur. Martina Caroni, LL.M. Durchführender Fachbereich: Recht Termine: Wöchentlich Mi, 10.15 - 12.00, ab 24.02.2010 LOE, U 1.05 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: The course focuses on the emergence, expansion, and enforcement of international human rights norms. The course introduces the major international institutions and political processes by which international human rights norms are established and enforced, namely the regimes established under the United Nations, regional human rights conventions (European, Inter-American, African), and various treaties. The course is divided into two parts: the first part introduces the evolution and conceptual foundations of human rights, the most important human rights treaties and the mechanism for their implementation; the second part considers selected, current human rights issues in a comparative mode using standards developed in international human rights law as well as regional (e.g. European) standards. These issues may include, inter alia, the war on terror (right to life, prohibition of torture), enforced disappearances, social and economic rights as well as rights of indigenous peoples. As the course will be held in a seminar-like style, i.e. emphasizing class discussions, active participation in the class is expected. In addition, one or more guest lectures will give further insights into the questions discussed in class Voraussetzungen: Basic knowledge of public international law (e.g. attendance of the course "Völkerrecht" in the BLaw-program) recommended Lernziele: Students are able to indentify, analyze and assess issues relating to human rights questions. Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: RF, Recht: The examination type (oral or written) will be announced at the beginning of the term. / 6 Kontakt: tobias.meyer@unilu.ch (Assistant) martina.caroni@unilu.ch Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Material: See below Literatur 1. Essential teaching materials? - The course reader - Copies of the most important human rights treaties: European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms (including the Additional Protocols); International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights; International Covenant on Civil and Political Rights (including the Optional Protocols); Convention against Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment (including Optional Protocol); United Nations Convention on the Rights of the Child (including Optional Protocols); etc. Links to the text of these and other treaties will be posted on the Blackboard-Webboard. However, you may wish to consider buying a treaty collection, e.g. IAN BROWNLIE/GUY S. GOODWIN-GILL, Basic Documents on Human Rights (Oxford, 5th Edition 2006) or P.R. GHANDHI, Blackstone’s Statutes – International Human Rights Documents (Oxford, 6th Edition 2008). 2. Further Reading Further reading can be done on the basis of any book on international human rights law. A list of books will be posted on OLAT. Moderne demokratische Grundrechte in Europa Dozent: Prof. Dr. iur. Sebastian Heselhaus, M.A. Internationale WissenschaftlerInnen Durchführender Fachbereich: Recht Termine: Wöchentlich Do, 15.15 - 17.00, ab 25.02.2010 LOE, U 2.01 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Die zunehmende Globalisierung und internationale rechtliche Einbindung stellen alle Staaten, insbesondere auch etablierte Demokratien westlicher Prägung, vor neue Herausforderungen. Sie müssen den Herausforderungen mit einer modernen Demokratiekonzeption begegnen. Antworten werden in der Praxis zunehmend in neuen Rechte des Einzelnen auf Teilnahme und Kontrolle gesucht. Zu diesen zählen insbesondere: · Das Recht auf Zugang zu Informationen · Das Recht auf Konsultation · Das Recht auf Petitionen · Das Recht auf Beschwerde zu einem Bürgerbeauftragten · Klagerechte Einzelner auf Einhaltung des Rechts (Verbandsbeschwerde) Die Veranstaltung untersucht die Entwicklung in der Schweiz, der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten und stellt die Frage nach einer gemeineuropäischen Konzeption “moderner demokratischer Grundrechte”. Die Veranstaltung ist Teil des Jean Monnet Moduls “Hard and Soft Skills of European Integration” der Universität Luzern. Voraussetzungen: Grundkennkenntnisse im Staatsrecht Lernziele: Erkennen der Herausforderungen zunehmender Globalisierung und Konstitutionalisierung an Demokratien und kritische Bewertung der in Europa gegebenen Antworten mittels Rechte des Einzelnen. Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: RF, Recht: Benotete mündliche Prüfung / 5 Kontakt: sebastian.heslhaus@unilu.ch thorsten.dreimann@unilu.ch Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Material: Siehe Literatur Literatur 1. Was ist unentbehrlich? Reader zur Vortragsreihe 2. Weitere Literatur Wird in der Veranstaltung bekannt gegeben 28 29 Vergleichende Regionale Integration Dozent: Prof. Dr. Dirk Lemkuhl Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: wöchentlich Do, 08.15 - 10.00 , ab 25.02.2010 PFI, HS 1 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: Regionale Integration als freiwilliger, dauerhafter und institutionalisierter Zusammenschluss von Staaten mit regional begrenzter Reichweite ist ein relativ neues politisches Phänomen. Ziel dieser Zusammenschlüsse ist die funktionale Zusammenarbeit in einem oder mehreren Politikfeldern sowie die Friedenssicherung. Der Umfang der betroffenen Politikfelder, vor allem aber die institutionelle Tiefe der Integration und der Grad an Übertragung von Souveränität an supranationale Organe unterscheidet sich stark zwischen den verschiedenen Zusammenschlüssen. Referenzpunkt der Vorlesung bildet die Europäische Union als fort- geschrittenste Form der regionalen Integration. Mit Blick auf ihre Geschichte, Institutionen und Policies werden die wichtigsten Theorien regionaler Integration vorgestellt. Auf dieser Basis werfen wir dann einen vergleichen- den Blick auf andere regionale Zusammenschlüsse in Asien, Amerika, Afrika und im arabischen Raum. Neben der intensiven empirischen und analyti- schen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Modellen regionaler Integration widmet sich die Vorlesung der Frage, ob das Phänomen der regionalen Integration eher als Baustein oder Stolperstein für die Heraus- bildung globaler Ordnungsstrukturen angesehen werden kann. Voraussetzungen: keine Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Benotete schriftliche Prüfung / 3 Kontakt: polsem@unilu.ch Gasthörer/innen: offen für Gasthörer/innen Material: Begleitlektüre wird auf der Online-Plattform OLAT aufgeschaltet. Literatur - Lindberg, Leon N., Scheingold, Stuart A. Regional Integration: Theory and Research, Harvard University Press 1971 - Tömmel, Ingeborg, Das Politische System der EU, Oldenbourg 2005 - Anderson, Jeffrey J. (Hrsg.) Regional Integration and Democracy: Expanding on the European Experience, Rowman and Littlefield 1999 - Fort, Bertrand, Higgott, Richard, Webber, Dogulas (Hrsg.) Regional Integration in East Asia and Europe, Routledge 2004 - Laursen, Finn (Hrsg.) Comparative Regional Integration: Theoretical Perspectives, Ashgate 2003 - Mattli, Walter The Logic of Regional Integration: Europe and Beyond, Cambridge UP 1999 - Telo, Mario, Joffe, George (eds.) European Union and New Regionalism: Europe and Globalization in Comparative Perspective, Ashgate 2001 Modern Foreign Relations Law and Diplomacy Dozent: Prof. Dr. iur. Alexander H.E. Morawa Durchführender Fachbereich: Recht Termine: Wöchentlich Mo, 13.15 - 15.00, ab 22.02.2010 LOE, U 0.04 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: This course firstly introduces students to the basic concepts of diplomacy and how law (international and domestic) governs the conduct of foreign affairs. It then looks at case studies and current events to examine the practice of diplomacy and foreign relations law today. We will see how and why traditional forms of inter-state relations have changed in recent times and which new actors take part in, and in part dominate "diplomacy" and the formulation of foreign relations in law and practice (international organizations, popular movements, domestic stakeholders, multi-national corporations, etc.). We will also contemplate the question of the "use of force" by governments and nations when pursuing their foreign policy objectives, and how the current climate in international relations has affected the legal standards that govern them. Voraussetzungen: None Lernziele: This course constitutes not only an introduction to the development of the law of diplomatic relations but also proposes a more contemporary and contextualized perspective on the current challenges that this area of domestic and international law faces today. Through the study of this evolution from traditional forms of diplomacy to the current structures of diplomatic action, students will enhance their comparative skills as well as acquire a critical appraisal of the application of the normative framework in this area. Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: RF, Recht: Class participation, assignments, written case study, written final examination / 6 Kontakt: Kyriaki Topidi, Ph.D., kyriaki.topidi@unilu.ch, Tel. (041) 228 74 18 Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Literatur 1. Was ist unentbehrlich? Reader 2. Weitere Literatur (background readings) - Yoram Dinstein, War, Aggression, and Self-defense (Cambridge, 4th ed. 2005); - G.R. Berridge, Diplomacy. Theory and Practice (Palgrave, 2005). 30 31 The Quest for Justice: The Transition to a Democratic Society Dozent: Prof. Dr. iur. Alexander H.E. Morawa Durchführender Fachbereich: Recht Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Blockveranstaltung Inhalt: This course will be taught in part as a Block Seminar, followed by three meetings throughout the semester to discuss progress on the papers. The block part will take place in a lovely Swiss ski village (two nights’ stay, with the opportunity to ski when class does not meet). Costs of students are expected to be covered by a grant. In this course, we will take a closer look at two elements of justice that define, as it were, a democracy: (1) transitional justice, which in a new democracy aims at correcting past wrongs while at the same time fostering reconciliation, and (2) distributive justice, which aims at securing social equality by striking a fair balance between individual and community rights and entitlements. We will consider, in particular, which remedies – or tools – a democratic legal system must make available to individuals (and, in turn, decision-makers) to advance justice. In transitional situations, that will be remedies such as criminal prosecutions; the discovery, disclosure, and correction of past abuses (corrective justice), as well as prevention through safeguards against future challenges to the new democracy from within as well as from outside. Distributive, or social, justice will hinge upon the regulatory power of the state on one hand and the strength and efficiency of an individual rights regime on the other. Voraussetzungen: None Lernziele: This course is taught as a seminar and, in part, as a workshop. The students will participate in practical exercises and learn concepts by experience. Each student is also required to conduct an individual project and present it in class. Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: RF, Recht: Class participation, exercises, assignments, individual project (paper and oral presentation). / 6 Anmeldung: 12 (admission on a first-come first-serve basis; pre-register at: transnational- program@unilu.ch). Begrenzung: Yes Kontakt: Mr. Peter Coenen, LL.M., peter.coenen@unilu.ch Hinweise: Block Seminar (Friday, February 26 - Sunday, February 28, 2009, in Lungern); three more meetings throughout the semester in Lucerne; dates will be announced later. Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Literatur 1. Was ist unentbehrlich? Reader. 2. Weitere Literatur Matthew Clayton and Andrew Williams (eds.), Social Justice (Blackwell, 2006). Geschichte des Nord-Süd-Konflikts. Konzeptionen und Wirkungen einer globalen Differenz Dozentin: Dr. Daniel Speich Durchführender Fachbereich: Geschichte Termine: Wöchentlich Do, 10.15 - 12.00, ab 25.02.2010 BOU, Bou 3 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Vorlesung Inhalt: 1974 verpflichtete sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen, auf die fundamentale Neugestaltung der weltwirtschaftlichen Ordnung hinzuarbeiten. Eine neue Ländergruppe hatte sich als „Dritte Welt“ artikuliert und gegen die Industrieländer Stellung bezogen. Einzelne amerikanische Beobachter sprachen umgehend von einem „New Cold War“ zwischen Nord und Süd. Die Vorlesung stellt diesen Konflikt in einen kulturhistorischen Kontext. Sie fragt nach den Deutungsmustern globaler Ungleichheit und nach den Handlungsperspektiven, die aus ihnen abgeleitet wurden. Beginnend mit dem Spätkolonialismus und dem Mandatssystem des Völkerbundes geht die Vorlesung auf den „Aufbruch der farbigen Welt“ in den 1950ern und 1960ern, den „New Cold War“ der 1970er und auf das „Ende der Dritten Welt“ in den 1980ern ein und untersucht die jeweiligen Interpretationsweisen der globalen Wohlstandsdifferenz. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Unbenotete Prüfung / 2 Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Literatur - Bernecker, Walther L. 1997: Port Harcourt, 10. November 1995. Aufbruch und Elend in der Dritten Welt, München: Deutscher Taschenbuch Verlag. - Büschel, Hubertus und Speich, Daniel (Hg.) 2009. Entwicklungswelten. Globalgeschichte der Entwicklungszusammenarbeit, Globalgeschichte, Bd. 6, Frankfurt a. M.: Campus. - Randeria, Shalini und Eckert, Andreas (Hg.) 2009. Vom Imperialismus zum Empire. Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp. - Tomlinson, B. R. 2003. What was the Third World?, in: Journal of Contemporary History, 38 (2), S. 307-321. 32 33 Vergleichende Demokratisierung Dozent: Dr. André Bächtiger Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Wöchentlich Mo, 10.15 - 12.00 , ab 01.03.2010 PIL, P3 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Das Seminar befasst sich mit den Möglichkeiten und Grenzen von Demokratisierung in Entwicklungsländern (mit spezifischem Fokus auf Afrika und Asien). In einem ersten Teil geht es um die Frage, was Demokratie bedeutet (und bedeuten kann), insbesondere im Kontext nicht-westlicher Länder. In einem zweiten Teil geht es dann um die begünstigenden Faktoren für Demokratisierung. Dieser Themenkomplex wird aus verschiedenen theoretischen Perspektiven beleuchtet: - einer „neo-evolutionistischen" und historischen Perspektive, welche die Wichtigkeit des vorkolonialen und kolonialen Erbes afrikanischer und asiatischer Gesellschaften für aktuelle politische Prozesse betont; - einer sozio-ökonomischen Perspektive, welche auf Wirtschaftsentwicklung, Ressourcen (Bodenschätze) und lokale Kapazitäten fokussiert; - einer politisch-institutionellen Perspektive, welche davon ausgeht, dass Demokratisierung mittels geeigneter politischer Institutionen beeinflusst werden können; - einer Entwicklungshilfe-Perspektive, die ähnlich wie der politisch- institutionelle Ansatz postuliert, dass geeignete Entwicklungsprogramme Demokratisierung befördern können; - einer Diffusions- und Globalisierungs-Perspektive, die Demokratisierung als Resultat globaler Trends versteht. Zentrale Frage hierbei ist, ob Demokratisierung mittels politischer Institutionen und Entwicklungshilfe „manipuliert" werden kann, ob sie eine Folge globaler Entwicklungen ist, oder ob die „schwere Hand" wirtschaftlicher Entwicklung und insbesondere des historischen Erbes die Demokratisierung in afrikanischen und asiatischen Staaten weiterhin prägt. Ganz besonders wird uns in diesem Zusammenhang beschäftigen, ob politische Institutionen per se eine Wirkung entfalten oder ob sie mit dem Kontext (kulturell, wirtschaftlich, aber auch mit anderen politischen Institutionen) zusammenpassen müssen („institutional complementarities"), damit sie die gewünschten Effekte erzielen (wie etwa demokratische Stabilität). Voraussetzungen: Besuch der Einführungsvorlesung in die vergleichende Politikwissenschaft Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich, ab 1. März 2009 Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme, schriftliche Hausarbeit (verpflichtend) / 4 fakultativ: benotete schriftliche Seminararbeit / 4 Kontakt: andre.baechtiger@ipw.unibe.ch Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Material: Pflichtlektüre und Seminarmaterialien zugänglich auf Online-Plattform OLAT Literatur - Goran Hyden (2006) African Politics in Comparative Perspective. Cambridge: Cambridge University Press. - Daron Acemoglu and James A. Robinson (2006). Economic Origins of Dictatorship and Democracy. Cambridge: Cambridge University Press. - Pippa Norris (2008). Driving Democracy: Do power-sharing institutions work? Cambridge: Cambridge University Press - Dirk Berg-Schlosser (2008). Determinants of democratic successes and failures in Africa. European Journal of Political Research 47: 269–306. Lektürekurs: Aktuelle Diskussionen in der Politik- und Rechtsethnologie Dozentin: Prof. Dr. Bettina Beer Durchführender Fachbereich: Kultur- und Sozialanthropologie Termine: Wöchentlich Do, 13.15 - 15.00, ab 25.02.2010 HOF, R 0.03 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Der Lektürekurs wird mit einer stark strukturierten zusammenfassenden Einführung in die Bereiche Rechts- und Politikethnologie beginnen. Anschließend wird eine gemeinsame Recherche, unterstützt durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZHB, durchgeführt. Diese hat zum Ziel, die Hauptdiskussionen der letzten drei Jahre zu identifizieren und daraus jeweils einen zentralen Text auszuwählen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernehmen jeweils einen aktuellen Zeitschriftenbeitrag und beantworten die Fragen, warum das jeweilige Thema unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen von Bedeutung ist, auf welche Vorläufer es aufbaut und welche konkurrierende Ansätze es zur Untersuchung gibt. Vor diesem Hintergrund kommen sie zu einer abschließenden Bewertung des Artikels. Ergänzend werden Kolleginnen und Kollegen aus den Nachbardisziplinnen Politik- und Rechtswissenschaft eingeladen, um zu diskutieren, wo sie die Bedeutung ethnologischer Beiträge in interdisziplinären Forschungen sehen, beispielsweise zu Indigenous Property Rights, internationaler Migration oder anderen aktuellen interdisziplinär bearbeiteten Themen. Für Studierende höherer Semester ist es möglich, anknüpfend an den Lektürekurs einzelne Themen vertiefend zu behandeln und darüber eine Seminar-, BA- oder MA-Arbeit zu schreiben. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat oder Essay) / 4 zusätzliche schriftliche, benotete Seminararbeit / 4 Kontakt: bettina.beer@unilu.ch Literatur - Donovan, James M. 2008. Legal Anthropology. An introduction. Lanham, New York, Toronto, Plymouth, UK: Altamira. - Kurtz, Donald V. 2001. Political Anthropology. Power and Paradigms. Boulder: Westview. - Lewellen, Ted C. 2003. Political Anthropology. An introduction. Westport, Connecticut; London: Praeger. 34 35 Akteure in gegenwärtigen Gewaltkonflikten Dozent: Prof. Dr. Jürg Helbling Durchführender Fachbereich: Kultur- und Sozialanthropologie Termine: Wöchentlich Mi, 10.15 - 12.00, ab 24.02.2010 LOE, U 0.04 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: John Keegan unterscheidet in seinem Buch ”War in our world” drei Arten von kriegerischen Auseinandersetzungen: Staatenkriege, Bürgerkriege und tribale Kriege. Im ersten Teil des Seminars sollen einige theoretische Arbeiten vorgestellt und diskutiert werden, die das Neue an diesen zeitgenössischen Kriegen thematisieren. Das Seminar nähert sich in einem zweiten Teil dem Thema der zeitgenössischen Kriege über die unterschiedlichen Akteure, die sich in diesen Kriegen gegenüberstehen: High-tech Soldaten und einheimische Hilfstruppen, Warlords und Kindersoldaten, Guerilla, Selbstmord-Attentäter und Counter-insurgency-Truppen sowie tribale Krieger. Diese Akteure sind in unterschiedlichen Konfliktkonstellationen anzutreffen, sie wenden unterschiedliche Strategien gegen ihre jeweiligen Gegner an und interagieren auf jeweils spezifische Weise mit der Zivilbevölkerung und dem Staat. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Präsentation mit 5-10 seitigem Handout / 4 Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Literatur - Herberg-Rothe, Andreas (2003) Der Krieg: Geschichte und Gegenwart. Frankfurt: Campus. - Creveld, Martin van (1998[1991]) Die Zukunft des Krieges. München: Gerling Akademie Verlag. - Münkler, Herfried (2002) Die neuen Kriege. Reinbeck: Rowohlt. Intenational Political Economy of Development Dozentin: Rahel Kunz, Dr. des. Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Wöchentlich Di, 13.15 - 15.00 , ab 23.02.2010 PIL, P4 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Why are some countries poor while others are rich, and why are some countries getting even poorer? Which rules govern North-South relations? What is ‚development’ and are there any alternatives to ‚development’? These are some of the questions that we will be addressing in this course, which provides an overview of the key debates and issues in international political economy of development (IPE). The introductory part surveys the historical background that led to the emergence of the issue of ‘development’ and the key theories in IPE, such as modernisation, dependency and post- development theory. In doing so, the aim is to reflect on the complex relationship between the economical and the political, in order to problematize the significance of the notion of development. Subsequently, the seminar turns to address various key issues in the IPE of development, such as trade and finance, migration, hunger, etc. Finally, the new challenges for development in the contemporary world will be addressed. Gender will be included in this course both as an issue in IPE as well as an analytical tool to analyse the international political economy of development. The overall aim of the course is to develop an informed understanding of the historical background of, and the theoretical approaches to, the study of development. Voraussetzungen: gute Englischkenntnisse Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: KSF: aktive Mitarbeit, Referat / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Begrenzung: Begrenzung der Teilnehmendenzahl vorbehalten; Studierende ab dem 3. Semester werden bevorzugt. Kontakt: rahel.kunz@unilu.ch Material: Pflichtlektüre und Seminarmaterialien zugänglich auf Online-Plattform "OLAT" Literatur - Gill, Stephen and Law, David (1990) The Global Political Economy: Perspectives, Problems and Policies. New York: Harvester Wheatsheaf. - Kiely, Ray (2006) The New Political Economy of Development: Globalisation, Imperialism, Hegemony. Palgrave. - McMichael, Philip (2000) Development and Social Change: A Global Perspective. London: Sage - Nuscheler, Franz (2005) Entwicklungspolitik: Lern- und Arbeitsbuch. (6. Auflage). Bonn: Dietz Verlag 36 37 Politische Integration in der multikulturellen Gesellschaft - am Beispiel schweizerischer Demokratie. Dozent: Prof. Dr. Wolf Linder Duchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Wöchentlich Di, 17.15 - 19.00 , ab 23.02.2010 PIL, P4 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Gesellschaftspolitische Konflikte zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien, Sprachen oder Religionen gehören zu den grössten Herausforderungen vieler Nationalstaaten der Ersten wie der Dritten Welt. Für solche Gesellschaften, so die Theorie Arend Lijpharts, bietet „Consensus Democracy“ günstigere Bedingungen gewaltfreier Konfliktlösung als das dominante angelsächsische Modell der „Majoritarian Democracy“. Das Beispiel der Schweiz, eine der ältesten Machtteilungs-Demokratien, scheint Lijphart zu bestätigen: Hier gelang die politische Integration zu einer multikulturellen Gesellschaft. Was aber sind die näheren Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen des Modells der „Consensus Democracy“? Dieser Leitfrage des Seminars wird nachgegangen anhand der theoretischen Grundlegung Lijpharts, anhand der historischen Erfahrungen der Schweiz, sowie der Diskussion weiterer Beispiele multikultureller Konfliktlösung durch politische Institutionen (z.B. Indien, Nordirland, Südafrika). Voraussetzungen: Grundbegriffe aus internationalen Beziehungen oder der politischen Institutionen der Schweiz werden vorausgesetzt. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich, ab 23.02.2010 Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Begrenzung: Begrenzung der Teilnehmendenzahl vorbehalten. Studierende ab dem 3. Semester werden bevorzugt. Kontakt: wolf.linder@ipw.unibe.ch Material: wird auf OLAT aufgeschaltet Literatur - Lijphart, Arend (1999), Patterns of Democracy. Government Forms and Performances in Thirty-Six Countries (New Haven: Yale University Press). - Linder, Wolf (2005), Schweizerische Demokratie, Institutionen, Prozesse, Perspektiven (Bern: Haupt). - Weitere Literaturangaben im detaillierten Kursplan. Democracy, Cosmopolitanism and the Global Civil Society Dozentin: Stefania Milan, Ph.D. (European University Institute, Florence) Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Do, 25.02.2010, 15.15 - 17.00 Do, 25.02.2010, 17.15 – 18.45 (public lecture, LOE, U 0.04) Do, 15.04.2010, 10.15 - 17.00 Fr, 16.04.2010, 10.15 - 17.00 Do, 06.05.2010, 10.15 - 17.00 Fr, 07.05.2010, 10.15 - 17.00 HOF, R 0.02 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: In this course we want to explore current transformations in the socio, economic and political spheres looking at the ‘global’ level of political action. We will focus on a number of areas of social intervention – justice, democratic institutions, citizenship, global governance, ethical issues, activism – in order to understand what is changing, its interpretation by contemporary thinkers, and the challenges these transformations bring to us. The course is divided in eight two-hour sessions. Each session is dedicated to a specific theme in cosmopolitan democracy theory, as follows: 1. Problematising the global. An introduction to cosmopolitanism; 2. Features of the global: collective agents (corporations, supranational organisations, international non-governmental organisations); 3. Transnational/cosmopolitan democracy: reorganising democratic institutions; 4. A supranational polis? Rethinking the nation state and the notion of citizenship; 5. Towards political justice?; 6. The challenge of global governance; 7. Ethics: the normative view; 8. Activism and the global civil society. The course combines the political theory approach with cosmopolitan democracy and global civil society studies. It aims at providing theoretical and conceptual tools to understand the world we live in. To facilitate the linkage with the students’ experience, in class we will discuss current affairs and recent cases in connection with key debates in political theory. Voraussetzungen: Beherrschung der englischen Sprache Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: Blockkurs Sprache: Englisch Prüfungsmodus / Credits: KSF: mündliche Mitarbeit, Kurzreferat; Fragen zur Literatur / 4 benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: polsem@unilu.ch Material: Seminarmaterialen zugänglich auf Online-Plattform "OLAT" Literatur / A reading list and texts in digital format will be provided by the teacher. It includes academic articles and excerpts from the following texts: - Archibugi, D., D. Held and M. Kohler, eds. (1998). Re-Imagining Political Community: Studies in Cosmopolitan Democracy. Cambridge: Polity Press - Morrison, B., ed. (2003). Transnational Democracy: A Critical Consideration of Sites and Sources. Aldershot: Ashgate - Held, D. and M. Koenig-Archibugi, eds. (2003). Taming Globalisation: Frontiers of Governance. Cambridge: Polity Press - Held, D. (1996). Models of Democracy. Cambridge: Polity Press - Marchetti, R. (2008). Global Democracy: for and against. Ethical theory, institutional design, and social struggles. London and New York: Routledge 38 39 Pazifizierungsprozesse im Vergleich Dozent: Tobias Schwörer, lic. phil Durchführender Fachbereich: Kultur- und Sozialanthropologie Termine: Wöchentlich Di, 10.15 - 12.00, ab 23.02.2010 LOE, U 1.05 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Im Zentrum des Seminars stehen ethnographisch-historische Fallbeispiele von kriegerischen Stammesbevölkerungen, die von staatlichen Akteuren zu einer Beendigung ihrer Kriege veranlasst, d.h. pazifiziert wurden. Die kon- kreten Bedingungen dieser Pazifizierungsprozesse, die konkreten Vorge- hensweisen und Strategien der staatlichen Akteure und die unterschied- lichen Reaktionen der tribalen Akteure variieren dabei ebenso wie die sich verändernden Kräfteverhältnisse zwischen diesen Akteuren und die Zeit- dauer und räumliche Ausweitung der Pazifizierungsprozesse. Behandelt werden sollen folgende Fallbeispiele: die Lobi (in Burkina Faso), die Naga (in Nordostindien), die Igorot (in der philippinischen Cordillera), Shuar/Achuar (in Peru) und die Waorani (in Ecuador), die Fore, Tairora und Auyana (im Östlichen Hochland) und die Mai Enga (im Westlichen Hochland von Papua Niugini), die Karimojong (in Uganda) und die Kwaio (auf den Solomonen). Die Fallbeispielen liegen teilweise in Form von 30 bis 50seiti- gen Texten vor, welche die Daten bereits im Hinblick auf eine vergleichende Erforschung von Pazifizierungsprozessen präsentieren, teilweise in Monographien und Artikeln, die das Thema Pazifizierung in unterschied- licher Ausführlichkeit behandeln. Das Ziel des Seminars besteht darin, auf der Basis dieser ethnographisch- historischen Fallbeispiele theoretische Modelle und Konzeptionen von Pazifizierungsprozessen zu vertiefen und zu präzisieren sowie in einem qualitativen Vergleich der Fallbeispiele die Grundmuster dieser Prozesse herauszuarbeiten. Im weiteren geht es darum, die vorhandenen Fallbeispiele im Hinblick auf die theoretischen Überlegungen über Pazifizierungsprozesse in eine stringente Form zu bringen und sie für eine mögliche Publikation vorzubereiten. Die Arbeiten sind Teil eines grösseren Projekts, das sich mit der komparativen historischen und politethnologischen Analyse der Pazifizierungsprozesse in tribalen Gesellschaften beschäftigt. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Mitarbeit an einer Fallstudie, Mitarbeit am Vergleich / 4 Kontakt: juerg.helbling@unilu.ch Gender, Citizenship and Religion in the Secular State Veranstaltung Gender Studies Dozent: Dr. Ludger Viefhues Durchführender Fachbereich: Religionswissenschaft Vorbesprechung: Fr, 12.03.2010, 13.15 - 17.00 GIB, 010G Fr, 16.04.2010, 13.15 - 20.00, Sa, 17.04.2010, 09.15 - 15.00, Fr, 14.05.2010, 13.15 - 20.00, Sa, 15.05.2010, 09.15 - 15.00 HOF, R 0.03 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Discription: what role do practices and ideals of gender and sexuality play in the legitimization of state power in the secular state? To anwer this question the seminar will examine the notion of "sexual citizenship", i.e., the inner and erotic character of the idealized citizen who is allowed to fully participate in the nation. Contestations over religious symbols and practices will focus our analysis. Thus, as case studies we will study the debates about the veiling of Muslim women in Germany and France, the topic of same-sex marriage in the US; and the role of women in Indian secularism. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: regelmässige aktive Teilnahme mit Referat / 4 schriftliche Hausarbeit / 4 Kontakt: martin.baumann@unilu.ch 40 41 Migration, Staatsbürgerschaft und Demokratie Forschungsseminar Dozent: Prof. Dr. Joachim Blatter Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Wöchentlich Mi, 13.15 - 15.00, ab 24.02.2010 PFI, HS 2 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: In vielen Ländern der Welt stellt Migration heute – allerdings nicht zum ersten Mal – eine der zentralen Herausforderungen für Staatsbürgerschaft und Demokratie dar. Durch Emigration und Immigration ist die Deckungsgleichheit zwischen den Bewohnern eines Landes, die politischer Herrschaft unterworfen, Gesetze befolgen und Steuern zahlen müssen, und den Bürgern eines Landes, die politische Herrschaft kontrollieren und bei der Festlegung von Gesetzen und Steuern mitwirken können, immer weniger gegeben. Auf diese Problematik wird vor allem durch Forderung nach und teilweise auch Umsetzung von folgenden Massnahmen reagiert: a. eine erleichterte Einbürgerung für Immigranten. Während aus demokratietheoretischer Perspektive eine relative schnelle und leichte Einbürgerung von Immigranten (allerdings nicht die unbeschränkte Immigration) zwingend erscheint, reagieren einige Länder eher mit der Errichtung von neuen Hürden bei der Einbürgerung. b. die Zuteilung von Rechten an Nicht-Bürger. Viele zivilrechtliche und soziale Rechte werden nicht mehr auf der Basis des Bürgerstatus (citizenship) sondern auf der Basis des Wohnortes zugewiesen. Dieses Phänomen wird mit dem Begriff „denizenship“ bezeichnet. Am umstrittensten ist die Zuteilung von politischen (Wahl-)Rechten an Nicht- Bürger/Ausländer. c. die Erleichterung der politischen Partizipation von Bürgern, die im Ausland leben (Expatriates) d. die Akzeptanz von doppelter Staatsbürgerschaft („dual citizenship“). Während die beiden ersten Massnahmen heiss umstrittene innenpolitische Themen darstellen, ergibt sich bei den anderen beiden Massnahmen die Frage, inwieweit sie zu einer transnationalen oder kosmopolitischen Bürgerschaft beitragen. In dem Seminar beschäftigen wir uns mit diesen Massnahmen aus theoretischer, normativer und empirischer Sicht. Das Seminar ist als Forschungsseminar konzipiert, d.h. es gibt eine sehr enge Verzahnung von Lehre und aktuellen Forschungsprojekten (vor allem zu „dual citizenship“) am Politikwissenschaftlichen Seminar. Das bedeutet, dass die TeilnehmerInnen einen tieferen Einblick in politikwissenschaftliche Forschung gewinnen, es heisst aber auch, dass von den Studierenden erwartet wird, dass sie bereits während des Semesters einen eigenen theoretischen oder empirischen Forschungsbeitrag ausarbeiten und präsentieren. Es bietet sich an, diesen Beitrag dann nach der Präsentation im Seminar in eine vollständig ausgearbeitete schriftliche Seminararbeit zu überführen. Voraussetzungen: keine Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich ab 24.2.2010 Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Konzipierung und Durchführung eines kleinen Forschungsprojekts / 4 fakultativ: benotete schriftliche Seminararbeit / 4 Kontakt: joachim.blatter@unilu.ch Material: Pflichtlektüre für Seminarmaterialien zugänglich auf der Online-Plattform "OLAT" und auf der Homepage des Politikwissenschaftlichen Seminars. Literatur - Bloemraad, I.; Karteweg, A. & G. Yurdakul (2008): Citizenship and Immigration: Multiculturalism, Assimilation, and Challenges to the Nation-State. In: Annual Review of Sociology 2008, 34, 153-179. - Blatter, J. (2008): Dual Citizenship and Democracy. Working Paper 01/08 Institute of Political Science, University of Lucerne (www.unilu.ch/polsem) 42 43 Religion, Parteien und Wahlen im transnationalen Vergleich (Vertiefungsmodul Institutionen, Verbände, Religionsgemeinschaften; Vertiefungsmodul Politik und Religion) Dozent: Ass.-Prof. Dr. Antonius Liedhegener Durchführender Fachbereich: Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik Termine: Wöchentlich Do, 13.15 - 15.00, ab 25.02.2010 HOF, R 0.01 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Voraussetzungen: Veranstaltung richtet sich vor allem an die Studierenden des 2. Studiensemesters Inhalt: (Vertiefungsmodul Institutionen, Verbände, Religionsgemeinschaften; Vertiefungsmodul Politik und Religion) Die Analyse von Parteien und Wahlen gehört zu den Kernaufgaben der Politikwissenschaft. In zahlreichen liberalen Demokratien spielen Parteien eine wichtige Rolle, die wie die CVP oder die CDU nach Herkunft und Selbstverständnis eine religiöse oder christliche Prägung aufweisen. Diese Tatsache, die bis in die Formation nationaler Parteiensysteme im 19. und frühen 20. Jahrhundert zurückreicht, bestimmt in unterschiedlichem Maße bis in die Gegenwart die Parteiensysteme Europas und der USA und spiegelt sich daher auch im Wahlverhalten wider. Das Masterseminar stellt einschlägige Fälle des Zusammenhangs von Religion, Parteien und Wahlverhalten vergleichend vor und analysiert die Bedeutung dieses Zusammenhangs für die Politik der Gegenwart. Eingeübt wird dabei der Umgang mit qualitativen und quantitativen Untersuchungen. Außerdem werden die Grundlagen und die Arbeitsweise der Vergleichenden Politikwissenschaft in ihren Grundzügen vorgestellt. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an die Studierenden des 2. Studiensemesters des Joint Master Religion – Wirtschaft – Politik. Studierende anderer einschlägiger Masterstudiengänge der Universität Luzern sind willkommen. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine persönliche Anmeldung per E-Mail mit Angaben zum Studiengang ist für alle Teilnehmenden zusätzlich zur Anmeldung im Portal zwingend erforderlich (bitte an: antonius.liedhegener@unilu.ch). Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: IF, Religion - Wirtschaft - Politik: aktive Teilnahme und benotetes Referat / 4 schriftliche Hausarbeit / 3 Kontakt: antonius.liedhegener@unilu.ch Material: s. Semesterapparat Modulübergreifende Veranstaltungen Kolloquium für Bachelor- und Masterabschlussarbeiten Dozent: Prof. Dr. Joachim Blatter Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: wöchentlich Mo, 17.15 - 19.00 , ab 01.03.2010 PIL, P3 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Kolloquium Inhalt: Das Kolloquium dient dazu, den Studierenden bei der Vorbereitung von Abschlussarbeiten zu helfen. Dazu präsentieren die Studierenden zu Beginn des Semesters erste Skizzen ihres Projektes zur Abschlussarbeit. Je nach Interesse der Studierenden und Ausrichtung der Arbeiten werden danach wichtige Schritte (z.B. Fallauswahl), Vorgehensweisen und Methoden aus dem Proseminar Methoden wiederholt. Im zweiten Teil des Kolloquiums präsentieren die Studierende ihr bisheriges Vorgehen bei der Abschlussarbeit, ein vollständiges Forschungsdesign und ggfs. vorläufige Ergebnisse der Arbeit. Zu dieser zweiten Präsentation muss ein schriftlich ausgearbeitetes Forschungsdesign (5-7 Seiten) vorliegen. Das Kolloquium ist für alle Studierenden offen. Eine sporadische Teilnahme zu einzelnen Vorträgen ist grundsätzlich möglich. Diejenigen, die sich in der Vorbereitung zur Abschlussarbeit befinden und eine Leistungsbescheinigung für das Kolloquium erhalten möchten, müssen allerdings an allen Sitzungen teilnehmen, zweimal ihr Projekt zur Abschlussarbeit präsentieren und ein vollständiges Exposé für die Abschlussarbeit in schriftlicher Form einreichen. Voraussetzungen: keine Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Kontakt: joachim.blatter@unilu.ch Hinweise: Pflichtlektüre und Seminarmaterialien zugänglich auf Online-Plattform "OLAT" Gasthörer/innen: offen für Gasthörer/innen Literatur - Blatter, J., F. Janning & C. Wagemann (2007): Qualitative Politikanalyse. Eine Einführung in Forschungs- ansätze und Methoden (Lehrbuch-Reihe Grundwissen Politik); Wiesbaden: VS-Verlag 44 45 Master- und Doktorierendenkolloquium - Forschungseminar Dozent: Prof. Dr. Rudolf Stichweh Durchführender Fachbereich Soziologie Termine: 14-tägig Mi, 15.15 - 17.00, ab 01.03.2010 PFI, HS 3 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Forschungseminar Inhalt: Die Veranstaltung dient dem Vortrag und der Erörterung in Entstehung befindlicher Doktorarbeiten, Habilitationen, von Forschungsprojekten, in Einzelfällen auch von Masterarbeiten. Es können auch Bücher und Aufsätze diskutiert werden, die Teilnehmer wichtig finden und zur Erörterung vorschlagen. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Bestätigte Teilnahme / 2 Präsentation / 2 Kontakt: rudolf.stichweh@unilu.ch Workshop zumThema „Wie inklusiv ist die Weltgesellschaft?“ Dozent: Prof. Dr. Rudolf Stichweh Durchführender Fachbereich Politikwissenschaft, Soziologie Termine: Fr, 30. April 2010, 10.15 – 12.00 / 13.30 – 16.30 PFI, HS 3 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Workshop Inhalt: Die StudentInnen des integrierten Masterstudiengangs ‚Weltgesellschaft und Weltpolitik’ organisieren am 30.04.2010 einen Workshop zum Thema „Wie inklusiv ist die Weltgesellschaft?“ Ziel des Workshops ist es, eine lebendige und spannende Debatte zwischen internationalen ForscherInnen und StudentInnen um dieses hoch aktuelle Thema zu erwecken. Im Zentrum stehen folgende Fragestellungen: Ist der nationale Wohlfahrtsstaat von der Globalisierung betroffen? Kommt es zu einer Aushöhlung nationaler Sozialpolitik in Folge von Globalisierung? Gibt es so etwas wie eine Weltwohlfahrtsstaatlichkeit? Inwieweit würde diese ihrem nationalen Pendant entsprechen? Was wäre dabei die Rolle privater sowie zivilgesellschaflicher Akteure und welche Optionen stünden der Politik zur Verfügung um diese Weltwohlfahrtstaatlichkeit mitzugestalten? Der Workshop gliedert sich in zwei Blöcke, die zeitlich aufeinander folgen und jeweils Beiträge der ReferentInnen und Diskussionsrunden beinhalten. Referieren werden Dr. Eva Hartmann (Universität Lausanne), Prof. Dr. Lutz Leisering (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Roland Atzmüller (Working Life Research Centre, Wien) und Dr. Michael Bechtel (ETH). Die StudentInnen haben bei Teilnahme die Möglichkeit 2 ECTS zu erwerben. Verlangt wird eine vorhergehende Auseinandersetzung mit einem der beiden Blöcke und den dazugehörenden Basistexten (siehe OLAT-Plattform) mit vorher einzureichenden Fragestellungen. Es sollte ein ein- bis zweiseitiger Kurz-Essay abgegeben werden, der zur Vorbereitung und Vertiefung dieser Debatte dient. Umfang: eintägiger Workshop 10.15 - 12.00 / 13.30 – 16.30 (mit anschliessendem Apéro) Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Vorher einzureichende Fragestellungen zu Basistexten und Themen, mündliche Teilnahme, Essay / 2 Gasthörer/innen: Offen für Gasthörer/innen Kontakt: rudolf.stichweh@unilu.ch 46 47 Modul Forschung-Praxis-Methoden Inhaltsanalyse Dozentin: Dr. phil. Katharina Manderscheid Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: Wöchentlich Do, 15.15 - 17.00, ab 25.02.2010 LOE, U 1.05 Studienstufe: Bachelor Master Veranstaltungsart: Hauptseminar Inhalt: Gegenstand der Inhaltsanalyse sind Inhalte von Kommunikation, die in Form von Texten, beispielsweise Zeitungsartikeln, Mitteilungen, Berichten oder verschriftlichen Interviews vorliegen. Quantitative inhaltsanalytische Verfahren erlauben es, grosse Textmengen systematisch und intersubjektiv nachvollziehbar anhand inhaltlicher und formaler Merkmale zu beschreiben. Diese Verfahren werden häufig für Medienanalysen eingesetzt. Qualitative textanalytische Verfahren legen hingegen weniger Wert auf zahlenmässige Darstellungen und Repräsentativität der Ergebnisse, als auf die vertiefte Auswertung der Bedeutungen des Textmaterials. Im Seminar sollen verschiedene Verfahren der Inhaltsanalyse vorgestellt und anhand praktischer Arbeiten eingeübt werden. Voraussetzungen: Erfolgreiche Teilnahme an der Vorlesung Einführung in die Methoden der empirischen Sozial- und Kommunikationsforschung I. Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: katharina.manderscheid@unilu.ch Material: Syllabus und Literatur werden auf OLAT eingestellt. Literatur - Rössler, Patrick (2005): Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft / UTB - Früh, Werner (2007): Inhaltsanalyse. Konstanz: UVK/UTB - Mayring, Philipp (2000): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Deutscher Studien Verlag Eine Liste mit weiteren Titeln wird am Semesteranfang ausgegeben. Migration, Staatsbürgerschaft und Demokratie Forschungsseminar Dozent: Prof. Dr. Joachim Blatter Durchführender Fachbereich: Politikwissenschaft Termine: Wöchentlich Mi, 13.15 - 15.00, ab 24.02.2010 PFI, HS 2 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: In vielen Ländern der Welt stellt Migration heute – allerdings nicht zum ersten Mal – eine der zentralen Herausforderungen für Staatsbürgerschaft und Demokratie dar. Durch Emigration und Immigration ist die Deckungsgleichheit zwischen den Bewohnern eines Landes, die politischer Herrschaft unterworfen, Gesetze befolgen und Steuern zahlen müssen, und den Bürgern eines Landes, die politische Herrschaft kontrollieren und bei der Festlegung von Gesetzen und Steuern mitwirken können, immer weniger gegeben. Auf diese Problematik wird vor allem durch Forderung nach und teilweise auch Umsetzung von folgenden Massnahmen reagiert: a. eine erleichterte Einbürgerung für Immigranten. Während aus demokratietheoretischer Perspektive eine relative schnelle und leichte Einbürgerung von Immigranten (allerdings nicht die unbeschränkte Immigration) zwingend erscheint, reagieren einige Länder eher mit der Errichtung von neuen Hürden bei der Einbürgerung. b. die Zuteilung von Rechten an Nicht-Bürger. Viele zivilrechtliche und soziale Rechte werden nicht mehr auf der Basis des Bürgerstatus (citizenship) sondern auf der Basis des Wohnortes zugewiesen. Dieses Phänomen wird mit dem Begriff „denizenship“ bezeichnet. Am umstrittensten ist die Zuteilung von politischen (Wahl-)Rechten an Nicht- Bürger/Ausländer. c. die Erleichterung der politischen Partizipation von Bürgern, die im Ausland leben (Expatriates) d. die Akzeptanz von doppelter Staatsbürgerschaft („dual citizenship“). Während die beiden ersten Massnahmen heiss umstrittene innenpolitische Themen darstellen, ergibt sich bei den anderen beiden Massnahmen die Frage, inwieweit sie zu einer transnationalen oder kosmopolitischen Bürgerschaft beitragen. In dem Seminar beschäftigen wir uns mit diesen Massnahmen aus theoretischer, normativer und empirischer Sicht. Das Seminar ist als Forschungsseminar konzipiert, d.h. es gibt eine sehr enge Verzahnung von Lehre und aktuellen Forschungsprojekten (vor allem zu „dual citizenship“) am Politikwissenschaftlichen Seminar. Das bedeutet, dass die TeilnehmerInnen einen tieferen Einblick in politikwissenschaftliche Forschung gewinnen, es heisst aber auch, dass von den Studierenden erwartet wird, dass sie bereits während des Semesters einen eigenen theoretischen oder empirischen Forschungsbeitrag ausarbeiten und präsentieren. Es bietet sich an, diesen Beitrag dann nach der Präsentation im Seminar in eine vollständig ausgearbeitete schriftliche Seminararbeit zu überführen. Voraussetzungen: keine Umfang: 2 Semesterwochenstunden Turnus: wöchentlich ab 24.2.2010 Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Konzipierung und Durchführung eines kleinen Forschungsprojekts / 4 fakultativ: benotete schriftliche Seminararbeit / 4 48 49 Anmeldung: Studienschwerpunkte Politische Theorie, Vergleichende Politikwissenschaft/Innenpolitik und Internationale Beziehungen Kontakt: joachim.blatter@unilu.ch Material: Pflichtlektüre für Seminarmaterialien zugänglich auf der Online-Plattform "OLAT" und auf der Homepage des Politikwissenschaftlichen Seminars. Literatur - Bloemraad, I.; Karteweg, A. & G. Yurdakul (2008): Citizenship and Immigration: Multiculturalism, Assimilation, and Challenges to the Nation-State. In: Annual Review of Sociology 2008, 34, 153-179. - Blatter, J. (2008): Dual Citizenship and Democracy. Working Paper 01/08 Institute of Political Science, University of Lucerne (www.unilu.ch/polsem) Sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse II Dozent: Prof. Dr. Rainer Diaz-Bone Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: Wöchentlich Do, 13.15 - 15.00, ab 25.02.2010 PFI, K 1 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Das Seminar bildet den zweiten Teil des Forschungsseminars im MA- Studiengang Soziologie. Voraussetzungen: Teilnahme am Masterseminar "Sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse I". Umfang: 2 Semesterwochenstunden Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Aktive Teilnahme (Referat) / 4 Benotete schriftliche Arbeit / 4 Kontakt: rainer.diazbone@unilu.ch Material: findet sich bei OLAT. Literatur Siehe Syllabus (OLAT). 50 51 Begleitveranstaltung zum Praktikum im Mastermodul 'Forschung-Praxis-Methoden' Dozenten: Prof. Dr. Diaz-Bone / Dipl. Soz. Stephan Kirchschlager Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: 14-täglich Do, 17.15 - 19.00, ab 04.03.2010 PIL, P4 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterseminar Inhalt: Die Veranstaltung, im Umfang von einer Semesterwochenstunde, richtet sich an Studierende des MA-Studiengangs, die im "Forschung-Praxis-Methoden" Modul im Rahmen eines Praktikums eine Forschungsarbeit schreiben. Sie leistet eine Hilfestellung bei allen praktischen Fragen rund ums Praktikum (z.B.: Zugang, Themenfindung für die Arbeit, Datenerhebungstechniken) und bietet zugleich ein Forum, um Teile der Forschungsarbeit resp. empirisches Datenmaterial aus dem Praxisfeld vorzustellen und zu besprechen. Da ein Praktikum üblicherweise in die Semesterferien gelegt wird, kann die Veranstaltung sowohl zur Vorbereitung des Praktikums (als Ideenlieferant) als auch zur Nachbereitung (als Feedbackgeber) genutzt werden. Stephan Kirchschlager steht zudem als Ansprechpartner während des Praktikums zur Verfügung. Erwartet wird die regelmässige Teilnahme und aktive Beteiligung an der Diskussion. Präsentation und Diskussion des eigenen Projektes. Voraussetzungen: Studierende im Masterstudium. Umfang: 1 Semesterwochenstunde Sprache: Deutsch Kontakt: stephan.kirchschlager@unilu.ch / rainer.diazbone@unilu.ch Literatur Siehe Syllabus (OLAT). Masterkolloquium Methoden Dozent: Prof. Dr. Rainer Diaz-Bone Durchführender Fachbereich: Soziologie Termine: 14-täglich Do, 17.15 - 19.00, ab 25.02.2010 PFI, K 1 Studienstufe: Master Veranstaltungsart: Masterkolloquium Inhalt: Das Master-Kolloquium Methoden dient der Präsentation und Diskussion des Methodeneinsatzes im Rahmen empirischer Masterarbeiten und der Forschungsarbeiten (im Modul Forschung – Praxis – Methoden). MA- Studierende haben die Gelegenheit, ihre eigenen Untersuchungen vorzustellen, um methodische und methodologische Fragen, die sich im Laufe der Forschung ergeben, zu diskutieren. Dabei sind empirische Arbeiten auf jeder Stufe des Forschungsprojektes interessant. Teilnehmende präsentieren den Stand ihrer Master-Arbeit bzw. den Stand der freien Forschungsarbeit. Umfang: 1 Semesterwochenstunde Sprache: Deutsch Prüfungsmodus / Credits: KSF: Bestätigte Teilnahme, Präsentation / 2 Kontakt: rainer.diazbone@unilu.ch

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    Soziale Sicherheit 6/2010 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Sozialpolitik Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Sozialpolitik Neuerungen, Anpassungen und laufende Reformen bei den schweizerischen Sozialversicherungen Familienfragen Elternzeit und Elterngeld inhalt Inhaltsverzeichnis Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Editorial 297 Chronik Oktober/November 298 Rundschau 300 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern – ein gravierendes Problem (auch) aus volkswirtschaftlicher Sicht 301 Auf dem Prüfstand: Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz (B. Liebig, Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz) 302 Wie evidenzbasiert und gendersensibel ist die Politik- gestaltung in Schweizer Kantonen? (A. Balthasar, F. Müller, Interface Luzern, J. Maisbacher, Universität Luzern) 305 Gleichstellung «ganz unten»: Investitionen in erwerbslose Frauen (E. Nadai, Fachhochschule Nordwestschweiz – Hochschule für Soziale Arbeit, Olten) 310 Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der schweizerischen Arbeitswelt (M. Nollert, Universität Fribourg) 314 Welche Rolle spielt die familienergänzende Kinderbetreuung für die Gleichstellung? (S. Stern, Infras, Ch. Felfe, Universität St.Gallen) 318 Berufseinstieg und Lohndiskriminierung (K. Bertschy, M. Marti, Ecoplan) 322 Die Revision des Vorsorgeausgleichs bei Scheidung (N. Nussberger, Bundesamt für Justiz) 326 Erwerbstätigkeit und Rentenanspruch von Frauen: Was ist gut, was am besten? (B. Marin, E. Zólyomi, European Centre for Social Welfare Policy and Research in Vienna) 330 Sozialpolitik Neuerungen, Anpassungen und laufende Reformen bei den schweizerischen Sozialversicherungen im Jahr 2011 (R. Marolf, Bundesamt für Sozialversicherungen) 335 Familie, Generationen und Gesellschaft Alterspolitik in den Kantonen: eine Bestandesaufnahme (C. Moor, M. Martin, Universität Zürich) 344 Es ist Zeit für «Elternzeit und Elterngeld» in der Schweiz (J. Krummenacher, Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen) 348 Gesundheitswesen Vergütung der Pflegeleistungen von Familienmitgliedern durch die Krankenversicherung (B. Despland, C. von Ballmoos, HECVSanté, Lausanne) 352 Parlament Parlamentarische Vorstösse 355 Gesetzgebung: Vorlagen des Bundesrats 358 Daten und Fakten Agenda (Tagungen, Seminare, Lehrgänge) 359 Sozialversicherungsstatistik 360 Wichtige Masszahlen im Bereich der beruflichen Vorsorge 362 Literatur 364 Inhaltsverzeichnis CHSS 2010 365 Besuchen Sie uns unter www.bsv.admin.ch CHSS 6/2010 November/DezemberInhalt Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 297 editorial Editorial Yves Rossier Direktor Bundesamt für Sozial- versicherungen BSV Gleichstellung der Geschlechter Der englische Begriff Gender drückt aus, dass in jeder Gesellschaft Erwartungen an Frauen und Männer gestellt werden, die so stark mit dem Geschlecht verknüpft werden, dass daraus soziale Rollen entstehen, denen sich der oder die Einzelne nur schwer entziehen kann. Insbesondere im Hinblick auf die Familie besteht – immer noch mehrheit­ lich – die klare Vorstellung, dass nach der Geburt eines Kindes natürlicherweise die Mutter die Betreuung über­ nimmt, während der Vater sich um die finanzielle Versor­ gung der Familie kümmert. So sinnvoll diese Arbeitsteilung nach der Geburt sein kann, so sehr beeinflussen diese Erwartungen das Entscheidungsverhalten von Frauen und Männern bei Ausbildung und Berufswahl oder beim Ein­ tritt und Engagement auf dem Arbeitsmarkt, wie auch die Entscheidungen von Unternehmen bei der Besetzung und Entlöhnung von Arbeitsplätzen und der Beförderung von Arbeitskräften. Die aus diesen Entscheidungen resultie­ rende ungleiche Situation von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich in den einkommensab­ hängig definierten Ansprüchen und Leistungen der Sozi­ alversicherungen wider. Vor allem alleinerziehende Mütter müssen häufig weitere, bedarfsabhängige Leistungen in Anspruch nehmen. Die in dieser Ausgabe vorgestellten Projekte des neuen Nationalen Forschungsprogramms 60 «Gleichstellung der Geschlechter» widmen sich einerseits der Analyse, wie sich sozialpolitische Rahmenbedingungen und Leistungen, die eigentlich dem Ausgleich sozialer Ungleichheiten dienen sollen, auf diese geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und die ebenso geprägten Entscheidungen von Frauen und Männern auswirken. Andererseits werden wichtige Faktoren, wie der Einstieg in den Arbeitsmarkt, die Be­ deutung der familienergänzenden Kinderbetreuung und die Bedeutung sozialer Investitionen auf die Gleichstellung vertieft analysiert. Mit dem Beschluss des Bundesrats, die Bestimmungen des Vorsorgeausgleichs bei Scheidungen zu revidieren, wird deutlich, wie eng die sozialpolitischen oder rechtlichen Rahmenbedingungen mit den sozialen Realitäten verbun­ den sind. Das Beispiel der Vorsorgelücke bei geschiedenen Witwen zeigt auf, wie weit und wie langfristig eine sozial­ politische Bestimmung wie der Vorsorgeausgleich das umfassend angelegte System der Altersvorsorge beeinflus­ sen kann. Wenn soziale Rollen zu sozialen Ungleichheiten führen, ist es dann Aufgabe der Sozialpolitik, über den sozialen Ausgleich gerade auch noch für eine bessere Gleichstellung von Frauen und Männern zu sorgen? Ein internationaler Vergleich verschiedener Systeme der Altersvorsorge und ihre Auswirkungen auf die Altersvor­ sorge von Frauen und Männern überrascht mit der Er­ kenntnis, dass eine allzu geschlechtsspezifische Ausgestal­ tung von Altersvorsorgesystemen auch dazu beitragen kann, traditionelle soziale Rollen und die mit ihnen ver­ bundenen ungleichen Ansprüche zu zementieren. Die Autoren empfehlen eine strikt geschlechtsneutrale und versicherungsmathematisch faire Berechnung der An­ sprüche und Renten, deren Höhe weitgehend an die ge­ leisteten Beiträge zu knüpfen sei. Gesellschaftlich er­ wünschte Leistungen wie Kinderbetreuung und Pflege von kranken oder älteren Familienangehörigen müssten in diesem System adäquat, aber separat honoriert werden, damit die Erbringung dieser Leistungen nicht zu Vorsorge­ lücken führt. Offenbar kann aber weder eine geschlechtsneutrale noch gendersensible Sozialpolitik die Folgen einer traditionellen Rollenteilung auf dem Arbeitsmarkt vollumfänglich kom­ pensieren. Dies zu ändern, bleibt eine Aufgabe der Bil­ dungs­ und Gleichstellungspolitik und aller Frauen und Männer, die sich für mehr Chancengleichheit und Gleich­ berechtigung in Familie und Beruf einsetzen. 298 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 chronik Chronik Oktober/November 2010 Berufliche Vorsorge: Der Mindest zins satz bleibt bei 2 Prozent Der Bundesrat hat beschlossen, den Mindestzinssatz auch im nächsten Jahr bei 2 Prozent zu belassen. Die Festlegung des Satzes erfolgt auf Ba- sis einer Berechnungsmethode, wel- che die Eidgenössische Kommission für berufliche Vorsorge dem Bundes- rat im letzten Jahr mehrheitlich emp- fohlen hat. Entscheidend für die Hö- he des Mindestzinssatzes sind dabei vor allem der langfristige Durch- schnitt der Bundesobligationen sowie die Entwicklung von Aktien, Anlei- hen und Liegenschaften. Reform der AHV: Schritte nach dem Parlaments­ entscheid – Das EDI sieht zwei parallele Reformen nach Konsultationen vor Das Eidg. Departement des Innern (EDI) nimmt den Entscheid des Na- tionalrats, dessen Mehrheit in der Schlussabstimmung die 11. AHV- Revision abgelehnt hat, zur Kenntnis. Diese Revision ist somit definitiv ge- scheitert, obwohl beide Kammern sich bei sämtlichen Punkten einigen konnten, insbesondere auch bei der gezielten Unterstützung, die Personen mit sehr bescheidenen Einkommen einen vorzeitigen Rentenbezug er- leichtert hätte. Wie schon angekün- digt, will das EDI die Reform der AHV rasch neu lancieren. Um eine mehrheitsfähige Lösung zu finden, wird das EDI dazu die wichtigsten politischen Parteien und Sozialpart- ner konsultieren. Sozial versicherungs­ abkommen mit Montenegro und Serbien unter zeichnet Am 7. Oktober 2010 wurde in Pod- gorica ein Sozialversicherungsabkom- men mit Montenegro unterzeichnet, am 11. Oktober 2010 ein vergleichba- rer Vertrag mit Serbien in Belgrad. Diese Vereinbarungen ersetzen das bilaterale Abkommen mit Jugoslawi- en von 1964. Berufliche Vorsorge: Anpas­ sung der Hinterlassenen­ und Invalidenrenten BVG an die Preisentwicklung auf den 1.1.2011 Auf den 1. Januar 2011 werden die obligatorischen Hinterlassenen- und Invalidenrenten der zweiten Säule, die seit 2007 ausgerichtet werden, erst- mals an die Preisentwicklung ange- passt. Für sie beträgt der Teuerungs- ausgleich 2,3 Prozent. Renten, die 2006 zum ersten Mal ausgerichtet wur- den, werden um 0,3 Prozent erhöht. Die Renten aus der Zeit vor 2006 wer- den auf den 1.1.2011 nicht erhöht, weil der Preisindex seit ihrer letzten An- passung (1.1.2009) nicht gestiegen ist. Sozialv ersicherungs ab kom­ men mit Japan unterzeichnet Am 22. Oktober 2010 wurde in Bern ein Sozialversicherungsabkom- men mit Japan unterzeichnet. Das Sozialversicherungsabkommen ba- siert auf den gleichen Grundsätzen wie die übrigen von der Schweiz ab- geschlossenen Sozialversicherungs- abkommen. Es regelt insbesondere den gegenseitigen Export von Ren- tenleistungen, die Gleichbehandlung der Staatsangehörigen des anderen Vertragsstaats, die anwendbaren Rechtsvorschriften und die gegensei- tige Verwaltungshilfe. Das Abkom- men unterstützt auch den wirtschaft- lichen Austausch zwischen der Schweiz und Japan, indem es den Ein- satz von Personal sowie die Erbrin- gung von Dienstleistungen im ande- ren Staat erleichtert. Das Abkommen tritt erst nach der innerstaatlichen Genehmigung in Kraft, was in der Schweiz die Gutheissung durch das Parlament auf Grund einer Botschaft des Bundesrats bedingt. Eigenständiger IV­Ausgleichsfonds Der Bundesrat hat die Änderung der Verordnung über die Verwaltung des Ausgleichsfonds der AHV verab- schiedet. Die Verordnungsbestim- mungen ergänzen das Bundesgesetz über die Sanierung der IV und ermög- lichen so die Einrichtung eines eigen- ständigen IV-Ausgleichsfonds. AHV, IV und EO verfügen künftig über eigene Ausgleichsfonds. Das Gesetz über die Sanierung der IV und die Verordnungsänderung treten per 1. Ja- nuar 2011 in Kraft. Berufliche Vorsorge: Was die Senkung der Eintritts­ schwelle im Rahmen der 1. BVG­Revision von 2005 bewirkt Dank der 1. BVG-Revision sind neu rund 140 000 Arbeitnehmende mit tiefen Einkommen zusätzlich in der beruflichen Vorsorge versichert, ins- besondere Frauen mit Teilpensen unter 50 Prozent. Sie und ihre An- gehörigen profitieren vor allem von einem besseren Versicherungsschutz bei Invalidität und im Todesfall. Die Altersvorsorge hat sich zudem für einen Teil der neu versicherten Per- sonen verbessert. Bei den anderen ergab sich keine Verbesserung, da die zusätzlichen Leistungen der Pensions- kasse durch entsprechend tiefere Er- gänzungsleistungen kompensiert werden. Das geht aus einer Studie hervor, mit der im Auftrag des BSV Auswirkungen der Gesetzesrevision untersucht wurden. Betrugsbekämpfung in der IV 2009 Die Betrugsbekämpfung in der Invalidenversicherung zeigt Wir- kung: Im Jahr 2009 hat die IV in 2550 verdächtigen Fällen Ermittlungen aufgenommen. 1180 Ermittlungen wurden abgeschlossen. Dabei bestä- Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 299 Oktober/November 2010Chronik tigte sich der Verdacht in 240 Fällen, was eine Herabsetzung oder Aufhe- bung der Rentenleistung, resp. eine Nichtsprechung einer Neurente zur Folge hatte. Damit konnten insge- samt 180 ganze Renten eingespart werden, was einer jährlichen Ausga- benreduktion von rund 4,6 Mio. Fran- ken entspricht. Armutskonferenz des BSV Die nationale Konferenz zur ge- meinsamen Bekämpfung der Armut (9. November 2010 in Bern) hat den rund 170 Teilnehmenden die Gelegen- heit geboten, sich mit der «Gesamt- schweizerischen Strategie zur Ar- mutsbekämpfung» des Bundes und den Positionen der zentralen Akteu- rinnen und Akteure auseinanderzu- setzen. Sie richtete sich an alle in die Prävention und Bekämpfung der Ar- mut involvierten Organisationen und Personen (Armutsbetroffene, Sozial- hilfe, Sozialversicherungen, NGO, Kirchen und weitere). Vertieft wurde insbesondere das Thema der interin- stitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) im Hinblick auf die Wiedereingliede- rung von armutsgefährdeten und -be- troffenen Personen in den Arbeits- markt sowie das Thema Ergänzungs- leistungen für Familien. In einer ge- meinsamen Erklärung von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden wurden die prioritären Handlungsfel- der und die weitere Zusammenarbeit festgehalten. Dokumentation und Video-Aufzeichnung sind im Internet abrufbar: www.armutskonferenz.admin.ch. Strukturreform in der beruflichen Vorsorge: Verordnun gen in der Vernehmlassung Der Bundesrat hat die Verordnun- gen zur Umsetzung der Strukturre- form in der beruflichen Vorsorge in die Vernehmlassung geschickt. Diese dauert bis zum 28. Februar 2011. Die Reform stärkt die Aufsicht, stellt strengere Anforderungen an die Ak- teure in der 2. Säule und erhöht die Transparenz bei der Verwaltung von Pensionskassen, womit sie zur Verhin- derung von Missbräuchen beiträgt. Die Strukturreform antwortet damit auch auf Anliegen, die im Vorfeld der Eidgenössischen Volksabstimmung zum Umwandlungssatz vom 7. März 2010 geäussert wurden. 300 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 rundschau Rundschau Europäische Statistiken: eine Informationsquelle für alle Am 20. Oktober wurde zum ersten Mal der Weltstatistiktag gefeiert. Die- ses Ereignis hebt die Bedeutung von offiziellen Statistiken in unserer Ge- sellschaft hervor. Auf EU Ebene wur- den von den nationalen statistischen Ämtern der Mitgliedsstaaten, ge- meinsam mit Eurostat, seit mehr als 50 Jahren Anstrengungen unternom- men, um zuverlässige und vergleich- bare Daten zu erzielen. Heutzutage werden europäische Statistiken in vielfältiger Weise von einer wachsen- den Anzahl von Menschen verwendet. In der Arbeitswelt Tritt fassen: Coaching für Jugendliche «Ausbildung (fast) geschafft, aber kein Job in Sicht?» Dies ist der Slogan eines neu lancierten Coaching-Pro- jekts für Jugendliche und junge Er- wachsene im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, die am Ende einer Ausbil- dung und auf der Jobsuche sind. Hin- ter dieser Initiative steht das schwei- zerische Arbeiterhilfswerk (SAH) mit einem Mandat der Credit Suisse. Das Projekt CT2 (Coaching Transistion 2) hat zum Ziel, möglichst viele Jugend- liche in ein reguläres Arbeitsverhält- nis zu begleiten und Hilfe zur Selbst- hilfe zu leisten. Es ist auf drei Jahre angelegt. Im September 2011 wird eine erste Zwischenbilanz gezogen. (http://www.ct2.ch/DE/index.php) Dialog Nationale Gesund­ heitspolitik – Wegweiser für Palliative Care in der Schweiz Bund und Kantone haben gemein- sam die «Nationalen Leitlinien Palli- ative Care» verabschiedet. Erstmals wird damit ein gesamtschweizerischer Konsens erreicht, was Palliative Care beinhaltet, wann sie beginnt oder wer sie erbringt. Über 100 Organisationen und Institutionen haben sich daran beteiligt. OECD­Bericht zur Akti­ vierungspolitik im Schweizer Arbeitsmarkt Die OECD hat am 21. Oktober 2010 ihren Bericht «Aktivierungs- politik im Schweizer Arbeitsmarkt» veröffentlicht und zeichnet insgesamt ein positives Bild der Schweizer Ar- beitsmarktpolitik. Herausforderun- gen werden vorwiegend bei der Zu- sammenarbeit zwischen den invol- vierten Institutionen geortet. Die Bevölkerung fühlt sich gesund Eine grosse Mehrheit (87%) der Schweizer Bevölkerung bezeichnet ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Hingegen ist ein gutes Drittel der Bevölkerung überge- wichtig. Zudem bewegen sich nur zwei von fünf Personen in ihrer Frei- zeit ausreichend. Dies geht aus dem zusammenfassenden Bericht der Schweizerischen Gesundheitsbe- fragung 2007 des BFS hervor. Dieser bietet eine Übersicht über den Ge- sundheitszustand der Bevölkerung in der Schweiz sowie über die Fak- toren, welche die Gesundheit beein- flussen. Working­Poor­Quote 2008 tiefer als im Vorjahr Eine Berechnung der Working- Poor-Quoten durch das Bundesamt für Statistik (BFS) für die Jahre 2007 und 2008 zeigt einen Rückgang von 4,8 auf 3,8 Prozent in diesem Zeit- raum. Diese Entwicklung kann durch das positive Wirtschaftswachstum und die starke Abnahme der Arbeitslo- senzahlen in den Jahren 2006 bis 2008 erklärt werden. Die provisorischen Ergebnisse basieren auf einer verbes- serten Datengrundlage. Aus diesem Grund sind die aktualisierten Quoten mit jenen früherer Jahre nicht ver- gleichbar. Berufliche Vorsorge 2009 – Bilanzsumme wieder bei 600 Milliarden Franken Die gute Börsenentwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2009 führte bei den Vorsorgeeinrichtungen am Jah- resende zu einer deutlichen Entspan- nung der Lage: Der Saldo der Kurs- und Wertgewinne bzw. -verluste stieg auf 43,2 Milliarden Franken, wodurch die Unterdeckung per Ende 2009 spürbar auf 34,5 Milliarden Franken (–40,3%) abgebaut werden konnte. Parallel dazu stiegen die Wert- schwankungsreserven auf 24,8 Mil- liarden Franken (+193,5%) an. Mit 598 Milliarden Franken erreichte die Bilanzsumme nahezu das Niveau von 2007. Dies geht aus den vom Bundes- amt für Statistik publizierten provi- sorischen und mittels Stichprobe ermittelten Ergebnissen der Statistik der beruflichen Vorsorge 2009 her- vor. Anhaltendes Wachstum der Gesundheitsausgaben Die Ausgaben für das Gesundheits- wesen betrugen im Jahr 2008 insge- samt 58,5 Milliarden Franken oder 10,7 Prozent des Bruttoinlandpro- dukts. Gegenüber dem Vorjahr stie- gen sie um 5,9 Prozent und damit stärker als in den letzten fünf Jahren, die eine mittlere jährliche Wachstums- rate von 3,5 Prozent aufwiesen. Dies sind neueste Ergebnisse des Bundes- amts für Statistik (BFS). Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 301 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern – ein gravierendes Problem (auch) aus volks wirt­ schaftlicher Sicht Trotz aller Errungenschaften in den vergangenen dreissig Jahren existiert in der Schweiz weiterhin eine Kluft zwischen institutionalisiertem Gleichheitsanspruch und der Realität. Soziale Ungleich­ heiten in alter und neuer Gestalt verletzen die Prinzipien von Chancengleichheit und sozialer Nachhaltigkeit. Niedrige Geburtenzahlen, wie sie auch in der Schweiz heute insbesondere in der Gruppe gut ausgebildeter Frauen zu erkennen sind, verstärken die demografische Alterung und führen nicht zuletzt zu Problemen in den Sozialversicherungen. Nicht allein aus Gerechtigkeits­ überlegungen, sondern auch aus volkswirtschaftlicher Sicht stellen die anhaltenden Ungleichhei­ ten zwischen den Geschlechtern ein gravierendes Problem für die Schweiz dar. Foto: Christoph Wider 302 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Brigitte Liebig Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz Auf dem Prüfstand: Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz Seit den 1960er Jahren verzeichnen viele europäische Staaten Reformen, die auf Gerechtigkeit, Chancen­ gleichheit und Gleichbehandlung zielen. In den spät­ modernen westlichen Gesellschaften haben sie zu einer zunehmenden Sensibilisierung und Benennung von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern beigetragen (vgl. Gildemeister/Wetterer 2007). Auch in der Schweiz unterstützen die Gleichstellungsgesetzge­ bungen sowie eine Vielzahl von staatlichen Program­ men und Massnahmen die gesellschaftliche Reflexion über Geschlechterrollen und zielen darauf, Ungleich­ stellungen zwischen den Geschlechtern in Bildung, Erwerb und Familie zu tilgen. Dem aktuellen Stand dieser Entwicklungen widmet sich das Nationale Forschungsprogramm 60 – Gleichstellung der Ge­ schlechter. Grenzen der Gleichstellung Gleichstellungspolitisch wurde in den vergangenen dreissig Jahren in der Schweiz vieles erreicht (vgl. z.B. BFS 2008, 2009; Bühler/Heye 2005): So ist mit der Dele- gitimation ungleicher Bildungs- und Erwerbschancen die Teilhabe von Frauen an Ausbildung und Erwerb erheblich gewachsen. Auf der Suche nach Humankapital zeigen sich privatwirtschaftliche Unternehmen zunehmend mo- tiviert, über Defizite ihrer Selektions- und Beförderungs- praktiken nachzudenken und Frauen auch in verantwor- tungstragenden Bereichen zu beschäftigen. Trotz aller Errungenschaften existiert jedoch weiterhin eine Kluft zwischen institutionalisiertem Gleichheitsanspruch und der Realität der Geschlechterverhältnisse und -bezie- hungen. Vielfach, so scheint es, versanden gleichstellungs- politische Vorgaben im Prozess ihrer Umsetzung; vielfach scheitern sie an den Routinen des familiären und beruf- lichen Alltags oder sie werden im Kräftespiel der Inter- essen neu interpretiert. So sind Frauen in der Schweiz bis heute deutlich seltener als Männer in technisch-natur- wissenschaftlichen Bildungsgängen anzutreffen, während – bei offensichtlichen Angleichungen der Erwerbsquote – innerhalb der Berufe Hierarchien fortbestehen (vgl. dazu etwa die Berufsfelder Medizin oder Jurisprudenz). Bis heute ist die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes in der Schweiz wesentlich ausge- prägter als in anderen europäischen Ländern. Weder im gering- noch im hochqualifizierten Bereich vermögen Frauen ihre Qualifikationen ähnlich erfolgreich wie Män- ner in berufliche Positionen und Entlöhnung umzusetzen. Auch hat sich bei der Verteilung von Hausarbeit und «care work» im Privaten erst wenig geändert. Trotz mo- derner Vorstellungen von partnerschaftlicher Arbeits- teilung werden selbst von jungen Paaren weiterhin tra- ditionelle Familienmodelle gelebt. Nach wie vor ist Armut bei Alleinerziehenden oder häusliche Gewalt weit verbreitet. Noch weitestgehend unbemerkt sind überdies neue Ungleichheiten, die an der Verkoppelung der Geschlechtszugehörigkeit mit weiteren Kategorien sozialer Differenzierung, wie der ethnischen Herkunft, der sexuellen Orientierung, dem elterlichen Status oder dem Lebensalter von Menschen ansetzen. Soziale Ungleichheiten in alter und neuer Gestalt ver- letzen die Prinzipien von Chancengleichheit und sozialer Nachhaltigkeit. Niedrige Geburtenzahlen, wie sie auch in der Schweiz heute insbesondere in der Gruppe gut ausgebildeter Frauen zu erkennen sind, befördern die demografische Alterung und führen nicht zuletzt zu Pro- blemen in den Sozialversicherungen. Wissens-, Erfah- rungs- und Kreativitätspotenziale einer Gesellschaft werden nur suboptimal ausgeschöpft, wenn sich qualifi- zierte Frauen nach der Geburt des ersten Kindes vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Nicht allein aus Gerechtig- keitsüberlegungen, sondern auch aus volkswirtschaft- licher Sicht stellen die anhaltenden Ungleichheiten zwi- schen den Geschlechtern ein gravierendes Problem für die Schweiz dar. Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 303 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Das Nationale Forschungsprogramm 60 – «Gleichstellung der Geschlechter» Vor dem Hintergrund der hier skizzierten Problematik hat der Bundesrat dem Schweizerischen Nationalfonds im November 2007 den Auftrag erteilt, das Nationale Forschungsprogramm 60 «Gleichstellung der Geschlech- ter» (NFP 60) durchzuführen. Aufgabe des Programms ist es, vertieftes Wissen über die Wirksamkeit der Gleich- stellungspolitiken und Massnahmen der vergangenen Jahrzehnte sowie Antworten auf die anhaltende Un- gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu erarbeiten. Seine Resultate sollen Grundlagen für eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Gleichstellungspolitik in der Schweiz bereitstellen. Das Programm verknüpft drei aufeinander bezogene Ebenen der Analyse: 1. Politikanalysen: Gleichstellungspolitik baut auf einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlichster, oft- mals kontroverser Interessenmuster in Gesellschaft und Politik auf. Die Analyse der Entstehung und des Vollzugs der schweizerischen Gleichstellungspolitik in Bund, Kantonen und Gemeinden stellt deshalb eine wichtige Grundlage der Beurteilung des Erfolgs und der Wirksamkeit bisheriger gleichstellungspolitischer Aktivitäten dar (vgl. dazu Nollert, Seite 314). Gewicht kommt überdies der Analyse von Politikbereichen zu, die – wie etwa die Steuer- oder Sozialpolitik – nicht explizit auf die Förderung der Gleichstellung abzielen, von denen jedoch Konsequenzen für die Geschlech- terverhältnisse zu erwarten sind (vgl. dazu Balthasar et al., Seite 305 und Nadai, Seite 310). So stellt sich etwa auch an die jüngsten Sozialversicherungsreformen die Frage, wie die Lasten des Umbaus der AHV gerecht verteilt und Ungleichheiten getilgt werden können, ohne spezifische Ausschnitte der Gesellschaft, darunter insbesondere Frauen, neuerlich zu benachteiligen. 2. Evaluation von Gleichstellungsmassnahmen: Seit der verfassungsrechtlichen Verankerung der Gleichstellung von Frau und Mann wurden in der Schweiz eine Viel- zahl von Initiativen und Aktivitäten realisiert. Die Untersuchung der Wirksamkeit dieser Massnahmen, die auf staatlicher Ebene sowie in öffentlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen zur Anwendung gelangen, bildet einen weiteren Schwerpunkt des Pro- gramms. Dabei sollen die Erfolge, Herausforderungen und Grenzen der Gleichstellungsaktivitäten auch vor dem Hintergrund der Situation in anderen europäi- schen Ländern beurteilt werden. So wird etwa die Fra- ge gestellt, inwiefern betriebliche Programme zur Gleichstellung im Erwerbsleben auch ältere Berufstä- tige erreichen oder inwieweit familienexterne Ange- bote der Kinderbetreuung (vgl. Stern/Felfe Seite 318) tatsächlich die berufliche Partizipation von Frauen verbessern können. Auf den Prüfstand geraten aus der Sicht von Betroffenen überdies die Effekte gesetzlicher Regelungen und institutioneller Angebote, die in den vergangenen Jahren zur Prävention von Gewalt in Partnerschaften erstellt wurden. 3. Analysen der Ursachen anhaltender Ungleichstellung: Die komplexen Ursachen, die zur Herstellung und Fortschreibung von Ungleichheiten zwischen den Ge- schlechtern beitragen, bilden den dritten und umfas- sendsten Schwerpunkt des Programms. Drei gleichstel- lungspolitische Kernbereiche rücken in diesem Zusam- menhang in den Mittelpunkt: Erwerbsarbeit, Bildung und Familie. Sowohl innerhalb dieser Bereiche als auch an ihren Schnittstellen werden Prozesse und Faktoren identifiziert, die dazu beitragen, dass gesetzliche Vor- gaben und Massnahmen der Gleichstellung keine Wir- kungen entfalten können, dass sich Normativitäten und Verhaltensroutinen perpetuieren. Die ursachenorien- tierten Analysen verorten Geschlechterungleichheiten im Kontext aktueller gesellschaftlicher, institutioneller und biografischer Bedingungen und berücksichtigen dabei insbesondere auch die Wechselwirkungen zwi- schen Geschlecht und weiteren Kategorien sozialer Ungleichheit. So wird etwa dem Zusammenspiel von ethnischer Herkunft und Geschlecht in seiner Relevanz für den Arbeitsmarktzugang im Allgemeinen wie – am Beispiel von privaten Pflegedienstleistungen – in seiner Rolle für neue Unter- und Überordnungsverhältnisse in Familienhaushalten empirisch nachgegangen. Die Zielsetzungen des NFP 60 Das NFP 60 lässt vertiefte Erkenntnisse über die ge- sellschaftlichen, institutionellen und politisch-adminis- trativen Voraussetzungen von Gleichstellungspolitik sowie den Einfluss weiterer Politikfelder auf gleichstel- lungspolitische Vorgaben erwarten. Es wird Aussagen dazu erlauben, inwiefern sich die seit den 1980er Jahren von verschiedenen gesellschaftlichen AkteureInnen ver- folgten Konzepte, Strategien und Massnahmen der Gleichstellung im gesellschaftlichen Alltag, in Bildung, Erwerbsleben und Familie bewährt haben – und welche Herausforderungen aktuell mit der Umsetzung gleich- stellungspolitischen Handelns und der Verwirklichung von Geschlechtergleichheit verknüpft sind. Für Bildungseinrichtungen, Wirtschaft, Politik und Verwaltung wird das Programm Wissen und Empfehlun- gen zur Frage bereitstellen, wie Gleichstellungspolitik und -aktivitäten ausgestaltet sein müssen, damit sie Wi- derstände überwinden und gesellschaftliche Strukturen ebenso wie individuelle Handlungs- und Entscheidungs- muster in einem nachhaltigen Sinn beeinflussen können. Es wird darlegen, inwiefern auf rechtlicher, ökonomischer, politischer, struktureller und kultureller Ebene Ergän- zungen und Entwicklungen notwendig sind, um her- 304 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat kömmliche und neu entstandene Ungleichheiten zwi- schen den Geschlechtern systematisch abzubauen. Das NFP 60 soll darüber hinaus die Professionalisie- rung der Gleichstellungsarbeit und die Entwicklung von Qualitätsstandards für eine nachhaltige Gleichstellungs- politik unterstützen. Es soll aufzeigen, in welcher Weise transformativ auf die anhaltende Lohndiskriminierung (vgl. dazu Bertschy/Marti, Seite 322), auf traditionelles Bildungs- und Berufswahlverhalten oder sexuelle Beläs- tigung am Arbeitsplatz Einfluss genommen werden kann, oder wie sich eine geschlechtersensible Perspektive ver- stärkt als Qualitätskriterium bei der Entwicklung von Bildungsinstitutionen und Arbeitsorganisationen, im Bereich der Sozialversicherung oder des Steuerrechts einsetzen lässt. Mit seiner Hilfe sollen Anreizstrukturen, Instrumente und Prozesse offengelegt werden, die in direkter oder indirekter Weise zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen können. Wissenschaft im Dialog mit der Praxis Das NFP 60 begann im Herbst 2010 mit der Durchfüh- rung von 21 Forschungsprojekten, die in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen sowie in allen Lan- desteilen der Schweiz beheimatet sind und deren Resul- tate im Herbst 2014 erwartet werden. Die Projekte kenn- zeichnen geschlechterreflexive Ansätze, die gleichermas- sen den Gemeinsamkeiten wie den Unterschieden zwi- schen Frauen und Männern Rechnung tragen, wobei sie diese in strukturellen, politisch-recht lichen, kulturell- symbolischen, ökonomischen und biografischen Zusam- menhängen situieren. Das NFP 60 ist auf einen intensiven Dialog mit Politik und Medien, mit Unternehmen, sozialen Institutionen und Verwaltungen, mit Gleichstellungsstellen und -be- auftragten sowie Frauen- und Männerorganisationen ausgelegt. Die Projekte werden wesentliche, mit aktuel- len Gleichstellungsfragen verknüpfte Problemkomplexe beleuchten, aktuellen (gleichstellungs-)politischen De- batten Substanz verleihen und dabei auch auf Sachver- halte aufmerksam machen, die quer zu jedem partei- politischen Schema liegen. Sie werden damit auch bisher unerkannten oder unthematisierten Formen der Un- gleichstellung eine Stimme verleihen. Literatur Bühler, Elisabeth/Heye, Cornelia (2005): Eidgenössische Volkszählung 2000. Fortschritte und Stagnation in der Gleichstellung der Geschlechter 1970– 2000, hrsg. vom Bundesamt f. Statistik, Neuchâtel. Bundesamt für Statistik (2008): Gleichstellung von Frau und Mann. Die Schweiz im internationalen Vergleich. Eine Auswahl von Gleichstellungs- indikatoren in den Bereichen Bildung, Arbeit und Politik, Neuchâtel. Bundesamt für Statistik (2009): Auf dem Weg zur Gleichstellung von Frau und Mann. Stand und Entwicklung, Neuchâtel. Gildemeister, Regine & Wetterer, Angelika (Hg.) (2007): Erosion oder Repro- duktion geschlechtlicher Differenzierung? Widersprüchliche Differenzierun- gen in professionalisierten Berufsfeldern und Organisationen, Münster. Die Zusammenfassungen der Projekte sind auf der Web- site www.nfp60.ch unter Projekte aufgeschaltet. Brigitte Liebig, Prof. Dr., Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschule Nordwestschweiz; Präsidentin der Leitungs- gruppe des Nationalen Forschungsprogramms 60: «Gleichstellung der Geschlechter». E-Mail: brigitte.liebig@fhnw.ch Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 305 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Andreas Balthasar Interface Politikstudien Forschung Beratung und Seminar für Politik- wissenschaft Universität Luzern Franziska Müller Interface Politikstudien Forschung Beratung Luzern Julia Maisenbacher Seminar für Politikwissenschaft Universität Luzern Wie evidenzbasiert und gendersensibel ist die Politikgestaltung in Schweizer Kantonen? Mit dem vorgestellten Projekt wird im Nationalen Forschungsprogramm 60 «Gleichstellung der Ge­ schlechter» untersucht, ob den kantonalen Politikerin­ nen und Politikern für Entscheidungen in der Steuer­ und Transferpolitik evidenzbasierte und gendersensib­ le Informationen zur Verfügung standen und welchen Einfluss diese auf die Politikgestaltung hatten. Ausgangslage: Steuer­ und Transferpolitik ist wenig gendersensibel Die Steuerpolitik und die Ausgestaltung von Sozial- transfers können die Aufteilung und den Umfang der Erwerbsarbeit von Alleinerziehenden und Paaren mass- geblich beeinflussen. Ob es sich finanziell lohnt, einer Erwerbsarbeit nachzugehen oder gar das Erwerbspensum zu erhöhen, hängt unter anderem davon ab, wie das Steuer system, die Sozialhilfe, die individuelle Verbilligung der Prämie für die obligatorische Krankenversicherung, die Alimentenbevorschussung oder die Subventionen zugunsten der familienergänzenden Kinderbetreuung ausgestaltet und aufeinander abgestimmt sind. Grafik G1 zeigt dies beispielhaft für ein Ehepaar mit zwei fremd- betreuten Kindern in der Stadt Luzern auf. Die rote Kur- ve bildet die Entwicklung des verfügbaren Einkommens bei steigendem Erwerbseinkommen ab. Das verfügbare Einkommen ist dabei jenes Einkommen, welches dem Haushalt unter Berücksichtigung aller Einnahmen (Ein- kommen und Sozialtransfers [Alimente, Familien- und Kinderzulagen, Prämienverbilligung]) abzüglich Steuern, Miete, Krankenkassenprämien sowie familien ergänzender Kinderbetreuung zur Verfügung steht. Mit dem verfüg- baren Einkommen müssen alle Ausgaben für Nahrung, Kleidung, Bildung, Transport, Freizeit usw. sowie für nicht berücksichtigte Versicherungsleistungen und allfällige Selbstbehalte finanziert werden. Es lässt sich erkennen, dass bei einem gemeinsamen Bruttoeinkommen zwischen rund 78 000 und 142 000 Franken kein zusätzliches ver- fügbares Einkommen gewonnen werden kann, da die Kosten für die Kinderbetreuung zum Teil stärker anstei- gen als das zusätzliche Einkommen. Kurzfristig und rein monetär betrachtet lohnt es sich in diesem Fall nur sehr beschränkt, wenn beide Partner gemeinsam mehr als 100 Prozent berufstätig sind. Das vorliegende Beispiel dokumentiert nur einen von vielen negativen Arbeitsanreizen für Frauen, welche sozioökonomische Studien in den letzten Jahren als Er- gebnis eines wenig reflektierten Zusammenspiels von Verfügbares Einkommen eines Haushalts mit zwei Erwachsenen und zwei fremd­betreuten Kindern in der Stadt Luzern G1 0 10 000 20 000 30 000 40 000 50 000 60 000 70 000 80 000 90 000 100 000 60 00 0 70 00 0 80 00 0 90 00 0 10 0 00 0 11 0 00 0 12 0 00 0 13 0 00 0 14 0 00 0 15 0 00 0 16 0 00 0 17 0 00 0 18 0 00 0 Bruttolohn V er fü g b ar es E in ko m m en 80% 100% 120% 140% 160% 180% gemeinsames Pensum Dargestellt wird die Situation eines Haushalts mit einem Primäreinkommen von 60 000 Franken bei einem Beschäftigungsgrad von 80 Prozent und einem variablen Sekundär- einkommen. Bis zu einem gemeinsamen Arbeitspensum von 100 Prozent ist keine familienergänzende Kinderbetreuung notwendig. Quelle: Balthasar/Gysin 2009. 306 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Steuern und Sozialtransfers identifiziert haben (OECD 2004; Knöpfel et al. 2007; Bütler/Rüsch 2009). Es stellt sich die Frage, ob den Entscheidungsträgerinnen und -trägern bei der Gestaltung der entsprechenden Politiken zuverlässige Informationen über die genderspezifischen Auswirkungen von Entscheidungen zur Verfügung stan- den und ob sie diese gegebenenfalls auch verwendet haben. Die Genderforschung hat in den letzten Jahren ver- schiedene Instrumente entwickelt, um die Gleichstellung von Mann und Frau auch in Politikbereichen voranzu- treiben, die nicht explizit auf die Förderung der Gleich- stellung zielen, die jedoch wichtige Auswirkungen auf Geschlechterverhältnisse haben. Ein solches Instrument ist zum Beispiel Gender Mainstreaming. Dieses wird von der nationalen und auch von der europäischen Politik propagiert und hat zum Ziel, dass direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gleichstellung von Mann und Frau bei allen politischen Entscheiden berücksichtigt werden (Council of Europe 2004). Eine Vorbedingung für wirk- sames Gender Mainstreaming ist, dass die Politik und die Verwaltung über Informationen zu den Auswirkungen einer Politik auf die Gleichstellung von Mann und Frau verfügt. Fragestellung: Wie evidenzbasiert ist die Steuer­ und Transferpolitik? Hier setzt das geplante Forschungsprojekt «Wie evi- denzbasiert und gendersensibel ist die Politikgestaltung in Schweizer Kantonen?» an. Es untersucht, ob bei der Gestaltung der Steuerpolitik und der Sozialtransfers in den Schweizer Kantonen auf zuverlässige Informationen über die Auswirkungen der Gesetzgebung auf die Gleich- stellung von Mann und Frau zurückgegriffen werden konnte und ob dies auch getan wurde. Damit sollen vor- nehmlich zwei Ziele erreicht werden: • Erstens will das Projekt das Ausmass evidenzbasierter Politikgestaltung in zwei für die Gleichstellung von Mann und Frau zentralen Feldern der Schweizer Poli- tik identifizieren und beschreiben. • Zweitens sollen wichtige Einflussfaktoren auf die evi- denzbasierte Politikgestaltung identifiziert werden, um so die gendersensible Politikgestaltung zu erleichtern. Die Steuerpolitik und die Sozialtransfers wurden als Bei- spiele ausgewählt, weil es sich dabei um Politiken handelt, welchen in Wohlfahrtstaaten eine sehr grosse gesellschaft- liche und ökonomische Bedeutung zukommt. Auf diese Weise will das Projekt zentrale Anliegen des Gender Mainstreamings in gesellschaftlich und politisch wichtigen Politikbereichen unterstützen. Verfügbare Literatur zeigt, dass Politik und Verwaltung in vielen Ländern Europas die Auswirkungen der Steuerpolitik und der Sozialtrans- fers auf die Gleichstellung von Mann und Frau wenig beachten. Es werden immer wieder neue Massnahmen implementiert, welche die klassische Rollenteilung ze- mentieren (European Commission 2006). Das Forschungs- projekt will daher untersuchen, warum verfügbares Wissen über die Auswirkungen von Gesetzgebungsprojekten betreffend Steuerpolitik und Sozialtransfers in konkreten Fällen genutzt oder eben nicht genutzt wurde. Folgende Fragen stehen im Zentrum: 1. Waren die kantonalen Gesetzgebungsprojekte betref- fend die Steuerpolitik und die Sozialtransfers der letz- ten Jahre gendersensibel, das heisst, wurden deren Auswirkungen auf die Gleichstellung von Mann und Frau thematisiert? 2. Wurde fundiertes Wissen über die Auswirkungen der geplanten Massnahmen auf die Gleichstellung von Mann und Frau herangezogen? Falls ja, welcher Art war dieses Wissen? Handelte es sich beispielsweise um eigens veranlasste wissenschaftliche Untersuchungen, um das Heranziehen von verfügbaren Analysen, um Gutachten von Experten oder um Konsultationen von Interessengruppen? 3. Welche Faktoren haben den Einbezug von Evidenzen in Entscheidungsprozesse der Steuerpolitik und von Sozialtransfers gefördert beziehungsweise gehemmt? 4. Welche Arten von Wissen hatten es besonders leicht, welche besonders schwer, berücksichtigt zu werden? Welche Prozesse des Transfers von Wissen in die Poli- tik lassen sich beobachten? 5. Welche strukturellen, institutionellen oder politischen Rahmenbedingungen können Unterschiede in der In- tensität des Rückgriffs auf evidenzbasiertes und gen- dersensibles Wissen zwischen den Kantonen erklären? Spielen beispielsweise der sprachkulturelle Kontext eines Kantons, die politischen Kräfteverhältnisse oder die Kompetenz einer allfälligen kantonalen Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern eine Rolle? Evidence­based Policy­Making als theoretisches Konzept Das geplante Forschungsprojekt geht von der An nahme aus, dass eine wirksame und nachhaltige Politik der Gleichstellung von Mann und Frau über zuverlässige Grundlagen der potenziellen Effekte geplanter politi- scher Massnahmen verfügen muss. Das Konzept der evi- denzbasierten Politikgestaltung bildet das theoretische Gerüst des Projekts (Solesbury 2001). Dieses hat sich in den letzten Jahren in Europa stark verbreitet (Balthasar/ Rieder 2009; Widmer 2009). Es geht davon aus, dass die Politik von systematisch gewonnenem, empirisch und argumentativ begründetem Wissen profitieren sollte. Evi- denzbasierte Politikgestaltung kann definiert werden als Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 307 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat ein Ansatz, der hilft, informierte Entscheidungen über Politiken, Programme und Projekte zu fällen, indem die besten verfügbaren Forschungsresultate ins Zentrum der Politikgestaltung gestellt werden. In diesem Sinne will der Ansatz dazu beitragen, die Politik durch den Rückgriff auf Fakten wirksamer und effizienter zu gestalten. Ursprünglich wurden nur Forschungen, welche auf streng kontrollierten experimentellen Ansätzen beruhten, als evidenzbasiert betrachtet. Heute wird der Begriff jedoch von vielen Autoren weiter gefasst, so dass neben den Experimenten auch statistische Analysen, Evalua- tionen, Stakeholderbefragungen, Expertengutachten und andere Arten von systematisch gewonnenem Wissen als Evidenzen betrachtet werden (Nutley/Davies/Walter 2003). Im geplanten Forschungsprojekt wird von dieser weiten Begriffsbestimmung ausgegangen. Dabei sind wir uns jedoch auch der Tatsache bewusst, dass das Konzept der evidenzbasierten Politikgestaltung auf der Vorstel- lung einer instrumentellen Rationalität basiert, während schon Max Weber betont hat, dass es in der Politik im Wesentlichen um das Streben nach Machtanteil oder um die Beeinflussung der Macht geht (Weber 1919). Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden Das Forschungsprojekt widmet sich der Fragestellung sowohl mit quantitativen als auch mit qualitativen Me- thoden. Zuerst wird ein Inventar relevanter politischer Entscheidungen bezüglich der Steuerpolitik und der So- zialtransfers auf kantonaler Ebene erstellt. Danach wird untersucht, ob sich die Politikgestaltung in den identifi- zierten Fällen auf evidenzbasierte Informationen stützte und ob sich Unterschiede zwischen den Kantonen durch strukturelle, institutionelle oder politische Faktoren er- klären lassen. Zusätzlich werden ausgewählte Entschei- dungsprozesse in sechs Kantonen als Fallstudien vertieft bearbeitet, um die Wirkungszusammenhänge im Detail zu analysieren. Arbeitspaket 1: Explorative Phase Den Einstieg bildet eine detaillierte Analyse vorhan- dener Literatur hinsichtlich der evidenzbasierten Poli- tikgestaltung sowie des Gender Mainstreamings von Steuer- und Transferpolitik der letzten Jahre. Zudem wird eine Übersicht über möglicherweise relevante Einfluss- faktoren auf die evidenzbasierte Politikgestaltung in den Kantonen erstellt, welche als Basis für die weitere Arbeit dienen wird. Ein wichtiges Anliegen der Projektarbeit ist die Ver- netzung mit der internationalen Forschung und der na- tionalen Anwendungspraxis. Aus diesem Grund beinhal- tet das Projekt auf der einen Seite den Kontakt zu For- schungsteams im Ausland, welche sich mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen. Dazu gehören das QUING- Projekt (Quality in Gender and Equality Policies) der Europäischen Kommission, die Research Unit for Re- search Utilisation (RURU) der Universität Edinburgh und das EGGSIE-Netzwerk (European Commission’s Network of experts in the fields of employment, social inclusion and gender equality issues). Um den umset- zungsorientierten Anliegen Rechnung zu tragen, wird im Rahmen des Projekts auf der anderen Seite bereits in der explorativen Phase eine Begleitgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Zielgruppe eingesetzt. Die Be- gleitgruppe soll in dieser Phase die geplanten Forschungs- arbeiten kritisch kommentieren und Ideen prüfen, über welche Produkte die Nutzung der Projektergebnisse in die Praxis erleichtert werden kann. Arbeitspaket 2: Quantitative Analyse steuer- und transferpolitischer Entscheidungen in den Kantonen Gegenstand des zweiten Arbeitspakets ist eine quan- titative vergleichende Analyse kantonaler steuer- und transferpolitischer Entscheidungen im Hinblick auf deren Evidenzbasierung bezüglich Aspekte, welche die Gleich- stellung von Mann und Frau betreffen. Dazu werden verfügbare Daten aufgearbeitet, welche relevante struk- turelle, institutionelle und politische Rahmenbedingun- gen der Kantone (wie z.B. vorhandene Ressourcen für Evaluationen, Gesetze, Parteiverteilung) beschreiben. Diese fliessen als unabhängige Variablen in die geplante quantitative Analyse ein. Abhängige Variable bildet die Verfügbarkeit von evidenzbasierten gendersensiblen Informationen in den steuer- und transferpolitischen Entscheidungsprozessen der Kantone. Diese Variable wird in erster Linie mittels halbstrukturierter Interviews mit Verantwortlichen und Entscheidungsträgerinnen und -trägern aller Kantone erhoben. Die Gespräche sollen Auskunft darüber geben, welche Rolle evidenzbasiertes Wissen in politischen Entscheidungsprozessen in den untersuchten Politikfeldern spielte. Arbeitspaket 3: Fallstudien Im Zentrum des Fallstudienansatzes stehen die Tech- niken der Kongruenz- und der Prozessanalyse. Dabei steht die detaillierte zeitliche Rekonstruktion des Ablaufs eines politischen Prozesses im Vordergrund, um daraus Hinweise für die konkreten Wirkungsmechanismen und -pfade von evidenzbasiertem Wissen sowie von identifi- zierten Rahmenbedingungen auf die Gestaltung der Steuer- und Sozialpolitik zu gewinnen (Blatter et al. 2007). Es ist geplant, sechs Fallstudien basierend auf einer In- haltsanalyse von Berichten, Dokumenten und Aufzeich- nungen aus den Verwaltungen sowie Experteninterviews mit kantonalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus Politik und Verwaltung zu erarbeiten. Dabei werden die Fälle auf der Basis der Ergebnisse der quantitativen Studie ausgewählt. Zwei «typische» Fälle entsprechen 308 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat sowohl in Bezug auf die abhängige Variable als auch in Bezug auf die wichtigsten unabhängigen Variablen dem statistischen Durchschnitt. Mit diesen Fallstudien wird geprüft, ob die angenommenen kausalen Mechanismen auch wirklich am Werk waren, oder ob andere Mecha- nismen zu den Ergebnissen beigetragen haben. In zwei weiteren Fallstudien sollen Entscheidungspro- zesse vertieft analysiert werden, in welchen die Nutzung von Evidenzen erfolgte, obwohl die Bedingungen nicht vorhanden waren, die in der statistischen Analyse als besonders wichtig identifiziert wurden. Damit sollen sel- tene aber trotzdem existierende alternative Wege zur Nutzung von evidenzbasiertem Wissen identifiziert wer- den. Die letzten zwei Fallstudien konzentrieren sich auf Fälle, in denen gemäss den Ausprägungen der zentralen unabhängigen Variablen eine Nutzung von evidenz- basiertem Wissen zu erwarten gewesen wäre, dies aber nicht erfolgte. Das Ziel dieser Fallstudien ist es, bisher nicht identifizierte Faktoren und Rahmenbedingungen zu entdecken, welche die Nutzung von evidenzbasiertem Wissen verhindern. Arbeitspaket 4: Internationaler Vergleich Arbeitspaket 4 wird dazu dienen, die Ergebnisse un- serer Analysen in den internationalen Kontext zu stellen. Dazu ist ein Workshop mit Forschungsteams aus dem Ausland, welche sich mit ähnlichen Fragestellungen be- schäftigen, vorgesehen. Ziel wird es sein, Gemeinsam- keiten und Unterschiede im Rückgriff auf evidenzbasier- te und gendersensible Informationen in der Steuerpolitik und bei Sozialtransfers zwischen verschiedenen europä- ischen Ländern herauszuarbeiten. Damit soll der Blick für das Gemeinsame aber auch für das spezifisch Schwei- zerische geschärft werden. Arbeitspaket 5: Analyse und Berichterstattung Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden ab- schliessend in einem wissenschaftlichen Fachartikel zu- sammengefasst. Zudem soll in engem Kontakt mit der umsetzungsorientierten Begleitgruppe ein Produkt ent- wickelt werden, das den Transfer der Forschungsresulta- te in die Praxis von Verwaltung und Politik erleichtert. Gender Mainstreaming der Steuerpolitik und der Sozialtransfers stärken Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms 60 lässt sich das Projekt dem Modul 1 «Analyse von Poli- tikprozessen» zuordnen. Dort werden unter anderem Forschungsprojekte durchgeführt, welche die Umsetzung der Gleichstellung von Mann und Frau in Bereichen untersuchen, die nicht explizit auf die Förderung der Gleichstellung zielen, die jedoch wichtige Auswirkungen auf Geschlechterverhältnisse haben. Dazu gehören die Steuerpolitik und die Politik bezüglich der Sozialtransfers, welche den Fokus des beschriebenen Projekts darstellen. Indem die strukturellen und normativen Grundlagen, die spezifischen institutionellen Voraussetzungen, Prozesse und Barrieren einer erfolgreichen Gleichstellungspolitik in diesen Politikbereichen untersucht werden, sollen Grundlagen bereitgestellt werden, welche es wirtschafts- politischen und sozialpolitischen Entscheidungsträgerin- nen und -trägern in ihren zukünftigen Aktivitäten er- leichtern, im Sinne eines Gender Mainstreaming zu planen und zu entscheiden. Das vorliegende Projekt hat aber nicht nur zum Ziel, die Hemmnisse für evidenzbasierte Politik zu identifizie- ren und zu analysieren. Es sollen auch konkrete Vorschlä- ge dazu gemacht werden, wie diese beseitigt werden können. Ziel des Projekts ist es daher, konkrete Vorschlä- ge zu erarbeiten, wie wissenschaftlich fundiertes Wissen stärker in politische Entscheidfindungsprozesse einflies- sen kann. Geplant ist beispielsweise eine Checkliste für kantonale Verwaltungen und Parlamente, die das Be- wusstsein für die Auswirkungen der Steuerpolitik und Arbeitsschritte des Projekts G2 Zusammenstellung relevanter unabhängiger Variablen (strukturell, institutionell und politisch) Inventar relevanter Entscheidungen der Steuer- und der Transferpolitik in den Kantonen Multivariate Analyse Zwei «typische» Fälle Workshop mit internationalen Expertinnen und Experten Mit der Begleitgruppe gemeinsam erarbeitete Empfehlungen für die Umsetzung Öffentlichkeitsarbeit Arbeitspaket 1 Explorative Phase Arbeitspaket 2 Quantitative Analyse Arbeitspaket 3 Fallstudien Arbeitspaket 4 Internationaler Vergleich Arbeitspaket 5 Analyse und Bericht- erstattung Zwei «abweichende» Fälle Zwei «theoretisch zentrale» Fälle Wissenschaftlicher Artikel Wissenschaftlicher Artikel Literaturanalyse und Kontaktnahme zu internationalen Kompetenzzentren Spezifizierung des analytischen Rahmens Konstituierung nationale Begleitgruppe Quelle: Eigene Darstellung Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 309 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat der Sozialtransfers auf die Gleichstellung von Mann und Frau schärft. Politik und Verwaltung sollen von evidenz- basiertem Wissen profitieren können, um fundierte Ent- scheidungen in der Planung, Vorbereitung und Durch- führung gendersensitiver Massnahmen zu fällen. Gender Mainstreaming der Steuerpolitik und von So- zialtransfers wie der Sozialhilfe, der individuellen Ver- billigung der Prämie für die obligatorische Krankenver- sicherung, der Alimentenbevorschussung oder der Sub- ventionen zugunsten der familienergänzenden Kinder- betreuung ist nicht nur aus gleichstellungspolitischen Überlegungen dringlich. Es ist auch für die wirtschaft liche Entwicklung der Schweiz unabdingbar. Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Schweizer Volkswirtschaft ange- sichts des demografischen Wandels in Zukunft sowohl auf Männer wie auch auf Frauen zurückgreifen muss. Kantonale Steuer- und Transferpolitiken, welche beste- hende Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen akzeptieren oder sogar unterstützen, indem sie zum Bei- spiel Alleinverdienermodelle favorisieren, sind daher auch wirtschaftlich gefährlich. Diese Gefahren zu erken- nen und dazu beizutragen, sie zu vermeiden, ist das zen- trale Anliegen des vorgestellten Projekts. Erwähnte Literatur Balthasar, Andreas; Rieder, Stefan (2009): Wo ist evidenzbasierte Politik möglich? Die Verbreitung von Evaluationen auf kantonaler Ebene, In: Vatter, Adrian; Varone, Frédéric; Sager, Fritz (Hrsg.): Demokratie als Leidenschaft. Planung, Entscheidung und Vollzug in der schweizerischen Demokratie. Bern/ Stuttgart. Balthasar, Andreas; Gysin, Basil (2009): Familienexterne Kinderbetreuung in der Stadt Luzern. Das verfügbare Einkommen von doppelverdienenden Eltern, Luzern. Blatter, Joachim; Janning, Frank; Wagemann, Claudius (2007): Qualitative Politikanalyse. Eine Einführung in Forschungsansätze und Methoden. Grund- wissen Politik 44, Wiesbaden. Bütler, Monika; Rüsch, Martin (2009): Wenn die Arbeit mehr kostet als sie einbringt: Studie über die Auswirkungen von Besteuerung und Krippenkos- ten auf die Erwerbstätigkeit der Frauen. St.Gallen. Council of Europe (2004): Gender Mainstreaming: Conceptual framework, methodology and presentation of good practices, Strassburg. European Commission (2006): «Making work pay» debates from a gender perspective – A comparative review of some recent policy reforms in thirty European countries, Brüssel. Knöpfel, Carlo; Knupfer, Caroline; Balthasar, Andreas; Bieri, Oliver (2007): Arbeit soll sich immer lohnen! In: Soziale Sicherheit CHSS 4 / 2007: 206–209. Nutley, Sandra M; Davies, Huw; Walter, Isabel (2003): Evidence Based Policy and Practice: Cross Sector Lessons from the UK. Keynote Paper for the So- cial Policy Research and Evaluation Conference. Wellington (June 5th 2009). OECD (2004): Babies and Bosses – Reconciling Work and Family Life (Volu- me 3): New Zealand, Portugal and Switzerland, Paris. Solesbury, William (2001): Evidence Based Policy: Whence it came and where it’s going, ESRC Centre for Evidence Based Policy and Practice, London. Weber, Max (1919/1992): Politik als Beruf, München und Leipzig 1919, GPS 505–560 (Separatveröffentlichungen: Stuttgart, 1992. Widmer, Thomas (2009): The Contribution of Evidence-based Policy to the Output-oriented Legitimacy of the State. Evidence & Policy, 5(4): 351–357. Andreas Balthasar, Prof. Dr. rer. pol., Institutsleiter von Interface Politikstudien Forschung Beratung Luzern. E-Mail: balthasar@interface-politikstudien.ch Franziska Müller, Mitarbeiterin des Bereichs Soziale Sicherheit und Integration Interface Politikstudien Forschung Beratung Luzern. E-Mail: mueller@interface-politikstudien.ch Julia Maisenbacher, BA., Hilfswissenschaftlerin, Universität Luzern, Seminar für Politikwissenschaft. E-Mail: julia.maisenbacher@unilu.ch 310 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Eva Nadai Fachhochschule Nordwestschweiz – Hochschule für Soziale Arbeit, Olten Gleichstellung «ganz unten»: Investitionen in erwerbslose Frauen Ein Konzept macht Karriere: an «Sozialinvestitionen» soll der Sozialstaat genesen, indem Ausgaben für Soziales, Bildung und Familie auf die Ausschöpfung des Humankapitalpotenzials der Bevölkerung ausge­ richtet werden. Die soziale Sicherung setzt entspre­ chend auf Aktivierung und die Förderung von Beschäf­ tigungsfähigkeit, um Arbeitslose und Sozialhilfe­ beziehende in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Ist in dieser Politik ein Gleichstellungspotenzial für unter­ privilegierte Frauen angelegt? Die vom dänischen Soziologen Gøsta Esping-Andersen lancierte sozialpolitische Reformstrategie, Sozialaus- gaben nicht primär als Kostenfaktor, sondern als lang- fristige Investition in die Wettbewerbsfähigkeit von Na- tionen zu begreifen und einzusetzen, hat eine breite Debatte in Wissenschaft und Politik ausgelöst.1 In der Schweiz, so Giuliano Bonoli, ist das Konzept nur in einer «light»-Variante angekommen: die umfassende Vision von langfristigen Investitionen in Kinder, Bildung und Gleichstellung (z.B. durch Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf) wurde auf die Förderung der Arbeitsmarkteingliederung von Transferbezügern redu- ziert.2 Unter dem Vorzeichen von Aktivierung und Ei- genverantwortung werden Arbeitslose und Sozialhilfe- beziehende dazu verpflichtet, an Bildungs- und Beschäf- tigungsmassnahmen teilzunehmen. Vom Ernährermodell zum «adult worker» Wenn Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ganz unter dem Vorzeichen der möglichst umfassenden Erwerbsbeteili- gung steht, hat dies Implikationen für das Geschlechter- verhältnis. In der feministischen Sozialstaatsforschung kursiert das plakative Diktum, Frauen seien nur «a hus- band away from poverty» («arm ohne Ehemann»), weil sie schlechte Chancen im Arbeitsmarkt hätten und des- wegen auch ungenügend sozial abgesichert seien. So pauschal trifft das natürlich nicht für alle Frauen zu, aber insbesondere Mütter tragen ein hohes Armutsrisiko, wenn sie ohne männlichen «Ernährer» leben – dies umso mehr, wenn sie nur geringe berufliche Qualifikationen vorwei- sen können. Die Art und Weise, wie der Sozialstaat in Arbeitsmarkt und Familie interveniert, ist deshalb für Frauen von vi- taler Bedeutung. Der klassische Sozialstaat richtet die soziale Sicherung nach dem traditionellen Ernährer- modell aus: Der Mann ist erwerbstätig und unterhält mit seinem Lohn die Familie, während die Ehefrau sich ohne eigenes Einkommen um Familie und Haushalt kümmert und nur abgeleitete Ansprüche an die soziale Sicherung hat. Dieses Modell trägt jedoch insofern auch «materna- listische» Züge, als von Müttern keine Erwerbstätigkeit erwartet wird und sie einen Sonderstatus beanspruchen können. Beispielsweise wurde es in der Sozialhilfe lange als selbstverständlich angesehen, dass Mütter kleiner Kinder nicht ausser Haus arbeiten müssen und auf staat- liche Unterstützung zählen können. Das hat sich geändert: Das Ernährermodell weicht allmählich der Norm der individuellen Existenzsicherung durch Erwerbsarbeit, die nun für beide Geschlechter und unabhängig von der Familiensituation gilt. Dieses neue Leitbild des «adult worker», das der Sozialinvestitionspolitik zugrunde liegt, blendet zwei Probleme aus: die ungleiche Belastung mit Familienarbeit und die Benachteiligungen von Frauen im Arbeitsmarkt. Aus einer Gleichstellungsperspektive tangiert dieser sozialpolitische und gesellschaftliche Wan- del überdies eine ganz fundamentale Frage: Ist Autono- mie und Emanzipation für Frauen nur über ökonomische Unabhängigkeit mittels eigener Erwerbsarbeit zu er- reichen? 1 Gøsta Esping-Andersen. Why we need a new welfare state. Oxford: Oxford University Press. 2004. 2 Giuliano Bonoli. Soziale Investitionen im Kontext der Schweizer Sozial- politik. Referat an der SVSP-Tagung «Reformieren durch Investieren?», Bern, 21.9.2010. Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 311 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Forschungsfeld Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe Diesen theoretischen Fragen nach dem Gleichstellungs- potenzial der Sozialinvestitions- und Aktivierungspolitik und dessen Implikationen für das Geschlechterverhältnis wollen wir in unserem Forschungsprojekt empirisch am Beispiel der Arbeitslosenversicherung, der Sozialhilfe und den mit diesen Institutionen verknüpften Eingliede- rungsmassnahmen nachgehen.3 Mit der sukzessiven Durchsetzung des Aktivierungsprinzips ab Mitte der 1990er in der ALV, in der Sozialhilfe und neuerdings auch in der IV ist ein wild wucherndes System von Bildungs- und Beschäftigungsmassnahmen entstanden, dessen Wirkungen höchst kontrovers sind. Vorsichtig formuliert konnte die breite internationale Forschung bisher keine eindeutig positiven Effekte hinsichtlich Beschäftigungs- wirkung oder Armutsbekämpfung belegen. Insbesonde- re führt Aktivierung nicht zu nachhaltiger beruflicher Integration. Vielmehr werden gerade Frauen oft in pre- käre Beschäftigung gezwungen, so dass sie nahe an oder unter der Armutsschwelle verbleiben. Auf individueller Ebene lässt sich kaum nachweisen, dass eine allfällige Eingliederung direkt auf Aktivierungsmassnahmen zu- rückzuführen ist. Für die Betroffenen scheint der Nutzen vor allem auf der sozialen Ebene zu liegen: Anerkennung, Selbstwertgefühl, soziale Kontakte, Tagesstruktur und ähnliches. In der geplanten Studie interessieren weniger die ge- nerellen Effekte als die spezifische Frage, was die Mass- nahmen den betroffenen Frauen bringen und zwar einer Zielgruppe, die von der institutionalisierten Gleichstel- lungspolitik tendenziell vernachlässigt wird: Frauen «ganz unten» in der Sozialstruktur, die sich als gering qualifi- zierte Erwerbslose bzw. Sozialhilfebezügerinnen am Rande des Arbeitsmarkts und in prekären Lebenslagen befinden. Inwiefern und in welchen Formen «investieren» die ALV und die Sozialhilfe in diese Frauen? Können aktivierende Massnahmen zur Verbesserung ihrer öko- nomischen und sozialen Lage beitragen und ihnen zu einem Gewinn an Autonomie verhelfen? Oder führt der Druck zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt nur zu zusätzlichen Belastungen und Prekarisierung? Investition und Selektion Aktivierungspolitik ist zugleich geschlechtsblind und auf Geschlechterdifferenzen fixiert. Auf formaler Ebene, in Gesetzen und Verfügungen, wird von einem ge- schlechtslosen ökonomischen Akteur ausgegangen, des- sen einziges Problem die fehlende Arbeit ist. In der Pra- xis spielen die Merkmale der konkreten Adressaten aber sehr wohl eine Rolle. Sozialinvestitionspolitik impliziert zwingend Selektion, denn Investitionen müssen «Rendi- ten» abwerfen, folglich bei den gesellschaftlichen Grup- pen getätigt werden, «wo es sich lohnt». Es gibt für die Schweiz keine quantitativen Daten zu derartigen Selek- tionen, aber Hinweise dazu, dass z.B. Geschlecht, Alter, Familiensituation oder Nationalität eine Rolle spielen bei der Zuweisung in Bildungs- und Beschäftigungsmass- nahmen. Überdies zeigt bereits ein kursorischer Blick auf den Markt der Eingliederungsangebote eine ausge- prägte Geschlechtertypisierung: zugespitzt formuliert, werden erwerbslose Frauen im Textilatelier beschäftigt, die Männer in der Recyclingwerkstatt, Frauen werden zur «Fachfrau Hauswirtschaft» ausgebildet, Männer zum Staplerfahrer. Offensichtlich gehen die Programme un- reflektiert von Stereotypen zu typischer Frauen- oder Männerarbeit aus. Massnahmen mit einem expliziten Genderansatz sind hingegen dünn gesät. Formale Regeln werden von konkreten Akteuren um- gesetzt, die immer über einen gewissen Ermessensspiel- raum verfügen. Deshalb ist es wichtig zu erforschen, von welchen expliziten und impliziten Annahmen zu Ge- schlecht oder weiteren Merkmalen diese Akteure ausge- hen, wenn sie «Investitionsentscheide» fällen. Welches Bild haben RAV-Personalberater, Sozialarbeiterinnen und die Mitarbeitenden von Beschäftigungsprogrammen von ihrer Klientel? Welche Bildungs- oder Persönlich- keitsdefizite bzw. welche Bedürfnisse schreiben sie den Erwerbslosen zu und welche blenden sie allenfalls aus? Was halten sie für angemessene Ziele: Soll der Sozialstaat einer 40-jährigen kosovarischen Analphabetin Lese-, Schreib- und Deutschkurse ermöglichen oder braucht sie das nicht, weil sie ja ohnehin höchstens als Putzfrau Ar- beit finden kann? Was fangen wir mit einer jungen Türkin mit drei kleinen Kindern an, die eine Matura aus ihrer Heimat mitbringt, die aber hier nicht anerkannt wird und deren Zeit für einige Jahre durch die Kinderbetreuung weitgehend absorbiert wird? Lohnt es sich, den 53-jäh- rigen angelernten Schweizer Gipser mit chronischen Rückenbeschwerden, aber ohne Anspruch auf eine IV- Rente noch umzuschulen – wäre das überhaupt unter irgendeinem Paragrafen finanzierbar, wenn er keine Erstausbildung hat? Das fiktive, aber keineswegs weit hergeholte Beispiel des Gipsers verweist wieder zurück auf die institutionel- len Regelungen. Inwiefern haben die Bestimmungen zu Aus- oder Weiterbildung und Umschulung im AVIG oder den SKOS-Richtlinien implizite Gendereffekte? Oder wie werden familiäre Betreuungspflichten bei der Be- stimmung von Vermittlungsfähigkeit bzw. von Integra- tionschancen in Anschlag gebracht? 3 Das Projekt «Lohnende Investitionen? Zum Gleichstellungspotenzial von Sozialinvestitionen» (Nr. 406040-129208) wird ab November 2010 an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt und hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Es wird von Eva Nadai und Gisela Hauss geleitet, Alan Canonica und Loredana Monte sind als wissenschaftliche Mitarbeitende daran beteiligt. 312 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat In sich selbst investieren? Nicht nur die Institutionen, auch die betroffenen Ar- beitslosen und Sozialhilfebezügerinnen sind mit derarti- gen Fragen konfrontiert, wenngleich aus einer anderen Perspektive. Das Angebot, einen Computerkurs zu ab- solvieren oder in einem Programm zur vorübergehenden Beschäftigung Elektroschrott zu sortieren, wird nicht immer mit Begeisterung aufgenommen. Abgesehen da- von, dass Mitmachen nicht wirklich freiwillig ist,4 können die Betroffenen andere Vorstellungen über nützliche Unterstützung haben oder die Eingliederungsmassnah- men kollidieren mit anderen Verpflichtungen. Wenn zu Hause drei Kinder warten und der Ehemann Schicht arbeitet, können schon Zweifel aufkommen, ob die Teil- nahme an einem Programm der Sozialhilfe für eine In- tegrationszulage von 200 Franken tatsächlich den zusätz- lichen Stress wert ist. «Arbeitslose» im Sinne des Geset- zes haben nicht einfach nichts zu tun – vor allem nicht die Frauen und Mütter, die noch einen Haushalt zu be- sorgen und Kinder zu betreuen haben. Arbeitslosigkeit respektive Sozialhilfebezug ist nur eine Facette ihres Alltags, und es ist der gesamte Lebenszusammenhang, der ihre Haltungen und ihr Handeln prägt. Wir untersuchen in unserer Studie deshalb die Bedürf- nisse, Ressourcen und Strategien der Betroffenen vor diesem umfassenden Hintergrund: Wie «investieren» sie selbst in sich (und ihre Familie) und wie gehen sie mit den ihnen angebotenen oder aufgezwungenen Mass- nahmen um? Wir gehen davon aus, dass Entscheidungen über zeitliche und finanzielle Investitionen im Hinblick auf die Existenzsicherung nicht individuell gefällt werden, sondern im Kontext von Partnerschaft und Familie. Nahaufnahmen der Investitions­ und Aktivie­ rungspraxis: Ethnographische Fallstudien Unser Interesse, die gleichstellungspolitischen Impli- kationen von Sozialinvestitionen und Aktivierung aus- zuloten, richtet sich auf institutionelle Strukturen, Hand- lungs- und Deutungsmuster, welche die gegenwärtige Praxis bestimmen. Wir zielen nicht auf statistische Re- präsentativität, sondern wollen unter der Oberfläche liegende Mechanismen und Strukturen aufdecken. Me- thodisch ist die Studie einem ethnographischen Ansatz verpflichtet und beruht auf Fallstudien in mehreren Fel- dern. Wir untersuchen ein Regionales Arbeitsvermitt- lungszentrum (RAV) und einen Sozialdienst als Institu- tionen, in denen Arbeitslose und Sozialhilfebeziehende in Bildungs- und Beschäftigungsmassnahmen kanalisiert werden. Hier werden also gleichsam Investitionsent- scheide gefällt. Und wir analysieren die Praxis von drei bis vier Inte- grationsprogrammen als Schauplätze, an denen die Be- schäftigungsfähigkeit von Erwerbslosen konkret geför- dert werden soll. Bei diesen Programmen kontrastieren wir frauenspezifische mit gemischtgeschlechtlichen An- geboten, um herauszuarbeiten, wie sich ein expliziter Genderansatz in der Praxis äussert.5 Bei den Frauenpro- grammen wählen wir eines für Alleinerziehende, da bei dieser Gruppe die Widersprüche einer Politik der for- cierten Arbeitsmarkteingliederung besonders deutlich zutage treten. Alleinerziehenden Müttern wurde in der Schweiz von der Sozialhilfe bis vor kurzem mit Selbst- verständlichkeit eine Auszeit vom Arbeitsmarkt zuge- standen. Neuerdings ist nun die Rede von einem «Hand- lungsbedarf für eine raschere Aktivierung alleinerzie- hender Frauen, die heute noch zu oft von Fördermass- nahmen dispensiert werden.»6 Eine zweite spezifische Zielgruppe sind Migrantinnen, bei denen die Erwerbs- losigkeit gerne mit kulturellen Besonderheiten (tradi- tionelle Geschlechterrollen, mangelnde Integrationsbe- reitschaft etc.) und fehlenden Sprachkenntnissen erklärt wird. In diesen Institutionen führen wir teilnehmende Be- obachtung und Interviews mit Mitarbeitenden und Kli- entinnen und Klienten durch. Weil wir die individuellen «Investitionsstrategien», wie oben erwähnt, als Produkt von Aushandlungen in sozialen Beziehungen (v.a. in der Familie) verstehen, werden auch allfällige Partner und Partnerinnen der ausgewählten Erwerbslosen befragt. Schliesslich werden Dokumente gesammelt und aus- gewertet (Akten, Leitbilder, Formulare, organisations- interne Reglemente etc.). Sozialinvestitionspolitik als Vehikel für Gleichstellung In der Schweiz werden Gleichstellungsfragen in der Arbeitsmarkt-/Sozialpolitik bis anhin kaum thematisiert – anders als in der EU, wo Gender Mainstreaming offi- ziell in die beschäftigungspolitischen Leitlinien integriert ist (mit allerdings zweifelhaftem Erfolg, wie die einschlä- gige Forschung zeigt). Die Studie kann hier also eine empirische Beschreibung und theoretische Analyse einer gleichstellungspolitisch unreflektierten Praxis zur Verfü- gung stellen, auf deren Grundlage Ansatzpunkte für gezielte Massnahmen entwickelt werden können. Zu 4 Die Mitwirkungspflicht in der ALV und der Sozialhilfe kann mit empfind- lichen finanziellen Sanktionen durchgesetzt werden. 5 In einer kleineren Vorstudie haben wir bereits zwei Frauenprogramme analysiert, vgl. Gisela Hauss & Eva Nadai. Eingliederung auf Umwegen. Beschäftigungsprogramme für erwerbslose Frauen. Olten. 2009 (www. fhnw.ch/sozialearbeit/ipw/forschung-und-entwicklung/laufende-projek- te-1/de/forschung-und-entwicklung/laufende-projekte-1/gender_integ- ration.pdf). 6 Hannes Lindenmeyer & Katharina Walker. Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe: Zusammenarbeit in der Arbeitsvermittlung. Seco Publikation, Arbeitsmarktpolitik N0 13 (5/2010), S. XIII. Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 313 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat erwarten sind zum einen Aussagen auf der Ebene der institutionellen Rahmenbedingungen: Bestimmungen im AVIG, den Sozialhilfegesetzen bzw. SKOS-Richtlinien, die (gewisse Gruppen von) Frauen benachteiligen. Zum anderen auf der Handlungsebene: Inwiefern liegt Gleich- stellungspotenzial brach, weil die Akteure sich der Pro- blematik nicht bewusst sind und allenfalls vorhandene Unterstützungs- und Förderungsmöglichkeiten nicht nutzen? Weil Aktivierung nur mit der Kooperation der Adressatinnen und Adressaten gelingen kann, ist es weiter zentral, deren Handlungskalküle und Bedürfnisse zu eruieren, um auch auf dieser Ebene Ansatzpunkte für Massnahmen benennen zu können. Unter welchen Be- dingungen wollen und können sie Eingliederungsange- bote auch als Chance betrachten und nutzen? Die bisherige Forschung zeigt, dass Massnahmen um- so eher wirksam sind, je besser sie an die individuelle Person angepasst sind. Die Studie kann also auf Pro- grammebene Hinweise darauf geben, für welche Prob- lemlagen und Bedürfniskonstellationen Angebote fehlen, und auf individueller Ebene unter welchen Umständen Massnahmen wirksam sind oder ins Leere zielen. Wo müsste angesetzt werden, um erstens das Assessment und zweitens die Passung zwischen Problemlage und Mass- nahme zu verbessern? Die berufliche Eingliederung ist ein relativ neues Arbeitsfeld für die Soziale Arbeit. Die Forschungsergebnisse können als Grundlage für eine kritische Reflexion der Praxis im Hinblick auf Profes- sionalisierung dienen. Insofern Migrantinnen und Migranten hohe Raten an Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug haben, ist die Stu- die auch für Akteure aus der Migrationspolitik relevant. Arbeitslosigkeit und soziale Probleme von MigrantInnen werden in aktuellen öffentlichen Diskursen primär der mangelnden Integrationsbereitschaft und Sprachdefiziten zugeschrieben, also kulturalisiert. Migrantinnen wird pauschal ein traditionales Rollenverhalten unterstellt. Die Studie kann auch hier ein differenziertes Bild von strukturellen und kulturellen Hürden zeichnen und auf- zeigen, unter welchen Umständen sozialstaatliche Insti- tutionen zur beruflichen und sozialen Integration von Migrantinnen beitragen könnten. Eva Nadai, Prof. Dr., Fachhochschule Nordwestschweiz – Hochschule für Soziale Arbeit, Olten. E-Mail: eva.nadai@fhnw.ch 314 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Michael Nollert Universität Fribourg Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der schweizerischen Arbeitswelt Frauen sind in der schweizerischen Arbeitswelt nach wie vor benachteiligt, und zwar sowohl in der bezahl­ ten Lohnarbeit als auch in der unbezahlten Familien­ und Hausarbeit sowie Freiwilligenarbeit. Obwohl gravierende interkantonale Unterschiede existieren, sind die Gründe für diese Unterschiede noch weit­ gehend unerforscht. Das NFP­Projekt vermittelt einen Überblick über geschlechtsspezifische Ungleichheiten in den Kantonen und bietet eine Überprüfung von politischen und institutionellen Einflussfaktoren. Seit 1981 ist in der Bundesverfassung der Grundsatz der Gleichstellung von Frau und Mann verankert. Dennoch sind Frauen auch 30 Jahre später in der Arbeitswelt noch immer benachteiligt. So weisen Frauen tiefere Erwerbs- quoten als Männer auf, sind in der Regel schlechter be- zahlt als Männer und sind bei den häufig durch Prekari- tät charakterisierten atypischen Beschäftigungsverhält- nissen sowie bei den nicht-registrierten Arbeitslosen über- und in den Chefetagen von Grossunternehmen untervertreten. Benachteiligungen finden wir indes auch in der Freiwilligenarbeit, wo die Frauen bei der Basisar- beit und die Männer bei der prestigeträchtigen Führungs- arbeit übervertreten sind, im Bereich der unbezahlten Familien- und Hausarbeit, der «Care Work» sowie der Nachbarschafts- und Verwandtenhilfe. Gründe für die interkantonalen Unterschiede: eine offene Frage Auch wenn diese flächendeckenden Gleichstellungs- defizite auf der Hand liegen, sind innerhalb der Schweiz grosse Unterschiede zu erkennen. So dokumentierten schon die Daten des Frauen- und Gleichstellungsatlas des Bundesamts für Statistik (Stand: 2000), dass das traditional-bürgerliche Familienmodell (Mann vollzeit- beschäftigt, Frau nicht erwerbstätig) in den Bergregio- nen, insbesondere Uri, ungleich wichtiger war als etwa in den Stadtkantonen Basel und Genf. Bühler (2001) zufolge erreichten 1990 das deutschsprachige Oberwal- lis mit fast 80 Prozent die höchsten und Genf sowie La-Chaux-de-Fonds mit unter 50 Prozent die tiefsten Werte. Vice versa war das egalitär-familienbezogene Modell (beide teilzeitbeschäftigt) vor allem im Kanton Bern beliebt. Bei den Lohnungleichheiten war wieder- um eine deut liche Ost/West-Kluft zu erkennen, d.h.: grosse De fizite der Frauen in der Ostschweiz, geringer in der Westschweiz. Auch bei der unbezahlten Arbeit sind Variationen zu beobachten. Am stärksten dominie- ren die Frauen für die Haus- und Familienarbeit in der Innerschweiz, gefolgt von der Ostschweiz, wobei beim Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit in der Romandie und den Kantonen Bern, Tessin und Solo- thurn vergleichsweise hohe Stundenzahlen für die Män- ner registriert werden. Obwohl in der Schweiz gleichstellungspolitisch rele- vante Forschung vorhanden ist, sind die Gründe für die räumlich variierenden Ungleichheiten in der bezahlten und unbezahlten Arbeit und deren Zusammenhänge noch weitgehend unerforscht. Hinzu kommt, dass sich viele quantitative Gender-Studien auf individuelle Einfluss- faktoren wie etwa das Bildungsniveau, Einstellungen oder die Zahl von Kindern konzentrieren. Von daher versteht es sich von selbst, dass die für diese Unter schiede verantwortlichen politischen und institutionellen Ein- flussfaktoren bislang vernachlässigt wurden. Vergleichs- weise wenig Beachtung fanden insbesondere Kontext- merkmale wie etwa die Kinderbetreuungsplätze in den Gemeinden, die politischen Kräfteverhältnisse oder kul- turelle Faktoren. Wenig Beachtung fand bislang auch die Frage, inwiefern sich die geschlechtsspezifischen Un- gleichheiten in der Sphäre der bezahlten und unbezahl- ten Arbeit verstärken oder kompensieren. Das ist umso bedauerlicher, als der schweizerische Föderalismus den politischen Subeinheiten einen vergleichsweise grossen Handlungsspielraum einräumt und sich die Schweiz da- Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 315 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat her hervorragend für die Überprüfung des Einflusses von Kontextmerkmalen eignet. Politik und Gleichstellung in der Schweiz Dass Politik das Ausmass der Ungleichheiten prägt, gehört zu den Kernthesen der Soziologie. In der Tat be- fassten sich schon die Klassiker (Marx, Weber) mit der Frage «Wer bekommt was und warum?» (Lenski 1977). Eine Theorie, die die politische Strukturierung ge- schlechtsspezifischer Ungleichheiten (u.a. Zugang zu Qualifikationen, Zugang zu Positionen in Organisationen, Entlöhnung) berücksichtigt, ist die Theorie sozialer Schliessung (vgl. Cyba 2000). Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass in allen Gesellschaften soziale Grup- pen dazu tendieren, anderen Akteuren den Zugang zu Ressourcen zu versperren, und zwar sowohl anhand er- worbener Merkmale wie etwa Qualifikationen und Zer- tifikate als auch zugeschriebener Merkmale wie Ge- schlecht, Hautfarbe oder Religion. In eine ähnliche Rich- tung zielt auch Kreckels (2004) Diagnose, wonach in allen modernen Gesellschaften zwar noch immer das Kräfteverhältnis zwischen Arbeit, Kapital und Staat die ökonomischen Ungleichheiten strukturiert, die Frauen- bewegung jedoch analog zur Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert zunehmend an politischem Gewicht ge- winnt und folglich neuerdings über Chancen verfügt, sich erfolgreich am gesellschaftlichen Verteilungskampf zu beteiligen. Auch wenn diese Theorien auf unterschied- liche soziale Mechanismen fokussieren, gehen sie doch gleichermassen davon aus, dass soziale Ungleichheiten im Allgemeinen und geschlechtsspezifische Ungleichhei- ten im Speziellen politisch strukturiert sind. Danach werden geschlechtsspezifische Ungleichheiten wie alle anderen sozialen Ungleichheiten auf einem politischen Kräftefeld (politics) generiert, in dem eine Vielzahl von Akteuren versucht, ihre wirtschaftlichen und kulturellen Interessen durchzusetzen und mittels politischer Institu- tionen (polities) und Massnahmen (policies) zu institu- tionalisieren. Dass die Realisierung von Gleichstellungspostulaten auch in der Schweiz etwas mit politischen Kräfteverhält- nissen zu tun hat, liegt auf der Hand. Erinnern wir uns zurück: Am 14. Juni 1981 befürwortete die schweizerische Bevölkerung über den Gleichstellungsartikel in der Bun- desverfassung mit einer 60-Prozent-Mehrheit, wobei der höchste Ja-Anteil im Kanton Genf (85,2 Prozent) erreicht wurde. Allerdings entschieden sich dabei immerhin neun Kantone gegen die Vorlage (Uri, Nidwalden, Glarus, Wal- lis, St.Gallen, Thurgau, Schwyz, die beiden Appenzell), wobei der Kanton Appenzell-Innerrhoden, notabene der Kanton, den das Bundesgericht 1990 dazu zwang, das Stimm- und Wahlrecht für Frauen auf kantonaler Ebene einzuführen, den höchsten Nein-Anteil (68,2 Prozent) auswies. Noch weniger Rückhalt bei der Bevölkerung fand 2004 die Mutterschaftsversicherung, stimmten doch immerhin 45 Prozent dagegen. Besonders deutlich abge- lehnt (über 73 Prozent der Stimmen) wurde die Vorlage im Luzerner Entlebuch, dem Schwyzer Einsiedeln und Appenzell-Innerrhoden. Dass die Ansichten bezüglich des Gleichstellungspos- tulats variieren, zeigte sich auch bei der vom Gleichstel- lungsartikel geforderten Einrichtung von Gleichstellungs- büros. So sucht man bis heute in Appenzell-Innerrhoden vergeblich nach einem solchen Büro. In anderen Kanto- nen wurde inzwischen gar versucht, bestehende Büros aufzulösen, so etwa 2008 im Kanton Basel-Land, wo eine Initiative für die Abschaffung der Fachstelle für Gleich- stellung immerhin 37 Prozent Ja-Stimmen erreichte. Diese drei Anekdoten zeigen, dass es bezüglich der Befürwortung grundlegender Gleichstellungspostulate massive Unterschiede zwischen Gemeinden, Bezirken und Kantonen gibt. Diese Unterschiede reflektieren zu einem grossen Teil die jeweiligen politischen Kräftever- hältnisse. Während linke und liberale Parteien sich meis- tens als Anwalt gleichstellungspolitischer Anliegen ver- stehen – und egalitäre und moderne Familienmodelle favorisieren – sehen viele Anhänger und Mitglieder kon- servativer Parteien durchaus Vorzüge traditionaler und bürgerlicher Familienmodelle und vertreten zuweilen wie etwa die Schweizerische Volkspartei in Basel-Land, gar die Ansicht, die Gleichstellung sei im Grossen und Ganzen bereits realisiert und bedürfe daher keiner staat- lichen Unterstützung mehr. Mit anderen Worten: Es spricht viel dafür, dass sich auch in der Schweiz die kul- turell verankerten Unterschiede und Kräfteverhältnisse zwischen den grossen politischen Gruppierungen im Aus- mass der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten nieder- schlagen. Indizien aus der komparativen Forschung Für einen Einfluss von Politik auf die geschlechtsspe- zifischen Ungleichheiten sprechen auch viele internatio­ nal vergleichende Studien, die sich an Esping-Andersens (1990) Typologie von Wohlfahrtsregimes orientieren. So zeigt sich, dass insbesondere sozialdemokratisch gepräg- te Wohlfahrtsregimes institutionelle Korrektive zur Min- derung geschlechtsevozierter Ungleichheiten wie Mut- terschaftsversicherung und -schutz, tieferes Pensionsalter, Kindergeld, Familienzulagen, Gutschriften bei der Be- steuerung oder auch Frauenquoten bieten. Umgekehrt dominieren insbesondere in den südeuropäischen Län- dern nach wie vor traditionelle Familienpolitiken, die insbesondere Mütter mit Kindern vom Arbeitsmarkt fernhalten. Auch in den liberalen Wohlfahrtsregimes (z.B. Grossbritannien) ist die Beschäftigungsquote von Frauen hoch. Allerdings werden die gleichstellungspolitischen 316 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Gender oder Gleichstellung im WohlfahrtsstaatSchwerpunkt Erfolge vornehmlich auf tertiärer Bildungsstufe erzielt, was sich u.a. in einer Konzentration gering qualifizierter Frauen im Tieflohnsektor zeigt (Mandel und Shalev 2009). Konservative Regimes (z.B. Deutschland) weisen schliess- lich den Frauen tendenziell noch immer eine Betreue- rinnen-Rolle in der Familie zu (vgl. Pfau-Effinger 2004). Zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangen auch Stu- dien, die mit dem Konzept des Gender Regimes (Lister 1994) operieren. Dieses Konzept kritisiert an Esping- Andersens Typologie, dass die Dimension Dekommodi- fizierung (Grad der Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt) die Lebenslage nichterwerbstätiger Frauen vernachläs- sige und durch eine Dimension zu ergänzen sei, die den Grad der Unabhängigkeit der Frauen von der Familie (Defamilisation) messe. Allerdings sind die bislang vor- liegenden Versuche, Defamilisierung zu operationalisie- ren, umstritten. So moniert etwa Bambra (2007), dass in vielen Studien nicht die Unabhängigkeit der Frauen von der Familie, sondern die Freiheit der Familie gemessen wird und gendersensible Typologien häufig nur graduell von Esping-Andersens Typologie abweichen. Die Einflusskraft politischer und institutioneller Fak- toren wird von zahlreichen Studien untermauert, die sich auf die Auswirkungen spezifischer Kontextfaktoren auf die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in der Ar- beitswelt konzentrieren. So zeigt sich u.a., dass die Ver- fügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen und eine frau- enfreundliche Familienpolitik die Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt fördern. Allerdings gibt es auch Stimmen, die nicht die Familienpolitik, sondern die Aus- bildungsanstrengungen für die hohen Frauenerwerbs- quoten verantwortlich machen. Kritische Beiträge weisen zudem darauf hin, dass der Wohlfahrtsstaat zwar den Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt, aber nicht zu den lukrativen, sondern vornehmlich zu den tiefer entlöhnten «weiblichen» Jobs eröffnet habe (vgl. Mandel und Semy- onov 2006). Eine der wenigen Studien, die die Effekte der institu- tionellen Rahmenbedingungen auf die Frauenerwerbs- tätigkeit in schweizerischen Kantonen überprüfte, ist die Mehrebenenanalyse von Stadelmann-Steffen (2007a, 2007b). Dabei belegt die Autorin, dass eine grosszügige Sozialpolitik im Allgemeinen und ein hohes Krippenan- gebot die Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kindern unter 15 Jahren fördern. Der Forschungsstand spricht also dafür, dass neben individuellen Faktoren wie etwa Bildung eine Reihe politischer und institutioneller Kontextfaktoren das Aus- mass der geschlechtsspezifischen Ungleichheiten beein- flussen. Im Weiteren ist erkennbar, dass bislang das Aus- mass der Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt und damit die bezahlte Arbeit im Vordergrund gestanden ist. In wiefern eine Zunahme der weiblichen Lohnarbeit in- des mit einem Abbau der geschlechtsspezifischen Ein- kommenskluft (gender pay gap) und der Expansion einer geschlechtsneutralen haushaltsinternen Arbeitsteilung einhergeht, bleibt jedoch eine offene Frage. Hinzu kommt, dass für die Schweiz bislang zwar zahlreiche deskriptiv- statistische Analysen geschlechtsspezifische Ungleich- heiten dokumentieren und verschiedene Studien auf die emanzipatorische Kraft von Bildung hinweisen. Eine Überprüfung von Kontexteffekten liegt indes – mit Aus- nahme der erwähnten Mehrebenenanalyse – bisher nicht vor. Deskriptiv­statistische Analysen und Überprüfung von Einflussfaktoren Um diese Forschungslücke zu füllen, sieht das Projekt «Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der schwei- zerischen Arbeitswelt. Eine interkantonale Analyse politischer und institutioneller Einflussfaktoren» (Mit- antragsteller: Ruedi Epple, Sebastian Schief, beide Uni- versität Fribourg) vier Analysephasen vor. In einer ersten Phase geht es einerseits darum, anhand von Daten aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in den drei fokus- sierten Arbeitssphären (Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Freiwilligenarbeit) empirisch zu erfassen. Andererseits zielt diese Phase darauf ab, die interkantonalen und -re- gionalen Variationen dieser Ungleichheiten zu dokumen- tieren. In der zweiten Phase versuchen wir, die Kantone ihren Ungleichheitsprofilen gemäss zu gruppieren, wobei mit- tels strukturentdeckender statistischer Verfahren (Fak- toren- und Clusteranalysen) eine Typologie genderspe- zifischer Arbeitsregimes entwickelt wird. Im Anschluss daran wird die resultierende Gruppierung mit Bühlers (2001) Familienmodelltypologie und den in international vergleichenden Studien verwendeten Genderregime- typologien verglichen. Die dritte Phase bietet eine Evaluation der von inter- national vergleichenden Studien unterstützten Hypo- thesen. Ausgehend von der Annahme, dass es für die Analyse geschlechtsspezifischer Ungleichheiten unab- dingbar ist, den Einfluss politischer und institutioneller Kontextfaktoren zu berücksichtigen, wird eine Mehr- ebenenanalyse durchgeführt. Dieses Instrument hat ge- genüber herkömmlichen multivariaten Analysen den Vorteil, dass sich damit sowohl der Einfluss politischer und institutioneller Faktoren (Makroebene) als auch individueller Faktoren (Mikroebene) auf das individu elle Arbeitsprofil, gemessen an den Aktivitäten in den drei Arbeitssphären, überprüfen lässt. Gegenüber der Be- rücksichtigung von Kontextfaktoren in herkömmlichen multiplen Regressionen hat die Mehrebenenanalyse zu- dem den Vorteil, dass das Verfahren einräumt, dass die individuellen Faktoren je nach Kanton unterschiedlich wirken können. Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 317 Gender oder Gleichstellung im WohlfahrtsstaatSchwerpunkt Parallel zur Mehrebenenanalyse werden wir in einem weiteren Analysemodul eine Qualitative Comparative Analysis (QCA) durchführen. Die QCA hat gegenüber herkömmlichen statistischen Methoden zum einen den Vorteil, dass damit auch die Auswirkungen nicht quanti- fizierbarer gleichstellungspolitischer Faktoren, wie etwa das Gewicht der Frauenbewegung oder spezifischer po- litischer oder kultureller Konstellationen überprüft wer- den können. Zum andern bietet die QCA die Möglichkeit, bei geringen Fallzahlen, wie sie bei einem interkantona- len Vergleich zwangsläufig vorliegen, gleichstellungspo- litisch günstige und ungünstige Faktorenkonstellationen zu identifizieren. Ein weiterer Vorteil der QCA gegenüber der Mehrebenenanalyse liegt darin, dass diese Methode einräumt, dass sich unterschiedliche Konstellationen nahezu identisch auswirken können, gemäss dem Motto «viele Wege führen nach Rom». Auslotung politischer Handlungsspielräume Es liegt auf der Hand, dass das Projekt vorab Fakten generiert und sozialwissenschaftliche Hypothesen über- prüft. In der Tat mangelt es in der Schweiz an Studien, die sich mit den Gründen für die deutlichen interregio- nalen Unterschiede in der Realisierung von Gleichstel- lungspostulaten befassen. Von daher bietet das Projekt eine einmalige Chance, eine empfindliche Forschungs- lücke zu schliessen. Darüber hinaus bieten die empiri- schen Befunde eine gute Möglichkeit, sowohl die struk- turellen Hindernisse als auch die Chancen politischer Massnahmen, sei das im juristischen oder infrastruktu- rellen Bereich, für eine Gleichstellungspolitik in der Ar- beitswelt zu identifizieren. In diesem Sinn werden zu- nächst all jene Regionen in der Schweiz erkennbar, in denen das Gleichstellungspostulat besonders gut oder schlecht realisiert ist (best and worse cases), bevor in einem weiteren Schritt die Frage nach den entscheiden- den Einflussfaktoren beantwortet wird. Allerdings ist dabei schon im Vornherein einzuräumen, dass bei vielen potenziellen Einflussfak toren wie etwa kulturellen Ein- stellungen und politischen Kräfteverhältnissen im Un- terschied etwa zu konkreten Massnahmen wie die Be- reitstellung von Kinderbetreuungsplätzen nur eine ge- ringe Umsetzungschance besteht. Literatur Bambra, Clare (2007) Defamilisation and welfare state regimes: a cluster analysis. 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E-Mail: michael.nollert@unifr.ch 318 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Susanne Stern Christina Felfe Infras Universität St.Gallen Welche Rolle spielt die familienergänzende Kinderbetreuung für die Gleichstellung? Die Verfügbarkeit von bezahlbaren und qualitativ guten Kinderbetreuungsangeboten ist eine wichtige Voraussetzung für die Erwerbstätigkeit von Müttern und damit für die Gleichstellung der Geschlechter. Das Projekt beleuchtet die Zusammenhänge zwischen dem Angebot und der Ausgestaltung familienergänzender Kinderbetreuung und dem Karriereverlauf von Frauen und Männern in der Schweiz mittels quantitativer und qualitativer Analysen. In der OECD sind heutzutage immer noch fast 40 Pro- zent der Mütter nicht aktiv am Arbeitsleben beteiligt. Unter den Frauen mit Kindern jünger als 3 Jahre ist dieser Anteil sogar noch höher; momentan sind 47 Pro- zent von ihnen nicht erwerbstätig bzw. 53 Prozent sind erwerbstätig. Im Gegensatz hierzu ist die Erwerbstäti- genquote von kinderlosen Frauen ähnlich zu der von Männern (73 Prozent versus 75 Prozent). In der Schweiz sind die Erwerbstätigenquoten von Müttern aufgrund des im internationalen Vergleich relativ hohen Teilzeit- anteils etwas höher: Die Erwerbstätigenquote von Frau- en mit Kindern unter 3 Jahren liegt bei 58 Prozent, die von Frauen ohne Kinder bei 77 Prozent.1 Bei den Män- nern verhält es sich gerade umgekehrt wie bei den Frau- en: Die Erwerbstätigenquote von Männern mit Kindern liegt in der Schweiz mit 95 Prozent deutlich höher als bei Männern ohne Kinder (81 Prozent).2 Weil Karriere- unterbrechungen zu Humankapitalverlusten und somit zu Ungleichheiten bei der Karriere- und Lohnentwick- lung führen, ist es wichtig die Gründe für die Karriere- unterbrechungen von Müttern zu verstehen. Untersu- chungen zeigen, dass in der Schweiz viele Mütter arbei- ten möchten, es jedoch aufgrund eines mangelhaften Angebots an Kinderbetreuungseinrichtungen häufig nicht können (Buhmann 2001, Banfi und Iten 2007). Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern ist das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen in der Schweiz un- terdurchschnittlich (UNICEF 2008). Veränderte Erwerbssituation Mit der Geburt des ersten Kindes verändert sich nicht nur die Lebenssituation von Paaren, sondern oft auch die Erwerbssituation der Frauen meist grundlegend (Felfe 2008). Das am häufigsten verbreitete Erwerbsmodell von Paaren mit Kindern in der Schweiz ist das Modell «Mann Vollzeit, Frau Teilzeit» (45 Prozent), gefolgt vom Modell «Mann Alleinverdiener» (37 Prozent). Egalitäre oder neue Erwerbsmodelle (z.B. «beide Teilzeit» oder «Frau Vollzeit und Mann Teilzeit oder nicht erwerbstätig») sind höchst selten. Da Väter in den allermeisten Fällen einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, hängt die Möglichkeit von Frauen, auch in den Jahren nach der Geburt Voll- oder Teilzeit zu arbeiten, somit wesentlich davon ab, welche Kinderbetreuungsmöglichkeiten vorhanden sind. Wie Lindert (2004) zeigt, hat die Verfügbarkeit von Kin- derbetreuung und Elternurlaub nicht nur einen direkten Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung, sondern auch auf die Löhne. So weisen skandinavische Länder von allen OECD-Staaten die geringsten Lohnunterschiede von Müttern im Vergleich zu kinderlosen Erwachsenen glei- chen Alters und die höchsten Stundenlöhne von Frauen im Vergleich zu Männern auf (Lindert 2004). Der Fokus des NFP60-Projektes von INFRAS und SEW liegt auf der Bedeutung der familienergänzenden Kinderbetreuung im Vorschul- und Schulbereich und ihrer konkreten Ausgestaltung für die Familien-, Erwerbs- und Karriereentscheide von Frauen und Männern in der Schweiz. Es kann angenommen werden, dass eine Er- höhung der Quantität und Qualität des Betreuungsan- gebots weitgehende Wohlfahrtspotenziale birgt. Eine bezahlbare Kinderbetreuung von guter Qualität verbes- 1 Alle Fakten in diesem Abschnitt stammen von www.oecd.org/els/social/ family/database. 2 Bundesamt für Statistik, SAKE 2009. Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 319 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat sert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und fördert die Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt und somit die Gleichstellung der Geschlechter. Familienergänzen- de Betreuungsangebote könnten auch eine bedeutende Lösung für die sinkende Fertilitätsrate bieten, indem die Kosten für Kinder, die durch den Einkommensverzicht oder reduzierte Karrieremöglichkeiten entstehen, ge- senkt werden. Berufskompatible Angebote Familienergänzende Betreuung (abgekürzt FEB) wird im geplanten Projekt sehr umfassend definiert. FEB be- inhaltet Angebote im Frühbereich (Kindertagesstätten und Tagesfamilien) sowie Angebote auf Stufe der obli- gatorischen Schule (Blockzeiten und freiwillige schulische Tagesstrukturen wie Morgen-, Mittags- oder Nachmit- tagsbetreuung). Infras/SEW beschränkt sich jedoch auf die so genannten «berufskompatiblen» FEB-Angebote, das heisst auf Angebote, die einen genügend langen Zeit- raum abdecken, so dass die Eltern einer Berufstätigkeit nachgehen können. Nicht-berufskompatible Angebote sind z.B. Spielgruppen, Kinderhütedienste, Aufgaben- hilfen oder Stützkurse. Weiterhin werden nur institu- tionalisierte Formen der familienergänzenden Betreuung (Angebote mit Meldungs- oder Bewilligungspflicht) be- trachtet. Informelle Betreuungsangebote wie Betreuung durch Verwandte oder in der Nachbarschaft können auch wegen ihrer sehr schwierigen Messbarkeit nicht berück- sichtigt werden. In einem ersten Schritt werden die Zusammenhänge zwischen der Nutzung von externer Kinderbetreuung und verschiedenen Indikatoren für die Ungleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt auf der Basis von Daten der Schweizerischen Arbeitskräfte befragung (SAKE) und des Schweizerischen Haushalts panels (SHP) beleuchtet. Einerseits werden verschiedenste Masse untersucht, welche das Arbeitsangebot und den Erfolg von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt beschreiben. Die einzelnen abhängigen Variablen sind hier die Beteiligung am Arbeitsmarkt, die Arbeitsstun- den, die berufliche Position bzw. Verantwortung am Ar- beitsplatz und nicht zuletzt der Stundenlohn. Anderer- seits will Infras/SEW auf Entscheidungen im Familien- leben, wie den Entscheid für Kinder, das Alter der Frau bei der Geburt des ersten Kindes, die Anzahl der Kinder am Ende des fertilen Alters und die Art der gewählten Kinderbetreuung eingehen. Wie oben beschrieben sind Familienpläne und letztlich der Entscheid für ein Kind die Hauptfaktoren, weswegen Frauen aus dem Arbeits- markt (temporär) ausscheiden und Karrieremöglichkei- ten vergeben. Aus diesem Grunde ist es wichtig, beide Dimensionen – die Familie und die Karriere – gemeinsam zu betrachten. Familie und Karriere Die multivariate Analyse mit SAKE- und SHP-Daten kann den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Indikatoren der familiären und der beruflichen Situation und den verschiedenen Komponenten der Kinderbetreu- ung abbilden. Sie kann jedoch nur Korrelationen darstel- len. Um den kausalen Effekt von der FEB auf die Chan- cen der Frau auf dem Arbeitsmarkt zu bestimmen, wird eine exogene Variation im Kinderbetreuungsangebot benötigt, d.h. Variation in der Betreuung, die nicht von den Eltern beeinflusst werden kann. Die Schweiz, mit ihrer beachtlichen Variation zwischen den Gemeinden in der nichtobligatorischen, jedoch auch der obligatori- schen Kinderbetreuung (z.B. Blockzeiten, Schuleintritt) bietet einen hervorragenden Ausgangspunkt, um den kausalen Einfluss der verschiedenen Komponenten der FEB auf Familien- und Berufsentscheidungen zu analy- sieren. Zugrunde liegt die Idee, dass das Angebot und die Ausgestaltung der FEB – im Gegensatz zur individu- ellen Betreuungssituation – exogen in das Entscheidungs- kalkül von Frauen und Männern bezüglich Familie und Beruf einfliesst. Mit anderen Worten: Angebot und Aus- gestaltung des FEB ist nicht direkt von nicht messbaren individuellen Präferenzen oder Einstellungen abhängig, weswegen man den kausalen Effekt des FEB auf die individuellen Entscheidungen im Familien- und Berufs- leben identifizieren kann. Gesamtschweizerische Datenbasis Damit überhaupt Aussagen zum Einfluss des FEB- Angebots gemacht werden können, müssen entsprechende Angebotsdaten verfügbar sein. Dies ist eine besondere Herausforderung des geplanten Projekts. Eine gesamt- schweizerische Statistik zur familienergänzenden Betreu- ung gibt es zurzeit nicht. Erst die neue Kinderbetreu- ungsverordnung (KiBeV) sieht eine solche Statistik vor (Art. 69). Bis zu deren Umsetzung wird es aber noch mehrere Jahre dauern. Für das geplante Forschungsvor- haben ist es jedoch zentral, über valide Daten zur Kin- derbetreuung in der Schweiz zu verfügen. Es ist daher vorgesehen, eine gesamtschweizerische Datenbasis zur familienergänzenden Kinderbetreuung zu erstellen. Da- bei wird man sich in erster Linie auf die verfügbaren kantonalen und kommunalen Daten abstützen und die- se bei Bedarf durch gezielte eigene Erhebungen ergänzen. Neben dem quantitativen Angebot an Betreuungsplät- zen (Versorgungsgrad) sollen auch weitere Angebotsaus- prägungen untersucht werden wie die Erschwinglichkeit des Angebots für die Eltern – z.B. gemessen an der Exis- tenz von einkommensabhängigen Elternbeitragsregle- menten – und die Qualität – gemessen am Betreuungs- verhältnis (Anzahl Kinder pro Betreuungsperson), das 320 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat kantonal geregelt wird. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die steuerlichen Anreize, dass heisst, die Möglichkeit, Ausgaben für familienergänzende Kinderbetreuung steu- erlich abzuziehen. Dies wird in den kantonalen Steuer- gesetzen geregelt. Kernelement des Projekts ist eine ökometrische Ana- lyse, mit der der kausale Effekt der unterschiedlichen Komponenten der familienergänzenden Kinderbetreu- ung bestimmt werden soll. Dazu müssen die gesammelten FEB-Daten den oben erwähnten SAKE-Daten über den Gemeindeschlüssel hinzu gespielt werden. Durch dieses Zusammenspiel erhält man eine Datenbasis, die sowohl Informationen zu den verschiedenen Komponenten der FEB als auch zur individuellen Familien- und Karriere- situation enthält. Für die ökonometrische Analyse ist geplant, das sogenannte Matching-Verfahren anzuwen- den. Matching ist heutzutage eine weitverbreitete Eva- luationsmethode, welche benutzt wird, um den Effekt von «Programmen» zu evaluieren. Traditionelle Matching Schätzverfahren paaren unter Berücksichtigung von in- dividuellen Charakteristika (d.h. den Kontrollvariablen Geschlecht, Alter etc.) jeweils eine/n Programmteil neh- mende/n mit einer/m Nichtteilnehmenden und verglei- chen dann die jeweiligen Ergebnisse. Neuere Schätz- methoden «matchen» jeweils eine/n Programm teilneh- mende/n mit mehreren Nichtteilnehmenden und benut- zen dann gewichtete Mittelwerte um den Effekt des Programms zu berechnen (siehe z.B. Lechner 2002). Für unsere Zwecke werden wir für jede Person in der SAKE einen (oder mehrere) Counterpart(s) finden, welche in den individuell beobachtbaren Charakteristika (z.B. Ge- schlecht, Alter, Familienstand, Berufserfahrung, etc.) gleich sind, jedoch in einer Gemeinde leben, welche sich möglichst stark im Kinderbetreuungsangebot, nicht je- doch in anderen institutionellen Gegebenheiten (wie z.B. Teilzeitangebote, Steuersystem, Immigrantenanteil, etc.) von der Gemeinde der/des «Programmteilnehmenden» unterscheidet. Verzerrte Ergebnisse korrigieren Ein Kritikpunkt an dem Argument, dass das kommu- nale Kinderbetreuungsangebot exogen zu Entscheidun- gen einer einzelnen Person bzw. eines Paares ist, ist die Tatsache, dass sowohl Angebot als auch Struktur der Kinderbetreuung durch Migration und (zumindest lang- fristig) durch Wahlverhalten der Bevölkerung beeinflusst werden können. Falls diese Faktoren, die sich sowohl auf die Kinderbetreuung als auch auf Karriereplanung aus- wirken, nicht berücksichtig werden, erhält man verzerrte Ergebnisse (sog. Endogenitätsproblem). Dieses Endoge- nitätsproblem kann auf zweierlei Arten korrigiert werden: Eine Möglichkeit ist, ausgewählte lokale sozioökono- mische Indikatoren, wie z.B. den Steuersatz, die Bevöl- kerungsdichte, den Bildungsstand, die Erwerbsquote und die Wohneigentumsquote in die Analyse einzubeziehen. Alternativ kann man exogene kommunale Veränderun- gen, wie etwa eine Reform der Kinderbetreuung (z.B. Einführung von schulischen Tagesstrukturen, Erhöhung der öffentlichen Finanzierung der Kinderbetreuung) ausnutzen. Eine Evaluation solcher exogener Veränderungen, welche von der Wohnbevölkerung der Gemeinde nicht antizipiert wurde und somit nur das Kinderbetreuungs- angebot, nicht jedoch die individuelle Familien- und Karriereplanung direkt beeinflussen, erlaubt, den kau- salen Einfluss der Betreuung zu ermitteln. Hierfür bie- tet sich eine vertiefende Analyse für einzelne Kantone an, wo Zeitreihen zur Entwicklung des FEB-Angebots – Versorgungs- und Finanzierungsgrad – bestehen, (z.B. Kantone Zürich, Basel-Stadt, Zug und evtl. Genf). Auch für diesen Teil der Analyse werden die Daten der SAKE verwendet, da sie aufgrund ihrer Stichprobengrösse auch noch bei Betrachtung einzelner Kantone genügend Beobachtungen aufweist. Mittels dieser konzentrierten Analyse kann man neben dem Einfluss zeitlicher Trends im Betreuungsangebot, auch den Effekt von detaillier- ten Informationen zum Versorgungs- und Finanzierungs- grad, sowohl im Vorschul- als auch im Schulbereich, ermitteln. Interviews und Fokusgruppen Zum besseren Verständnis und zur Vertiefung der öko- nometrischen Schätzergebnisse sind in einem weiteren Schritt qualitative Interviews und Fokusgruppen geplant. In Gesprächen mit erwerbstätigen Müttern und Vätern wird die Bedeutung des familienergänzenden Betreu- ungsangebots und der damit verbundenen poli tischen Rahmenbedingungen (steuerliche Regelungen, Finan- zierung etc.) für ihre Erwerbs- und Karrieremöglich - keiten ausgelotet. Folgende Themen stehen im Vorder- grund: • Gründe für die Wahl des aktuellen Kinderbetreuungs- und Geschlechterarrangements, Vor- und Nachteile der aktuellen Arrangements, praktische und organisatori- sche Fragen rund um die Kinderbetreuung (wer holt/ bringt die Kinder, wer übernimmt die Betreuung im Krankheitsfall und während der Schulferien). • Relevanz der familienergänzenden Betreuung für die Vereinbarkeit, die Berufs- und Karrieremöglichkeiten im Vergleich zu anderen institutionellen und kulturel- len Faktoren (z.B. Teilzeitangebot, Rollenverständnis). • Konkrete Anforderungen an die familienergänzenden Betreuungsangebote, Relevanz der verschiedenen Aus- gestaltungsparameter (Angebotsstruktur, Preis, Qua- lität, Öffnungszeiten, Flexibilität, steuerliche Anreize etc.). Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 321 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Insgesamt werden rund 25 Personen befragt. Die Inter- viewpartnerInnen und Teilnehmenden der Fokusgruppen werden nach regionalen (Deutschschweiz/Romandie; Gemeinden mit hohem/tiefem Versorgungsgrad) und sozioökonomischen Kriterien (Bildungsniveau, Einkom- men/Funktion und Erwerbsgrad) ausgewählt. Die Auswertungen der verschiedenen quantitativen und qualitativen Analysen münden in Handlungsemp- fehlungen zuhanden der verschiedenen Akteure im Be- reich der Gleichstellungs- und Familienpolitik auf Ebene von Bund, Kantonen, Gemeinden und Wirtschaft. Aus ihnen soll hervorgehen, mit welchen konkreten Mass- nahmen im Bereich der familienergänzenden Kinderbe- treuung ein möglichst wirkungsvoller Beitrag zur Förde- rung der Gleichstellung geleistet werden kann. Im Vergleich mit den bereits existierenden Studien erlaubt das geplante Projekt erstmals eine umfassende und simultane Analyse der verschiedensten Aspekte der familienergänzenden Kinderbetreuung auf nationaler Ebene. Dementsprechend ermöglicht es eine relative Beurteilung und Gegenüberstellung verschiedener Poli- tikmassnahmen zur Förderung der Frau im Berufsleben, welche für eine effektive Ausgestaltung der Gleichstel- lungspolitik in der Schweiz hilfreich ist. Das Forschungs- projekt zielt auf die Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen für die Gleichstellung und soll da- zu beitragen, dass Frauen künftig die gleichen Berufs- und Karrierechancen haben wie Männer. Es liefert empirisch abgestützte Ergebnisse zur Bedeutung der quantitativen und qualitativen Ausgestaltung der Kinderbetreuung im Vorschul- und Schulbereich auf die Chancen der Frauen im Erwerbsleben. Auf diese Weise nützt sie den privaten und öffentlichen AkteurInnen, welche sich mit der Wei- terentwicklung der Strukturen im Bereich der Kinder- betreuung im Vorschul- und Schulbereich beschäftigen. Zitierte Literatur Banfi S. und Iten R. (2007): Familienergänzende Kinderbetreuung und Er- werbsverhalten von Haushalten mit Kindern, Studie im Auftrag des Staats- sekretariats für Wirtschaft (SECO), Zürich. Buhmann Brigitte (2001): Zahlen und Fakten zur haushaltexternen Kinder- betreuung in der Schweiz. Frauenfragen: 39-42. Felfe, Christina (2008): «The Child Penalty – What about Job Amenities»; University St.Gallen Discussion Paper no. 2008-22. Lechner M. (2002): Program Heterogeneity and Propensity Score Matching: An Application to the Evaluation of Active Labour Market Policies, The Review of Economics and Statistics, 84, 205–220. Lindert Peter H. (2004): Growing Public. Social Spending and Economic Growth since the Eighteenth Century. Cambridge. UNICEF (2008): The child care transition: A league table of early childhood education and care in economically advanced countries, Florenz (Report Card 8). Susanne Stern, dipl. geogr., Gender Management NDS, Bereichs- leiterin INFRAS AG. E-Mail: susanne.stern@infras.ch Christina Felfe, PhD, Assistenzprofessorin, Universität St.Gallen, Schweizerisches Institut für Empirische Wirtschaftsforschung (SEW). E-Mail: christina.felfe@unisg.ch 322 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Kathrin Bertschy Michael Marti Ecoplan Ecoplan Berufseinstieg und Lohndiskriminierung Frauen verdienen nach wie vor 20 bis 30 Prozent weniger als Männer. Diese Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern lassen sich zwar zu über 50 Prozent statistisch erklären – mit unterschiedlichen Berufser­ fahrungen und Qualifikationen, welche sich im Verlauf des Erwerbslebens ergeben. Zum Zeitpunkt des Berufseinstiegs sollte es demnach aber keine Unter­ schiede geben. Dennoch existieren Anzeichen für eine unterschiedliche Entlöhnung bereits beim Einstieg ins Berufsleben, auch bei gleicher Ausbildung. Was sind die Ursachen der diskriminierenden Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern und zu welchem Zeit ­ punkt im Ausbildungs­ und Erwerbsverlauf entstehen diese? Ausgangslage und Fragestellungen Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer. International vergleichende Analysen zeigen, dass sich Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zwar in den meisten Ländern in den letzten Jahrzehnten mas- siv reduziert haben, nach wie vor aber auf 20 bis 30 Pro- zent geschätzt werden. Für die Schweiz kann beobachtet werden, dass die durchschnittlichen Lohnunterschiede über den Zeitverlauf abgenommen und sich insbeson dere in Tieflohnberufen verringert haben.1 Die bestehenden Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern werden meist mit der unterschiedlichen Berufserfahrung und Fähigkeiten begründet, welche im Verlauf des Erwerbs- lebens entstehen. So lassen sich über 50 Prozent der Un- terschiede mit persönlichen Qualifikationsmerkmalen (Ausbildung, Alter), der beruflichen Stellung, der Berufs- erfahrung oder dem Tätigkeitsbereich statistisch erklären. Der übrige, unerklärbare Anteil von über 40 Prozent (Diskriminierungseffekt) der Lohnunterschiede bedeu- tet, dass Frauen nach wie vor ca. 10 Prozent weniger Lohn einzig aufgrund ihres Geschlechts erhalten. Ökonomische Studien, welche das Ausmass der Lohn- diskriminierungen zu schätzen versuchen, basieren meist auf Datengrundlagen, mit welchen die Berufserfahrung nur annäherungsweise kontrolliert werden kann und die absolvierten Ausbildungen ungenau erfasst sind. So wird die Berufserfahrung vielfach über das Alter (weniger Ausbildungsjahre) oder das Dienstalter ermittelt, womit Erwerbsunterbrüche nicht berücksichtigt werden. Da diese mehrheitlich Frauen betreffen, wird das effektive Ausmass der Lohndiskriminierung tendenziell über- schätzt. Die absolvierten Ausbildungen werden häufig nur in zusammengefassten Kategorien erfasst und An- gaben zu individuellen Fähigkeiten/Leistungen sind meist nicht vorhanden; dadurch entstehen zusätzliche Unge- nauigkeiten bei der Ermittlung der persönlichen Quali- fikationen bzw. des akkumulierten Humankapitals. Die bestehenden Analysen vermögen nicht aufzuzeigen, zu welchem Zeitpunkt der (individuellen) Erwerbskarriere(n) Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern ent- stehen. Es stellt sich daher die Frage, ob Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern Ergebnis von unterschied- lichen Karriereverläufen und als solche erst ein paar Jahre nach dem Arbeitsmarkteintritt erkennbar sind. Oder ob bereits zum Zeitpunkt des Berufseinstiegs – selbst bei gleicher Ausbildung – Unterschiede ausgemacht werden können, was eigentlich nicht der Fall sein dürfte, zumal die schulische Vorbildung von jungen Frauen heu- te im Schnitt besser als die ihrer männlichen Kollegen ist. Dennoch existieren Anzeichen für eine unterschied- liche Entlöhnung bereits beim Einstieg ins Berufsleben auch bei gleicher Ausbildung. Ist diese unterschiedliche Entlöhnung das Ergebnis eigener Entscheidungen bei der Ausbildungsplatzwahl und/oder der Ausbildungs- platzvergabe durch die Lehrbetriebe, oder werden Frau- 1 Vgl. Souza-Poza (2004) und Strub et al. (2008). Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 323 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat en trotz gleichwertiger Qualifikationen bei der Einstel- lung in gut bezahlte Berufe benachteiligt? Auf diese Fragen existieren bisher für die Schweiz keine Antworten. Bestehende Studien analysieren die Höhe der Lohnunterschiede zwischen den Geschlech- tern sowie die Anteile an erklärbaren und nicht erklär- baren Unterschieden, gehen aber nicht auf Ursachen und Entstehungszeitpunkt von Diskriminierung ein. Das Projekt BELODIS (Berufseinstieg und Lohndiskrimi- nierung) konzentriert sich auf diese Forschungslücke. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Ausbildungsverlauf und beim Berufseinstieg Geschlechtsspezifische Unterschiede und dementspre- chende Selektionsmuster zeigen sich bereits früh im Bil- dungsverlauf. Bereits bei der Einstufung der Schülerinnen und Schüler in die Schultypen der Sekundarstufe I kön- nen diskriminierende Effekte betreffend Geschlecht und Migrationsstatus festgestellt werden. Bei vergleichbaren durchschnittlichen Schulleistungen erhalten Schweizer Mädchen zu 83 Prozent, Schweizer Jungen aber nur zu 70 Prozent einen Sekundarschulentscheid, bei ausländi- schen Kindern ist diese verzerrte Leistungsbeurteilung noch ausgeprägter.2 Das Geschlecht der Schüler be- einflusst demnach die Notengebung, ein Phänomen, das häufig mit geschlechtsrollenstereotypen Vorstellungen der (auf dieser Schulstufe) mehrheitlich weiblichen Lehr- personen zu erklären versucht wird.3 Der erste Schritt in den Arbeitsmarkt erfolgt in Län- dern mit dualen Ausbildungssystemen4 nicht erst nach Abschluss der Berufsbildung, sondern bereits mit dem Abschluss der obligatorischen Schule, wenn Schulabgän- gerinnen- und abgänger mit der Herausforderung kon- frontiert werden, einen ihnen entsprechenden Ausbil- dungsplatz zu finden. Frauen haben stärker von der all- gemeinen Bildungsexpansion profitiert und im Hinblick auf den Erwerb allgemeiner Bildungszertifikate im Ver- gleich zu den Männern aufgeholt, bzw. diese in Teilen bereits überholt. Und obwohl sie zudem von der verzerr- ten Leistungsbeurteilung beim Sekundarschulentscheid profitieren, gelingt es ihnen dennoch schlechter als ihren Kollegen, ihre Präferenzen für einen Lehrberuf zu reali- sieren. Um eine vergleichbar attraktive Lehrstelle zu erhalten, müssen Mädchen bessere schulische Qualifika- tionen ausweisen als Jungen.5 Sie beschränken sich in ihrer Auswahl in hohem Masse auf frauentypische Aus- bildungsstellen und begnügen sich häufiger mit weniger anspruchsvollen Ausbildungswegen, zudem weichen sie häufiger auf schulische Ausbildungsgänge aus. Die drei genannten Aspekte sind Merkmale für Ausbildungen, welche seltener in einen gut entlöhnten Beruf führen und zudem vergleichsweise tiefe Lehrlingsentlöhnungen auf- weisen.6 Ist dieser Berufsfindungsprozess der weiblichen Jugend- lichen in weniger prestigeträchtigen Ausbildungsgängen Ergebnis einer subjektiven Wahl (Selbstselektion der Mädchen in Ausbildungen, welche in schlechter entlöhn- te Berufe führen) oder Ergebnis des Auswahlverfahrens der Lehrmeister? Ergebnisse aus deutschen Studien belegen, dass Frauen bei der Ausbildungsplatzvergabe benachteiligt werden. Demnach bemühen sich Frauen aktiver bei der Ausbil- dungsplatzvergabe und bewerben sich häufiger und er- halten dennoch nur rund ca. 42 Prozent der Ausbildungs- plätze, dies trotz formal besseren Qualifikationen im Verhältnis zur männlichen Vergleichsgruppe.7 Die tiefe- ren Lehrstellenchancen weiblicher gegenüber männlicher Jugendlichen werden mit Geschlechterstereotypen (wo- nach z.B. der Lebenslauf junger Frauen nicht auf konti- nuierliche Erwerbsarbeit ausgerichtet sei) zu begründen versucht, welche im Rahmen betrieblicher Selektionen wirksam werden.8 Obwohl der erlernte Beruf das zur Auswahl stehende Berufsspektrum stark vorstrukturiert, gehen Frauen und Männer mit einer abgeschlossenen Ausbildung auf Se- kundarstufe II beruflich häufig unterschiedliche Wege. Das Spektrum an Tätigkeiten, das Frauen zur Verfügung steht, ist im Vergleich zu ihren Kollegen ungleich enger: Ausbildungsgewinne von Frauen in von Männern domi- nierten Berufen gehen teilweise wieder verloren, denn einem Teil der jungen Frauen gelingt es nicht, einen Ar- beitsplatz im besser bezahlten, gewerblich-technischen Bereich auch einzunehmen. Und in von Frauen domi- nierten (Ausbildungs-)Berufen zeigt sich der gegentei lige Effekt, dass beim Übergang ins Erwerbsleben eine noch stärkere Konzentration von Frauen zu beobachten ist, weil Männer diese Berufe verlassen.9 Erste Ergebnisse bezüglich Berufseinstieg von Lehr- abgängern auf Basis einer Teilstichprobe der TREE- Daten zeigen die negativen Folgen des stark segregierten Ausbildungs- und Arbeitsmarkts in der Schweiz: Frauen sind fast doppelt so häufig (zu 26 Prozent) prekär be- schäftigt wie Männer und im Tieflohnbereich im Ver- gleich zu ihren Kollegen markant übervertreten. Sie verdienen bei vergleichbaren Bedingungen und Quali- 2 Vgl. Haeberlin et al. (2004). 3 Vgl. Kreienbaum (2001). 4 Duale Berufsausbildungssysteme, welche die theoretische mit einer praxisnahen Ausbildung im Betrieb kombinieren, sind einzig in Deutsch- land, der Schweiz und Österreich (weniger stark auch in Dänemark und den Niederlanden) verbreitet, wo bis zu 70% (vgl. Borkowsky 2001, SKBF 2010) der Jugendlichen eine duale Ausbildung durchlaufen. 5 Vgl. Haeberlin et al. (2004). 6 Vgl. Palamidis & Schwarze (1989): 121, Imdorf (2005): 263, Blossfeld (2009): 115; Granato & Schittenhelm (2001). 7 Vgl. Blossfeld (2009): 113. 8 Vgl. Haeberlin et al. (2004) / Phelps (1972). 9 Vgl. Leemann & Keck (2005): 146. 324 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat fikationen im Durchschnitt monatlich rund 10 Prozent weniger als Männer.10 Forschungsthesen zu den Ursachen der Lohndiskriminierung beim Berufseinstieg Aus den bisherigen Erkenntnissen lassen sich zwei unterschiedliche Erklärungsansätze ableiten: Erklärungsansatz 1: Lohnunterschiede sind Ergebnis einer vorgelagerten, indirekten Diskriminierung. Sie ent- stehen entweder über eine Selbstselektion der Mädchen in Ausbildungen, welche in schlechter bezahlte Berufe münden. Oder über eine Fremdzuteilung in diese Be rufe, weil Mädchen bei der Vergabe dieser Ausbildungsplätze durch die Lehrberufsbetriebe benachteiligt werden. Erklärungsansatz 2: Die Diskriminierung entsteht bei der Stellenvergabe, indem Betriebe vorzugsweise Männer einstellen, selbst wenn Bewerbungen von gleich gut qua- lifizierten weiblichen und männlichen Personen vorliegen. Dies geschieht basierend auf Vorurteilen, z.B. dass Män- ner lieber Männer einstellen, oder aufgrund der Annah- me, dass Frauen ihren Beruf aus familiären Gründen wieder aufgeben könnten.11 Beide Erklärungsansätze haben denselben Effekt (Frauen verdienen trotz vergleichbaren Qualifikationen weniger als Männer, und dies mit grosser Wahrschein- lichkeit bereits beim Eintritt ins Berufsleben); um die Lohndiskriminierung zu reduzieren, müssen aber unter- schiedliche Massnahmen ergriffen werden: Im ersten Fall sind Selektionsmechanismen bei der Ausbildungswahl zu hinterfragen und es gilt, sowohl beim Berufsfindungs- prozess in der Schule, wie auch bei der Vergabe der Lehr- stellen anzusetzen. Im zweiten Fall müsste die geschlechts- spezifische Selektion von Unternehmen/Branchen bei der Anstellung von Berufseinsteigern abgebaut werden. Methodisches Vorgehen und Datengrundlage BELODIS untersucht die geschlechtsspezifischen Un- terschiede und Präferenzen sowie deren Ursachen beim Übertritt in den Arbeitsmarkt auf zwei Ebenen: Zum einen auf der individuellen Ebene über eine Analyse der Ausbildungs- und Erwerbsverläufe, hier werden statis- tisch-deskriptive und statistisch-ökonometrische Auswer- tungen auf Basis einer neuen Datengrundlage vorgenom- men. Zum anderen auf der Ebene der Betriebe, hier ist eine Betriebsbefragung in ausgewählten Branchen mit vermuteter Lohndiskriminierung vorgesehen. Die ersten Auswertungen erfolgen mit Daten aus der Schweizer Jugendlängsschnittstudie TREE (www.tree-ch. ch). TREE steht für Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben und ist in der Schweiz die erste natio- nale Längsschnittuntersuchung zum Übergang Jugend- licher von der Schule ins Erwachsenen- und Erwerbs- leben. Im Zentrum dieser Erhebung stehen die Aus- bildungs- und Erwerbsverläufe nach Austritt aus der obligatorischen Schule. Die TREE-Stichprobe umfasst gut 6000 Jugendliche, die im Jahr 2000 am Projekt PISA (Programme for International Student Assessment) teil- genommen haben und im selben Jahr aus der obligato- rischen Schulpflicht entlassen wurden. Die Stichprobe ist national und sprachregional repräsentativ. Von 2001 bis 2007 wurden jährliche Befragungen zur aktuellen Situ- ation durchgeführt. Retrospektive Fragen und Nachbe- fragungen ermöglichen zudem die Abbildung monatsge- nauer individueller Ausbildungs- und Erwerbsverläufe. Zurzeit steht die 8. Befragung zur Situation der jungen Erwachsenen 10 Jahre nach ihrem Schulaustritt kurz vor dem Abschluss. Diese Daten ermöglichen Analysen auf der Ebene der individuellen Berufsverläufe. Es kann untersucht werden, ob und welche genderspezifische Unterschiede bei Ar- beitsmarkteintritten und bei der Entwicklung der Be- rufsverläufe in den ersten Erwerbsjahren existieren. Die Einstiegslöhne nach Geschlecht können getrennt für verschiedene (Berufs-)Ausbildungen, Branchen und Sprachregionen analysiert werden. Mittels ökonometrischer Methoden können die Lohn- unterschiede der Berufseinsteiger unter Berücksichtigung ihrer absolvierten Berufsausbildungen und weiterer Er- klärungsfaktoren für den individuellen Erwerb von Qua- lifikationen geschätzt und in erklärbare und diskriminie- rende Anteile zerlegt werden. In die Untersuchung flies- sen auch bisher nicht kontrollierbare Merkmale (z.B. individuelle Leistung über Noten und Pisa-Testergebnis- se oder die exakte Berufserfahrung) mit ein, was die Schätzungen deutlich verbessert. Indem die Schätzungen für die gleiche Kohorte 3 bis 6 Jahre nach dem Berufs- einstieg wiederholt werden, kann die Entwicklung der Lohnunterschiede über die ersten Berufsjahre und der Zeitpunkt des Auftretens von diskriminierenden Lohn- unterschieden analysiert werden. Zudem wird untersucht, ob Mädchen bei der Vergabe der prestigeträchtigen Aus- bildungsplätze durch die Lehrberufsbetriebe benachtei- ligt werden und ob junge Frauen, welche eine solche Ausbildung abgeschlossen haben, trotz gleichen Qualifi- kationen wie ihre männlichen Kollegen länger auf Stel- lensuche sind bzw. seltener Zugang zu prestigeträchtigen Stellen finden. 10 Vgl. Bertschy et al. (2007). 11 Vgl. z.B. Beckers «Taste for discrimination»-Theorie (1971). Demnach sind rational nicht begründbare Vorurteile der Arbeitgeber für die Dis- kriminierung von Frauen bei betrieblichen Personalentscheidungen verantwortlich. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben demnach Vor- urteile und Vorlieben für Arbeitnehmende mit speziellen demographischen Merkmalen und bevorzugen in der Regel solche, die die gleichen Merk- male wie sie selbst aufweisen (Männer stellen Männer ein, wünschen keine Frauen als Vorgesetzte, etc.). Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 325 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Die Überprüfung des zweiten Erklärungsansatzes, wo- nach diskriminierende Lohnunterschiede beim Berufs- eintritt entstehen, weil Betriebe aus verschiedenen Grün- den das männliche Geschlecht vorziehen und Bewerbe- rinnen benachteiligen, erfolgt über eine Betriebsbefra- gung in ausgewählten Branchen mit vermuteter Lohn- diskriminierung. Im Fokus steht hierbei die Frage, ob Betriebe in diesen Branchen trotz Bewerbungen von Frauen mit gleichwertigen Qualifikationen häufiger den männlichen Bewerbern den Vorzug geben und sich somit der geschlechtsspezifische Effekt bei den Aufstiegschan- cen verfestigt, indem stark nachgefragte und nur von Männern besetzte Berufe höhere Aufstiegs- und Ein- kommensmöglichkeiten erhalten und sich dieser Effekt durch die selektive Vergabe weiter verstärkt. Projektbedeutung und Nutzen der erwarteten Ergebnisse Das Projekt wird neue Hinweise zur Ursache von Un- gleichheiten mit Fokus auf einen prägenden Lebensab- schnitt (Berufseinstieg) liefern, aus dem sich Hinweise für die Bildungs- und Arbeitsmarkt- sowie die Gleich- stellungspolitik ergeben. Wenn Ursachen und Entste- hungszeitpunkt der Lohnunterschiede besser geklärt sind, können zweckmässige Massnahmen gegen die Lohndis- kriminierung ergriffen werden. Zudem wird erstmals ein Vergleich mit andern Ländern ermöglicht, die in diesem Bereich der Berufsbildungsforschung bereits weiter sind. Literatur Bertschy Kathrin, Böni Edi, Meyer Thomas (2007). An der zweiten Schwelle: Junge Menschen im Übergang zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt. Er- gebnisübersicht des Jugendlängsschnitts TREE. Bern. Blossfeld Hans-Peter (2009). Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem. In: Jahresgutachten 2009/vbw, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (Hrsg.), VS Verlag für Sozialwissenschaften,Wiesbaden. Borkowsky Anna (2001). Women and Men in Swiss vocational education. In: Gonon Philipp et al. (Hrsg.): Gender perspectives on vocational education: historical, cultural and policy aspects, S. 19–34. Bern: Peter Lang. Granato Mona, Schittenhelm Karin (2001). Perspektiven junger Frauen beim Übergang zwischen Schule und Ausbildung. In: BWP Berufsbildung in Wis- senschaft und Praxis, 2001 (2001) 6, S. 13–17. Haeberlin Urs, Imdorf Christian, Kronig Winfried (2004). Von der Schule in die Berufslehre: Untersuchungen zur Benachteiligung von ausländischen und von weiblichen Jugendlichen bei der Lehrstellensuche. Haupt Verlag, Bern. Kreienbaum Maria A. (2001). Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Überlegungen zum Zusammenhang von Leistungsbewertung und Geschlecht. In: Solzbacher C., Freitag Ch. (Hrsg.), Anpassen, verhindern, abschaffen? Schulische Leis- tungsbewertung in der Diskussion, Bad Heilbrunn 2001. Leemann Regula J., Keck Andrea (2005). Der Übergang von der Ausbildung in den Beruf. Bedeutung von Qualifikation, Generation und Geschlecht. Neuchâtel: Bundesamt für Statistik. Palamidis Helene, Schwarze Johannes (1989), Jugendliche beim Übergang in eine betriebliche Berufsausbildung und in die Erwerbstätigkeit (Mitteilun- gen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 22 (1), S. 114–124. Sousa-Poza Alfonso (2004). The Gender Wage Gap and Occupational Segre- gation in Switzerland, 1991–2001. In: Schweizerische Zeitschrift für Sozio- logie, 29(3), S. 399–415. Strub Silvia, Gerfin Michael, Büttikofer Aline (2008). Vergleichende Analyse der Löhne von Frauen und Männern anhand der Lohnstrukturerhebungen 1998 bis 2006: Untersuchung im Rahmen der Evaluation der Wirksamkeit des Gleichstellungsgesetzes. Universität Bern, Büro für arbeits- und sozial- politische Studien BASS AG (Hrsg.). Kathrin Bertschy, lic. rer. pol., Consultant im Bereich Arbeitsmarkt und Bildung bei Ecoplan. E-Mail: kathrin.bertschy@ecoplan.ch Michael Marti, Dr. rer. pol., Geschäftsfeldleiter Arbeitsmarkt und Bildung bei Ecoplan. E-Mail: michael.marti@ecoplan.ch 326 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Natascia Nussberger Bundesamt für Justiz Die Revision des Vorsorgeausgleichs bei Scheidung Die geltenden Bestimmungen über den Vorsorgeaus­ gleich bei Scheidung (Art. 122–124 ZGB) sind seit deren Inkrafttreten (1. Januar 2000) Gegenstand verbreiteter Kritik. Diese lässt sich allerdings nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen, da sie vielfältig ist und zum Teil in ganz verschiedene Richtungen geht. Der Bundesrat hat in Erfüllung einer Motion der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats einen Vorentwurf für die Änderung des Zivilgesetzbuches (Vorsorgeausgleich bei Scheidung) verfasst. Ausgangslage Zu den vermögensrechtlichen Folgen der Eheschei- dung gehören die güterrechtliche Auseinandersetzung (Art. 120 i.V.m. Art. 181 ff. des Schweizerischen Zivilge- setzbuches [ZGB]), die Teilung der beruflichen Vorsor- ge (Art. 122 ff. ZGB) und die Festsetzung des nachehe- lichen Unterhalts (Art. 125 ff. ZGB). In Bezug auf die Vorsorge hält Art. 111 der Bundesverfassung fest, dass die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge auf dem sog. «drei-Säulen-Konzept» beruht, d.h. auf einer eidgenössischen Versicherung, der beruflichen Vorsorge und der Selbstvorsorge. Im Scheidungsfall wird die Re- gelung der ersten Säule dem Sozialversicherungsrecht überlassen, während die dritte Säule dem Güterrecht untersteht. Diese zwei Bereiche werden von der aktuel- len Revision des Vorsorgeausgleichs bei Scheidung nicht tangiert. Grundzüge des geltenden Rechts Teilung der beruflichen Vorsorge (Art. 122 ZGB) Gemäss Art. 122 ZGB hat jeder Ehegatte im Schei- dungsfall jeweils Anspruch auf die Hälfte der Austritts- leistung, die der andere Ehegatte während der Ehedauer gebildet hat. Unter «Austrittsleistung» ist der Anspruch zu verstehen, der einer Person gegenüber ihrer bisherigen Vorsorgeeinrichtung zusteht, wenn sie beispielsweise bei einem Stellenwechsel von einer Einrichtung der beruf- lichen Vorsorge in eine andere übertritt (Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [FZG]). Von der bei der Scheidung vorhandenen Austrittsleistung wird die aufgezinste Austrittsleistung abgezogen, die ein Ehegatte im Zeitpunkt der Eheschliessung bereits erwor- ben hatte. Die Hälfte dieses Differenzbetrages steht dann dem andern Ehegatten zu. Als Stichdatum für die Berech- nung des Wertes der Austrittsleistungen ist der Zeitpunkt der Ehescheidung festgesetzt (Art. 22 Abs. 2 FZG). Verzicht und Ausschluss der Teilung (Art. 123 ZGB) Auf die Teilung der Austrittsleistungen, gestützt auf Art. 122 ZGB, kann zum Voraus ebenso wenig verzichtet werden wie auf den nachehelichen Unterhalt. Die Sicher- stellung einer angemessenen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge liegt nämlich im öffentlichen Interes- se. Dies schliesst aber einen Verzicht im Scheidungszeit- punkt nicht in jedem Fall aus. Art. 123 Abs. 1 ZGB sieht vor, dass die Ehegatten in der Scheidungsvereinbarung auf eine Aufteilung verzichten können, sofern die Vor- sorge der berechtigten Person auf andere Weise sicher- gestellt ist. Dabei hat das Gericht zu achten, dass diese Mittel auf Seiten des anspruchsberechtigten Ehegatten gleichermassen dem Vorsorgezweck dienen. Das Gericht kann die Aufteilung der Austrittsleistungen gegen den Willen der berechtigten Person ganz oder teilweise ver- weigern, wenn diese – im Hinblick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse nach der Scheidung – offensichtlich unbillig wäre (Art. 123 Abs. 2 ZGB). Entschädigung (Art. 124 ZGB) Ist bei einem oder bei beiden Ehegatten ein Vorsorge- fall bereits eingetreten, sei es, dass er das Rentenalter erreicht hat, sei es, dass er invalid geworden ist, so spricht das Gericht eine angemessene Entschädigung zu (Art. 124 ZGB). Eine Entschädigung kann auch «aus anderen Gründen» zugesprochen werden, wenn z.B. ein Ehegatte einer ausländischen Versicherungseinrichtung ange- Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 327 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat schlossen ist und das massgebende ausländische Recht keine Aufteilungsmöglichkeit kennt. Angemessen ist eine Entschädigung, wenn sie die Ehedauer, die unterschied- lichen Vorsorgebedürfnisse der Parteien je nach Alter und die anderen wirtschaftlichen Verhältnisse mit Blick auf die Vorsorge berücksichtigt. Die Entschädigung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Ist ausserhalb der be- ruflichen Vorsorge genügend Vermögen vorhanden, so kann eine Kapitalabfindung vereinbart werden. Eine Entschädigung ist aber auch in Rentenform möglich.1 Kritik am geltenden Recht Die vorstehend skizzierte Rechtslage besteht seit 1. Ja- nuar 2000 und ist seither Gegenstand verbreiteter Kritik. Am 10. November 2005 beauftragte die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats den Bundesrat mit einer Motion, den Reformbedarf im Bereich des Vorsorgeaus- gleichs und der Kinderbelange abzuklären. Die Motion wurde vom Bundesrat in der Folge zur Annahme emp- fohlen und sowohl vom National- als auch vom Stände- rat überwiesen. Zur Einreichung dieser Motion gaben die parlamen- tarischen Initiativen Thanei und Sommaruga Anlass.2 Sie verlangten im Wesentlichen, • dass die Voraussetzungen des Verzichts auf die Teilung erschwert würden; • dass die hälftige Teilung der Austrittsleistungen zwin- gend und von Amtes wegen durchgeführt werde; • dass eine Teilung der Austrittsleistungen ausgeschlos- sen sei, wenn eine Person ihren Unterhaltspflichten während der Ehe nicht nachgekommen sei oder eine schwere Straftat gegenüber dem anderen Ehegatten oder dieser nahestehenden Personen begangen habe; • dass die hälftige Teilung als Grundsatz gelte und die Gerichte die Entschädigung gestützt auf klare Bemes- sungsgrundlagen von Amtes wegen festzulegen hätten. Die beiden Vorstösse griffen die Kritik auf, die in den Ergebnissen des Forschungsprojekts «Evaluation Vor- sorgeausgleich» im Rahmen des Nationalen Forschungs- programms 453 festgehalten wurde. Demgegenüber war eine Umfrage zum Scheidungsrecht bei Richterinnen bzw. Richtern und Anwältinnen bzw. Anwälten sowie Mediatorinnen bzw. Mediatoren seitens des Bundesamts für Justiz zum Schluss gekommen, dass die Gerichte und die Anwaltschaft mehr Flexibilität und Praktikabilität der gesetzlichen Regelung forderten. Geschiedene Witwen Ein besonderes Problem stellt sodann der Fall der sog. geschiedenen Witwen dar. Ist ein Ehegatte im Zeitpunkt der Scheidung bereits pensioniert oder invalid, ist eine Teilung der Austrittsleistung gemäss Art. 124 ZGB aus- geschlossen, und es ist eine Entschädigung auszurichten (vgl. Ziff. 1c). Ist beim verpflichteten Ehegatten kein Ver- mögen vorhanden, muss sich der berechtigte Ehegatte – meist die Frau – mit einer Unterhaltsrente begnügen. Finanziert wird diese mit der Rente des Mannes. Für die Frau geht diese Lösung so lange in Ordnung, als ihr Ex- Mann lebt. Ihre Situation kann sich aber dramatisch ver- schlechtern, wenn dieser stirbt und die Unterhaltsrente deshalb wegfällt (Art. 130 Abs. 1 ZGB). In diesem Fall kann es nämlich passieren, dass sie danach nur noch eine Witwenrente im Rahmen des Obligatoriums nach Art. 19 des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hin- terlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) erhält.4 Die geschiedene Witwe steht in diesem Fall deutlich schlech- ter da als die «echte» Witwe, die auch Anspruch auf die überobligatorischen Leistungen der Vorsorgeeinrichtung erheben kann. Dies gilt als umso stossender, als die Vor- sorgemittel, von denen die Witwe gerade nicht profitiert, häufig zu einer Zeit geäufnet worden sind, als der Ver- storbene noch mit der (jetzt) geschiedenen Witwe ver- heiratet war. Diese Lücke in der Vorsorge einer geschie- denen Frau nach dem Tod ihres früheren Ehemannes hat zur Einreichung der parlamentarischen Initiative Vreni Hubmann 07.454 vom 22. Juni 2007 «Änderung der Schei- dungsfolgen nach Eintritt eines Vorsorgefalls. Änderung von Artikel 124 ZGB» geführt. Am 16. Januar 2009 hat die zuständige Kommission für Rechtsfragen des Natio- nalrats einstimmig beschlossen, der Initiative Folge zu geben. Diesem Entscheid schloss sich am 17. August 2009 die Rechtskommission des Ständerats an. Die wichtigsten Neuerungen des Vorentwurfs Vorentwurf des Bundesrats Das Bundesamt für Justiz setzte im Jahr 2007 eine Expertenkommission mit dem Auftrag ein, den gesetz- geberischen Handlungsbedarf im Bereich des Vorsor- geausgleichs zu evaluieren und Verbesserungsvorschlä- ge zu unterbreiten. Gestützt auf diese Arbeiten entwarf das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) eine Vernehmlassungsvorlage mit folgenden Neuerungen: 1 Vgl. Botschaft BBl 1996 I, S. 105 f.; BGer 5C.66/2002 vom 15. Mai 2003; BGE 131 III 1. 2 Parlamentarische Initiative Anita Thanei 04.405 vom 8. März 2004, Scheidungen. Vorsorgeaus-gleich; Parlamentarische Initiative Carlo Som- maruga 04.405 vom 9. März 2004, Scheidung. Effektive Gleichbehand- lung der Frau bei den BVG-Austrittsleistungen. 3 Baumann Katerina/Lauterburg Margareta, NFP 45/Probleme des Sozi- alstaates, Forschungsprojekt «Evaluation Vorsorgeausgleich», 4045– 64783, Bern 2004. 4 Vgl. BGE 134 V 208. 328 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Gender oder Gleichstellung im WohlfahrtsstaatSchwerpunkt Teilung der Austrittsleistung auch nach Eintritt des Vorsorgefalls (Art. 122 Abs. 1 VE-ZGB i.V.m. Art. 22d und 22e VE-FZG) Als wesentliche Neuerung schlägt die Vorlage eine Tei- lung der Austrittsleistung bzw. des Kapitalwerts der Leis- tungen auch für den Fall vor, dass im Zeitpunkt der Schei- dung der Vorsorgefall bereits eingetreten ist, sei es, dass der verpflichtete Ehegatte invalid oder bereits pensioniert ist (Art. 122 VE-ZGB i.V.m. Art. 22d und 22e VE-FZG). Mit dieser Lösung sollte auch die oben erwähnte Proble- matik der sog. geschiedenen Witwen gelöst oder zumindest entschärft werden. Die Berechnung der Austrittsleistung soll bei laufender Invalidenrente aufgrund des versicher- ten Lohns erfolgen, der der Invalidenleistung zugrunde gelegt wurde (Art. 123 Abs. 1 VE-ZGB i.V.m. Art. 22d VE- FZG). Wird im Zeitpunkt des Scheidungsbegehrens eine Altersrente ausgerichtet, so soll die Austrittsleistung dem reglementarischen Rentenbarwert entsprechen (Art. 123 Abs. 1 VE-ZGB i.V.m. Art. 22e VE-FZG). Ausnahmen von der hälftigen Teilung (Art. 122 Abs. 2 und 3 VE-ZGB) In der Vorlage wird ausdrücklich geklärt, unter welchen Voraussetzungen das Gericht (Art. 122 Abs. 2 VE-ZGB) oder die Ehegatten (Art. 122 Abs. 3 VE-ZGB) vom Grundsatz der hälftigen Teilung der während der Ehe erworbenen Vorsorgemittel abweichen dürfen. Der Vor- entwurf trägt dabei den Bedürfnissen der Praxis nach Flexibilität Rechnung und schlägt vor, dass ein Ehegatte in einer Vereinbarung über die Scheidungsfolgen auf den Vorsorgeausgleich ganz oder teilweise verzichten kann, wenn eine angemessene Alters- und Invalidenvorsorge sichergestellt bleibt. Die Gerichte müssen nach wie vor den Vorsorgeausgleich von Amtes wegen vornehmen (Art. 141 Abs. 3 ZGB).5 Im Übrigen hat das Gericht wie im alten Recht die Möglichkeit, die Teilung der Austritts- leistungen ganz oder teilweise zu verweigern, wenn sie offensichtlich unbillig wäre. Zustimmung des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners bei Belastung eines mit Vorsorgemitteln finanzierten Grundstücks (Art. 30c Abs. 5 VE-BVG, Art. 5 Abs. 3 VE-FZG) Will heute ein Ehegatte einen Teil seiner beruflichen Vorsorge für Wohneigentum vorbeziehen, so muss sein Ehegatte schriftlich zustimmen (Art. 30c BVG). Nach einem Vorbezug kann der Grundeigentümer ohne Zu- stimmung des Ehegatten weitere Grundpfandrechte er- richten. Dies kann zur Gefährdung der in das Wohnei- gentum investierten Vorsorgegelder führen. Um dieses Risiko zu minimieren, schlägt der Vorentwurf des Bun- desrats vor, dass künftig der Ehegatte bzw. die eingetra- gene Partnerin oder der eingetragene Partner der Be- gründung eines Grundpfandrechts zustimmen muss, wenn das belastete Grundstück mit Mitteln der beruflichen Vorsorge finanziert worden ist. Kann die Zustimmung nicht eingeholt werden oder wird sie verweigert, kann – wie beim Vorbezug selber – das Zivilgericht angerufen werden (Art. 30c Abs. 5 VE-BVG). Massgebender Zeitpunkt für die Berechnung der zu teilenden Austrittsleistung (Art. 22a Abs. 1 VE-FZG) und Aufteilung des Zinsverlustes (Art. 22a Abs. 3 VE-FZG) Die Expertenkommission hatte in ihrer Mehrheit vorgeschlagen, es dem Gericht bzw. den Parteien zu erlauben, den massgebenden Zeitpunkt für die Berech- nung der Austrittsleistungen zu bestimmen, der aber nicht mehr als sechs Monate vor dem Zeitpunkt hätte liegen dürfen, in dem das Scheidungsurteil in Rechtskraft erwächst. Der Bundesrat erachtete diese Lösung als nicht befriedigend. Nach wie vor könnten die Beteilig- ten nämlich nicht wissen, wann das Scheidungsurteil in Rechtskraft erwachsen wird. Der Bundesrat schlägt in seinem Vorentwurf vor, auf den Zeitpunkt des Schei- dungsbegehrens und somit die Rechtshängigkeit abzu- stellen (Art. 22a Abs. 1 VE-FZG). Der gleiche Zeitpunkt gilt für die Auflösung des Güterstandes (Art. 204 Abs. 2 ZGB). Damit wird ein praktikables Datum festgesetzt, das ein Taktieren verunmöglicht und Rechtssicherheit schafft. Dass damit die während des Scheidungsverfah- rens gebildete Austrittsleistung nicht hälftig geteilt wird, wird im Interesse einer einfachen Lösung in Kauf ge- nommen. Im Übrigen bietet der Bundesrat in Art. 22a Abs. 3 VE-FZG eine Lösung für die in der Lehre kontroverse Frage, wer den Zinsverlust zu tragen hat, wenn Vorsor- gemittel in Wohneigentum investiert werden.6 Zu diesem Verlust kommt es, weil in diesem Fall die Vorsorgegelder keinen Zins mehr abwerfen. In Übereinstimmung mit dem Vorschlag der Expertenkommission schlägt der Bun- desrat vor, den Zinsverlust anteilsmässig dem ehelichen und dem vorehelichen Vorsorgevermögen zu belasten und entsprechend aufzuteilen. Übertragung der Austrittsleistung, Wiedereinzahlung (Art. 22c VE-FZG) Die geltende gesetzliche Regelung sieht bei der Über- weisung von Guthaben im Rahmen des Vorsorgeaus- gleichs keine ausdrücklichen Bestimmungen zu obliga- torischen und überobligatorischen Anteilen des zu überweisenden Guthabens vor. Besonders stossend ist es, wenn das Guthaben, das von der Vorsorgeeinrichtung des verpflichteten Ehegatten dem BVG-Altersguthaben belastet und überwiesen wird, wie ein Einkauf behandelt 5 Art. 141 ZGB wird mit Inkrafttreten der neuen Schweizerischen Zivilpro- zessordnung am 1. Januar 2011 aufgehoben und durch Art. 280 Abs. 3 ZPO ersetzt. 6 Vgl. Urteil B 8/06 vom 16.8.2006 (auszugsweise publiziert in BGE 132 V 332). Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 329 Gender oder Gleichstellung im WohlfahrtsstaatSchwerpunkt und dem überobligatorischen Guthaben des berechtig- ten Ehegatten gutgeschrieben wird. Da die Mindestbe- stimmungen des BVG, insbesondere betreffend Zinssatz und Umwandlungssatz, nicht für die überobligatorischen Ansprüche gelten, kann dieses Vorgehen dazu führen, dass trotz hälftiger Teilung im Vorsorgefall beträchtlich tiefere Leistungen erfolgen. Um dieses unerwünschte Ergebnis zu verhindern, schlägt der Vorentwurf vor, die zu übertragende Austrittsleistung im Verhältnis des Al- tersguthabens nach Art. 15 BVG zum überobligatori- schen Guthaben bei der Vorsorge- oder Freizügigkeits- einrichtung des verpflichteten Ehegatten zu belasten und bei der Vorsorge- oder Freizügigkeitseinrichtung des berechtigten Ehegatten dem obligatorischen und dem überobligatorischen Guthaben zuzuordnen (Art. 22c VE-FZG). Auffangeinrichtung und Umwandlung der Austrittsleistung in eine Rente (Art. 22f VE-FZG) Art. 22f VE-FZG macht den Weg dafür frei, dass der berechtigte Ehegatte die bei der Scheidung erhaltene Austrittsleistung zu vertretbaren Bedingungen in eine Altersrente umwandeln kann. Damit es dazu kommt, muss er bei der Scheidung die Austrittsleistung auf die Auffangeinrichtung übertragen. Diese übernimmt damit eine neue Aufgabe. Die Übertragung der Austrittsleistung auf die Auffangeinrichtung ist allerdings freiwillig. Der berechtigte Ehegatte kann die Austrittsleistung auch wie bisher in eine Freizügigkeitseinrichtung einbringen. So- fern ein Einkauf bei der eigenen Vorsorgeeinrichtung möglich ist, kann die Austrittsleistung auch dafür ver- wendet werden. Zu denken ist beispielsweise an den Fall, in dem der berechtigte Ehegatte nach der Scheidung seinen Beschäftigungsgrad erhöht. Meldepflicht der Einrichtungen (Art. 24a VE-FZG) Die Vorsorgeeinrichtungen werden verpflichtet, ihren Versichertenbestand jährlich der Zentralstelle 2. Säule zu melden (Art. 24a VE-FZG). Damit wird es für die Scheidungsgerichte leichter, beim Vorsorgeausgleich al- le einschlägigen Vermögenswerte zu berücksichtigen. Internationale Verhältnisse (Art. 61 und 64 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht [IPRG]) Der Bundesrat schlägt vor, Art. 61 Abs. 2–4 IPRG zu streichen. Damit entfällt die bisherige Anknüpfung an das ausländische Heimatrecht; der Vorsorgeausgleich erfolgt stets nach schweizerischem Recht. Die Änderung bringt für Rechtssuchende und Gerichte eine willkom- mene Erleichterung und Vereinfachung. Durchsetzungs- probleme gegenüber schweizerischen Vorsorgeeinrich- tungen entfallen und aufwendige Recherchen sowie ordre public­Fragen werden gegenstandslos. Der Vorentwurf erweitert die Zuständigkeitsbestim- mungen für die Ergänzung oder Abänderung von Ent- scheidungen über die Teilung der Ansprüche gegenüber einer Einrichtung der beruflichen Vorsorge (Art. 64 Abs. 1bis VE-IPRG). Neuer Anknüpfungspunkt soll der Sitz der Vorsorgeeinrichtung sein. Weiteres Vorgehen Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens, das vom 16. Dezember 2009 bis zum 31. März 2010 dauerte, haben 25 Kantone, 5 politische Parteien und 22 Organisationen zum Vorentwurf des EJPD Stellung genommen. Die Vor- schläge für die Verbesserung des Vorsorgeausgleichs bei Scheidung wurden von einer klaren Mehrheit grundsätz- lich begrüsst. Der Bundesrat hat am 20. Oktober 2010 vom Ergebnis des Vernehmlassungsverfahrens Kenntnis genommen und beschlossen, an den meisten Punkten des Vorentwurfs festzuhalten. Im Übrigen hat er folgendes entschieden: Erstens soll die Verzichtsregelung des Vor- entwurfs (Art. 122 Abs. 3 VE-ZGB) mit der Möglichkeit der überhälftigen Teilung ergänzt werden. Zweitens soll darauf verzichtet werden, die Aufteilung und die Berech- nung des Zinsverlustes zu regeln, wenn Vorsorgemittel in Wohneigentum investiert worden sind (Art. 22a Abs. 3 VE-ZGB). Diese Frage soll nach wie vor von der Recht- sprechung zu beantworten sein. Drittens soll die Eidge- nössische Kommission für die berufliche Vorsorge beauf- tragt werden, die neuen Berechnungsregeln (Art. 122 VE-ZGB i.V.m. Art. 22d und 22e VE-FZG) auf ihre Durchführbarkeit und Praktikabilität hin zu überprüfen sowie eine Überprüfung der durch die Einführung der Meldepflicht verursachten Kosten vorzunehmen. Gleich- zeitig hat der Bundesrat das EJPD beauftragt, bis Ende 2011 eine Botschaft zur entsprechenden Revision des Zivilgesetzbuchs auszuarbeiten. Natascia Nussberger, Anwältin, Fachbereich Zivilrecht und Zivil- prozessrecht, Bundesamt für Justiz. E-Mail: natascia.nussberger@bj.admin.ch 330 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 schwerpunkt Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Bernd Marin Eszter Zólyomi European Centre for Social Welfare Policy and Research in Vienna. Erwerbstätigkeit und Rentenanspruch von Frauen: Was ist gut, was am besten? Die Herausforderungen der alternden Gesellschaften, besonders die Alterung der Bevölkerung, sind in Bezug auf die Nachhaltigkeit der Rentensysteme in Europa gut dokumentiert. Die Genderaspekte hin gegen sind erstaunlicherweise weniger bekannt. Im kürzlich erschienenen Buch «Women’s Work and Pensions: What is Good, What is Best? Designing Gender­Sensitive Arrangements», herausgegeben von Bernd Marin und Eszter Zólyomi, wird die Problematik der Gleich­ stellung hinsichtlich Geschlecht, Klasse und Kohorte in staatlichen Rentensystemen behandelt. Im Fokus stehen ländervergleichende Analysen und Einzel­ studien internationaler Experten über Österreich, Finnland, Italien, Polen und Schweden. Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse präsentiert. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Arbeits- welt und das Pensionierungs- und Rentenumfeld in Bezug auf das «dritte Alter» tiefgreifender und schneller denn je verändert. Unter dem Einfluss einer raschen Alterung der Bevölkerung sowie Veränderungen in den Arbeits- märkten und der Familie erhalten geschlechter- und generationenpezifische Aspekte zunehmende Bedeutung. Während die Alterung der Bevölkerung rascher als je im vergangenen Jahrhundert voranschritt und sich in den kommenden Jahrzehnten noch beschleunigen wird, scheinen die Herausforderungen der Alterung («dritten Demografie») von den Veränderungen der Teilnahme am Erwerbsleben und an den Arbeitsmärkten unberührt. Die rapide Alterung der Bevölkerung ist vor allem auf deutlich höhere Überlebensraten, auf die gestiegene Langlebigkeit und Lebenserwartung in allen Altersgrup- pen zurückzuführen, hauptsächlich aber auf das Erreichen eines immer höheren Alters und den gleichzeitig geringen Fertilitätsraten in den hoch entwickelten Ländern. In der UN-europäischen Region bleibt die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter durchschnittlich über zehn Jah- re der Arbeit fern. Dies ist auf Nichterwerbstätigkeit oder Arbeitslosigkeit zurückführen. In den meisten Ländern ist aber auch eine anhaltende Konvergenz von männlicher und weiblicher Arbeitsmarktteilnahme zu beobachten. Trotz dieser langsamen und allmählichen Annäherung bestehen weiterhin deutliche geschlechtsspezifische Un- terschiede bezüglich der Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern. Zurückzuführen ist dies auf den viel hö- heren Anteil von Unterbrechungen im Arbeitsleben, auf Laufbahnabbrüche und viel weniger Vollzeitarbeit bei Frauen. Der Hauptgrund für die immer noch bestehen- den, wenn auch stetig kleiner werdenden Unterschiede bezüglich Erwerbstätigkeit, liegt in der anhaltend unglei- chen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern. Vor allem hinsichtlich der Aufteilung der Kinderbetreuung sowie der ge- schlechtsspezifischen Lohnunterschiede in den Bereichen Gesundheit und Langzeitbetreuung, Hausarbeiten und familiärer Verpflichtungen. Dies führt unweigerlich auch zu ungleichen und höchst unterschiedlichen Einkommen im Alter und ungleich verteiltem Armutsrisiko bei Männern und Frauen. Ob man nun die Einkommensersatzraten von Rentnern im Vergleich zur erwerbstätigen Bevölkerung oder andere Indikatoren für eine adäquate «Rente» vergleicht, z.B. monatliche Renten, angesparte Lebenspensionssumme (Alterskapital) oder Rentenleistungen in Bezug auf die bezahlten Beiträge, die Ergebnisse bezüglich relativer Vor- und Nachteile für Männer und Frauen fallen jeweils sehr unterschiedlich aus. Hinzu kommt, dass Frauen einen grösseren Anteil in der Altersgruppe von älteren Menschen ausmachen. Sie stellen gar den weitaus grössten Anteil unter den Ältes- ten und das seit rund 50 Jahren mit steigender Tendenz. Frauen sind im Alter weitaus häufiger als Männer von Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 331 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Armut betroffen. Zudem leben Frauen weiterhin durch- schnittlich länger als Männer, aber ihre Einkommens- situation ist diesem längeren Leben nicht angepasst. Zwar profitieren sie, aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung, von höheren Renditen auf ihren geleisteten Beiträgen, verfügen aber über ein niedrigeres monatliches und jähr- liches Renteneinkommen als Männer. Folglich muss bei der Neukonzipierung und bei Reformen von Rentensys- temen untersucht werden, wie sich die genderspezifischen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt auf die Altersvor- sorge auswirkt. Rentenreformen und deren Auswirkungen auf Frauen Jedes institutionelle Konzept und sozialpolitische Pro- gramm hat immer auch geschlechtsspezifische Auswir- kungen, ebenso wie sie auf generationenbezogene, klas- senspezifische und andere Aspekte Einfluss nehmen. Die Diskussion von Rentenreformen muss berücksichtigen, dass Unterschiede in der Arbeitswelt sich direkt in den Rentenleistungen niederschlagen. Zum Beispiel bezüg- lich folgender Aspekte: • Umfang und Struktur von öffentlichen gegenüber pri- vaten Rentensystemen; • Verhältnis zwischen geleisteten Beiträgen und Leis- tungen • Bestimmungen, die die Unterschiede betreffend Arbeit, Einkommen und unbezahlter Familienarbeit entweder verstärken oder aufheben; • Konzepte, die faire Hinterbliebenenleistungen bieten; • Befristete oder unbefristete Regelungen im Renten- system zum Ausgleich historisch bedingter Bildungs- unterschiede, die zu entsprechenden Unterschieden auf dem Arbeitsmarkt und tieferen Rentenansprüchen geführt haben; oder • Verwendung von geschlechtsspezifischen Sterbetafeln bzw. die ausschliessliche Verwendung von geschlechts- neutralen Sterbetafeln beim Kalkulieren von Leistun- gen. Die Auswirkungen aktueller Rentenreformen auf die Geschlechter werden häufig vor dem Hintergrund einer unweigerlichen Benachteiligung der Frauen besprochen. Allerdings zeichnen die im Buch dargelegten empirischen Anhaltspunkte ein differenzierteres und viel komplexe- res Bild. Nehmen wir beispielsweise die zunehmende Verschie- bung von leistungsorientierten (Leistungsprimat) zu mehr oder weniger beitragsorientierten Systemen (Beitrags- primat). Renten eng an die geleisteten Beiträge zu kop- peln bedeutet tiefere Renten für alle, die weniger gear- beitet und verdient und entsprechend auch weniger Beiträge geleistet haben. Dies wirkt sich aufgrund der geringeren Arbeitsmarktpräsenz für Frauen weitaus nach- teiliger als für Männer aus. Zwar gibt es auch genügend Beispiele von Bestimmun- gen in den «alten», leistungsdefinierten Systemen, die Männer direkt oder indirekt begünstigt haben. Und selbst, wo explizit versucht worden ist, Frauen zu schützen, hat man de facto eine geringere Teilnahme am Arbeitsmarkt generiert. Das doch etwas paradoxe Ergebnis dieser widersprüchlichen Rahmenbedingungen läuft darauf hinaus, dass die meisten Frauen immer noch mit einem viel geringeren Bruttoeinkommen (Monats- bzw. Jahres- basis) und viel höherem Armutsrisiko im Alter konfron- tiert sind. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Frauen in den Genuss von Umverteilungen und Netto- ausgleichen zwischen den Geschlechtern kommen und aufgrund der höheren Lebenserwartung insgesamt hö- here Rentenleistungen erhalten. Renten im Beitragsprimat Man kommt nicht umhin festzustellen, dass die Ent- wicklung hin zu beitragsprimatbasierten Rentenformen, selbst innerhalb von Systemen im Leistungsprimat (auch die Ausbreitung von Festbeitragssystemen mit fiktiven Einkommensrentenkonten [NDC] und kapitalgedeckten Systemen) Frauen so lange benachteiligen wird, wie deren einbezahlten Beiträge niedriger sind und die Beitrags- dauer kürzer ist. Zudem benachteiligt sie Frauen so lange mutterschafts- und andere familien- und haushaltbeding- te Laufbahnunterbrechungen nicht oder nur teilweise durch Rentengutschriftsmodelle entschädigt werden. Die einzige allgemeine Methode zum Ausgleichen ei- nes potenziell schrumpfenden monatlichen Renten-Ein- kommens und eines potenziell ansteigenden Lebenszeit- Einkommens liegt darin, den Ruhestand der Frauen aufzuschieben und die Jahre kurz vor dem effektiven Ruhestand ebenfalls erwerbstätig zu verbringen. Dies, da die letzen Jahre am Ende des Erwerbslebens am meis- ten zum Alterskapital beitragen. Es handelt sich dabei um einen geschlechterneutralen politischen Ansatz, doch würde die Umsetzung unter den gegebenen und zu erwartenden geschlechtsspezifischen Umständen den Frauen mehr entgegenkommen als den Männern, da die Einkommenssicherheit bei Frauen im Alter sich weit unterschiedlicher über verschiedene Ren- tenbemessungen spannt als bei Männern. Gesetzliches Rentenalter Ein weiteres, offensichtliches und viel diskutiertes Beispiel stellt das unterschiedliche Renteneintrittsalter für Frauen und Männer dar. Gleiches Rentenalter als genderneutrale Massnahme wird häufig als Benachtei- ligung für Frauen und als Verlust eines historischen Pri- vilegs propagiert. Bei vertiefter Betrachtung muss dies allerdings als Gewinn und nicht als Last in der neuen Rentenwelt bezeichnet werden. Je stärker die Renten 332 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat an die Arbeitsbiografie und Beitragshistorie gebunden werden, umso mehr lösen sich die Frauen von diesem Privileg, das einst effektiv einen Vorteil darstellte. Vor- teile bei der Frühpensionierung und finanzielle Zuschüs- se sind geschlechterdiskriminierend und begünstigen Frauen nur unter versicherungsmathematisch ungerech- ten Bedingungen bezüglich Wachstumsraten und Ent- schädigungssummen. Diese wiederum wirken sich tendenziell dämpfend auf das Arbeitskräfteangebot (vor allem von Frauen), die Ersparnisse, das Wirtschaftswachstum, die Produktivität und die steuerliche Nachhaltigkeit aus und verzerren das Wirtschaftsverhalten (besonders durch Entscheide be- züglich Arbeit und Pensionierung). Ob die gleiche Ein- richtung nun gut oder schlecht ist, einen Vorteil oder einen Bumerang für Frauen darstellt, hängt natürlich davon ab, ob das Regelwerk in einem leistungsprimat- oder beitragsprimatbasierten Kontext angewendet wird. Unter Rentenexperten herrscht inzwischen allgemeiner Konsens darüber, dass Frauen heute in allen Systemen von einer Angleichung des Renteneintrittsalters profitie- ren. Die Höhe der Renten hängt natürlich von der Art und dem Umfang der Beiträge ab: Innerhalb eines NDC- Programms wie in Schweden, Polen und Italien zählen die zusätzlichen Jahre am Ende des Erwerbslebens mehr als die vorherigen Jahre, und am meisten für das kumu- lierte Rentenvermögen als Annuität, da die Zinserträge auf angesparten Vorsorgekapitalien am höchsten sind. Zusätzliche Kapitalerträge sind höher und führen zu bedeutenderen Beiträgen für das Alterskapital als die effektiv geleisteten zusätzlichen Beiträge. Versicherungsmathematische Neutralität Es bestehen aber weitere Unterschiede beim sozialen Versicherungsschutz, die zwar nicht so ins Auge springen, aber nichts desto weniger von Bedeutung sind. Darunter fallen beispielsweise Durchschnittsberechnungen, basie- rend auf dem Lebenszeiteinkommen und deren Auswir- kungen auf die Geschlechter. In den alten, leistungsde- finierten Programmen mit Formeln, die «ein paar beste Jahre» miteinbeziehen, konnten einige hoch qualifizierte und gut verdienende Frauen mit dennoch kurzen Lauf- bahnen von solchen Einrichtungen auf fakultativer Basis sehr gut profitieren. Diese Frauen laufen nun aufgrund der erweiterten, versicherungsmathematisch gerechten und neutralen Berechnungsperioden Gefahr, Einbussen in Kauf nehmen zu müssen, und zwar im Ausmass frühe- rer Verzerrungen. Entsprechend kommt die versiche- rungsmathematische Neutralität den Frauen entgegen, und zwar insofern, als eine überragende Mehrheit der Frauen immer noch schlechter bezahlt wird und viel fla- chere Alters-/Lohnprofile aufweist als Männer. Dies trifft vor allem zu, wenn Berechnungen bezüglich Lebens- zeiteinkommen durch gerechtere Valorisierungsfaktoren für frühere Einkommen begleitet werden. Indexierung der Renten Ein weiteres Beispiel von struktureller Ambivalenz bietet die Indexierung der Renten nach der Pensionie- rung. Das ist natürlich für Männer und Frauen äusserst wichtig, allerdings nicht auf die gleiche Weise, da die Indexierung auch die noch restliche Lebenserwartung bei Beginn der Pensionierung einbezieht, ebenso das rasche Ansteigen derselben. So wirkt sich beispielsweise die allgemeine Verschiebung von einer lohnbasierten auf eine preisbasierte Indexierung (oder auf eine kombinier- te «Schweizer» Indexierung) auf mehr Frauen als Männer ungünstig aus, was den Lebensstandard betrifft, d.h. mehr Frauen als Männer bleiben hinter dem Lebensstandard der zahlenmässig leicht grösseren männlichen Erwerbs- bevölkerung zurück. Die andere Seite der Medaille darf natürlich nicht ausser Acht gelassen werden, wenn man die Thematik in ihrer ganzen Komplexität verstehen und erfassen will. Da Frauen älter werden als Männer, wird eine weniger vorteilhafte Rentenindexierung die sterb- lichkeitsbedingten Vorteile hinsichtlich geschlechterbe- zogener Umverteilung und den insgesamt höheren Ren- tenleistungen der Frauen problemlos wett machen, wenn geschlechtsneutrale Sterbetafeln verwendet werden, die länger lebende Personen, und damit meistens Frauen begünstigen. Hinterbliebenenrenten Auch die Reglemente betreffend Hinterbliebenenren- ten erweisen sich als sehr komplex und sind voller ge- schlechterspezifischer Ambivalenzen, vielleicht noch mehr als jeder andere Altersrentenbereich. Was sich auf den ersten Blick als vorteilhaft für Frauen darstellt, namentlich grosszügige Hinterbliebenenrenten, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als falsch. Auf den ersten Blick erscheint die klassische Begründung allerdings plausibel. Die meisten Altersvorsorgeprogramme sehen Hinterbliebenenregelungen vor, und Verwitwung ist ein für Frauen viel höheres Risiko als für Männer. Also soll- te dieser Bereich Frauen doch grosszügig und deutlich begünstigen. Doch diese Folgerung kann sich als voreilig erweisen, da geschlechtsneutrale Hinterbliebenenrenten nicht auf geschlechtsspezifische Weise umverteilt werden, sondern nach Zivilstand, d.h. nicht Frauen per se erhalten Leistungen, sondern vielmehr verheiratete Paare, wobei nur Witwen im Sinn einer hinterbliebenen Ehefrau be- dacht werden. Dies wird umso deutlicher, wenn wir pri- vate Vorkehrungen von Frauen und Männern betrachten, die in Systemen ohne staatliche Hinterbliebenenvor sorge getroffen werden (ausser unter besonderen Umständen, wie beispielsweise in Schweden). Ohne staatliche Pro- gramme mussten Paare selber für den hinterbliebenen Ehepartner vorsorgen (sparen oder versichern) und da- mit den Konsum beider Partner einschränken. In gen- derneutralen staatlichen Systemen, wo folglich diese private Bürde wegfällt, werden deshalb Paare bzw. Fami- Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 333 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat lien mit nur einem erwerbstätigen Partner und vor allem Hausfrauen durch allein stehende Männer und Frauen quersubventioniert. Familien mit zwei Vollzeit erwerbs- tätigen Partnern subventionieren Familien mit einem erwerbstätigen Partner, die dann aber auch nur von einem beitragenden Partner profitieren. Man braucht nicht spe- ziell darauf hinzuweisen, dass dies starke (und häufig den eigentlichen Bestrebungen zuwider laufende) Anreize für Frauen schafft, zu Hause zu bleiben (länger als ge- wünscht oder nötig) bzw. schwarz oder unbezahlt zu ar- beiten. So unterminieren sie das Sozialvorsorgesystem als solches. Diese Situation zeigt sich am schlimmsten in Rentenprogrammen, in denen Frauen ihre Rentenan- sprüche aufgeben müssen, sobald sie eine Witwenrente beziehen (oder umgekehrt), was – besonders gut ausge- bildete – Frauen aufgrund hoher Besteuerung von einer Erwerbstätigkeit abhält bzw. Heirat als Institution zu- nehmend durch Zusammenleben ohne Trauschein ersetzt. In traditionellen Systemen profitierten Witwen am meisten als Hausfrauen von gut verdienenden Ehemän- nern, weil keine dieser Frauen je Sozialversicherungsbei- träge an die Hinterbliebenenvorsorge leistete. Besser ausgebildete Frauen mit eigenem, höheren Einkommen profitierten am wenigsten (bzw. hatten die höchsten Op- portunitätskosten), da sie von einer Erwerbstätigkeit abgehalten worden sind und ihr Humankapital damit abwerteten. Oder sie waren erwerbstätig und bezahlten relativ hohe einkommensabhängige Beiträge, ohne viel oder überhaupt etwas dafür zu erhalten, wenn man davon ausgeht, dass das Einkommen ihrer Ehemänner und spä- ter ihre Witwenrente immer noch höher war, als ihre eigene unabhängige Rente gewesen wäre. Hingegen werden Frauen in modernen Rentensyste- men nicht mehr davon abgehalten, einer Erwerbstätig- keit nachzugehen, da sie ihre eigenen Renten als Ergän- zung ihres individuellen Alterseinkommens unabhängig von einer Hinterbliebenenrente erhalten. Dennoch, be- stehen Witwenleistungen, werden sie eventuell nicht zugesprochen, ohne eine Form von Kostenteilung durch die Begünstigten zu berücksichtigen. Dadurch sollen Geschiedene, im Konkubinat lebende Personen, Allein- stehende und allein erziehende Elternteile nicht diskri- miniert werden, ebenso nur einmal verheiratete Personen im Gegensatz zu mehrmals Verheirateten (mit Mehr- fachansprüchen auf Hinterbliebenenrenten). Viele Län- der sehen deshalb Bestimmungen zum Schutz einiger dieser Gruppen von Frauen mit speziellen Bedürfnissen vor: Gesplittete Rentenansprüche auf pro-rata-Basis nach einer Scheidung, Anspruch auf Ehegatten- und Hinterbliebenenrente nach einer bestimmten Anzahl Ehejahren, Anspruch auf Witwenrente und abgeleitete Mindestrentengarantien auch für nicht verheiratete Müt- ter usw. Die Modernisierung eines Systems bringt häufig etwas seltsame Mischungen von folgereichen Anpassun- gen an sich ändernde Umstände hervor, z.B. Splitting von Rentenleistungen zwischen Eheleuten für die Dau- er der Ehe bzw. des Zusammenlebens im unverheirate- ten Zustand. Paternalismus im Wohlfahrtsstaat Die Ambivalenz des Paternalismus im Wohlfahrtsstaat wie auch der (Teil-)Modernisierung zeigt sich auch, wenn es um Gutschriften für Kinderbetreuung oder andere Formen von Anerkennung für gesellschaftlich wertvolle, nichtmarktliche Tätigkeiten von Frauen oder auch von Männern geht. Aktuell sehen viele Rentensysteme staat- liche Zahlungen für bestimmte Zeiten ohne Erwerbstä- tigkeit vor, beispielsweise Elternurlaub oder Langzeit- pflegeurlaub, Arbeitslosigkeit und Krankheit. Bei den in diesen Bereichen ausgerichteten Leistungen ist der Gen- derimpact natürlich sehr gross. Doch wie halten es die Behörden des Sozialwesens? Wird nur eine Pauschalfor- mel akzeptiert bzw. vom Staat bezahlt oder gewährleistet? Oder kommen einkommensbasierte Gutschriften zum Tragen, die die Stellung der betroffenen Person im Markt reflektieren und sich entsprechend dieser Stellung bzw. ihrer Beiträge an die Sozialversicherung anpassen. Inte- ressanterweise sind Gutschriften für Mutterschaftsur- laube und betreuungsbedingtes Fernbleiben von der Arbeit die zwei einzigen Arten von Arbeitsabwesenheit, bei denen der Beitragsgrundsatz der Sozialversicherun- gen, sonst oberstes Gebot aller Sozialsicherheitssysteme (und durch einige nichtbeitragspflichtige soziale Auffang- netze abgesichert), manchmal zu Gunsten einer pauschal festgelegten Leistung fallen gelassen wird, was beispiels- weise in den traditionell eher männlich dominierten Be- reichen wie Arbeitslosigkeit, Kranken- oder Unfallver- sicherung undenkbar wäre. Unabhängig davon, ob dies nun Formen geschlechterspezifischer Diskriminierung widerspiegelt oder nicht, würde es jetzt und in Zukunft einmal mehr helfen, Frauen mit tiefen Löhnen besser zu schützen, und zwar auf Kosten der besser gebildeten und besser verdienenden berufstätigen Frauen. Der Unter- schied zwischen einkommensbezogenen und pauschalen Rentengutschriften (und natürlich der Familienzeitan- rechnung) ist umso bedeutender, je höher die Bildung und Löhne der Frauen effektiv sind, und je grösser die Differenz zwischen effektivem Einkommen und Min- destlöhnen. Diese Überlegungen zeigen, dass das, was immer noch gut ist für die Mehrheit der Frauen, die we- niger qualifiziert und nicht so gut bezahlt sind, für besser gebildete, qualifizierte und gut entlöhnte berufstätige Frauen nachteilig ist. Je nachdem, wie sich die künftigen Entwicklungen gestalten, wird das Fallenlassen von Ver- sicherungsgrundsätzen bezüglich Pflegeanrechnungen und Betreuungsgutschriften bei Rentenanspruchsberech- nungen höchstwahrscheinlich Frauen zunehmend be- nachteiligen, sofern sie ihre Erwerbstätigkeit weiter ausdehnen und höhere Einkommen auf dem Arbeits- markt erzielen können. 334 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Schwerpunkt Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Ansätze für gendersensible Rentenkonzepte Eine gendersensible Ausgestaltung von Rentensyste- men muss genderneutrale Hauptzielsetzungen vorsehen und prüfen, welche genderspezifischen Wirkungen unter den gegebenen Umständen zu erwarten sind. Hinzu kommt, dass die Auswirkungen auf Entwicklungen hin zu einer mehr oder weniger ausgeglichenen Geschlech- tergleichstellung und Chancengleichheit beurteilt werden müssen. Dabei muss ein spezieller Blick auf mögliche Kollisionen, Zielkonflikte und Härtefälle geworfen wer- den. Dies selbst bei gendersensiblen Rentenkonzepten im Rahmen von geschlechtsneutralen Regelwerken, die – wie erläutert – für genderspezifische Ergebnisse be- stimmend sein können. Im Zentrum stehen Massnahmen, die aktuell vor allem Frauen begünstigen: Zum Beispiel genderneutrale, für beide Geschlechter geltende Sterbe- tafeln, garantierte Mindesteinkommen und Rentengut- schriften für Kindererziehung und unbezahlte Familien- betreuung. Deren komparative Vorteile fallen den Frauen nicht geschlechtsbedingt zu, sondern nur deshalb, als sie häufiger geringere Löhne erzielen, länger leben oder gesellschaftlich wertvolle, aber unbezahlte Leistungen erbringen wie Kinderbetreuung und Langzeitpflege. Folglich sind beim Entwickeln von Rentenreglementen Massnahmen, die Frauen gegenüber Männern begünstigen, die geschlechtsspezifischen Lebens- und Arbeitsbedin- gungen miteinbeziehen. Sie laufen auf positive Aktions- programme hinaus, die nicht Frauen als solche begüns- tigen, sondern alle Einzelpersonen, soziale Gruppen, Situationen und Aktivitäten, die besondere Aufmerk- samkeit, Unterstützung oder Honorierung im Renten- system verdienen. Gerechte, genderneutrale Rentensysteme bestrafen somit niemanden für einen gesunden Lebensstil, ein län- geres Leben, für die Kindererziehung, Heirat, Konkubi- nat, Scheidung oder Verwitwung. Doch können Erwerbs- tätigkeit und andere gesellschaftlich wertvolle Tätigkei- ten von Kinderbetreuung über Langzeitpflege gebrech- licher älterer Familienmitglieder bis hin zur Freiwilligen- arbeit explizit belohnt werden, und zwar unabhängig vom Geschlecht der Personen, die diese Leistung erbringen. Ambivalenzen betreffend genderbezogenen Auswir- kungen können auch auf die verschiedenen Zeithorizon- te zurückzuführen sein, die bei der Analyse der Zielkon- flikte angewendet werden. Zwar sind Frauen (heute) durch steuerfinanzierte Sicherheitsnetze und Grundein- kommensprogramme viel besser geschützt als mit ein- kommensfinanzierten Rentenprogrammen, doch wirken sich diese auf Dauer negativ aus, als sie Erwerbslosigkeit, unbezahlte Arbeit und Armutsfallen fördern können. Je freier die Verbindung zwischen Beiträgen und Renten- leistungen, desto höhere Subventionen fallen für Aktivi- täten ausserhalb des Marktes an und desto besser für Frauen in der kurzen Frist, allerdings mittel- und lang- fristig gesehen umso schlechter. Da zudem berufsstand- und zivilstandsbedingte Klas- senunterschiede zwischen Frauen und Männern herr- schen ist bei Frauen-/Männern-Vergleichen Vorsicht geboten: Was kurzfristig für einige schlecht bezahlte Frau- en (und Männer) gut ist, kann gleichzeitig schlecht für andere, berufstätige oder besser verdienende Frauen und Männer sein. Mittel- und langfristig gesehen kann es aber auch schlecht für schlecht bezahlte Frauen sein, da sie möglicherweise in Umkehrung der Tatsachen in ihren benachteiligten Positionen über Generationen festsitzen und so die Investitionen in ihre Ausbildung und Hu- mankapital abwerten. Je marktausgerichteter, versiche- rungsmathematisch gerecht, genderneutral und umver- teilungslos Rentenprogramme letztlich sind, desto mehr Frauen werden mit den gleichen Risiken konfrontiert, profitieren aber auch von den gleichen Möglichkeiten, wie Männer sie traditionell in der Arbeitswelt und Lauf- bahnentwicklung haben. Weder genderneutrale noch gendersensible Renten- programme werden immer verhindern können, dass Frauen niedrigere Leistungen als Folge ihrer (aktuell immer noch genderspezifischen) schwächeren Arbeits- marktpositionen erhalten. Deshalb können Rentensyste- me der Benachteiligung von Frauen nur teilweise Ab hilfe schaffen. Wie auch immer sich die Bemühungen innerhalb des Sozialsystems gestalten werden, ohne eine Verbesse- rung der Gleichstellung in der Arbeitswelt und eine gleich- mässigere Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Aufgaben zwischen Frauen und Männern können keine höheren oder besseren Renten für Frauen erreicht werden. Bernd Marin, Executive Director des European Centre for Social Welfare Policy and Research in Wien. E-Mail: marin@euro.centre.org Eszter Zólyomi, Forscherin am European Centre for Social Welfare Policy and Research in Wien. E-Mail: zolyomi@euro.centre.org Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 335 sozialpolitik Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 Rosmarie Marolf Bundesamt für Sozialversicherungen Neuerungen, Anpassungen und laufende Reformen bei den schweizerischen Sozialversicherungen im Jahr 2011 Der folgende Artikel verschafft einen Überblick über die für das Jahr 2011 zu erwartenden Änderungen in den Sozialversicherungen und über weitere Reformvorhaben im Sozialversicherungsbereich. Stand der Information: Ende Oktober 2010. Änderungen per 1. Januar 2011 Anpassung der AHV/IV-Renten Die minimale AHV/IV-Rente steigt von 1140 auf 1160 Franken pro Monat, die Maximalrente von 2280 auf 2320 Franken. Bei den Ergänzungsleistun- gen wird der Betrag für die Deckung des allgemeinen Lebensbedarfs von 18 720 auf 19 050 Franken pro Jahr für Alleinstehende, von 28 080 auf 28 575 Franken für Ehepaare und von 9780 auf 9945 Franken für Waisen erhöht. Auch die Entschädigungen für Hilf- lose werden angepasst. Die Mindestbeiträge der Selbst- ständigerwerbenden und der Nicht- erwerbstätigen für AHV, IV und EO werden von 460 auf 475 Franken pro Jahr erhöht, der Mindestbeitrag für die freiwillige AHV/IV von 892 auf 904 Franken. Kosten der höheren Renten Die Erhöhung der Renten führt zu Mehrkosten von rund 765 Milli- onen Franken, davon 650 Millionen bei der AHV und 115 Millionen bei der IV. Davon gehen 170 Millionen zu Lasten des Bundes, der sich zu 19,55 Prozent an den Ausgaben der AHV und zu 37,7 Prozent an jenen der IV beteiligt. Die Anpassung der Ergänzungsleistungen zu AHV und IV verursacht zusätzliche Kosten von 1 Million Franken zu Lasten des Bundes und 4 Millionen für die Kan- tone. Weitere wichtige Anpassungen auf den 1. Januar 2011 • Für die Berechnung der Beiträge von Selbstständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen benötigen die Ausgleichskassen die Angaben der kantonalen Steuerbehörden. Dieser Datenaustausch kann in Zukunft über die Datenaustauschplattform des Bundes Sedex erfolgen. • Die Beiträge der Nichterwerbstä- tigen werden auf dem Vermögen und dem Renteneinkommen be- rechnet. Neu werden dabei auch die Renten der AHV berücksichtigt, die IV-Renten hingegen weiterhin nicht. • Wer Ergänzungsleistungen erhält und nicht erwerbstätig ist, bezahlt in Zukunft generell nur noch den Mindestbeitrag. • Der Bundesrat hat genauer defi- niert, was bei Kindern als Ausbil- dung gelten kann. Das ist von Be- deutung für den Anspruch auf Waisen- und Kinderrenten für Kin- der zwischen dem 18. und 25. bzw. auf die Ausbildungszulagen für Kin- der zwischen dem 16. und 25. Alters- jahr. Berufliche Vorsorge: Grenzbeträge ab dem 1. Januar 2011 Grenzbeträge für die obligatorische berufliche Vorsorge • Mindestjahreslohn 20 880 Fr. • minimaler koordinierter Lohn 3 480 Fr. • Koordinationsabzug 24 360 Fr. • obere Limite des Jahreslohns 83 520 Fr. Gebundene Selbstvorsorge der Säule 3a Maximale Steuerabzugs-Berechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen • bei Zugehörigkeit zu einer Vorsorgeeinrichtung der zweiten Säule 6 682 Fr. • ohne Zugehörigkeit zu einer Vorsorgeeinrichtung der zweiten Säule 33 408 Fr. 336 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Anpassung der Grenzbeträge in der beruflichen Vorsorge In der obligatorischen beruflichen Vorsorge wird der Koordinationsab- zug von 23 940 auf 24 360 Franken erhöht, die Eintrittsschwelle steigt von 20 520 auf 20 880 Franken. Der maximal erlaubte Steuerabzug im Rahmen der gebundenen Selbstvor- sorge (Säule 3a) beträgt neu 6682 Franken (heute 6566) für Personen, die bereits eine 2. Säule haben, res- pektive 33 408 Franken (heute 32 832) für Personen ohne 2. Säule. Anpassung der Hinterlassenen- und Invalidenrenten der beruflichen Vorsorge Gemäss dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlasse- nen- und Invalidenvorsorge (BVG) müssen die Hinterlassenen- und In- validenrenten der obligatorischen zweiten Säule bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters periodisch dem Index der Konsumentenpreise angepasst werden. Dabei muss dieser Teuerungsausgleich zum ersten Mal nach dreijähriger Laufzeit gewährt werden. Danach erfolgen die Anpas- sungen auf den gleichen Zeitpunkt wie jene der AHV-Renten, das heisst in der Regel alle zwei Jahre. Somit erhalten auf den 1. Januar 2011 all jene zum ersten Mal einen Teue- rungsausgleich, die seit 2007 eine ob- ligatorische Hinterlassenen- oder In- validenrente der zweiten Säule erhal- ten. Der Anpassungssatz stellt auf den Septemberindex der Konsumenten- preise im Jahre 2010 von 103,4 (Basis Dez. 2005=100) und den September- index des Jahres 2007 (101,1) ab. Das ergibt eine Anpassung um 2,3 Prozent. Die Renten, die seit 2006 laufen, wurden auf den 1.1.2010 erstmals an- gepasst und erfahren nun auf den 1.1.2011 erneut eine Erhöhung, weil die Anpassung jetzt dem Rhythmus der AHV folgt. Für diese Anpassung gilt die Differenz zwischen den Sep- temberindizes 2010 (103,4) und 2009 (103,1), was einen Teuerungsausgleich von 0,3 Prozent ergibt. Renten, die vor 2006 entstanden, wurden letztmals – im gleichen Zug wie die AHV-Renten – auf den 1.1.2009 erhöht. Sie werden jedoch auf den 1.1.2011 nicht erhöht, weil der Septemberindex der Konsumenten- preise von 2010 tiefer ist als derjenige von 2008. Die Renten, die 2008 oder später entstanden sind, werden nicht ange- passt, weil sie noch nicht seit drei Jahren laufen. Wenn die Renten über das vom Gesetz vorgeschriebene Minimum hinausgehen, ist der Teuerungsaus- gleich nicht obligatorisch. Ob diese Renten der Preisentwicklung ange- passt werden oder nicht, entscheidet das paritätische Organ der Vorsorge- einrichtung, das auch über einen all- fälligen Teuerungsausgleich für lau- fende Altersrenten befindet. Es muss seinen Entscheid in der Jahresrech- nung oder im Jahresbericht erläutern. Berufliche Vorsorge: Der Mindestzinssatz bleibt bei 2 Prozent Gestützt auf die Empfehlung der BVG-Kommission legte der Bundes- rat den Mindestzinssatz für 2011 un- verändert bei 2 Prozent fest. Die von Übersicht: Beträge gültig ab dem 1. Januar 2011 Renten und Hilflosenentschädigungen (pro Monat) Minimale Altersrente 1 160 Fr. Maximale Altersrente 2 320 Fr. Maximale Ehepaarrente (zwei Renten) 3 480 Fr. Hilflosenentschädigung AHV leicht (nur zu Hause) 232 Fr. (im Heim oder zu Hause) mittel: 580 Fr. schwer: 928 Fr. Hilflosenentschädigung IV leicht: 232 Fr. (im Heim) mittel: 580 Fr. schwer: 928 Fr. Hilflosenentschädigung IV leicht: 464 Fr. (zu Hause) mittel: 1 160 Fr. schwer: 1 856 Fr. Intensivpflegezuschlag für Minderjährige IV (zu Hause) mindestens 4 Stunden: 464 Fr. mindestens 6 Stunden: 928 Fr. mindestens 8 Stunden: 1 392 Fr. Beiträge und Beitragsskala (pro Jahr) Mindestbeiträge (AHV 387 Fr., IV 65 Fr., EO 23 Fr.) AHV/IV/EO: 475 Fr. (AHV 774 Fr., IV 130 Fr.) Freiwillige AHV/IV: 904 Fr. AHV/IV/EO sinkende Beitragsskala untere Grenze: 9 300 Fr. obere Grenze: 55 700 Fr. EL­Beträge für den allgemeinen Lebensbedarf (pro Jahr) für Alleinstehende: 19 050 Fr. für Ehepaare: 28 575 Fr. für Waisen: 9 945 Fr. Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 337 der Mehrheit der BVG-Kommission dem Bundesrat am 18. September 2009 empfohlene Formel ergab per Ende Juli 2010 einen Wert von 2,18 Prozent und per Ende August einen solchen von 2,08 Prozent. Berücksich- tigt wurde ausserdem, dass die nega- tive Entwicklung der Aktienmärkte als Folge der Finanzkrise bisher noch nicht kompensiert werden konnte. Auch verharren die aktuellen Zinsen auf rekordtiefem Niveau. Im Vorjahr ergab die von der Kommission favo- risierte Formel einen Wert von 1,93 Prozent und wurde auf 2 Prozent auf- gerundet. Ausgehend von den Ergeb- nissen der Formel werden mit einem Mindestzinssatz von 2 Prozent die aktuellen Rahmenbedingungen an- gemessen berücksichtigt. Der Bun- desrat folgte damit dem Antrag der BVG-Kommission. Die Berechnungsmethode der Eid- genössischen Kommission für beruf- liche Vorsorge (BVG-Kommission) kombiniert weitgehend risikolose mit risikoträchtigen Anlagen. Als Aus- gangspunkt der Überlegungen dient wie bereits im Vorjahr der langfristi- ge gleitende Durchschnitt der Ren- dite der 7-jährigen Bundesobligatio- nen. Dieser gleitende Durchschnitt entspricht einem Obligationenport- folio, dessen Rendite fast risikolos erreichbar ist. Zusätzlich berücksich- tigt werden der Pictet BVG Index 93 sowie der IPD Wüest und Partner Index, welche Aktien, Anleihen und Liegenschaften enthalten. Auch in den kommenden Jahren soll diese Formel als Ausgangsbasis für die Fest- legung des Mindestzinssatzes ver- wendet werden. Bessere Anlagemöglichkeiten für Freizügigkeitskapital Die Freizügigkeitsstiftungen ver- walten Vorsorgekapital von Versi- cherten der 2. Säule. Sie kommen insbesondere dann zum Zug, wenn jemand z.B. eine Stelle verlässt, ohne gleich eine neue anzutreten und somit das gebundene Vorsorgekapital nicht an eine neue Pensionskasse überwie- sen wird. Mit der Verordnungsänderung, die der Bundesrat beschlossen hat, haben die Versicherten künftig mehr Aus- wahlmöglichkeiten, wie sie ihre Frei- zügigkeitsgelder anlegen möchten. Bisher waren zusätzlich zum Konto- sparen nur schweizerische Kollektiv- anlagen (insbesondere Fonds) zuge- lassen. Neu dürfen die Freizügigkeits- gelder auch in ausländische Fonds investiert werden, welche die FINMA in der Schweiz zum Vertrieb zulässt. Ausserdem werden Direktinvestitio- nen in bestimmte verzinsliche Anlagen wie Bundes- oder Kassenobligationen zugelassen. Ebenso können die Stif- tungen Vermögensverwaltungsaufträ- ge an Banken, Fondsleitungen, Effek- tenhändler und Vermögensverwalter von kollektiven Kapitalanlagen ertei- len. Diese unterstehen einer direkten und präventiven Aufsicht der FINMA. Berufliche Vorsorge: Massnahmen für ältere Arbeitnehmende Die Massnahmen für ältere Arbeit- nehmerInnen sollen die Arbeits- marktbeteilung fördern und den Ver- bleib im Arbeitsmarkt begünstigen. Die Vorsorgeeinrichtungen können älteren Versicherten ab 2011 folgende Neuerungen anbieten: • Versicherte, die ihr Arbeitspensum ab dem 58. Altersjahr reduzieren (Lohnkürzung um höchstens die Hälfte), können ihren bisherigen versicherten Verdienst weiterfüh- ren. • Versicherte, die auch nach dem or- dentlichen Rentenalter erwerbs- tätig bleiben möchten, können bis zur Vollendung des 70. Altersjahres weiter Beiträge an ihre Vorsorge- einrichtung einbezahlen. Diese Massnahmen gehören zum ers- ten Teil der in drei Etappen umzuset- zenden Strukturreform in der beruf- lichen Vorsorge. Die zweite Etappe mit verschärften Governance-Vor- schriften für Pensionskassen soll am 1. Juli 2011 in Kraft treten. Die dritte Etappe schliesslich betrifft die ver- stärkte Aufsicht in der 2. Säule und soll am 1. Januar 2012 in Kraft treten. Vorgesehen ist dabei insbesondere die Einrichtung einer Oberaufsichtskom- mission. Bundesrat erhöht den Beitragssatz für die Erwerbsersatzordnung Der Beitragssatz für die Erwerbser- satzordnung (EO) wird vom 1. Januar 2011 bis Ende 2015 von heute 0,3 auf 0,5 Lohnprozente angehoben. Damit wird den zusätzlichen Ausgaben der EO für die Mutterschaftsentschädi- gung Rechnung getragen und sicher- gestellt, dass die EO ihre Leistungen jederzeit erbringen kann. Die neue Mutterschaftsentschädi- gung für erwerbstätige Mütter wurde in der Volksabstimmung vom 26. Sep- tember 2004 gutgeheissen und am 1. Juli 2005 in Kraft gesetzt. Diese Ent- schädigung wird gleich wie die Ent- schädigung für Dienstleistende in Armee, Zivilschutz und Zivildienst aus dem EO-Fonds finanziert. Bereits in den damaligen Abstimmungserläu- terungen hatte der Bundesrat darauf hingewiesen, dass zusätzliche 0,2 Lohnprozente notwendig sein wer- den, um die Ausgaben für die Mutter- schaftsentschädigung zu finanzieren. Die Reserven des EO-Fonds sind nun unter den gesetzlichen Mindest- Die Anpassungen im Überblick Jahr des Rentenbeginns Letzte Anpassung Anpassungssatz am 1.1.2011 1985–2005 1.1.2009 0,0 % 2006 1.1.2010 0,3 % 2007 – 2,3 % 2008–2010 – – Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 338 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 stand einer halben Jahresausgabe gesunken. Um die Reserven wieder aufzubauen und die Finanzierung der Leistungen sicherzustellen, wird der Beitragssatz während 5 Jahren von 0,3 auf 0,5 Prozente, erhöht. Mit dieser Erhöhung, die je hälftig von Arbeit- geber und Arbeitnehmer zu tragen ist, wird der Fonds voraussichtlich bis Ende 2015 wieder über Reserven von ca. 63 Prozent einer Jahresausgabe verfügen. Der Bundesrat wird vor Ablauf der befristeten Beitragserhö- hung die Situation neu beurteilen und die nötigen Massnahmen für die Zeit nach 2015 treffen. Erhöhung kommt drei Jahre später als ursprünglich angenommen Vor der Volksabstimmung vom 26. September 2004 zur Einführung der Mutterschaftsentschädigung ging der Bundesrat davon aus, dass der EO-Beitragssatz spätestens 2008 an- gehoben werden müsse. Aus den fol- genden Gründen haben die Reserven des EO-Fonds aber drei Jahre länger gereicht: • Das Inkrafttreten der Mutter- schaftsentschädigung wurde um ein halbes Jahr auf 1. Juli 2005 hinaus- geschoben. • Die Einnahmen der EO fielen we- gen der guten Wirtschaftsentwick- lung in den vergangenen Jahren höher aus als erwartet. Detailregelungen für das Familien- zulagenregister Das Register bildet die zentrale In- formationsplattform über Familienzu- lagen, die nach schweizerischem Recht für Kinder mit Wohnsitz in der Schweiz oder im Ausland ausgerichtet werden. Sein Zweck ist primär zu verhindern, dass für ein Kind mehrfach Familien- zulagen bezogen werden. Im Weiteren soll es den Durchführungsstellen den Vollzug des Familienzulagengesetzes (FamZG) erleichtern, Transparenz über bezogene Familienzulagen her- stellen und dem Bund und den Kan- tonen als Auskunftsstelle dienen. Das Familienzulagenregister wird durch die Zentrale Ausgleichsstelle von AHV und IV geführt. Der Bund trägt sowohl die Kosten für den Auf- bau des Registers (max. 3,8 Mio. Fran- ken) als auch die Betriebskosten (rund 1,7 Mio. Franken jährlich). Datenaustausch Gemäss aktueller Schätzung der Anzahl Kinder, für die eine Kinder- oder Ausbildungszulage ausgerichtet wird, werden bei Inbetriebnahme des FamZReg rund 1,7 Mio. Kinder und Jugendliche registriert sein. Die Da- ten, die je Kind und Zulage zwingend im Register zu erfassen sind, werden in der Familienzulagenverordnung abschliessend aufgeführt (u.a. die Ver- sichertennummer und die Personen- identifikationsdaten der Kinder sowie der Bezügerinnen und Bezüger; die Beziehung der Bezügerin oder des Bezügers zum Kind, für das eine Zu- lage bezogen wird, wie z.B. Mutter, Vater, Stief-, Pflegeelternteil usw.; der Erwerbsstatus der Bezügerin oder des Bezügers). Die Durchführungsstellen der Fa- milienzulagen (rund 200 Familienaus- gleichs-, 35 Arbeitslosen- und 79 AHV-Ausgleichskassen) sind zum Datenaustausch mit dem Familienzu- lagenregister verpflichtet. Um die Vollständigkeit und die Tagesaktua- lität des Registers zu gewährleisten, haben sie eine neue Familienzulage oder eine Änderung (z.B. Beginn ei- ner Ausbildung oder Beendigung des Anspruchs auf eine Familienzulage) innerhalb eines Arbeitstages ans Re- gister zu melden. Das Bundesamt für Sozialversicherungen sorgt für die Einhaltung der Meldepflicht. Informationszugang Vollen Zugang zum Register haben ausschliesslich die Durchführungs- stellen und deren Aufsichtsbehörden. Die Öffentlichkeit ist Nutzerin mit einem beschränkten Informationszu- gang; die Informationen darüber, ob und von welcher Stelle für ein Kind eine Familienzulage ausgerichtet wird, sind im Internet öffentlich ab- rufbar. Das entlastet insbesondere die Arbeitgeber bei ihren Abklärungen. Überdies erfüllt diese Abfragemög- lichkeit ein sozialpolitisches Anliegen: Es kommt immer wieder vor, dass der anspruchsberechtigte Elternteil die Familienzulage nicht an den Elternteil weiterleitet, bei dem das Kind lebt, obwohl er hierzu gesetzlich verpflich- tet wäre, oder dass Eltern die Famili- enzulagen nicht für die Bedürfnisse ihrer Kinder verwenden. In diesen Fällen wird die Internetabfrage den betroffenen Elternteilen und mündi- gen Kindern erleichtern, zu ihrem Recht zu kommen. Allerdings müssen für die Abfrage dieser Informationen die Versichertennummer der AHV sowie das Geburtsdatum des Kindes angegeben werden. Inbetriebnahme National- und Ständerat haben am 18. Juni 2010 mit der Änderung des Familienzulagengesetzes die gesetz- liche Grundlage für die Einrichtung des Familienzulagenregisters geschaf- fen und dem Bundesrat den Erlass der Ausführungsbestimmungen über- tragen. Die Gesetzes- und Verord- nungsänderung sind auf den 15. Ok- tober 2010 in Kraft getreten. Die In- betriebnahme des Familienzulagen- registers ist auf Anfang 2011 vorge- sehen. Arbeitslosenversicherung: Erhöhung der Lohnabzüge per 2011 Auf allen versicherten Einkommen bis 126 000 Franken wird eine Bei- tragserhöhung von 2,0 auf 2,2 Prozent vorgenommen. Auf Einkommensan- teilen zwischen 126 000 und 315 000 Franken wird darüber hinaus ein So- lidaritätsprozent erhoben. Sämtliche Beiträge, auch das Solidaritätspro- zent, werden je hälftig von der Arbeit- geber- und der Arbeitnehmerseite getragen. Durch die Erhöhung der ALV-Beiträge fliessen jährliche Mehreinnahmen von 620 Millionen Franken in die ALV. Damit wird die Schuldenlast von über 7 Milliarden Franken kontinuierlich abgebaut. Die Arbeitslosenversicherung ist finanziell nicht im Gleichgewicht. Das geltende Gesetz verpflichtet den Bun- Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 339 desrat, einen Solidaritätsbeitrag zu erheben und die Lohnabzüge zu er- höhen, sobald die Schulden der ALV eine bestimmte Obergrenze über- schreiten. Dies ist im Frühling 2010 geschehen. Deshalb muss der Bun- desrat die Beiträge bereits am 1. Janu- ar 2011 erhöhen. Die Gesetzesrevisi- on, die neben den Beitragserhöhun- gen auch Leistungskürzungen vor- sieht und am 26. September 2010 an der Urne angenommen wurde, wird jedoch erst am 1. April 2011 in Kraft gesetzt. Somit werden die Beiträge am 1. Janaur 2011 erhöht, die Leis- tungskürzungen aber erst am 1. April 2011 wirksam. Eigenständiger IV-Ausgleichsfonds AHV, IV und EO verfügen ab 1.1.2011 über eigene Ausgleichsfonds. Der Bundesrat hat die hierzu erfor- derliche Änderung der Verordnung über die Verwaltung des Ausgleichs- fonds der AHV vorgenommen. Die Verordnungsbestimmungen ergänzen das Bundesgesetz über die Sanierung der IV und ermöglichen so die Ein- richtung eines eigenständigen IV- Ausgleichsfonds. Grundlage für diesen Entscheid war der Bundesbeschluss über eine befristete Zusatzfinanzierung der In- validenversicherung durch Anhebung der Mehrwertsteuer, der von Volk und Ständen am 27. September 2009 gut- geheissen wurde. Damit sagten sie indirekt auch Ja zum Bundesgesetz über die Sanierung der IV, das die Einrichtung eines eigenständigen IV- Ausgleichsfonds vorsieht. Dies be- dingt eine Änderung der Verordnung über die Verwaltung des Ausgleichs- fonds der AHV: Nach dem Willen des Gesetzgebers werden die drei Aus- gleichsfonds gemeinsam verwaltet. Um die Transparenz und die finan- zielle Trennung der Versicherungen sicherzustellen, müssen die drei Fonds gesondert Rechnung führen und eine eigene Bilanz erstellen. Anlagen und flüssige Mittel der drei Versicherun- gen werden hingegen gemeinsam verwaltet. Ziel ist es, die Anlagestra- tegien zu optimieren und einen mas- siven Anstieg der Verwaltungskosten zu verhindern. Der Verwaltungsrat bestimmt einen Verteilschlüssel für die entsprechenden Anteile der drei Fonds an den verschiedenen Anlagen und flüssigen Mitteln. Quersubventi- onierungen zwischen den einzelnen Ausgleichsfonds sind nicht zulässig. Die Schuld der IV bei der AHV wird weiterhin zu marktüblichen Bedin- gungen verzinst. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer (7,6 bis 8 Prozent; 2,4 bis 2,5 Prozent und 3,6 bis 3,8 Prozent) ist befristet auf den Zeitraum zwischen 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2017. Anschlies- send werden die Mehrwertsteuersät- ze automatisch wieder zurückgesetzt. Es werden Einnahmen in der Höhe von 1,1 Milliarden Franken pro Jahr erwartet. Gesundheitswesen: Genehmigung der Prämien 2011 Ab 2011 sind die Prämien der ob- ligatorischen Krankenpflegeversiche- rung kostendeckend, womit das prio- ritäre Ziel des Eidgenössischen De- partements des Innern erreicht wird. Der durchschnittliche Prämienan- stieg von 6,5 Prozent für 2011 liegt leicht über dem mehrjährigen Durch- schnitt von 5,3 Prozent seit Inkraft- treten des Krankenversicherungsge- setzes (KVG), jedoch unter dem letztjährigen Anstieg von über 8 Pro- zent. In sieben Kantonen (FR, GE, GR, JU, NE, TG und VD) steigen die Prämien weniger stark als im gesamt- schweizerischen Durchschnitt, die Erhöhungen bewegen sich in einer Bandbreite zwischen 2,1 Prozent und 6 Prozent. Weitere sieben Kantone (AR, BS, SG, SH, SZ, TI und ZH) weisen eine durchschnittliche Prä- mienerhöhung zwischen 6,1 Prozent und 7 Prozent aus. Die restlichen zwölf Kantone (AG, AI, BE, BL, GL, LU, NW, OW, SO, UR, VS und ZG) verzeichnen überdurchschnittliche Erhöhungen um 7,1 Prozent bis 10,3 Prozent. Die Kinderprämien steigen im Schnitt um 6,3 Prozent, jene für junge Erwachsene um 11,8 Prozent. Die Erhöhung der Prämien für junge Er- wachsene ist darauf zurückzuführen, dass mehrere Krankenversicherer die Rabatte für die Prämien der Versi- cherten dieser Alterskategorie erneut gesenkt haben. Diese Durchschnitts- werte bieten nur einen Anhaltspunkt und zeigen eine grundsätzliche Ten- denz auf. Die Prämie mit der ordent- lichen Franchise von 300 Franken dient als Richtwert für die Festlegung aller anderen Prämien mit höheren Franchisen. Jedes Jahr wird jeweils die Erhöhung dieser Prämie bekanntge- geben, so dass Vergleiche mit den Vorjahren gezogen werden können. Bei der Prämiengenehmigung ach- tet die Aufsichtsbehörde auf die fi- nanzielle Sicherheit der Krankenver- sicherer und genehmigt nur kosten- deckende Prämien. Mit den Prämien 2011 werden die Kosten der obliga- torischen Krankenpflegeversicherung wiederum vollständig gedeckt. Quer- subventionierungen, die dazu dienen, künstlich tiefe Prämien anzubieten, werden von der Aufsichtsbehörde (BAG) nicht toleriert. Überblick über laufende Reformen Strategie des Bundes zur Armutsbekämpfung Die EU hatte das Jahr 2010 als «Eu- ropäisches Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung» deklariert. Auch in der Schweiz leben armutsgefährdete und von Armut betroffene Menschen – trotz gut aus- gebautem System der sozialen Sicher- heit. Der Bericht «Gesamtschweizeri- sche Strategie zur Armutsbekämp- fung» des EDI zeigt auf, dass vielfäl- tige Massnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Armut bereits um- gesetzt werden oder geplant sind. Um die weiteren Bestrebungen zu bün- deln, haben die an der Erarbeitung des Berichts beteiligten Akteurinnen und Akteure gemeinsam drei inhalt- liche Schwerpunkte definiert, die auf allen politischen Ebenen prioritär Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 340 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 anzugehen sind: die Förderung der Chancengerechtigkeit im Bildungs- bereich, die Verbesserung der Mass- nahmen zur (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt und die Bekämpfung der Familienarmut. Eingliederung in den Arbeitsmarkt steht für den Bund im Zentrum Der Bundesrat legt den Fokus auf die Reintegration in den Arbeits- markt. Er führt damit jene Strategie weiter, die er bereits bei den letzten Revisionen von Invaliden- und Ar- beitslosenversicherung verfolgt hat. Konkret sollen die interinstitutionel- le Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure in diesem Gebiet ver- stärkt und die Massnahmen optimiert und ergänzt werden. Zu diesem Zweck werden eine nationale IIZ- Steuerungsgruppe und eine IIZ-Fach- stelle eingerichtet. Zur Förderung der Chancengerech- tigkeit im Bildungsbereich und zur Bekämpfung der Familienarmut wer- den im Bericht Empfehlungen an Kantone und Gemeinden formuliert, z.B. für die Situation, in der ein Voll- zeiteinkommen nicht genügt, um oberhalb der Armutsgrenze zu blei- ben. In diesen Bereichen sind haupt- sächlich die Kantone und Gemeinden zuständig. Jedoch wurden auch auf Bundesebene diesbezüglich bereits verschiedene Massnahmen ergriffen oder sie sind in parlamentarischer Beratung. So finanziert der Bund die Einführung der Case-Management- Berufsbildung in den Kantonen von 2008 bis 2011 mit 20 Millionen Fran- ken. Im Rahmen dieses Projekts wer- den Jugendliche, die den Einstieg in eine berufliche Ausbildung oder ins Erwerbsleben voraussichtlich nicht schaffen werden, ab dem 7. Schuljahr erfasst und individuell begleitet. Im Weiteren berät das Parlament darü- ber, Ergänzungsleistungen für Fami- lien zu schaffen und den Anspruch auf Kinderzulagen auf Selbstständig- erwerbende auszudehnen. Im November 2010 hat der Bund eine nationale Armutskonferenz durchgeführt. Dabei wurden die Stra- tegie zur Armutsbekämpfung einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt und die Weiterentwicklung und Um- setzung des vom Bund gesetzten Schwerpunkts gemeinsam mit den zentralen Akteurinnen und Akteuren diskutiert. Der Armutsbericht befasst sich mit Armut in allen Lebensphasen Die Analyse des Berichts konzen- triert sich darauf, Armutsrisiken ent- lang des Lebenslaufs aufzuzeigen – von Kindern in armen Familien zu den Übergängen in Berufsbildung und Erwerbsarbeit, Familienarmut, Langzeitarbeitslosigkeit und Armut im Alter. Zudem befasst sich der Be- richt mit der Optimierung der Sozi- alhilfe und weiterer Bedarfsleistun- gen, sowie den wesentlichen Anliegen der Armutsbetroffenen und enthält eine Zusammenstellung der wesent- lichen Massnahmen. Schliesslich be- zieht er auch Stellung zu den von den Gemeinden und Städten sowie von Caritas und von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) aufgestellten Forderungen. Die Vermeidung und Bekämpfung von Armut ist eine komplexe Aufga- be, die in zahlreichen Politikfeldern und auf allen drei politischen Ebenen – Bund, Kantone und Gemeinden – erfüllt werden muss. Der Bund hat diesem Umstand bei der Erarbeitung seines Berichts Rechnung getragen und Vertreterinnen und Vertreter al- ler staatlichen Ebenen, der Nichtre- gierungsorganisationen, der Sozial- partner und von Armutsbetroffenen in den Prozess eingebunden. Mit dem Bericht erfüllt der Bundesrat die Mo- tion «Gesamtschweizerische Strategie zur Bekämpfung der Armut» der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N, Mo 06.3001). (Vgl. Chronik, Seite 299) Bundesrat startet zwei Programme zum Kinder- und Jugendschutz Seit zwei Jahren verfolgt der Bun- desrat eine Gesamtstrategie in der Kinder- und Jugendpolitik, die sich auf die drei Säulen: Schutz, Förderung und Mitwirkung abstützt. Im Zentrum stehen dabei die Totalrevision des Bundesgesetzes über die ausserschu- lische Jugendarbeit, was die Bereiche Förderung und Mitwirkung anbelangt, sowie drei Massnahmen im Bereich Jugendschutz. Ein letztes Projekt wird im kommenden Jahr die Strategie er- gänzen. Dabei geht es um die bessere Vernetzung der schweizweiten Koor- dination beim Kinderschutz. Gesamtschweizerisches Präventions- programm Jugend und Gewalt Das Programm zur Gewaltpräven- tion in den Bereichen Familie, Schule und Sozialraum haben Bund, Kanto- ne und Gemeinden gemeinsam erar- beitet. Bestehende Massnahmen sol- len systematisch erfasst und Erfolg- reiches soll zur Entwicklung einer «Good Practice» identifiziert werden. Im Fokus werden gleichzeitig aktuel- le Themen wie Intensivtäter, Früher- kennung und frühe Intervention ste- hen. Innovative Präventionsansätze werden an Pilotstandorten exempla- risch erprobt und das gesicherte Wis- sen gilt es praxisnah durch Publika- tionen und Veranstaltungen zu ver- mitteln. Die verantwortlichen Kreise sollen darüber hinaus möglichst di- rekt und unkompliziert Unterstüt- zung bei der Ausgestaltung von Prä- ventionsmassnahmen in Anspruch nehmen können (z.B. über eine Be- ratungshotline) und auf strukturierte Weise von den Erfahrungen und Er- folgen der anderen Beteiligten und Betroffenen lernen. Insgesamt will das Programm innert fünf Jahren den Grundstein für eine nachhaltige und wirksame Präventionspraxis in der Schweiz legen. Nationales Programm Jugendmedien- schutz und Medienkompetenzen Das Programm im Bereich Jugend- medienschutz will in erster Linie da- zu beitragen, dass Kinder und Jugend- liche Medien auf eine sichere, alters- gerechte und verantwortungsvolle Weise nutzen. Eltern, Lehr- und Be- treuungspersonen sollen in ihrer Be- Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 341 gleit- und Erziehungsfunktion ge- stärkt werden. Dazu sollen ihnen gezielt Informationen und Schulung angeboten werden. Der Bund wird dabei auf die vielfältigen bestehenden Angebote von privaten Organisatio- nen und von Seiten der Medienbran- che Bezug nehmen und mit der Wirt- schaft, NGO sowie den zuständigen Stellen auf kantonaler und lokaler Ebene zusammenarbeiten. Die An- gebote sollen vernetzt und im Hinter- grund weiterentwickelt werden. Das Bundesamt für Sozialversiche- rungen wird die beiden Programme ab 2011 umsetzen. Ihre Laufzeit be- trägt fünf Jahre. Die Ergebnisse und Wirkungen werden zum Ende der Programmlaufzeit evaluiert. Verordnung über Massnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie zur Stärkung der Kinderrechte Die neue Verordnung stützt sich auf Artikel 386 des Strafgesetzbuches ab und regelt die Präventions-, Sensibi- lisierungs- und Informationsmassnah- men im Bereich Kinder- und Jugend- schutz sowie die Massnahmen zur Stärkung der Kinderrechte im Sinne der Artikel 19 und 34 der Kinder- rechtskonvention. Sie umfasst die in den beiden vom Bundesrat beschlos- senen nationalen Programmen vor- gesehenen Massnahmen wie auch andere bereits vom Bund unterstütz- te Aktivitäten. So verdient z.B. die Notrufnummer 147 für Kinder und Jugendliche von Pro Juventute eine aktive Unterstützung der Behörden. Die Verordnung ist am 1. August 2010 in Kraft getreten. Totalrevision des Jugendförderungsgesetzes Aufgrund der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung seit dem Erlass des heute geltenden Ju- gendförderungsgesetzes 1989 hat sich auch das Umfeld für die ausserschu- lische Kinder- und Jugendarbeit stark gewandelt. Zu nennen sind veränder- te gesellschaftliche und familiäre Strukturen, die Folgen der Migration sowie die neuen Technologien und neuen Anforderungen an Kinder und Jugendliche in Schule, Ausbildung und Wirtschaft. Gleichzeitig hat sich auch die ausserschulische Arbeit weiterent- wickelt und hat ihre Angebote an veränderte gesellschaftliche Gegeben- heiten angepasst. Diesen Herausfor- derungen und Entwicklungen wird das geltende Gesetz nicht mehr gerecht, so dass es nun totalrevidiert wurde. Zeitgemässes, neues Kinder- und Jugendförderungsgesetz KJFG Mit dem neuen Bundesgesetz über die Förderung der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendförderungsge- setz, KJFG) erhöht der Bund sein Engagement zugunsten der Kinder- und Jugendförderung. Er will insbe- sondere die Integrations- und Präven- tionswirkung der unterstützten För- derungsmassnahmen verstärken. Gefördert werden sollen gezielt auch offene (nicht an Mitgliedschaft oder andere Vorbedingungen gebun- dene) und innovative Formen der ausserschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dabei will der Bund den Einsatz seiner Finanzhilfen stärker als bisher nach inhaltlichen Kriterien steuern. Das Gesetz sieht auch eine zeitlich befristete Anschub- finanzierung zugunsten der Kantone vor, um diese beim Aufbau und bei der Weiterentwicklung von kinder- und jugendpolitischen Massnahmen zu unterstützen. Gezielt gefördert werden sollen zudem kantonale und kommunale Modellvorhaben von ge- samtschweizerischer Bedeutung. Schliesslich will der Bund die Arbeit der in der Kinder- und Jugendpolitik tätigen Bundesstellen besser koordi- nieren und die Vernetzung aller Ak- teure in diesem Bereich verstärken. In der Vernehmlassung hat die überwiegende Mehrheit der Teilneh- menden die Totalrevision grundsätz- lich begrüsst. Von einer Minderheit wurde sie als Verletzung der Kompe- tenzverteilung zwischen Bund und Kantonen abgelehnt. Der Kritik eini- ger Kantone, die vorgesehene An- schubfinanzierung zugunsten der Kantone sei interventionistisch, wur- de im Gesetzesentwurf und der Bot- schaft Rechnung getragen. 6. IV-Revision, zweites Mass- nahmenpaket: letzter Schritt zur nachhaltigen Sanierung der Invalidenversicherung Die «IV-Revision 6b» ist das letzte Element des Massnahmenplans zur Sanierung der IV. Dank der 4. und 5. IV-Revision wur- de die Anzahl der neuen IV-Renten seit 2003 um 45 Prozent gesenkt und das Defizit der IV wurde stabilisiert. Von 2011 bis Ende 2017 verschafft die Zusatzfinanzierung der IV Einnah- men aus der Mehrwertsteuer, welche das Defizit vorübergehend beseitigen und die Schulden der IV bei der AHV einfrieren und sogar abbauen. Die 6. IV-Revision schliesslich hat gemäss Auftrag des Parlaments die nachhaltige Sanierung der Invaliden- versicherung insbesondere durch eine Senkung der Ausgaben zum Ziel. Ihr erster Teil, die «IV-Revision 6a», er- schliesst die Hälfte der notwendigen Einsparungen und ist bereits in der parlamentarischen Beratung. Mit der in die Vernehmlassung geschickten «IV-Revision 6b» soll die Rechnung der IV vollständig ausgeglichen wer- den und ihre Schulden bei der AHV sollen getilgt werden. Die Massnah- men intensivieren die Prävention und Eingliederung und ermöglichen nam- hafte Einsparungen. Massnahmen auf Gesetzesstufe Stufenloses Rentensystem Das gel- tende System mit vier fixen Renten- stufen führt zu Schwelleneffekten, die die Eingliederungsbemühungen un- terlaufen. Es bestraft beispielsweise IV-RentnerInnen, wenn sie eine Er- werbstätigkeit aufnehmen oder ihr Arbeitspensum in einem Ausmass erhöhen, das zu einer tieferen Ren- tenstufe führt, wenn der Rentenver- lust grösser ist als das zusätzlich er- zielte Einkommen. Vorgeschlagen wird darum ein stufenloses Ansteigen der Rentenbeträge in Abhängigkeit vom Invaliditätsgrad. Einerseits setzt Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 342 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 dies einen wesentlichen Anreiz für Invalide, ihre Erwerbsfähigkeit so weit als möglich zu steigern, und an- derseits ermöglicht es Einsparungen auf den Renten. Für 55-jährige und ältere Versicherte wird der Besitz- stand gewahrt. Prävention und verstärkte Einglie- derung Die Früherfassung und die auf Menschen mit psychischen Proble- men ausgerichteten Integrations- massnahmen, die mit der 5. IV-Revi- sion eingeführt wurden, werden er- weitert und flexibler ausgestaltet. Eine eingliederungsorientierte Bera- tung und Begleitung der Versicherten und der Arbeitgebenden verstärkt die Prävention von Invalidität. Die IV- Stellen werden die Eingliederungsfä- higkeit in einem interprofessionellen Assessment erheben, und die Kom- petenzen der regionalen ärztlichen Dienste werden ausgebaut, um eine bessere Koordination zwischen ärzt- lichen Abklärungen und Eingliede- rungstätigkeit der IV zu erreichen. Dieses Massnahmenbündel dürfte die Eingliederungsrate insbesondere von Versicherten mit psychischen Proble- men erhöhen. Anpassung Zusatzrenten für Rent- nerInnen mit Kindern BezügerInnen einer IV-Rente erhalten für jedes Kind bis 18 Jahre, oder bis 25 Jahre wenn es in Ausbildung ist, eine Zu- satzrente. Sie beträgt 40 Prozent der Invalidenrente. Das Ersatzeinkom- men zur Kompensation der Kinder- kosten, die invalide Eltern zu tragen haben, wurde ursprünglich hauptsäch- lich von der IV abgedeckt. Im Ver- gleich zu den effektiven heutigen Kinderkosten und angesichts der Leistungen und aktuellen Ansätze anderer Sozialsysteme wird der gel- tende Ansatz der IV als hoch betrach- tet. Aus diesen Gründen soll er von 40 Prozent auf 30 Prozent der Invali- denrente angepasst werden. Anpassung der Übernahme von Reisekosten Reisekosten, die sich we- gen einer von der IV finanzierten Heil- behandlung oder anderen Eingliede- rungsmassnahme ergeben, werden nach heutiger Praxis zu grosszügig von der Versicherung vergütet. Mit der Neuregelung wird die Kostenübernah- me wieder auf die vom Gesetzgeber ursprünglich vorgesehene Leistung begrenzt, das heisst auf die Übernah- me der behinderungsbedingten und aufgrund einer Eingliederungsmass- nahme effektiv notwendigen Kosten. Massnahmen auf Verordnungs- und Weisungsebene Berufliche Integration von Sonder- schulabgängern und -abgängerinnen Die IV-Anlehre ist eine niederschwel- lige Ausbildung, die meistens in ge- schützten Werkstätten absolviert wird. Da die Eingliederungswirkung dieser IV-Leistung und ihre Kosten heute in einem sehr schlechten Verhältnis zu- einander stehen, wird die Leistung effizienter ausgestaltet, ohne dass die jungen Versicherten deswegen einen Nachteil erleiden. Die leistungsstär- keren Jugendlichen mit gesundheitli- chen Problemen sollen intensiver auf eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden, während die leis- tungsschwächeren weiterhin in einer angepassten geschützten Umgebung arbeiten können. Beiträge an Organisationen Die IV subventioniert die Dachorganisatio- nen der privaten Invalidenhilfe für die Beratung und Betreuung der In- validen und ihrer Angehörigen sowie für Kurse zur Förderung und Integra- tion von Invaliden. Mindestens für die Zeit der Zusatzfinanzierung (2011 bis 2017) sollen diese Beiträge nicht mehr der Teuerung angepasst werden, und sie werden begrenzt. Für eine Erwei- terung der Dienstleistungen werden zudem keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt. Entschuldung der IV und Mechanismus für eine ausgeglichene Rechnung Schuldenabbau Nach dem Auslau- fen der befristeten Mehrwertsteuer- einnahmen für die IV wird die Versi- cherung 2018 mit rund 10 Mia. Fran- ken bei der AHV verschuldet sein. Um die IV vollständig zu sanieren, muss diese Schuld amortisiert werden. Dafür sieht die Revision vor, dass bei einem Stand des IV-Fonds von 50 Prozent oder mehr einer Jahresaus- gabe der über diesem Mindestfonds- stand liegende Kapitalanteil zum Schuldenabbau an den AHV-Fonds überwiesen wird. Auf Basis der aktu- ellen Projektionen ist es möglich, die IV bis 2028 zu entschulden. Ein Interventionsmechanismus soll die Liquidität des IV-Fonds sicher- stellen und künftig Defizite und Schulden der Versicherung verhin- dern. Zwei Varianten werden zur Dis- kussion gestellt. In beiden löst der Mechanismus Massnahmen aus, wenn der Stand des IV-Fonds unter 40 Pro- zent einer Jahresausgabe fällt. In die- sem Fall muss der Bundesrat dem Parlament Gesetzesänderungen vor- schlagen, um die Rechnung wieder auszugleichen. Zur raschen Sicher- stellung der Liquidität muss der Bun- desrat in Variante 1 die Lohnbeiträge für die IV um höchstens 0,2 Prozent- punkte erhöhen, wenn der Fonds- stand unter 40 Prozent fällt. In Vari- ante 2 erhöht er die Beiträge erst, wenn der Fondsstand unter 30 Pro- zent fällt, dann aber um 0,3 Prozent- punkte. Zudem senkt er dann auch die Renten um 5 Prozent. Betrugsbekämpfung in anderen Sozialversicherungen Mit der 5. IV-Revision hat die IV die Möglichkeit erhalten, gegen Per- sonen, die unter Betrugsverdacht stehen, Observationen durchführen zu können. Die IV hat ihre Betrugs- bekämpfung neu aufgebaut und ver- stärkt und geht seit August 2008 dabei nach einem einheitlichen Konzept vor. Da Betrugsbekämpfung auch in anderen Sozialversicherungen durch- geführt wird, werden die entsprechen- den gesetzlichen Grundlagen und aktualisierte Verfahrensvorschriften im Bundesgesetz über den Allgemei- nen Teil des Sozialversicherungs- rechts (ATSG) verankert. Finanzielle Auswirkungen der IV-Revision 6b Die Revision 6b entlastet die Rech- nung der IV im Projektionszeitraum Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 343 2019 bis 2028 um jährlich durch- schnittlich rund 800 Mio. Franken. Dies gewährleistet eine nachhaltig ausgeglichene Rechnung der Invali- denversicherung und ermöglicht die Tilgung ihrer Schulden bis voraus- sichtlich 2028, womit der Auftrag des Parlaments vollständig erfüllt wird. Reform der AHV: Schritte nach dem Parlamentsentscheid – Das EDI sieht zwei parallele Reformen nach Konsultationen vor Nach dem negativen Parlaments- entscheid zur 11. AHV-Revision will das EDI die Reform der AHV rasch wieder in Gang bringen. Die AHV ist eines der wichtigsten Sozialwerke unseres Landes und ein wesentlicher Pfeiler der schweizeri- schen Altersvorsorge. Heute ist diese Versicherung finanziell gesund, aber mittel- und langfristig muss ihre Fi- nanzierung wegen der demografi- schen Entwicklung und der Alterung der Bevölkerung erst sichergestellt werden. Für den Bundesrat ist es ent- scheidend, garantieren zu können, dass die AHV auch über das nächste Jahrzehnt hinaus ihre Renten jeder- zeit auszahlen kann. Um zu vermei- den, dass der AHV-Fonds geleert wird und sich die Versicherung verschul- den muss, will das EDI ein Revisions- projekt ausarbeiten, dessen Ziel es ist, die Finanzierung der AHV langfristig sicherzustellen. Zudem benötigt die AHV mehrere technische Anpassungen, um die Ver- sicherung effizienter durchführen zu können. Auch bei der Beitragserhe- bung gibt es Lücken und Mängel, die behoben werden müssen. Diese Punk- te, die auch in der abgelehnten 11. AHV-Revision enthalten waren, fanden in der parlamentarischen Be- ratung breite Unterstützung. Daher beabsichtigt das EDI, die nicht be- strittenen und für den Betrieb der Versicherung notwendigen Anpas- sungen in einem separaten Gesetzge- bungsprojekt (neues Gesetz über die Umsetzung der AHV) zusammenzu- fassen. Auf diese Weise können die notwendigen Arbeiten für die Moder- nisierung unseres Systems der Alters- vorsorge ohne Zeitverzug aufgenom- men werden. Rosmarie Marolf, lic. phil., Chefredaktorin «Soziale Sicherheit/CHSS», Kommunikation, BSV. E-Mail: rosmarie.marolf@bsv.admin.ch Sozialpolitik Änderungen ab 1. Januar 2011 344 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 familie, generationen, gesellschaft Familie, Generationen, Gesellschaft Alterspolitik Caroline Moor Mike Martin Universität Zürich Universität Zürich Alterspolitik in den Kantonen: eine Bestandesaufnahme Seit gut drei Jahren liegt eine Strategie für eine schweizerische Alters­ politik vor. Auch die meisten Kantone verfügen über alterspolitische Leitlinien, Konzepte oder Berichte. Im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen wurden diese Dokumente nun einer Bestandes­ aufnahme unterzogen und zusammen mit der bundesrätlichen Strategie vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und gerontologischen Diskussion analysiert. Für die Ausrichtung von Alterspolitik sind inter­ national diskutierte Ansätze wie Partizipation, Mainstreaming und Lebensqualität von zentraler Bedeutung. Der Bundesrat hat 2007 in Beantwor- tung eines parlamentarischen Vorstos- ses (Postulat Leutenegger Oberholzer 03.3541) eine Strategie für eine schwei- zerische Alterspolitik vorgelegt.1 Im Kern liegt dieser Strategie – nebst der traditionellen, bedürfnisorientierten Sicherstellung der notwendigen Mittel – hauptsächlich ein ressourcen- und potenzialorientierter Ansatz zugrun- de: Es geht um die Förderung der wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Partizipation der älteren Bevölkerung, deren Engagement und Solidarität sowie um die Stärkung von Autonomie und Selbstbestimmung. Als Planungs- und Entscheidungs- grundlage für die weitere Entwick- lung der schweizerischen Alterspoli- tik im Sinne einer gesamtheitlichen Ausrichtung wurde im Auftrag des BSV eine Bestandesaufnahme von bestehenden Formen und Ausprägun- gen kantonaler Alterspolitik vorge- nommen. Dazu wurden von den Kan- tonen zu einem Stichtag im Frühling 2009 die vorhandenen Dokumente zur Alterspolitik auf kantonaler Ebe- ne angefordert (Leitbilder, Alterskon- zepte, Berichte etc.). In den meisten Kantonen ein Thema Die Analyse des erhaltenen Mate- rials ergab, dass 21 Kantone über eine schriftlich festgelegte Position zur Alterspolitik verfügen. Vier Kantone haben (noch) keine eigenständige Position zur Alterspolitik entwickelt, und von einem Kanton erfolgte keine Rückmeldung, ob eine Alterspolitik vorliege. Die kantonalen Alterspoli- tiken sind unterschiedlich deklariert. Die häufigsten Bezeichnungen sind Altersleitbild, Alterspolitik, Alters- planung und Alterskonzept. Mehrere Kantone überarbeiten aktuell die be- stehende Alterspolitik, einzelne schon zum dritten Mal. Die meisten Kantone anerkennen, dass die Lebenslagen und Bedürfnis- se von Menschen im höheren Lebens- alter vielfältig sind, und dass dies eine Vielfalt an politischen Massnahmen bedingt. Gleichwohl unterscheiden sich die Kantone teilweise erheblich bezüglich ihrer konkreten alterspoli- tischen Schwerpunkte. Einige Kanto- ne sind in ihrem Themenspektrum eher eng gehalten und befassen sich hauptsächlich mit Aspekten des Woh- nens und der Pflegeplanung. Quasi am anderen Pol angesiedelt sind Kan- tone mit einem sehr breiten Verständ- nis von alterspolitischem Handeln, welches die ältere Bevölkerung als aktiven Partner berücksichtigt, deren Leistung es zu nutzen und anerken- nen gilt. Diese Alterspolitiken sind häufig in Form von Leitbildern zu finden. Unterschiedliche Schwerpunkte Die meisten kantonalen Alters- politiken formulieren alterspolitische Ziele. Häufig sind diese in den Berei- 1 Bundesrat (2007). Strategie für eine schwei- zerische Alterspolitik. Bericht des Bundesrates (In Erfüllung des Postulates Leutenegger Ober- holzer [03.3541] vom 3. Oktober 2003) 29. Au- gust 2007. [On-line]. Available: www.bsv.ad- min.ch//themen/kinder_jugend_alter/01608/ index.html Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 345 Familie, Generationen, Gesellschaft Alterspolitik chen Kultur, Bildung, Freizeit, Sport, Gesundheit und Prävention, Bera- tung, Wohnen, Pflege, Unterstützung und Betreuung sowie Qualitätssiche- rung angesiedelt. Es bestehen inter- kantonal aber grosse Unterschiede hinsichtlich der Auswahl inhaltlicher Schwerpunkte sowie im Detaillie- rungsgrad von Zielformulierungen. Nicht alle Kantone legen fest, mit wel- chen Massnahmen die Ziele der Al- terspolitik erreicht werden sollen und in welchem Zeitraum, und kaum ein Kanton thematisiert, wie und durch wen die Wirksamkeit von Massnah- men überprüft (evaluiert) werden soll. Auf die Bundesstrategie wird in den Kantonen bisher kaum explizit Bezug genommen. Da die meisten Politiken formuliert wurden, bevor die natio- nale Strategie 2007 publiziert wurde, ist dies auch zu erwarten. Dennoch stimmen viele Kantone in einigen Punkten mit der Bundesstrategie überein, zumindest was die Schwer- punktsetzung betrifft. Die meisten Kantone thematisieren die Bereiche Gesundheitsförderung und Präven­ tion, Unterstützung von informell Pfle­ genden sowie die integrierte Planung von Gesundheitsdiensten bereits in ihren Alterspolitiken. Weniger häufig vertreten sind die Themen Palliativ­ pflege, menschengerechte Raumpla­ nung und die autonome Benützung des öffentlichen Verkehrs. Betrieb liche oder arbeitsmarktbezogene Massnah­ men, um die Arbeitsmarktchancen älterer Menschen zu erhöhen, werden in den untersuchten kantonalen Al- terspolitiken hingegen kaum bis gar nicht thematisiert, ebenso wenig die Themen Case Management oder das Mitbestimmungsrecht pflegebedürfti­ ger Menschen. Je nach Schwerpunkten innerhalb einer kantonalen Alterspolitik sind für die Planung unterschiedliche Kennzahlen notwendig. In der Regel hat der Bereich Pflege und Betreu- ung einen zentralen Stellenwert in den Kantonen; die entsprechenden Daten werden regelmässig erhoben und häufig auch in den untersuchten Dokumenten dargestellt. Bei Kanto- nen allerdings, die eine breiter gefä- cherte Alterspolitik verfolgen, insbe- sondere jene, die auf die Stärkung von Ressourcen und die Einbindung älterer Menschen abzielen, fehlen zurzeit noch weitgehend Angaben dazu, auf welche Datenbasis sie sich z.B. in den Bereichen Prävention, Bildung, Freiwilligenarbeit oder Par- tizipation stützen. Aus gerontologischer Sicht wichtige Aspekte der Alters­ politik Die traditionellen Pfeiler von Al- terspolitik sind die materielle Exis- tenzsicherung und die gesundheit- liche Versorgung im Alter. Heute ist das Verständnis von Alterspolitik um- fassender und bezieht sich auf sämt- liche Strategien und Massnahmen, die auf die Lebenssituation älterer Men- schen und deren Umfeld gerichtet sind. Alterspolitik ist aber nicht nur als breiter Fächer mit vielen Hand- lungsfeldern und Akteuren zu verste- hen: Noch wichtiger ist, dass sich das Grundverständnis der demografi- schen Entwicklung als ein Problem auszudifferenzieren beginnt hin zu einem gleichzeitigen Begreifen des Alterns als Chance für das Individu- um wie auch für die Gesellschaft.2,3 Aus der aktuellen internationalen alterspolitisch-gerontologischen Dis- kussion greifen wir an dieser Stelle vier Ansatzpunkte heraus, die aus un- serer Sicht wichtige Grundlagen bieten für die Ausrichtung kantonaler wie auch nationaler Alterspolitik: (1) die differenzierte Betrachtung von Alter(n)sprozessen und entsprechen- den Altersbildern, (2) der Main-Main- streaming-Gedanke, (3) die Partizi-Gedanke, (3) die Partizi- pation älterer Menschen sowie (4) die Orientierung von Alterspolitik am Konzept der Lebensqualität. Heterogenität des Alter(n)s und differenzierte Altersbilder Die gerontologische Datenlage weist schon seit längerem klar darauf hin, dass es «das Alter» nicht gibt. Ältere Menschen unterscheiden sich nicht nur bezüglich ihrer körper- lichen, geistigen und sozialen Funk- tionen, ihrer Lebensstile und ihrer materiellen Bedürfnisse beträchtlich: auch der Prozess des Älterwerdens verläuft von Mensch zu Mensch und von Generation zu Generation unter- schiedlich. In Politik und Gesellschaft sind deshalb differenzierte Altersbil- der nötig, die das höhere Lebensalter weder einseitig als defizitäre Lebens- phase begreifen, noch (im Bestreben, eine defizitäre Sicht zu überwinden) einseitig die Stärken und Potenziale eines «aktiven» Alters betonen (was auch negative Auswirkungen haben kann). Einige Kantone schlagen vor, zwei Phasen des Alters zu unterschei- den – die Phase des aktiven Rentenal- ters (drittes Alter) und diejenige der verstärkten Abhängigkeit (viertes Alter). Allerdings richtet einzig der Kanton Basel-Stadt sein Altersleitbild konsequent entlang dieser Differen- zierung aus, indem er klar die Senio- renpolitik von der Alterspflegepolitik trennt. Einzelne kantonale Alterspolitiken diskutieren auch die Bedeutung des gesellschaftlichen Altersbilds, welches nach wie vor mit Vorurteilen belastet und zu undifferenziert sei. Als Mass- nahme dagegen fordert etwa der Kan- ton Thurgau, dass Kanton, Gemein- den, private Trägerschaften und Me- dien in ihrer schriftlichen und münd- lichen Kommunikation darauf zu achten hätten, dass die gängigen Vor- urteile über das Alter abgebaut und mit einem positiven Bild des Alterns ersetzt würden, das die Kompetenzen und Potenziale im dritten Lebensab- schnitt betone. Schliesslich gehört zu einem be- wussten Umgang mit Altersbildern auch, dass Altersfragen öffentlich und 2 Bertelsmann Stiftung (2007, Hrsg.). Alter neu denken – Gesellschaftliches Altern als Chance begreifen. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stif- tung. 3 Bundesamt für Sozialversicherungen (2002). Langlebigkeit – gesellschaftliche Herausforde- rung und kulturelle Chance. Bern: Bundesamt für Sozialversicherungen. 346 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 generationenübergreifend themati- siert und reflektiert werden. Weder die Bundesstrategie noch die kanto- nalen Alterspolitiken formulieren Ziele oder Massnahmen, die auf einen Anstoss des öffentlichen Diskurses über das Alter und Altern abzielen, obschon einzelne Kantone diesen Aspekt thematisieren. Der Kanton Genf etwa will die Bevölkerung da- hingehend sensibilisieren, alle Phasen des Alters bis zum Tod als Teil des Lebens anzuerkennen und diese ver- mehrt ins eigene «Lebensprojekt» zu integrieren: «Expliquer à la popula- tion que la trajectoire de vie intègre l’avance en âge, la vieillesse et la mort, afin de mieux concevoir les besoins de chaque tranche de la population. Il s’agit, en particulier, d’intégrer le vieillissement et ses conséquences dans son propre projet de vie pour mieux anticiper les soins et l’héber- gement nécessaires à l’âge extrême de la vie.» Mainstreaming: Einbettung des Alters und Alterns in die Gesamt- gesellschaft «Alter geht uns alle an» lauten die Titel der kantonalen Altersleitbilder von Luzern und Uri. Sie sind ein Ap- pell, Alterspolitik als Gegenstand von allgemeinem gesellschaftlichem und politischem Interesse zu verstehen. Auf internationaler Ebene wird dieser Gedanke in der ersten Verpflichtung zur Umsetzung der Regionalen Im- plementierungsstrategie des Madrid- plans folgendermassen festgehalten: «Einbeziehung der Dimension des Alterns in alle politischen Bereiche, um Gesellschaften und Volkswirtschaften mit dem demografischen Wandel in Einklang zu bringen und eine Gesell­ schaft für alle Lebensalter zu verwirk­ lichen.»4 Hier ist die Notwendigkeit eines Mainstreaming angesprochen, also der Öffnung der Alterspolitik gegenüber anderen Politikbereichen wie Gesundheits-, Sozial-, Siedlungs-, Verkehrs- oder Wirtschaftspolitik so- wie gegenüber anderen Generatio- nen. Dies wird auch in der Strategie für eine Schweizerische Alterspolitik thematisiert: Laut Bundesstrategie wird die Alterspolitik durch die An- passung an die ältere Gesellschaft von morgen und an die jungen Leute von heute (im Hinblick auf deren Alte- rung) zur Politik für alle Altersgrup- pen und Generationen. Nur sehr wenige kantonale Doku- mente thematisieren bislang explizit den Mainstreaming-Gedanken. Wenn, dann wird er eher im Sinne einer Öff- nung gegenüber anderen Politikbe- reichen diskutiert und seltener als Öffnung gegenüber anderen Genera- tionen. Partizipation älterer Menschen auf allen Ebenen Das Konzept der «Partizipation Betroffener» gewinnt auch in der Al- terspolitik zunehmend an Bedeutung. Der Grundgedanke von Partizipation meint hier, dass ältere Menschen nicht lediglich innerhalb der gegebenen (d.h. in der Regel von jüngeren Ge- nerationen festgelegten) Rahmenbe- dingungen und Möglichkeiten mög- lichst selbstbestimmt handeln, son- dern diese Rahmenbedingungen und Möglichkeiten eben auch selber mit- gestalten sollen. Oder wie es der Kan- ton Obwalden prägnant formuliert: «Der alte Mensch darf nicht nur als Konsument und Mitläufer gern gese- hen sein, sondern auch in der Rolle des Entscheidungsträgers.» Die Im- plementierungsstrategie zum Madrid- plan formuliert diesen Gedanken in ihrer zweiten Verpflichtung: «Ge­ währleistung der vollen gesellschaft­ lichen Integration und Teilhabe der älteren Menschen.» Diese Verpflich- tung beinhaltet unter anderem die (gleichberechtigte) Mitwirkung älte- rer Menschen an sozialen, ökonomi- schen, politischen und kulturellen Aktivitäten, aber auch die konse- quente Anerkennung der Tatsache, dass ältere Menschen die besten An- wälte in eigner Sache sind. Bereits 1993 forderte die Schweize- rische Gesellschaft für Gerontologie in ihrem Leitfaden zum Altersleitbild dazu auf, ältere Menschen bei der Entwicklung und Umsetzung von Al- terspolitik aktiv zu beteiligen.5 Nur eine Minderheit der analysierten Dokumente thematisiert jedoch eine aktive Einbindung der älteren Bevöl- kerung in der kantonalen Alters- politik. Der Kanton Solothurn etwa schlägt Altersforen auf kommunaler oder regionaler Ebene vor und argu- mentiert, dass die intellektuellen, wirtschaftlichen und sozialen Fähig- keiten von Seniorinnen und Senioren nicht nur in der Freiwilligenarbeit, sondern auch politisch genutzt wer- den sollten. Auch der Kanton Thurgau bedauert, dass noch allzu häufig aus der Sicht der Jungen für die Älteren geplant und entschieden werde, ohne dass deren Bedürfnisse angemessen erfasst würden. Als Massnahme wird gefordert, dass sich Kanton, Gemein- den und private Trägerschaften be- mühen, die Älteren bzw. deren Ange- hörige in die Planung von Angeboten einzubeziehen. Dies könne durch eine direkte Vertretung in Planungskom- missionen, durch Gespräche mit Äl- teren aber auch durch systematische Kundenerhebungen der Bedürfnisse und der Zufriedenheit mit Diensten und Angeboten erfolgen. Der Kanton Luzern will auf allen politischen Ebenen und in allen Ins- titutionen praktische Möglichkeiten für Mitsprache und Mitbestimmung schaffen. Entsprechend empfiehlt die Luzerner Kommission für Altersfra- gen, in allen Gemeinden einen Seni- orenrat einzurichten. Inzwischen existieren auch in einigen Kantonen Seniorenräte. Insbesondere der Kan- ton Basel-Stadt macht sich in dieser Hinsicht sehr stark und bezieht laut seiner Leitlinien die ältere Genera- tion als eine wesentliche gesellschaft- liche Bevölkerungsgruppe in seine Entscheidungsprozesse mit ein; als Gesprächs- und Kontaktforum zwi- 4 Regional Implementation Strategy for the Ma- drid International Plan of Ageing 2002 (ECE/ AC.23/2002/2/Rev.6). [On-line]. Available: www.un.org/ageing/impl_map.html 5 Schweizerische Gesellschaft für Gerontologie (1993). Aktive Alterspolitik in der Gemeinde: Altersleitbild – ein möglicher Weg. Bern: Schweizerische Gesellschaft für Gerontologie. Familie, Generationen, Gesellschaft Alterspolitik Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 347 schen Regierungsrat und Verwaltung einerseits und den Seniorenorganisa- tionen andererseits dient das Senio- renforum Basel. Ausrichtung von Alterspolitik an der Lebensqualität Laut dem Leitfaden der Schweize- rischen Gesellschaft für Gerontologie sollte im Zentrum von Alterspolitik eine gute Lebensqualität für alle Al- tersgruppen stehen. Rund die Hälfte der 21 untersuchten Kantone nennt denn auch die Förderung von Lebens- qualität als ein alterspolitisches Leit- prinzip oder Hauptziel. Der Kanton St.Gallen konstatierte bereits in sei- nem Altersleitbild von 1996, dass sich die politischen Prioritäten zwar ver- schoben hätten von der Erhöhung der Lebenserwartung zur Sicherung der Lebensqualität, die Aufgabe aber dadurch nicht einfacher werde, denn es gelte zu klären, was denn unter Lebensqualität überhaupt zu verste- hen sei. Tatsächlich wird das Konzept «Le- bensqualität» auch in den analysier- ten kantonalen Dokumenten nicht genauer definiert. Laut der Weltge- sundheitsorganisation (WHO) kann Lebensqualität letztlich nur aus der subjektiven Perspektive eines Men- schen heraus beurteilt werden: Le- bensqualität ist die subjektive Wahr- nehmung einer Person über ihre Stellung im Leben, in Bezug zur Kul- tur und den Wertesystemen, in denen sie lebt, in Bezug auf ihre Ziele, Er- wartungen, Standards. Es ist ein kom- plexes Zusammenspiel von Wahrneh- mungs- und Bewertungsprozessen einer Person bezüglich ihres körper- lichen und psychischen Zustands, bezüglich ihrer Autonomie, ihrer so- zialen Beziehungen, ihrer Wertevor- stellungen und ihrer Umwelt. Dies impliziert auch, dass sich die Defini- tion der eigenen Lebensqualität je nach Lebenslage und Gestaltungs- möglichkeiten ändern kann. Diese subjektive Sichtweise von Lebensqualität mag für die Praxis auf den ersten Blick unbequem sein. Ihr grosser Vorteil ist jedoch, dass sie zur notwendigen Auseinandersetzung mit der Frage zwingt, was überhaupt die Lebensqualität bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, bei unter- schiedlichen Menschen und in unter- schiedlichen Lebenslagen ausmacht. In einem nächsten Schritt wäre dann zu überlegen, welche Indikatoren zur «Messung» von Lebensqualität her- angezogen werden könnten. Diese sind nötig, wenn wir wissen wollen, ob wir mit unseren politischen Mass- nahmen das Ziel «Lebensqualität si- chern» erreichen oder nicht, welche Massnahmen besonders effektiv sind, und welche weniger. Ansonsten wür- de Lebensqualität eine Leitidee blei- ben, die als alterspolitisches Ziel zwar einleuchtet, aber praktisch nicht gut überprüft werden kann. Voneinander lernen Im Bericht «Kantonale Alterspoli- tiken in der Schweiz» werden auf der Basis der Ergebnisse Empfehlungen an den Bund und an die Kantone ab- gegeben in Richtung einer denkbaren interkantonalen Abstimmung von Alterspolitik. Zudem werden The- menbereiche eruiert, die in der kan- tonalen Alterspolitik noch wenig berücksichtigt werden: die aktive Par- tizipation der älteren Bevölkerung, Mitsprache- und Mitbestimmungs- möglichkeiten auch für pflegebedürf- tige Menschen, palliative Pflege bzw. Sterbebegleitung, ausserfamiliäre Ge- nerationenkontakte sowie die konse- quente Ausrichtung von Alterspolitik am Prinzip Lebensqualität. Im Rahmen der Bestandesaufnah- me kantonaler Alterspolitik wurde klar, dass es nicht darum gehen kann, die Kantone mittels eines «Rating» zu vergleichen. Dies hat – abgesehen von der enormen Heterogenität zwi- schen den Kantonen – auch mit un- terschiedlichen kantonalen Ressour- cen- und Problemlagen zu tun sowie nicht zuletzt mit der Tatsache, dass sich einige Kantone schon länger mit Alterspolitik befassen als andere. Ge- rade aus diesem Grund dürfte sich ein Austausch zwischen den Kantonen als sehr fruchtbar erweisen; dieser Wunsch wurde auch von verschiede- nen Kantonen an die Autoren des Berichts geäussert. Caroline Moor, Dr. phil., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich. E-Mail: c.moor@zfg.uzh.ch Mike Martin, Prof. Dr. phil., Professor für Gerontopsychologie am Psychologischen Institut und Direktor des Zentrums für Gerontologie der Universität Zürich. E-Mail: m.martin@psychologie.uzh.ch Familie, Generationen, Gesellschaft Alterspolitik Bericht «Kantonale Alters- politiken in der Schweiz» Der Bericht «Kantonale Alterspolitiken in der Schweiz» kann im Internet abgerufen werden unter www.bsv.admin.ch/praxis/forschung/ publikationen/ Gedruckte Exemplare dieses Berichts können bezogen werden via Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, 3003 Bern, www.bundes publikationen.ch (Bestellnummer 318.010.11/10d). 348 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Familie, Generationen, Gesellschaft Elternzeit Jürg Krummenacher Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) Es ist Zeit für «Elternzeit und Elterngeld» in der Schweiz Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) fordert in ihrer neusten Publikation die Einführung einer Elternzeit und eines Elterngeldes in der Schweiz. Die EKFF hat dazu ein detailliertes Modell mit Kostenfolgen und Finanzierungsvorschlägen erarbeitet. Die EKFF schätzt die Kosten für die Einführung einer Elternzeit auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Franken. Eine Finanzierung des Elterngeldes über die Erwerbsersatzordnung EO würde eine Erhöhung bei den Lohnprozenten von je 0,2 Prozent für Arbeitnehmende und Arbeitgebende bedeuten. Bei einer Finanzierung über die Mehrwertsteuer müsste der Satz um 0,4 bis 0,5 Prozent angehoben werden. Seit dem 1. Juli 2005 erhalten erwerbs- tätige Frauen in der Schweiz während 14 Wochen eine Mutterschaftsent- schädigung, die 80 Prozent des Er- werbseinkommens beträgt. Ein Va- terschaftsurlaub ist in keinem Bun- desgesetz geregelt. Er gilt als «übli- cher freier Tag» gemäss Obligationen- recht (OR) oder als Sonderurlaub, den Arbeitnehmende beziehen kön- nen, um persönliche Angelegenheiten während der Arbeitszeit zu regeln. Aus eigener Initiative bieten einzelne Unternehmungen, private und öffent- liche Institutionen nach der Geburt eines Kindes einen Vaterschaftsur- laub von ein paar Tagen bis zu meh- reren Wochen an. Davon profitieren kann aber nur ein kleiner Teil der Ar- beitnehmenden. Aus familienpolitischer Sicht genü- gen die aktuelle Mutterschaftsent- schädigung und der in einzelnen Fir- men gewährte Vaterschaftsurlaub nicht, um Familien in den ersten Le- bensjahren nach der Geburt eines Kindes zu entlasten. Die EKFF for- dert deshalb eine gesetzliche Rege- lung für die Einführung einer Eltern- zeit und eines Elterngeldes auch in der Schweiz. Die EKFF spricht be- wusst nicht von «Elternurlaub». Den Begriff Urlaub erachtet die EKFF nicht als treffende Bezeichnung für die Übernahme von familialen Be- treuungsaufgaben. Um diese Forderung zu konkreti- sieren hat die EKFF ein detailliertes Modell entwickelt, das sich am Ge- setzesentwurf im Kanton Genf orien- tiert. Das Modell der EKFF enthält alle konzeptionellen Eckpunkte zu Anspruchsberechtigung, Bezugsdau- er, Höhe des Elterngeldes, Verhältnis zu anderen Sozialleistungen und Re- gelung der Rechte vor, während und nach der Elternzeit. Im Auftrag der EKFF hat das Büro BASS zudem die möglichen Kostenfolgen dieses Mo- dells berechnet. Gleichzeitig wurden auch zwei Finanzierungsvarianten erarbeitet. Das Modell der EKFF für Elternzeit und Elterngeld in der Schweiz Das Modell der EKFF sieht eine maximale Bezugsdauer von 24 Wochen vor. Je vier Wochen davon entsprechen einem individuellen Anspruch von Mutter oder Vater. Das heisst, sie kön- nen nur von dieser Person bezogen werden. Wie die Erfahrungen in ande- ren Ländern zeigen, ist eine solche Regelung wichtig, um eine stärkere Beteiligung der Väter an der Elternzeit zu bewirken. Die Elternzeit steht grundsätzlich beiden Elternteilen of- fen. Das Kriterium ist das Sorgerecht. Die Bezugsperiode dauert von der Geburt bis zur Einschulung. Ein Be- zug in Teilabschnitten soll möglich sein. Die Einkommensersatzrate wird wie bei der Mutterschaftsentschädi- gung auf 80 Prozent festgesetzt mit einem Plafond nach oben von 196 Franken pro Tag. Massgebend ist bei den Unselbstständigerwerbenden der Bruttolohn, bei den Selbstständiger- familie, generationen, gesellschaft Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 349 werbenden der AHV-versicherte Bruttolohn. Überall dort, wo ein Mutterschafts- und/oder Vaterschaftsurlaub besteht, kommen Elternzeit und Elterngeld zeitlich später und sollen kein Ersatz für diese geburtsbezogene Regelun- gen sein. Bezüglich des Anspruchs auf andere Transfereinkommen, bei- spielsweise Arbeitslosenunterstüt- zung, soll die gleiche Regelung wie bei der Mutterschaftsentschädigung gelten. Die EKFF rechnet mit Kosten für dieses Modell in der Grössenordnung von 1,1 bis 1,2 Milliarden Franken. Die Kosten hängen jedoch davon ab, wie hoch die Bezugsquote ist und wie die Aufteilung zwischen den Ge- schlechtern aussieht. Sollten die Väter mehr als die vier Wochen, auf die sie einen individuellen Anspruch haben, beziehen, wären die Kosten höher, weil die Ersatzeinkommen der Väter kumuliert um mehr als 80 Prozent über den kumulierten Ersatzeinkom- men der Mütter liegen. Das vorge- schlagene EKFF-Modell ist deutlich kostengünstiger als es die beiden zum Vergleich herangezogenen ausländi- schen Modelle (Deutschland und Is- land) wären. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die vorgeschlagene kür- zere Bezugsdauer. Die Finanzierung des Elterngeldes kann nach Meinung der EKFF über die Erwerbsersatzordnung EO oder über die Mehrwertsteuer erfolgen. Eine Finanzierung über die Er- werbsersatzordnung EO würde eine Erhöhung der abzuziehenden Lohn- prozente von je 0,2 Prozent für Ar- beitnehmende und Arbeitgebende bedeuten. Bei einer Finanzierung über die Mehrwertsteuer müsste der Normalsatz um 0,4 bis 0,5 Prozent angehoben werden. Die EKFF liess auch die Kosten von verschiedenen Varianten berechnen. Damit soll im Hinblick auf die politi- sche Debatte ein Instrumentarium bereitgestellt werden, das es ermög- licht, auch alternative Ausgestaltun- gen eines Elterngeldes auf ihre Kos- tenwirkung zu prüfen. Rechtliche Grundlagen Die EKFF hat auch die rechtliche Frage geprüft, welche Gemeinwesen (Bund oder Kantone) unter gelten- dem Recht berechtigt sind, eine El- ternzeit und ein Elterngeld einzufüh- ren. Art. 122 Abs. 1 der Bundesver- fassung weist die Rechtsetzungskom- petenz auf dem Gebiet des Privat- rechts dem Bund zu. Diese Aufgabe hat er mit dem Erlass von ZGB und OR erfüllt, womit den Kantonen seit deren Inkrafttreten im Bereich des Privatrechts grundsätzlich kein Rege- lungsspielraum mehr bleibt. Die Kan- tone haben somit keine Befugnis zur Einführung einer Elternzeit oder auch eines Vaterschaftsurlaubs im Rahmen privatrechtlicher Arbeitsver- hältnisse. Verfassungsrechtlich ist dafür allein der Bund kompetent. Anders sieht es in Bezug auf die öffentlichrechtlichen Arbeitsverhält- nisse aus. Die Gestaltung der öffent- lichrechtlichen Arbeitsverhältnisse sowohl auf Ebene des Bundes als auch der Kantone liegt in deren jeweiligem eigenen Kompetenzbereich. Auch wenn der Bund auf dem Ge- biet des Privatrechts allein kompetent ist, so hat er jedoch keinen verbindli- chen Rechtsetzungsauftrag zur Ein- führung einer Elternzeit. Die Bestim- mungen in Art. 41 BV (Sozialziele), Art. 110 BV (Arbeit) sowie Art. 116 BV (Familienzulagen und Mutter- schaftsversicherung) können den Bund höchstens zur Einführung einer Elternzeit anregen, er ist dazu aber nicht verpflichtet. Soll der Bund ver- fassungsrechtlich dazu verpflichtet werden, müsste eine dem Art. 116 Abs. 3 BV (Mutterschaftsversiche- rung) entsprechende Bestimmung in die Verfassung aufgenommen werden. Das EKFF­Modell im internationalen Vergleich Ein Vergleich mit anderen Ländern macht deutlich, dass das von der EKFF vorgeschlagene Modell ziem- lich bescheiden ist. Die meisten euro- päischen Länder kennen grosszügige- re Regelungen. Das gilt nicht nur für die beiden in der Publikation zum Vergleich herangezogenen Länder Island und Deutschland. Island gewährt einen Elternurlaub von 9 Monaten, wovon für die Mutter und den Vater je 3 Monate reserviert sind. Damit geht Island mit dem finan- ziellen Anreiz für Väter bisher am weitesten. Das erweist sich als erfolg- reich. 90 Prozent der Väter nehmen die Elternzeit in Anspruch. Deutsch- land bezahlt seit 2007 während 12 Mo- naten Elterngeld. Dazu kommen zwei Partnermonate als individuelles An- recht des anderen Elternteils. Das Elterngeld beträgt 67 Prozent des Net- tolohns, maximal 1800 Euro. Am grosszügigsten ist Schweden, wo den Eltern während insgesamt 480 Tagen oder 16 Monaten ein Elterngeld be- zahlt wird, davon 13 Monate zu 80 Prozent des Bruttolohns. Zwei Mona- te sind jeweils individuell für Vater oder Mutter reserviert. Die restlichen Monate sind frei aufteilbar. Andere Länder wie Frankreich oder Österreich gehen zwar in Bezug auf das Elterngeld weniger weit. Da- für ist die Elternzeit, in der ein Kün- digungsschutz besteht, sehr grosszügig geregelt. In Österreich beträgt die Dauer der Elternzeit 24 Monate, in Frankreich sogar 36 Monate. Bei einer Beurteilung der Kosten- folgen des EKFF-Modells ist auch zu berücksichtigen, dass die Ausgaben für die Familien in der Schweiz unter dem europäischen Durchschnitt lie- gen (Bundesamt für Statistik 2008). In der Schweiz beliefen sich die ge- samten Sozialleistungen für Familien und Kinder im Jahr 2008 auf einen Betrag, der 1,3 Prozent des Bruttoin- landprodukts entspricht. Vergleichbar tiefe Werte kennen nur noch die Nie- derlande, Italien, Spanien und Polen. An der Spitze stehen die skandinavi- schen Staaten, die bis zu drei Mal mehr für die Familien ausgeben. Aber auch in Deutschland, Österreich und Frankreich sind die Sozialausgaben für die Familien deutlich höher als in unserem Land. Familie, Generationen, Gesellschaft Elternzeit 350 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Elternzeit und Elterngeld – zentrale Elemente einer nachhaltigen Familienpolitik Mit der Geburt eines Kindes über- nehmen die Eltern neue Aufgaben und eine grosse Verantwortung für das Wohl ihres Kindes. In den ersten Lebensjahren sind die Kinder ganz besonders auf Zuwendung und Für- sorge und auf verbindliche, zuverläs- sige Beziehungen angewiesen. Dafür benötigen die Eltern Zeit. Untersu- chungen haben gezeigt, dass die El- tern nur dann genügend auf die Be- dürfnisse ihrer Kinder eingehen kön- nen, wenn sie selbst nicht zu sehr anderweitig belastet sind. Der Über- gang zur Elternschaft bringt grosse Umstellungen mit sich und verlangt die Abstimmung familialer Aufgaben mit beruflichen Verpflichtungen. Es ist deshalb kaum erstaunlich, dass die zeitliche Belastung der Eltern für be- zahlte und unbezahlte Tätigkeiten in den ersten Lebensjahren eines Kindes am grössten ist und insgesamt Wo- chenpensen von 70 Stunden und mehr erreicht. Dazu kommt, dass die Kleinkinder- phase in einer beruflichen Phase liegt, die für den Karriereverlauf entschei- dend ist. In dieser Situation sind es vor allem die Frauen, die beruflich den Preis für Kinder zahlen. Sie erle- ben durch ihre Mutterrolle einen star- ken Bruch in ihrer Berufsbiografie. Bis zur Geburt des ersten Kindes sind Frauen sehr gut in das Erwerbsleben integriert und arbeiten meistens Voll- zeit. Mit der Geburt des ersten Kindes zieht sich der grösste Teil der Frauen (vorübergehend) teilweise oder ganz aus dem Erwerbsleben zurück. Im Alter des jüngsten Kindes bis zu vier Jahren arbeiten rund zwei Drittel der Frauen mit einem Teilpensum von weniger als 50 Prozent oder sie sind gar nicht erwerbstätig. Der Berufs- ausstieg, aber auch Minimalpensen, zementieren die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern und ver- schlechtern die beruflichen Perspek- tiven der Frauen. Wenn Mütter die Erwerbsarbeit grösstenteils aufgeben, ist ihre wirtschaftliche Selbstständig- keit eingeschränkt. Bei einer Tren- nung oder Scheidung kann dies be- deuten, dass sie Mühe haben, den Lebensunterhalt selber zu bestreiten. Ein grosser Teil der Familien ist heute auf zwei Einkommen angewie- sen. Nach der Geburt eines Kindes verrichten Väter deshalb oft mehr Erwerbsstunden, um den finanziellen Nachteil auszugleichen, der sich durch die Reduktion der Erwerbsarbeit der Mütter ergibt. Väter wollen aber enge Beziehungen zu ihren Kindern auf- bauen, sich an der alltäglichen Fami- lienarbeit beteiligen und nicht bloss Freizeitväter sein. Die Verbesserung der Verein­ barkeit von Familie und Beruf ist prioritär In der Schweiz werden heute noch halb so viele Kinder geboren wie Mit- te der 60er-Jahre. Das hängt jedoch nicht damit zusammen, dass Kinder zunehmend unerwünscht wären. Im Gegenteil: Über alle Bildungsstände hinweg ist der Kinderwunsch grösser als die Zahl der wirklich geborenen Kinder. Der Grund für die Diskre- panz zwischen Kinderwünschen und der Realität liegt darin, dass es bei der Familiengründung oder beim Ent- scheid für weitere Kinder zu hohe Hindernisse gibt. Denn gleichzeitig möchten die Mütter mehr arbeiten. In seiner Rede anlässlich der Prä- sentation des «Familienberichts 2004» vom 31. August 2004 auf der St.Peters- insel hat deshalb Bundesrat Couche- pin für eine «nachhaltige Familienpo- litik» plädiert. Der Staat müsse die Hindernisse abbauen, damit ge- wünschte Kinder auch geboren wer- den. Und er müsse die Hürden besei- tigen, die dafür sorgen, dass Mütter auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Die Schweiz könne es sich nicht leisten, dass sie immer weniger Kinder habe. Denn mehr Kinder be- deuten auch weniger demografiebe- dingte Probleme, standfestere Sozial- werke, vor allem aber mehr Innova- tions- oder Zukunftsfähigkeit. Die Schweiz könne es sich aber auch nicht leisten, auf die vielen Kompetenzen, die sie ausbildet, im Arbeitsleben zu verzichten. Für die Schweiz sei es volkswirtschaftlich vorteilhaft, wenn die Frauen, die heute genauso gut aus- gebildet sind wie die Männer, ihre erworbenen Kompetenzen im Er- werbsleben einsetzen. Ihre Beitrags- zahlungen hätten auch einen stabili- sierenden Einfluss auf die Sozialwerke. Die Einführung einer Elternzeit und eines Elterngelds ist ein wichtiger Bestandteil zum Abbau der von Bun- desrat Couchepin genannten Hürden und Hindernisse. Länder, die wie die skandinavischen Länder oder Frank- reich eine aktive Familienpolitik ver- folgen, mit dem Ziel, die Gleichstel- lung der Geschlechter und die Ver- einbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, weisen eine höhere Ge- burtenrate auf als die anderen Länder. Auch ist in diesen Ländern die Zahl der Mütter, die nicht erwerbstätig sind oder mit kleinen Pensen arbeiten, ge- ringer. Optimale Startbedingungen für die Kinder Die EKFF ist davon überzeugt, dass die Einführung von Elternzeit und Elterngeld dem Rückzug der Frauen auf Minimalpensen oder gar einem (vorübergehenden) Berufsausstieg entgegenwirkt und damit auch die beruflichen Perspektiven der Frauen verbessert. Das wirkt sich auch volks- wirtschaftlich aus. Elternzeit und Elterngeld sind aber vor allem auch von grosser Bedeutung für die gesunde Entwicklung von Kind und Familie. Elternzeit und El- terngeld führen in den ersten Lebens- jahren eines Kindes, die mit grossen Belastungen verbunden sind, zu einer Entlastung der Eltern und ermögli- chen den Familien so eine Wahl- und Gestaltungsfreiheit bezüglich der Be- treuung ihrer Kinder. Elternzeit und Elterngeld tragen damit zu optimalen Startbedingungen Familie, Generationen, Gesellschaft Elternzeit Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 351 der Kinder und zu mehr Chancen- gleichheit bei. Über den Schulerfolg entscheiden nicht in erster Linie In- telligenz, Begabung und Leistung eines Kindes, sondern seine sozial- familiale Herkunft. Wie verschiedene Studien zeigen, setzt das Schweizer Bildungssystem zu spät an, um schlechte Startbedingungen auszu- gleichen und Chancengleichheit zu fördern. Das führt dazu, dass Kinder aus bildungsnahen und bildungsfer- nen Milieus bei Eintritt in den Kin- dergarten oder bei Schuleintritt er- hebliche Kompetenzunterschiede aufweisen. Kinder sind keineswegs nur Privat- sache. Ihr Wohl und das Wohl ihrer Eltern sind von privatem und öffent- lichem Interesse und obliegen einer gemeinsamen familialen und gesell- schaftlichen Verantwortung. Eltern- zeit und Elterngeld sind damit neben anderen Massnahmen wie dem Aus- bau der familienergänzenden Betreu- ungsangebote oder Massnahmen gegen die Familienarmut ein zentrales Element einer kohärenten und nach- haltigen Familienpolitik. Die Publikation ist auf der Website der Kommission unter www.ekff.admin.ch, Rubrik «Aktuell», als PDF abrufbar. Jürg Krummenacher, Prof. Dr. h. c., Präsident der Eidgenössischen Koordinationskommis- sion für Familienfragen (EKFF). E-Mail: juerg.krummenacher@hslu.ch Familie, Generationen, Gesellschaft Elternzeit 352 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 gesundheit Gesundheit Pflegeleistungen von Familienangehörigen Béatrice Despland Claudia von Ballmoos Haute Ecole cantonale vaudoise de la santé (HECVSanté), Lausanne Vergütung der Pflegeleistungen von Familien­ mitgliedern durch die Krankenversicherung Sind die vom Ehepartner, von der Ehepartnerin oder einem Familienmit­ glied erbrachten Leistungen kassenpflichtig? Das zur Klärung dieser Frage angerufene Eidgenössische Versicherungsgericht bejahte dies. Um herauszufinden, ob dieses Urteil einen Einzelfall oder vielmehr eine Vielzahl Situationen betrifft, wurde in 19 Deutschschweizer Kantonen eine Studie durchgeführt. Sie ermöglicht eine Standortbestimmung und wirft Fragen zur Vergütung der von Angehörigen erbrachten Pflege­ leistungen durch die Sozialversicherungen auf. Rechtliches Umfeld der Studie Studien zu Pflegeleistungen von EhepartnerInnen gibt es viele. Sie sind vorwiegend soziologisch, psycholo- gisch und statistisch motiviert und be- fassen sich kaum mit rechtlichen As- pekten. Es schien uns deshalb inte- ressant und wichtig, in einer explorati- ven Studie die Zahl der betroffenen EhepartnerInnen und Familienmitglie- der, die gestellten Anforderungen und die laufenden Projekte zu ermitteln. Die Pflegearbeit der Angehörigen (namentlich des Ehepartners, der Ehe- partnerin und der Familienmitglieder) wird in den verschiedenen Sozialver- sicherungen unterschiedlich behan- delt. In der Unfallversicherung (UVG) oder der Militärversicherung (MV) haben die Angehörigen unter Umstän- den Anspruch auf eine Entschädigung, in der Alters- und Hinterlassenenver- sicherung (AHVG) oder der Invali- denversicherung (IVG) ist die Kosten- übernahme in Form einer Hilflosen- entschädigung für die pflegebedürftige Person vorgesehen. Im Rahmen der Ergänzungsleistungen kann ein Fami- lienmitglied für den durch die Pflege einer IV-Leistungen beziehenden Per- son entstandenen Verdienstausfall unter gewissen Voraussetzungen ent- schädigt werden. Durch die 2008 in Kraft getretene Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgaben- teilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) werden diese Leistungen als Krankheits- und Behinderungskosten von den Kantonen übernommen. Wie aber sieht die Lage in der Kran- kenversicherung (KVG) aus? Einer der wesentlichen Unterschiede zu den anderen Sozialversicherungen liegt darin, dass die zuge- lassenen Leistungserbringer im Bundesgesetz und seinen Ausführungsverordnungen ab- schliessend aufgezählt werden. Sofern es sich beim Ehepartner, bei der Ehepartnerin oder dem Familienmitglied nicht um eine Fachperson handelt, die sämtliche Voraussetzungen der Krankenpflegeversicherung erfüllt, kann er oder sie die Leistungen der Krankenversicherung nicht in Rechnung stellen. Wie aber sieht die Lage aus, wenn er bzw. sie sich von einem Spitex- Dienst anstellen lässt? Werden ihnen dann die an einem Angehörigen erbrachten Leistungen vergütet? Über diese Frage hatte das Eidge- nössische Versicherungsgericht zu entscheiden. Ein Architekt hatte seinen Beruf aufgegeben, um sich als Angestellter des Spitex-Vereins sei- ner Wohngemeinde um seine an Multipler Skle- rose leidende Ehefrau zu kümmern. Der Spitex- Verein stellte die Leistungen dem Krankenver- sicherer der Ehefrau in Rechnung. In seinen beiden Urteilen1 hiess das Eidgenössische Ver- sicherungsgericht dieses Vorgehen gut und ver- pflichtete den Krankenversicherer, die Spitex- Leistungen zu übernehmen. Für eine solche Kostenübernahme müssen aber bestimmte Vo- raussetzungen erfüllt sein. Einerseits muss der/ die pflegeleistungserbringende EhepartnerIn bzw. das Familienmitglied die notwendige fach- liche Eignung aufweisen, andererseits sind nur die Leistungen verrechenbar, die über die Pfle- ge hinausgehen, die dem Ehepartner, der Ehe- partnerin im Rahmen der ehelichen Beistands- pflicht nach ZGB zuzumuten ist. Diese Rechtsprechung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts hat einige Fragen aufge- worfen: Betrifft sie einen Einzelfall oder han- delt es sich um einen Grundsatzentscheid, der auf eine Vielzahl von Situationen und Kantone anwendbar ist? Die zur Beantwortung dieser Frage durchge- führte Studie berücksichtigt nur die Deutsch- schweizer Kantone und dies aus zwei Gründen: Erstens betrifft das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts einen Deutschschweizer 1 EVG-Urteil vom 21. Juni 2006 (K 156/04); EVG-Urteil vom 19. Dezember 2007 (9C_597/2007 (T 0/2). Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 353 Gesundheit Pflegeleistungen von Familienangehörigen Kanton (Thurgau), zweitens haben die Abklä- rungen bei den Spitex-Vereinen in der West- schweiz ergeben, dass es an einer entsprechen- den Gesetzesgrundlage wie auch an kantonalen Massnahmen, die in die Richtung eines Vertrags mit einem Familienmitglied für Pflege arbeit gehen, fehlt. Nach Überprüfung der in den ein- zelnen Kantonen geltenden Gesetze und Re- gelungen wurden bei den kantonalen Gesund- heitsdepartementen Informationen über die kantonale Politik und über allfällige bestehen- de Projekte für die Vergütung von pflegenden EhepartnerInnen oder Familienmitgliedern eingeholt. Im Weiteren wurde bei den kantona- len Spitex-Diensten nachgefragt, wie viele Mit- arbeitende bei ihnen angestellt sind und welche Anforderungen in Bezug auf Ausbildung und Arbeitsbedingungen bestehen.2 Alle Kantons- behörden und kantonalen Spitex-Dienste haben an unserer Umfrage teilgenommen. Kantonale Vorschriften … Eine gesetzliche Regelung, in der die Mög- lichkeit vorgesehen ist, pflegende Angehörige für die Spitex-Pflege anzustellen, besteht nur im Kanton Graubünden. Dazu müssen aber folgende Voraussetzungen erfüllt sein: • die Pflegeperson muss mindestens den Pfle- gehelferinnenkurs beziehungsweise den Pfle- gehelferkurs des Schweizerischen Roten Kreuzes erfolgreich absolviert haben; • der Einsatz entspricht einer Langzeitpflege- situation, und die Anstellung ist auf mindes- tens zwei Monate angelegt; • die pflegende Person hat das ordentliche Ren- tenalter noch nicht erreicht.3 Die Vergütung von pflegenden Angehörigen ist nur in wenigen Fällen gesetzlich oder reglemen- tarisch geregelt.4 In einzelnen kanto- nalen Texten wie in Leitlinien (St. Gallen) oder in Berichten (Thurgau) sind pflegende Angehörige jedoch erwähnt. Kein Kanton schreibt die Vergütung aber vor und einer schliesst sie sogar ausdrücklich aus (Kommen- tar zum neuen Sozialgesetz des Kan- tons Solothurn). In einigen Kantonen liegt die Zuständigkeit für die Hilfe und Unterstützung der pflegenden Personen bei den Gemeinden, wobei in gewissen Fällen eine Finanzierungs- hilfe vorgesehen ist (z.B. in der Ge- meinde Muttenz). In einigen Kanto- nen (z.B. in Aargau) ist die finanziel- le Unterstützung in den Sozialhilfe- bestimmungen verankert. Andere Kantonsgesetze wiederum sehen die Vergütung durch die Ergänzungsleis- tungen vor (z.B. Basel-Stadt, Schwyz usw.). Texte zur Ausbildung der Pflegen- den im Allgemeinen sind dagegen häufiger. Dabei kann es sich um ge- setzliche oder reglementarische Be- stimmungen (Glarus), Vereinbarungen oder Verträge (Appenzell Innerrho- den und Ausserrhoden, St.Gallen, Zürich) oder um Leitlinien (Thurgau) handeln. In diesen Kantonen kann ein Angehöriger nicht von einem Spitex- Dienst angestellt werden, wenn er die Anforderungen bezüglich Mindest- qualifikation nicht erfüllt. … und Standpunkt der kantonalen Gesundheits­ departemente Die bei den betroffenen Kantons- behörden durchgeführte Umfrage lieferte Erkenntnisse über allfällige Projekte in Bezug auf die Kostenüber- nahme der vom Ehepartner, von der Ehepartnerin oder von Familienmit- gliedern erbrachten Pflegeleistungen und gab Aufschluss darüber, inwie- weit die Befragten politische Bestre- bungen zugunsten einer Vergütung dieser Personen unterstützen würden. Sechs Kantone befassen sich mit der Vergütung, aktiv unterstützt würden sie hingegen nur in fünf Kantonen. Es werden verschiedene Gründe gegen ein Vergütungssystem genannt. Sie reichen von der Schwierigkeit, Ange- hörige ohne Hilfe von Fachleuten zu pflegen über die Gefahr von Missbräu- chen bis hin zur Erwähnung von Lö- sungen, die als angemessener beurteilt werden (z.B. Steuersenkung). Ein nicht unbedeutender Teil der Befragten ist der Ansicht, dass die Entschädigung der Angehörigen über die Ergänzungs- leistungen erfolgen soll. In einem Do- kument der Bündner Kantonsregie- rung wird im Übrigen darauf hinge- wiesen, dass die Ergänzungsleistungen immer häufiger über ihre primäre Funktion der Existenzsicherung hin- ausgehen und die Funktion einer Pfle- geversicherung übernehmen. Anzahl angestellte Angehörige in den kantonalen oder kommunalen Diensten … Die bei den kantonalen oder kom- munalen Spitex-Diensten durchge- führte Umfrage ergab ein realitäts- nahes Bild der Situation und beant- wortet unsere erste Frage: Ist die Anstellung von EhepartnerInnen oder Familienmitgliedern durch Spi- tex-Dienste ein Einzelfall oder ein verbreitetes Phänomen? Ferner gab die Umfrage Aufschluss über die An- forderungen, vor allem in Bezug auf die Ausbildung und die Vertragsbe- dingungen. Zum Zeitpunkt der Umfrage (2008) waren in fünf Kantonen (Basel-Land, Graubünden, Thurgau, Uri, Zürich) EhepartnerInnen oder Familienmit- glieder angestellt. In sechs Kantonen gab es solche Anstellungen in den zwei Jahren vor der Umfrage (Basel- Land, Graubünden, Schwyz, Thurgau, Uri, Zürich) oder früher (St.Gallen). Im Kanton Graubünden wurden 1992 erstmals EhepartnerInnen oder Fa- milienmitglieder für die Pflege von Angehörigen angestellt, in Basel- Land im Jahr 1998. Mit 20 bis 30 angestellten Ehepart- nerInnen in fünf Kantonen und gut 40 Familienmitgliedern in sechs Kan- 2 Stand der kantonalen Gesetzgebung: 4. August 2008. Stand der Bundesgesetzgebung: März 2009. Seit der Veröffentli- chung des Schlussberichts (zeitliche Verzögerung aufgrund der Evaluation der Studie durch die Finanzierungsinstanzen), ist die Behandlung einiger Dossiers auf Bundesebene bereits vorangeschritten (insbesondere die 6. IVG-Revision). Die Re- levanz der Studie und die kritischen Kommentare, die sich daraus ergeben, werden dadurch jedoch nicht in Frage gestellt. 3 Art. 26 Verordnung zum Gesetz über die Förderung der Krankenpflege und der Betreuung von betagten und pfle- gebedürftigen Personen (Verordnung zum Krankenpflege- setz) vom 11. Dezember 2007 (BR 506.060). 4 Siehe jedoch die Gesetzgebung des Kantons Basel-Stadt: §11 Gesetz betreffend die spital externe Kranken- und Ge- sundheitspflege (Spitexgesetz) vom 5. Juni 1991 (SG BS 329.100); § 6ff. Verordnung betreffend die spitalexterne Kranken- und Gesundheitspflege (Spitexverordnung) vom 1. Februar 1994 (SG BS 329.110). 354 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 tonen ist die Zahl der betroffenen Angehörigen relativ klein. Wir haben versucht, den Anteil der Ehepartne- rInnen und Familienmitglieder am Personalbestand der Spitex-Dienste zu ermitteln und haben dazu die rund 70 Personen in unserer Studie mit den Zahlen des BFS5 für 2007 verglichen. Das Ergebnis liegt bei weniger als 0,5 Prozent. Obwohl es sich dabei nur um einen Näherungswert handelt, lässt er die Aussage zu, dass Familienmitglie- der in den Spitex-Diensten nur eine sehr kleine Kohorte bilden. In drei Kantonen (Graubünden, Schwyz und Thurgau) wird eine An- stellung von Angehörigen von beson- deren Anforderungen abhängig ge- macht. Dazu gehört eine Mindestqua- lifikation, die in den Tarifabkommen mit den Versicherern festgehalten ist, oder ein Pflegehelferinnenkurs bzw. Pflegehelferkurs des Schweizerischen Roten Kreuzes. Bei den Vertragsbedingungen ist die Datenlage dürftiger. Es liegen Informationen für fünf der sieben betroffenen Kantone vor. Die Anstel- lung erfolgt aufgrund eines schriftli- chen, meist befristeten Vertrags. Sie endet, wenn der Pflegebedarf nicht mehr gegeben ist, entweder, weil die pflegebedürftige Person genesen, in ein Heim eingetreten oder verstorben ist. In Graubünden ist zudem in Aus- nahmefällen auch ein unbefristeter Vertrag möglich. … und Reaktionen einiger LeiterInnen von Spitex­ Diensten Die Anmerkungen und Kommen- tare der LeiterInnen der Spitex- Dienste sind äusserst aufschlussreich. Einige wussten nichts von der Mög- lichkeit, die EhepartnerInnen anzu- stellen und die Kosten den Kranken- versicherern in Rechnung zu stellen, andere hielten dieses Vorgehen sogar für illegal. Drei interessierten sich für diese Möglichkeit. Es wurden aber auch Bedenken über die Qualität der Pflege und die zu hohe Belastung, welche die Auf- nahme eines Ehepartners, einer Ehe- partnerin oder eines Familienmit- glieds in das Pflegeteam darstellt, geäussert. Ebenfalls erwähnt wurden arbeitsrechtliche Probleme (u.a. Ent- löhnung, Teilnahme der Angehörigen an den Sitzungen des Spitex-Dienstes, Übernahme der Ausbildungskosten). Schlussfolgerungen Die Anstellung von EhepartnerIn- nen oder Familienmitgliedern durch einen Spitex-Dienst ist in den 19 un- tersuchten Deutschschweizer Kanto- nen nicht sehr häufig. Nur eine geringe Anzahl pflegende Angehörige stellen ihre Leistungen über den kantonalen oder kommunalen Spitex-Dienst, bei dem sie als Arbeitnehmende ange- stellt sind, den Krankenversicherern in Rechnung. Fast alle befragten Kantonsbehör- den zeigten grosses Interesse an einer Anerkennung der Pflegearbeit von Angehörigen. Sehr oft handelt es sich bei den Aussagen der kantonalen Lei- terInnen aber nur um Absichtserklä- rungen. Die soziale Anerkennung solcher Leistungen steht vor der Fi- nanzierung. In einigen Fällen wurde sogar ausdrücklich darauf hingewie- sen, dass diese Leistung ehrenamtlich bleiben muss. In den Kantonen, in denen die Spitex-Dienste pflegende Angehörige anstellen, zeichnen die gesammelten Daten ein Bild der erforderlichen Bedingungen, lassen aber viele Fra- gen offen: • Wer sind die von den Spitex-Diens- ten angestellten EhepartnerInnen und Familienmitglieder: Wie alt sind sie, welches ist ihr Geschlecht und ihre Ausbildung? • Wie sehen die Anstellungsbedin- gungen (Vertragsform und Inhalt) und die Modalitäten für die Rech- nungsstellung an die Krankenver- sicherer aus? • Welche Zusammenarbeit besteht mit den Spitex-Diensten insbeson- dere hinsichtlich der Aufsicht? Eine weitere geplante Studie soll Antworten auf diese Fragen liefern und helfen, die von den Betroffenen erlebte Realität besser zu erfassen. Auf Bundesebene sind weitere Forschungen über die Anerkennung der Pflegearbeit von EhepartnerInnen und Familienmitgliedern zu- gunsten pflegebedürftiger Angehöriger im Rah- men der sozialen Sicherheit aufgrund der Ent- wicklung der Rechtslage (insb. Finanzierung von Pflegeleistungen, Assistenzbudget) nötig. Rechtliche Verweise (Auswahl) BFS, Spitex-Statistik, 2007. Bräm V., Hasenböhler F., (1998), Zürcher Kommentar zum schweizerischen Zivilgesetzbuch, Die Wirkung der Ehe im all- gemeinen, Art. 159–180 ZGB, Teilband II 1c, Zürich (Schulthess). BSV, (2008), Personen mit einer Hilflosenentschädigung IV: Vergütung von Pflege und Betreuung durch die Ergänzungs- leistungen, Forschungsbericht Nr. 6/08, Bern. Deschenaux H., Steinauer P.-H., Baddley M., (2000) Les effets du mariage, Bern (Stämpfli). Despland B., Brunner N., Perrenoud J., (2004), Soins de longue durée, soins de dépendance, Contribution aux débats relatifs à la révision de la LAMal, IDS-Bericht Nr. 8, Neuchâtel. Honsell H., Vogt P. N., Geiser T. (édit.), (2006), Basler Kommen- tar, Zivilgesetzbuch I, Art. 1–456 ZGB, Bâle, Genève, Munich (Helbing & Lichtenhahn). Jent Adrian, (1995), Die immaterielle Beistandspflicht zwischen Ehegatten unter dem Gesichtspunkt des Persönlichkeitsschutzes, These, Bern, Frankfurt, New York (Peter Lang). Landolt Hardy, (2002) Pflegerecht, Band II: Schweizerisches Pflegerecht, Bern (Stämpfli). Longchamp G., (2004), Conditions et étendue du droit aux prestations de l’assurance-maladie sociale en cas de séjour à l’hôpital, en établissement médico-social e/ou en cas de soins à domicile, Bern (Stämpfli). Béatrice Despland, Fachhochschuldozentin, HECVSanté, Lausanne. E-Mail: bdesplan@hecvsante.ch Claudia von Ballmoos, Fachhochschuldozentin, HECVSanté, Lausanne. E-Mail: cvonbal@hecvsante.ch 5 BFS, Spitex-Statistik, 2007, S. 34. Gesundheit Pflegeleistungen von Familienangehörigen Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 355 Parlament Parlamentarische Vorstösse Gesundheit 10.3805 – Interpellation Schenker Silvia, 1.10.10: Soziale Ungleichheit und Gesund- heit. Was tut der Bund? Nationalrätin Silvia Schenker (SP, BS) hat folgende Interpellation ein- gereicht: • Welche Schlussfolgerungen zieht der Bundesrat aus dem Gesund- heitsbericht 2008? • Ist er bereit, die Entwicklung über gesundheitliche Ungleichgewichte besser zu überwachen? • und die sektorenübergreifende Zu- sammenarbeit zu stärken, wie es die WHO und die EU empfehlen? • Ist er bereit, Verantwortung zu übernehmen und sektorübergrei- fende Massnahmen zu ergreifen, um die gesundheitliche Kluft in- nerhalb der Gesellschaft zu verrin- gern? Begründung Der individuelle Gesundheitszu- stand hängt von einer Vielzahl Ein- flussfaktoren ab, unter anderem von persönlichen Verhaltensmustern wie beispielsweise der Ernährung und der körperlichen Aktivität. Neuere Er- kenntnisse werden im Nationalen Gesundheitsbericht 2008 und im vier- ten Gesundheitsbericht des Kantons Bern dargestellt und zeigen, wie stark Schulbildung, Berufsbildung, berufli- che Stellung, Wohlstand oder soziale Stellung die Chance auf ein langes, gesundes und produktives Leben be- einflussen. Die Chancen sind dabei sehr ungleich verteilt: Personen in einer tiefen sozialen Position haben ein deutlich höheres Risiko zu erkran- ken und früher zu sterben. Beide Be- richte sind auf das so genannte Ge- sundheitsdeterminantenmodell aus- gerichtet. Dieses zeigt auf, dass sich gesellschaftliche Einflüsse auch auf die Gesundheit auswirken. In beiden Berichten wird denn auch aufgezeigt, durch welche Faktoren der Gesund- heitszustand beispielsweise von Al- leinerziehenden, Migrantinnen und Migranten und älteren Arbeitneh- menden beeinflusst wird.» Familienfragen 10.3700 – Motion Streiff-Feller Marianne, 28.9.10: Zwei Wochen bezahlter Vater- schaftsurlaub Nationalrätin Marianne Streiff- Feller (EVP, BE) hat folgende Mo tion eingereicht: «Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament folgende Änderung der betroffenen Gesetze zu unterbrei- ten: Ein erwerbstätiger Vater soll künftig im Anschluss an die Geburt seines Kindes Anrecht auf zwei Wo- chen Vaterschaftsurlaub haben, wel- cher analog zum Mutterschaftsurlaub über die Erwerbsersatzordnung finan- ziert wird. Begründung Die Geburt eines Kindes ist ein Moment der Freude, aber auch eine emotionale Zeit, in der es viele Schwierigkeiten zu überwinden gilt. Dazu gehören schlaflose Nächte, die aufwendige Betreuung des Neugebo- renen, insbesondere im Zusammen- hang mit dem Stillen, aber auch die Organisation von Kinderbetreuung und die Aufteilung von Erwerbs- und Erziehungsarbeit. Der Vater soll be- reits nach der Geburt die Chance erhalten, in seine neue Rolle hinein- zuwachsen, die Mutter zu unterstüt- zen und allenfalls bei der Betreuung der älteren Kinder zu entlasten. Auch liegt die Verantwortung für die Erzie- hung bei beiden Elternteilen. Der heutige Mutterschaftsurlaub soll deshalb mit einem zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ergänzt werden. Er würde es dem Vater ermöglichen, bei der Geburt seines Kindes in einem Rahmen Urlaub zu machen, wie er bereits an vielen Orten üblich ist (z.B. Swisscom, SBB, Swiss Re oder Mi- gros). Der Bundesrat hat sich in seiner Stellungnahme zum Postulat Schmid- Federer 08.3507 bereit erklärt, das Modell eines unbezahlten Vater- schaftsurlaubs zu prüfen und dazu das Obligationenrecht anzupassen. Das ist zwar löblich, bringt jedoch den al- lermeisten Familien mit tiefen bis mittleren Einkommen nichts. Der von einigen Unternehmen freiwillig ge- währte Vaterschaftsurlaub soll des- halb mit der Finanzierung über die EO analog zur Mutterschaftsversiche- rung auf alle Arbeitgeber ausgedehnt werden.» Invalidenversicherung 10.3847 – Interpellation Chopard- Acklin Max, 1.10.10: Prekäre Situation bei der beruf- lichen Integration von Menschen mit Leistungseinschränkung Nationalrat Max Chopard-Acklin (SP, AG) hat folgende Interpellation eingereicht: «1. Welche Angebote (bezogen auf Bildung, Wohnen und Arbeit) gibt es für die 15- bis 18-jährigen Men- schen mit Behinderung, die weder in der Sonderschule bleiben noch in eine berufliche Massnahme der IV, geschweige denn in eine eidge- nössische Berufslehre eintreten können? 2. Wie wird schweizweit die Harmo- nisierung für die Schnittstellen Se- kundarstufe I (meistens Sonder- schule, einzelne Fälle aus der Re- gelschule) – Sekundarstufe II (be- rufliche Massnahmen) gewährleis- tet? Begründung Betreffend verbesserter beruflicher Integration von Menschen mit Leis- tungseinschränkung besteht Hand- lungsbedarf. INSOS wie auch weitere Organisationen beobachten mit Be- sorgnis neue Tendenzen, welche die Situation von Jugendlichen mit Be- hinderung massiv verschlechtern. Die gemäss Sonderpädagogik Kon- kordat möglichen sonderpädagogi- schen Massnahmen anschliessend an parlament 356 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Parlament Parlamentarische Vorstösse die obligatorische Schulzeit (nach Art. 3 bis zum vollendeten 20. Alters- jahr möglich) werden neu an Bedin- gungen geknüpft, welche schwächere Sonderschülerinnen und schüler zu- nehmend davon ausschliessen. Die Tendenz ist, dass Sonderschülerinnen und schüler im Rahmen eines 10. oder 11. Schuljahrs nur noch gefördert wer- den können, wenn eine «wirtschaftli- che Verwertbarkeit» absehbar ist. Als der Sonderschulbereich noch im IVG geregelt war, war praktisch garantiert, dass alle behinderten Kinder bis min- destens 18 Jahre geschult und geför- dert wurden. Die neue Tendenz, die auf einem rein finanziellen Argument beruht, kann zu einer Diskriminie- rung von Jugendlichen mit Behinde- rung führen. Gleichzeitig wird die Praxis für be- rufliche Massnahmen auf dem Niveau Praktische Ausbildung nach INSOS/ IV-Anlehre massiv verschärft, wo- durch wiederum die schwächeren Lernenden ausgegrenzt werden: Kon- kret ist mit der IV-Revision 6b eine deutlich erhöhte Eintrittsschwelle geplant mit der Begründung, dass nur 15 Prozent ohne Rente in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden kön- nen. Neben der gänzlichen Ausgren- zung von benachteiligt, welche mit einer Teilrente oder ganzen Rente eine Anschlusslösung im ersten Ar- beitsmarkt finden. Gemäss einer Er- hebung von INSOS Schweiz sind das immerhin 30 Prozent von Absolven- tinnen und Absolventen der Prakti- schen Ausbildung nach INSOS.» 10.3699 – Motion Streiff-Feller Marianne, 28.9.10: Invalid ist nicht mehr in Nationalrätin Marianne Streiff- Feller (EVP, BE) hat folgende Mo tion eingereicht: «Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament rechtliche Grundla- gen vorzulegen, die es ermöglichen, den im Regelwerk der nationalen Ge- setzgebung verwendeten Begriff ‹In- valid› (und die mit ihm verwandten Begriffe) zu ersetzen. Begründung Der Begriff ‹invalid› ist diskrimi- nierend und zeugt nicht von einer gleichberechtigten Grundhaltung ge- genüber Menschen mit einer Behin- derung. Etymologisch setzt sich das Wort aus dem lateinischen Wort- stamm ‹valere› (stark, gesund, wert sein, gelten, vermögen) und der Vor- silbe ‹in› (z.B. un…, nicht, ohne) zu- sammen. Die Übersetzung ist stark negativ (invalidus: unwert / ohne wert sein, kraftlos, schwach, nicht gel- ten, …) und nicht zeitgemäss. Die IVG-Revisionen postulieren beispielsweise ‹Integration vor Ren- te›. Dieses Ziel setzt die Grundhal- tung voraus, dass man die Menschen mit Behinderung auch als ‹wertvolle› Mitglieder unserer Gesellschaft mit gleichberechtigten Rechten und Pflich- ten respektiert. Der Ausdruck ‹Invalidität› wird seit Jahren von Menschen mit Behinde- rungen, deren Angehörigen und wei- teren Kreisen als ‹diskriminierend› empfunden. Die neuen kantonalen Behindertenkonzepte verwenden die Terminologie ‹Menschen mit Behin- derung›, im Behindertengleichstel- lungsgesetz wird nicht von Invaliden gesprochen. Der Bundesrat wurde bereits verschiedentlich beauftragt, Massnahmen zu ergreifen um die Ge- setzgebung schrittweise anzupassen. Es ist höchste Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen.» Berufliche Vorsorge 10.3795 – Motion Graber Konrad, 30.9.10: Administrative Entschlackung des BVG Ständerat Konrad Graber (CVP, LU) hat folgende Motion eingereicht: «Im Rahmen einer Gesetzesrevision ist das BVG zu entschlacken. Damit soll erreicht werden, dass die Miliz- tauglichkeit der 2. Säule gewährleistet wird. Versicherte sollen von einer möglichst hohen Transparenz profi- tieren. Mit mehr Wettbewerb und anderen geeigneten Massnahmen sol- len die Verwaltungskosten gesenkt werden können. Begründung Der Komplexitätsgrad des BVG hat in der Vergangenheit mit jeder Revi- sion zugenommen. Meist mit guter Absicht wurden neue gesetzliche Be- stimmungen beschlossen und neue Verordnungen und Weisungen erlas- sen. Dies hat das System aber auch verteuert. Im Rahmen der Abstimmung über den Umwandlungssatz wurde dies deutlich. Die jährlichen Verwaltungs- kosten wurden von den Gegnern der Vorlage auf 4 Milliarden Franken und pro Versicherten auf rund 800 Fran- ken pro Jahr geschätzt. In einer Ge- setzesrevision sollen administrative Vereinfachungen erzielt werden. Die Transparenz für die Versicherten soll erhöht und die Kosten reduziert wer- den. Dem Gedankengut einer good Governance soll dabei Rechnung ge- tragen werden.» Arbeitslosenversicherung 10.3748 – Interpellation Rennwald Jean-Claude, 29.9.10: AVIG-Revision: Inkrafttreten Nationalrat Jean-Claude Rennwald (SP, JU) hat folgende Interpellation eingereicht : «Die Kantone der lateinischen Schweiz, die von der Arbeitslosigkeit stärker betroffen sind als die Deutsch- schweiz, sowie Basel-Stadt haben die Revision der Arbeitslosenversiche- rung deutlich abgelehnt. Unter diesen Umständen gehe ich davon aus, dass der Bundesrat der wirtschaftlichen Realität der Westschweizer Kantone Rechnung trägt und bereit ist, seinen Handlungsspielraum bezüglich des Inkrafttretens des revidierten Geset- zes auszunützen. Diesbezüglich stelle ich dem Bun- desrat die folgenden Fragen: • Ist der Bundesrat bereit, die AVIG- Revision erst nach Ende der Krise Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 357 in Kraft treten zu lassen, um die negativen Auswirkungen des Ge- setzes auf die Bevölkerung mög- lichst klein zu halten? Dies umso mehr, als für den Bundesrat keine zwingende Verpflichtung besteht, die Änderung per 1. Januar 2011 in Kraft treten zu lassen. • Garantiert er die wohlerworbenen Rechte, was die laufenden Rahmen- fristen betrifft? • Wird er sich für eine Verbesserung der Massnahmen zur beruflichen Eingliederung einsetzen, sodass die Arbeitnehmerinnen und Arbeit- nehmer, die von der Gesetzesrevi- sion betroffen sind, auch reelle Berufschancen haben? • Wird der Bundesrat alles unterneh- men, um die besondere Situation einzelner Regionen zu berücksich- tigen und spezifische Massnahmen wie zum Beispiel gezielte Konjunk- turmassnahmen zu ergreifen? • Wird er sich dafür einsetzen, dass sich Personen mit hohem Einkom- men in einem angemessenen Ver- hältnis an der Finanzierung der Arbeitslosenversicherung beteili- gen?» 10.491 – Parlamentarische Initiative Prelicz-Huber Katharina, 1.10.10: Änderung Arbeitslosengesetz. Gleiche Abzüge für alle Einkommen Nationalrätin Katharina Prelicz- Huber (GPS, ZH) hat folgende Par- lamentarische Initiative eingereicht: «Gestützt auf Artikel 160 Absatz 1 der Bundesverfassung und Artikel 107 des Parlamentsgesetzes reiche ich folgende parlamentarische Initi- ative ein: Das Arbeitslosengesetz AVIG ist so anzupassen, dass unbegrenzt auf alle Löhne, bzw. Einkommen der glei- che prozentuale Betrag seitens Ar- beitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Arbeitgeberinnen und Arbeitge- ber in die Arbeitslosenkasse einbe- zahlt wird. Bei den individuellen Leis- tungen soll die heutige monatliche Obergrenze für Auszahlungen weiter- hin gelten. Begründung Mit der heutigen Regelung des Arbeitslosengesetzes müssen nur Löhne bis Franken 126 000 Beiträge an die Arbeitslosenkasse zahlen. Alle höheren Einkommen inkl. der Milli- onen-Saläre zahlen keine weiteren Beiträge. Mit der eben beschlossenen Revision wird zur Schuldentilgung ein Solidaritätsbeitrag von nur 1 Pro- zent – begrenzt auf Löhne bis Fran- ken 315 000 – eingeführt. Fair und wirklich solidarisch wäre aber, wenn auch Arbeitnehmende mit höheren und Höchsteinkommen, welche die ALV-Abzüge weit weniger schmer- zen als kleine Einkommen, dieselben ALV-Beiträge wie Einkommen bis Franken 126 000 zahlen müssten. Die Auszahlung der individuellen Leistungen an Erwerbslose richtet sich nach dem ehemaligen Lohn. Die heute gültige monatliche Höchstaus- zahlung ist bei Franken 8400 (bei ei- nem Lohn von Franken 126 000). Diese Obergrenze soll weiterhin gel- ten, denn sie garantiert den gesetzlich vorgesehenen Erhalt eines angemes- senen Lebensstandards. Die ALV ist vom Gedanken her eine Sozialversi- cherung. Zum Vergleich: Die AHV, welche auf alle Löhne die prozentual gleichen Abzüge vorschreibt, zahlt allen Bezügerinnen und Bezügern die gleich (tiefe) Rente. Die vorgesehene bescheidene Solidarität ist zumutbar.» Parlament Parlamentarische Vorstösse 358 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Parlament Gesetzgebung: Vorlagen des Bundesrats Gesetzgebung: Vorlagen des Bundesrats, Stand 30. November 2010 Vorlage Datum der Botschaft Publ. im Bundesblatt Erstrat Kommission Plenum Zweitrat Kommission Plenum Schluss- abstimmung (Publ. im BBl) Inkrafttreten/ Volksentscheid KVG – Vorlage 1B Vertragsfreiheit 26.5.04 BBl 2004, 4293 SGK-SR 21./22.6.04 30.5., 21.+23.8.06, 8.1., 15.2., 15.10, 9.11.07 18.2.08 (Teil 1) 18.3., 5.6.08 (Teil 2), 14.4., 13.5., 27.6., 26.8., 28.10., 24.11.08 (Teil 1) SR 6.12.07 (Teil 2 verl. Zulassungs- stopp) 27.5., 5.6.08 (Teil 2) 18.12.08 (Nichteintreten) SGK-NR 30.6.04, 18.1., 2.6.08 (Teil 2), 29.1., 25.2., 26.3.10, Subkomm. SGK- NR 21.4.10, SGK- NR 29.4.10 5.3., 4.6.08 (Teil 2) 16.6.10 (Nichteintreten) 13.6.08 (Teil 2) 14.6.08 (Teil 2) KVG – Vorlage 1D Kostenbeteiligung 26.5.04 BBl 2004, 4361 SGK-SR 21./22.6., 23./24.8.04, 19.8., 7.9., 25.10., 22.11.10 SR 21.9.04 SGK-NR 30.6.04, 29.1., 25.2., 26.3.10 Subkomm. SGK- NR 21.4.10, SGK- NR 29.4.10 16.6.10 (Nichteintreten) KVG – Vorlage 2B Managed Care 15.9.04 BBl 2004, 5599 SGK-SR 18./19.10.04 30.5., 21./23.8., 12./13.9., 16./17.10., 13.11.06, 19.8., 7.9., 25.10., 22.11.10 2. Teil Medika- mente: 9.1., 15.2., 26.3., 3.5., 13.9.07 8.1., 15.4., 27.8.08 (2. Teil Medikamente, Diff.) SR 5.12.06 (1. Teil ohne Medikamente), 13.6.07, 4.3., 17.9.08 (2. Teil Medikamente) 4.3.08 (2. Teil Diff.) 24.9.08 (Einigungskonf.) SGK-NR 25.10.07, 10.3., 24.4., 18.9.08 (2. Teil Medikamente) 13.2.09, 29.1., 25.2., 26.3.10 Subkomm. SGK- NR 21.4.10, SGK- NR 29.4.10 NR 4.12.07 (2. Teil Medikamente) 4.6., 18.9.08 (2. Teil Diff.) 24.9.08 (Einigungskonf.) 16.6.10 (Teil 1) 1.10. (Teil 2) Annahme SR Ablehnung NR 11. AHV-Revision. Leis- tungsseitige Massnahmen 21.12.05 BBl 2006, 1957 SGK-NR 5.5.06, 25.1., 22.2.07 Subkomm. 16.11.07, 17./18.1.08, 9.10.09, 25.6.10 NR 18.3.08, 8.12.09 2.3., 15.9.10 (Differenzen) SGK-SR 29.10.08, 27.1., 19.2., 7.4.09 SR 3./4.6., 20.9.10 1.10.10 Vorlage abgelehnt KVG-Massnahmen zur Eindämmung der Kosten- entwicklung 29.5.09 BBI 2009, 5793 SGK-NR 26.6., 27./28.8., 1.12.09, 29.1., 25.2., 9.3.10 (Vorlage 1) 26.3., 19.8., 9.9., 25.10., 22.11.10 (Vorlage 2) 23.9., 27.9.10 (Einigungskonf.) NR 9.9., 2.12., 7.12.09, 16.6.10 (Differenzen) SGK-SR 17.8., 2.9., 18.10., 9.11.09, 18.1.10 (Vorlage 1, Differenzen) Subkomm. SGK- NR 21.4.10, SGK- NR 29.4.,19.8.10 SR 25./26.11.09, 3.3. (Vorlage 1, Differenzen), 20.9., 30.9.10 (Einigungskonf.) UVG Revision 30.5.08 BBI 2008, 5395 SGK-NR 20.6., 9.9., 16.10., 6./7.11.08, 15./16.1., 12./13.2., 26./27.3., 27.8., 9.10., 29.10.09, 28.1, 24.6.10 11.6.09 (Rückweisung an SGK-NR) 22.9.10 (Rückweisung an Bundesrat) 6. IV-Revison 1. Massnahmepaket Rev. 6a 24.2.10 BBI 2010 1817 SGK-SR 23.4.10 SGK-NR 2.9., 14./15., 4.11.10 SR 15.6.10 NR = Nationalrat / NRK = Vorberatende Kommission des Nationalrates / SR = Ständerat / SRK = Vorberatende Kommission des Ständerates / WAK = Kommission für Wirtschaft und Abgaben / SGK = Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit / RK = Kommission für Rechtsfragen / SiK = Sicherheitskommission / VI = Volksinitiative / SPK = Staats politische Kommission Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 359 daten und fakten Daten und Fakten Agenda Agenda Tagungen, Seminare, Lehrgänge den Alltag der Hochbetagten und ihrer Ange- hörigen. Die Filmemacherin Marianne Plet- scher hat über Jahre hinweg in mehreren Do- kumentarfilmen Pflegebedürftige, Demenz- kranke und hochaltrige Menschen in ihrer letz- ten Lebensphase begleitet. In ausgewählten Ausschnitten aus ihren Filmen bringt sie ihre Lebens- und Gedankenwelt nahe. Im abschlies- senden Podiumsgespräch diskutieren die ein- geladenen Referentinnen und Referenten unter der Leitung von Iwan Rickenbacher über die Frage, ob und inwiefern Alterspflege Privat- sache oder eine gesellschaftliche Aufgabe sei. Armut und Armutsbekämpfung Angesichts der sich in der Schweiz wie in fast allen anderen OECD-Staaten ausbreitenden Armut stellt sich die Frage, ob das gegenwärti- ge soziale Sicherungsnetz der Schweiz dieser Herausforderung gewachsen ist. Im ersten Teil der Veranstaltung beschäftigen wir uns mit dem Hintergrund der Armutsaus- breitung, dem sozioökonomischen Struktur- wandel: Die Rationalisierung im industriellen Bereich, das Wachstum des Dienstleistungssek- tors sowie die zunehmende internationale Kon- kurrenz gelten als hauptsächliche Faktoren, welche zum Anstieg der Armutsquote beitra- gen. Diese Entwicklung vergegenwärtigen wir uns auf dem Hintergrund aktueller Theorien. Nebst einer grundsätzlichen Auseinanderset- zung mit den Bestimmungsgründen und gesell- schaftlichen Folgen des Armutsproblems be- fassen wir uns anschliessend im zweiten Teil mit den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Armutsmessung. Basierend auf einigen empi- rischen Armutsbefunden aus der amtlichen Statistik und der Armutsforschung werden zen- trale Konzepte und Indikatoren zur Messung von Armut vorgestellt und kritisch hinterfragt. Mit welchen unterschiedlichen sozialpoliti- schen Konzepten dem Armutsproblem in ver- schiedenen europäischen Ländern begegnet wird, ist das Thema des dritten Teils, sodass wir auf dem Hintergrund anderer sozialpolitischer Orientierungen (flexicurity, Aktivierung, social investment, garantiertes Grundeinkommen) die Chancen und Grenzen der Schweizer Sozial- politik diskutieren können. Den Teilnehmenden wird insgesamt ein ver- tiefter Überblick über die verschiedenen As- pekte des Problems der Armut und Armutsbe- kämpfung in der Schweiz vermittelt. Ist Alterspflege Privatsache? Die engagierte öffentliche Debatte über die sozialen und ökonomischen Herausforderungen der Betreuung und Pflege der Hochbetagten nimmt Caritas Schweiz zum Anlass, das The- ma des vierten Lebensalters in seinen vielen Facetten aufzugreifen. Exper- tinnen und Experten aus Wirtschaft, Poltik und der Pflegebranche widmen sich am Forum der Frage nach sozia- ler Ungleichheit in der Alterspflege und entwerfen Strategien für eine soziale Zukunft. Im Verlaufe des Ta- ges erhalten Sie zudem Einblick in Datum Veranstaltung Ort Auskünfte 12.1.2011 10.Personen-Schaden-Forum 2011 Zürich, Kongresshaus HAVE/REAS, Postfach 8193 Eglisau F: 043 422 40 11 tagung@have.ch 14.1.2011 Caritas Forum: Ist Alterspflege Privatsache? Die sozial politische Tagung der Caritas (vgl. Hinweis) Bern, Kultur-Casino Caritas Schweiz Löwenstrasse 3 6002 Luzern T: 041 419 22 22 info@caritas.ch www.caritas.ch 17.1.2011 HWS-Distorsion – Schleuder- trauma. Weiterführendes zu einem zentralen Bundesgerichtsent- scheid Zürich, Kongresshaus Institut für Rechtswissen- schaft und Rechtspraxis, Universität St.Gallen Bodanstrasse 4, 9000 St.Gallen T: 071 224 24 24 F: 071 224 28 83 irp@unisg.ch www.irp.unisg.ch 27.1.2011 Mediation – nachhaltige Konfliktlösung in Verwaltung, Schulen, Sozial- und Gesundheitswesen Freiburg, Universität Weiterbildungsstelle, Universität Freiburg, Rue de Rome 6, 1700 Freiburg T: 026 300 73 47 F: 026 300 96 49 formcont@unifr.ch www.unifr.ch/formcont 17./18.2.2011 Armut und Armutsbekämpfung. Die Sozialpolitik der Schweiz im internationalen Vergleich (vgl. Hinweis) Universität Freiburg, Weiterbildungszentrum Weiterbildungsstelle, Universität Freiburg, Rue de Rome 6, 1700 Freiburg T: 026 300 73 47 F: 026 300 96 49 formcont@unifr.ch www.unifr.ch/formcont 17.5.2011 Sozialversicherungsrechts tagung 2011 Zürich, Kongresshaus Institut für Rechtswissen- schaft und Rechtspraxis, Universität St.Gallen Bodanstrasse 4, 9000 St.Gallen T: 071 224 24 24 F: 071 224 28 83 irp@unisg.ch www.irp.unisg.ch 19.5.2011 Schweizerisches Forum der sozialen Krankenversicherung: Das Gesundheitswesen im Umbau – Reformen auf dem Prüfstand Zürich, Kongresshaus RVK, Haldenstrasse 25, 6006 Luzern T: 041 417 05 00 F: 041 417 05 01 m.kasper@rvk.ch www.rvk.ch 360 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Sozialversicherungsstatistik BSV, Bereich Statistik Veränderung der Ausgaben in % seit 1980 35% 30% 10% 0% 20% –10% –15,8% –31,3% 21,0% AHV 1990 2000 2007 2008 2009 Veränderung in % VR1 Einnahmen Mio. Fr. 20 355 28 792 34 801 31 592 39 704 25,7 % davon Beiträge Vers./AG 16 029 20 482 25 274 26 459 27 305 3,2 % davon Beiträge öff. Hand 3 666 7 417 9 230 9 455 9 559 1,1 % Ausgaben 18 328 27 722 33 303 33 878 35 787 5,6 % davon Sozialleistungen 18 269 27 627 33 152 33 747 35 638 5,6 % Rechnungssaldo 2 027 1 070 1 499 –2 286 3 917 –271,3 % Kapital 18 157 22 720 40 6372 38 351 42 268 10,2 % Bezüger/innen AV-Renten Personen 1 225 388 1 515 954 1 808 234 1 868 973 1 929 149 3,2 % Bezüger/innen Witwen/r-Renten 74 651 79 715 109 731 113 193 116 917 3,3 % Beitragszahler/innen AHV, IV, EO 3 773 000 3 904 000 4 154 000 4 219 000 4 280 000 1,4 % IV 1990 2000 20073 20083 2009 VR1 Einnahmen Mio. Fr. 4 412 7 897 11 786 8 162 8 205 0,5 % davon Beiträge Vers./AG 2 307 3 437 4 243 4 438 4 578 3,2 % davon Beiträge öff. Hand 2 067 4 359 7 423 3 591 3 518 –2,0 % Ausgaben 4 133 8 718 13 867 9 524 9 331 –2,0 % davon Renten 2 376 5 126 6 708 6 282 6 256 –0,4 % Rechnungssaldo 278 –820 –2 081 –1 362 –1 126 –17,3 % Kapital 6 –2 306 –11 411 –12 773 –13 899 8,8 % Bezüger/innen IV-Renten Personen 164 329 235 529 289 563 287 753 283 981 –1,3 % EL zur AHV 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Ausgaben (= Einnahmen) Mio. Fr. 1 124 1 441 1 827 2 072 2 210 6,7 % davon Beiträge Bund 260 318 403 550 584 6,2 % davon Beiträge Kantone 864 1 123 1 424 1 522 1 626 6,8 % Bezüger/innen (Personen, bis 1997 Fälle) 120 684 140 842 158 717 162 125 167 358 3,2 % EL zur IV 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Ausgaben (= Einnahmen) Mio. Fr. 309 847 1 419 1 608 1 696 5,5 % davon Beiträge Bund 69 182 306 596 626 5,0 % davon Beiträge Kantone 241 665 1 113 1 012 1 070 5,7 % Bezüger/innen (Personen, bis 1997 Fälle) 30 695 61 817 97 915 101 535 103 943 2,4 % BV/2.Säule Quelle: BFS/BSV 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Einnahmen Mio. Fr. 32 882 46 051 58 560 61 911 … 5,7 % davon Beiträge AN 7 704 10 294 14 172 14 904 … 5,2 % davon Beiträge AG 13 156 15 548 22 684 24 568 … 8,3 % davon Kapitalertrag 10 977 16 552 15 467 16 548 … 7,0 % Ausgaben 15 727 31 605 36 650 38 311 … 4,5 % davon Sozialleistungen 8 737 20 236 28 407 29 361 … 3,4 % Kapital 207 200 475 000 606 800 537 000 … –11,5 % Rentenbezüger/innen Bezüger 508 000 748 124 905 360 932 086 … 3,0 % KV Obligatorische Krankenpflegeversicherung OKPV 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Einnahmen Mio. Fr. 8 869 13 944 20 245 20 064 … –0,9 % davon Prämien (Soll) 6 954 13 442 19 774 19 791 … 0,1 % Ausgaben 8 417 14 056 19 654 20 716 … 5,4 % davon Leistungen 8 204 15 478 21 639 22 798 … 5,4 % davon Kostenbeteiligung d. Vers. –801 –2 288 –3 159 –3 295 … 4,3 % Rechnungssaldo 451 –113 590 –653 … –210,6 % Kapital … 7 122 10 231 9 282 … –9,3 % Prämienverbilligung 332 2 545 3 421 3 399 … –0,6 % AHV EL zur AHV IV EL zur IV BV (Sozialleistungen) 1985–87 keine Daten vorhanden KV 1980–85 keine Daten vorhanden statistik Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 361 BSV, Bereich StatistikSozialversicherungsstatistik 56,9% –21,7%–23,3% 18,6% 52,9% Veränderung der Ausgaben in % seit 1980 Gesamtrechnung der Sozialversicherungen GRSV* 2008 Sozialversicherungszweig Einnahmen Mio. Fr. Veränderung 2007/2008 Ausgaben Mio. Fr. Veränderung 2007/2008 Rechnungs- saldo Mio. Fr. Kapital Mio. Fr. AHV (GRSV) 36 966 4,3 % 33 878 1,7 % 3 088 38 351 EL zur AHV (GRSV) 2 072 13,4 % 2 072 13,4 % – – IV (GRSV) 9 633 –6,6 % 11 092 –6,8 % –1 460 –12 379 EL zur IV (GRSV) 1 608 13,3 % 1 608 13,3 % – – BV (GRSV) (Schätzung) 61 911 5,7 % 38 311 4,5 % 23 600 537 000 KV (GRSV) 20 064 –0,9 % 20 716 5,4 % – 653 9 282 UV (GRSV) 7 948 –0,8 % 5 744 3,8 % 2 204 39 002 EO (GRSV) 998 1,8 % 1 437 7,5 % – 439 1 483 ALV (GRSV) 5 138 6,6 % 4 520 –5,8 % 618 –3 090 FZ (GRSV) (Schätzung) 5 366 4,3 % 5 319 4,5 % 47 927 Konsolidiertes Total (GRSV) 151 248 3,4 % 124 242 2,7 % 27 006 610 574 *GRSV heisst: Gemäss den Definitionen der Gesamtrechnung der Sozialversicherungen, die Angaben können deshalb von den Betriebsrechnungen der einzelnen Sozialversicherungen abweichen. Die Einnahmen sind ohne Kapitalwertänderungen berechnet. Die Ausgaben sind ohne Rückstellungs- und Reservenbildung berechnet. 1 Veränderungsrate des letzten verfügbaren Jahres. 2 Inkl. Überweisung von 7038 Mio. Fr. Bundesanteil aus dem Verkauf des SNB-Goldes im Jahr 2007. 3 Infolge NFA mit Vorjahreswerten nicht direkt vergleichbar. 4 Daten zur Arbeitslosigkeit finden Sie weiter unten. 5 Verhältnis Sozialversicherungseinnahmen zum Bruttoinlandprodukt in %. 6 Verhältnis Sozialversicherungsleistungen zum Bruttoinlandprodukt in %. 7 Jugendquotient: Jugendliche (0–19-Jährige) im Verhältnis zu den Aktiven. Altersquotient: Rentner/innen (> 65-jährig) im Verhältnis zu den Aktiven. Aktive: 20-Jährige bis Erreichen Rentenalter (M 65 / F 65). Quelle: Schweiz. Sozialversicherungsstatistik 2010 des BSV; seco, BFS. Auskunft: salome.schuepbach@bsv.admin.ch UV ALV EO neues UVG in Kraft seit 1.1.84 GRSV: Einnahmen (schwarz) und Ausgaben (grau) 2008 Registrierte Arbeits lose seit 1980 (ab 1984 inkl. Teilarbeitslose) UV alle UV-Träger 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Einnahmen Mio. Fr. 4 181 5 992 8 014 7 948 … –0,8 % davon Beiträge der Vers. 3 341 4 671 6 238 6 298 … 1,0 % Ausgaben 3 259 4 546 5 531 5 744 … 3.8 % davon direkte Leistungen inkl. TZL 2 743 3 886 4 762 4 937 … 3,7 % Rechnungssaldo 923 1 446 2 483 2 204 … –11,2 % Kapital 12 553 27 322 41 056 39 002 … –5,0 % ALV Quelle: seco 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Einnahmen Mio. Fr. 736 6 230 4 820 5 138 5 663 10,2 % davon Beiträge AN/AG 609 5 967 4 404 4 696 5 127 9,2 % davon Subventionen – 225 402 429 531 23,7 % Ausgaben 452 3 295 4 798 4 520 7 128 57,7 % Rechnungssaldo 284 2 935 22 618 –1 464 –337,1 % Kapital 2 924 –3 157 –3 708 –3 090 –4 555 47,4 % Bezüger/innen4 Total 58 503 207 074 261 341 244 030 302 826 24,1 % EO 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Einnahmen Mio. Fr. 1 060 872 939 776 1 061 36,8 % davon Beiträge 958 734 907 950 980 3,1 % Ausgaben 885 680 1 336 1 437 1 535 6,8 % Rechnungssaldo 175 192 –397 –661 – 474 –28,3 % Kapital 2 657 3 455 2 143 1 483 1 009 –31,9 % Volkswirtschaftliche Kennzahlen vgl. CHSS 6/2000, S.313ff. 2000 2004 2005 2006 2007 2008 Soziallastquote5 (Indikator gemäss GRSV) 26,0 % 27,0 % 27,3 % 27,0 % 27,0 % 26,7 % Sozialleistungsquote6 (Indikator gemäss GRSV) 19,7 % 22,2 % 22,3 % 21,5 % 20,9 % 20,5 % Demografie Basis: Mittleres Szenario A-00-2005, BFS 2000 2010 2020 2030 2040 2050 Jugendquotient7 37,6 % 33,5 % 31,3 % 32,1 % 32,1 % 31,7 % Altersquotient7 25,0 % 28,0 % 33,5 % 42,6 % 48,9 % 50,9 % Arbeitslose ø 2007 ø 2008 ø 2009 Sept. 10 Okt. 10 Nov. 10 Ganz- und Teilarbeitslose 109 189 101 725 146 089 140 040 139 365 141 668 FZ 1990 2000 2007 2008 2009 VR1 Einnahmen geschätzt Mio. Fr. 3 049 4 517 5 145 5 366 … 4,3 % davon FZ Landw. (Bund) 112 139 117 148 … 27,3 % in Tausend 362 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 daten und fakten Daten und Fakten Wichtige Masszahlen Wichtige Masszahlen im Bereich der beruflichen Vorsorge MARIE-CLAUDE SOMMER, Bereich Mathematik, Abteilung Mathematik, Analysen, Statistik, Bundesamt für Sozialversicherungen Merkmale in Franken oder in Prozent 2010 2011 BVG-Rücktrittsalter : 65 (Männer 1945 geboren) 64 (Frauen 1946 geboren) 65 (Männer 1946 geboren) 64 (Frauen 1947 geboren) 1. Jährliche AHV-Altersrente minimale 13 680 13 920 maximale 27 360 27 840 2. Lohndaten der Aktiven Eintrittsschwelle; minimaler Jahreslohn 20 520 20 880 Koordinationsabzug 23 940 24 360 Max. versicherter Jahreslohn in der obligatorischen BV 82 080 83 520 Min. koordinierter Jahreslohn 3 420 3 480 Max. koordinierter Jahreslohn 58 140 59 160 Max. in der beruflichen Vorsorge versicherbarer Jahreslohn 820 800 835 200 3. Altersguthaben (AGH) BVG Mindestzinssatz 2,0 % 2,0 % Min. AGH im BVG-Rücktrittsalter 16 422 17 139 17 012 17 730 in % des koordinierten Lohnes 480,2 % 501,1 % 488,9 % 509,5 % Max. AGH im BVG-Rücktrittsalter 266 455 277 904 276 686 288 171 in % des koordinierten Lohnes 458,3 % 478,0 % 467,7 % 487,1 % 4. Altersrente und anwartschaftliche Hinterlassenenrenten Renten-Umwandlungssatz in % des AGH im BVG-Rentenalter 7,00 % 6,95 % 6,95 % 6,90 % min. jährliche Altersrente im BVG-Rücktrittsalter 1 150 1 191 1 182 1 223 – in % des koordinierten Lohnes 33,6 % 34,8 % 34,0 % 35,1 % min. anw. jährliche Witwenrente, Witwerrente 690 715 709 734 min. anw. jährliche Waisenrente 230 238 236 245 max. jährliche Altersrente im BVG-Rücktrittsalter 18 652 19 314 19 230 19 884 – in % des koordinierten Lohnes 32,1 % 33,2 % 32,5 % 33,6 % max. anw. jährliche Witwenrente, Witwerrente 11 191 11 589 11 538 11 930 max. anw. jährliche Waisenrente 3 730 3 863 3 846 3 977 5. Barauszahlung der Leistungen Grenzbetrag des AGH für Barauszahlung 19 500 19 600 20 000 20 100 6. Teuerungsanpassung Risikorenten vor dem Rücktrittsalter erstmals nach einer Laufzeit von 3 Jahren 2,7 % 2,3% nach einer weiteren Laufzeit von 2 Jahren – 0,0% nach einer weiteren Laufzeit von 1 Jahr – 0,3% 7. Beitrag Sicherheitsfonds BVG für Zuschüsse wegen ungünstiger Altersstruktur 0,07 % 0,07% für Leistungen bei Insolvenz und für andere Leistungen 0,02 % 0,01% max. Grenzlohn für die Sicherstellung der Leistungen 123 120 125 280 8. Versicherung arbeitsloser Personen im BVG Eintrittsschwelle; minimaler Tageslohn 78,80 80,20 Koordinationsabzug vom Tageslohn 91,95 93,55 max. Tageslohn 315,20 320,75 min. koordinierter Tageslohn 13,15 13,35 max. koordinierter Tageslohn 223,25 227,20 9. Steuerfreier Grenzbetrag Säule 3a oberer Grenzbetrag bei Unterstellung unter 2. Säule 6 566 6 682 oberer Grenzbetrag ohne Unterstellung unter 2. Säule 32 832 33 408 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 363 Daten und Fakten Wichtige Masszahlen Wichtige Masszahlen im Bereich der beruflichen Vorsorge Die jährlichen Angaben seit 1985 sind auf der BSV-Homepage www.bsv.admin.ch/dokumentation/zahlen/00093/00460/index.html?lang=de Erläuterungen zu den Masszahlen Art. 1. Die minimale AHV-Altersrente entspricht der Hälfte der maximalen AHV-Altersrente. 34 AHVG 34 Abs. 3 AHVG 2. Arbeitnehmende, die bei einem Arbeitgeber einen Jahreslohn beziehen, der den minimalen Lohn übersteigt, unterstehen ab 1. Januar nach Vollendung des 17. Altersjahres für die Risiken Tod und Invalidität, ab 1. Januar nach Vollendung des 24. Altersjahres auch für das Alter der obligatorischen Versicherung. Ab dem 1.1.2005 entspricht die Eintrittsschwelle 3/4 der max. AHV-Rente, der Koordinationsabzug 7/8, der minimale Koordinierte Lohn 1/8 und der maximale koordinierte Lohn 17/8 der max. AHV-Rente. Der in der beruflichen Vorsorge versicherbare Lohn ist auf den zehnfachen maximalen versicherten Jahreslohn in der obligatorischen BV beschränkt. 2 BVG 7 Abs. 1 und 2 BVG 8 Abs. 1 BVG 8 Abs. 2 BVG 46 BVG 79c BVG 3. Das Altersguthaben besteht aus den Altersgutschriften, die während der Zeit der Zugehörigkeit zu einer Pensionskasse angespart worden sind, und denjenigen, die von vorhergehenden Einrichtungen überwiesen wurden, sowie aus den Zinsen (Mindestzinssatz 4 % von 1985 bis 2002, 3,25 % im Jahr 2003, 2,25 % im Jahr 2004, 2,5 % von 2005 bis 2007, 2,75 % im Jahr 2008, 2 % ab 2009). 15 BVG 16 BVG 12 BVV2 13 Abs. 1 BVG 62a BVV2 4. Die Altersrente wird in Prozent (Umwandlungssatz) des Altersguthabens berechnet, das der Versicherte bei Erreichen des Rentenalters erworben hat. Minimale bzw. Maximale Altersrente BVG: Leistungsanspruch einer versicherten Person, die seit 1985 ununterbrochen immer mit dem minimalen bzw. immer mit dem maximalen koordinierten Lohn versichert war. Die Witwenrente bzw. Witwerrente entspricht 60 % der Altersrente und die Kinderrente 20 % der Altersrente. Die anwartschaftlichen Risikoleistungen berechnen sich auf der Summe des erworbenen und des bis zum Rücktrittsalter projizierten Altersguthabens. 14 BVG 62c BVV2 und Übergangsbestim- mungen Bst. a 18, 19, 21, 22 BVG 18, 20, 21, 22 BVG 5. Die VE kann anstelle der Rente eine Kapitalabfindung ausrichten, wenn die Alters- oder Invalidenrente bzw. die Witwen- Witwer- oder Waisenrente weniger als 10 bzw. 6 oder 2 Prozent der Mindestaltersrente der AHV beträgt. Seit 2005 kann der/die Versicherte ein Viertel des Altersguthabens als Kapital verlangen. 37 Abs. 3 BVG 37 Abs. 2 BVG 6. Die obligatorischen Risikorenten müssen bei Männern bis zum Alter 65 und bei Frauen bis zum Alter 64 der Preisentwicklung angepasst werden. Dies geschieht erstmals nach einer Laufzeit von 3 Jahren zu Beginn des folgenden Kalenderjahres. Die Zeitpunkte der nachfolgenden Anpassungen entsprechen denjenigen der AHV-Renten. 36 Abs. 1 BVG 7. Der Sicherheitsfonds stellt die über die gesetzlichen Leistungen hinausgehenden reglementarischen Leistungen von zahlungsunfähig gewordenen VE sicher, soweit diese Leistungen auf Vorsorgeverhältnissen beruhen, aber nur bis zu dem maximalen Grenzlohn. (www.sfbvg.ch) 14, 18 SFV 15 SFV 16 SFV 56 Abs. 1c, 2 BVG 8. Seit dem 1.1.1997 unterstehen BezügerInnen von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung für die Risiken Tod und Invalidität der obligatorischen Versicherung. Die in den Artikeln 2, 7 und 8 BVG festgehaltenen Grenzbeträge müssen in Tagesgrenzbeträge umgerechnet werden. Die Tages- grenzbeträge erhält man, indem die Jahres-Grenzbeträge durch den Faktor 260,4 geteilt werden. 2 Abs. 3 BVG 40a AVIV 9. Maximalbeträge gemäss der Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung für Beiträge an anerkannte Vorsorgeformen: Gebundene Vor- sorgeversicherungen bei Versicherungseinrichtungen und gebundene Vorsorgevereinbarungen mit Bankstiftungen. 7 Abs. 1 BVV3 364 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Daten und Fakten Literatur Literatur Wirtschaft – Soziales Handeln Brigitte Liebig (Hrsg.): Corporate Social Responsibility in der Schweiz. Massnahmen und Wirkungen. 241 Seiten. Fr. 49.–. 2010. ISBN 978-3-258- 07516-7.Verlag Haupt, Bern. Seit den 1990er-Jahren wird weltweit eine brei- te Diskussion über Sinn und Unsinn von Corporate Social Responsibility geführt. Theoretische Modelle skiz- zieren ein enges Verhältnis zwischen Investitionen in Corporate Social Re- sponsibility und ökonomischen Vor- teilen für Unternehmen. Dieses Ver- hältnis ist in seiner Komplexität je- doch noch kaum empirisch erfasst. Bis heute mangelt es an differenzierten Aussagen über Determinanten und Motive sozial verantwortlichen Han- delns sowie an fundiertem Wissen über den Nutzen, der mit diesem Han- deln verbunden sein kann. Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes stellen das Kosten-Nutzen- Verhältnis von sozial verantwort- lichem Handeln privatwirtschaft- licher Unternehmen in der Schweiz in den Mittelpunkt. Am Beispiel aus- gewählter Felder werden Entste- hungsbedingungen, Wirkungsweisen und Effekte sozialen Engagements in Grossunternehmen und KMU der Schweiz dargestellt. Überdies zeich- net eine schweizweite Befragung von sozial und ökologisch verantwortlich handelnden Unternehmen ein Bild der Leistungswirkungen einer strate- gisch motivierten Philanthropie. Das Buch bietet praxisrelevantes Wissen über die Bedeutung sozial ver- antwortlichen Handelns für Gesell- schaft und Wirtschaft in der Schweiz. Sowohl privatwirtschaft lichen Unter- nehmen als auch verschiedenen Stake- holdern stellt es umsetzungsorientier- te Informationen und Kenntnisse zur Förderung sowie zur Evaluation und Optimierung von Corporate Social Responsibility zur Verfügung. Peter Ulrich: Zivilisierte Marktwirt- schaft. Eine wirtschaftsethische Ori- entierung. Aktualisierte und erwei- terte Neuausgabe. 208 Seiten. Fr. 29.90. 2010. ISBN 978-3-258-07604-1. Verlag Haupt, Bern. Vernunft, Fortschritt, Freiheit – unter diesen drei Leitideen steht die Moderne. Doch unter der Doktrin eines moralisch enthemmten und institutionell entfesselten Kapi- talismus ist Venunft und Effizienz, Fortschritt auf Wirtschaftswachstum und die Freiheit der BürgerInnen auf den «freien Markt» verkürzt worden. Rücksichtslose Gewinnmaximierung und masslose Managergehälter einer- seits, prekäre Lebenslagen für die Schwächeren, ausufernde Staatsver- schuldung und Umweltzerstörung andererseits sind die Folgen. Das Ver- hältnis zwischen Wirtschaft und Ge- sellschaft ist krisenhaft geworden, weil wir unser Leben und Zusammen- leben allzu sehr den «Sachzwängen» der Marktlogik unterworfen haben. Hinter den meisten Sachzwängen ste- cken jedoch ideologische Denkzwänge. Eine umfassende wirtschaftsethische Neuorientie- rung tut not. Der Autor zeigt, wie die Markt- wirtschaft in eine moderne Bürgergesellschaft eingebunden, also buchstäblich zivilisiert wer- den kann. Sein erhellender Entwurf weist den BürgerInnen, den Unternehmen und der Poli- tik je ihre konkrete Verantwortung zu. Sozialarbeit Petra Benz Bartoletta, Marcel Meier Kressig, Anna Maria Riedi, Michael Zwilling (Hrsg.): Soziale Arbeit in der Schweiz. Einblicke in Dis- ziplin, Profession und Hochschule. 290 Seiten. Fr. 36.–.2010. ISBN 978-3-258-07606-5. Verlag Haupt, Bern. Die Soziale Arbeit in der Schweiz ist in Bewegung. Die wirtschaftliche Lage er- fordert besondere Anstrengungen in der Sozi- alarbeit und der Sozialhilfe; die Einwanderung macht besondere Formen soziokultureller Un- terstützungsleistungen notwendig; Veränderun- gen in den Familienformen verlangen sozialpä- dagogische Ergänzungsangebote; die demogra- fische Entwicklung hinsichtlich der Altersstruk- tur schafft neue Handlungsfelder – um nur ei- nige der Bewegungen zu nennen. Für diesen Band haben Dozierende der Hochschule Bern, Luzern, St.Gallen und Zürich aktuelle Frage- und Problemstellungen der So- zialen Arbeit in der Schweiz aufgearbeitet. Die Beiträge zeichnen den gegenwärtigen Diskurs zu Gesellschaft und Soziale Arbeit, Sozialma- nagement und Sozialpolitik, Interventionen und Wirkungen sowie auch zu Hochschule und Bil- dung nach. Studierenden, aber auch Partnerin- nen und Partnern in Praxisorganisationen und der Wissenschaft bietet der Band Einblicke in Disziplin, Profession und Hochschule. Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 365 Daten und Fakten Inhaltsverzeichnis 2010 Inhaltsverzeichnis der «Sozialen Sicherheit» CHSS 2010 AHV Heft/Seite AHV: Paradigmenwechsel? (Interpellation 09.4322) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/46 Die Rechnungsergebnisse 2009 der AHV, IV und der Erwerbsersatzordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/93 Immer mehr Hundertjährige in der AHV . . . . . . . 3/158 Erhöhung der Erziehungs- und Betreuungs- gutschrift in der AHV (Parlamentarische Initiative 10.410) . . . . . . . . . . . . 3/177 Es besteht noch kein Grund zur Panik . . . . . . . . . . 5/253 Anpassung der AHV/IV-Renten, neue Grenz- beträge in der beruflichen Vorsorge . . . . . . . . . . . . 5/254 Reform der AHV: Schritte nach dem Parlaments- entscheid – Das EDI sieht zwei parallele Reformen nach Konsultationen vor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/298 Altersfragen/Ältere ArbeitnehmerInnen Nahezu zwei von fünf Betagten leiden an einer Demenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/187 Alterspolitik in den Kantonen . . . . . . . . . . . . . . . . 6/344 Arbeitslosigkeit/Arbeitsmarkt Einen neuen Beruf lernen und so gegen die Arbeitslosigkeit kämpfen (Motion 09.4257) . . . . . . 1/46 Ausbau der Ausbildungszuschüsse in der Arbeitslosenversicherung (Motion 09.4285) . . . . . . 1/47 Arbeitslosigkeit und BVG. Eine problematische Beziehung? (Interpellation 10.3336) . . . . . . . . . . . 3/178 Unterstützung von stellenlosen jungen Erwachsenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/255 Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen (Motion 10.3604). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/291 In der Arbeitswelt Tritt fassen: Coaching für Jugendliche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/300 OECD-Bericht zur Aktivierungspolitik im Schweizer Arbeitsmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/300 AVIG-Revision: Inkrafttreten (Interpellation 10.3748) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/356 Änderung Arbeitslosengesetz. Gleiche Abzüge für alle Einkommen (Parl. Initiative 10.491) . . . . . 6/357 Armut Die SKOS will die Armut in der Schweiz halbieren . . 1/3 Strategie des Bundes zur Armutsbekämpfung . . . . 2/54 Armutsbekämpfung (Motion 10.3530) . . . . . . . . . 5/289 Armutskonferenz des BSV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/299 Working-Poor-Quote 2008 tiefer als im Vorjahr . . 6/300 Armutsstrategie Kompetenzen fördern und stärken . . . . . . . . . . . . . 3/117 Armutsbetroffenen Menschen fehlt die Zukunftsperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/120 Die Jagd nach dem Geld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/121 2010 – das europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung . . . . . . . . . . . . . . 3/123 Armut bekämpfen – Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/125 Alle haben einen Beitrag zu leisten . . . . . . . . . . . . 3/130 Integration und Zusammenarbeit als Erfolgs- faktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/131 Not bedarf des besonderen Engagements der Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/133 Armut halbieren! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/135 «Sprecht mit uns, nicht über uns» . . . . . . . . . . . . . . 3/138 Kleinkindern einen guten Start ermöglichen . . . . 3/141 Nachhaltige Vermeidung von Jugendarbeitslosig- keit im Kanton Aargau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/144 Sozialfirmen helfen Armut bekämpfen . . . . . . . . . 3/147 Kanton Solothurn – ein Konzept zur Bekämpfung sozialer Notlagen und Armut . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/150 Berufliche Vorsorge Berufliche Vorsorge: Finanzielle Lage der Vorsorgeeinrichtungen im Jahr 2008 . . . . . . . . . . . . . 1/2 Ja zur Anpassung des Mindestumwandlungssatzes 1/26 25 Jahre berufliche Vorsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/89 Berufliche Vorsorge/«Gemini»: Vergleich über Rückzahlung von Entschädigungen . . . . . . . . . . . . 3/118 BVG-Umwandlungssatz. Weiteres Vorgehen (Postulat 10.3057) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/177 BVG-Kommission empfiehlt dem Bundesrat Beibehaltung des geltenden Mindestzinssatzes . . 5/254 Bessere Anlagemöglichkeiten für Freizügigkeits- kapital. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/254 Berufliche Vorsorge: Massnahmen für ältere Arbeitnehmende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/254 Berufliche Vorsorge: Der Mindestzinssatz bleibt bei 2% . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/298 Berufliche Vorsorge: Anpassung der Hinterlassenen- und Invalidenrenten BVG an die Preisentwicklung auf den 1.1.2011 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/298 366 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 Berufliche Vorsorge: Was die Senkung der Eintrittsschwelle im Rahmen der 1. BVG-Revision von 2005 bewirkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/298 Strukturreform in der beruflichen Vorsorge: Verordnungen in der Vernehmlassung . . . . . . . . . . 6/299 Administrative Entschlackung des BVG (Motion 10.3795). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/356 Wichtige Masszahlen im Bereich der beruflichen Vorsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/362 Ergänzungsleistungen Ergänzungsleistungen: hoher Bedarf bei jungen Invaliden und betagten Personen . . . . . . . . . . . . . . 4/242 Erwerbsersatz Bundesrat erhöht den Beitragssatz für die Erwerbsersatzordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/186 Familie, Generationen und Gesellschaftsfragen Beruf und Familie: erste nationale Internetplattform zu den kantonalen und kommunalen Politiken . . . 1/39 Bund als Arbeitgeber. Vereinbarkeit Familie und Beruf (Motion 09.4109) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/43 Schaffung einer Bundesstelle für Jugendschutz (Interpellation 09.4064) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/43 Abschaffung der EKKJ (Motion 09.4245) . . . . . . . . 1/44 Familien in der Schweiz. Bericht (Postulat 09.4133) . 1/44 Ständerat auf die Vorlage des Nationalrats zum Einbezug der Selbstständigerwerbenden ins Familien zulagengesetz (FamZG) eingetreten . . . . . 2/54 Verlängerung des Impulsprogramms für familien- ergänzende Kinderbetreuung: Botschaft ver- abschiedet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/54 Erfolgreiches Impulsprogramm des Bundes – über 30 000 Betreuungsplätze für Kinder geschaffen . . . 2/54 Brückenschlag zwischen den Generationen . . . . . . 2/54 Evaluation Anstossfinanzierung – Nachhaltigkeit und Impulseffekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/103 Botschaft zur Verlängerung des Impuls- programms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/106 Anstossfinanzierung für Kinderbetreuung. Finanzloch überbrücken (Motion 10.3319) . . . . . . 2/110 Tagesschulen und schulergänzende Betreuung. Lässt der Bund die Familien im Stich? (Interpellation 10.3299) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/110 Generationenpolitik. Bericht (Postulat 10.3073) . . 2/110 Aktivitäten des Europarats in der Jugendpolitik . . 3/118 Frühförderung – wichtiger Beitrag zur Chancengerechtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/119 Transparenz in der Familienzulagenordnung (Motion 10.3284). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/176 Wahlfreiheit der Erziehungsarbeit nicht verhindern (Postulat 10.3267) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/176 Wiedereinstieg ins Erwerbsleben von Hausfrauen und Hausmännern unterstützen (Motion 10.3330) . . . 3/176 Bundesrat startet zwei Programme zum Kinder- und Jugendschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/186 Familienzulagenregister: ein klares Bekenntnis für das Familienzulagensystem . . . . . . . . . . . . . . . . 4/224 Detailregelungen für das Familienzulagenregister . 5/254 Totalrevision des Jugendförderungsgesetzes: Botschaft verabschiedet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/254 Rekonstruktion von Ausbildungs- und Erwerbs- verläufen junger Frauen und Männer . . . . . . . . . . 5/279 Jugend und Gewalt: Präventionsprogramme des Bundes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/285 Unterstützung und Begleitung von Vätern als Massnahme zur Integration und zur Jugendgewalt- Prävention (Motion 10.3606). . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/289 Monitoring der gesamtschweizerischen Strategie zur Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare (Motion 10.3436) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/290 Mangel an Kinderbetreuungsplätzen: keine Diskriminierung arbeitsloser Mütter (Interpellation 10.3463) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/290 Nationale Koordination im Bereich Kindesschutz bei häuslicher Gewalt (Motion 10.3551) . . . . . . . . 5/290 Es ist Zeit für «Elternzeit und Elterngeld» in der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/348 Zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub (Motion 10.3700) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/355 Gesundheitswesen Spitex – weit mehr als nur Pflege . . . . . . . . . . . . . . . 2/55 Unfallversicherung nach UVG und ihre Finanzierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/170 Revision der Analysenliste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3/174 Die richtige medizinische Fachperson finden . . . . 5/255 Schwierige Arbeitsbedingungen – ein Gesund- heitsrisiko . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/255 Dialog Nationale Gesundheitspolitik – Wegweiser für Palliative Care in der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/300 Die Bevölkerung fühlt sich gesund . . . . . . . . . . . . . 6/300 Vergütung der Pflegeleistungen von Familienmit- gliedern durch die Krankenversicherung . . . . . . . . 6/352 Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Was tut der Bund? (Interpellation 10.3805) . . . . . . . . . . . . . . . . 6/355 Gleichstellung In der Schweiz und in Europa bleibt die Forschung hauptsächlich eine Männerdomäne . . . . . . . . . . . . . . 1/3 Gleichstellung der Geschlechter. Was tut die Schweiz? (Interpellation 09.4185) . . . . . . . . . . . . . . . 1/45 Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Gleichstellung der Geschlechter . . . . . . . . . . . . . . . 6/297 Inhaltsverzeichnis 2010Daten und Fakten Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 367 Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern – ein gravierendes Problem (auch) aus volkswirtschaft- licher Sicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/301 Auf dem Prüfstand: Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/302 Wie evidenzbasiert und gendersensibel ist die Politikgestaltung in Schweizer Kantonen? . . . . . . 6/305 Gleichstellung «ganz unten»: Investitionen in erwerbslose Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/310 Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der schweizerischen Arbeitswelt . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/314 Welche Rolle spielt die familienergänzende Kinderbetreuung für die Gleichstellung? . . . . . . . 6/318 Berufseinstieg und Lohndiskriminierung . . . . . . . 6/322 Die Revision des Vorsorgeausgleichs bei Scheidung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/326 Erwerbstätigkeit und Rentenanspruch von Frauen: Was ist gut, was am besten? . . . . . . . . . . . . 6/330 International Sozialversicherungsabkommen mit Kosovo läuft aus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/2 Personenfreizügigkeit bewährt sich auch in der Wirtschaftskrise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/119 Die Aktivitäten des Europarats in der Jugend- politik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/162 Sozialversicherungsabkommen mit Montenegro und Serbien unterzeichnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/298 Sozialversicherungsabkommen mit Japan unterzeichnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/298 Mobilität und soziale Sicherheit Internationale Koordinierung der Sozialversicherungen stärkt die schweizerische Volkswirtschaft . . . . . . . . 2/53 Berufliche Mobilität im Verhältnis Schweiz – EU zunehmend komplexer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/56 Freizügigkeit und Sozialversicherungen: Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU . . 2/57 Erleichterung des internationalen Einsatzes von Arbeitskräften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/62 Bedeutung des internationalen Sozialversiche- rungsrechts für die Arbeitgeber . . . . . . . . . . . . . . . . 2/64 Das internationale Sozialversicherungsrecht: für die Arbeitnehmenden immer wichtiger . . . . . . . 2/69 Grenzüberschreitende Mobilität der PatientInnen in Europa . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/72 Die bilateralen Abkommen mit der EU und ihre Auswirkungen auf die Sozialversicherungen . . . . . 2/76 Betrugsbekämpfung im internationalen Verhältnis . 2/79 EESSI – der elektronische Datenaustausch . . . . . . 2/81 Auswirkungen des wirtschaftlichen Austauschs ausserhalb Europas auf die Sozialversiche rungs- abkommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/86 Invalidenversicherung/Behindertenfragen Wanderausstellung 50 Jahre IV: Menschen mit Behinderung behaupten sich im Arbeitsleben . . . . . 1/3 Arbeitsmarktliche medizinische Abklärung – ein wirksames Abklärungsinstrument . . . . . . . . . . . . . . 1/31 MigrantInnen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien in der Invalidenversicherung . . . . . . . . 1/34 Tiefere Preise für Hörgeräte der IV anstatt Monopolgewinne bei den Lieferanten (Interpellation 09.4171) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/45 Integration von psychisch Kranken. Strategie des BSV (Interpellation 09.4250) . . . . . . . . . . . . . . . 1/45 Sichtbarer Erfolg der 4. und 5. IV-Revision: Erneut deutlich weniger Renten im Jahr 2009 . . . . 2/54 6. IV-Revision: Botschaft für nächsten Sanierungs- schritt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/54 Internationale Konferenz des EDI – psychische Behinderung und Integration . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/54 6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket . . . . . . . . 2/99 Marktbehindernden Tarifvertrag mit der Hörgeräte- branche kündigen (Interpellation 10.3130) . . . . . . 2/109 Interinstitutionelle Zusammenarbeit. Erfahrungen und Perspektiven (Postulat 10.3280) . . . . . . . . . . . 2/109 insieme! 50 Jahre anders normal! Das Jubiläums- jahr ist angepfiffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/119 Brücken bauen statt Barrieren . . . . . . . . . . . . . . . . 3/166 Invalidität und Migration: Zwei Studien . . . . . . . . 4/186 6. IV-Revision, 2. Teil: letzter Schritt zur nach- haltigen Sanierung der Invalidenversicherung . . . 4/186 Erneuter Rückgang des Rentenbestands . . . . . . . . 4/228 Endspurt für eine nachhaltige Sanierung der IV . . 4/232 Erhöhte IV-Quote von Migrantinnen und Migranten liegt nicht am Verfahren . . . . . . . . . . . . 4/237 Gleiche Rechte – hier und jetzt! . . . . . . . . . . . . . . . 5/255 Zugang zu Kulturgenuss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/255 Beurteilung des nationalen Pilotprojekts MAMAC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/270 Fallanalyse zur beruflichen Integration von Menschen mit psychischen Störungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/275 Kein Export von ausserordentlichen Renten (Postulat 10.3179) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/288 IV. Wiedereingliederung durch Aufklärungs- kampagne über die Psychischen Krankheiten (Motion 10.3496). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/288 Eigenständiger IV-Ausgleichsfonds . . . . . . . . . . . . 6/298 Prekäre Situation bei der beruflichen Integration von Menschen mit Leistungseinschränkung (Inter- pellation 10.3847) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/355 Invalid ist nicht mehr in (Motion 10.3699) . . . . . . 6/356 Inhaltsverzeichnis 2010Daten und Fakten 368 Soziale Sicherheit CHSS 6/2010 50 Jahre Invalidenversicherung «Es gibt nichts Gutes ausser: man tut es» . . . . . . . . . 1/1 Ein würdiges, möglichst selbst gestaltetes Leben führen… . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/4 Die Entstehung der IV: lange Vorgeschichte, kurze Realisierungsphase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/5 Die wesentlichen Revisionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/9 Invalidenversicherung: die Geschichte eines Wandels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/15 50 Jahre IV aus der Sicht der Behinderten- organisationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/18 Kurz befragt – prägnant geantwortet . . . . . . . . . . . . 1/22 Personelles Stefan Ritler wird neuer Leiter Invaliden- versicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/2 Jean-Philippe Ruegger ist neuer Präsident der IV-Stellen-Konferenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/55 Zwei Posten in der Führung des Bundesamts für Sozialversicherungen neu besetzt . . . . . . . . . . . . . . 3/118 Sozialpolitik Interinstitutionelle Zusammenarbeit. Wie weiter? (Interpellation 09.4193) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/43 Rückgang der Sozialhilfequote dank guter Konjunktur im Jahr 2008 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/119 Erfreuliche Gesamtrechnung 2008: erste Ergebnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/154 Recht auf Grundsicherung in der Bundesverfassung (Parlamentarische Initiative 10.428) . . . . . . . . . . . . 3/179 Föderal geprägte Politikfelder im europäischen Vergleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/219 Unterstützung des europäischen Freiwilligen- jahrs 2011 durch den Bund (Motion 10.3231) . . . . 4/245 Forderung nach einer systematischen Genera- tionenverträglichkeitsprüfung (Motion 10.3072) . . 4/245 Entwicklung der einzelnen Sozialversicherungen 2008–2009 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/256 Wachstum trotz Krise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/261 Welche alleinerziehenden SozialhilfebezügerInnen finden eine dauerhafte Erwerbsarbeit . . . . . . . . . . 5/264 Falsche Anreize für Sozialhilfeempfänger (Frage 10.5293) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/291 Neuerungen, Anpassungen und laufende Reformen bei den Schweizerischen Sozialversiche- rungen im Jahr 2011 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/395 Soziale Sicherheit/Sozialversicherungen Wie weiter bei den Sozialversicherungen? (Interpellation 10.3244) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3/177 Jahresbericht «Sozialversicherungen 2009» erschienen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/186 Personenkontrolle. Effizienter Datenzugriff der Sozialversicherungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/246 Finanzmarktkrise und die Konsequenzen für die Sozialversicherungen Der erneute Aufschwung nach der Wirtschaftskrise ist kein Mittel gegen alle Übel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/185 Lehren aus der Finanzkrise zur Stärkung des Sozialversicherungssystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/188 Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Sozialversicherungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/189 Hat die Finanz- und Wirtschaftskrise langfristige volkswirtschaftliche Schäden verursacht? . . . . . . . 4/195 Finanzkrise und Sozialpolitik – Handlungsbedarf aus Sicht der Wirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/201 Von einer Bankenkrise zu einer globalen Krise der Realwirtschaft. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/205 Finanzmarktkrise und die Konsequenzen für die Arbeitslosenversicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/209 Finanzmarktkrise und die Konsequenzen für den AHV-Ausgleichsfonds . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/214 Aktuelle finanzielle Lage der Vorsorge- einrichtungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4/216 Varia Demografisches Porträt der Schweiz . . . . . . . . . . . . . 1/3 Vier von fünf Personen bilden sich weiter . . . . . . . 3/119 Weiteres Wachstum und markante Alterung der Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten . . . . . . 4/187 Geburten und Eheschliessungen im Trend . . . . . . 4/187 Abnahme der Einwanderung in die Schweiz . . . . 5/255 Finanzausgleich: Ausgleichszahlungen für 2011 errechnet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5/255 Europäische Statistiken: eine Informationsquelle für alle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/300 Rubriken Parlamentarische Vorstösse . . . . . . . . 1/43, 2/109, 3/176, 4/245, 5/288, 6/355 Gesetzgebung: Vorlagen des Bundesrats . . . . . . . 1/48, 2/112, 3/180, 4/248, 5/292, 6/358 Agenda (Tagungen, Seminare, Lehrgänge) . . . . . . 1/49, 2/113, 3/181, 4/249, 5/293, 6/359 Sozialversicherungsstatistik . . . . . . . . . . . . . . . . . 1/50, 2/114, 3/182, 4/250, 5/294, 6/360 Literatur und Links – Vorsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .1/52, 3/184, 4/252 – Familie, Generationen und Gesellschaft . . . . . . . . 1/52 – Gesundheitswesen . . . . . . . . . . . . . . . .1/52, 3/184, 4/252 – Sozialversicherungen . . . . . . . . . . . . .2/116, 3/184, 5/296 – Sozialpolitik . . . . . . . . . . . . . . 2/116, 3/184, 4/252, 5/296 – Sozialhilfe/Sozialarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . 2/116, 6/364 – Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2/116, 3/184 – Wirtschaftsethik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6/364 Inhaltsverzeichnis 2010Daten und Fakten Neue Publikationen zu den Sozialversicherungen Bezugsquelle Bestellnummer Sprachen, Preis Beiträge zur sozialen Sicherheit: Herabsetzung der Eintrittsschwelle in der 1. BVG-Revision. BSV Forschungsbericht 8/10 318.010.8/10 d1 Fr. 34.– Tätigkeitsbericht 2009 Aufsicht berufliche Vorsorge (ABV) d2 Gratis Berufliche Vorsorge für arbeitslose Personen. Ergänzungsinformation zum Info-Service «Arbeitslosigkeit». Ein Leitfaden für Versicherte gemäss AVIG und BVG 716.201 d/f/i3 Gratis 1 Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), Verkauf Publikationen, 3003 Bern. verkauf.zivil@bbl.admin.ch www.bundespublikationen.ch 2 Bundesamt für Sozialversicherungen, Effingerstrasse 20, 3003 Bern. www.bsv.admin.ch 3 Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Direktion für Arbeit, Arbeitsmarkt/Arbeitslosenversicherung unter Mitwirkung der Stiftung Auffangeinrichtung BVG, www.aeis.ch www.treffpunkt-arbeit.ch unter «Downloads und Formulare»/«Broschüren» «Soziale Sicherheit» (CHSS) erscheint seit 1993 sechs Mal jährlich. Jede Ausgabe ist einem Schwerpunktthema gewidmet. Die Themen seit dem Jahr 2008: Nr. 1/08 Alterspolitik der Schweiz Nr. 2/08 Neues Familienzulagengesetz Nr. 3/08 Kein Schwerpunkt Nr. 4/08 Soziale Fragen aus ökonomischer Sicht Nr. 5/08 Kinder- und Jugendpolitik in der Schweiz Nr. 6/08 Prävention und Gesundheitsförderung Nr. 1/09 IV: ein Jahr Umsetzung «Fünfte» Nr. 2/09 Altersvorsorge Nr. 3/09 Jugend und Gewalt Nr. 4/09 Familienergänzende Kinderbetreuung aus ökonomischer Sicht Nr. 5/09 Von Generationenbeziehungen zur Generationenpolitik Nr. 6/09 Kein Schwerpunkt Nr. 1/10 50 Jahre IV Nr. 2/10 Mobilität und soziale Sicherheit Nr. 3/10 Armutsstrategie Nr. 4/10 Finanzmarktkrise und die Konsequenzen für die Sozialversicherungen Nr. 5/10 Kein Schwerpunkt Nr. 6/10 Gender oder Gleichstellung im Wohlfahrtsstaat Die Schwerpunkte sowie weitere Rubriken sind seit Heft 3/1999 im Internet unter www.bsv.admin.ch/publikat/ uebers/d/index.htm zugänglich. Sämtliche Hefte sind heute noch erhältlich (die vergriffene Nummer 1/93 als Fotokopie). Normalpreis des Einzelhefts Fr. 9.–. Sonderpreis für Hefte 1993 bis 2002 Fr. 5.–. Preis des Jahresabon- nements Fr. 53.– (inkl. MWST). Bestellung von Einzelnummern: Bundesamt für Sozialversicherungen, CHSS, 3003 Bern, Telefax 031 322 78 41, E-Mail: info@bsv.admin.ch Impressum Herausgeber Bundesamt für Sozialversicherungen Redaktion Rosmarie Marolf E-Mail: rosmarie.marolf@bsv.admin.ch Telefon 031 322 91 43 Sabrina Gasser, Administration E-Mail: sabrina.gasser@bsv.admin.ch Telefon 031 325 93 13 Die Meinung BSV-externer Autor- Innen muss nicht mit derjenigen der Redaktion bzw. des Amtes übereinstimmen. Redaktionskommission Adelaide Bigovic-Balzardi, Bernadette D eplazes, Géraldine Lui- sier, Stefan Müller, Christian Wiedmer Abonnemente BBL 3003 Bern Telefax 031 325 50 58 E-Mail: verkauf.zivil@bbl.admin.ch Übersetzungen in Zusammenarbeit mit dem Sprach- dienst des BSV Copyright Nachdruck von Beiträgen mit Zu- stimmung der Redaktion erwünscht Auflage Deutsche Ausgabe 4500 Französische Ausgabe 1700 Abonnementspreise Jahresabonnement (6 Ausgaben): Inland Fr. 53.– inkl. MWST, Ausland Fr. 58.–, Einzelheft Fr. 9.– Vertrieb BBL/Vertrieb Publikationen, 3003 Bern Satz, Gestaltung und Druck Cavelti AG, Druck und Media Wilerstrasse 73, 9201 Gossau SG ISSN 1420-2670 318.998.6/10d Editorial Gleichstellung der Geschlechter Chronik Berufliche Vorsorge: Der Mindest­zins­satz bleibt bei 2 Prozent Reform der AHV: Schritte nach dem Parlaments­entscheid – Das EDI sieht zwei parallele Reformen nach Konsultationen vor Sozial­versicherungs­abkommen mit Montenegro und Serbien unter­zeichnet Berufliche Vorsorge: Anpas­sung der Hinterlassenen- und Invalidenrenten BVG an die Preisentwicklung auf den 1.1.2011 Sozialv­ersicherungs­ab­kom­men mit Japan unterzeichnet Eigenständiger IV-Ausgleichsfonds Berufliche Vorsorge: Was die Senkung der Eintritts­schwelle im Rahmen der 1. BVG-Revision von 2005 bewirkt Betrugsbekämpfung in der IV 2009 Armutskonferenz des BSV Strukturreform in der beruflichen Vorsorge: Verordnun­gen in der Vernehmlassung Rundschau Europäische Statistiken: Eine Informationsquelle für alle In der Arbeitswelt Tritt fassen: Coaching für Jugendliche Dialog Nationale Gesund­heitspolitik – Wegweiser für Palliative Care in der Schweiz OECD-Bericht zur Akti­vierungspolitik im Schweizer Arbeitsmarkt Die Bevölkerung fühlt sich gesund Working-Poor-Quote 2008 tiefer als im Vorjahr Berufliche Vorsorge 2009 – Bilanzsumme wieder bei 600 Milliarden Franken Anhaltendes Wachstum der Gesundheitsausgaben Schwerpunkt Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern – ein gravierendes Problem (auch) aus volks­wirt­schaftlicher Sicht Auf dem Prüfstand: Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz Grenzen der Gleichstellung Das Nationale Forschungsprogramm 60 – «Gleichstellung der Geschlechter» Die Zielsetzungen des NFP 60 Wissenschaft im Dialog mit der Praxis Literatur Wie evidenzbasiert und gendersensibel ist die Politikgestaltung in Schweizer Kantonen? Ausgangslage: Steuer- und Transferpolitik ist wenig gendersensibel Fragestellung: Wie evidenzbasiert ist die Steuer- und Transferpolitik? Evidence-based Policy-Making als theoretisches Konzept Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden Arbeitspaket 1: Explorative Phase Arbeitspaket 2: Quantitative Analyse steuer- und transferpolitischer Entscheidungen in den Kantonen Arbeitspaket 3: Fallstudien Arbeitspaket 4: Internationaler Vergleich Arbeitspaket 5: Analyse und Berichterstattung Gender Mainstreaming der Steuerpolitik und der Sozialtransfers stärken Erwähnte Literatur Gleichstellung «ganz unten»: Investitionen in erwerbslose Frauen Vom Ernährermodell zum «adult worker» Forschungsfeld Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe Investition und Selektion In sich selbst investieren? Nahaufnahmen der Investitions- und Aktivie­rungspraxis: Ethnographische Fallstudien Sozialinvestitionspolitik als Vehikel für Gleichstellung Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der schweizerischen Arbeitswelt Gründe für die interkantonalen Unterschiede: eine offene Frage Politik und Gleichstellung in der Schweiz Indizien aus der komparativen Forschung Deskriptiv-statistische Analysen und Überprüfung von Einflussfaktoren Auslotung politischer Handlungsspielräume Literatur Welche Rolle spielt die familienergänzende Kinderbetreuung für die Gleichstellung? Veränderte Erwerbssituation Berufskompatible Angebote Familie und Karriere Gesamtschweizerische Datenbasis Verzerrte Ergebnisse korrigieren Interviews und Fokusgruppen Zitierte Literatur Berufseinstieg und Lohndiskriminierung Ausgangslage und Fragestellungen Geschlechtsspezifische Unterschiede im Ausbildungsverlauf und beim Berufseinstieg Forschungsthesen zu den Ursachen der Lohndiskriminierung beim Berufseinstieg Methodisches Vorgehen und Datengrundlage Projektbedeutung und Nutzen der erwarteten Ergebnisse Literatur Die Revision des Vorsorgeausgleichs bei Scheidung Ausgangslage Grundzüge des geltenden Rechts Teilung der beruflichen Vorsorge (Art. 122 ZGB) Verzicht und Ausschluss der Teilung (Art. 123 ZGB) Entschädigung (Art. 124 ZGB) Kritik am geltenden Recht Geschiedene Witwen Die wichtigsten Neuerungen des Vorentwurfs Vorentwurf des Bundesrats Teilung der Austrittsleistung auch nach Eintritt des Vorsorgefalls (Art. 122 Abs.1 VE-ZGB i.V.m. Art. 22d und 22e VE-FZG) Ausnahmen von der hälftigen Teilung (Art. 122 Abs. 2 und 3 VE-ZGB) Zustimmung des Ehegatten bzw. des eingetragenen Partners bei Belastung eines mit Vorsorgemitteln finanzierten Grundstücks (Art. 30c Abs. 5 VE-BVG, Art. 5 Abs. 3 VE-FZG) Massgebender Zeitpunkt für die Berechnung der zu teilenden Austrittsleistung (Art. 22a Abs. 1 VE-FZG) und Aufteilung des Zinsverlustes (Art. 22a Abs. 3 VE-FZG) Übertragung der Austrittsleistung, Wiedereinzahlung (Art. 22c VE-FZG) Auffangeinrichtung und Umwandlung der Austrittsleistung in eine Rente (Art. 22f VE-FZG) Meldepflicht der Einrichtungen (Art. 24a VE-FZG) Internationale Verhältnisse (Art. 61 und 64 des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht [IPRG]) Weiteres Vorgehen Erwerbstätigkeit und Rentenanspruch von Frauen: Was ist gut, was am besten? Rentenreformen und deren Auswirkungen auf Frauen Renten im Beitragsprimat Gesetzliches Rentenalter Versicherungsmathematische Neutralität Indexierung der Renten Hinterbliebenenrenten Paternalismus im Wohlfahrtsstaat Ansätze für gendersensible Rentenkonzepte Sozialpolitik Neuerungen, Anpassungen und laufende Reformen bei den schweizerischen Sozialversicherungen im Jahr 2011 Änderungen per 1. Januar 2011 Anpassung der AHV/IV-Renten Anpassung der Grenzbeträge in der beruflichen Vorsorge Anpassung der Hinterlassenen- und Invalidenrenten der beruflichen Vorsorge Berufliche Vorsorge: Der Mindestzinssatz bleibt bei 2 Prozent Bessere Anlagemöglichkeiten für Freizügigkeitskapital Berufliche Vorsorge: Massnahmen für ältere Arbeitnehmende Bundesrat erhöht den Beitragssatz für die Erwerbsersatzordnung Erhöhung kommt drei Jahre später als ursprünglich angenommen Detailregelungen für das Familien­zulagenregister Datenaustausch Informationszugang Inbetriebnahme Arbeitslosenversicherung: Erhöhung der Lohnabzüge per 2011 Eigenständiger IV-Ausgleichsfonds Gesundheitswesen: Genehmigung der Prämien 2011 Überblick über laufende Reformen Strategie des Bundes zur Armutsbekämpfung Eingliederung in den Arbeitsmarkt steht für den Bund im Zentrum Der Armutsbericht befasst sich mit Armut in allen Lebensphasen Bundesrat startet zwei Programme zum Kinder- und Jugendschutz Gesamtschweizerisches Präventions­programm Jugend und Gewalt Nationales Programm Jugendmedien­schutz und Medienkompetenzen Verordnung über Massnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie zur Stärkung der Kinderrechte Totalrevision des Jugendförderungsgesetzes Zeitgemässes, neues Kinder- und Jugendförderungsgesetz KJFG 6. IV-Revision, zweites Mass­nahmenpaket: letzter Schritt zur nachhaltigen Sanierung der Invalidenversicherung Massnahmen auf Gesetzesstufe Massnahmen auf Verordnungs- und Weisungsebene Entschuldung der IV und Mechanismus für eine ausgeglichene Rechnung Betrugsbekämpfung in anderen Sozialversicherungen Finanzielle Auswirkungen der IV-Revision 6b Reform der AHV: Schritte nach dem Parlamentsentscheid – Das EDI sieht zwei parallele Reformen nach Konsultationen vor Familie, Generationen, Gesellschaft Alterspolitik in den Kantonen: eine Bestandesaufnahme In den meisten Kantonen ein Thema Unterschiedliche Schwerpunkte Aus gerontologischer Sicht wichtige Aspekte der Alters­politik Heterogenität des Alter(n)s und differenzierte Altersbilder Mainstreaming: Einbettung des Alters und Alterns in die Gesamt­gesellschaft Partizipation älterer Menschen auf allen Ebenen Ausrichtung von Alterspolitik an der Lebensqualität Voneinander lernen Es ist Zeit für «Elternzeit und Elterngeld» in der Schweiz Das Modell der EKFF für Elternzeit und Elterngeld in der Schweiz Rechtliche Grundlagen Das EKFF-Modell im internationalen Vergleich Elternzeit und Elterngeld – zentrale Elemente einer nachhaltigen Familienpolitik Die Verbesserung der Verein­barkeit von Familie und Beruf ist prioritär Optimale Startbedingungen für die Kinder Gesundheit Vergütung der Pflegeleistungen von Familien­mitgliedern durch die Krankenversicherung Rechtliches Umfeld der Studie Kantonale Vorschriften… …und Standpunkt der kantonalen Gesundheits­departemente Anzahl angestellte Angehörige in den kantonalen oder kommunalen Diensten… … und Reaktionen einiger LeiterInnen von Spitex-Diensten Schlussfolgerungen Rechtliche Verweise (Auswahl) Parlament Gesundheit 10.3805 – Interpellation Schenker Silvia, 1.10.10: Soziale Ungleichheit und Gesund­heit. Was tut der Bund? Begründung Familienfragen 10.3700 – Motion Streiff-Feller Marianne, 28.9.10: Zwei Wochen bezahlter Vater­schaftsurlaub Begründung Invalidenversicherung 10.3847 – Interpellation Chopard-Acklin Max, 1.10.10: Prekäre Situation bei der beruflichen Integration von Menschem mit Leistungseinschränkung Begründung 10.3699 – Motion Streiff-Feller Marianne, 28.9.10: Invalid ist nicht mehr in Begründung Berufliche Vorsorge 10.3795 – Motion Graber Konrad, 30.9.10: Administrative Entschlackung des BVG Begründung Arbeitslosenversicherung 10.3748 – Interpellation Rennwald Jean-Claude, 29.9.10: AVIG-Revision: Inkrafttreten 10.491 – Parlamentarische Initiative Prelicz-Huber Katharina, 1.10.10: Änderung Arbeitslosengesetz. Gleiche Abzüge für alle Einkommen Begründung Daten und Fakten Agenda Ist Alterspflege Privatsache? Armut und Armutsbekämpfung Wichtige Masszahlen im Bereich der beruflichen Vorsorge Literatur Wirtschaft – Soziales Handeln Sozialarbeit Inhaltsverzeichnis der «Sozialen Sicherheit» CHSS 2010 Statistik AHV EL IV EL zur IV BV/2. Säule KV UV ALV EO FZ Neue Publikationen Impressum

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    Erstellungsdatum: 23.06.2014

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    Zemp Simon BA Arbeit 2019 002

    Gefährdet die direkte Demokratie die Rechte von Minderheiten? Ein Systematic Review von Theorie, Methodik und Evidenz U n i v e r s i t ä t L u z e r n eingereicht am 26.09.2018 durch: Simon Zemp Industriestrasse 3 6170 Schüpfheim Matr.-Nr: 15-451-487 bei: Prof. Dr. Joachim Blatter Bachelorarbeit Zur Erlangung des Bachelorgrades der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung ................................................................................................................................... 1 1.1 Direkte Demokratie – eine brisante Thematik ..................................................................................1 1.2 Relevanz und Leitfrage .....................................................................................................................2 2. Einführung systematic Review und Überblick Vorgehen ........................................................... 4 2.1 Systematic Review und die Politikwissenschaft – ein unerforschtes Feld .......................................4 2.2 Überblick Vorgehen .........................................................................................................................5 3. Theorieteil ................................................................................................................................... 6 3.1 Analyse der Begrifflichkeiten ...........................................................................................................6 3.1.1 Die direktdemokratischen Institutionen .................................................................................6 3.1.2 Minderheiten und ihre Rechte ................................................................................................8 3.2 Theoretische Erklärungs- und Wirkungsmechanismen ................................................................. 12 3.2.1 Erklärungsansätze negativer Effekt ..................................................................................... 14 3.2.2 Erklärungsansätze positiver Effekt ...................................................................................... 18 3.2.3 Indirekter Effekt .................................................................................................................. 21 3.2.4 Kontextbedingungen ........................................................................................................... 22 3.2.5 Fazit Wirkungsmechanismen .............................................................................................. 24 4. Systematic Review des empirischen Forschungsstandes .......................................................... 25 4.1 Vorbereitung Review-Protokoll .................................................................................................... 25 4.1.1 Auswahlkriterien ................................................................................................................. 25 4.1.2 Vorgehen Recherche ........................................................................................................... 27 4.1.3 Präsentation der Auswahlgesamtheit .................................................................................. 27 4.1.4 Vorgehen Evaluation ........................................................................................................... 31 4.2 Darstellung der evaluierten Forschungsarbeiten ........................................................................... 32 5. Versuch einer Synthese ............................................................................................................ 50 5.1 Synthese Methodik ........................................................................................................................ 50 5.2 Synthese der empirischen Evidenz ................................................................................................ 54 6. Fazit und Reflexion .................................................................................................................. 65 7. Bibliographie ............................................................................................................................ 67 8. Anhang ..................................................................................................................................... 73 Universität Luzern Simon Zemp 1 1. Einleitung 1.1 Direkte Demokratie – eine brisante Thematik Die direkte Demokratie ist weltweit auf dem Vormarsch. Spätestens seit der Jahrtausendwende ent- decken immer mehr politische Systeme direktdemokratische Instrumente wie Initiative und Refe- rendum für sich (Grotz, 2009; Kaufmann, 2010; Kost, 2013; Marxer, 2012). Als Vorbilder können dabei die Schweiz oder gewisse US-Bundestaaten dienen, die auf eine lange direktdemokratische Traditionsgeschichte zurückblicken. Trotzdem wäre es verfehlt, von einer generellen Welle der Be- geisterung zu sprechen, was die Haltung gegenüber der direkten Demokratie betrifft. Der Idee der direkten Volksrechte schlägt in vielen, vornehmlich elitären Kreisen, noch immer ein eisiger Wind entgegen (Marxer, 2012). Unter anderem die Wissenschaft ist von einer langen Tradition des Skep- tizismus gegenüber der direkten Demokratie geprägt, was insbesondere auf polittheoretische Schwergewichte wie James Madison oder Alexis de Tocqueville zurückgeführt werden kann. Auch innerhalb der politischen Elite tun sich viele scheinbar schwer damit, ernsthaft über eine Weiterent- wicklung der eigenen Demokratie im Sinne einer stärkeren direktdemokratischen Teilhabe der Be- völkerung nachzudenken. Eigene Machtinteressen oder die Angst vor Populismus und Demagogie können hierfür mögliche Erklärungen sein (Butler und Ranney, 1994). Doch es lassen sich auch überzeugende Argumente finden, die aufzeigen, dass gerade den gegenwärtigen Herausforderungen von Politikverdrossenheit und Populismus mit dem Ausbau direktdemokratischer Institutionen ent- gegengetreten werden kann (Serrao, 2017; Stojanovic, 2017). Es scheint ausser Diskussion zu ste- hen, dass für eine erfolgreiche Reformierung angeschlagener Demokratien sowie für die nachhaltige und möglichst globale Etablierung der Demokratieidee die direktdemokratischen Partizipationsfor- men nicht einfach ignoriert werden können. Die Einführung von direktdemokratischen Instrumen- ten kann sich unter Umständen äusserst positiv auf die politische Integration der Bevölkerung aus- wirken, einen wichtigen Beitrag zur Etablierung eines starken gesellschaftlichen Kollektivs leisten und so das repräsentative System insgesamt sehr gewinnbringend ergänzen (Stojanovic, 2017). Po- litische Entscheidungsträger/-innen sind deshalb gut damit beraten, sich intensiv mit der Möglich- keit der Institutionalisierung von Volksrechten auseinanderzusetzen. Es ist offensichtlich, dass hier- für Wissen über die direkte Demokratie und ihre gesellschaftliche Auswirkung von grosser Wichtigkeit ist, wodurch unter anderem die Politikwissenschaft unter Zugzwang steht. Erfreulicherweise lässt sich spätestens seit der Jahrtausendwende ein steigendes Interesse an der wissenschaftlichen Erforschung der direkten Demokratie und ihrer gesellschaftlichen Auswirkun- gen beobachten. Eine der wichtigsten und andauerndsten Debatten dreht sich dabei um die Frage, wie sich die direkte Demokratie auf Minderheiten auswirkt (Hajnal et al., 2002, p. 154). Die Universität Luzern Simon Zemp 2 Befürchtung einer «Tyrannei der Mehrheit», vor der bereits Alexis de Tocqueville (2006 [1835]) und James Madison (2007 [1788]) gewarnt haben, nimmt dabei eine entscheidende Stellung ein. Während im Sinne des Madison’schen Demokratieverständnis die repräsentative Arena mit ver- schiedensten institutionellen Checks and Balances ausgestattet wurde, um genau dieser Befürchtung entgegenzutreten, kennt die direkte Demokratie bis heute kaum solche Kontrollmechanismen (Hai- der-Markel et al., 2007). Dies kann problematische Auswirkungen haben, da insbesondere direkt- demokratische Institutionen aufgrund ihres unmittelbaren Ausdruckes eines Mehrheitswillens für besonders anfällig angesehen werden, eine Tyrannei der Mehrheit zu entwickeln (Eule, 1990). Diese Problematik der tyrannischen Mehrheitsentscheide in der direkten Demokratie wird vor allem in Bezug auf die Auswirkung für die Rechte von Minderheiten rege diskutiert. Wie sich Volksent- scheide auf Minderheitenrechte auswirken, ist gesellschaftspolitisch und demokratietheoretisch eine sehr bedeutsame Frage, die in der Wissenschaft sehr umstritten ist und für die nur bruchstückhaft Evidenz vorliegt (Gerber und Hug, 2002, p. 2). Die hier vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zu genau dieser Debatte zu liefern. Um dabei einen möglichst hohen Nutzen für das Forschungsfeld zu erzielen, war in einem ersten Schritt ein Puzzle innerhalb der Thematik zu finden. Im nun folgenden Kapitel wird das identifi- zierte Forschungs-Puzzle kurz beleuchtet und es wird begründet, warum die Durchführung eines systematic Reviews als geeigneter Ansatz betrachtet wird, um dieses Puzzle zu adressieren. Ab- schliessend werden die Leitfrage und drei Forschungsziele definiert. 1.2 Relevanz und Leitfrage Aktuell konkurrieren unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Frage, ob Minderheitenrechte durch ein direktdemokratisches System verletzt oder geschützt werden (Vatter und Danaci, 2010). Bis in die 1990er-Jahre beruhten die Erkenntnisse zur Thematik vornehmlich auf anekdotischem Wissen einiger US-amerikanischer Forscher (Butler und Ranney, 1978; Cronin, 1989; Magleby, 1984). Dabei wurden zwar teilweise Hinweise für negative Effekte präsentiert, grundsätzlich hütete man sich aber vor einem klaren Positionsbezug. Die sehr von generellen empirischen Beobachtun- gen sowie subjektiven Einschätzungen geprägten Beiträge konnten so keine zufriedenstellende em- pirische Basis für die Thematik darstellen (Eule, 1990, p. 1552). Im Jahre 1997 veröffentlichte Bar- bara Gamble eine erste analytisch-empirische und breit angelegte Studie zum Zusammenhang von direkter Demokratie und Minderheitenrechte (Gamble, 1997). Die Studie stiess auf ein grosses Echo und veranlasste diverse Forscher/-innen dazu, ihrerseits empirische Studien zur Thematik zu publi- zieren (z.B. Donovan und Bowler, 1998; Frey und Goette, 1998; Hajnal et al., 2002). Trotz der Universität Luzern Simon Zemp 3 vertieften Beschäftigung seither ist die Evidenz bis heute bruchstückhaft und die verschiedenen Stu- dien weisen teils widersprüchliche Befunde über den Effekt aus (Vatter, 2011, p. 215). Ein erster Blick auf den aktuellen empirischen Forschungsstand zur Thematik zeigt, dass sich di- verse Studien finden lassen, die allesamt das gleiche Ziel verfolgen und den Anspruch erheben, Evidenz für den Effekt von direkter Demokratie auf Minderheitenrechte präsentieren zu können. Bei genauerer Betrachtung der einzelnen Studien lässt sich eine grosse Heterogenität feststellen, was z.B. das methodische Vorgehen oder die Fallauswahl betrifft. Der Nachweis eines Effektes der direkten Demokratie scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein, dem sich die bisherige Forschung mit sehr unterschiedlichen Ansätzen angenommen hat. Hainmueller und Hangartner (2015, p. 1) halten treffend fest: “The reason for the absence of convincing evidence on the effects of direct democracy on minority outcomes is that identifying the causal effect of direct democracy is a chal- lenging empirical enterprise.” Bei der ersten Betrachtung des Forschungsstandes zeigt sich auch, dass die aktuelle wissenschaftli- che Auseinandersetzung von empirischen Primäranalysen dominiert ist. Umfassende Sekundärana- lysen sowie vertiefte theoretische Auseinandersetzungen lassen sich bisher kaum finden. Die meis- ten empirischen Studien versuchen zwar den Forschungsstand aufzuarbeiten und überblickmässig darzustellen. Dabei blieb es bisher jedoch mehrheitlich bei sehr verkürzten Erwähnungen der ver- schiedenen Studienergebnisse, um anschliessend die eigene empirische Forschung ins Zentrum rü- cken zu lassen. Problematisch ist vor allem, dass die Studien und ihre Evidenzen oftmals schubla- disiert werden, um möglichst einfach aufzählen zu können, welche Studien bisher welchen Effekt nachweisen konnten. Eine systematische und kritische Betrachtung der verschiedenen Studien und der sehr relevanten Kontextbedingungen kommt dabei grundsätzlich zu kurz. Genau eine solch dif- ferenzierte Betrachtung der Studien erscheint jedoch unabdingbar, um wirkliche Erkenntnisse aus dem heterogenen Forschungsstand zu ziehen. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die em- pirischen Forschungsergebnisse zur Frage nach dem Effekt der direkten Demokratie auf Minderhei- tenrechte bisher sehr ungenügend in Sekundäranalysen reflektiert worden sind. Eine vertiefte Se- kundäranalyse erscheint jedoch besonders vor dem Hintergrund der widersprüchlichen Befunde und der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes von grosser Relevanz. Es wurde bereits erwähnt, dass sich für die Adressierung des kurz dargestellten Puzzles das Konzept des systematic Reviews aufdrängt. Ein systematic Review versucht durch systematisches Evaluieren und Synthetisieren von einzelnen Forschungsergebnissen neue Erkenntnisse zu gewinnen und das Forschungsproblem in einen grösseren Zusammenhang zu stellen. Cook schreibt hierzu: “Individ- ual studies are limited in the generalisability of the knowledge they produce about concepts, Universität Luzern Simon Zemp 4 populations, settings and times and frequently illuminate only one part of a larger explanatory puz- zle” (Cook, 1992, p. 3). Die einzelnen Puzzleteile zu einem grösseren und einheitlicheren Bild zu- sammenzufügen - das ist genau der Ansatz, mit dem diese Bachelorarbeit auf die bisherigen Mängel in der Erforschung des Einflusses der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte reagieren möchte. Ihrer limitierten Ressourcen bewusst und doch mit dem Anspruch den Wissensstand ein Stück wei- ter zu bringen, wird die hier vorliegende Arbeit somit den Forschungstand zur angesprochenen The- matik im Rahmen eines systematic Reviews analysieren - ganz im Sinne von Newton: «if I see further than others, it is because I stand on the shoulders of giants» (ebd.). Folgende Leitfrage lässt sich für die Durchführung des systematic Reviews festhalten: Was ist der Stand der Forschung bezüglich der Frage nach dem kausalen Effekt von direkt- demokratischen Institutionen auf die Rechte von Minderheiten?1 Basierend auf den erwähnten Problemfeldern und Forschungslücken innerhalb der Thematik wer- den drei Ziele für das Review formuliert: 1. Theorie: Im Rahmen der Arbeit soll eine übersichtliche Darstellung der theoretischen Wir- kungsmechanismen erarbeitet werden. 2. Empirische Evidenz: Die Arbeit soll eine möglichst umfassende und systematische Analyse des empirischen Forschungsstandes und dessen Robustheit anpeilen. 3. Methodik: Durch eine kritische Evaluierung der Forschungsdesigns bisheriger Studien soll ein Beitrag zum besseren Verständnis und zur Weiterentwicklung der Methodik auf dem Gebiet geleistet werden. 2. Einführung systematic Review und Überblick Vorgehen Ein systematic Review zielt darauf ab, die aktuelle, verfügbare Evidenz zu einem Forschungsfeld möglichst umfassend, unverzerrt und übersichtlich darzustellen (Croucher et al., 2003, p. 9). Damit diesem Anspruch entsprochen werden kann, ist ein systematisches und transparentes Vorgehen un- entbehrlich. Es wird nun kurz in die Methode des systematic Reviews eingeführt sowie das konkrete Vorgehen präsentiert. 2.1 Systematic Review und die Politikwissenschaft – ein unerforschtes Feld Das Design des systematic Reviews hat seine Ursprünge in der evidenzbasierten Medizin- und Ge- sundheitsforschung und etablierte sich in diesem Gebiet als Forschungsdesign, welchem die höchste Beweiskraft unter allen wissenschaftlichen Arbeiten zugestanden wird. Viele sozialwissenschaftli- che Disziplinen liessen sich von der Evidenz-Bewegung der Medizin inspirieren und so fanden auch 1 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird häufiger der Ausdruck «Forschungseffekt» als Referenz zu ebendiesem Ef- fekt verwendet. Universität Luzern Simon Zemp 5 Felder wie die Psychologie oder die Gesundheitspolitik Gefallen an der Methode. Innerhalb der Sozialwissenschaften erlangte das systematic Review in Bereichen wie Bildung (Oakley, 2003), Ma- nagement (Tranfield et al., 2003) oder Public Administration (Heinrich, 2007) einen hohen Stellen- wert. In ihrer klassischen Form zielen systematic Reviews darauf ab, robuste Evidenz für den Effekt einer Intervention zu erhalten. Solches Wissen kann insbesondere für politische Entscheidungsträ- ger/-innen von grossem Nutzen sein (Young et al., 2002). Umso erstaunlicher ist es, dass die Poli- tikwissenschaft dem Design bisher kaum Beachtung schenkte (Daigneault et al., 2014). Als methodische Richtschnur für die vorliegende Arbeit dient das Werk «Systematic Reviews in the Social Sciences» (Petticrew und Roberts, 2006). Weiter werden Dacombe (2018) und Daigneault et al. (2014), insbesondere für den Bezug zur politikwissenschaftlichen Perspektive, hinzugezogen. 2.2 Überblick Vorgehen Aus der Literatur zum grundsätzlichen Vorgehen bei einem systematic Review lassen sich folgende fünf Phasen extrahieren (Cooper, 1982; Petticrew und Roberts, 2006): 1. Formulierung Forschungsfrage 2. Erstellung Review-Protokoll 3. Literaturrecherche 4. Evaluierung der Studien 5. Synthetisierung der Ergebnisse Das Vorgehen dieser Arbeit orientiert sich grundsätzlich an diesen fünf Phasen. Da jedoch neben der systematischen Analyse des empirischen Forschungsstandes auch der Beitrag zum theoretischen Rahmen als sehr zentral angesehen wird, ist dem eigentlichen Review mit den fünf Phasen ein rela- tiv umfassender Theorieteil vorgeschoben. Diese theoretische Abhandlung wird in narrativer Form präsentiert und soll die zentralen Begrifflichkeiten des untersuchten Effektes sowie die theoreti- schen Wirkungsmechanismen erörtern. Im Anschluss an diese theoretische Auseinandersetzung wird die Analyse des empirischen Forschungsstandes ins Zentrum rücken. Ab hier wird versucht, dem Schema und den Gütekriterien eines systematic Reviews möglichst zu entsprechen. Als Vorbe- reitung hierzu ist ein Review-Protokoll zu erstellen, um einen transparenten Prozess zu gewährleis- ten. Anhand des Protokolls werden in den weiteren Schritten die Recherche und die Evaluierung der Studien vorgenommen. Abschliessend werden im Rahmen der Synthese wichtige Erkenntnisse des gesamten Forschungsprozesses, vor allem in Bezug auf die beiden Forschungsziele «Methodik» und «empirische Evidenz», festgehalten. Universität Luzern Simon Zemp 6 3. Theorieteil Der theoretische Rahmen der Arbeit wird wie folgt angegangen: Als erstes werden die zentralen Begriffe direkte Demokratie und Minderheitenrechte analytisch betrachtet. Dabei ist nicht primär das Ziel die Begriffe abschliessend zu definieren, sondern viel eher soll auf die vielfältigen Ver- ständnismöglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Eine Sensibilisierung über die Begriffsbedeu- tungen ist essenziell für jede empirische Studie, welche Aussagen über den Zusammenhang machen will, kam jedoch in bisherigen Studien klar zu kurz. Der zweite Teil der Theorie widmet sich der Entwicklung von verschiedenen theoretischen Erklärungsansätzen für die möglichen Wirkungsme- chanismen des Effektes. Hierfür wird die Literatur nach theoretischen Ansätzen und möglichen em- pirischen Belegen abgesucht. Die gefundenen Ansätze werden übersichtlich dargestellt und gege- benenfalls mit eigenen Überlegungen ergänzt. Zudem werden theoretisch hergeleitete Kontextbedingungen und ihr potenzieller Einfluss auf den Effekt beschrieben. 3.1 Analyse der Begrifflichkeiten 3.1.1 Die direktdemokratischen Institutionen Die Idee der direkten Beteiligung der Bürger an politischen Entscheiden kann als «Keimzelle» der bis in die Antike zurückreichenden Entwicklungsgeschichte moderner Demokratieideen angesehen werden (Magleby, 1984). Seit ihren Anfängen ist die demokratietheoretische Auseinandersetzung von der Grundsatzfrage geprägt, ob die direkte oder die repräsentative Grundstruktur das normative Ideal der Demokratie am besten verwirklicht (Butler und Ranney, 1994). Es ist deshalb nicht über- raschend, dass die direkte Demokratie auch heute noch gerne als idealtypischer Gegenspieler zur repräsentativen Demokratie angesehen wird. Ein Blick in die politische Wirklichkeit genügt jedoch, um zu erkennen, dass die direkte Demokratie heute viel eher als ein komplementäres Element zu einem repräsentativen System anzusehen ist und nicht als deren Gegenstück. Die Politikwissen- schaft hat dies in der Zwischenzeit erkannt und fokussiert vermehrt auf die direkte Demokratie als eine Sammlung von Instrumenten zur partizipativen Entscheidungsfindung innerhalb eines reprä- sentativen Systems und nicht als grundsätzliche und idealtypische Demokratieform (Abromeit, 2002, p.178). Hinter einem solchen modernen Verständnis von direkter Demokratie steckt somit die ergänzende Anwendung von politischen Entscheidungsverfahren, in denen die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger direkt beteiligt sind (Kost, 2013, p. 9). Besonders vor dem Hintergrund des Forschungseffektes ist es wichtig zu betonen, dass der Ausdruck «direkte Demokratie» dabei als Sammelbegriff für verschiedenste Institutionen und formale Kanäle zur direkten Meinungsäusse- rung der Bevölkerung dient und kein einheitliches Konzept darstellt (Altman, 2011). Die verschie- denen Instrumente der direkten Demokratie können sehr unterschiedlichen Logiken folgen und Universität Luzern Simon Zemp 7 unterscheiden sich zudem stark in ihrer jeweiligen Ausgestaltung innerhalb der verschiedenen poli- tischen Systeme. Die Politikwissenschaft hat diverse Typologien der wichtigsten direktdemokratischen Instrumente hervorgebracht (vrgl. beispielsweise Jung, 2013; Mueller, 2000; Peters, 2016 oder Suksi, 1993). Die meisten Typologien differenzieren, indem beispielsweise gefragt wird, wie die Anwendung des di- rektdemokratischen Instrumentes ausgelöst wird und wer dessen Inhalt bestimmt (Eule, 1990). Die grundsätzlichste Unterscheidung wird dabei zwischen der Idee des Referendums und der Initiative gemacht (Hug und Tsebelis, 2002; Magleby, 1984). Dabei kann das Referendum grundsätzlich als dasjenige Instrument angesehen werden, bei dem die Bürgerinnen über eine Vorlage bestimmen können, welche von der Legislative oder Exekutive bereits verabschiedet wurde. Die Initiative hin- gegen verschiebt die Agenda-setting power von den Eliten hin zu den Bürgern. Letztere können so eine eigene Vorlage zur Abstimmung bringen, unabhängig vom repräsentativen Gesetzgebungspro- zess, was als weitreichendste Form der direkten Bürgerbeteiligung angesehen werden kann. Hug (2004) kritisiert, dass die meisten Typologien zu viele Unterscheidungskriterien berücksichti- gen und führt seinerseits eine eigene Typologie ein. Für Hug kann der weltweite Gebrauch der di- rekten Demokratie anhand von vier Typen direktdemokratischer Instrumente erfasst werden. Auch seine Typologie kennt die bereits dargelegte grundsätzliche Unterscheidung zwischen Referendum und Initiative auf Basis der Frage, wer den Inhalt der Vorlage bestimmt.2 Das Instrument des Refe- rendums wird bei Hug auf Basis der Frage, wie das Referendum ausgelöst wird, weiter in drei Typen aufgeteilt. Dadurch erhält er seine vierteilige Typologie. Christmann (2012, p. 51) ersetzt die eher technischen Benennung der vier Typen von Hug durch gängigere, wenn auch nicht ganz so exakte, Begriffe. Demnach bilden Hugs Typen im Grundsatz folgende vier Instrumente ab: Obligatorisches Referendum, Fakultatives Referendum, Plebiszit und Volksinitiative. Für die Frage nach dem Effekt der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte ist es wichtig zu berücksichtigen, dass die verschiedenen Typen von direkter Demokratie sehr unterschiedlich auf den legislativen Prozess Einfluss nehmen können. Vor dem Hintergrund einer möglichen Beeinflus- sung von Minderheitenrechten scheinen vor allem die Initiative sowie das fakultative und obligato- rische Referendum relevant zu sein. Diese drei Instrumente werden häufig auch als die Hauptinsti- tutionen der direkten Demokratie hervorgehoben (Kaufmann, 2010). Insbesondere die gänzlich andere Grundlogik hinter einem Referendum und einer Initiative ist in Bezug auf die Frage nach dem Effekt auf Minderheitenrechten sehr wesentlich (Christmann, 2012, p. 56). In Tabelle 1 ist 2 Zu beachten ist, dass in der englischen Literatur der Begriff «referendum» oft als Oberkategorie für alle Formen der direkten Demokratie verwendet wird. Dementsprechend verwendet Hug (2004) die übersetzte Beschreibung «aktives Referendum über eine Oppositionsvorlage» für das Instrument, welches in der deutschen Sprache mehrheitlich mit dem Wort Initiative erfasst wird. Universität Luzern Simon Zemp 8 dargestellt, wie Referendum und Initiative den regulären repräsentativen Gesetzgebungsprozess in Bezug auf Minderheitenrechte mittels vier möglicher Szenarien beeinflussen können. Es wird dabei deutlich, dass nur unter bestimmten Umständen von einem Effekt der direkten Demokratie gespro- chen werden kann. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass immer dann ein Effekt resultiert, wenn die Anwendung der direkten Demokratie zu einer Veränderung des Policy-Outputs führte, und zwar in Relation zum Output der repräsentativen Arena. So werden beispielsweise Minderheitenrechte durch die direkte Demokratie negativ beeinflusst, wenn eine Ausbauvorlage durch ein Referendum abgelehnt wird, während dies bei der Initiative nur bei der Annahme einer Abbauvorlage der Fall ist. Herauszustreichen sind insbesondere auch die Fälle, die keine Veränderung des repräsentativen Outputs bewirken, da es hier bei empirischen Untersuchungen schnell zu falschen Interpretationen kommen kann. Die Annahme einer Ausbauvor- lage ist beispielsweise im Rahmen eines Refe- rendums nicht als positive Beeinflussung zu werten. Zum Schluss dieser kurzen Einführung in die direkte Demokratie ist zu betonen, dass die bisher präsentierten Typen längst nicht alle weltweit etablierten direktdemokratischen Instrumente abbil- den. In ihrer konkreten Ausgestaltung sind sowohl Referenden wie auch Initiativen sehr facetten- reich. Ziel dieses Abschnittes war es, auf die Vielfalt hinter dem Begriff der direkten Demokratie aufmerksam zu machen und insbesondere die wichtigsten direktdemokratischen Instrumente in Be- zug auf ihre potenzielle Wirkung auf Minderheitenrechte darzustellen. 3.1.2 Minderheiten und ihre Rechte Für eine genaue Eruierung des Forschungseffektes ist es von grosser Wichtigkeit klarzustellen, was unter der zentralen abhängigen Variable «Minderheitenrechte» verstanden werden kann. Hierfür wird in einem ersten Schritt in den sozialwissenschaftlichen Minderheitenbegriff allgemein und dessen Variationen eingeführt, woraufhin der Bezug zur rechtlichen Komponente hergestellt wer- den kann. Der Minderheitenbegriff wird in den Sozialwissenschaften und insbesondere in der Politikwissen- schaft häufig verwendet, kennt jedoch keine einheitliche definitorische Bestimmung. Eglin (1998) spricht von einem «mehrdeutigen» und «schillernden» Begriff, was er auf den umgangssprachlichen sowie den wissenschaftlichen Gebrauch bezieht. Eine Minderheit wird oft mit einer völkerrechtli- chen Perspektive in Verbindung gebracht und umfasst dabei grundsätzlich ethnische Gruppen, wel- che in einem Staatskörper leben, der von einer anderen Volksgruppe dominiert wird. Bis in die Universität Luzern Simon Zemp 9 1960er-Jahre war der Minderheitenbegriff von dieser völkerrechtlichen Perspektive geprägt und umfasste vor allem kulturelle, sprachliche oder religiöse Randgruppen (Vatter, 2011, p. 240). Kröm- ler und Vatter (ebd., chap. 12) sprechen hierbei vom «klassischen Minderheitenbegriff». In der Zwi- schenzeit hat sich der Begriff in den Sozialwissenschaften jedoch deutlich ausgeweitet (ebd.). Für Krömler und Vatter kann diese Erweiterung des Begriffsverständnisses mit zwei Kategorien erfasst werden, die das klassische Verständnis jeweils um einen Schritt erweitern. Zum einen entwickelte sich ein erweitertes und sehr einflussreiches Verständnis von Minderheiten, welches sich in der Tradition der Bürgerrechtsbewegung in den USA verstehen lässt. Homosexuelle, Behinderte, Hip- pies oder auch Frauen können demnach ebenfalls als Minderheiten betrachtet werden. Die zweite Erweiterung kann nach Krömler und Vatter mit der Kategorie «Minderheiten aufgrund gemeinsa- mer Interessen» (ebd.) erfasst werden. Von Rentnern, über Hundebesitzende, bis hin zu Drogenab- hängigen kann hier eine grosse Bandbreite von Gruppen als gesellschaftliche Minderheiten identi- fiziert werden. Für die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung ist solch ein weites Verständnis jedoch kaum dienlich. Grundsätzlich lassen sich die meisten Minderheitsdefinitionen der modernen Sozialwissenschaft irgendwo zwischen der engen «klassischen» Auffassung und dem erweiterten Verständnis im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung ansiedeln. Das erweiterte Verständnis im Sinne der Bürgerrechtstradition ist unter Sozialwissenschaftlern al- lerdings umstritten. So sieht Wilkinson in der Inklusion von Gruppen wie Homosexuellen, Behin- derten oder Frauen eine «Verwässerung» des Begriffes (Wilkinson, 2000, p. 122). Der Minderhei- tenbegriff müsse sich laut der amerikanischen Soziologin auf das klassische Verständnis beschränken, wolle er weiterhin sozialwissenschaftlich nutzbar sein. Wilkinson fordert damit, dass der Minderheitenbegriff ausschliesslich Gruppen vorbehalten sein soll, die sich durch «racial heri- tage and ethnic lineage» von der Mehrheit unterscheiden (ebd., p. 122). Dieser Position widerspricht beispielsweise Berbrier (2002) und hält fest, dass es möglich sein müsse, ein breiteres Begriffsver- ständnis zu berücksichtigen. Für Gruppen wie Homosexuelle oder Behinderte sei die Identifikation als Minorität ein wichtiges Element ihrer Bestrebungen für mehr Gerechtigkeit. Zudem werde eine Beschränkung des Minderheitenverständnisses auf Rasse und Ethnie der sozialen Wirklichkeit nicht gerecht, ist Berbrier überzeugt (ebd.). Die Debatte zwischen Wilkinson und Berbrier dreht sich um qualitative Kriterien des Minderhei- tenbegriffes. Immer wieder wird auch über die Rolle eines quantitativen Kriteriums diskutiert (Eg- lin, 1998, p. 161). Es steht dabei die Frage im Raum, ob die zahlenmässige Unterlegenheit einer Gruppe für deren Anerkennung als Minderheit zwingend ist. Es wurde bereits deutlich, dass auch Frauen als eine Minderheitengruppe anerkennt werden können. Somit kann zumindest bei diesem Verständnis nicht von einer notwendigen quantitativen Bedingung gesprochen werden. Auf der Universität Luzern Simon Zemp 10 anderen Seite würde wohl auch kaum eine Sozialwissenschaftlerin Millionäre oder Linkshänder als Minderheit bezeichnen. Die quantitative Unterlegenheit ist so definitiv auch keine hinreichende Be- dingung für die Anerkennung als Minderheit. Es ist somit festzuhalten, dass das sozialwissenschaft- liche Verständnis klar auf qualitative Kriterien fokussiert, während quantitative Elemente, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle spielen. Im folgenden Abschnitt wird versucht, anhand von konkre- ten Definitionen einige dieser qualitativen Kriterien genauer zu beleuchten. Newman (1973) kombiniert in seiner viel zitierten Definition qualitative Kriterien mit einem stark abgeschwächten quantitativen Element. Eine Anerkennung als Minderheit wird dabei an folgende Bedingungen geknüpft: «[…] vary from the social norms or archetypes in some manner, are sub- ordinate with regard to the distribution of social power, and rarely constitute more than one-half of the population of the society in which they are found» (Newman, 1973, p. 20). Einen etwas an- deren Fokus liefert die Formulierung von Tschannen, welcher Minderheiten als Gruppe auffasst, «die wegen unverlierbarer oder über längere Zeit konstanter Eigenschaften keine Chance haben, mit diesen Eigenschaften zur Mehrheit aufzusteigen» (Tschannen, 1995, p. 231).3 Sowohl in der Definition von Newman als auch in Tschannens Ausführung kommt die Wichtigkeit einer abweichenden Eigenschaft der Minderheit, was gängige Werte, Normen und Verhaltenswei- sen betrifft, zum Ausdruck. Eine solches, für das gesellschaftliche Zusammenleben relevantes, ab- weichendes Merkmal ist Teil der meisten sozialwissenschaftlichen Definitionen von Minderheiten. Ein weiteres sehr verbreitetes qualitatives Kriterium kommt in der Definition von Newman sehr gut zum Ausdruck. Eine Gruppe mit einer abweichenden Eigenschaft muss sich zwingend in einer Po- sition der machtmässigen Unterlegenheit vorfinden. Ohne dieses qualitative Element eines Macht- gefälles kann laut dieser Position nicht von einer Minderheit gesprochen werden. Auch bei Tschan- nen schwingt dieses Element mit, auch wenn es nicht explizit formuliert wird. In seiner Definition kommt hingegen das zeitliche Kriterium besonders gut zum Ausdruck, welches verdeutlicht, dass die Minderheit über längere Zeit in einer solchen Rolle der Unterlegenheit festsitzen muss. Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass als Minderheit eine über eine längere Zeit macht- mässig unterlegene Gruppe, mit abweichenden gesellschaftsrelevanten Merkmalen aufgefasst wer- den kann. Eine solche Gruppen läuft aufgrund ihrer äusserlichen Merkmale Gefahr, innerhalb einer Gesellschaft diskriminiert zu werden. Die Wahrung der Rechte für Angehörige solcher Gruppen bedarf deshalb besonderer Aufmerksamkeit oder Schutz, was mit der Anerkennung als Minderheit bezweckt wird. Dieser qualitative Fokus, besonders mit dem Aspekt des Machtgefälles, kommt bei 3 Für Tschannen können diese Eigenschaften dabei unfreiwillig, oder auch aus eigenem Antrieb hervorgerufen wer- den. Universität Luzern Simon Zemp 11 der Definition einer empirischen Studie zum Forschungseffekt zum Ausdruck: «‘minority’, we de- fine them as groups which might be particularly vulnerable to the violation of their rights through political dominant groups» (Bochsler und Hug, 2015, p. 209). Die bisher präsentierten Definitionen sollen helfen, den Begriff der Minderheit in groben Zügen zu umreissen. Es ist zu betonen, dass sich diese Arbeit nicht auf eine bestimmte Definition beschränken darf. Die Variation der Begriffsverständnisse ist bei der Analyse des Forschungsstandes zu berück- sichtigen. Ansätze wie diejenige von Newman (1973), Tschannen (1995) oder Bochsler und Hug (2015) können jedoch bei der kritischen Beurteilung des Minderheitenverständnisses der untersuch- ten Studien als Richtlinien dienen. Da die Zielvariable in der Leitfrage als «Minderheitenrechte» formuliert wurde, muss weiter kurz beleuchtet werden, was unter den Rechten von Minderheiten verstanden werden kann. Es wurde bereits deutlich, dass der zentrale Zweck von Minderheitenrechten der Schutz vor Diskriminierung von verwundbaren Gruppen innerhalb einer Gesellschaft darstellt. Bei der Frage, wie weit dieser Schutz gehen soll, lassen sich zwei grundsätzliche Positionen unterscheiden (Vatter 2011, p. 241). Die erste Position basiert auf einer negativ-rechtlichen Perspektive und fokussiert klar auf den Schutzmechanismus des Minderheitenrechtes. In diesem von der liberalen Denkschule geprägten Ansatz stehen der Schutz vor Diskriminierung, sowie die rechtliche Gleichstellung, im Zentrum.4 Einiges über diesen Ansatz hinaus geht die Position der sozialdemokratischen Denktradition, wel- che positive Rechte für Minderheiten fordert. Dies können z.B. staatliche Kompensationsleistungen für soziale Diskriminierung oder minderheitenspezifische Ausnahmeregelungen sein (ebd.). Es wird dabei deutlich, dass sich von der minimalen Gewährung grundlegendster Menschenrechte, bis hin zu spezifischen Sonderbehandlungen der Minderheiten, eine grosse Bandbreite von Forderungen hinter dem Begriff der «Minderheitenrechte» verbergen kann. Die liberale Position ist als minimaler Konsens zu verstehen (ebd.), während positiv-rechtliche Ansprüche im Rahmen von Minderheiten- rechten umstritten sind. In Bezug auf das Verständnis der Zielvariable des Forschungseffektes ist ein zurückhaltendes Verständnis von Minderheitenrecht zu fokussieren, da dies den gegenwärtigen Konsens in der Literatur widerspiegelt (Vatter, 2011, p. 241). Es erscheint aber durchaus gerecht- fertigt, auch gewisse positiv-rechtliche Ansprüche als Rechte von Minderheiten aufzufassen. Dies ist besonders angebracht, wenn zum Beispiel einer Minderheit ein positives Recht verwehrt bleibt, anderen Gesellschaftsgruppen jedoch gewährt wird und so das Prinzip der Rechtsgleichheit verletzt ist (Haller, 2008). 4 Die meisten völkerrechtlichen und staatlichen Diskriminierungsverbote orientieren sich an dieser Traditionslinie, wie z.B. der Artikel 27 des UNO-Pakt II oder Artikel 14 der EMRK zeigen (Eglin, 1998). Universität Luzern Simon Zemp 12 Bei der empirischen Erforschung des Effektes von direkter Demokratie auf Minderheitenrechte ist es sehr entscheidend, was von den Studienverfassern alles als Minderheitenrecht aufgefasst wird. Es wird deshalb im Rahmen des Reviews besonders wichtig sein, die Konzeptualisierung und Ope- rationalisierung dieser Zielvariable bei den einzelnen Studien kritisch zu beleuchten. 3.2 Theoretische Erklärungs- und Wirkungsmechanismen Nach der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen der direkten Demokratie und den Er- läuterungen zu Minderheitenrechten kann nun der Bogen hin zum kausalen Zusammenhang zwi- schen diesen beiden Konzepten geschlagen werden. Mittels der Tabelle 1 auf Seite 8 wurde bereits aufgezeigt, unter welchen Umständen von einer kausalen Beeinflussung der direkten Demokratie gesprochen werden kann. Jetzt sollen die konkreten Wirkungsmechanismen hinter diesem Effekt ins Zentrum rücken. Im Gegensatz zu den meisten bisherigen theoretischen Erklärungsversuchen in der Literatur, sollen dabei nicht nur Argumente berücksichtigt werden, die einen negativen Effekt erwarten lassen, sondern auch solche, die für eine positive Beeinflussung sprechen. Es wird sich zeigen, dass man sich für die Ergründung der Wirkungsmechanismen etwas von der Realität der direkten Demokratie als komplementäres Element eines repräsentativen Systems lösen muss und die beiden Arenen stärker aus einer gegenüberstellenden Perspektive zu betrachten sind. In der breiten Literatur zur Wirkung der direkten Demokratie auf den Policy-Output allgemein hat sich die Evidenz herauskristallisiert, dass direktdemokratische Institutionen den Policy-Output nä- her hin zu den Präferenzen des Medianwählers verschieben (Bolliger, 2007; Gerber und Hug, 2002; Vatter, 2011). Diese Annahme kann auch beim Effekt auf Minderheitenrechte als Ausgangslage dienen, wobei geklärt werden muss, weshalb sich die repräsentative und direktdemokratische Arena in diesen Fragen uneinig sein könnten. Auf die Individualebene heruntergebrochen lautet die zent- rale Frage, wie es theoretisch erklärbar ist, dass der Medianwähler bei minderheitsrelevanten Vor- lagen in der direktdemokratischen Arena anders abstimmt, als eine Mehrheit in der repräsentativen Arena. Um Antworten auf diese Frage zu finden, fokussiert diese Arbeit auf zwei verschiedene Ebenen. Zum einen kann ein möglicher Effekt damit erklärt werden, dass sich die Präferenzen und Grund- haltungen der Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich von denjenigen der Eliten unterscheiden. Zum anderen drängen sich neben diesem Fokus auf die Mikroebene vor allem auch Unterschiede auf der institutionellen Ebene zwischen den beiden Arenen als mögliche Erklärungsfaktoren auf. Dabei wird davon ausgegangen, dass die direktdemokratischen und repräsentativen Institutionen die finale Entscheidung ihrer Akteure unterschiedlich beeinflussen, was zu einem abweichenden Policy-Out- put führen kann (Gerber und Hug, 2002, p. 3). Universität Luzern Simon Zemp 13 Abbildung 1 verdeutlicht das soeben erläuterte Konstrukt anhand dessen im folgenden Abschnitt mögliche Erklärungsansätze präsentiert werden. Wichtig ist zu betonen, dass die dabei vorgenom- mene Auftrennung in die zwei Ebenen von theoretischer Natur ist und nicht direkt in die politische Wirklichkeit übertragen werden kann. Diese Problematik wird im Syntheseteil zum Ende dieser Arbeit vertieft aufgegriffen. Nichtsdestotrotz wird die Unterscheidung in Mikro- und Mesoebene für den Zweck einer übersichtlichen Darstellung der Erklärungsansätze als dienlich angesehen. Wei- ter darf auch die Aufgliederung in die einzelnen Ansätze innerhalb dieser zwei Ebenen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die einzelnen Faktoren oft zusammenhängen und in ihrer Wirkung nur schwer zu trennen sind. Die einzelnen Erklärungsansätze dürfen somit keinesfalls als alternative oder gar umfassende Wirkungspfade verstanden werden. Nach der Präsentierung der verschiedenen Erklärungsansätze wird in diesem Kapitel weiter auf den bisher nicht angesprochenen indirekten Effekt der direkten Demokratie sowie auf entscheidende Kontextbedingungen für die Thematik eingegangen. Anschliessend wird der Theorieteil mit einem kurzen Fazit zu den Wirkungsmechanismen abgeschlossen. . Wie lässt sich ein unterschiedlicher Output in Bezug auf Minderheitenrechte in der direktdem. und repräs. Arenen erklären? Präferenzen-Ebene: Unterschiedliche Grundpräferenzen von Elite und Bürgern (Mikroebene) -> Fokus auf stabile Präferenzen, welche durch Entscheidungsprozesse aggregiert werden negativer Effekt: Argumente, weshalb der Medianwähler kritischer gegenüber Minderheiten eingestellt ist als der Medianpolitiker (z.B. Bildungsfaktor) positiver Effekt; Ansätze, die dafür sprechen, dass der Medianwähler freundlicher gegenüber Minderheiten eingestellt ist als der Medianpolitiker Institutionen-Ebene: Unterschiedliche Beeinflussung der Entscheidungsfindung durch Institutionen (Mesoebene) -> Fokus auf Präferenzen, die von den Institutionen unterschiedelich "geformt" werden positiver Effekt; z.B. durch direkte Demkokratie als Sprachrohr oder Sanktionsinstrument für Minderheiten negativer Effekt; erkärt z.B. durch Mangel eines deliberativen Filters; Accountability, Checks and Balances innerhalb der direkten Demokratie Ausgangsfrage: Fokussierte Ebene: Effekt und möglicher Erklärungsansatz: Abbildung 1: Übersicht Erklärungsansätze Universität Luzern Simon Zemp 14 3.2.1 Erklärungsansätze negativer Effekt Institutionen-Ebene Als erstes werden Erklärungsansätze für einen negativen Effekte auf Basis institutioneller Unter- schiede zwischen der repräsentativen und direktdemokratischen Arena aufgeführt. Folgende sechs Argumente, welche teilweise eng miteinander verbunden sind, liessen sich hier finden: 1. Das Fehlen eines diskursiven und deliberativen Filters Eines der häufigsten Argumente betrifft den Mangel an diskursiven und deliberativen Elementen in der direktdemokratischen Arena (Christmann, 2010). Elemente wie Kommissionssitzungen, Exper- tenhearings, informelle Gespräche, Plenumsdebatten, Anhörungen oder Differenzbereinigungsver- fahren sollten dazu führen, dass Politiker/-innen der repräsentativen Arena die Argumente der Min- derheitenposition zumindest zu Kenntnis nehmen und sich durch die rege Diskussionskultur ein differenzierteres Bild der Sachlage verschaffen können. Speziell diejenigen Gefässe, die unter Aus- schluss der Öffentlichkeit agieren, dürften einen hohen deliberativen Wert generieren (Vatter, 2011, p. 45). Vorurteilen und Ängsten kann durch den breiten Dialog und gegebenenfalls gar durch direkte Begegnungen mit Minderheiten entgegengewirkt werden (Bolliger, 2007, p. 424). All diese Punkte legen die Erwartung nahe, dass die direktdemokratische Entscheidungsfindung zu einem minder- heitenfeindlicheren Output führt, da ihr viele dieser deliberativen Elemente fehlen. 2. Mangel des Filters der geteilten Macht Ein ausgeklügeltes System von Checks and Balances, wie es in der repräsentativen Demokratie seit ihren Anfängen verankert ist, fehlt in der direktdemokratischen Arena grossmehrheitlich (Magleby, 1984). Demnach mangelt es der direktdemokratischen Entscheidungsfindung an einem elementaren Instrument zur Eindämmung einer potenziellen Tyrannei der Mehrheit (Madison et al., 2007 [1788]). Ohne Machtteilung und effiziente Kontrollmechanismen kann das Volk nach dieser Logik willkürliche und kaum mehr rückgängig zu machende Entscheide gegen die Rechte von Minderhei- ten treffen. Rechtsgelehrte wie Eule (1978; 1990) oder Bell (1978) streichen hierbei besonders die fehlende juristische Kontrolle in der direkten Demokratie heraus, was die Grundrechte von Minder- heiten einem hohen Risiko aussetze. Dieser Erklärungsansatz kann als Vorwurf verstanden werden, dass der direkten Demokratie sowie der damit einhergehenden Idee der Volksouveränität oftmals eine zu hohe Stellung im politischen Machtgefüge zugestanden werde. Besonders für die Schweiz scheint sich eine gewisse Sonderstellung zu bewahrheiten, wo direktdemokratische Entscheide oft- mals als Ausdruck höchster demokratischer Legitimation angesehen werden (Linder, 2012). Auch im amerikanischen Kontext kommt dem Volk bei umstrittenen Fragen in Bundesstaaten wie Kali- fornien oft das letzte Wort zu, dessen Urteil anschliessend laut Gegnern der direkten Demokratie Universität Luzern Simon Zemp 15 gegen jegliche Kritik immun sei (Bell, 1978). Die Vormachtstellung der Volksentscheide kann in der Tat problematisch sein, insbesondere bei umstrittenen Vorlagen zu Grundrechten von Minder- heiten. Ein minderheitenfeindlicher direktdemokratischer Entscheid kann meist nur in schwerwie- genden Fällen revidiert oder für ungültig erklärt werden. Es gibt allerdings kein Grund anzunehmen, dass die direkte Demokratie, wie alle anderen politischen Institutionen, nicht auch korrekturbedürf- tig ist, insbesondere bei minderheitenrelevanten Entscheiden (Christmann, 2012). 3. Fehlende Verhandlungsstrukturen Ein weiteres Argument zielt auf die fehlende Verhandlungsstrukturen ab (Lewis, 2011a). Der reprä- sentative Prozess ist von Verhandlungen, Eingeständnissen und Kompromissen geprägt und ermög- licht das Prinzip des Stimmentausches «logrolling» (vrgl. Tullock, 1970) oder der Tit-for-tat-Ko- operation (Axelrod, 2000). Dadurch kann der Priorität von Minderheitenanliegen besser Ausdruck verliehen werden (Clark, 1998, p. 456). Durch diese Verhandlungsstrukturen in der repräsentativen Arena ist es möglich, dass sich auch Minderheitenmeinungen durchsetzen können. Der direktdemo- kratische Entscheid als «one-shot game» lässt solche Möglichkeiten der Verhandlung und Priorisie- rung nicht zu. Billerbeck (1989, p. 117) hält zusammengefasst fest, dass die direkte Demokratie zur «Kompromisslosigkeit» neige. Insgesamt kann so auch unter diesen Aspekten erwartet werden, dass Minderheitenanliegen in der repräsentativen Arena besser aufgehoben sind als in direktdemokrati- schen Institutionen (Redfield-Ortiz, 2011). 4. Abwesenheit von Accountability Ein weiteres Argument, welches eng an bereits genannte Bedenken, vor allem bezüglich des delibe- rativen Filters anknüpft, betrifft das Konzept der Accountability. Im Sinne eines Rechtfertigungs- und Begründungsdruckes stellt die Accountability ein zentrales Konzept für das Funktionieren der repräsentativen Principal-Agent-Beziehung dar (Trechsel, 2010). Diese Idee der Accountability fehlt in der direktdemokratischen Arena.5 Offe (1998, p. 87) hält fest, dass durch das anonyme Ab- stimmen ohne Rechtfertigungs- und Begründungsdruck ein eher diskriminierendes Verhalten er- wartet werden kann. Insbesondere Abbauvorlagen von Minderheitenrechten sind häufig ethisch um- stritten und würden einer besonders sauberen Rechtfertigung bedürfen. Im Sinne von Forst (2007) verstösst die direkte Demokratie so gegen das grundlegende Recht, dass Minderheiten bei einem als ungerecht empfundenen Entscheid eine Rechtfertigung verlangen können. Hainmueller und Han- gartner (2015, p. 21) finden in ihren Untersuchungen zu den Einbürgerungsverfahren der Schweiz 5 Trechsel (2010) versucht mit dem Ansatz der «Reflexive Accountability» das klassische Konzept der Accountability auf die direktdemokratische Arena zu übertragen. Auch wenn dadurch für eine eingeschränkte Form der Accountabi- lity innerhalb der direkten Demokratie argumentiert werden kann, wird in Trechsels Ausführungen deutlich, dass vor allem ein individueller Rechtfertigungs- und Begründungsdruck in der direkten Demokratie nicht vorhanden ist. Universität Luzern Simon Zemp 16 empirische Evidenz, welche die fehlende Accountability als einen wichtigen Erklärungsfaktor für minderheitenfeindlicheres Verhalten der Stimmbürger/-innen stützt. 5. Politisches Klima bei Volksentscheiden Unter anderem durch die Politisierung von Sachfragen, führt die direkte Demokratie nach diesem Argument zu einer verstärkten Polarisierung und einem aufgeheizten Diskussionsklima (Gamble, 1997; Vatter und Danaci, 2010). Emotionen, Vorurteile und Ängste prägen demnach die Meinungs- bildung des Volkes, was der Akzeptanz von Minderheiten schadet (Bell, 1978). Für Gamble (1997) scheint es besonders naheliegend, dass Befürworter eines Abbaus von Minderheitenrechten die Dis- kussion darüber in die direktdemokratische Arena verlegen wollen, da die Thematik kaum techni- sches Wissen bedingt und sich die Argumentation an Emotionen und moralischen Grundvorstellun- gen orientieren kann. Volksdebatten können demnach einen idealen Nährboden für minderheitenfeindliche Bestrebungen darstellen. 6. Minderheiten-Lobbying in repräsentativer Arena Minderheiten können durch diverse Kanäle auf den legislativen Prozess einwirken. Parlamentari- sches Lobbying kann für eine zahlenmässig kleine aber homogene Minderheitengruppe im Sinne von Olson (1971) eine erfolgsversprechendes Instrument darstellen, welches in direktdemokrati- schen Entscheidungsgremien nicht zur Verfügung steht. Die Beeinflussung des Volkswillens stellt eine viel grössere Herausforderung dar und ist mit hohen Kosten verbunden. Diese Hürden beim Einbringen von Minderheiteninteressen stellen einen weiteren möglichen Erklärungsansatz für ei- nen negativen Effekt dar. Präferenzen-Ebene Während bisher institutionelle Unterschiede im Vordergrund standen, wird nun der Fokus auf die Mikroebene gelegt. Dabei wird der Ansatz verfolgt, dass die Entscheidungsträger/-innen in der di- rektdemokratischen Arena grundsätzlich minderheitenfeindlicher eingestellt sind als die Individuen der repräsentativen Arena und daraus ein negativer Effekt resultiert. Es ist nun zu klären, weshalb sich die stabilen Präferenzen dieser beiden Gruppen in Bezug auf Minderheitenrechte unterscheiden könnten. 1. Bildungsniveau der Eliten als Erklärung für Toleranz und Offenheit Eines der meist genannten Argumente mit dem Fokus auf die divergierenden Grundhaltungen dreht sich um den Bildungsgrad (Vatter, 2011, p. 46). Dabei wird argumentiert, dass das durchschnittliche Bildungsniveau im Parlament höher sei als innerhalb des Volkes (Zimmerman, 1986). Unter der Universität Luzern Simon Zemp 17 empirisch relativ gut gesicherten Annahme, dass ein höherer Bildungsgrad Offenheit und Toleranz fördert (Bobo und Licari, 1989; Marcus, 1995; Weldon, 2006), lässt sich so eine Erklärung für einen negativen Effekt auf Minderheitenanliegen aufgrund des divergierenden Bildungsniveaus präsen- tieren. 2. Ökonomische Bedrohung Während der soeben genannte Ansatz zum Bildungsniveau die Toleranz und Offenheit der höher- gebildeten herausstreicht, fokussiert das damit verwandte Argument der ökonomischen Bedrohung auf eine mögliche Ursache für die skeptische Haltung gegenüber Minderheiten bei tiefer gebildeten Schichten. Viele Minderheitengruppen, speziell Ausländer, konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt mit heimischen «low-skilled-workers» (Vatter, 2011). Dadurch können die Minderheitengruppen als ökonomische Bedrohung wahrgenommen werden, was die kritische Haltung der weniger gut aus- gebildeten Bürger/-innen erklären kann. Für Minderheiten, wie z.B. Homosexuelle, die allgemein als gebildet und arbeitstechnisch gut integriert gelten, kann dieser Erklärungsansatz nicht überzeu- gen (Haider-Markel und Meier, 1996). 3. Rational-eigennütziges Abstimmungsverhalten der Bürger/-innen Der eben präsentierte Ansatz der ökonomischen Bedrohung kann auf ein allgemein rationales Ver- halten der Bürger/-innen ausgeweitet werden. Im Sinne von Downs (2001) wird den Stimmbürgern dabei ein rational-eigennütziges Verhalten zugeschrieben. Demnach kann beispielsweise erwartet werden, dass der Ausbau von Minderheitenrechten von der Mehrheit abgelehnt wird, um eine rela- tive Verschlechterung ihrer Stellung innerhalb der Gemeinschaft zu verhindern (Vatter und Danaci, 2010). Dieser Ansatz des rationalen Eigeninteresses scheint besonders bei Minderheitenvorlagen relevant zu sein, die mit Kosten für die Mehrheit einhergehen (ebd.), was z.B. bei den positiv-recht- lichen Ansprüchen der Fall sein kann. Ohne eine klare Begründung, weshalb sich solch ein rational- eigennütziges Interesse nur in der Grundhaltung des Volkes und nicht auch in derjenigen der Eliten widerspiegelt, bleibt dieses Argument jedoch schwammig. Eine etwas andere Position, die aufgrund eines rational-eigennützigen Wählerverhaltens einen ne- gativen Effekt erwarten lässt, kann bei Frey und Kirchgässner (1993) herausgelesen werden. Sie sehen die Gefahr für Minderheitenrechte in der direkten Demokratie aus einer ökonomischen Per- spektive darin, dass die Wählerschaft keine Konsequenzen zu befürchten hat und kein Interesse zur Informationsbeschaffung über die Vorlage besteht. Somit kann es nach den Autoren auf Basis des rational-eigennützigen Menschenbildes zu einem willkürlichen und verantwortungslosen Abstim- mungsverhalten kommen. Dieses Argument ist allerdings stark mit den bereits dargestellten institu- tionellen Unterschieden in Verbindung zu bringen. So kann z.B. die fehlende Accountability als Universität Luzern Simon Zemp 18 Grund angesehen werden, weshalb das Volk aus rational-eigennützigen Interessen die Rechte von Minderheiten willkürlich beschränken kann. 4. Umweltfaktoren Es lassen sich auch Argumente in der Literatur finden, die unterschiedliche Umwelteinflüsse zwi- schen Eliten und dem Volk als mögliche Erklärungsfaktoren sehen, warum die Eliten eine positivere Grundhaltung gegenüber Minderheiten einnehmen können. Dieser Erklärungsansatz kann als Sam- melbecken für unterschiedlichste Einflüsse dienen. Oft wird genannt, dass sich Eliten in einem in- ternationalen Umfeld bewegen (Vatter, 2011, p. 129). Dabei kommen sie in Kontakt mit verschie- denen Kulturen und Minderheiten, was Einfluss auf ihre Grundhaltung haben kann. Auch die verstärkte Vertrautheit mit dem Staatswesen, seinen Aufträgen sowie demokratischen Grundprinzi- pien kann eine höhere Sensibilisierung für Minderheitenanliegen hervorrufen. Allgemein kann in diesem Zusammenhang auch der sachlichere und tiefgründigere Zugang zur Politik als Faktor auf- geführt werden. Es ist jedoch offensichtlich, dass viele dieser Einflussfaktoren, welche zu einer minderheitenfreundlicheren Grundhaltung der Eliten führen können, direkt oder indirekt mit der institutionellen Ebene zusammenhängen. So kann die Grundhaltung eines Parlamentsmitgliedes wohl kaum unabhängig von Einflüssen der institutionellen Ebene betrachtet werden und die bereits angesprochenen Ungereimtheiten betreffend der Auftrennung in Mikro- und Mesoebene verdeutli- chen sich. 3.2.2 Erklärungsansätze positiver Effekt Die aktuelle Literatur zur theoretischen Abhandlung der Thematik wird von Argumenten dominiert, die einen negativen Zusammenhang erwarten lassen. Es lassen sich jedoch durchaus auch überzeu- gende Argumente aufführen, welche für einen positiven Einfluss der direkten Demokratie auf Min- derheiten sprechen. Institutionen-Ebene 1. Initiative - Sprachrohr für Minderheiten Ein zentrales Argument für einen positiven Effekt bezieht sich auf die Tatsache, dass direktdemo- kratische Instrumente von Minderheiten benutzt werden können, um ihren Anliegen Gehör zu ver- schaffen (Hug, 2004; Kirchgässner, 2010; Linder, 2012). Vor allem mit dem Instrument der Initia- tive kann die politische Agenda direkt beeinflusst werden. Diese Möglichkeit der Agenda-setting- power steht einer Minderheit in einem rein repräsentativen System nicht zur Verfügung. Rhinow (1984, p. 203) sieht direktdemokratische Institutionen in diesem Sinne als «wichtige Instrumente im Kampf disparater Minderheiten um politischen Einfluss oder gar um Machtbeteiligung» Universität Luzern Simon Zemp 19 (R.A.Rhinow, 1984, p.203). Empirische Hinweise in diese Richtung können bei Höglinger (2008) gefunden werden. In seiner Studie zeigte sich, dass die direkte Demokratie den zentralen Kon- textfaktor für das hohe mediale Standing der schweizerischen Zivilgesellschaft darstellt, wovon ins- besondere benachteiligte Gruppen profitieren. Die direkte Demokratie kann demnach Minderhei- tenanliegen möglicherweise nicht nur auf der politischen Ebene, sondern auch in der medialen Berichterstattung und der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung Gehör verschaffen (ebd.). Das Argument der direkten Demokratie als Sprachrohr überzeugt jedoch nur in Bezug auf Minder- heiten, die im Demos inkludiert sind. Ausländer beispielsweise können kaum einen positiven Effekt erwarten, da ihnen das Recht auf die Lancierung oder Unterstützung einer Initiative meist verwehrt ist. Die Tatsache, dass jedoch gerade Nicht-Stimmberechtigte eine wichtige Minderheitengruppe darstellen, welche besonders von einer Tyrannei der Mehrheit bedroht ist, relativiert die Aussage- kraft dieses Argumentes deutlich. 2. Referendum - Sanktionsinstrument für Minderheiten Mit Instrumenten wie dem Referendum kann eine Minderheit zwar nicht eigene Anliegen auf das politische Parkett bringen, doch sie stellen eine wichtige Option zur Sanktionierung von «schädli- chem Verhalten» der Eliten dar (Buechi in Marxer, 2012; p. 186). Unliebsame Vorlagen können auf diesem Weg bekämpft werden. Gewiss verleiht auch hier die Tatsache, dass längst nicht alle Min- derheiten das Referendumsrecht besitzen, dem Argument einen bitteren Nachgeschmack. 3. Direktdemokratische Diskurs als Plus für Minderheiten Wie die Ansätze für einen negativen Effekt gezeigt haben, werden öffentliche Diskussionen im Rahmen eines Volksentscheides meist als schlecht für die Minderheiteninteressen dargestellt. Es gibt jedoch einige Autoren, welche den deliberativen Wert solcher öffentlichen Diskussionen her- ausstreichen, wovon auch Minderheitenanliegen profitieren können. Für Frey und Kirchgässner (1993) ist die direkte Demokratie trotz ihrer Schwächen diejenige Entscheidungsform, welche dem diskursethischen Ideal am nächsten kommt. Zeschmann (2000) betont, dass durch die öffentliche und breite Debatte vor einem direktdemokratischen Entscheid die verschiedenen Meinungen und Sichtweisen aller relevanten Gruppen besser berücksichtigt würden als bei Debatten in der reprä- sentativen Arena. Für diese positive Sichtweise auf die direktdemokratische Debattenkultur können auch empirische Befunde aus der Schweiz von Marcinkowski und Donk (in Marxer, 2012) sprechen. In ihrer Studie konnten sie aufzeigen, dass die mediale Berichterstattung zu minderheitenrelevanten Referenden die jeweilige Minderheitengruppe mehrheitlich positiv in Szene setzte und ihren Anlie- gen viel Platz einräumte. Universität Luzern Simon Zemp 20 4. Integrationswirkung Vatter und Danaci (2010, p. 208) erwähnen die mögliche Integrationswirkung direktdemokratischer Instrumente für Minderheiten und spielen dabei vor allem auf einige bereits angesprochene Faktoren an, die sich um die Partizipationsmöglichkeiten in der direkten Demokratie drehen. Es ist deshalb augenscheinlich, dass auch dieses Argument nur für Minderheiten relevant ist, die im Demos inklu- diert sind. Zudem scheint es weiter besonders im Kontext der halbdirekten Konsensusdemokratie der Schweiz Geltung zu haben, wo die Einbindung politischer Minderheiten eine lange Tradition hat (Freitag und Wagschal, 2007; Linder, 2012). Präferenzen-Ebene Zur Ergänzung dieser positiven Ansätze, die auf institutionelle Aspekte fokussieren, wurde auch in der Mikroebene nach möglichen Erklärungen gesucht, was jedoch nicht wirklich ergiebig war. Aus der bisherigen Literatur lassen sich kaum Positionen ableiten, welche überzeugend für eine grund- sätzlich positivere Grundhaltung der Bevölkerung im Vergleich zur Präferenz der repräsentativen Politiker/-innen sprechen können. Das einzige Argument, welches zumindest teilweise auf die Mik- roebene fokussiert, dreht sich um altruistisches Verhalten der Stimmbürger/-innen. Altruistisches Wählerverhalten Ein bereits im Rahmen der negativen Grundhaltung präsentiertes Argument von Frey und Kirch- gässner (1993) betonte das willkürliche und rationale Handeln der Wählerschaft aufgrund fehlender Konsequenzen. Kirchgässner räumt jedoch in einer anderen Publikation selbst ein, dass sich aus den fehlenden Konsequenzen auch ein anderes Verhaltensmuster ableiten lässt (Kirchgässner, 2010, p. 7). So sei es durchaus denkbar, dass die Stimmberechtigten aufgrund der fehlenden persönlichen Konsequenzen altruistisch abstimmen (ebd.). In der Abstimmungsforschung lassen sich zudem ei- nige Hinweise finden, die für solch ein Verhaltensmuster sprechen (vrgl. Kinder und Kiewiet, 1981 oder Margolis, 1982). Universität Luzern Simon Zemp 21 3.2.3 Indirekter Effekt Diverse Forschende weisen zu Recht darauf hin, dass bei der Frage nach dem Einfluss der direkten Demokratie auch indirekte Effekte beachtet werden müssen (Christmann, 2010; Gerber, 1996; Vat- ter, 2011; Wagschal und Obinger, 2000). Demnach haben die Institutionen der direkten Demokratie nicht bloss Auswirkungen auf Politikergebnisse, wenn sich das Volk direkt in den Prozess ein- mischt, sondern sie können auch indirekt eine Wirkung auf den legislativen Prozess ausüben, ohne dass eine Abstimmung stattfindet (Christmann, 2010). Bereits Gerber (1996) konnte diesen Effekt theoretisch wie auch empirisch überzeugend darlegen. Die Grundannahme ist dabei, dass Parlamen- tarier/-innen in einem System mit Volksrechten den Volkswillen bei der Erarbeitung von Gesetzes- vorlagen prophylaktisch antizipieren müssen, um das Risiko zu minimieren, dass die Vorlage mit- tels einer Volksabstimmung versenkt wird (ebd.).6 Somit kann die Androhung eines Referendums oder einer Initiative den parlamentarischen Prozess entscheidend beeinflussen. Doch in welche Richtung kann ein solcher Effekt in Bezug auf Minderheitenrechte wirken? Grundsätzlich sollte auch für den indirekten Effekt gelten, dass die direkte Demokratie den Output näher zu den Präfe- renzen des Medianwählers bewegt (Christmann, 2010). Unter Annahme von minderheitenfeindli- cherem Abstimmungsverhalten der Bevölkerung würde demnach der indirekte Effekt die Politiker- gebnisse in Bezug auf Minderheitenrechte zusätzlich negativ beeinflussen. Wenn jedoch, entsprechend der Ansätze für einen positiven direkten Effekt, der Medianwähler in der Realität min- derheitenfreundlicher abstimmen sollte, ist auch ein positiver indirekter Effekt denkbar. Gerber und Hug (2002) versuchen in ihrer Studie aufzuzeigen, wie sich der indirekte Effekt, je nach Präferenzen der Bevölkerung, negativ oder positiv für Minderheiten auswirken kann. Es ist zu erwarten, dass neben der grundsätzlichen Haltung der Bevölkerung auch weitere Faktoren die Wirkung des indi- rekten Effektes beeinflussen können. So ist beispielsweise denkbar, dass eine starke rechtspopulis- tische Opposition zu einem negativen indirekten Effekt führen kann, auch wenn diese nicht eine Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert (Christmann, 2010, p. 14). Auf der anderen Seite kann eine gut organisierte Minderheit, zum Beispiel durch Androhung von Volksabstimmungen, durchaus auch einen positiven Effekt bewirken. Klar ist auf alle Fälle, dass beim indirekten, wie auch beim direkten Effekt ganz entscheidend ist, in was für Kontexte der Forschungseffekt eingebettet ist. Die generellen Kontextbedingungen rücken nun im folgenden Abschnitt in den Mittelpunkt der Diskus- sion. 6 In einem System ohne direkte Demokratie ist es hingegen viel wahrscheinlicher, dass das Parlament ein Gesetz aus- schliesslich nach den eigenen Präferenzen umsetzt, da dabei nicht unmittelbare Konsequenzen durch eine unzufrie- dene Wählerschaft befürchtet werden müssen (Christmann, 2010). Universität Luzern Simon Zemp 22 3.2.4 Kontextbedingungen Bei den bisherigen theoretischen Betrachtungen wurde deutlich, dass einzelne Erklärungsfaktoren und ihre Richtung stark von bestimmten äusseren Umständen abhängen. Bei der Untersuchung des Effektes der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte sind Kontextbedingungen ein besonderes Augenmerk zu schenken (Helbling und Kriesi, 2014, p. 606). Insbesondere die Wählerpräferenz scheint eine entscheidende Rolle zu spielen. Es ist naheliegend, dass ein negativer Effekt vor allem in einer eher minderheitenfeindlich eingestellten Gesellschaft auftritt. In diesem Sinne könnten die Erklärungsansätze der Präferenzen-Ebene durchaus auch als Kontextbedingung verstanden werden, was im Syntheseteil aufgegriffen wird. Es werden nun einige weitere erwartbare Kontextbedingun- gen und ihre mögliche Einflussrichtung kurz dargelegt. Dabei wird grundsätzlich zwischen vorla- gespezifischen Merkmalen und gesellschaftlichen Kontexten unterschieden. Vorlagenspezifische Merkmale Ob und in welche Richtung die direkte Demokratie auf Minderheitenrechte einwirkt, kann je nach direktdemokratischer Vorlage variieren. So können beispielsweise die Medienberichterstattung, Parteiparolen (Milic, 2008), der Status Quo, die gegenwärtige Stimmungslage oder die Rechtsform der Vorlage (Vatter, 2011) einen Einfluss darauf haben, ob die Bevölkerung eher für oder gegen Minderheitenrechte votiert. Der entscheidende vorlagenspezifische Kontext ist nach Vatter und Da- naci (2011, p. 36) die betroffene Minderheit. Es wurde im ersten Teil der Theorie deutlich, dass es sehr verschiedene Gruppen gibt, welche als Minderheiten aufgefasst werden. Vatter und Danaci berufen sich bei ihren Überlegungen auf die Differenzierung zwischen In- und Outgroups (vrgl. Tajfel und Turner, 1979). Die Outgroups sind demnach Minderheiten, mit denen sich die allgemeine Bevölkerung nicht identifizieren kann und die als Fremdkörper wahrgenommen werden, während die Ingroup-Minderheiten als gut integriert und akzeptiert gelten. Nach Vatter und Danaci (2011) laufen in der Schweiz vor allem Outgroups Gefahr, vom Instrument der direkten Demokratie be- droht zu werden. Typische Outgroup-Minderheit in der Schweiz sind nach den beiden Autoren Aus- länder und im Speziellen Angehörige des Islams. Während Frauen, oder in neuester Zeit auch Ho- mosexuelle, eher zur Gruppe der Ingroups zu zählen sind (ebd, p. 223). Gerade bei diesen beiden Gruppen wird zudem klar, dass sich die Wahrnehmung einer Minderheit von Region zu Region unterscheiden kann und zudem starken zeitlichen Veränderungen untersteht. Der zeitliche Kontext ist somit ein Faktor, welcher bei Untersuchungen zum Forschungseffekt ebenfalls zu berücksichti- gen ist. Universität Luzern Simon Zemp 23 Gesellschaftliche Kontexte Unter dieser Kategorie können längerfristige Kontextfaktoren, wie die bereits angesprochene Wäh- lerpräferenz, die Bevölkerungszusammensetzung oder das politische System zusammengefasst wer- den. Unter der Bevölkerungszusammensetzung kann zum Beispiel auch der erläuterte Faktor des Bildungsniveaus aufgeführt werden (vrgl. Bobo und Licari, 1989). Doch auch die Grösse und die soziale Heterogenität innerhalb der direktdemokratischen Arena werden als mögliche Kontextbe- dingungen für den Forschungseffekt diskutiert (Haider-Markel et al., 2007). Bereits Madison (2007 [1788]) glaubte, dass es in einem grossen Staatsgebilde schwieriger sei, dass eine Mehrheit eine Minderheit tyrannisiert. Donovan und Bowler (1998) wiesen in ihrer Studie solch einen Zusammen- hang aus, während für Haider-Markel et al. (2007) der Faktor der Grösse, speziell seit Ender der 90er Jahre, nicht mehr von grosser Relevanz sei. Mit der Erkenntnis, dass ein grosser Demos nicht automatisch mit höherer Heterogenität einhergeht, wird heute in diesem Zusammenhang meist auf die soziale Heterogenität anstelle der Grösse als Kontextbedingung fokussiert (Vatter, 2011). Dabei wird die soziale Heterogenität grundsätzlich als Faktor beschrieben, welcher sich positiv auf Min- derheitenrechte auswirkt. Zum einen scheint es in einer heterogenen Gesellschaft unwahrscheinli- cher, dass sich ein deutliches Machtgefälle zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen einstellt. Zum anderen lässt die «Kontakthypothese» vermuten, dass Bürger/-innen in einem heterogenen Umfeld toleranter und offener agieren (Forbes, 1997).7 Weiter kann auch das politische System, welches die direkte Demokratie umgibt, eine Rolle spielen in Bezug auf den Effekt. Christmann (2012) zeigt beispielsweise die Relevanz der rechtstaatlichen Einbettung der direktdemokratischen Instrumente auf. Der Mangel an Checks and Balances in der direktdemokratischen Arena wurde bereits als Argument für einen negativen Effekt aufgeführt. Ge- nau genommen kann es sich hier jedoch auch um einen Kontextfaktor handeln, da die schwache rechtstaatliche Einbettung kein inhärentes Merkmal der direkten Demokratie darstellt. Sowohl die repräsentative wie auch die direktdemokratische Arena können theoretisch mehr oder weniger von rechtsstaatlichen Prinzipien kontrolliert werden, was dann jeweils andere Auswirkungen auf die Rechte von Minderheiten erwarten lässt. Gerade das Beispiel der Schweiz zeigt jedoch, dass die direkte Demokratie im Vergleich zur repräsentativen Arena häufig einer klar schwächeren rechts- staatlichen Kontrolle ausgesetzt ist (ebd.). 7 Gegen die Kontakthypothese kann die «racial threat»-Hypothese eingeworfen werden, welche eher negative Effekte einer zunehmend heterogenen Gesellschaft erwarten lässt (ebd.). Universität Luzern Simon Zemp 24 3.2.5 Fazit Wirkungsmechanismen Zum Schluss dieses Theorieteils ist festzuhalten, dass der Forschungseffekt eine sehr komplexe und mehrdimensionale Herausforderung darstellt. Es wurde versucht, die wichtigsten theoretischen Wir- kungsmechanismen sowie einige mögliche Kontextbedingungen darzustellen. Ein möglicher finaler Effekt ist wohl als Summe verschiedener Teileffekte zu verstehen, die wie bei einem Kräfteparalle- logramm mit ihrer jeweiligen Richtung und Stärke in den Gesamteffekt eingehen. Zudem ist zu erwarten, dass den Kontextbedingungen, insbesondere der Wählerpräferenz und dem Fakt, welche Minderheit konkret betroffen ist, ein grosser Einfluss zukommt. Herausgestrichen werden muss, dass die Aussagekraft vieler positiver Erklärungsansätze beschränkt ist, da sie politische Mitwir- kungsrechte der Minderheiten voraussetzen. Es kann zusammenfassend festgehalten werden, dass der theoretische Forschungsstand eher zu einem negativen Effekt tendiert. Die negativen Ansätze streichen dabei vor allem fehlende Elemente der direktdemokratischen Arena im Vergleich zur re- präsentativen Arena heraus, die als besonders wichtig für den Minderheitenschutz angesehen wer- den. Mit den Erkenntnissen aus dem Theorieteil kann nun in die systematische Analyse der empirischen Evidenz übergeleitet werden. Als erster Schritt wird hierfür ein Review-Protokoll erstellt, welches das Vorgehen entsprechend den Gütekriterien eines systematic Reviews transparent machen soll. Universität Luzern Simon Zemp 25 4. Systematic Review des empirischen Forschungsstandes 4.1 Vorbereitung Review-Protokoll Bevor mit der eigentlichen Analyse des Forschungsstandes begonnen werden konnte, war ein Re- view-Protokoll zu erstellen, welches in folgendem Abschnitt kurz präsentiert wird. Das Protokoll soll ein transparentes und zielgerichtetes Vorgehen gewährleisten. Der erste Teil des Protokolls gibt Auskunft über die Auswahlkriterien sowie die Recherchestrategie. Danach werden die ausgewähl- ten Studien überblicksmässig präsentiert und es wird erläutert, wie bei der Evaluation der Studien vorgegangen wird. 4.1.1 Auswahlkriterien Durch Auswahlkriterien soll die Selektion der zu untersuchenden Studien möglichst transparent, objektiv und zielführend durchgeführt werden können (Petticrew und Roberts, 2006, p. 57). Die Bachelorarbeit verfolgt die Ambition, alle zugänglichen Primärstudien, welche auf den Forschungs- effekt fokussieren, in die Analyse einzubeziehen. Es werden somit bewusst keine enggesetzten Kri- terien betreffend Faktoren wie Qualität oder wissenschaftliche Resonanz bestimmt, wie dies bei systematic Reviews häufiger der Fall ist. Vor dem Hintergrund der Leitfrage lassen sich folgende zwei zentrale Inklusionskriterien für das Review darlegen, welche anschliessend kurz erläutert wer- den: 1. Studienfokus: Die Studie zielt primär auf den Kausalzusammenhang von direkter Demo- kratie und Minderheitenrechte ab 2. Studiendesign: Analytisch-empirisches Studiendesign Das erste Kriterium hält fest, dass die Studie primär den Effekt von direkter Demokratie auf Min- derheitenrechte untersucht. Der Theorieteil hat sich bereits vertieft mit den Begriffen direkter De- mokratie und Minderheitenrecht auseinandergesetzt. Das Review verzichtet bewusst auf eine expli- zite und enge Definition der Begriffe bei der Bestimmung der Inklusionskriterien, um der Variation der möglichen Verständnisse genügend Platz einzuräumen. Somit werden alle Studien berücksich- tigt, die zumindest «sinngemäss» auf den Forschungseffekt abzielen. Bei der konkreten Anwendung des Inklusionskriteriums können die im Theorieteil dargelegten Verständnisse helfen, um zu klären, ob hinter den untersuchten Variablen der Studien «sinngemäss» einer der beiden Begriffe steckt. Zu klären bleibt jedoch, wie der Aspekt des «primären Fokus» innerhalb des ersten Kriteriums verstan- den wird. Mit der Bedingung des primären Fokus wird eine pragmatische Beschränkung der zuge- lassenen Studien vorgenommen. Dies ist nötig und auch sinnvoll, um die Analyse im Rahmen dieser Arbeit in der gewünschten Qualität durchführen zu können. Als konkrete Entscheidungsregel zur Beurteilung, ob der «primäre Fokus» gegeben ist, dient folgende Bedingung: Der Forschungseffekt Universität Luzern Simon Zemp 26 kommt im Titel oder im Abstract als zentrale Leitfrage oder Hypothese zum Ausdruck.8 Die Bedin- gung eines «primären Fokus» führt dazu, dass möglicherweise wichtige empirische Evidenz nicht inkludiert wird, welche z.B. als Nebenprodukt aus einer Studie mit einem anderen Schwerpunkt hervorging. Auch wenn solche Studien nicht in die Auswahlgesamtheit Eingang finden und somit nicht systematisch überprüft werden, wird ihre Evidenz nicht einfach ignoriert. Evidenzen solcher Studien werden als «Grenzfälle» gesammelt und an geeigneter Stelle in der Arbeit integriert. Das zweite Kriterium fordert, dass die wissenschaftliche Arbeit den Effekt mit einem analytisch- empirischen Design untersucht. In der wissenschaftlichen Realität werden die Adjektive «empi- risch» und «analytisch» oftmals sehr unklar verwendet und kennen keine einheitliche Definition (Daigneault et al., 2014, p. 275). Es ist deshalb hier darzulegen, was im Zusammenhang mit dem zweiten Kriterium darunter zu verstehen ist. Als analytisch-empirisch wird eine Arbeit angesehen, welche den Forschungseffekt mit Hilfe einer möglichst systematischen Datensammlung und einer transparenten Analysemethode zu beantworten versucht. Dieser Ansatz orientiert sich an der von Smith (1983, p. 105) präsentierten Definition von empirischem Wissen: “By empirical knowledge, we mean experientially based knowledge acquired through formal study”. Dieses Kriterium richtet sich somit an eher quantitative Forschungs-Designs, schliesst jedoch qualitative Arbeiten keines- wegs aus. Laut Vatter (2011, p. 24) eignet sich insbesondere die Idee eines Methoden-Mix sehr für das Forschungsfeld. Klar nicht erfüllt wird das Kriterium beispielsweise von Arbeiten mit rein anek- dotischer Evidenz. Nachdem die beiden zentralen Inklusionskriterien erläutert wurden, sind zwei weitere Punkte zu erwähnen, die bei der Auswahl der Studien zu beachten sind. Erstens ist zu vermeiden, dass Studien, die z.B. in verschiedenen, nur leicht abgeänderten, Ausführungen veröffentlicht wurden, mehrfach in die Analyse eingehen. Zweitens ist das Jahr 1997 als untere Grenze für den Veröffentlichungs- zeitraum gesetzt, da in diesem Jahr Barbara Gamble eine Studie präsentierte, die allgemeinhin als erste systematische und empirische Untersuchung auf dem Feld angesehen wird (Haider-Markel et al., 2007, p. 305). Abschliessend zu den Auswahlkriterien ist wichtig zu bemerken, dass bewusst keine Exklusionskri- terien formuliert wurden. Dem Reviewer wird so theoretisch die Freiheit gelassen, auch Studien einzubeziehen, die die Inklusionskriterien nicht oder nur teilweise erfüllen, jedoch in ihrem sinnbe- zogenen Inhalt als starke Evidenz für den Forschungseffekt gelten können. Wenn nicht explizit be- gründet, wird die Nichterfüllung eines Inklusionskriteriums jedoch zum Ausschluss der Studie 8 Ausnahmen können Studien darstellen, welche nicht als eigenständige Artikel, sondern z.B. nur innerhalb eines Sammelbandes oder Buches, veröffentlicht wurden. Universität Luzern Simon Zemp 27 führen. Der minimale Anspruch an die Recherche ist dementsprechend, dass alle Forschungsarbei- ten, für welche die beiden Inklusionskriterien zutreffen, ausfindig gemacht werden. Hierfür ist stra- tegische Suche notwendig, welche im folgenden Teil kurz erläutert wird. 4.1.2 Vorgehen Recherche Das Vorgehen der Recherche orientiert sich an den von Cooper (1982, p. 295 ff.) präsentierten Stra- tegien und basiert auf zwei grundsätzlichen Ansätzen, die in der Phase der Recherche parallel ver- folgt werden sollen. Zum einen wird eine Online-Recherche in diversen Datenbanken (Scopus, Web of Science, JSTOR, Political Science Complete, WISO etc.) sowie mit verschiedenen Online-Such- instrumenten (iluplus.ch, Google Scholar und swissbib.ch) durchgeführt. Mit vordefinierten Stich- worten und unter Hilfe von Booleschen-Operatoren werden die Datenbanken systematisch abge- sucht. Mögliche graue Literatur wird mittels der Suchmaschine BASE (Bielefeld Academic Search Engine) versucht, ausfindig zu machen. Als wichtige Ergänzung zur Online-Suche wird in einer zweiten Phase eine Strategie angewendet, welche Cooper als «Ancestry approach» beschreibt (ebd.). Hierbei werden die Bibliographien der durch die Online-Suche gefundenen Studien nach weiteren Studien abgesucht, welch die Inklusi- onskriterien erfüllen könnten. Es wird somit eine Art Tracking der Bibliographien von bereits aus- gewählten Publikationen angewendet. Im Rahmen dieses manuellen Ansatzes werden auch Sekun- däranalysen zur Thematik beigezogen, wie z.B. die Arbeit von Kirchgässner (2010). Das Rechercheprotokoll im Anhang E gibt einen Einblick in das konkrete Vorgehen anhand einiger Suchwörter und den entsprechenden Treffern in den wichtigsten Datenbanken. 4.1.3 Präsentation der Auswahlgesamtheit Die Tabelle 2 auf der nachfolgenden Seite liefert einen Überblick zu den Studien, welche nach eingehender Recherche selektioniert wurden und so die Auswahlgesamtheit des systematic Re- views bilden. Zur Bezeichnung der jeweiligen Forschungsdesigns wurden folgende Begriffe mit den entsprechenden Abkürzungen verwendet: Abkürzungen der Forschungsdesigns 9 9 Der Begriff Counting-up-Ansatz ist eine in Anlehnung an Äusserungen von Hainmueller und Hangartner (2015) zum Zwecke dieser Arbeit geschaffene Bezeichnung für ein bestimmtes Vorgehen bei Studien zur Thematik. Dabei werden grundsätzlich minderheitenrelevante Abstimmungsresultate, und ihre entsprechenden Effekte auf Minderheitenrechte, aufsummiert. Die Unterscheidung in einen einfachen und ausgedehnten Counting-up berücksichtigt weiter, ob auch die Abstimmungen der repräsentativen Arena ausgezählt werden. Die genauere Bedeutung hinter diesen Begrifflich- keiten wird mit dem Verlauf der Arbeit aufgezeigt. eC: einfacher Counting-up-Ansatz aC: ausgedehnter Counting-up-Ansatz QB: qualitative Betrachtungen (nur wenn explizit) QCA: Qualitative Comparative Analysis RA: allgemeine Regressionsanalyse RDA: Regressions-Diskontinuitäts-Analyse EHA: Event History Analysis RS: Replikationsstudie http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/detail.php?bib_id=zhblu&colors=&ocolors=&lett=fs&tid=0&titel_id=5963 http://rzblx10.uni-regensburg.de/dbinfo/detail.php?bib_id=zhblu&colors=&ocolors=&lett=fs&tid=0&titel_id=5963 Universität Luzern Simon Zemp 28 Tabelle 2: Überblick Auswahlgesamtheit Autor und Jahr Forsch. Design Erhebungseinheit Ausgewiesene Evidenz (stark vereinfachte, tenden- zielle Richtung) 1 Gamble 1997 eC 74 minderheitenrelevante Initiativen auf lokaler und gliedstaat- licher Ebene (USA 1959 - 1993) Negativer Effekt 2 Donovan und Bowler 1998 eC und RA eC: 11 minderheitenfeindliche Vorlagen (lokaler und gliedstaat- licher Ebene) RA: 90 minderheitenrelevante Volksabstimmungen der US- Bundesstaaten (USA; 1972 - 1996) Kein klarer Effekt gefunden – neutrale Position 3 Frey und Goette 1998 eC 64 Minderheiten-Vorlagen aus der Schweiz (20 auf Bundes- ebene, 13 kantonale (Kt. Zürich) und 31 lokale (Stadt Zürich); 1970 - 1996) Leichte Tendenz für positiven Effekt 4 Gerber und Hug 2002 RA Minderheitenrelevanter Policy-Output in US-Bundesstaaten Effekt abhängig von Wäh- lerpräferenzen; kein unab- hängiger Effekt 5 Hajnal, Ger- ber und Louch 2002 RA Abstimmungen der repräsentativen und direktdemokratischen Arena in Kalifornien (1978 - 2000) Grundsätzlich neutrale Posi- tion; aber einige negative Ten- denzen 6 Linder 2003 eC und RA Minderheitenschutz der Schweizer Kantone; Fokus auf 115 Volksabstimmungen (1978 - 2002) sowie auf jeweilige Kan- tonsverfassungen Tendenziell negativer Effekt 7 Haider-Mar- kel, Querze und Linda- man 2007 RS mit aC und RA Primärer Datensatz: 3439 Gesetzesvorlagen zu «Gay-Rights» in USA aus repr. und direktdem. Arena (1992 - 2002) Negativer Effekt 8 Bolliger 2007 aC 525 eidgenössische Volksabstimmungen und 491 Abstimmun- gen des Nationalrates (Schweiz; 1874 - 2005) Neutrale Position; in der Ten- denz eher für positiven Effekt 9 Danaci 2008 eC, QB und RA 15 kantonale Abstimmungen mit Bezug zu religiösen Minder- heiten (Schweiz; 1963-2007) Negativer Effekt (aber klar keine Pauschalaussage, Ver- weis auf Kontextbedingungen) 10 Christmann 2010 QCA 13 kantonale Anerkennungsregelungen für religiöse Minderhei- ten; hervorgegangen aus Parlamentsdebatten (Schweiz; 1982- 2007) Tendenziell negativer (indirek- ter) Effekt 11 Redfield- Ortiz 2011 aC lokale und bundesstaatliche Abstimmungen mit Bezug zu Ho- mosexuellen; in repr. und direktdem. Arena (USA; 1979-2010) Negativer Effekt 12 Vatter und Danaci 2011 eC und RA 193 minderheitenrelevante Volksabstimmungen auf Bundes- und Kantonsebene (Schweiz, 1960 - 2007) Negativer Effekt (aber klar keine Pauschalaussage, Ver- weis auf Kontextbedingungen) 13 Lewis 2013 QB, aC, RA und EHA Minderheitenrelevante Policy aus 49 Bundesstaaten (USA, 1980 - 2008) Negativer Effekt 14 Hainmueller und Han- gartner 2015 RDA Einbürgerungsentscheide auf Ebene der Schweizer Gemeinden zwischen 1991 und 2009 Negativer Effekt 15 Bochsler und Hug 2015 RA Fünf minderheitenrelevante Policy-Outputs in 52 demokrati- sche Staaten weltweit Kein unabhängiger Effekt; Me- dianwähler-Präferenz als ent- scheidende Kontextbedingung Kurzer Kommentar zur Auswahl der Studien Insgesamt wurden 15 Forschungsarbeiten ausgewählt, die den Inklusionskriterien von allen gesich- teten Studien am besten entsprachen. Wie erwartet, eröffnete sich ein relativ grosser Bereich an Studien, welche zwar wichtige Evidenzen für den Forschungseffekt liefern, jedoch nicht eindeutig den Auswahlkriterien entsprechen, z.B. aufgrund des fehlenden «primären Fokus». Die Tabelle im Anhang D führt diesen «Graubereich» an Studien auf, welche als durchaus relevante für die Universität Luzern Simon Zemp 29 Leitfrage angesehen werden, jedoch nicht in der Auswahlgesamtheit berücksichtigt wurden. Es wird in dieser Tabelle auch kurz dargelegt, was für einen Beitrag die jeweiligen Arbeiten für den For- schungseffekt liefern können und aus welchen Gründen keine Inklusion in das Review erfolgte. Auch wenn diese Studien nicht vertieft analysiert werden, können ihre Evidenzen auf Basis dieser Zusammenstellung in der späteren Synthese mitberücksichtigt werden. Die Studien von Linder (2003), Bolliger (2007) und Redfield-Ortiz (2011) könnten aus verschieden Gründen ebenfalls die- sem «Graubereich» zugeordnet werden, wurden jedoch auf Basis eines Ermessensentscheides des Reviewers in die Auswahl aufgenommen. Als «Grenzfälle» innerhalb der Auswahlgesamtheit wer- den diese drei Studien zwar ebenfalls analysiert und beurteilt, ihnen wird jedoch nicht das gleiche Augenmerk zu kommen, wie den anderen 12 Studien, was sich vor allem bei der narrativen Ausei- nandersetzung innerhalb der Arbeit zeigen wird. Auch wenn die Inklusionsentscheide nicht immer eindeutig waren, so scheinen mit der getroffenen Auswahl die wichtigsten empirisch-analytischen Beiträge zum Forschungseffekt abgedeckt zu sein. Hinweise für diese Annahme lassen sich auch bei der folgenden, überblicksmässigen Betrachtung der Studien finden. Dabei wird insbesondere die Einbettung der ausgewählten Studien in den wissenschaftlichen Diskurs und die Zitierung unterei- nander beleuchtet. Ein Grossteil der ausgewählten Studien kann grob mit zwei Publikationswellen erfasst werden. Die Veröffentlichungen zwischen 1997 und 2007 lassen sich als Teile einer einheitlichen und intensiven Forschungsdebatte zur Thematik verstehen, die vor allem von US-Amerikanischen Beiträgen domi- niert wird und von Barbara Gambles Studie ausgelöst wurde.10 Die Beiträge innerhalb dieser ersten und sehr einflussreichen Welle nehmen engen Bezug aufeinander und können als schrittweise Wei- terentwicklung des wissenschaftlichen Diskurses innerhalb dieses Jahrzehnts verstanden werden. In jüngerer Zeit scheint die Frage in der US-Forschung an Interesse eingebüsst zu haben. In den letzten zehn Jahren ergänzten in erster Linie Forschungsbeiträge aus der Schweiz die Evidenzen der ame- rikanischen Untersuchungen. Diese Publikationen, welche grösstenteils im Rahmen eines For- schungsprojektes unter der Leitung des Berner Politikwissenschaftlers Adrian Vatter entstanden, können als zweite, kleinere Welle aufgefasst werden.11 Keiner klaren Publikationswelle zuzuordnen 10 Nicht Teil dieser Debatte ist Linder (2003), die praktisch für keine Resonanz auf dem Gebiet sorgte. 11 An dem Forschungsprojekt «Direkte Demokratie und religiöse Minderheiten in der Schweiz: Tyrannei der Mehrheit oder ausgebauter Minoritätenschutz?» waren neben Adrian Vatter die Projektmitarbeitende Christian Bolliger, Anna Christmann und Deniz Danaci beteiligt (Vatter 2011). Das Buch «Vom Schächter zum Minarettverbot» (Vatter, 2011) vereint die einzelnen Forschungsarbeiten diese Projektes, welche mehrheitlich auf religiöse Minderheiten abzielen, in einer Publikation. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass in der Auswahlgesamtheit nur einzelne Beiträge, bzw. die äquivalenten Publikationen, berücksichtigt wurden (Danaci 2008; Christmann 2010; Vatter und Danaci 2011) und das Sammelwerk an sich nicht in die Analyse inkludiert ist. Universität Luzern Simon Zemp 30 sind die jüngsten Beiträge zur Thematik. Die Arbeiten von Lewis (2013)12, Bochsler und Hug (2015) sowie Hainmueller und Hangartner (2015) wählen jeweils sehr individuelle Zugänge zur Thematik. Allen dreien ist jedoch gemein, dass sie grossen Wert auf vergleichende Designs legen und durch neuartige methodische Ansätze den Forschungsstand erweitern. Um ein besseres Verständnis über die ausgewählten Studien und ihre Beziehung untereinander zu bekommen, wurde in einem ersten kleinen Analyse-Schritt betrachtet, inwieweit die einzelnen Stu- dien Bezug auf die zuvor veröffentlichten Studien innerhalb der Auswahlgesamtheit nehmen. Dies kann erste Hinweise zur Relevanz einer Studie sowie zur Qualität des jeweils aufgearbeiteten For- schungsstandes liefern. Diese Betrachtungen sind in tabellarischer Form im Anhang B festgehalten. Es wurde jeweils eine Quote für den Abdeckungsgrad des Forschungsstandes sowie für den Anteil an Zitierungen durch die anderen Studien berechnet. Selbstverständlich sind die Prozentzahlen stark vom Veröffentlichungsdatum abhängig, die Darstellung kann trotzdem einige interessanten An- haltspunkte liefern. Es bestätigt sich beispielsweise die Annahme, dass die Studien der ersten Pub- likationswelle zwischen 1997 und 2007 eng aufeinander Bezug nehmen. Speziell scheinen sich auf Basis der berechneten Zitierquote die Studien von Gamble, Donovan und Bowler, Frey und Goette, Hajnal et al. sowie Haider-Markel et al. als «Big Five» auf dem Gebiet herauszukristallisieren. Diese fünf Studien fehlen grundsätzlich in keinem sauber aufbereiteten Forschungsstand zur Thematik und dürften entsprechend einflussreich sein.13 Positiv hervorzuheben, was die Abdeckung des For- schungsstandes betrifft, sind Bolliger (2007) sowie Vatter und Danaci (2011). Interessant ist, wie sich das Gesamtbild der Darstellung im Anhang B relativ gut mit der Einschätzung des Reviewers bei der Studienselektion deckt. Vor allem die Studien von Linder (2003) und Redfield-Ortiz (2011) sind auffällig schlecht in den wissenschaftlichen Diskurs zur Thematik eingebunden, was sich auch im knappen Entscheid über ihre Inklusion spiegelte. Die intensive Untersuchung der Bibliographien der 15 Studien bestärkte zudem die Vermutung, dass die Auswahlgesamtheit keine schwerwiegen- den Lücken aufweisen sollte.14 Somit konnte die Recherche als abgeschlossen angesehen werden und es kann nun in die eigentliche Evaluation der Studien übergeleitet werden. Hierfür ist kurz zu 12 Lewis (2013) kann ähnlich wie Vatter (2011) als Sammelband bereits veröffentlichter Studien verstanden werden. Da diese früheren Studien alle von Lewis (2011a, 2011b) selbst verfasst wurden und in ihrem Aufbau viele Ähnlich- keiten aufweisen, wurde nur das relativ umfassende Werk Lewis (2013) als Analyseeinheit erfasst, womit seine frühe- ren Studien gut abgedeckt sind. 13 Der Einfluss dieser fünf Studien bestätigt sich auch bei der Betrachtung der Anzahl Zitierungen nach Scopus: Gamble (162 Zitierungen), Hajnal et al. (100), Haider-Markel et al. (55) und Donovan und Bowler (54); nicht auf Scopus zu finden ist die Arbeit von Frey und Goette. 14 Mit grosser Sicherheit kann dies über ältere Studien gesagt werden, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass eine sol- che Studie nicht in mindestens einer der untersuchten Studien zitiert wurde. Eine mögliche «Lücke» ist demnach eher aufgrund der nicht Berücksichtigung von erst kürzlich veröffentlichten Studien zu erwarten. Universität Luzern Simon Zemp 31 erläutern, wie bei der Evaluation vorgegangen wird und wie die Erkenntnisse daraus in der Arbeit präsentiert werden. 4.1.4 Vorgehen Evaluation Als grundsätzlicher Rahmen für die Qualitätsbewertung der Studien dienen übliche Gütekriterien für empirische Sozialforschung, wie sie beispielsweise in Baur und Blasius (2014, chap. 30) prä- sentiert werden. Der Schwerpunkt der Evaluation liegt auf einem qualitativen Urteil über die Vali- dität der jeweiligen Evidenzen mit klarer Referenz zum Forschungseffekt. Die geäusserte Kritik ist somit immer vor dem Hintergrund der Aussagekraft für den Forschungseffektes zu verstehen. Es sollte demensprechend auf Basis dieser Evaluierung nicht vorschnell auf die grundsätzliche Qualität einer Studie geschlossen werden. Wichtig ist festzuhalten, dass es nicht der Anspruch der Evaluie- rung sein kann, alle Studien einer umfassenden Qualitätskontrolle zu unterziehen, hierfür fehlen schlicht die zeitlichen Ressourcen. Der Überprüfung der Datenerhebung oder der genauen Operati- onalisierung sind beispielsweise klare Grenzen gesetzt, denen sich diese Arbeit bewusst ist. Die Validität der Studie wird dementsprechend eher mit einem Blick für das grosse Ganze beurteil und achtet insbesondere auf konzeptionelle und methodische Ausgestaltungen. Im Sinne einer möglichst zweckmässigen Prüfung der Robustheit wird sich die Bewertung auf drei als sehr elementar erach- tete Dimensionen der Güte einer empirischen Studie konzentrieren. Im Anhang F sind diese drei Dimensionen mit jeweiligen Unterkriterien sowie mögliche Indikatoren und Fragestellungen darge- stellt. Auf Basis dessen wurde ein Beurteilungskatalog erstellt, welcher nach intensiver Auseinan- dersetzung mit den einzelnen Studien stichwortartig ausgefüllt wurde. Diese individuellen Beurtei- lungsbögen sind ebenfalls dem Anhang (Anhang G) zu entnehmen. Es ist wichtig festzuhalten, dass die Beurteilungsbögen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ihr Zweck bestand vor allem darin, den Blick für wichtige Qualitätsmerkmale zu schärfen. Die Bögen können unter anderem durch den Fokus auf Schwachpunkte ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Güte der Studien wider- geben, weshalb aus der isolierten Betrachtung der Bögen keine Schlüsse gezogen werden sollten. Im nun anschliessenden Teil werden die einzelnen Studien und ihre Aussagekraft für das For- schungsfeld auf der Basis der Qualitätsbeurteilung vertieft diskutiert. Universität Luzern Simon Zemp 32 4.2 Darstellung der evaluierten Forschungsarbeiten Bisher wurden die einzelnen Studien nur sehr oberflächlich dargestellt. Aus der Tabelle 2 konnten erste wichtige Informationen betreffend Forschungsdesign, Erhebungseinheit und tendenzielle Richtung der Evidenz entnommen werden. Es sollte allerdings klar sein, dass vertiefte Auskunft über die einzelnen Befunde der Studien mit den entsprechenden Kontexten in das Review integriert werden müssen. Erst auf Basis dieses Wissens können anhand der Studienevaluationen finale Er- kenntnisse über die jeweiligen Beiträge zum Forschungsstand erfolgen. Ziel des folgenden Ab- schnittes ist es, die Qualität der Studien anhand von Kommentaren prägnant darzustellen. Auf eine vertiefte Beschreibung von wichtigen Fakten zu Ergebnissen, Untersuchungseinheiten, Methoden oder Hypothesen der einzelnen Studien kann hierbei nicht explizit eingegangen werden. Die ele- mentare Hintergrundinformation zu den Studien wurden allerdings in tabellarischer Form gesam- melt und sind dem Anhang zu entnehmen. Insbesondere die Tabelle des Anhanges A, welche Aus- kunft zu den konkreten Befunden und den untersuchten Einheiten liefert, ist für ein umfassendes Bild über die Studieninhalte zu konsultieren. Anhang C beinhaltet zudem wichtige Informationen über die Operationalisierung der unabhängigen und abhängigen Variablen bei Studien mit Regres- sionsanalysen. Eine weitere pragmatische Einschränkung für die folgende Kommentierung der Studien betrifft die drei erwähnten «Grenzfälle» Linder (2003), Bolliger (2007) und Redfield-Ortiz (2011). Diese drei Studien werden zwar ebenfalls sorgfältig anhand des Beurteilungsbogens geprüft, es wird aber im Folgenden darauf verzichtet, den drei Studien einen schriftlichen Kommentar zu widmen. Bei die- sen Studien wurde hingegen versucht, am Ende des jeweiligen Beurteilungsbogens (Anhang G) eine kurze, finale Aussage über die Robustheit der Evidenz zu treffen. Es ist zu betonen, dass die einzelnen Kommentare trotz der angestrebten Kürze eine gewisse Aus- führlichkeit bedingen, da das Review vor allem auch der häufig sehr oberflächlichen Auseinander- setzung mit dem Forschungsstand entgegentreten will. Die dabei möglicherweise entstehende Lang- atmigkeit des Kommentar-Blockes mit Ausführungen zu zwölf Studien muss in Kauf genommen werden. Chronologisch nach Veröffentlichungsjahr geordnet, folgen nun die Kommentare zu den Studien. Universität Luzern Simon Zemp 33 Gamble, 1997 Barbara Gambles Studie ist nicht nur die erste empirisch-analytische Studie auf dem Gebiet, son- dern, wie bereits aufgezeigt, auch die mit Abstand meistzitierte. Mit einer einfachen Auszählung von direktdemokratischen und minderheitenrelevanten Abstimmungsresultaten bestimmt sie, wie oft der repräsentative Output zu Ungunsten oder zu Gunsten der Minderheitenrechte verändert wurde und präsentiert so Evidenz zum Forschungseffekt. Ein solches Vorgehen wird innerhalb der Thematik häufiger angewendet und in dieser Arbeit als einfacher Counting-up-Ansatz bezeichnet. Gamble ergänzt ihre quantitative Auszählung mit konkreten Beispielen, welche illustrieren sollen, wie Ausbauvorlagen der Parlamente regelmässig durch Volksabstimmungen gestoppt wurden. Durch diese eher qualitativen Betrachtungen kann sie die zentrale Hypothese überzeugend herleiten sowie mögliche Erklärungsansätze präsentieren. Ein häufiger Kritikpunkte lautet, dass es der Studie an einem klaren Vergleich mit der repräsentativen Arena mangle (Donovan und Bowler, 1998; Hainmueller und Hangartner, 2015). Dieser Einwand ist sicherlich in der Hinsicht korrekt, dass Gamble keine direkte Evidenz aufbringt, die zeigen kann, dass die repräsentative Arena die Min- derheitenrechte besser schützt. Den Effekt der direktdemokratischen Instrumente auf die Minder- heitenrechte kann sie jedoch durchaus überzeugend darlegen. Ihre zentrale Aufzählung berücksich- tigt nur Abstimmungen, die den Output der repräsentativen Arena auch tatsächlich verändert haben. Eine Ablehnung einer Initiative, welche einen Ausbau von Minderheitenrechten fordert, wird kor- rekterweise nicht gewertet. In diesem Sinne berücksichtigt der Ansatz von Gamble auf eine indi- rekte Art und Weise die repräsentative Arena. Es ist jedoch zu erwähnen, dass Gamble in einer ersten Phase auch zusammenzählt, wie oft die Abstimmungen in einem generellen «Antiminority- Result» endeten. Diese Zahlen sind für die Untersuchung eines Effektes nicht wirklich aussagekräf- tig, da hier beispielsweise abgelehnte Initiativen oder via Referenden angenommene Ausbauvorla- gen berücksichtigt werden. Gegen die zentrale Auszählung Gambles, dass bei 78% der untersuchten Volksabstimmungen ein «tyrannischen Outcome» resultierte, kann jedoch auch nach der vertieften Evaluation der Studienqualität wenig eingewendet werden. Die entscheidende Frage ist, ob Gambles intern valide Resultate auch Schlüsse zu einem allgemeineren Effekt der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte zulassen. Gambles abschliessendes Fazit fällt zumindest für den Kontext der USA klar aus: «Instead of fortifying our nation, direct legislation only weakens us.» (Gamble, 1997, p. 262). Diese pauschalisierende Schlussfolgerung ist jedoch problematisch und führte entsprechend zu Kritik. Donovan und Bowler (1998) sprechen gar von einem klaren Trugschluss. Nicht unbe- gründet ist sicherlich auch die Infragestellung der Repräsentativität der untersuchten 74 Abstim- mungen. Vor allem die Tatsache, dass knapp 60% der einbezogenen Vorlagen auf die Rechte von Homosexuellen abzielten, müsste für generelle Aussagen zumindest kritisch reflektiert werden. Universität Luzern Simon Zemp 34 Eine Schwäche der Studie ist zudem, dass relevante Kontextbedingungen kaum berücksichtigt wer- den. Zusammenfassend sind dies alles Gründe, die aufzeigen, dass die vereinfachte Generalisierung von Gamble nicht überzeugen kann. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Studie Pionierarbeit auf dem Gebiet leistete, ihre grundsätzliche Herangehensweise überzeugte und sie so Evidenz lieferte, die nicht ignoriert werden kann. Donovan und Bowler, 1998 Die erste Reaktion auf Gamble folgte von Donovan und Bowler (1998). Die beiden Autoren wider- sprechen den Befunden von Gamble in ihrer Studie deutlich. Sie glauben nicht, dass die von Gamble dargelegten Verletzungen der Minderheitenrechte eine unabhängige und generalisierbare Folge der direkten Demokratie seien, sondern verweisen darauf, dass die Grösse und Heterogenität der Bevöl- kerung einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkungsrichtung habe. Theoretisch werden diese Kontextbedingungen mit Argumenten aus den Federalist Papers begründet (Madison et al., 2007 [1788]). In einem ersten Schritt wird versucht, die Befunde von Gamble, welche eine überdurch- schnittlich hohe Annahmequote von minderheitenfeindlichen Initiativen proklamieren, mit einem Counting-up-Ansatz zu relativieren. Dabei wurden im Gegensatz zu Gamble nur Abstimmungen auf Ebene der Bundesstaaten berücksichtigt, um für den Faktor Grösse kontrollieren zu können. Zudem fokussierten die Autoren ausschliesslich auf Vorlagen, welche Homosexuelle und AIDS-Kranke betrafen. Von elf untersuchten «state-level-initiatives» wird dabei nur zweien ein minderheiten- feindlicher Effekt zugeschrieben, was von den Autoren als klare Evidenz gegen Gambles Position angesehen wird. Es ist jedoch anzuzweifeln, ob mit lediglich elf Abstimmungen eine starke und repräsentative Evidenz gegen die Befunde von Gamble dargeboten werden kann. Zudem ist zu be- achten, dass in diesen elf Fällen nicht nur Gay-Rights sondern auch AIDS-Initiativen inkludiert sind. Letztere stellen die grosse Ausnahme in der Analyse von Gamble dar, da genau in diesem Bereich kein negativer Effekt nachgewiesen werden konnte. Es ist anzunehmen, dass diese Ausnahmefälle in Donovan und Bowlers Datensatz relativ prominent vertreten sind und dadurch ein weniger nega- tiver Befund nicht überraschend ist. Donovan und Bowler gewähren allerdings keinen direkten Ein- blick in die verwendeten Daten, weshalb eine genaue Überprüfung hierzu nicht möglich ist. Die Daten von Gamble zeigen allerdings, dass die AIDS-Thematik sehr häufig auf Bundesstaaten-Ebene zur Abstimmung stand (vier Fälle nur in Kalifornien zwischen 1986 bis 1989) und deshalb zu er- warten ist, dass diese einen beträchtlichen Teil der Daten von Donovan und Bowler ausmachen. Überzeugender agieren die Autoren bei der Regressionsanalyse im zweiten Teil der Studie. Mit einer angemessenen Fallzahl und vier verschiedenen Modellen kann der Einfluss der Bevölkerungs- anzahl, aber auch von weiteren Faktoren wie des Bildungsniveaus, dargelegt werden. Ihre Universität Luzern Simon Zemp 35 Schlussfolgerung, dass Minderheiten in kleinen Körperschaften verstärkt gefährdet seien, scheint auf Basis des Regressions-Outputs durchaus valide. Im Gegensatz zu Gamble wird auf pauschale Urteile verzichtet, was in Anbetracht der Datenlage sicherlich angebracht ist. Über alles gesehen kann die Publikation von Donovan und Bowler die Ergebnisse von Gamble durchaus relativieren und setzt wichtige Akzente zu Kontextbedingungen wie Grösse, Heterogenität und Bildungsniveau. Es kann aufgezeigt werden, dass Gamble zu vorschnell urteilte und der Effekt eine komplexe An- gelegenheit darstellt, die weitere empirische Evidenz für robuste Aussagen bedingt. Allerding ist auch deutlich festzuhalten, dass die beiden Autoren die Befunde von Gamble nicht widerlegen kön- nen. Frey und Goette, 1998 Nur kurz nach Donovan und Bowler veröffentlichten mit Frey und Goette (1998) zwei Forscher aus der Schweiz eine Studie als Reaktion auf Gamble. Das methodische Vorgehen von Gamble wird dabei für gut befunden und zugleich in den Grundzügen übernommen, um aufzuzeigen, dass die Schlussfolgerungen von Gamble nicht auf die Schweiz angewendet werden können. Die Ökonomen Frey und Goette weisen der direkten Demokratie in der Schweiz ein deutlich besseres Zeugnis aus und tendieren gar zu leicht positiven Effekten. Die Studie der beiden weist jedoch diverse Schwach- stellen auf, welche die Resultate stark relativieren. 15 Für die eidgenössischen Ebene wird beispielsweise bloss eine nicht sauber begründete Auswahl von 20 Abstimmungen untersucht, die zudem nur eine sehr beschränkte Gruppe von Minderheiten re- präsentieren können. Das zentralste Problem stellt wohl der Fakt dar, dass die Untersuchung auf den beiden Stufen der kantonalen und lokalen Ebene auf den Kanton und die Stadt Zürich beschränkt ist. Während der Kanton Zürich unter gewissen Umständen für die kantonalen Ebenen der Schweiz repräsentativ sein kann, ist die Stadt Zürich als wirtschaftliches und urbanes Zentrum der Eidgenos- senschaft mit Sicherheit nicht geeignet, um repräsentative Daten für die lokalen Ebene der Schweiz zu generieren. Die in der Stadt Zürich gefunden Hinweise, dass die direkte Demokratie gar der Expansion von Minderheitenrechten diene, mag kaum überraschen und kann wohl auf die wenigsten der über 2000 Gemeinden der Schweiz übertragen werden. Dass die Studie von Frey und Goette vor allem auf Basis dieser Befunde häufig als Evidenz für eine neutrale oder gar leicht positive Wir- kungsrichtung zitiert wird (z.B. bei Gerber und Hug, 2002 oder Haider-Markel et al., 2007), ohne dass dabei auf die Untersuchungskontexte eingegangen wird, ist problematisch. 15 Eine exakte Überprüfung aller untersuchten Fälle ist aufgrund der fehlenden Transparenz nicht möglich. Das Paper verweist darauf, dass für die Dateneinsicht Kontakt mit den Autoren aufgenommen werden kann. Professor Goette liess jedoch auf Anfrage hin verlauten, dass er bezweifle, dass die Daten noch auffindbar seien. Die Beurteilung der Validität beruht deshalb auf den Informationen, welche direkt dem Paper entnommen werden können. Universität Luzern Simon Zemp 36 Bei der Untersuchung von Frey und Goette zeigt sich zudem, dass der Ansatz, die Erfolgschancen von minderheitenfeindlichen Vorlagen mit den generellen Erfolgsraten von Initiativen oder Refer- enden zu vergleichen, wie auch von Gamble angewendet, problembehaftet sein kann. Die Autoren wollen mit ihrer Studie vor allem zeigen, dass Gamble unrecht hatte, wenn sie behauptete, dass minderheitenfeindliche Initiativen mit grösser Wahrscheinlichkeit angenommen würden als andere Vorlagen, weshalb solch ein Vergleich naheliegend ist. Der Fokus auf solche Prozentzahlen kann jedoch sehr verzerrend sein, da diese stark davon abhängen, wie viele minderheitenfeindliche Vor- lagen auf der Agenda standen und wie radikal diese waren. Bei Frey und Goette werden beispiels- weise eine Reihe von radikalen eidgenössischen Initiativen aus den 70er- und 80er-Jahren berück- sichtigt, welche die Überfremdung stoppen wollten und allesamt deutlich abgelehnt wurden. Es ist augenscheinlich, dass diese radikalen und chancenlosen Initiativen die Erfolgsquote von minderhei- tenfeindlichen Initiativen drastisch senkten und so zur tiefen Erfolgsrate von 30% innerhalb des Samples von Frey und Goette beitrugen. Auf Basis dieser Erkenntnisse sind auch die ausgewiesenen Prozentzahlen von Gamble mit Vorsicht zu interpretieren. Unabhängig von der Diskussion um den Vergleich der Prozentzahlen ist klarzustellen, dass die Stu- die von Frey und Goette vor allem aufgrund der unglücklichen Fallauswahl nicht überzeugen kann. Robuste Evidenz für den Forschungseffekt kann dadurch nicht geliefert werden und die relative Wichtigkeit, welche die Studie innerhalb des Forschungsstandes einzunehmen scheint, ist auf Basis der Mängel erstaunlich. Gerber und Hug, 2002 Mit dem Working-Paper von Gerber und Hug werden einige neue Ansätze in die von Gamble los- getretene Debatte eingebracht. Gerber und Hug beginnen mit einer treffenden Diagnose von zwei zentralen Mängeln der bisherigen drei Forschungsarbeiten: «of these theoretically important ele- ments - indirect effects and voter preferences - are absent in recent empirical studies of minority rights» (Gerber und Hug, 2002, p. 7). Die beiden Autoren versuchen ein Forschungsdesign zu kon- zipieren, welches diese Mängel beheben kann und präsentieren erstmalig eine ganzheitliche Regres- sionsanalyse, wobei ein Vergleich zwischen US-Bundesstaaten mit und solchen ohne direkte De- mokratie herangezogen wird. Mit diesem Ansatz kann der direkte sowie indirekte Effekt der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte eruiert werden, was mit den bisherigen Counting-up- Ansätzen nicht möglich war. Zudem erlaubt die Regressionsanalyse den Einbezug von weiteren Er- klärungsfaktoren und Kontextbedingungen. Für Gerber und Hug ist dabei in erster Linie die Wäh- lerpräferenz ein Faktor, der zwingend berücksichtigt werden muss. Gerber hatte bereits in einer früheren Untersuchung (vrgl. Gerber, 1996) überzeugend aufgezeigt, wie der indirekte Effekt auf Basis der Wählerpräferenzen unterschiedlich wirken kann. Das Argument, dass die direkte Universität Luzern Simon Zemp 37 Demokratie - durch direkte und indirekte Effekte - den Policy-Output näher zu den Präferenzen des Medianwählers verschiebt und so sowohl ein negativer wie auch ein positiver Effekt resultieren kann, bildet dann auch die zentrale Hypothese der Arbeit. Die theoretischen Überlegungen zu Be- ginn der Studie können von den beiden überzeugend in das Design einer Regressionsanalyse über- setzt werden. Weiter basiert die Analyse auf einer gut begründeten und repräsentativen Auswahl von Beobachtungen in den US-Staaten, mit denen die relevanten Konzepte operationalisiert werden können.16 Grundsätzlich legen Gerber und Hug so eine gute Basis für eine multivariate Schätzung des Effektes. Für die zentralen Schätzer können jedoch keine signifikanten Werte ausgewiesen wer- den. Es zeigt sich, dass es allgemein sehr schwierig scheint, ein Regressionsmodell zu erstellen, welches die Variation der Zielvariable in genügendem Masse erklären kann. Nichtsdestotrotz liefert die Analyse Hinweise dafür, dass die geäusserte Vermutung zur Interaktion von direkter Demokratie und Wählerpräferenzen sehr relevant ist. So scheint sich ein negativer Effekt nur bei konservativen Bundestaaten einzustellen, während in liberalen Staaten kein – oder gar ein leicht positiver – Effekt erwartet werden kann.17 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Regressionsanalyse von Gerber und Hug nicht mit der Präsentierung von starker empirischer Evidenz zum Effekt auftrumpfen kann. Der Mehrwert ihrer Arbeit liegt jedoch in der Sensibilisierung für die wichtige Rolle der Wählerpräfe- renz sowie der Einführung neuer methodischer Ansätze, die insbesondere die indirekten Effekte einschliessen und direkte Vergleiche zu rein repräsentativen Systemen anstellen können. Hajnal, Gerber und Louch, 2002 Zusammen mit Hajnal und Louch veröffentlichte Gerber im Jahre 2002 eine weitere Studie zur Thematik. Wie beim Paper von Gerber und Hug (2002) wird dabei auf die Methode der Regressi- onsanalyse zurückgegriffen, jedoch mit einem deutlich anderen Ansatz. Die Studie testet den Ein- fluss der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheitengruppe auf die Wahrscheinlichkeit, dass das Individuum bei direktdemokratischen Abstimmungen auf der Gewinnerseite steht. Während die bisher präsentierten Arbeiten allesamt auf die Analyse von Vorlagen fokussierten, welche explizit Minderheitenrechte tangierten, wollen die drei Autor/-innen das Abschneiden von Minderheiten in der direkten Demokratie allgemein untersuchen. Es wird argumentiert, dass nur ein Bruchteil aller direktdemokratischen Abstimmungen minderheitenrelevant sind und somit für ein Urteil über die direkte Demokratie eine deutlich breitere Auswahl an Abstimmungen berücksichtigt werden müsse. 16 Zu beachten ist, dass die Operationalisierung der Variable «Wählerpräferenz» eine fehleranfällige Herausforderung darstellt (aufgrund der Problematik des ökologischen Fehlschlusses), was jedoch von den Autoren in genügendem Masse reflektiert wird. 17 Diese Erkenntnis unterstreicht nochmals die Relativierung der positiven Befunde von Frey und Goette für die libe- rale Stadt Zürich. Universität Luzern Simon Zemp 38 Deshalb schliesst das Dreierteam 51 kalifornische Abstimmungsresultate aus diversen Politikberei- chen in ihre Hauptanalyse ein, sowie entsprechende Individualdaten. Die zentralen Schlussfolge- rungen halten fest, dass bisherige Studien der direkten Demokratie ein zu schlechtes Zeugnis aus- stellten. In ihrer robusten Analyse zeigte sich, dass in Kalifornien die untersuchten Minderheiten - über die breite Auswahl an Volksabstimmungen gesehen - praktisch genauso oft auf der Gewinner- seite stehen, wie die Durchschnittsbevölkerung. Von einem «anti-minority bias» könne demnach nicht gesprochen werden. Die Regressionsanalyse überzeugt grundsätzlich durch ein bedachtes und transparentes Vorgehen und weisst diverse Stärken, jedoch auch einige Schwachstellen auf. Für Details hierzu ist der Beur- teilungsbogen im Anhang zu konsultieren. Eine entscheidende Frage für die zweckmässige Beur- teilung ist, ob die Inklusion von Vorlagen aus allen möglichen Bereichen für Evidenz zum For- schungseffekt überzeugen kann. Bei bisherigen Studien standen klar die Rechte von Minderheiten im Vordergrund, was bei Hajnal et. al. nicht der Fall ist. Durch die Berücksichtigung von vielen verschiedene «issues» werden die minderheitenrelevanten Abstimmungen praktisch irrelevant für das Endergebnis. In Bezug auf die Frage des Effektes auf Minderheitenrechte kann dies problema- tisch sein. Einem Individuum mag es wenig nützen, wenn es in 99 Abstimmungen über ver- schiedenste Themen auf der Gewinnerseite steht und dann bei der 100. Abstimmung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Minderheit den Abbau eines grundlegenden individuellen Rechts hinnehmen muss. Es wird deutlich, dass der gewählte Studienansatz eine neue interessante Perspektive in die Debatte einbringt, welche durchaus zu einem besseren Verständnis über das Abschneiden von Min- derheiten in der direkten Demokratie beiträgt. Robuste Evidenz für den Forschungseffekt kann da- mit jedoch nicht präsentiert werden. Denn auch wenn durchaus überzeugend aufgezeigt werden kann, dass Minderheiten über alle Abstimmungen gesehen nicht systematisch einer Tyrannei der Mehrheit ausgesetzt sind, so kann damit nicht ausgeschlossen werden, dass in den wenigen Fällen, bei denen die Rechte von Minderheiten auf der Agenda stehen, Minderheiten am Ende des Tages nicht doch häufiger auf der Verliererseite stehen. Hajnal et al. scheinen sich dessen allerding be- wusst zu sein, weshalb auch zusätzliche Regressionsmodelle aufgestellt werden, die unter anderem nur auf Vorlagen über die Rechte von Minderheiten abzielen, sowie die individuelle Priorisierung einer Vorlage mitberücksichtigen. Bei diesen sehr interessanten Betrachtungen werden insbeson- dere für die Gruppe der Latinos negative Effekte ausgewiesen. Diese Evidenzen werden jedoch von den Autor/-innen lediglich als Spezifizierung ihrer Hauptbefunde aufgeführt. Vor dem Hintergrund des Forschungseffektes dieser Arbeit wären jedoch genau diese Befunde, welche Minderheiten- rechte sowie die Priorisierung der Vorlagen berücksichtigen, als besonders relevant einzustufen. Universität Luzern Simon Zemp 39 Haider-Markel, Querze und Lindaman, 2007 Die bruchstückhaften und scheinbar widersprechenden Evidenzen der Studien aus den späten 90er- Jahren veranlassten drei Autoren im Jahre 2007 zur Publikation des Papers «Lose, Win, or Draw?: A Reexamination of Direct Democracy and Minority Rights» (Haider-Markel et al., 2007). Die Ar- beit der drei Autor/-innen kann durch eine gelungene Standortanalyse punkten und präsentiert einige interessante Verbesserungsvorschläge. Anhand von sechs Kriterien wird aufgezeigt, was Studien zur Thematik beachten müssen, um besser beurteilen zu können, ob Minderheiten und ihre Rechte in der direkten Demokratie tatsächlich schlechter abschneiden. Die Publikation spricht sich insbe- sondere dafür aus, dass vertiefte Vergleiche mit der repräsentativen Arena angestellt werden müs- sen, was zuvor nur von Gerber und Hug (2002) gemacht wurde. Weiter wird beispielsweise der vertiefte Einbezug von Präferenzen der Minderheiten sowie der relativen Wichtigkeit der Vorlagen gefordert. Die präsentierten Verbesserungsvorschläge werden dann sogleich versucht in einer eige- nen empirischen Analyse anzuwenden. Hierfür werden die Studiendesigns der 90er-Jahre, in erster Linie diejenigen von Gamble sowie von Donovan und Bowler, entsprechend der sechs Kriterien angepasst und einer Replikation unterzogen.18 Für die Überprüfung der Evidenz von Gamble wird ihr Counting-up-Ansatz übernommen, mit dem Unterschied, dass nicht nur die Ergebnisse von di- rektdemokratischen Abstimmungen, sondern auch eine grosse Anzahl von parlamentarischen Ge- schäften ausgezählt wird.19 Dieser ausgedehnte Ansatz ermöglicht zwar einen Vergleich der beiden Arenen, geht aber mit einigen Problemen einher, was die Messung des Forschungseffektes betrifft. In erster Linie berücksichtigen Haider-Markel et al. nicht, dass ein als positiv bzw. negativ gewer- tetes Resultat häufig gar keinen eigentlichen Effekt hat, da die direkte Demokratie zu keiner Verän- derung des Status Quo führte. Somit können ihre Erkenntnisse, dass z.B. der «Pro-Gay-Outcome» in der direkten Demokratie mit 39% unter dem Wert der repräsentativen Arena (44%) liegt, nicht ohne Einschränkungen als Evidenz für einen «Effekt» gewertet werden. Die Zahlen lassen grund- sätzlich nur klare Aussagen über die Agenden und das Abstimmungsverhalten bei minderheitenre- levanten Fragen zu, auch wenn natürlich ein enger Zusammenhang zu einem möglichen Effekt nicht abgestritten werden kann. Weiter kann auch grundsätzlich die Frage aufgeworfen werden, ob die Art und Weise, wie in der Studie die repräsentative Arena der direktdemokratischen Arena gegen- übergestellt wird, überhaupt Sinn macht. Es wurde bereits im Theorieteil deutlich, dass die direkte Demokratie als komplementäres Element der repräsentativen Arena zu verstehen ist. Wenn nun Haider-Markel et al. die Abstimmungsresultate aus diesen beiden Arenen gegeneinander aufwiegen, 18 Die Autor/-innen aktualisieren dabei auch die Datensätze. Dieses Update ist jedoch auf Vorlagen zu den Rechten von Homosexuellen beschränkt. 19 Um dieser Anpassung zu entsprechen, bezeichnet die vorliegende Arbeit solch ein Design als ausgedehnten Counting-up-Ansatzes, wie dies bereits in der Fussnote 9 zum Ausdruck kam. Universität Luzern Simon Zemp 40 werden sie diesem Umstand nicht gerecht. So wird z.B. ignoriert, dass die Resultate der repräsenta- tiven Arena auch indirekt von der direkten Demokratie beeinflusst werden können. Vor allem aber kann aus einem solchen internen Vergleich nicht überzeugend auf einen «Effekt» im Sinne einer Veränderung des Outputs geschlossen werden. Es ist somit zusammenfassend klarzustellen, dass die gut gemeinte Ausdehnung des Counting-up-Ansatzes auf die repräsentative Arena in Bezug auf robuste Evidenz für den Forschungseffekt letzten Endes scheitert. Auf weitere Teile der Studie, in denen insbesondere die Replikation der Regressionsanalyse von Donovan und Bowler (1998) im Zentrum steht, wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Diese Un- tersuchungen zur Rolle der «Jurisdiction-Size» könne aber überzeugen und zeichnen im Vergleich zu Donovan und Bowler ein deutlich differenzierteres Bild dieses Kontextfaktors. Über die gesamte Studie hinweggesehen kann festgehalten werden, dass die Autor/-innen einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des methodischen Vorgehens liefern und einige wichtige Schwachstellen bishe- riger Studien aufzeigen können. Erstmals wurden zudem bisherige Studien einer sorgfältigen Rep- likation unterzogen. Auch wenn das zentrale Design im Rahmen der Replikation von Gambles Stu- die klare Schwächen aufweist und nicht direkt einen Effekt messen kann, so lassen sich die Resultate doch in der Reihe von Hinweisen für eine negative Wirkungsrichtung aufführen. Insbesondere die Gefahr für die Rechte von Homosexuellen kann mit den Resultaten zum Ausdruck gebracht werden. Danaci, 2008 Danaci präsentiert für seine Untersuchung, die auf religiöse Minderheiten beschränkt ist, einen viel- fältigen Methoden-Mix. Als Basis dient die Erörterung des Effektes nach einem Counting-up-An- satz, sehr ähnlich wie bei Gamble. Die dabei gewonnen Erkenntnisse werden anschliessend mit qualitativen und statistischen Analysen sinnvoll ergänzt. Die Studie weist einen sehr guten theore- tischen Rahmen auf. Es wird dabei nicht nur aufzeigt, wie sich ein potenzieller negativer Effekt erklären lässt, sondern Danaci erläutert auch ausserordentlich detailliert, unter welchen Umständen überhaupt von einem Effekt gesprochen werden kann. Auf Basis dieser Reflexion verhindert Danaci die soeben bei Haider-Markel et al. (2007) angesprochenen Problematik der Inklusion von Abstim- mungsresultaten, hinter denen kein wirklicher Effekt steckt. Auf der Basis klarer Auswahlkriterien untersucht Danaci 15 kantonale Referenden (davon drei fa- kultative). In vier dieser Fälle konnte dabei überzeugend ein negativer Effekt für religiöse Minder- heiten beobachtet werden. Schwächen eröffnen sich bei der daraus abgeleiteten Schlussfolgerung: «Die Tatsache, dass deren vier vom Volk abgelehnt wurden, bedeutet, dass die Minderheiten in der direkten Demokratie weniger gut geschützt sind als in der parlamentarischen Arena.» (Danaci, 2008, p. 27). Bei solch generellen Aussagen müsste Danaci deutlich vorsichtiger agieren, insbeson- dere, da die Repräsentativität seiner Fallauswahl äusserst begrenzt ist. Universität Luzern Simon Zemp 41 Auch wenn hier der Arbeit von Danaci Evidenz für pauschale Äusserungen zum Effekt klar abge- sprochen werden muss, so ist doch festzuhalten, dass die Arbeit mit der hervorragenden theoreti- schen Einbettung und der Kombination von verschiedenen methodischen Ansätzen, einiges zu ei- nem besseren Verständnis der Auswirkungen der direkten Demokratie auf religiöse Minderheiten in der Schweiz beitragen kann. Seine Ergebnisse liefern klare Hinweise dafür, dass insbesondere Angehörige der islamischen Glaubensgemeinschaft einem erhöhten Risiko ausgesetzt sein können. Methodisch hebt sich die Studie besonders durch die intensive qualitative Analyse der Einzelfälle von bisherigen Designs ab. Es wurde deutlich, dass vertiefte qualitative Betrachtungen für die Er- forschung der konkreten Wirkungsmechanismen sehr wertvoll sein können und die interne Validität der gesamten Untersuchung stärken können. Christmann, 2011 Christmann (2011) untersuch die Auswirkung der direkten Demokratie auf die Rechte von Minder- heiten mit einem ausschliesslichen Fokus auf den indirekten Effekt. Mit einer theoretisch äusserst sauber eingebetteten Fuzzy Set-QCA untersucht sie Bedingungen, welche die Ausgestaltung von Anerkennungsregelungen für religiöse Minderheiten in den Kantonen der Schweiz erklären können. Christmann gelingt der Nachweis eines indirekten Effektes, indem sie untersucht, ob das Vorhan- densein einer parlamentarischen Debatte über die Volksrechte als «Damoklesschwert» mit einem restriktiveren legislativen Output zusammenhängt. Eine Stärke des Designs ist die Kombination von quantitativen und qualitativen Betrachtungen, sowie der damit verbundenen intensiven Beschäfti- gung mit den einzelnen Fällen. Die QCA erlaub weiter die Überprüfung von verschiedenen Bedin- gungen und deren Interaktionen. So konnte Christmann beispielsweise aufzeigen, dass erwartet wer- den kann, dass ein liberaler Outcome resultiert, sofern die Gesetzesänderung im Rahmen einer Totalrevision verabschiedet wurde und zudem während der Debatte die Sorge um eine mögliche Volksabstimmung nicht geäussert wurde. Christmann kann klare Hinweise dafür präsentieren, dass die direkten Volksrechte in den 13 Kan- tonen den Output der repräsentativen Arena indirekt in Bezug auf die Anerkennungsregelungen beeinflussen können und tendenziell zu restriktiveren Regelungen führten. Zum einen konnte sie darlegen, dass die in den Debatten geäusserte Befürchtung eines Volksentscheides ein wichtiges Gliedstück der hinreichenden Bedingungen für einen restriktiven Output ist. Weiter ist die Abwe- senheit dieser Sorge um eine mögliche Volkseinmischung der einzige Faktor, dem der Status der notwendige Bedingung für einen liberalen Output zugeschrieben werden konnte. Christmann sieht diese Erkenntnisse als Bestätigung der theoretisch hergeleiteten Vermutung, dass sich die direkte Demokratie tendenziell negativ auf Minderheitenrechte auswirkt, auch wenn sie dies nur sehr Universität Luzern Simon Zemp 42 vorsichtig ausdrückt. Wie bereits bei Danaci (2008) stellte sich auch in der QCA von Christmann vor allem der Islam als besonders gefährdet heraus. Das Design von Christmann scheint Verzerrungen so gut wie möglich minimiert zu haben und hat sich intensiv mit den einzelnen Fällen auseinandergesetzt, weshalb die interne Validität des For- schungsdesigns grundsätzlich überzeugen kann.20 Aufgeworfen werden kann die Frage, inwieweit Christmanns Untersuchung Evidenz für einen indirekten Effekt der direkten Demokratie auf Min- derheitenrechte ausserhalb der Untersuchungseinheit liefern kann. Die Analyse konzentriert sich auf einen sehr konkreten Output einer spezifischen Minderheitengruppe und ist auf 13 Fälle be- schränkt, was die Generalisierungsfähigkeit sicherlich begrenzt. Trotzdem ist zu erwarten, dass die aufgezeigte indirekte Wirkung auch in anderen Debatten um Minderheitenrechte eine Rolle spielt, in denen die Interessen von Parlament und Volk auseinanderdriften. Insbesondere unter Einbezug von Christmanns theoretischen Überlegungen kann vorsichtig dafür argumentiert werden, dass auch nicht-religiöse Minderheiten, besonders solche, die in der Schweizer Bevölkerung nur wenig akzep- tiert sind, von einem negativen indirekten Effekt betroffen sein können. Es ist jedoch klar, dass der wahre Wert der Analyse von Christmann vor allem darin besteht, dass erstmalig für einen konkreten Untersuchungsgegenstand isolierte Evidenz für den indirekten Effekt geliefert werden konnte. Allzu schnelle Generalisierungsversuche sind hierbei nicht angebracht, was sich auch Christmann voll- ends bewusst ist. Vatter und Danaci, 201121 Mit einer ersten umfassenden Studie zur Schweiz leisten Vatter und Danaci (2011) einen äusserst überzeugenden Beitrag zum Forschungsstand. Der theoretisch-konzeptionelle Rahmen der Arbeit ist bemerkenswert. Insbesondere die umfangreichen Darstellungen der theoretischen Wirkungsme- chanismen heben sich deutlich von den bisherigen Studien ab. Die Aufarbeitung des Forschungs- standes, die theoretischen Reflexionen zum Minderheitenbegriff oder die Erläuterungen zum poten- ziellen Effekt der direkten Demokratie sind weitere Stärken der Arbeit. Das Forschungsdesign adressiert hauptsächlich den direkten Effekt und dessen Kontextfaktoren, schafft aber auch Raum für sekundäranalytische Überlegungen zum indirekten Effekt, auch wenn diese eher kurz ausfallen. Die Methodenwahl eines einfachen Counting-up-Ansatzes sowie die ergänzende Regressionsana- lyse zur Untersuchung der Kontextbedingungen sind gelungen. Auch in der Durchführung lassen 20 Einschränkungen der internen Validität stellen allerdings die relativ tiefen Gesamtabdeckungswerte dar. Weiter sind Verzerrungen bei der Messung der zentralen Variablen über das Vorhandensein der Debatte zu Volksrechten zu er- warten, was jedoch in Anbetracht der schwierigen Umstände kaum zu verhindern war. 21 Vatter und Danaci veröffentlichten 2010 das Paper «Mehrheitstyrannei durch Volksentscheide? Zum Spannungs- verhältnis zwischen direkter Demokratie und Minderheitenschutz» (Vatter und Danaci, 2010). Diese Publikation wurde überarbeitet und bildet das Kapitel 11 des Buches «Vom Schächt- zum Minarettverbot» (Vatter 2011). Die Evaluation fokussierte vornehmlich auf diese erweiterte Version, welche mit Vatter und Danaci, 2011 zitiert wird. Universität Luzern Simon Zemp 43 sich kaum Schwachpunkte festmachen. Der Output der Regressionsanalyse erscheint robust und die daraus gewonnen Erkenntnisse valide. Besonders relevant für diese Arbeit ist der erste Teil der Studie, welcher auf der Auszählung aller minderheitenrelevanten Volksabstimmungen auf Bundes- und Kantonsebene basiert, weshalb die vertiefte kritische Betrachtung vor allem darauf den Fokus legt. Die durch eine intensive Recherche getätigte Auswahl der 193 Volksabstimmungen kann als appro- ximative Vollerhebung der Grundgesamtheit betrachtet werden und sollte die Minderheitenanliegen in der Schweiz gut repräsentieren. Bei der Beurteilung des Effektes auf Basis der Daten war den Autoren der Vergleich zur repräsentativen Arena wichtig. Vatter und Danaci erkennen zu Recht, dass hierfür eine Auszählung von parlamentarischen Vorlagen als Vergleichswerte, wie beispiels- weise von Haider-Markel et al. (2007) behauptet, nicht nötig ist. Der Bezug zur repräsentativen Arena kann überzeugend hergestellt werden, indem berücksichtigt wird, in welche Richtung ein Volksentscheid den repräsentativen Outcome verändert hat. Die Autoren konnten bei 41 Vorlagen einen negativen Effekt nachweisen, während nur drei Mal eine Verbesserung für die Minderheiten resultierte. Für Danaci und Vatter weist dies klar auf einen negativen Effekt der direkten Demokratie hin. Durch die Darstellung mittles verschiedener Kreuztabellen können die beiden zudem ein ge- naueres Bild des Effektes präsentieren. So konnte verdeutlicht werden, dass beispielsweise der ne- gative Effekt nur bei Abbauvorlagen relevant ist und vor allem Ausländer und Frauen betrifft. Im Gegensatz zu einigen anderen Autoren (z.B. Donovan und Bowler oder Gamble) verzichten die beiden darauf, die Annahmewahrscheinlichkeit von minderheitenfeindlichen Vorlagen mit generel- len Erfolgschancen von Initiative und Referendum zu vergleichen. Danaci und Vatter vergleichen grundsätzlich nur die Anzahl negativer und positiver Fälle. Dieser simple Interpretationsansatz der Schweizer Forscher ist absolut überzeugend, da jeder der gefundenen Fälle als direkte Evidenz für einen «Effekt» der direkten Demokratie in eine bestimmte Richtung angesehen werden kann. Ein Abgleich mit allgemeinen Quoten kann zwar interessant sein, für die Messung des Effektes sind sie strenggenommen jedoch nicht relevant. Zusammenfassend lässt sich klarstellen, dass die Studie robuste Evidenzen für die Schweiz liefern kann. Auch wenn sich Vatter und Danaci nicht so kritisch äussern wie Gamble, so sprechen die Resultate klar für ihre Position. Wichtig ist allerdings zu bemerken, dass die Autoren den For- schungseffekt sehr differenziert angehen und sehr grossen Wert auf den Einbezug von Kontextbe- dingungen gelegt wird. Vatter und Danaci betonen ausdrücklich, dass ein negativer Effekt stark von diversen Kontextfaktoren abhängig ist. Entscheidend sei dabei in erster Linie, welche Minderheiten von einer Vorlage betroffen sind. Die bereits im Theorieteil erwähnte Unterscheidung in In- und Outgroups hat sich dabei als besonders aussagekräftig herausgestellt. Auf Basis ihrer Studie können Universität Luzern Simon Zemp 44 somit Aussagen zu einem generell negativen Effekt für Outgroup-Minderheiten in der Schweiz ge- wagt werden. Eine pauschale Verurteilung der direkten Demokratie wird im Schlusswort der Un- tersuchung allerdings explizit als nicht angebracht bezeichnet. Lewis, 2013 In seiner Publikation aus dem Jahre 2013 präsentiert Lewis die wichtigsten empirischen Befunde seiner langjährigen Forschung zum Effekt der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte. Er er- hebt Anspruch, die Thematik in Bezug auf die USA möglichst umfassend zu eruieren. Hierbei will er vor allem zwei Schwachstellen bisheriger Forschungsarbeiten adressieren, die eng miteinander verbunden sind. Erstens sollen nicht nur Volksabstimmungen, sondern auch minderheitenrelevante Vorlagen der Legislative genauer betrachtet werden. Zweitens streicht Lewis heraus, dass bei Ur- teilen über die direkte Demokratie immer auch eine komparative Aussage zu rein repräsentativen Systemen mitschwinge, weshalb direkte Vergleiche mit solchen anzustellen seien. Mittels drei Studienblöcken versucht Lewis möglichst robuste Evidenz innerhalb der USA zu fin- den. Die erste Teilstudie fokussiert auf die Frage, ob Anti-Minderheiten Policies in Bundesstaaten mit direkter Demokratie mit höherer Wahrscheinlichkeit verabschiedet werden als in Staaten ohne direkte Volksrechte. Der Vergleich der repräsentativen und direktdemokratischen Arena anhand in- dividueller Gesetzesvorschläge bildet den Mittelteil der Publikation. Hier will Lewis untersuchen, ob die Filterungsmechanismen der repräsentativen Arena tatsächlich dazu führen, dass weniger min- derheitenfeindliche Vorschläge umgesetzt werden. Im letzten Block wird untersucht, wie minder- heitenfreundliche Policies in der direktdemokratischen Arena abschneiden. Vereinfacht zusammen- gefasst findet Lewis in den ersten beiden Blöcken klare Hinweise für einen negativen Effekt der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte, während bei der Untersuchung von Vorlagen mit min- derheitenfreundlichem Inhalt keine Evidenz ausgewiesen werden konnte. Das Vorgehen innerhalb der verschiedenen Untersuchungseinheiten orientiert sich an grundsätzlich gleichen methodischen und theoretischen Grundsätzen und wiederholt sich in den einzelnen Studienteilen. Es muss hier deshalb nicht explizit auf die einzelnen Teile eingegangen werden, sondern der Kommentar kann auf das grundsätzliche Vorgehen von Lewis abzielen. Mit einer intensiven theoretischen Abhandlung wird zu Beginn der Publikation eine wichtige Basis für die empirischen Analysen gelegt. Sehr gelungen ist die präzise Definition von Minderheitenrecht sowie die Sensibilisierung für die heterogene Ausgestaltung der direktdemokratischen Institutionen innerhalb der USA. Der Forschungsstand wird umfassend aufgearbeitet, allerdings werden mit der Ausnahme der Arbeit von Frey und Goette (1998) keine Studien ausserhalb des US-Kontextes be- rücksichtigt. Speziell bei der Darstellung der Studie von Frey und Goette zeigt sich zudem, dass die Universität Luzern Simon Zemp 45 Validität der Studien grundsätzlich keiner kritischen Betrachtung unterzogen wird. Eine grosse Stärke des methodischen Grundgerüstes der Arbeit ist darin zu sehen, dass bei den konkreten Un- tersuchungen qualitative und deskriptive Analysen mit statistischen Auswertungen kombiniert wer- den. So betrachtet Lewis zu Beginn der drei Blöcke die untersuchten Fälle jeweils sehr genau und versucht auf Basis von Auszählungen und kreuztabellarischen Darstellungen erste Evidenzen zu finden. Im Anschluss folgt jeweils eine statistische Analyse mittels Regression. Im Studienblock eins und drei bedient er sich dabei einer Cox-Regression. Mit Hilfe solcher Ereigniszeitanalysen kann Lewis eine zeitliche Komponente miterfassen und berücksichtigt insbesondere die Wahr- scheinlichkeit, dass beispielsweise ein Bundesstaat in Zukunft ein minderheitenfeindliches Gesetz erlässt. Damit erweitert er das methodische Arsenal auf dem Gebiet um einen interessanten Ansatz. Bei den statistischen Auswertungen kann zudem besonders die Operationalisierung der unabhängi- gen Institutionenvariable überzeugen. Lewis schätzt den Effekt der direkten Demokratie jeweils in zwei Versionen. In einem ersten Modell wird die unabhängige Institutionenvariable von einer Dummy-Variable verkörpert, während eine weitere Variante mit einer abgestuften Variable arbeitet, die den jeweiligen «Impact» der direkten Demokratie auf das politische System berücksichtigt. Hierfür präsentiert Lewis einen eigenen, mehrdimensionalen Index. Eine solche Abstufung der In- stitutionenvariable wurde bis zu diesem Zeitpunkt kaum eingesetzt und erwies sich als sehr wertvoll. Vor allem betreffend der externen Validität eröffnen sich hingegen bei den untersuchten abhängigen Variablen einige Schwächen. Zwar sind die Fälle, anhand deren die Zielvariable «Minderheiten- rechte» operationalisiert wird, jeweils repräsentativ für einen bestimmen Policy-Output (z.B. Ver- bot von gleichgeschlechtlicher Ehe). Die gesamte Evidenz von Lewis fokussiert jedoch auf relativ wenige und sehr spezifische Regelungen, welche vor allem Homosexuelle sowie ethnische und sprachliche Randgruppen betreffen. Diverse Gruppen, die entsprechend der Definition von Lewis ebenfalls unter den Minderheitenbegriff fallen können, werden nicht berücksichtigt (z.B. Frauen oder Straftäter), was zumindest erklärungsbedürftig wäre. Die eher enge Auswahl der untersuchten Policy-Outputs ermöglicht es Lewis allerdings vertiefte qualitative Betrachtungen vorzunehmen. Es zeigt sich deutlich, dass dadurch insbesondere die interne Validität gestärkt wird, da der konkrete kausale Effekt der direkten Demokratie in den einzelnen Fällen nachgewiesen werden konnte und so die statistischen Befunde wertvoll ergänzt wurden. Bilanzierend gesehen liefert Lewis für die untersuchten Fälle sehr robuste Evidenz. Seine Studie kann umfassend aufzeigen, wie durch die direkte Demokratie konkrete Minderheitenrechte, wie beispielsweise das Recht der Eheschliessung für gleichgeschlechtliche Paare, eingeschränkt wur- den. Seine intensive und systematische Analyse leistet so einen sehr wertvollen Beitrag zum For- schungsstand und zur methodischen Weiterentwicklung, kennt jedoch auch klare Grenzen, was die Universität Luzern Simon Zemp 46 externe Validität betrifft. Mit der nötigen Vorsicht können die Befunde trotzdem auch über den Untersuchungskontext hinaus von Relevanz sein. Pauschalaussagen über den Effekt sind jedoch auch bei der Publikation von Lewis fehl am Platz. Hainmueller und Hangartner, 2015 Die bisherigen Studien fokussierten allesamt auf Volksabstimmungen zu Gesetzesvorlagen. Es gibt jedoch auch direktdemokratische Entscheide, die nicht auf Gesetzesänderungen abzielen. Ein Bei- spiel dafür ist die Einbürgerungspraxis in der Schweiz, die lange Zeit von lokalen Volksentscheiden geprägt war. Ab dem Jahr 2003 führte das Bundesgericht mit mehreren Urteilen gegen die direkt- demokratische Einbürgerungspraxis einen Wandel herbei und eine Mehrheit der Gemeinden ent- scheidet heute durch repräsentative Gremien über Einbürgerungsgesuche (Hainmueller und Han- gartner, 2015). Es lassen sich einige Studien finden, welche die direktdemokratische Einbürgerungspraxis der Schweiz untersuchen (Bolliger, 2004; Hainmueller und Hangartner, 2013; Helbling und Kriesi, 2004). Während sich Bolliger (2004) sowie auch Helbling und Kriesi (2004) klar auf Aussagen zur Einbürgerungspolitik beschränken, wagen Hainmueller und Hangartner (2015) den Schritt, mittels des Untersuchungsgegenstandes der Einbürgerungspraxis, prominent Evidenz für den Forschungseffekt dieser Arbeit zu präsentieren, wie sich bereits im Titel ihrer Pub- likation zeigt. Die beiden Autoren erkennen zu Recht, dass der innerhalb kurzer Zeit exogen ausge- löste Wechsel von der direktdemokratischen zur repräsentativen Entscheidungsfindung ideale Be- dingungen für eine quasi-experimentelle Untersuchung darstellen. Hainmueller und Hangartner sehen im Fehlen von Kontrollgruppen ein grosses Defizit der bisherigen, vom Counting-up-Ansatz geprägten, Forschung zur Thematik. So sind für die Autoren Urteile über das Abschneiden der di- rekten Demokratie nur im direkten Vergleich mit der repräsentativen Arena als Kontrollgruppe aus- sagekräftig, was sie mit ihrer Studie anstreben können. Mittels einer methodisch einwandfreien Re- gressions-Diskontinuitäts-Analyse können die beiden einen klar negativen Effekt der direkten Demokratie auf den Erfolg eines Einbürgerungsgesuches feststellen. Diese Resultate weisen eine ausgesprochen hohe interne Validität auf. Es werden diverse Kovariablen, Subsamples und Spezi- fizierungen der Modelle berücksichtigt sowie Placebo-Tests durchgeführt. Die Studie zeigt somit unmissverständlich auf, dass die direkte Demokratie kein geeignetes Gremium ist, um über die Ein- bürgerung von Individuen zu entscheiden. Die beiden Autoren erheben mit ihrer Studie jedoch klar den Anspruch, Evidenz für den allgemeinen Effekt von direkter Demokratie auf ausländische Universität Luzern Simon Zemp 47 Minderheiten zu liefern.22 Angesichts dieser Tatsache ist vor allem die Generalisierungsfähigkeit ihrer Befunde zu beurteilen und hierbei eröffnen sich diverse Defizite. Allgemein wird der im Titel, Abstract sowie in der Einführung und dem Schlussteil herausgehobene Zusammenhang zwischen direkter Demokratie und Minderheiten zu wenig gut in das Gesamtkon- zept der Studie miteinbezogen. Bisherige Studien zur Thematik werden zu vorschnell abgeschrieben und die Untersuchung ist kaum theoretisch eingebettet. Dem politwissenschaftlichen Forschungs- stand auf dem Gebiet kann dadurch nicht Rechnung getragen werden. Der Versuch, im Anschluss zur Untersuchung einen Wirkungsmechanismus zur Erklärung des gefundenen Zusammenhangs zu finden, scheint von der falschen Annahme geprägt, es müsse nur ein Mechanismus herangezogen werden, anstelle einer Reihe von Erklärungsfaktoren in Betracht zu ziehen. Wichtige Fragen zur Generalisierungsfähigkeit der Evidenzen werden thematisiert, es können aber grundsätzlich keine überzeugenden Antworten geliefert werden. Während das Argument zur Über- tragung auf andere Länder einigermassen plausibel erscheint, greift der entscheidende Schritt, die Evidenz der Einbürgerungspraxis auf allgemeine politischen Entscheidungsverfahren auszuweiten, eindeutig zu kurz. Das Argument des «person-positivity bias» mag zwar durchaus relevant sein, es kann jedoch allein niemals als überzeugender Beleg dafür dienen, dass der gefundene negative Ef- fekt auch in der allgemeinen direktdemokratischen Arena zu erwarten ist. Die Studie diskutiert grundsätzlich zu wenig ausführlich, wie die Evidenz der spezifischen Untersuchung der Einbürge- rungsverfahren auf das allgemeine politische System - und das generelle Abschneiden von Minder- heiten darin - übertragen werden kann. Eine weitere Schwachstelle der Untersuchung besteht darin, dass sie auf einem falschen Verständnis der direkten und repräsentativen Arena und deren Interaktion baut. Der Anspruch eines quasi-expe- rimentellen Designs verleitet die Autoren dazu, die repräsentative und direktdemokratische Arena als alternative Entscheidungsgremien zu verstehen. Während dies für den Fall der Einbürgerungs- praxis durchaus angebracht ist, entspricht dieses Verständnis nicht der grundsätzlichen Beziehung der beiden Arenen, was in dieser Arbeit bereits mehrfach deutlich wurde. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Hainmueller und Hangartner äusserst robuste Evidenz zum negativen Effekt der direktdemokratischen Entscheidung bei Einbürgerungsverfahren liefern können. Der zentrale Anspruch ihrer Studie, diese Evidenz überzeugend in die generelle Debatte zur direkten Demokratie und Minderheiten einzubringen, gelingt jedoch nicht. Hierfür wurde die gesamte Studie zu wenig in den theoretischen und empirischen Wissensstand zur Thematik 22 Die Autoren behaupten: «Our study provides perhaps the most direct evidence to date that when faced with the ex- act same policy decision, direct democracy does harm minorities more often than representative democracy.» (Hain- mueller und Hangartner, 2015, p. 22). Universität Luzern Simon Zemp 48 eingebettet und der zentrale Schritt, die Evidenz vom Kontext der Einbürgerungspraxis loszulösen, wurde zu wenig berücksichtigt. Trotz dieser Mängel kann der Studie ein gewisser Beitrag zur all- gemeinen Debatte nicht abgesprochen werden. Wenn sie auch nicht beweist, dass die direkte De- mokratie pauschal minderheitenfeindlicher ist, so lässt sie sich durchaus in die Reihe der Studien einordnen, die Hinweise dafür liefern, dass immer dann, wenn das Volk über Minderheitenanliegen bestimmt, die Gefahr von Diskriminierung real ist. Bochsler und Hug, 2015 Bochsler und Hug reagieren 2015 auf Forderungen, dass für robuste Erkenntnis zur Thematik Evi- denzen aus verschiedenen Ländern nötig seien und präsentieren erstmals eine international ausge- richtete Studie. Die zwei Autoren wollen dabei untersuchen, ob die direkte Demokratie in verschie- denen Ländern einen Effekt auf Minderheitenanliegen ausübt, indem diese den Policy-Output näher zu den Präferenzen des Medianwählers verschiebt. Bochsler und Hug gehen somit davon aus, dass ein potenzieller Effekt der direkten Demokratie nicht unabhängig ist, sondern in Interaktion mit der Medianwählerpräferenz auftritt. Diese wichtige theoretische Annahme wird von den Autoren nur sehr knapp ausgeführt und Argumente, welche für einen unabhängigen Effekt der direkten Demo- kratie sprechen können, werden überhaupt nicht diskutiert. Der unabhängige Effekt wird gar explizit als theoretisch nicht erwartbar abgeschrieben (Bochsler und Hug, 2015, S. 211), was eindeutig nicht dem Forschungsstand entspricht. Mittels der Regressionsanalyse können die Autoren die Relevanz der Interaktion in ihrer Studie aufzeigen. Es wurde deutlich, dass die Erklärungskraft des Modells mit dem Interaktionsterm stär- ker ist, als wenn eine unabhängige Institutionenvariable für die direkte Demokratie berücksichtigt wird. Für alle untersuchten Policy-Outputs liess sich ein Effekt des Interaktionsterms nachweisen, allerdings bei nur zwei Outputs war dieser signifikant («Freedom of Assembly» und «Woman social rights»). Die Autoren glauben damit Evidenz gefunden zu haben, die dafürspreche, dass die direkte Demokratie einen Effekt auf Minderheitenanliegen habe, dieser jedoch von der Präferenz des Me- dianwählers abhängt. Im Grundsatz kann der ausgewiesene Einfluss des Interaktionsterms überzeugen. Betreffend der internen Validität lassen sich trotzdem einige Schwachpunkte feststellen. In erster Linie erscheint die Operationalisierung von «Direkter Demokratie» als Dummy-Variable problematisch. Der welt- weiten Heterogenität, was die Ausgestaltung und Anwendung direktdemokratischer Institutionen betrifft, kann eine Dummy-Variable wohl nicht in genügendem Masse entsprechen. Besonders für eine internationale Untersuchung wäre eine mehrstufige Institutionenvariable, wie sie beispiels- weise bei Lewis (2013) eingeführt wurde, sehr sinnvoll. Weiter ist die Operationalisierung der Me- dianwählerpräferenz verzerrt, da die Umfragen in mehreren Fällen nur indirekt auf die untersuchte Universität Luzern Simon Zemp 49 Policy abzielte (z.B. bei der Versammlungsfreiheit, vrgl. Bochsler und Hug, 2015, p. 210). Zudem wird in der Studie mit der Schweiz ein Land völlig ausgelassen, welches über die Hälfte aller welt- weiten Volksabstimmungen auf nationaler Ebene verzeichnet (Kaufmann, 2010). Eine solch wich- tige Auslassung würde zumindest einer kurzen Reflexion bedürfen. Betreffend der externen Validität kann die international ausgerichtete Studie in Bezug auf die Über- tragung der Erkenntnisse auf verschiedene Länderkontexte punkten. Vor dem Hintergrund eines Beitrages zur generellen Debatte müssen jedoch einige Abstriche gemacht werden. Das Hauptprob- lem liegt dabei darin, dass die Auswahl der untersuchten «minority issues» nicht wirklich mit dem gängigen sozialwissenschaftlichen Verständnis von Minderheiten übereinstimmt und aufgrund der Beschränkung auf fünf konkrete Outputs auch nicht wirklich repräsentativ ist. Klassische Minder- heiten wie Ausländer, ethnische und religiöse Randgruppen sowie Homosexuelle werden nicht ex- plizit berücksichtigt. Hingegen stehen Frauenanliegen und allgemeine Bürgerechte, wie die freie Meinungsäusserung, im Zentrum der Studie. Besonders die Eignung der allgemeinen Bürgerrechte für den Untersuchungskontext kann in Frage gestellt werden, da bei diesen grundsätzlich kein Inte- ressenskonflikt zwischen der Mehrheit und der Minderheit bestehen sollte und deshalb auch keine allgemeine Einschränkung dieser Rechte durch eine tyrannische direktdemokratische Mehrheit zu erwarten ist. Trotz der präsentierten Schwächen stellt die Studie von Bochsler und Hug einen durchaus beach- tenswerten Beitrag auf dem Gebiet dar. Der Effekt der direkten Demokratie wird mittels der Be- funde zum Interaktionsterm weiter spezifiziert und es wird erstmals ein internationaler Vergleich angestrebt, was in den Vorgängerstudien bisher komplett fehlte und durchaus wegweisend für wei- tere Forschung zum Effekt sein kann. Universität Luzern Simon Zemp 50 5. Versuch einer Synthese Nach der eingängigen Beschäftigung mit den verschiedenen Studien ist es nun Zeit, die Synthese in Hinblick auf die Zielformulierungen anzustreben. Dabei sind vor allem abschliessende Betrachtun- gen zur Methodik und Evidenz anzusteuern. Das grundsätzliche methodische Vorgehen spielt eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Aussagekraft der jeweiligen Evidenz. Deshalb erscheint es sinnvoll, zuerst die verschiedenen Methoden vertieft zu diskutieren und anschliessend die Eviden- zen und ihre Robustheit ins Zentrum rücken zu lassen. 5.1 Synthese Methodik Die 15 untersuchten Studien beruhen auf teilweise sehr unterschiedlichen methodischen Konstruk- tionen, um Evidenz für den Forschungseffekt zu erhalten. Grob lassen sich zwei grundsätzliche Herangehensweisen unterscheiden, mit denen versucht wurde, den Forschungseffekt zu «messen». Der klassische Weg basiert auf einer Art Aufsummierung von relevanten Abstimmungsergebnissen, was bisher als Counting-up-Ansatz bezeichnet wurde. Regressionsanalysen bilden den anderen Zu- gang zur Thematik. Es werden nun ausgehend von diesen beiden Ansätzen wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die methodische Ausgestaltung der Studien und deren Überzeugungskraft präsentiert. Die wohl zentralste Debatte bei der Methodenwahl auf dem Gebiet dreht sich um die Frage, ob für Evidenz zum Forschungseffekt grundsätzlich ein Vergleich zwischen der direktdemokratischen und der repräsentativen Arena anzustellen ist. Die Regressionsanalysen beinhalten im Normalfall immer einen solchen Vergleich, da es ansonsten nicht möglich ist, einen Effekt der direkten Demokratie zu schätzen. Anders sieht es beim Counting-up-Ansatz aus. Hier lassen sich diverse Studien finden, die keinen expliziten Vergleich mit der repräsentativen Arena anstellen, was bisher als einfacher Counting-up bezeichnet wurde (vrgl. hierzu Gamble, 1997 oder Vatter und Danaci, 2011). Gegen solch ein Vorgehen wird häufig der Vorwurf der fehlenden Kontrollgruppe laut (Haider-Markel et al., 2007; Hainmueller und Hangartner, 2015). Die Kritiker halten dabei fest, dass valide Aussagen über die Wirkung der direkten Demokratie einen direkten Vergleich zur repräsentativen Demokratie bedingen. Einige Forschende (z.B. Haider-Markel et al., 2007 oder Lewis, 2013) wählten als Reak- tion auf solche Kritik einen ausgedehnten Counting-up-Ansatz, indem sie auch den legislativen Out- put beachteten. Doch kann durch einen solchen Counting-up-Vergleich der Effekt tatsächlich über- zeugender gemessen werden? Ein Blick auf die theoretischen Erklärungsansätze zeigt, dass ein möglicher Effekt der direkten Demokratie meist mittels einer Gegenüberstellung der beiden Arenen hergeleitet wird. Ein Vergleich der direktdemokratischen mit der repräsentativen Arena erscheint deshalb naheliegend. Bei der eigehenden Prüfung der verschiedenen Studien wurde jedoch deutlich, Universität Luzern Simon Zemp 51 dass die vergleichenden Ansätze nicht grundsätzlich robustere Evidenz liefern als der einfache Counting-up-Ansatz. Die Studien von Gamble (1997) und Vatter und Danaci (2011) haben aufge- zeigt, dass ein Effekt auch nachgewiesen werden kann, ohne dass dabei die repräsentative Arena explizit untersucht wird. Durch den ausschliesslichen Fokus auf die effektive Veränderung des re- präsentativen Outputs durch Volksabstimmungen wird indirekt immer auch der Bezug zur Legisla- tive hergestellt. Unter dieser Bedingung kann auch der einfache Counting-up-Ansatz einen Effekt valide messen. Ob der einfache oder der ausgedehnte Counting-up-Ansatz angebracht ist, hängt schlussendlich von den Umständen des Untersuchungsgegenstandes ab. Elementar ist dabei die Einsicht, dass ein aus- gedehnter Vergleich grundsätzlich nur plausibel ist, wenn eine Grundpopulation von repräsentati- ven Systemen untereinander verglichen werden kann, von denen die einen Fälle direktdemokrati- sche Instrumente ausgebildet haben und die anderen nicht.23 Ein direkter Vergleich des repräsentativen mit dem direktdemokratischen Output innerhalb eines politischen Systems sugge- riert hingegen oft ein falsches Bild der Beziehung zwischen den beiden Arenen und kann nicht überzeugen. So wurde z.B. in den Studien von Redfield-Ortiz (2011), Haider-Markel et al. (2007) oder Hainmueller und Hangartner (2015) deutlich, dass durch solch einen Vergleich die Tatsache des komplementären Verhältnisses der zwei Arenen innerhalb eines Systems zu kurz kommen kann. Für viele Untersuchungskontexte, wie z.B. für die Schweiz, stellt der einfache Counting-up-Ansatz demnach die überzeugendere Methodenwahl dar. Dabei ist allerdings der Einhaltung des generell für Counting-up-Ansätze wichtigen Leitsatzes, dass nur Beobachtungen berücksichtigt werden soll- ten, bei denen die direkte Demokratie den repräsentativen Output auch tatsächlich verändert hat, von ausserordentlicher Wichtigkeit. Ein nicht wettzumachender Nachteil des einfachen Counting- up ist, dass indirekte Effekte nicht mitberücksichtigt werden können. Hier sind interregionale Ver- gleichsansätze mittels eines ausgedehnten Counting-up-Ansatzes oder auch einer Regressionsana- lyse klar im Vorteil. Nach diesen ausführlichen Diskussionen zur Vergleichsproblematik werden einige weitere rele- vante methodische Erkenntnisse festgehalten. Insbesondere die Ansätze der Regressionsanalyse sol- len vertieft beleuchtet werden. Elf der 15 Studien beinhalten Analyseteile, welche auf der Idee der Regression aufbauen. Allerdings zielen nur bei drei dieser Studien die Regressionsmodelle klar auf den Forschungseffekt ab (Bochs- ler und Hug, 2015; Gerber und Hug, 2002; Lewis, 2013). Die meisten Regressionsanalysen im 23 Grundsätzlich stellen die US-Bundesstaaten eine Grundpopulation dar, welche in diesem Sinne besonders geeignet scheint für vergleichende Analysen. Lewis (2013) zeigt auf, wie für diese Fälle ein ausgedehnter Counting-up-Ansatz robuste Evidenz liefern kann. Eingeschränkt ist auch ein Vergleich von Systemen mit verschiedenen Ausprägungen der direkten Demokratie möglich, wie z.B. bei Lupia et al. (2010). Universität Luzern Simon Zemp 52 Forschungsfeld dienen vornehmlich als Ergänzung von Counting-up-Ansätzen und fokussieren auf Evidenz zu möglichen Kontextbedingungen. In den folgenden Ausführungen soll vor allem beurteilt werden, wie geeignet die Regressionsanalyse für die Messung des Forschungseffektes ist. Es wird dabei nicht versucht, die Regressionsanalyse und das Counting-up-Vorgehen gegeneinander aufzu- wiegen. Vielmehr sollen die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten der Regressionsanalyse kri- tisch betrachtet werden. Wie kann der Forschungseffekt mittels einer Regression konkret gemessen werden? Hierfür ist grundsätzlich der operationalisierte Outcome «Minderheitenrecht» auf eine unabhängige Institutio- nenvariable, welche aufzeigt, ob direktdemokratische Instrumente vorhanden sind oder nicht, re- gressiert. Die obige Debatte über den Vergleich hat bereits darauf hingedeutet, dass für eine solche Messung eine vergleichbare Grundpopulation gegeben sein muss, die sich möglichst nur in der In- stitutionenvariable unterscheidet. Die Tatsache, dass dieser Voraussetzung mit den US-Bundesstaa- ten relativ gut entsprochen werden kann, haben sich Gerber und Hug (2002) sowie Lewis (2013) zu Nutze gemacht, um Evidenz für den Effekt mittels Regressionsanalysen zu präsentieren.24 Bochsler und Hug (2015) zeigten weiter auf, dass auch der internationale Raum gewisse Möglichkeiten in diesem Zusammenhang eröffnet. Eine wichtige Stärke der Regressionsanalyse besteht darin, dass für Dritteinflüsse kontrolliert werden kann. Im Idealfall könnte dadurch der Effekt der direkten De- mokratie auf die Minderheitenrechte, losgelöst von jeweiligen Kontextbedingungen, geschätzt wer- den, indem beispielsweise für die Kontextbedingungen in Form von Moderatorvariablen kontrolliert wird. Die bisherigen Analysen zeigten aber deutlich, dass die praktische Umsetzung sehr weit von dieser Idealvorstellung entfernt ist und die Erklärungskraft der aufgestellten Regressionsmodelle bisher meist unter den Erwartungen blieb. Zudem ist wichtig zu betonen, dass Regressionsanalysen grundsätzlich nur Korrelationen aufzeigen können. Für Schlussfolgerungen zu kausalen Wirkungs- mechanismen ist deshalb insbesondere bei dieser Methodenwahl eine theoretische Einbettung un- ausweichlich. Auch wenn die Erklärungskraft sowie die theoretische Einbettung der bisherigen Regressionsmo- delle häufig noch zu wünschen übrig lässt, haben diese doch einige interessante Erkenntnisse her- vorgebracht. Die kontinuierliche Verbesserung der Regressionsanalysen innerhalb des Forschungs- standes lassen zudem auf robustere Ergebnisse in Zukunft hoffen. So stärkte beispielsweise Lewis (2013) die Aussagekraft der Regressionsmodelle unter anderem mit einer überzeugenden Operatio- nalisierung der Institutionenvariable und der Mitberücksichtigung von zeitlichen Dimensionen 24 Auch die Studien von Schildkraut (2001) und Nicholson-Crotty (2006) zeigen das Potenzial der Regressionsanalyse bei der Erforschung der direkten Demokratie im US-amerikanischen Kontext auf. Universität Luzern Simon Zemp 53 mittels der Cox-Regression. Hug und Bochsler (2015) vermochten jüngst aufzuzeigen, wie eine Regressionsanalyse vor allem zur Berücksichtigung von Interaktionen hilfreich sein kann. Wie bereits erwähnt, wurde die Regressionsanalyse in der bisherigen Forschung zur Thematik je- doch vor allem zur Prüfung von Kontextbedingungen hinzugezogen. Um zu klären, ob z.B. die Be- völkerungsgrösse oder die Heterogenität der Gesellschaft einen Einfluss auf den direktdemokrati- schen und minderheitenrelevanten Output hat, ist die Wahl der Regressionsanalyse sehr naheliegend. Evidenzen aus solchen Modellen sind insbesondere für ein erweitertes Verständnis der Wirkungsmechanismen und Kontextbedingungen des Forschungseffektes sehr wertvoll. Eine Viel- zahl der untersuchten Studien hat deshalb zur Ergänzung von Counting-up-Ansätzen solche Analy- sen hinzugezogen und konnte so den Effekt spezifizieren. Ein erwähnenswerter Spezialfall innerhalb der Gruppe der Regressionsanalysen stellt die Publika- tion von Hainmueller und Hangartner (2015) dar. Ihre Regressionsanalyse kommt dem oben be- schriebene Idealfall einer vollständigen Extraktion des Effektes durch die Kontrolle aller möglichen Dritteinflüsse von allen gesichteten Regressionsanalysen mit Abstand am nächsten. Die überzeu- gende interne Validität geht jedoch mit deutlichen Kosten einher, was die externe Validität betrifft. Auch wenn die Studie dadurch deutlich an Relevanz für den Forschungsstand verliert, hinterlässt sie vor allem für die methodische Entwicklung auf dem Gebiet einen bleibenden Eindruck, indem sie insbesondere die bisher völlig ausser Acht gelassenen Möglichkeiten von intertemporalen Ver- gleichen aufzeigt. Als erstes Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass sich die Regressionsanalyse bisher nicht als eigenständige Methode auf dem Forschungsfeld etablieren konnte. Als Ergänzung zu dem eher deskriptiven Counting-up-Ansatz und insbesondere zur Eruierung von Kontextbedingungen nimmt die Regressionsanalyse jedoch einen wichtigen Platz in der methodischen Rüstkammer zur Erfor- schung des Effektes ein. Innerhalb der Auswahlgesamtheit lässt sich ein methodischer Ansatz finden, welcher mit den bis- herigen Diskussionen nicht abgedeckt wurde und nicht vergessen gehen sollte. Die Publikation von Christmann hebt sich mit dem Fokus auf den indirekten Effekt und der entsprechenden methodi- schen Umsetzung mittels einer QCA deutlich von den restlichen Beiträgen ab. Die Messung eines indirekten Effektes, was aufgrund fehlender interregionaler Vergleiche innerhalb der Schweiz mit herkömmlichen Methoden nicht möglich war, kann mit der QCA von Christmann angestrebt wer- den. Die Grundidee der QCA, verschiedene Faktoren als Bedingungen für einen bestimmten Out- come zu eruieren, könnte durchaus auch für den generellen Forschungseffekt gewinnbringend sein. Besonders für eine vertiefte Betrachtung der Kontextbedingungen und deren Interaktionen scheint Universität Luzern Simon Zemp 54 eine QCA ein interessanter Ansatz zu sein. Nicht zuletzt stellt zudem der qualitative Zugang zu den untersuchten Fällen eine Stärke der QCA dar. Die Überzeugungskraft qualitativer Betrachtungen innerhalb der QCA bildet zugleich den Aus- gangspunkt für eine letzte erwähnenswerte Erkenntnis zur Methodik. Nicht nur bei Christmann, sondern auch bei einigen anderen Autoren erwiesen sich qualitative Betrachtungen als Ergänzung zu den meist stark quantitativen Hauptverfahren als äusserst wertvoll. Zu nennen sind hier beispiels- weise Danaci (2008) oder Lewis (2013). In ihren Beiträgen konnte durch die qualitativen Untersu- chungen insbesondere die interne Validität von vorgängig mehr oder weniger erfolgreich gemesse- nen Effekten gestärkt werden. Durch eine Art qualitative Prozessverfolgung bei den jeweiligen Fällen kann insbesondere ein Counting-up-Ansatz sehr sinnvoll ergänzt werden. Dass trotz dieser offensichtlichen Vorteile, der Forschungseffekt bisher kaum mit qualitativen Ansätzen untersucht wurde, ist sicherlich bedauernswert. Der Beitrag zum Forschungsstand durch einen sehr sauber nachgewiesenen Effekt innerhalb einer qualitativen Analyse sollte auf keinen Fall unterschätzt wer- den und eröffnet Möglichkeiten für zukünftige Forschung. Abschliessend zu den methodischen Betrachtungen kann festgehalten werden, dass der Forschungs- stand bisher von einfachen und ausgebauten Counting-up-Ansätzen geprägt ist, welche häufig durch Regressionsanalysen ergänzt werden. Welcher methodische Ansatz für die Messung des Effektes am überzeugendsten ist, hängt von den natürlichen Umständen der untersuchten Fälle ab. Allgemein als besonders gewinnbringend stellten sich Studien heraus, welche sich verschiedenen methodi- schen Ansätzen bedienten. Die Studie von Lewis (2013) kann hier als Beispiel für solch einen Me- thoden-Mix genannt werden, bei dem Stärken und Schwächen der verschiedenen Ansätze sinnvoll kombiniert werden. Zum Schluss muss aber klar bemerkt werden, dass sich bisher kein einheitliches methodisches Vorgehen durchsetzen konnte. Der Nachweis des Forschungseffektes stellt eine me- thodische Knacknuss dar, wobei sich bei allen bisherigen Designs Vor- und Nachteile zeigten. 5.2 Synthese der empirischen Evidenz Im nun folgenden Abschnitt werden einige wichtige Erkenntnisse aus der intensiven Beschäftigung mit den Studien in Bezug auf ihre Evidenz für den Forschungseffekt präsentiert. Insbesondere soll diskutiert werden, ob sich aus den einzelnen Evidenzen generelle Aussagen über eine bestimmte Wirkungsrichtung des Effektes ableiten lassen. Ein erster oberflächlicher Blick auf die Hauptbefunde der 15 untersuchten Studien legt die Vermu- tung nahe, dass der aktuelle Forschungsstand tendenziell für einen negativen Effekt spricht. Von allen untersuchten Studien tendierten mehr als die Hälfte klar, oder zumindest leicht, zu einem Universität Luzern Simon Zemp 55 negativen Effekt, während nur die Studie von Frey und Goette (1998) für einen leicht positiven Effekt einstand. Ein Drittel der Studien können als Vertreter einer neutralen Position verstanden werden. Bei diesen wurde weder ein negativer noch ein positiver Effekt ausgewiesen, sondern es wurde meist auf die entscheidende Rolle kontextueller Bedingungen verwiesen. Die rein quantita- tive Dominanz der Evidenz für einen negativen Effekt bestätigt sich weiter, wenn die Studien, die als «Graubereich» definiert wurden, hinzugezogen werden. Ein Blick auf die entsprechende Tabelle im Anhang D zeigt, dass 15 dieser 17 Studien zumindest indirekt Hinweise liefern, die für einen negativen Einfluss sprechen und nur zwei Studien (Lax und Phillips, 2009 sowie Höglinger, 2008) eine leicht positive Auswirkung vermuten lassen. Es ist offensichtlich, dass allein aus der Tatsache, dass die Forschung bisher öfters einen negativen Effekt beobachtete, keine Schlussfolgerungen gezogen werden dürfen. Für eine gelungene finale Synthese der Evidenz sind in erster Linie vier essenzielle Punkte einzubeziehen: die grundsätzliche Qualität, die Fallauswahl, die Kontextbedingungen sowie die Generalisierungsfähigkeit der gesich- teten Evidenz. Der Aufbau der folgenden Synthese versucht diese vier Punkte schrittweise zu ad- ressieren, um am Ende ein möglichst umfassendes Bild über den aktuellen Forschungsstand zu er- halten und Generalisierungsversuche wagen zu können. Der Anfang macht dabei der Einbezug der Studienqualität. Anhand eines kurzen chronologischen Überblicks wird versucht, den individuellen Beitrag der verschiedenen Studien unter Berücksichtigung der grundsätzlichen Qualität grob zu- sammenzufassen und zu klären, ob sich der vermutete Negativtrend nach diesen Betrachtungen be- stätigen lässt. Qualitativer Überblick zu Studien und Evidenz Der zentrale Anknüpfungspunkt für empirische Studien auf dem Gebiet bildet noch heute die Studie von Gamble (1997). Der dabei ausgewiesene negative Effekt für die untersuchten Fälle hält einer kritischen Überprüfung stand. Ihre pauschale Verurteilung der direkten Demokratie entbehrte aller- dings jeglicher empirischer Grundlage und wurde zu Recht kritisiert. In einer ersten Reaktion ver- suchten Donovan und Bowler (1998) der Evidenz von Gamble zu widersprechen. Die Untersuchung anhand von elf Initiativen konnte hierfür jedoch nicht genügend Schlagkraft entwickeln. Es gelang ihnen lediglich den Effekt zu spezifizieren und die pauschale Verurteilung zu entkräften, indem vor allem der Kontextfaktor der Bevölkerungsgrösse dargelegt wurde. Die im gleichen Jahr präsentierte Studie von Frey und Goette (1998) wollte klarstellen, dass der gefundene Effekt von Gamble nicht auf die Schweiz übertragen werden kann. Die Beurteilung im Rahmen dieser Arbeit kam jedoch klar zum Schluss, dass die Studie vor allem aufgrund der unglücklichen Fallauswahl nicht repräsen- tativ für die Schweiz ist und ihr Beitrag zum Forschungsstand in Frage gestellt werden muss. Universität Luzern Simon Zemp 56 Als Reaktion auf die widersprechenden Evidenzen der drei Arbeiten wurden seit der Jahrtausend- wende einige überzeugende Studien veröffentlicht, wodurch der Effekt umfassender empirisch ab- gestützt und spezifiziert werden konnte. Um an dieser Stelle nicht nochmals auf jeden Beitrag ein- zeln eingehen zu müssen, lässt sich die Entwicklung anhand zweier wichtiger Trends festhalten. Zum einen wurde der negative Effekt der direkten Demokratie, wie in Gamble auswies, mit einer Reihe von robusten Studien bestätigt. An vorderster Front sind hier die umfassenden und überzeu- genden Arbeiten von Vatter und Danaci (2011) sowie Lewis (2013) zu nennen. Ebenfalls erwäh- nenswert sind Haider-Markel et al. (2007), Danaci (2008), Christmann (2010) und Hainmueller und Hangartner (2015).25 Bei den vier letztgenannten Publikationen ist allerdings die Fallauswahl sehr spezifisch, was die externe Validität teils stark einschränkt. Unbedingt zu berücksichtigen ist, dass bei all diesen Studien zwar negative Effekte gefunden werden und so die Position von Gamble ge- stützt wird, der Effekt jedoch grundsätzlich an klare Kontextbedingungen geknüpft wird. So werden selbst innerhalb der Untersuchungseinheit kaum generelle Aussagen über die Richtung des Effektes gewagt. Dieses verstärkte Bewusstsein für die kontextuellen Bedingungen stellt einen entscheiden- den Fortschritt auf dem Forschungsfeld dar und geht direkt mit dem zweiten wichtigen Trend der letzten Jahre einher. Der Tendenz zur negativen Evidenz kann eine quantitativ klar unterlegene Gruppe von Studien ent- gegengestellt werden, welche sich aufgrund der kontextuellen Abhängigkeiten für eine neutrale Po- sition aussprechen. An vorderster Front sind hier die Arbeiten von Gerber und Hug (2002) sowie Bochsler und Hug (2015) zu nennen. Ihre Studien verfolgen das Argument, dass die Richtung des Effektes so stark von der Wählerpräferenz abhängig sei, dass nicht von einem wirklich unabhängi- gen Effekt gesprochen werden könne. Auch wenn die Richtungsänderung des Effektes aufgrund der Variation in den Kontextbedingungen nur in sehr wenigen Fällen mit Evidenz untermauert werden konnte, zeigen sie auf, dass ein möglicher negativer Effekt grundsätzlich kritische Wählerpräferen- zen bedingt. In diesem Sinne widersprechen ihre Argumente nicht grundlegend denjenigen der oben dargelegten ersten Trendgruppe, sondern spezifizieren diese eher, indem die kontextuelle Bedin- gung der Wählerpräferenz als absolut entscheidend hervorgehoben wird. Für eine grundsätzlich neutrale Position wird häufig auf Hajnal et al. (2002) verwiesen. Die Autor/-innen zeigen auf, dass Minderheiten in der direkten Demokratie nicht grundsätzlich schlecht dastehen. Durch ihre breite Auswahl von Vorlagen sind allerdings Aussagen zum Forschungseffekt nur sehr bedingt möglich, weshalb die Erkenntnisse daraus nicht als eindeutige Evidenz gegen einen negativen Effekt gelesen 25 Die Studien von Linder (2003) und Redfield-Ortitz (2011) tendieren ebenfalls zu einem negativen Effekt. Wie je- doch bei der individuellen Beurteilung deutlich wurde, sind ihre Beiträge zum Forschungsstand nicht robust genug, um an dieser Stelle berücksichtigt zu werden. Universität Luzern Simon Zemp 57 werden dürfen.26 Da bei der Beschränkung auf Vorlagen, welche direkt Minderheitenrechte adres- sierten, auch bei der Studie von Hajnal et al. ein negativer Effekt zu erkennen ist, ist die Publikation in dieser Hinsicht sogar eher als Stütze für die Position von Gamble anzusehen. Es ist festzuhalten, dass nach diesen überblicksmässigen Darstellungen grundsätzlich an einem ne- gativen Trend für die untersuchten Fälle festgehalten werden kann. Durch die sehr begrenzte Aus- sagekraft der Studie von Frey und Goette (1998), aber auch durch die Relativierung von Befunden, denen auf den ersten Blick eine neutrale Position zugeschrieben wird, scheint sich das Gesamtbild gar noch weiter in Richtung eines negativen Effektes verschoben zu haben. Es wurde allerdings ebenfalls mehr als deutlich, dass die negativen Befunde in den letzten Jahren stark spezifiziert und an klare Bedingungen geknüpft wurden. Es ist deshalb höchste Zeit genauer zu betrachten, für wel- che Fälle und Kontextbedingungen die bisherige Forschung Evidenz erhoben hat. Die Fallauswahl der bisherigen Studien Betreffend der Diskussion um die Fallauswahl ist als erstes festzuhalten, dass empirische Evidenz auf die bundestaatliche und lokale Ebene der USA sowie die drei politischen Ebenen der Schweiz beschränkt ist. Die internationale Studie von Bochsler und Hug ändert an dieser Tatsache nur wenig, da diese nur auf eine sehr beschränkte Auswahl von Policy-Outputs abzielte und die Resultate zu- dem zu wenig signifikant waren. Grundsätzlich lassen sich Studien, welche mit ihrer Fallauswahl eine breite und möglichst umfas- sende Abdeckung der Rechte von Minderheiten beanspruchen, von solchen, die den Effekt nur für eine sehr spezifische Minderheitengruppe erforschen, unterscheiden. Die Studien von Gerber und Hug (2002), Linder (2003) und Vatter und Danaci (2011) decken den Minderheitenbegriff am brei- testen ab. Diese drei Untersuchungen werden als einzige innerhalb der Auswahlgesamtheit einem eher breiten sozialwissenschaftlichen Verständnis gerecht, welches Homosexuelle, ethnische und religiöse Minderheiten sowie Frauen einbezieht (Eglin, 1998). Frauen wurden nur in einer weiteren Studie berücksichtigt (Bochsler und Hug, 2015). Die Gruppe der ethnischen sowie religiösen Min- derheiten werden jeweils von insgesamt sieben der 15 Studien abgedeckt, während sich acht Studien unter anderem mit Homosexuellen auseinandersetzen. Dass bei der Berücksichtigung von Minder- heitenrechten schnell auch über das Ziel hinausgeschossen werden kann, zeigte sich bei Linder (2003), welche einen deutlich zu weiten Begriff anwendet. Die umfassendsten empirischen Evidenzen im gesamten Forschungsgebiet liegen für den Effekt der direkten Demokratie auf die Rechte von Homosexuellen für die bundestaatliche Ebene der USA 26 Der selben Problematik unterliegt auch die Untersuchung von Bolliger (2007), welcher auf das allgemeine Ab- schneiden von Sprachminderheiten fokussiert. Universität Luzern Simon Zemp 58 vor. Für diesen Bereich lässt sich ein negativer Effekt mit grosser Sicherheit ausweisen. In praktisch allen US-amerikanischen Untersuchungen kam zum Ausdruck, wie die Rechte von Homosexuellen in der Vergangenheit durch direktdemokratische Instrumente eingeschränkt wurden. Gamble (1998), Haider-Markel et al. (2007), Redfield-Ortitz (2011) sowie Lewis (2013) können als Evidenz hierfür aufgeführt werden. Gestützt wird diese Position ausserdem von allgemeineren Erkenntnissen aus der intensiven und langjährigen Forschungstradition zu den Rechten von Homosexuellen (vrgl. z.B. Haider-Markel und Meier, 1996; Lupia et al., 2010; Witt und McCorkle, 1997; Doney, 2011). Für die Schweiz kann dank dem Forschungsprojekt um Adrian Vatter der Bereich der religiösen Minderheiten als relativ gut erforscht angesehen werden. Dabei erwiesen sich vor allem für Mos- lems negative Effekte durch die direkte Demokratie (Vatter, 2011). Eine Minderheitengruppe, wel- che sowohl im amerikanischen wie auch im schweizerischen Kontext untersucht wurde, umfasst Personen ausländischer Herkunft. In der USA scheint vor allem für Latinos eine besondere Gefähr- dung feststellbar zu sein. Auch Untersuchungen zur den «English-only-laws» liefern wichtige Hin- weise in diese Richtung (vrgl. Schildkraut, 2001). In der Schweiz konnten Vatter und Danaci (2011) ebenfalls einen klar negativen Effekt für schlecht integrierte Ausländer feststellen. Dass die direkt- demokratische Entscheidungsfindung in einem ambivalenten Verhältnis zu den Anliegen von Aus- ländern steht, konnte hier zudem für den spezifischen Fall der Einbürgerungsverfahren ausgewiesen werden (Hainmueller und Hangartner, 2015). Zusammenfassend lassen sich vor allem Homosexuelle sowie religiöse, ethnische oder rassische Minderheiten als Gruppen festhalten, für die der gegenwärtige Forschungsstand, unter Berücksich- tigung der jeweiligen Kontextbedingungen, Aussagen treffen kann. Doch lassen sich auf Basis die- ser Evidenzen generelle Aussagen wagen? Der folgende Abschnitt nimmt sich der Herausforderung des Generalisierungsversuches an. Hierbei werden sich die jeweiligen Kontextbedingungen als Schlüsselfaktoren herausstellen. Nach einer kurzen Betrachtung der grundsätzlichen Generalisie- rungsfähigkeit der einzelnen Studien werden deshalb die entscheidenden Kontextbedingungen ins Zentrum rücken. Kontextbedingungen und abschliessende Generalisierungsversuche Grundsätzlich im Vorteil beim Versuch der Generalisierung sind Studien mit einer hohen Zahl an untersuchten Fällen, die zudem möglichst verschiedene Minderheitenrechte abdecken. Eine sehr gelungene Auswahl in diesem Sinne zeigt sich beispielsweise bei Vatter und Danaci (2011). Ihre Befunde können den Anspruch erheben, das Abschneiden von Minderheitenrechten in der schwei- zerischen direkten Demokratie gut repräsentieren zu können. Versuche, diese Evidenzen auf einen länderunspezifischen Kontext auszuweiten, scheitern jedoch selbst bei dieser Studie klar. Universität Luzern Simon Zemp 59 Verdeutlichen kann man dies beispielsweise anhand der Tatsache, dass Homosexuelle nach Vatter und Danaci (ebd.) in der Schweiz nicht von einem negativen Effekt betroffen sind, während ein solcher Effekt für den US-Kontext als relativ gesichert gilt. Es sollte während der gesamten Arbeit immer wieder deutlich geworden sein, dass die Versuche, die einzelnen Befunde einer Studie auf einen erweiterten Kontext anzuwenden, grundsätzlich zum Scheitern verurteilt sind. Weder eine einzelne Studie, noch der bisherige Forschungsstand insgesamt, scheinen valide und generelle Aus- sagen über den Effekt in Bezug auf spezifische Minderheitengruppen und deren Rechte treffen zu können. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass die Studienergebnisse nicht von den jeweili- gen - vor allem regional bedingten - Kontexten getrennt werden können. Der Weg, um trotzdem generelle Erkenntnisse zu gewinnen, führt zwangsläufig über eine genaue Betrachtung der verschie- denen Kontextbedingungen, welche für die gemessenen Effekte ausgewiesen wurden. Es ist insbe- sondere zu klären, unter welchen Umständen sich bei den Studien des Forschungsstandes eine ne- gative Beeinflussung feststellen liess. Die entscheidende Frage hierbei ist, ob sich Kontextbedingungen finden lassen, die in allen untersuchten Studien relevant waren und unter de- nen ein negativer Effekt ausgewiesen werden konnte. Sollte dies der Fall sein, könnten generelle Aussagen zum Effekt unter Einbezug dieser allgemeingültigen Bedingung gewagt werden. Im Theorieteil wurden bereits mögliche Kontextbedingungen dargelegt, von denen erwartet werden kann, dass sie generell als eine Art Moderatorvariablen auf den Forschungseffekt einwirken können. Beim Abgleich mit den empirischen Forschungsstand wird deutlich, dass sich viele dieser Bedin- gungen unabhängig vom konkreten Untersuchungsgegenstand bewahrheiten. So können beispiels- weise Vatter und Danaci (2011) wie auch US-amerikanische Beiträge (z.B. Lewis, 2013) aufzeigen, dass besonders Ausbauvorlagen in der direkten Demokratie einen schweren Stand haben. Auch die rechtsstaatliche Einbettung der Institutionen scheint eine wichtige Rolle zu spielen (Gamble, 1998; Christmann, 2012; Lewis, 2013). Dies sind nur zwei Beispiele für diverse Faktoren, welche die Auswirkungen des Effektes beeinflussen können. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Einfluss vieler dieser Faktoren beschränkt ist und sie eher einen «modifizierenden Charakter» haben. Es lassen sich jedoch aus dem Forschungsstand zwei Kontextbedingungen herauslesen, von denen erwartet wer- den kann, dass sie die Wirkungsrichtung des Effektes sehr grundlegend beeinflussen und die so einen geeigneten Ausgangspunkt für die Suche nach generellen Aussagen darstellen. Es wurde bereits dargelegt, dass Vatter und Danaci (2011) dafür argumentieren, dass der Effekt massgeblich davon abhänge, welche Minderheit von einer Vorlage betroffen ist. Auf Basis ihrer Befunde zeigen sie, dass vor allem «Outgroups» von einem negativen Effekt betroffen sind. Die weitere Evidenz aus der Schweiz, welche auf religiöse Minderheiten fokussiert, bestätigt diesen Ansatz, indem hier vor allem für die «Outgroup» der Islamgläubigen ein negativer Effekt Universität Luzern Simon Zemp 60 ausgewiesen wird. Auch die negativen Befunde aus der USA, z.B. zu den Rechten von Homosexu- ellen oder Latinos, lassen sich gut mit dieser Bedingung vereinen. Die amerikanische Forschung wählt grundsätzlich bei der Bestimmung der zentralen Kontextbedin- gung einen etwas anderen Fokus. Es wurde bereits deutlich, dass Gerber und Hug (2002) die Rich- tung des Forschungseffektes praktisch ausschliesslich von den bevölkerungsspezifischen Wähler- präferenzen abhängig machen. Auch wenn die meisten anderen Studien nicht so weit gehen wie die beiden, so wird die Rolle der Wählerpräferenz grundsätzlich immer als die entscheidende Kontext- bedingung explizit oder implizit angenommen. Es ist augenscheinlich, dass die Präferenz der Stimmbürger/-innen einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob bei Volksabstimmungen Minder- heitenrechte eingeschränkt werden oder nicht. Allerdings wird der Faktor der Wählerpräferenz in den Studien inhaltlich unterschiedlich aufgefasst. Häufig wird die Bedingung als allgemeine politi- sche oder ideologische Grundhaltung der Bevölkerung angesehen, so z.B. bei Lewis (2013).27 Bei Bochsler und Hug (2015) rückt hingegen ein viel konkreteres Verständnis in den Fokus, indem die spezifische Haltung der Mehrheit gegenüber einer konkreten Minderheit oder einem Minderheiten- anliegen betont wird. Während das allgemeine Verständnis der Wählerpräferenzen für einen Gene- ralisierungsversuch kaum überzeugen kann, scheint das zweite Verständnis durch den expliziten Bezug zur betroffenen Minderheit einen Kontextfaktor darzustellen, der generell von Bedeutung sein sollte und zudem praktisch auf die gleiche Idee abzielt, wie die «Outgroup» Bedingung von Vatter und Danaci (2011). Es ist deshalb äusserst naheliegend, den bevölkerungsspezifischen Kon- text der Wählerpräferenz mit dem vorlagenspezifischen Merkmal der betroffenen Minderheit zu einem umfassenden Kontextfaktor zu verbinden. Eine solch kombinierte Kontextbedingung besagt, dass Minderheiten nicht generell gefährdet sind, sondern eine direktdemokratische Tyrannei vor allem bei Vorlagen droht, bei denen sich eine skeptische Grundhaltung des Medianwählers gegen- über der betroffenen Minderheit feststellen lässt. Diese Aussage scheint für alle im Rahmen dieses Reviews gesichteten negativen Befunden – sowohl in der Schweiz wie auch in den USA – zuzutref- fen und kann so als einzige generalisierungsfähige Aussage über eine negative Wirkungsrichtung des Forschungseffektes angesehen werden. Zu bemerken ist, dass die umgekehrte Schlussfolgerung – dass aus einer freundlichen Haltung der Wählerschaft gegenüber der betroffenen Minderheit ein positiver Effekt resultiert – bisher empirisch nicht robust nachgewiesen werden konnte. Empirisch gesichert ist lediglich, dass in diesem Fall zumindest kein negativer Effekt erwartet werden kann (Gerber und Hug, 2002). 27 Beispielhafte Indikatoren: ist die Bevölkerung eher konservativ oder liberal? dominieren im Bundesstaat Demokra- ten oder Republikaner? Universität Luzern Simon Zemp 61 Spätestens mit diesen Erläuterungen sollte klar geworden sein, dass die Wählerpräferenz eine ganz zentrale Rolle dabei spielt, ob ein negativer Effekt der direkten Demokratie in Erscheinung tritt oder nicht. Es mag auf Basis dessen die Frage auftauchen, inwieweit überhaupt noch von einem unab- hängigen Effekt der direkten Demokratie gesprochen werden kann. In der Tat kann die Rolle der direkten Demokratie als unabhängige und erklärende Variable aufgrund des Einflusses der Wähler- präferenzen hinterfragt werden. Im folgenden abschliessenden Teil wird nun versucht, diesem Ein- wand nachzugehen und dabei die Terminologie «Effekt» differenzierter zu betrachten, als dies bis- lang in dieser Arbeit, wie auch in der bisherigen Literatur allgemein getan wurde. Es werden hierfür zwei mögliche Szenarien diskutiert, die rein theoretisch aufzeigen, wie der Faktor der «Wählerprä- ferenz»28 auf die Zielvariable «Minderheitenrechte» einwirken kann, so dass bei einem interregio- nalen Vergleich fälschlicherweise der Eindruck eines unabhängigen Effektes der direkten Demo- kratie entsteht. Der Beginn macht das im Forschungsstand kaum beachtete Szenario, dass der Effekt aufgrund einer Konfundierung verzerrt gemessen werden kann. Dies wäre der Fall, wenn die Wählerpräferenz nicht nur einen Einfluss auf die Zielvariable ausübt, sondern auch mit der Ausgestaltung direktdemokra- tischer Institutionen zusammenhängt. Die negativen Tendenzen im Forschungsstand könnten nach dieser Überlegung daher rühren, dass z.B. konservative oder minderheitenfeindliche Regionen eher dazu neigen, direktdemokratische Institutionen zu etablieren. Für den Kontext der US-Bundestaaten scheint letzteres jedoch klar nicht zuzutreffen (Hainmueller und Hangartner, 2015, p. 5). Wenn eine Korrelation in diesem Sinne bestehen sollte, dann erscheint eher der umgekehrte Fall naheliegend. Es können gewisse Tendenzen ausgemacht werden, dass sich die «weisse Elite» in konservativen und eher fremdenfeindlichen Regionen aus Angst vor Machtverlust davor hütete, direktdemokrati- sche Institutionen einzuführen (ebd.). Der bei Vergleichsstudien der US-Bundesstaaten ausgewie- sene negative Effekt könnte dadurch sogar unterschätzt worden sein. Es kann an dieser Stelle nicht weiter auf diese Problematik eingegangen werden. Was aber festgehalten werden kann ist, dass die Ergebnisse des Forschungsstandes wohl nicht von gewichtigen Verzerrungen in diesem Sinne be- troffen sein sollten, da eine Korrelation zwischen der Wählerpräferenz und der Institutionenvariable, falls überhaupt vorhanden, relativ schwach zu erwarten ist. Dass die Möglichkeit einer solchen 28 Wichtig ist klarzustellen, dass bei den folgenden Betrachtungen mit der «Wählerpräferenz» ein Konzept gemeint ist, welches die grundsätzliche Haltung der Akteure gegenüber einer Minderheit umschreibt. Diese Grundhaltung ist hierbei nicht mit dem schlussendlich an der Urne oder beim repräsentativen Votum geäusserten «Willen» zu verwech- seln, was im Verlauf dieses Abschnittes noch ausgeführt wird. Universität Luzern Simon Zemp 62 Verzerrung in bisherigen Vergleichsstudien kaum berücksichtigt wurde, ist jedoch definitiv nicht ideal.29 Das zweite Szenario kann als eine Art Perspektivenwechsel verstanden werden, was den bisherigen Blick auf das Bild des unabhängigen, aber kontextbedingten Einflusses der direkten Demokratie betrifft. Während des Reviews wurde deutlich, dass der Einfluss der Wählerpräferenz bei einigen Studienautor/-innen als so gewichtig eingestuft wird, dass dadurch ernsthafte Zweifel an einem un- abhängigen Effekt der direkten Demokratie aufkommen können (Gerber und Hug, 2002). Gerber und Hug behaupten dementsprechend auch, dass die direkte Demokratie keinen unabhängigen Ef- fekt habe mit der Begründung, dass «direct legislation simply acts as an amplifier in aggregating majority preferences» (ebd.,p. 25). Wenn man diesem Argument konsequent folgt, kann ein gemes- sener «Einfluss» der direkten Demokratie eigentlich nur damit erklärt werden, dass die Wählerprä- ferenzen sich von den Präferenzen der repräsentativen Politiker/-innen unterscheiden.30 Dies führt dazu, dass nicht mehr von einem unabhängigen, sondern höchstens noch von einem intervenieren- den Effekt der direkten Demokratie gesprochen werden kann. Die entscheidende erklärende Vari- able ist in diesem Szenario die Wählerpräferenz. Die direkte Demokratie wird hingegen zur Medi- atorvariable degradiert, da sie lediglich bestimmt, wie stark sich die Wählerpräferenz auf die Zielvariable auswirken kann. In Abbindung 2 wurde versucht, die unterschiedlichen Perspektiven eines intervenierenden und eines unabhängigen Effektes darzustellen. Unabhängiger Effekt: Intervenierender Effekt: 29 Die Ausnahme stellt hier die Studie von Lupia et al. (2010, p. 1227) dar, welche für den spezifischen Fall der Ehe für Homosexuelle aufzeigte, dass keine relevante Verzerrung durch diese Problematik zu erwarten ist. 30 Theoretisch wäre auch denkbar, dass bloss der Output der repräsentativen Arena nicht mit der Medianwählerpräfe- renz übereinstimmt und zum Effekt führt. Doch wenn die Präferenzen zwischen Wähler und Politiker grundsätzlich gleich sind, müssen zwingend Unterschiede auf rein institutioneller Ebene angeführt werden, um die Variation der Zielvariable zu erklären. Mit dem Urteil von Gerber und Hug, dass die direkte Demokratie als Institutionenvariable keinen unabhängigen Effekt habe, wird aber scheinbar genau solch eine Beeinflussung verneint. Abbildung 2: Überblick unabhängiger und intervenierender Effekt Direkte Demokratie (unabhängige Vari- able) Output «Minderhei- tenrechte» Wählerpräferenz als Moderatorvariable (Kontextbedingung) Wählerpräferenz (unabhängige Variable) Output «Minderheitenrechte» Direkte Demokratie als Mediatorvariable Universität Luzern Simon Zemp 63 Es stellt sich nun die Frage, ob man sich auf Basis dieser Überlegung von der Idee des unabhängigen Effektes der direkten Demokratie verabschieden muss. Wenn die bisherigen empirischen Befunde ausschliesslich auf die divergierende Grundhaltung von Wählerschaft und Politiker/-innen zurück- zuführen sind, könnte nur noch von einem intervenierenden Effekt gesprochen werden. Es scheint jedoch einiges dafürzusprechen, dass ein unabhängiger Effekt der direkten Demokratie nicht allzu schnell verworfen werden sollte. Der intervenierende Effekt verhaftet einem Bild der direktdemo- kratischen und repräsentativen Arena als blosse «Aggregations-Instrumente» von festen Präferen- zen, wie es in der zitierten Begründung von Gerber und Hug zum Ausdruck kam. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Institutionen mit ihren jeweiligen Prozessen die Akteure in ihren Entscheiden stark beeinflussen. Insbesondere bei den Voten der repräsentativen Politiker/-innen ist dies nahelie- gend. Dieser institutionelle Einfluss auf die individuellen Entscheidungen bietet Raum für eine Reihe von Argumenten, welche klar für einen unabhängigen Effekt der direkten Demokratie spre- chen. Es sollte bereits klar geworden sein, dass die Diskussion um den intervenierenden und den unab- hängigen Effekt direkt mit der bereits in der Theorie dargelegten Zweiteilung der Erklärungsansätze in die Präferenzen- und Institutionenebne zusammenhängt. Die Argumente, welche auf die Unter- schiede in der Präferenzen-Ebene fokussierten, gehen mit einem intervenierenden Effekt einher, während die Ansätze der institutionellen Ebene für einen unabhängigen Effekt sprechen. Wenn be- urteilt werden könnte, welche Theorieansätze für die gefundenen Zusammenhänge relevant sind, wäre somit auch ein besseres Verständnis über die unabhängige und intervenierende Rolle der di- rekten Demokratie möglich. Es kann an dieser Stelle nicht vertieft darauf eingegangen werden, wel- che der Theorieansätze sich in der Empirie bewähren können. Festgehalten werden kann nur, dass die im Rahmen des Reviews untersuchten Studien zwar theoretisch auf die einzelnen Erklärungsan- sätze eingehen, jedoch grundsätzlich mit ihrer Evidenz nicht beurteilt werden kann, welchen Ansät- zen nun konkret eine Wirkung zuzuschreiben ist. Urteile über die «Art» des Effektes – ob unabhän- gig oder intervenierend – sind somit auf Basis der gesichteten Evidenzen nicht zulässig. Wenn jedoch nochmals ein Blick zurück auf die präsentierten theoretischen Erklärungsansätze geworfen wird, so lassen sich dabei klare Hinweise für einen unabhängigen Effekt der direkten Demokratie finden. Es wurde in der Theorie deutlich, dass vor allem Unterschiede auf der institutionellen Ebene zur Erklärung von negativen Effekten überzeugen können. Ein unabhängiger Effekt der direkten De- mokratie ist dabei vor allem aufgrund der Mängel betreffend diverser Filterungs- und Kontrollme- chanismen im Vergleich zur repräsentativen Arena zu erwarten. Auf Basis der theoretischen Erklä- rungsansätze ist somit zu vermuten, dass die in dieser Arbeit präsentierte Befunde zu einem Universität Luzern Simon Zemp 64 kontextbedingten negativen Einfluss zu beträchtlichen Teilen mit einem «unabhängigen» Effekt der direkten Demokratie in Verbindung gebracht werden können. In welchem konkreten Verhältnis un- abhängige und intervenierende Einflüsse eine Rolle spielen, kann jedoch nicht beurteilt werden. Diese gesamte Diskussion um die beiden Szenarien des unabhängigen und intervenierenden Effek- tes liefert ein spezifiziertes Bild des Einflusses der direkten Demokratie und kann helfen, den Blick für konkrete Wirkungsmechanismus zu schärfen. Über der Unterscheidung schwebt jedoch eine gewichtige Problematik, welche bereits im Rahmen der Präsentierung der theoretischen Erklärungs- ansätze zu Tage kam. Die gesamte Argumentation um den intervenierenden Effekt hängt stark von der Annahme ab, dass es so etwas wie Grundpräferenzen gibt, die unabhängig von Einflüssen der politischen Entscheidungsprozesse existieren. Diese Annahme scheint in der Realität aber insbeson- dere für die Präferenzen der Eliten nicht erfüllt zu sein. Die Präferenz eines Parlamentsmitgliedes beispielsweise – selbst im Sinne einer sehr grundlegenden politischen Haltung gegenüber von Min- derheiten – ist wohl nie klar vom Einfluss der institutionellen Prozesse und dem eigenen politischen Amt zu trennen. Dadurch verschwimmt die soeben dargelegte Unterscheidung zwischen dem inter- venierenden und unabhängigen Effekt in der Realität und die Vermutung, dass die Ebene der Insti- tutionen weit mehr ist als bloss eine «intervenierende Mediatorvariable», wird bestärkt. Inwieweit demnach eine Auftrennung in einen intervenierenden und unabhängigen Effekt überhaupt Sinn macht, kann diskutiert werden. Sich ins Bewusstsein zu rufen, dass ein Effekt theoretisch mit unter- schiedlichen Grundeinstellungen oder aber mit institutionellen Einflüssen erklärt werden kann, ist jedoch auf jeden Fall von Nutzen. Speziell wenn über mögliche Massnahmen zur Eindämmung negativer Effekte diskutiert wird, kann es hilfreich sein zu wissen, ob bei der Grundhaltung der Bevölkerung oder bei den Institutionen angesetzt werden muss. Abschliessend ist vor allem zu betonen, dass die eben geführte Diskussion unmissverständlich ge- zeigt hat, dass für wirklich robuste Aussagen über einen kausalen Effekt der direkten Demokratie kein Weg an einer intensiven Auseinandersetzung mit den theoretischen Wirkungsmechanismen vorbeiführt. Universität Luzern Simon Zemp 65 6. Fazit und Reflexion Am Anfang dieser Arbeit wurde das Bild eines in sich sehr widersprüchlichen Forschungsstandes präsentiert. Nach der intensiven Beschäftigung im Rahmen des systematic Reviews haben sich ei- nige dieser Widersprüche relativiert und der Forschungsstand scheint insgesamt ein deutlich ein- heitlicheres Bild widerzugeben. Auch wenn deutlich wurde, wie stark sich die untersuchten Studien unterscheiden oder wie wichtig die individuellen Kontextbedingungen sind, so lässt sich die Tatsa- che nicht wegdiskutieren, dass der aktuelle Forschungsstand auf ein beträchtliches Potenzial der Gefährdung von Minderheitenrechten durch die direkte Demokratie hinweist. Im Review zeigte sich, dass diverse Studien nachweisen konnten, wie die direkte Demokratie in konkreten Fällen den repräsentativen Output zu Ungunsten von Minderheitenrechten verändert hat. Negative Einflüsse waren dabei vor allem bei Ausbauvorlagen zu Gunsten von gesellschaftlich wenig akzeptierten Min- derheiten feststellbar. Der umgekehrte Fall, dass die direkte Demokratie zu einer positiven Verän- derung führte, konnte deutlich seltener nachgewiesen werden. Dass aus diesem Gefährdungspoten- zial keinesfalls generelle Schlüsse über die Wirkung der direkten Demokratie gezogen werden können, versteht sich auf Basis der Erkenntnisse dieser Arbeit von selbst. Die tendenziös gestellte Frage im Titel dieser Arbeit sucht so auch im Schlusswort vergebens eine finale Antwort. Der Effekt der direkten Demokratie stellt einen äusserst komplexen Untersuchungsgegenstand dar, dessen Naturell es wohl grundsätzlich widerspricht, allgemeingültige empirische Evidenzen hervor- zubringen. Der Anspruch der Forschung kann es lediglich sein, durch viele einzelne Untersuchun- gen zur Thematik ein umfassenderes Gesamtbild zu kreieren. Es war der Anspruch dieser Arbeit durch eine systematische Analyse des Forschungsstandes einen Beitrag zu diesem Gesamtbild zu leisten. Es wurde versucht, Theorie, Methoden und Evidenzen der gegenwärtigen Forschung über- sichtlich darzustellen und zu evaluieren. Ein wichtiger Beitrag der Arbeit ist in der umfassenden und systematischen Zusammenstellung der relevanten Studien zu sehen. Weiter scheinen auch die vertieften theoretischen Einbettungen sowie die Reflexionen zum methodischen Rüstzeug den bis- herigen Stand der Forschung sinnvoll ergänzen zu können. Neben den Leistungen sind an dieser Stelle aber vor allem auch die deutlichen Grenzen des durchgeführten Reviews zu betonen. Nach der intensiven und zeitraubenden Recherche stellt sich vor allem die qualitative Beurteilung der Studien als Knacknuss heraus. Aufgrund der knappen zeitlichen Ressourcen, den eingeschränkten Fähigkeiten des Reviewers sowie den teils intransparenten Studieninhalten kann keinesfalls bean- sprucht werden, dass die Studien der Auswahlgesamtheit einer umfassenden und detaillierten Universität Luzern Simon Zemp 66 qualitativen Überprüfung unterzogen wurden. Es ist aber zumindest zu hoffen, dass die grundsätz- liche Robustheit der Studien – und insbesondere ihre Eignung, Evidenz für den Forschungseffekt zu präsentieren – so gut wie möglich erfasst werden konnte. Zum Schluss kann der geleistete Beitrag der hier vorliegenden Arbeit treffend anhand eines Ver- gleichs mit einem Puzzle-Spiel resümiert werden. Wie soeben klargestellt, kann nicht der Anspruch erhoben werden, die einzelnen Puzzleteile eingehend auf ihre innere Qualität überprüft zu haben. Noch weniger kann behauptet werden, dass die einzelnen Teile zu einem abschliessenden Bild zu- sammengefügt werden konnten. Der Beitrag ist eher darin zu sehen, dass im Rahmen des Reviews eine erste Auslegung und Gruppierung der einzelnen Teile erfolgt ist. Die abschliessenden Diskus- sionen im Rahmen der Synthese haben weiter gezeigt, wie anspruchsvoll es ist, die einzelnen Puzz- leteile im Anschluss an eine solche Auslegung zu einem grösseren Ganzen zusammenzufügen. Diese Schwierigkeiten sollten jedoch nicht zu verfrühtem Verdruss führen. Wenn sich eines in die- ser Arbeit gezeigt hat, dann die Tatsache, dass die Erstellung eines ganzheitlichen und stimmigen Bildes über die Auswirkungen der direkten Demokratie eine komplexe Herausforderung darstellt. Es ist zu hoffen, dass sich die zukünftige Forschung dieser Herausforderung – Puzzleteil für Puzz- leteil – annehmen wird. Im Sinne von Hainmueller und Hangartner (2015) kann so ganz zum Ende dieser Arbeit nur festge- halten werden, dass die Suche nach Evidenz zum Effekt der direkten Demokratie zumindest eines bleibt – a challenging empirical enterprise. Universität Luzern Simon Zemp 67 7. Bibliographie Altman, D., 2011. Direct democracy worldwide. Cambridge University Press, New York, NY. Axelrod, R., 2000. Die Evolution der Kooperation, Studienausg., 5. Aufl. ed, Scientia nova. München Olden- bourg. Baur, N., Blasius, J. (Eds.), 2014. Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung, Handbuch. Springer VS, Wiesbaden. Bell, D.A., 1978. The Referendum: Democracy’s Barrier to Racial Equality. Wash. Law Rev. 54, 31. Berbrier, M., 2002. Disempowering Minorities: A Critique of Wilkinson’s “Task for Social Scientists and Practitioners.” J. Sociol. 19. Billerbeck, R., Fijalkowski, J., 1989. Plebiszitäre Demokratie in der Praxis : zum Beispiel Kalifornien. Edi- tion Sigma, Berlin. Bobo, L., Licari, F.C., 1989. Education and Political Tolerance: Testing the Effects of Cognitive Sophistica- tion and Target Group Affect. Public Opin. Q. 53, 285–308. Bochsler, D., Hug, S., 2015. How minorities fare under referendums: A cross-national study. 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Anhang Verwendete Abkürzungen im Anhang: DD: direkte Demokratie; RD: repräsentative Demokratie; sowie Abkürzungen für Forschungsdesigns (vrgl. hierzu S. 27) Anhang A: Tabelle zu Hypothesen, Untersuchungseinheit und Hauptbefunden Autor und Jahr Forschungsziel und/oder zentrale Hypothese Untersuchungseinheit (welche Minderheiten und Politikbereiche wurden berücksichtigt?) Ausgewiesene Evidenz in Bezug auf Forschungseffekt (Hauptbe- funde) Gamble 1997 Hypothese: DD fördert die Möglichkeit der Ty- rannei der Mehrheit und gefährden so die Rechte von Minderheiten ("Civil Rights"). Initiativen, die rassisch, ethnisch und sprachliche Minderheiten, Schwule und Lesben, sowie Men- schen mit Aids betrafen (z.B. Housing/public accomodations for racial minorities; School desegra- tion; Gay rights; English langu- age laws; AIDS policies) Klar negativ: 92% aller untersuchten Initi- ativen zielten auf eine Einschränkung von Minderheitenrechte ab, die Erfolgschance der minderheitenschädlichen Initiativen war mit 78% ausserordentlich hoch (allg. Durchschnitt bei 33%); Gamble stellt für alle untersuchten Bereiche (mit Ausnahme der AIDS-Policy) eine klare Tyrannei der Mehrheit fest. Donovan und Bow- ler 1998 Hypothese: Minderhei- tenrechte seien vor allem in kleinen politischen Körperschaften gefähr- det, nicht aber in grossen Gebieten (aufgrund der höheren sozialen Hetero- genität) -> Hauptziel der Studie: Relativierung von Gambles Aussagen Minderheitenfeindliche Vorlagen, welche Homosexuelle sowie Per- sonen mit AIDS betrafen Counting-up: Von den 11 Initiativen wur- den nur zwei (18%) mit klar minderheiten- feindlichem Inhalt angenommen; was deutlich weniger sei als die allgemeine Er- folgsrate von 38% und klar gegen die Evi- denz von Gamble spreche. Regressionsanalyse: zeigt, dass Grösse/Heterogenität als Kontextfaktor re- levant ist; in kleineren Gebieten eher Ge- fahr der Tyrannei; aber kein klarer Effekt wird ausgewiesen; es seien mehr Daten und insbesondere Vergleiche mit der re- präsentativen Arena anzustellen Frey und Goette 1998 Revidierung der Ergeb- nisse von Gamble (in Bezug auf die Schweiz) Fokus auf "Civil Rights" Volksabstimmungen zu: Auslän- derthematik, Religionsfreiheit, und Varia (Bundesebene); Public Housing, Jugend- und Ausländer- Rechte (Kantonsebene); Drogen- politik, Public Housing, Jugend- und Ausländer-Rechte (Lokal- ebene) klar gegen Gamble: keine Evidenz für eine systematische Gefährdung von Bürgerech- ten durch DD (-> minderheitenfeindliche Vorlagen würden vom Volk nicht mit grösserer Wahrscheinlichkeit angenom- men als andere); auf lokaler Ebene (für Stadt Zürich) -> klar positiver Effekt auf kantonaler Ebene-> relativ starke ne- gative Evidenz; sei allerdings nicht aussa- gekräftig, da es sich bei Vorlagen um "Verteilungsfragen" handelte Gerber und Hug 2002 Hypothese: Effekt hänge von Wählerpräferenzen ab; relevant sei somit le- diglich ein Interaktions- effekt von DD und Wäh- lerpräferenzen Dichotom erfassbarer Policy-Out- put, welcher direkt Sprachminder- heiten, rassische und ethnische Minderheiten, Frauen sowie Ho- mosexuelle betrifft (z.B. Ehe für alle oder English only laws) Bestätigung der Hypothese: Effekt sei ab- hängig von Wählerpräferenzen; ein unab- hängiger Einfluss der DD in bestimmte Richtung kann nicht nachgewiesen werden Hajnal, Gerber und Louch 2002 Die Studie will zeigen, dass Minderheitengrup- pen in Volksabstimmun- gen genauso oft zu Ver- lierer- oder Gewinnerseite gehören wie der Rest der Bevöl- kerung Abschneiden von Minderheiten (drei rassische Minderheitengrup- pen) bei Abstimmungen der reprä- sentativen und direktdemokrati- schen Arena in Kalifornien wird untersucht; nur kleiner Teil dieser Vorlagen betraf Minderheiten di- rekt. Grundsätzlich neutrale Position und Bestä- tigung der Haupthypothese; aber einige negative Tendenzen ➔ Für "Overall-Daten": kein negati- ver Effekt gefunden; somit seien keine pauschalen Verurteilungen angebracht ➔ wenn aber nur Outcome minder- heitenrelevanter Vorlagen be- rücksichtigt wird, ist negativer Effekt zu sehen ➔ In diesem Sinne keine Evidenz gegen Gamble, eher Bestätigung ihrer «Findings» in Bezug auf die Rechte von Outgroups (speziell bei Latinos) Linder 2003 Hat die unterschiedliche Ausprägung der Schwei- zer Demokratien auf Kantonseben Einfluss auf den Minderheiten- schutz? Zu dieser zentra- len Frage/Hypothese werden auch einige wei- tere (Kontext-)Hypothe- sen untersucht Kantonale Minderheitenabstim- mungen mit weitem Minderhei- tenverständnis. Dimensionen: Herkunft/Rasse; Frauen; Betagte und Personen über 65; Sprachmin- derheiten; Erwerbslose, Sozial- fälle; Homosexuelle; Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung sowie Minderheiten aufgrund religiö- ser/weltanschaulicher oder politi- scher Überzeugungen Tendenziell negativer Effekt: Deskriptive Analyse: 64% der Minderhei- tenanliegen scheiterten; daraus schliesst Linder auf negativen Effekt; betrachtet man nur die Vorlagen mit direktem Effekt auf Output, so fällt Bilanz etwas ausgegli- chener aus. Regressionsanalyse: keine signifikanten Effekte ausgewiesen Haider- Markel, Querze und Linda- man 2007 Zwei Hauptteile: (1) Schneiden Rechte von Homosexuellen in direkter Demokratie schlechter ab als in re- präsentativer Arena? (2) Hypothese von Donovan und Bowler (1998) Klarer Fokus auf «Gay-Rights» in USA aus repr. und direktdem. Arena; jedoch auch die bereits bei Gamble oder Donovan und Bow- ler berücksichtigte Minderheiten- Gruppen (1) negativer Effekt: pro-gay outocme: 39% in DD zu 44% in RD; Anteil Anti- Gay Vorlagen: in DD 79%, davon 70% angenommen; in RD: nur 41.5% Anti-Gay und Annahmequote nur bei 35% (2) Hypothese von Donovan und Bowler bestätig, jedoch nur für Daten vor 1996; mit aktualisierten Datensätzen wurde Hy- pothese verworfen, was auch mit Daten von Gambls Studie bestätigt wurde Bolliger 2007 Inwieweit wurden durch Instrumente der DD die Interessen der italie- nisch- und französisch- sprachigen Minderheit in der Schweiz verletzt? (im Vergleich zur reprä- sentativen Arena) Untersucht wird das allgemeine Abschneiden der sprachlichen Minderheiten in der Schweiz in- nerhalb der direktdemokratischen und repräsentativen Arena Es wurde jeweils gefragt, ob die Sprachgruppe (Romandie oder Tessin) minorisiert wurde? Befund: zwar hat DD die Interessen der Sprachminderheiten gelegentlich verletzt; deutlich öfters ha die DD allerdings die Minderheitengruppe als Staatsbürger vor den Entscheidungen des Parlaments ge- schützt -> Neutrale Position; in Tendenz eher für positiven Effekt Danaci 2008 Inwiefern beeinflusst di- rekte Demokratie die Rechte religiöser Min- derheiten (im Vergleich mit der repräsentativen Demokratie)? 15 kantonale Abstimmungen mit klarem Bezug zu religiösen Min- derheiten (gegeben, wenn religi- öse Minderheit explizit oder pau- schal in der Vorlage erwähnt wurde) (1) aC: von 15 Ausbauvorlagen, die dem Referendum unterstanden wurden vier ab- gelehnt durch Volk; Danaci sieht hierbei einen negativen Effekt. (2) QB: bestätigen den negativen Effekt der DD, da klar wurde, dass minderheiten- feindliche Handlungen bei drei der vier Fälle relevant waren, während ein Fall aus anderen Gründen abgelehnt wurde. (3) RA: Bestätigung der Hypothese, dass "Outgroups" wie der Islam stärker negativ beeinflusst werden. Fazit: vor allem schlecht integrierte religiöse Minderheiten laufen aufgrund kantonaler direktdemokra- tischer Instrumente Gefahr, diskriminiert zu werden. Christ- mann 2010 4 Hypothesen und zwei Interaktionshypothesen; H1: Droht bei einer Liberalisierung der An- erkennungsregeln ein Volksentscheid, führt dies zu restriktiveren Anerkennungsgesetzen für religiöse Minderhei- ten. Religiöse Minderheiten: 13 kanto- nale Anerkennungsregelungen hervorgegangen aus Parlaments- debatten Einzige notwendige Bedingung für eine li- berale Anerkennungsregelung ist die Ab- wesenheit einer Debatte über eine mögli- che Volksabstimmung -> gibt Hinweise für H1 (jedoch keine direkte Evidenz für H1) Weiter werden unter anderem die Totalre- vision sowie Islamdebatte als relevante Kontextfaktoren beschrieben. Redfield- Ortiz 2011 Leitfrage: Agiert die re- präsentative Arena häu- figer im Sinn von Homo- sexuellen? Oder schränkt die Legislative die Rechte von Homosexu- ellen genauso oft ein, wie das Volk mittels der direkten Demokratie? Fokussierte Minderheit: Homose- xuelle Untersucht anhand von lokalen Regelungen zu "Housing and Employment" und "Discrimina- tion" sowie allgemeinere bunde- staatliche Regelungen über Rechte und Schutz von Homosexuellen -> negativer Effekt: In 83% der Fälle standen in direkten De- mokratie Anti-Minderheiten-Vorlagen zur Diskussion; Repräsentative-Arena fokus- sierte hingegen mehrheitlich auf Ausbau- vorlagen, die dann jedoch häufig mittels DD bekämpft wurden Fazit der Autorin: "It is clear that not only do legislatures serve as far better protec- tors of minority rights, but also that direct democracy is used almost exclusively as a tool of those who wish to restrain minority rights." (p. 1399) Vatter und Da- naci 2011 Ausgangshypothese: Volksentscheide verän- dern den Policy-Output zuungunsten von Min- derheiten. Weiter rücken vor allem diverse Kon- textfaktoren ins Zentrum der Analyse 193 minderheitenrelevante Volks- abstimmungen auf Bundes- und Kantonsebene: Ausländer, sprach- liche und religiöse Minderheiten, Homosexuelle, Behinderte, Frauen sowie Militärdienstverwei- gerer als berücksichtigte Minder- heiten 1. eC: 41 Fälle führten zu negativen Ver- änderungen und nur drei zur Verbesserung -> Evidenz für negativen Effekt 2. RA: weder Einwohnerzahl, Bevölke- rungsdichte, noch eine der vier Heteroge- nitätsindikatoren hatte signifikanten Ein- fluss; weiter waren auch Faktoren wie Bildung, Arbeitslosigkeit oder Differen- zierung in selbstregulative und distributive Vorlage bedeutungslos. -> Zentraler Kontextfaktor war die be- troffene Minderheit (Ausländer, Moslems aber auch Frauen sind von verstärkt nega- tivem Effekt betroffen) Weiter relevant waren Form der Vorlage (Ausbauvorlage oder nicht; fakul. Referen- dum und Initiative oder obl. Referendum) Lewis 2013 3 Blöcke: 1. Sind anti- minderheiten Policies in Staaten mit DD wahr- scheinlicher als in sol- chen ohne? 2. Bewirkt der repräsentative Pro- zess, dass minderheiten- feindliche Gesetzesvor- schläge «gefiltert» werden? 3. Wie sieht Si- tuation bei Fokus auf minderheitenfreundli- chen Vorlagen aus? Hauptfokus: Homosexuelle, Sprachminderheiten und Ethni- sche Randgruppen Konkrete Policies: 1. Block: same-sex marriage bans, Official English laws und Affirmative ac- tion bans; 2. Block: Rechte von Homosexuellen, non-native Eng- lish speakers und diverse Minder- heiten im Zuge von Anti-Affirma- tive Politik; 3. Block: Nichtdiskriminierung sexueller Minderheiten; Racial-profiling laws und Hate crime laws 1. Block: negativer Effekt bestätigt bei al- len drei Policies, am klarsten bei same-sex marriage bans 2. Block: negativer Effekt kann klar ausge- wiesen werden 3. Block: keine signifikanten Ergebnisse; leichte Tendenz für positiven Einfluss bei "Racial-profiling" und "Hate crime laws» Hain- mueller und Han- gartner 2015 Hat die direkte Demo- kratie einen negativen Einfluss auf die Minder- heitengruppe der Immig- ranten? Haupthypothese: Direkte Demokratie in Einbürgerungsverfahren führt zu höherer Ableh- nungsquote der Gesuche Einbürgerungspraxis der Schweiz zwischen 1991 und 2009 Klar negativer Effekt ausgewiesen: Die Einbürgerungsraten erhöhten sich durch- schnittlich um 62% durch den Wechsel vom direktdemokratischen hin zum reprä- sentativen Entscheidungsverfahren. Umge- kehrt formuliert kann die direkte Demo- kratie zu geschätztem Rückgang von 53- 78% führen (je nach Sample und Modell). Bochsler und Hug 2015 Hypothese: In Ländern mit direktdemokrati- schen Institutionen ha- ben die Bürgerpräferen- zen zu Minderheiten Sachfragen einen grösse- ren Einfluss auf den minderheitenrelevanten Policy-Output als in Ländern ohne direkte Demokratie. Fünf minderheitenrelevante Pol- icy-Outputs (freedom of speech, freedom of assembly and associa- tion, social and economic discrim- ination of women and abortion rights) in 52 Demokratien (welt- weit). -> Klassische Minderheiten wie rassische und ethnische Rand- gruppen sowie Homosexuelle nicht explizit berücksichtigt) Befund: Policy Output bewegt sich näher zu Präferenz des Medianwählers bei Staa- ten mit direkter Demokratie. -> es gibt somit einen Effekt; die Richtung hängt allerdings von den Präferenzen des Medianwählers ab --> ein unabhängiger Effekt konnte nur in sehr geringen Massen nachgewiesen werden. Fazit: Kein wirklich unabhängiger Effekt der DD; Richtung hängt von Präferenz des Medianwählers ab Anhang B: Tabelle Übersicht Zitierungen Ü b er si ch t Z it ie ru n g en i n n er h a lb d er A u sw a h lg es a m th ei t In te rp re ta ti o n sh il fe : Z ei le : D e m Z e il en v er la u f is t z u e n tn e h m e n , w ie o ft d ie S tu d ie d er Z ei le v o n d en r es tl ic h e n S tu d ie n z it ie rt w u rd e u n d z ei g t so d en « Im p a ct » e in er S tu d ie a u f. S p a lt e: D er S p al te n v er la u f ze ig t au f, w el c h e A rb ei te n v o n e in er b es ti m m te n S tu d ie z it ie rt w u rd en ; d ie S p al te n su m m e k a n n a ls In d ik at o r fü r d ie Q u al it ät d es j e w ei ls a u fg ea rb ei te te n F o rs ch u n g ss ta n d es a u fg ef a ss t w er d e n . R o t m ar k ie rt e F el d er : D ie se z e ig en d ie e ig en tl ic h en L ü ck e n a u f; d as h ei ss t in d ie se n F äl le n h ät te d ie S tu d ie a u s d er Z ei le v o n d er S tu d ie a u s d er S p al te z it ie rt w er d en k ö n n en ( a u f B as is d er V er ö ff en tl ic h u n g sz ei t) , w as a b er n ic h t g e sc h a h . G am b le 1 9 9 7 D o n o - v an u n d B o w le r 1 9 9 8 F re y u n d G o et te 1 9 9 8 G er b er u n d H u g 2 0 0 2 H aj n al et a l. 2 0 0 2 L in d er 2 0 0 3 H ai d er - M ar k el et a l. 2 0 0 7 B o ll i- g er 2 0 0 7 D an ac i 2 0 0 8 C h ri st - m an n 2 0 1 0 R ed - fi el d - O rt iz 2 0 1 1 V at te r u n d D a- n ac i 2 0 1 1 L ew is 2 0 1 3 H ai n - m u el le r u n d H an - g ar tn er 2 0 1 5 B o ch s- le r u n d H u g 2 0 1 5 Q u o te " A n - te il m ö g li - ch er Z it ie - ru n g en " G am b le x x x x x x x x x x x x x x 1 0 0 % D o n o v an u n d B o w le r x x x x x x x x x x 8 5 % F re y u n d G o et te x x x x x x x x x x x 9 2 % G er b er u n d H u g x x x x x x 4 5 % H aj n al e t al . x x x x x x x 7 0 % L in d er x 1 1 % H ai d er -M ar k el e t al . x x x x x x x 1 0 0 % B o ll ig er x x x 4 3 % D an ac i x x 3 3 % C h ri st m an n x x 4 0 % R ed fi el d -O rt iz 0 % V at te r u n d D an ac i x x 6 7 % L ew is x 5 0 % H ai n m u el le r u n d H an g ar tn er n .a . B o ch sl er u n d H u g n .a . Q u o te A b d ec k u n g F o rs ch u n g ss ta n d 1 n .a . 1 0 0 % 1 0 0 % 1 0 0 % 1 0 0 % 8 0 % 6 7 % 1 0 0 % 7 5 % 6 7 % 2 0 % 9 0 % 4 2 % 4 6 % 6 9 % Q u o te A b d ec k u n g F o rs ch u n g ss ta n d 2 (o h n e E in b ez u g v o n L in d er 2 0 0 3 ) n .a . 1 0 0 % 1 0 0 % 1 0 0 % 1 0 0 % 8 0 % 8 0 % 1 0 0 % 8 6 % 7 5 % 2 2 % 1 0 0 % 4 5 % 5 0 % 7 5 % Anhang C: Tabelle Operationalisierung Autor und Jahr Operationalisierung der unabhängigen Variable (meist Institutionenvariable «Direkte Demokratie») Operationalisierung der zentralen abhängigen Vari- able (sinngemäss meist «Minderheitenrechte») Donovan und Bowler 1998 Logarithmierte Bevölkerungsgrösse als zentrale er- klärende Variable; weitere Faktoren zielten auf Bil- dung, Hautfarbe und Haushaltseinkommen ab. Outcome in Bezug auf Minderheiten; gemessen an- hand Resultat der Abstimmung als dichotome Vari- able (Pro oder Contra Minderheit) Gerber und Hug 2002 Direkte Demokratie als Dummy-Variable: 1: Glied- staat hat direktdemokratische Institutionen; 0: Staat hat keine solche Institutionen Wählerpräferenz (als interagierende Variable): (1) allgemeine Ideologie Bevölkerung, (2) Spezifische Präferenz zu Issue (auf Basis von Survey-Daten) Minderheitenrelevante Politikergebnisse, welche klar als vorhanden oder nicht vorhanden bestimmt werden können; (Werten 0 oder 1). Somit nur Poli- cies, die sich gut dichotom darstellen liessen, wie "Eher für alle" oder "English only laws" Hajnal, Gerber und Louch 2002 Unabhängigen Variablen erfassen Zugehörigkeit zu Minderheitengruppe: 3 Dummy-Variablen (Black, Latino und Asian-American); ist alternativer Ansatz zu restlichen Regressionsmodellen (schätzt Erfolg in DD einer Minderheit auf Basis von Personendaten) Zentrale abhängige Variable: "winning side" (di- chotom erfasst: yes/no) Linder 2003 Ausgestaltung der DD in Kantonen: basierend auf Index direkter Demokratie nach Alois Stutzer (Lin- der, 2003, p.59) Zwei Quoten: 1. eigens berechnete Minderheiten- schutzquote für die Kantone 2. Kantonsverfassungen als Indikator für den Minderheitenschutz in einem Kanton Haider- Mark., et al. 2007 Variable für Bevölkerung: “The population variable is the natural log of jurisdiction population” (p. 308) Dummy-Variable für Outcome: “The dependent var- iable is simply coded one for a progay civil rights outcome and zero otherwise” (p. 308) Danaci 2008 Zwei Modelle (vor allem zur Bestimmung von Kon- textfaktoren): Im ersten Modell war unabhängige Variable der Unterstützungsgrade durch Eliten (ge- messen an Parteiparolen und Parteistärke); in Mo- dell 2 war es der Unterstützungsgrad der Stimmbe- völkerung (Daten aus Staatsarchiven) für versch. religiöse Minderheiten wurde je eine Dummy-Variable erstellt mit der festgehalten wurde, ob die Minderheit betroffen war (1) oder nicht (0); Basis dafür war qualitative Inhaltsanalyse Christ- mann 2010 QCA: interessierende Bedingung: Debatte über di- rekte Volksrechte bei der Ausgestaltung der Rege- lung: Ja oder Nein (gemessen anhand von analysier- ten Wortmeldezetteln) Für die QCA wurde ein sechsstufiger Index zur Dar- stellung des Anerkennungs-Outputs erstellt (0 für restriktivsten und 1 für den liberalsten Output) Vatter und Da- naci 2011 Grösse der Gebietskörperschaft als zentrale unab- hängige Variable (gemessen mit log. Bevölkerungs- grösse sowie Bevölkerungsdichte); Weitere unter- suchte Faktoren: konfessionelle Heterogenität; sozioökonomische Heterogenität und ethnisch- sprachliche Heterogenität Volksentscheid Output; operationalisiert durch eine 1/0-Kodierung ( anhand Ergebnis Pro- oder Kontra- Minderheit) Lewis 2012 jeweils 2 Varianten: Dummy-Variable für DD und Variable, die einen abgestuften «Impact» der direk- ten Demokratie auf das politische System berück- sichtigt minderheitenrelevanter Policy-Output verabschiedet: ja (1) oder nein (0); bei Cox-Regression wurde zeit- liche Dimension (t) mitberücksichtigt Hainmu. und Han- gar. 2015 Dummy-Variable (direkte Demokratie): 1: direktdemokratisches Einbürgerungsverfahren; 0: repräsentatives Einbürgerungsverfahren Einbürgerungsrate: Anzahl Einbürgerungen in Jahr (t) geteilt durch die Anzahl registrierte Ausländer in der Gemeinde zu Zeitpunkt t. Bochsler und Hug 2015 Zentrale erklärende Variable ist Interaktionsterm: Institutionsvariable und Medianwähler-Präferenz Institutionenvariable: Dummy-Variable: 1: Land er- laubt entweder Referendum (nur obligatorisches) o- der Initiative; 0: in allen anderen Fällen Medianwähler-Präferenz: geschätzt auf Basis von Daten des World Values Survey für die vers. Poli- cies Fünf abhängige Variablen: Policy-Output in den Ländern (ordinal oder binär codiert): rights of same- sex couples; freedom of speech; freedom of assembly and association; social and economic discrimination of women und abortion rights Anhang D: Tabelle «Graubereich» Studien und die entsprechende Evidenz, die nicht in der Auswahlgesamtheit berücksichtigt wurden: Autor und Jahr Evidenz/Beitrag zum Forschungseffekt Kurze Begründung, weshalb nicht berücksichtigt in Review-Auswahl Tiefenbach, 2014 leicht negative Effekte: DD verhindere oder ver- langsame vor allem den Ausbau von Minderheitenrechten; durch gute rechtsstaatliche Einbettungen könne dieser negative Effekt aller- dings gut neutralisiert werden. Nicht empirisch-analytisches Design Lupia et al. 2010 Idee: Bundesstaatliche Verfassungen in Bezug auf Outcome "Same-Sex Marriage" vergleichen und schauen, ob der Outcome mit DD oder nicht-DD in Zusammenhang steht Evidenz: Verbote tauchen in Staaten mit DD häu- figer auf. In ca. 74% aller Fälle trifft die grobe Hypothese zu, dass Staaten mit direkter Demokra- tie (oder solche ohne, aber mit «simplen» Verfas- sungsänderungsregelungen) das Verbot einführ- ten. Nur ein kleiner Teil der Untersuchung zielt auf den Untersuchungszusammen- hang ab. Dieser ist zudem sehr spezi- fisch auf Same-Sex-Marriage be- schränkt. Kurzbetrachtung zeigt jedoch, dass der für diese Arbeit rele- vante Teil und die entsprechende Evi- denz durchaus überzeugen kann. Tolbert und Hero, 2001 Die Analyse weist darauf hin, dass hohe ethnische Diversität in der Kombination mit häufiger An- wendung direktdemokratischer Instrumente zu politischem Klima führen kann, das insbesondere für Minderheitenrechte problematisch sein könne. Fokussiert nicht direkt auf den For- schungseffekt, sondern auf Abstim- mungsverhalten und diverse Kontext- bedingungen. Schildkraut, 2001 Untersuchung zu English-only-laws: Die direkte Demokratie habe Einfluss auf die Tat- sache, ob ein Staat ein «English-only-law» verab- schiedet. Die DD erhöht die Chance, dass solche Gesetzte implementiert werden (für Staaten mit relativ hohem Immigranten-Anteil) Mehrere Hypothesen, davon nur letzte relevant für diese Arbeit (H5). Exklusi- onsentscheid war knapp, aber auf Basis des fehlenden primären Fokus gerecht- fertigt. Moore und Ravishankar, 2012 Zeigen, dass Wähler aus rassischen Minderheiten- gruppen über alle Abstimmungen gesehen öfters verlieren als die Gruppe der «Weissen». Fokussiert auf generelles Abschneiden von Minderheiten in der direkten De- mokratie; kein klarer Bezug zu Min- derheitenrechten (diese sind gar expli- zit ausgeschlossen von Studie) und Forschungseffekt Heussner, 2012 In den untersuchten US-Bundesstaaten wurden minderheitenfeindliche Vorlagen deutlich öfters angenommen (im Vergleich zur grundsätzlichen Erfolgsrate von Volksabstimmungen). Trotzdem folgt daraus keine pauschale Verurtei- lung der direkten Demokratie. Insbesondere die Einbettung in ein funktionierendes System von Checks and Balances könne solch einen negati- ven Einfluss unter anderem erfolgreich eindäm- men. Diese Arbeit erfüllt die Inklusionskri- terien nur bedingt. Vor allem aufgrund der fehlenden methodischen Ausgestal- tung und des sehr deskriptiv geprägten Zugangs wurde die Studie nicht in die Auswahlgesamtheit aufgenommen Donovan und Tolbert, 2013 Direktdemokratische Abstimmungen über Min- derheiten und die damit verbundenen öffentlichen Debatten fördern die Stigmatisierung der Minder- heiten und können zu mehr Feindseligkeiten füh- ren. Fokus der Studie entspricht nicht Aus- wahlkriterien. Die abhängige Variable ist die Wahrnehmung der Minderheiten in Bevölkerung. Trotzdem liefert die Studie Hinweise, welche für einen ne- gativen Einfluss auf Minderheiten sprechen. Preuhs, 2005 Untersucht den Einfluss von Latinos auf allg. Ge- setzgebung. Die Befunde lasse sich in der Tradi- tion eines negativen Effektes nach Gamble verste- hen. Die direkte Demokratie führt nach der Untersuchung zu einem Rückgang des Einflusses der Minderheitengruppe der Latinos auf das poli- tische System. kein klarer «primärer» auf Forschungs- effekt Nicholson-Crotty, 2006 Staaten mit direkter Demokratie neigen eher dazu, «same-sex marriage» zu verbieten; während bei Staaten ohne direkte Demokratie (kombiniert mit zunehmender Heterogenität der Bevölkerung) sol- che Verbote unwahrscheinlicher werden. Ausgeschlossen, da nur indirekte Evi- denz und kein primärer Fokus auf den Forschungseffekt: «Diversity-Hypothe- sis» im Zentrum Lax und Phillips, 2009 Ihre Untersuchung von «Gay-Rights» lassen keine Tyrannei der Mehrheit auf Kosten von Min- derheitenrechten erahnen. Es wird eher ganz leichter Hinweise für positive Wirkung gefunden. Es wird auch herausgestrichen, dass wenn Rechte gefährdet seien, die repräsentative Arena kein verlässlicher Schutz darstellt. Sehr interessant ist, dass sie allgemein keine indi- rekte Wirkung der Institutionen auf die «policy responsiveness» feststellen. Somit widersprechen sie der indirekten Wirkung der direkten Demokra- tie. Fokus der Studie stimmt nicht überein, da «public Opinion» und «policy responsiveness» im Zentrum stehen; liefert jedoch Evidenz als Nebenpro- dukt vor allem auch zur Diskussion um indirekten Effekt Haider‐Markel und Meier, 2008 Zeigen in Richtung der Evidenz für negativen Ef- fekt bei Homosexuellen; im Sinne von Gambles Studie Kein primärer Fokus auf den Untersu- chungseffekt -> intensive Studie zu «Gay-Rights» allgemein in USA Doney, 2011 In der “comparative historical Analysis” von Doney lassen sich Hinweise fin- den, die klar dafürsprechen, dass bestimmte Rechte von Homosexuellen in der direkten De- mokratie schlecht abschneiden. Hingegen scheint dies in der Schweiz nicht der Fall zu sein. Hier sei gar leichte Tendenz zu positiver Wirkung zu fin- den. (aber Achtung: der Vergleich ist sehr schwach, da sehr viele US Resultate mit nur einer Abstimmung in der Schweiz verglichen werden) Primärer Fokus nicht klar gegeben: un- tersucht kulturelle und strukturelle Be- dingungen zur Erklärung eines be- stimmten Outputs im Rahmen von «Gay-Rights». Donovan, 2013 Zeigt auf; dass bei Debatten in Rahmen von Volksabstimmungen die Minderheiten oft be- nachteiligt werden. In Linie mit den Erkenntnissen von Donovan und Tolbert (2013) und klare Evidenz für die Erklä- rungsansätze, welche einen negativen Effekt auf- grund der direktdemokratischen Debattenkultur befürchten. Studienfokus passt nicht: untersucht vor allem die Wirkung der direktdemo- kratischen Debatten und Kampagnen auf Minderheiten und deren Wahrneh- mung im Allgemeinen. Christmann, 2012 Theoretische und empirische Befunde über den Effekt im Rahmen des Kontextfaktors zur rechts- staatlichen Einbettung. Christmann konnte unter anderem aufzeigen, dass eine starke rechtsstaatli- che Einbettung mögliche negative Auswirkungen der direkten Demokratie eindämmen kann. Kriterium primärer Fokus nicht gege- ben: Studienfokus nicht deckungs- gleich mit Forschungsfrage dieser Ar- beit. Christmann fokussiert in dieser Studie primär auf die Relevanz des Rechtsstaates als Kontextfaktor. Vatter et al., 2014 Wichtige Evidenz für Kontextfaktoren betreffend Stimmverhalten der Bevölkerung. Vor allem der häufig diskutierte Faktor Bildung wird untersucht. Die Bildung stellt sich dabei als durchaus relevan- ter Faktor heraus. Grundsätzlich unterstreichen die Befunde die Position, dass die DD nicht pau- schal einen negativen Effekt haben, sondern ins- besondere die betroffene Minderheit von Rele- vanz ist. Studienfokus stimmt nicht überein; un- tersucht einzelne Erklärungsfaktoren für das Stimmverhalten bei Abstim- mungen über Minderheitenrechte; wie bspw. Bildung; somit vor allem für Verständnis von Kontextbedingungen und für Erklärungsansätze relevant Höglinger, 2008 Vergleich von Deutschland, Schweiz und USA zeigt, dass in der Schweiz die direkte Demokratie den benachteiligten Minderheiten mehr Gehör verschaffen kann. Insbesondere «das hohe medi- ale Standing zivilgesellschaftlicher Organisatio- nen» sei auf die Direkte Demokratie in der Schweiz zurückzuführen. Dies spricht für das the- oretische Argument für einen positiven Einfluss im Sinne eines «Sprachrohrs» für Minderheiten. ist keine empirische Untersuchung, welche sich mit DD und den Minder- heitenrechten explizit auseinandersetzt -> Studiendesgin und Forschungsfrage entsprechen nicht den Inklusionskrite- rien Herrick, 2008 Evidenz für Homosexuellen-Rechte in USA: weist einige Hinweise für negativen Effekt aus; aber betont klar, dass es komplexe Sachlage ist und von diversen Kontextbedingungen (z.B. Ideo- logie in einem Bundesstaat) abhängt. Studienfokus nicht passend; Unter- sucht teilweise indirekten Effekt; aber abhängige Variable ist Agenda betref- fend «Gay-Rights»; somit: Primärer Fokus nicht erfüllt Bowler und Donovan, 2004 Kein Befund betreffend des Effektes; aber sehr interessante Evidenz vor allem in Bezug auf das methodische vorgehen. Es wird kritisiert, dass blosse Dummy Variablen (DD und nicht DD) zur Messung von Effekten sehr fehleranfällig sei. “A dummy variable makes a false distinction be- tween states that do not have the initiative and those that have it in on the books but that barely use it in practice.” Primärere Fokus stimmt nicht überein: Studie untersucht Einfluss der direkten Demokratie auf den allgemeinen Po- licy-Output Bemerkung: zusätzlich wurden folgende Studien bzw. Publikationen nicht berücksichtigt, da sie als «Dupli- kate» in gleicher oder sehr ähnlicher Form in der Auswahl bereits vorhanden sind: Christmann und Danaci (2012), Lewis (2011a, 2001b), Vatter und Danaci (2010) und Vatter (2011). Anhang E: Einblick Recherche Recherche-Protokoll Bemerkung: Die Auflistung ist nicht komplett und gibt lediglich einen Einblick über die wichtigsten Stationen der Recherche sowie die Suchbegriffe mit den entsprechenden Treffern. Recherche- tool Suchbegriffe Treffer total Studien, welche nach erster Begutachtung provisorisch in Auswahlgesamtheit aufge- nommen wurden Scopus (1) direct PRE/1 democ- racy AND minority right (2) direct democracy AND minorit* right* (1) 46 (2) 73 Gamble 1997; Hajnal et al. 2002; Donovan und Bowler 1998; Haider-Markel et al. 2007; Lewis 2013; Vatter und Danaci 2010; Christmann 2010, A. 2010; Donovan und Tolbert, C. 2013; Christmann und Danaci 2012; Lewis 2011a Scopus direct democracy AND mi- norit* right* 73 Keine weiteren Treffer Scopus minorit* AND direct PRE/1 democracy 69 Keine weiteren Treffer Web of Sci- ence (1) minority right AND direct democracy (2) minority right AND popular vote (3) minority right AND referendum n.a Bochsler und Hug 2015 WISO Direkte Demokratie AND Minderheitenrechte n.a Heussner, 2012 Weitere Datenbanken und Recherche-Tools, die benutzt wurden: Political Science Complete, International Bibliography of the Social Sciences (IBSS), Oxford Bibliographies, Swissbib, Iluplus, JSTOR, Bielefeld Aca- demic Search Engine (BASE). Anhang F: Dimensionen der Beurteilung Drei Dimensionen zur Beurteilung: 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a. Theoretische Einbettung • Theoretische Herleitung der Hypothesen • Theoretische Begründung und Erklärung der Wirkungsmechanismen • Definition der Begrifflichkeiten • allgemeine Aufbereitung des Forschungsstandes b. Methodenwahl • Wurde die Forschungsfrage und die Hypothesen in ein korrespondierendes Forschungsdesign übersetzt? • Bilden Theorie und Methode eine sinnvolle Einheit? 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns a. Qualität Datenerhebung Objektivität, Reliabilität und Validität der Datenerhebung (Konstruktvalidität; ge- rade mit Fokus auf Operationalisierung wichtig); mögliche Fehlerquellen: z.B. fal- sche Kategorisierung der beobachteten Effekte (z.B. in Bezug auf Abstimmungs- ergebnis) b. Interne Validität • Sind keine relevanten Verzerrungen innerhalb des Studiendesigns und bei der Durchführung der Analyse auffindbar? Bzw. werden allfällige Verzerrungen so gut wie möglich eliminiert? • Erlaubt das Design grundsätzlich eine eindeutige Zurückführung der gemesse- nen Effekte auf die unabhängige Variable? 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) a. Variable-Fokus: • Repräsentativität der einzelnen Beobachtungen für die untersuchte Minderhei- tenkategorie? • Repräsentativität der untersuchten Minderheitenkategorie für Minderheiten allgemein? b. Kontext-Fokus: Generalisierungsfähigkeit auf andere Kontextbedingungen • z.B. andere Länder, politische Systeme, Zeiten etc. Anhang G: Beurteilungsbögen Bemerkung: Die hier aufgeführten Beurteilungsbögen sind als «stichwortartige» Notizen des Reviewers zu verstehen und wurden nicht vertieft revidiert. Autor und Jahr: Gamble 1997 Veröffentlichung via: Journal of Political Science (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Hypothese sauber hegeleitet • Wirkungsmechanismen theoretisch dargelegt • Gute Entwicklung des Begriffes der direkten Demokratie und Präsentation verschiedener Typen DD • Keine vertiefte Analyse der zentralen Begriffe «Civil Rights» und «Minorities» • Keine theoretische Reflexion von Kontextbedin- gungen b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Einfacher Ansatz, der sehr starke Evidenz für die Ursa- che-Wirkungs-Beziehung darstellt, da der Effekt theore- tisch und praktisch überzeugend nachvollziehbar ist (ist Art direkte Beobachtung) • Fokussiert auf auch auf längerfristige Auswirkungen • Berücksichtigt, dass nicht alle Abstimmungsresultate zu Minderheitenrechten einen «unabhängigen» Effekt haben • Kein (direkter) Vergleich mit der repräsen- tativen Arena • Interpretation und Generalisierung der Er- gebnisse ist nicht einfach 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Datenerhe- bung: • Die Datenerhebung scheint sehr bedacht und solide durchgeführt zu sein, relevante Män- gel in der Datenerhebung können nicht ausgemacht werden. Problem ist aber, dass keine eindeutige Liste mit allen Abstimmungen der Untersuchung präsentiert wird -> fehlende Transparenz; die Publikation lässt so eine genauere Prüfung der einzelnen Beobachtungen nicht zu, insbesondere kann im Rahmen dieser Arbeit nicht nachvollzogen werden, wie die einzelnen Abstimmungsergebnisse kategorisiert wurden und ob diese tatsächlich min- derheitenrelevant waren Interne Validität: • Die beobachteten Ereignisse (Abstimmungsresultate) sind mit grosser Sicherheit auf die unabhängige Variable DD zurückzuführen, da überzeugend aufgezeigt wurde, wie die di- rekte Demokratie den Output direkt veränderte -> interne Validität des Designs grundsätz- lich gut • Es kann aber keine klare Aussage darüber gemacht werden, dass das Resultat in rein repräsentativer Arena anders rausgekommen wäre, da kein Vergleich mit rein reprä- sentativen Arenen gemacht wurde 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Wichtigsten Minderheitengruppen werden berücksichtig • Nicht Inklusion von Frauen reflektiert • Grundsätzlich sollten die untersuchten Fälle, die Minderheitenrechte in dem untersuchten Kontext gut repräsentieren • Repräsentativität der 74 untersuchten Abstimmungen wird jedoch teilweise angezweifelt (vrgl. Donovan and Bowler, 1998) • Schwulenrechte sehr dominant (knapp 60% aller untersuchten Initiativen) • kaum Ergebnisse auf lokaler Ebene berücksichtigt • Kann kein Anspruch auf Vollständigkeit der minderheitenrelevanten Initia- tiven und Referenden erheben (wird von Gamble selbst reflektiert) • Fallauswahl bei gewissen Minderheitengruppen sehr klein (z.B. nur 5 Ab- stimmungen im Bereich «Aids-erkrankte») Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Kontextfaktoren kaum berücksichtigt • Keine kritische Reflexion der Generalisierungsfähigkeit Allgemein scheint ihr pauschales Urteil über einen negativen Zusammen- hang nicht genug mit Daten belegt werden zu können Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? Nein; das generelle Urteil, dass die direkte Demokratie mehr schade als nütze wird weder reflektiert, noch hat es eine überzeugende empirische Grundlage; die Evidenz ist hierfür schlicht zu gering und zu wenig robust Weitere Bemerkungen: • Langzeit-Auswirkung berücksichtigt; z.B. mögliche Intervention durch Gerichte; ist sehr wichtiger Ge- danke, der bei späteren Studien oft vernachlässigt wird • Langzeitwirkung der Abstimmungsergebnisse wurde beachtet (z.B. ob sie von Gerichten revidiert wurden) Autor und Jahr: Donovan und Bowler 1998 Veröffentlichung via: American Journal of Political Science (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Theoretische Entwicklung, warum Grösse als Kon- textfaktor eine Rolle spielen sollte • Allgemein sehr kurz gefasste Theorie, keine vertieften Hintergrund Infos Relevante Begriffe und verwendete Defini- tionen werden nicht dargelegt • Arbeit kann nicht mit guter theoretischer Einbettung punkten b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Regressionsanalyse erscheint sinnvoll um Kontext- bedingung zu evaluieren Das Design kann den möglichen Einfluss der «Grösse» und «Heterogenität» erfassen • Die einleitende Kritik an Gamble’s Studie wird im eigenen counting-up-approach nicht wirk- lich angewendet; sondern faktisch der gleiche Ansatz gewählt; nur mit kleinerer Fallzahl (da nur auf State-level fokussiert) 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: Das sehr kurze Paper bietet kaum Einblick in die verwendeten Daten; sondern verweist lediglich auf zwei Bücher, die aus der Schweiz nicht zugänglich waren; was eine genaue Prüfung der un- tersuchten Fälle verunmöglicht. Durch die Veröffentlichung im Journal of Political Science und die demensprechenden Prüfungsverfahren, kann jedoch die Erfüllung minimaler wissenschaftli- cher Qualitätsstandards angenommen werden. Interne Validi- tät: Aufgrund des nur bruchstückhaften Zugangs zu den Daten kann hierzu keine verbindliche Aus- sage gemacht werden. Der Counting-up-approach hat jedoch diverse Mängel (unter anderem kleine Fallzahl), weshalb die interne Validität doch relativ eingeschränkt ist. 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena Counting up Ansatz: • 11 Fälle sind sehr wenige; Autoren behaupten das sei repräsentativ, was aber sehr schwer nachzuvollziehen ist • Zudem sind in diesen 11 Fällen nicht nur Gay-Rights sondern auch AIDS Initiativen inkludiert, die relativ häufig auf Bundesstaaten- Ebene zur Abstimmung standen (4 der 5 «Aids-Fälle» bei Gamble wa- ren solche State-measures in Kalifornien. Wenn diese Fälle in der Analyse von Donovan und Bowler berücksichtigt wurden, wäre ein Grossteil ihrer Untersuchung auf einen Bereich fokussiert, den Gamble explizit damit ausweist, dass sie dort keinen negativen Zusammenhang fand. • Die 11 Volksentscheide, von denen nur zwei den Outcome in eine ne- gative Richtung beeinflussten, könne nicht als handfeste Evidenz ge- gen Gambles Daten überzeugen Regression: • Die Resultate erscheinen auch für andere Minderheiten in den USA Geltung zu haben; Homosexuelle waren in der Untersuchungsperiode eine klare Outgroup; Problem könnte bei Aids-Vorlagen auftreten, da hier die Bürger oft auf Expertenrat hören und weniger von morali- schen Grundhaltungen geleitet werden (Gamble, 1997) Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Mit 11 Fällen wohl kaum möglich; aber wird auch nicht unbedingt be- ansprucht Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Genrelasierungsfähigkeit wird gut reflektiert; im Sinne einer ange- brachten Bescheidenheit • Es werden keine generellen Aussagen gemacht und Generalisierungs- fähigkeit wird reflektiert; was eine klare Stärke/Verbesserung, beson- ders im Vergleich zu Gambles Urteil darstellt • Die generellen Aussagen von Gamble werden zurecht als «zu pauscha- lisierend» kritisiert Autor und Jahr: Frey und Goette 1998 Veröffentlichung via: American Journal of Political Science (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Klare Definition der zentralen Variable «Civil- Rights» und entsprechende Fallauswahl • Keine Erklärung, warum die theoretischen Argumente für einen negativen Zusammen- hang keine Geltung haben; bzw. warum die direktdemokratische Arena gar einen positi- ven Effekt haben könnte • Kaum Bezug zu relevanter politikwissen- schaftlicher Forschung auf dem Gebiet b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Methodische Kopie von Gamble macht grundsätz- lich Sinn und kann teilweise auch überzeugen • Nicht ideal ist, dass nicht komplettes De- sign von Gamble übernommen wurde, son- dern Fokus auf «Anti-minority» Resultate lag • Untersuchte Minderheitenkategorien unter- scheidet sich auf verschiedene föderalen Stufen • Methodisches Vorgehen zielt nicht auf Ef- fekt der direkten Demokratie ab; sondern lediglich auf die Abstimmungsresultate bei minderheitenrelevanten Vorlagen 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Daten zu Bundeseben scheinen seriös erhoben worden zu sein, jedoch bleibt die Auswahl unbegründet und die Anzahl der berücksichtigten Vorlagen eher etwas knapp • Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Daten korrekt erhoben wurden Interne Validi- tät: • Das Design erlaubt Aussagen über die Frage, ob bei den untersuchten Fällen die Wahr- scheinlichkeit höher ist, dass eine minderheitenfeindliche Initiative angenommen wird im Vergleich zum durchschnittlichen Erfolg. • Evidenz für einen Effekt kann das Design jedoch nicht wirklich liefern, da der Fokus auf die «Prozentzahlen» hierfür nicht geeignet ist. • Verzerrungen sind bei den präsentierten Prozentzahlen z.B. aufgrund der Inklusion von sehr radikalen Initiativen möglich • die interne Validität in dem Sinne, dass der positive Outcome (in Form einer tiefen Erfolgs- rate von minderheitenfeindlichen Vorlagen) als Effekt der direkten Demokratie aufzufassen ist, ist nicht gegeben 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Repräsentativität der eidgenössischen Abstimmungen in Ordnung; jedoch ist Fokus auf nur drei Minderheitenkategorien eher etwas dürftig; fraglich ist, weshalb nicht gleich alle minderheitenrelevanten Abstimmungen einbe- zogen wurden; das wird auch überhaupt nicht reflektiert • Sehr problematisch ist Auswahl von Kanton und Stadt Zürich; welche wohl kaum die föderale und lokale Ebene der Schweiz repräsentieren kön- nen; besonders die Stadt Zürich als wirtschaftliches Zentrum mit globaler Ausstrahlung kann in keiner Weise als sinnvoll Auswahleinheit für die lo- kale Ebene angesehen werden • Zudem sind auf den beiden unteren Ebenen Jugend-Anliegen beinhaltet, was eher selten (bzw. nie) als minderheitenrelevant eingestuft wird von an- deren Forschern Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Zwei Kontextbedingungen werden gut reflektiert und nachgewiesen (1. Bei Abstimmungen zu Minderheiten, bei denen neben der Grundsatzfragen auch Verteilungsaspekte mitspielen, ist minderheitenfeindlicher Output zu erwarten; 2. Föderale Strukturen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines po- sitiven Outputs, da Minderheiten ihre Anliegen auf mehreren Ebene durch- setzen versuchen können); jedoch fehlt eine theoretische Einbettung hierzu • Da Ergebnisse besonders auf beiden unteren föderalen Ebenen nicht reprä- sentativ sind, erübrigt sich die Frage, ob diese auch z.B. ausserhalb der Schweiz Geltung haben • Auch kritisieren Vatter und Danaci (2010) den relativ kurzen Zeitraum der Untersuchung Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Externe Validität der eigenen Ergebnisse wird kaum reflektiert; aller- ding wird festgehalten, dass zusätzliche Evidenz nötig ist, um generel- lere Aussagen wagen zu können Weitere Bemerkungen: • Nicht überraschend, dass die Stadt Zürich als multikulturelles und globalagierendes Wirtschaftszentrum minderheitenfreundlich abstimmt -> Hinweis für Argumente wie internationales Umfeld etc. • Die eher repräsentativen Kantonsabstimmungen zeigen Evidenz für Gamble, was jedoch mit dem Faktor der «Verteilungsfrage» erklärt wird • Allgemein zielen Sie darauf ab zu zeigen, dass minderheitenfeindliche nicht öfters angenommen werden als anderen Vorlagen; was für das Sample durchaus nachgewiesen werden kann Autor und Jahr: Gerber und Hug 2002 Veröffentlichung via: Working Paper, University of Michigan 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Begriff «direct legislation» wird klar definiert • Herleitung der Relevanz des indirekten Effektes und der Berücksichtigung von Wählerpräferenzen und Diagnose, dass dies in bisheriger Forschung nicht berücksichtigt wurde • Theoretische Herleitung der untersuchten minderhei- tenrelevanten Politikbereiche • Klare Darstellung von Hypothesen und dem erwarte- ten Interaktionseffekt • Wirkungsmechanismen der einzelnen unab- hängigen Variablen nur am Rande erklärt • Kaum theoretische Erklärungsansätze, wes- halb DD zu anderem Outcome betreffend Minderheitenrechte kommen sollte als re- präsentative Arena • Darlegung von bisheriger Evidenz (theoretisch und empirisch), dass DD den Output näher zu Präferen- zen des Medianwählers verschiebt b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Regressionsanalyse kann indirekten Effekt miteinbeziehen, was grosse Stärke ist • Es können diverse mögliche Erklärungsfak- toren getestet werden • Interaktionseffekte werden berücksichtigt • Einbezug von diversen Kontrollvariablen • Schwächen der bisherigen drei Studien wer- den analysiert und in das eigene Design aufgenommen • Erfolg der Regression ist von sinnvoller Operationalisierung der Variablen abhängig, was teilweise relativ fehleranfällig sein kann • Regression bedingt gute theoretische Einbet- tung; nur so kann ein statistischer Zusam- menhang auch wirklich als robuste Evidenz gelten; was nicht immer gelingt • Kontrolle von Drittvariablen kann sehr schwierig sein 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Datenerhe- bung: • Transparentes Vorgehen und klare Darlegung der Operationalisierung der unab- hängigen Variablen • Verzerrungen durch vereinfachte Operationalisierung von Staaten mit und ohne DL (Direct Legislation) möglich; idealer wäre eine stärkere Abstufung, da nicht in allen Staaten mit DL, diese auch gleich intensiv benützt werden (berücksich- tigter Faktor «Kosten» der Lancierung der Volksabstimmung kann dem Problem etwas entgegenkommen) • Kosten für Initiative sind sicherlich noch von weiteren Faktoren abhängig und werden nur sehr grob mit der «Anzahl Unterschriften für Lancierung» erfasst • Messung der «Voter-Präferenzen» kann zu ökonomischen Fehlschluss führen; da keine Individualdaten zur Verfügung stehen Interne Validität: • Der Regressionsoutput weisst grundsätzlich nicht das nötige Signifikanzniveau auf, so dass von einem überzeugenden Nachweis eines Effektes gesprochen wer- den kann. • Abgesehen davon, wäre die interne Validität der Studienkonstruktion bis auf ein zwei mögliche Verzerrungen gegeben • wichtige Störvariablen und Interkorrelationen wurden beachtet • Jedoch bleiben einige mögliche Verzerrungen der Schätzer ungeachtet, z.B. ist nicht auszuschliessen, dass einige Schätzer auch die unabhängige Variable DL beeinflussen: Die Erklärungsvariable «Ideology» (liberale oder konservative Be- völkerung) könnte neben der Wirkung auf die abhängige Variable, auch mit der unabhängige Variabel (DL oder keine DL) korrelieren. Somit könnte nicht mehr von einem klaren Effekt der DD gesprochen werden 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: - Repräsentativität der einzel- nen Beobachtungen für die untersuchte Minderheiten- kategorie? - Repräsentativität der unter- suchten Minderheitenkate- gorie für Minderheiten all- gemein? ➔ Fragt nach Generalisierung auf andere Minderheiten und deren Rechte innerhalb der untersuchten Arena • Fokus auf gesellschaftlich unterrepräsentierte Gruppen wie: Sprach- minderheiten, rassische und ethnische Minderheiten, Frauen sowie Homosexuelle kann überzeugen und scheint dem Begriff der Min- derheit gut zu entsprechen • Diese Auswahl wurde zudem vertieft begründet und reflektiert • Der pragmatische Entscheid nur Vorlagen einzubeziehen, die sich als dichotome Variable ausdrücke lassen (vorhanden ja oder nein) ist sicherlich sinnvoll, aber bedeutet auch Informationsverlust • Minderheiten scheinen gut und breit abgedeckt zu sein • Auch Fallzahl ist mit 50 Beobachtungen pro Variable ausreichend Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc.) • Aufgrund der breiten und repräsentativen Fallauswahl könnte theo- retisch durchaus auch Evidenz für andere Gruppen gefunden werden • Allerding bilden die Daten nur den aktuellen Status Quo ab; Aussa- gen über andere Zeiträume sind dadurch schwierig • Schwierig ist zu beurteilen, ob die Untersuchung auch ausserhalb der USA von Relevanz ist • Was sicherlich unabhängig der vorliegenden Untersuchung von Nutzen ist, sind Erkenntnisse wie die Aussagen zur den Kontextfaktoren (Wählerpräferenzen), die methodischen Erneuerun- gen oder auch die Sensibilisierung für den indirekten Effekt Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? Generalisierungsfähigkeit wird explizit erwähnt und diskutiert; es wird angenommen, dass die Aussagen/Evidenzen auch für andere Berei- che/Kontexte gelten sollten; zugleich wird aber auch Möglichkeit eruiert, dass die gefundenen Effekte nur sehr spezifisch Geltung haben. Weitere Bemerkungen: Einige Spezifikationen zur Evidenz • Kontextfaktor der Kosten/Hürden für DD ist sehr zentral • Kontextfaktor liberal/konservative Bevölkerung für Effektrichtung entscheidend • Evidenz für DD (mit Interaktion liberal/konservativ) ist bei affirmative actions am grössten Autor und Jahr: Hajnal, Gerber und Louch 2002 Veröffentlichung via: The Journal of Politics (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Es wird aufgezeigt, dass für Minderheiten auch Vor- lagen, die nicht direkt «ihre» Rechte betreffen, grosse Auswirkungen haben können; teilweise gar grössere; z.B. im Bildungsbereich • Problematik erwähnt betreffend Schlussfolgerung, ob von einer Tyrannei der Mehrheit gesprochen wer- den kann, wenn eine «minderheitenfeindliche» Vor- lage angenommen wird; und zwar mithilfe von gros- sen Anteilen der betroffenen Minderheiten (Beispiel Prop. 227, wurde von fast 40% der Latinos unter- stützt) • Begründung für Untersuchung in Kalifornien wird dargelegt • Theoretische Erklärung; weshalb «weisse Mehrheit» nicht tyrannisiert • Keine Definition des Minderheitenbegriffes • Hypothesen und gefundene Effekte im All- gemeinen eher knapp mit Theorie unterlegt • wenig Bezug zur bisherigen theoretischen Debatte auf dem Gebiet b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Zielt auf ein «Gesamtbild» des Abschneidens von Minderheiten in direkter Demokratie • Neue Perspektive auf die Rolle von Minderheiten in DD • Priorisierung/Wichtigkeit der Vorlagen für Minder- heiten wird in einem Analyse-Schritt berücksichtigt • Der dreigeteilte Ansatz um die für Minderheiten re- levanten Vorlagen zu bestimmen kann in der Grund- idee überzeugen; da er insbesondere die subjektive Wahrnehmung der Minderheiten einbeziehen zu ver- sucht; sowie die Geschlossenheit innerhalb der Min- derheit betreffend den verschiedenen Fragen (-> Problem jedoch, siehe unter Punkten zur Qualität der Datenerhebung) • Sehr systematische Erörterung von allen minderhei- tenrelevanten Vorlagen durch Inhaltsanalyse • Die auf Individualdaten basierende Regression bildet eine gute Basis, um den Einfluss von bestimmten Merkmalen (wie Zugehörigkeit zu Minderheit) ver- zerrungsfrei zu schätzen • Kein wirklicher Vergleich mit repräsentati- ver Arena; sowie keine Berücksichtigung von indirekten Effekten • Durch viel breiteren Ansatz kann der Effekt auf explizite Minderheitenrechte nicht (o- der kaum) mehr gemessen werden • Abstimmungen zu Minderheitenrechten werden gleich behandelt wie alle anderen; das führt dazu, dass erstere praktisch irrele- vant werden; Problem: die konkreten Aus- wirkungen und Prioritäten der Minderhei- ten werden nicht berücksichtigt 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Die Beobachtungen aus den Wahltagsbefragungen scheinen zur Bestimmung der Präfe- renzen der Minderheiten angebracht zu sein (durchschnittliche 4145 befragte Personen pro Vorlage) -> diese Individualdaten sind wichtige Basis für die Validität der gesamten Untersuchung • Auch bestätigen Tests, dass die bei den Befragungen ausgedrückten Präferenzen sehr gut mit den Wahlergebnissen übereinstimmen (in 50 der 52 Fällen korrekte Schätzung der «winning-side») • Sehr transparentes Vorgehen Interne Validi- tät: • Pseudo-Bestimmtheitsmaß in erster Regression mit allen Propositionen sehr tief, zeigt, dass die Gruppenzugehörigkeiten den Outcome nicht wirklich gut schätzen/erklären kön- nen • Die Idee die Präferenz der Minderheiten einzubeziehen ist gut; die Operationalisierung mittels einer Befragung («What do you think is the most important public policy issue fa- cing California today») kann jedoch kritisiert werden; Die Frage fokussiert nicht darauf, was für die Minderheit persönlich am wichtigsten ist, sondern tendiert zu Bereichen, die alle betreffen; (Homosexuelle werden hier wohl kaum die Homo-Ehe angegeben haben, selbst wenn das Thema für sie persönlich sehr wichtig ist.) Es ist in der Natur der Sache, dass Minderheitenrechte nicht als «most important» für die Gesamtbevölkerung einge- stuft werden. 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Fokus auf «rassischen» Minderheitenbegriff; andere Gruppen wie z.B. Homosexuelle sind nicht inkludiert; weshalb es schwierig ist, die Re- sultate auf alle Minderheiten zu übertragen • Die Teilanalyse mit dem Fokus «minority-targeted» kann durch die umfassende Inhaltsanalyse beanspruchen, alle entsprechenden Vorla- gen einbezogen zu haben, jedoch ist die Fallzahl mit acht Vorlagen doch «relativ» gering; Die Befragungen lieferten zudem nur zu sechs dieser Vorlagen Infos zum Abstimmungsverhalten o Die Vorlagen fokussieren zudem vor allem auf Sprache im Sinne von «English-only ballots»; da aber nur ethnische Min- derheiten (vor allem Latinos) untersucht wurden, ist dies ok; da das Vorlagen sind, die sie sehr betreffen • Die Studie kann auch wichtige Aussagen über einzelne Fälle treffen (z.B. Proposition 209, 21 oder 187; welche alle klar zeigen, wie sich eine «weisse Mehrheit» über relativ geschlossene Interessen der Min- derheiten stellte Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Frage; wie repräsentativ kann ein Staat wie Kalifornien für die gesamte USA sein? Spätestens seit Ende der 90er ist der liberale Staat an der West- küste eine Hochburg der Demokraten (Lewis, 2011); was in Anbetracht der Erkenntnisse von Gerber und Hug (2002) eine Tendenz zu einem positiven Effekt erwarten lassen kann; dementsprechend kann es bereits problema- tisch sein, die Erkenntnisse auf andere Gliedstaaten zu übertragen • Die Untersuchung fokussiert zwar auf gut zwei Jahrzehnte; sollte aber nur mit grosser Vorsicht auf andere Zeitpunkte übertragen werden Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Ja, es wird klargestellt, dass trotz der Argumente, welche für die Repräsen- tativität von Kalifornien sprechen, keine verbindlichen und pauschalisie- renden Aussagen zu anderen Staaten gemacht werden können • Zudem werden wichtige Schwachstellen betrachtet/diskutiert: o Indirekter Effekt wird von Design nicht erfasst o auch Problem der «non-implementation» musste ignoriert werden (dieses Tatsache stellt sich allgemein sehr häufig) o Nichtberücksichtigung von «Non-Voters» • Allerding fehlt der direkte Bezug zu der Frage über die Minderheiten- rechte; und die Übertragung der Evidenzen auf diesen spezifischeren Kon- text Weitere Bemerkungen: • Finale Aussage; “Rather, our data suggest that whites and nonwhites agree much more regularly than they disagree. This is an important factor that should not be overlooked in discussions of race, ethnicity, and di- rect democracy.” -> mag durchaus stimmen; bezieht sich jedoch nicht explizit auf Minderheitenrechte Autor und Jahr: Linder 2003 Veröffentlichung via: Über Universität Bern zugängliche Lizentiatsarbeit; ein- gereicht bei Prof. Dr. Adrian Vatter an der Universität Bern 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Sehr umfangreiche theoretische Beschäftigung mit Minderheiten und direkter Demokratie sowie diver- sen weiteren Themen • Ausführliche und klare Bestimmung des Minderhei- tenbegriffes • Herleitung von klaren Hypothesen • Vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen, wichti- gen Studien auf dem Gebiet • Entscheidender theoretischer Rahmen wäre in Bezug auf die Leitfrage eine klare Dar- stellung der Wirkungsmechanismen und Erklärungsansätze, was viel zu kurz kommt • Theorie wirkt allgemein zu wenig «zielori- entiert» b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Transparentes und sehr detaillierter Beschrieb des methodischen Vorgehens • Kombination von Counting-up und Regressionsana- lyse • Grundidee der Methode ist passend • Berücksichtigung abgestufter Werte für Ausgestal- tung der direkten Demokratie • Berücksichtigung diverser Kontextbedingungen • Mitberücksichtigung indirekter Effekte • Das Design fokussiert eher auf allgemeinen Abschneiden von Minderheitenanliegen als auf tatsächlichen Effekt der direkten De- mokratie • Fokus auf Minderheitenschutz und nicht auf Einschränkung von Minderheitenrech- ten (selbstverständlich nur «Schwäche» im Sinne von Evidenz für diese Arbeit • Viele Nebenanalysen, die für Leitfrage nicht wirklich relevant sind • Keine Berücksichtigung von Qualitätsdi- mensionen der Einschränkungen und Min- derheitenpräferenzen 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Datenerhebung: • Berücksichtigung von Vorlagen ohne Effekt kann zu Verzerrungen führen o z.B. kategorisiert Linder Verwerfung einer Contra-Vorlage als positiv für Minderheitenschutz; Effekt im Sinne einer Veränderung ist jedoch nicht gegeben • Seht transparentes Vorgehen; Überprüfung der Datenerhebung und Kategorisie- rung war möglich • Problem bleibt jedoch in Bezug auf die Arbeit, dass nicht explizit der Effekt der Minderheitenrechte angesprochen wurde, sondern generell geschaut wurde, ob der Outcome pro oder contra für die Minderheit war • Linder fokussiert auf Minderheitenschutz und nicht Minderheitenrechte; Be- rechnung der Minderheitenschutzquote kann lediglich gewisse Hinweise liefern zur Minderheitenrechten • Kantonsverfassung als abhängige Variable problematisch; da sie in sehr versch. zeitlichen Kontexten entstanden und teils ihr ursprüngliches Fundament noch heute stark sichtbar ist, auch wenn sich die konkrete Gesetzgebung in der Zwi- schenzeit stark verändert hat und Minderheitenschutzartikel nicht immer in der kantonalen Verfassung geregelt sein müssen; zudem orientiert sie sich Linder hier nur an minderheitenfreundlichen Regelungen • Überzeugen können die interessanten und differenzierten Betrachtungsversuche der Ausgestaltung der direkten Demokratie anhand eines Indexes Interne Validität: o Regression (nur Bezug zu zentraler Forschungsfrage) o Allgemein kann die Berechnung der Minderheitenschutzquote als zentrale abhängige Variable in Bezug auf unseren Forschungszusammenhang nicht überzeugen; dies wirkt sich auf die Evidenzen in der deskriptiven, wie auch statistischen Analyse negativ aus o Die statistischen Analysen zu den Kantonsverfassungen ergaben überhaupt keine signifikanten Ergebnisse und blieben ohne grosse Aussagekraft o Auch die Regression mit Y=Minderheitenschutzquote blieb ohne signifikan- ten Output für die zentrale Frage des Effektes der DD Counting-up: o Bolliger (2007) zeigt, dass bei ausschliesslicher Berücksichtigung von Vorlagen, die einen Effekt hatten, der vermeintlich gefundenen Zusammenhang von Linder abge- schwächt wird o Trotzdem können einzelne Hinweise auf einen negativen Effekt durchaus überzeugen o Die Regressionsanalyse mit der Minderheitenschutzquote ist intern durchaus valide (Problem bleibt jedoch, dass die Schutzquote problembehaftet ist 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Sehr breites Verständnis von Minderheiten, auch Inklusion von Behin- derten, Frauen oder alten Personen. Kann aber zur Verwässerung der Resultate führen; dieser Ansatz von Linder ist wohl einiges zu breit • Minderheitengruppen sollten allerdings relativ gut repräsentiert sein im Sample; jedoch nur unter Annahme des sehr weiten Minderheiten- begriffs Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Aufgrund der Mängel in interner Validität und der fehlenden Aus- sagekraft (besonders der Regressionsanalyse) erübrigt sich hier die Frage; gewisse Hinweise, gerade in Bezug auf Erfolg von Sprachminderheiten und Behinderten in direkter Demokratie kön- nen aber durchaus von Relevanz sein; Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Wird nicht explizit reflektiert Weitere Bemerkungen: • Fazit: auf die zentralen Fragen dieser Arbeit können die Regressionsanalysen keine Antworten geben; der Counting-up-approach hingegen hält durchaus einige Hinweise für negativen Effekt bereit • So kann zumindest aufgezeigt werden, dass die Evidenz von Frey und Goette nicht repräsentativ für den Fall Schweiz zu sein scheint • Linder präsentiert zudem einige interessante Hinweise (als Nebenprodukt); z.B. in Bezug auf Erfolg von Sprachminderheiten und Behinderten in direkter Demokratie Autor und Jahr: Haider-Markel, Querze und Lindaman 2007 Veröffentlichung via: Political Research Quarterly (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • gelungene theoretische Abhandlung • intensive und kritische Auseinandersetzung mit dem empirischen Forschungsstand (wohl beste Aufarbei- tung dazu bis zu dem Zeitpunkt) • es werden sechs Kriterien präsentiert; die zukünftige Forschung auf dem Gebiet beachten sollten • Eigene empirische Evidenz wird versucht theoretisch zu erklären (z.B. warum Kontextfaktor Grösse seit Jahrtausendwende an Relevanz verloren haben könnte) • Wichtigste Wirkungsmechanismen erwähnt • Keine explizite Darstellung der Begriffe Minderheit und Minderheitenrechte • Auch keine vertiefte Befassung mit dem Begriff «direkte Demokratie» • Leiche Tendenz die beiden Arenen (reprä- sentative und direktdemokratische als Kon- terparte zu sehen) b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Stärken sowie Schwächen bisheriger Designs werden in eigene Methode berücksichtigt o Versuch eines Vergleichs mit repräsentativer Arena (auf Basis von Gambles Ansatz) o Mehr Kontrollvariablen bei Donovan/Bowler Replikation o Bei Replikation der Frey und Goette Studie: Be- rücksichtigung der Wähleranteile (nicht bloss dichotome Variable) • Durch Kombination verschiedener Methodenansätze kann die Robustheit der Ergebnisse gestärkt werden • Berücksichtigen quantitative wie auch qualitative Per- spektive • Kritische Auseinandersetzung mit dem Forschungsstand • Eigene Methode wird nicht allzu explizit ausge- führt • indirekter Effekt wird nicht berücksichtigt; kann eventuell gar zu Verfälschungen der Resultate führen (bei Counting-up) • expliziter Effekt der DD wird zu wenig berück- sichtigt 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: Vergleichender Counting-up: • Sehr umfassende Datensuche; mit über 3000 Bills (in repräsentativer Arena) • Problem könnte sein, dass Fallzahl in DD deutlich tiefer liegt (sind nur 143 state and lo- cal Initiatives); doch es ist klar, dass legislative viel grössere Anzahl von Geschäften be- handelt • Indirekter Effekt nicht berücksichtig, dieser kann bei Messung von repräsentativen Out- come in Staaten mit DD zu Verzerrungen führen Replikation der Regressionsanalyse • Sinnvolle Aktualisierung der Datensätze • Transparenz teilweise etwas schwach • Operationalisierung erscheint jedoch angemessen Interne Validi- tät: Counting-up: • Fokus auf reinen Pro- oder Anti-Gay Outcome bei Counting-up führt zu den bereits be- sprochenen Problemen; dass möglicherweise etwas als Effekt berücksichtigt wird; was gar strenggenommen keinen Effekt hat; z.B. Ablehnung einer Initiative; (unabhängige Wirkung der direkten Demokratie kann verzerrt werden) • Unter der Berücksichtigung dieser Problematik, können die erhaltenen Werte aber durch- aus gewisse Tendenz innerhalb der beiden Arenen aufzuzeigen Regression: • Der Einfluss der Variable «Jurisdiction Size» wird nach den gängigen Standards der Re- gressionsanalyse durchgeführt • Insbesondere die Berücksichtigung verschiedener Kontrollvariablen, sowie die Variation im Modelaufbau, deuten auf vertrauenswürdige Ergebnisse hin 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Die Homosexuellen und ihre Rechte scheinen durch die sehr umfas- sende Datensammlung sehr gut repräsentiert zu sein (Anspruch war es Daten «erschöpfend» zu generieren) • Kritischer sieht es bei der Frage aus, ob die Ergebnisse, welche allge- mein für die Minderheit von Schwulen und Lesben in USA Geltung beanspruchen können, auch auf andere Minderheiten übertragen wer- den können o Homosexuelle sind sehr spezifische Minderheitengruppe (die sich grundsätzlich z.B. nicht durch äussere Körpermerkmale von der Mehrheit unterscheiden) o Zudem ist die Gay Community heute nicht als Outgroup zu sehen, sondern wird eher als Ingroup angesehen (vrgl. Vatter 2011) Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Gay-Community erlebte spätestens seit der Jahrtausendwende ei- nen starken Zuwachs an gesellschaftlicher Akzeptanz (vor allem in westlicher Welt); deshalb könnten die Ergebnisse für die letzten 20 Jahre und vor allem für die Zukunft anders aussehen können Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Die Frage, ob die Ergebnisse auch für andere Minderheiten (ausser der untersuchten Homosexuellen beim Counting-up) angewendet werden können, wird kritisch reflektiert und es wird kein Anspruch der Gene- ralisierung getätigt Autor und Jahr: Bolliger 2007 Veröffentlichung in: Freitag and Wagschal, 2007; Kapitel 15 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Sehr gute und ausgewogene Theorie zur Wirkungs- mechanismen • Gelungener Fokus auch auf möglichen positiven Einfluss • Gute Darstellung der potenziellen Effekte unter Ein- bezug der Wählerpräferenzen • Forschungsstand wird passend aufgearbeitet; aller- dings keine kritische Reflexion der Validität • Erklärungsversuche für Heterogenität der Studiener- gebnisse • Klare Definition von Minderheit • Wirkungsmechanismen auf direkten Effekt beschränkt • Keine kritische Reflexion der Validität des Forschungsstandes • keine überzeugende theoretische Überlei- tung von der einleitenden generellen Frage zu dem sehr spezifischen Untersuchungsge- genstand b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Mitberücksichtigung des Abschneidens in repräsen- tativer Arena und Vergleich der beiden Arenen mög- lich • Abschneiden von Sprachminderheiten in einem brei- teren Kontext kann beurteilt werden • Methodenwahl und Forschungsfrage der Analyse scheint sich vom generellen Unter- suchungszusammenhang, wie er in Einlei- tung präsentiert wurde, relativ stark zu ent- fernen • Keine Berücksichtigung der Inhalte der Vorlagen • Keine Berücksichtigung von Prioritäten der Minderheitenanliegen • Indirekter Effekt nicht berücksichtigt • Methodisches Vorgehen eher knapp be- schrieben und reflektiert 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Die 525 Volksabstimmungen und 491 Parlamentsabstimmungen wurde korrekt erhoben • Allerdings hatten nur 137 Volksabstimmungen einen Effekt • Entscheidend für die Studie ist die Beurteilung, ob bei bestimmter Vorlage eine Sprach- gruppe minorisiert wurde oder nicht; die Regel hierzu wurden transparent gemacht und erscheinen zweckmässig • Stimmverhalten musste auf Basis von Bezirksdaten eruiert werden, was zu Verzerrungen führen kann Interne Validi- tät: • Das Design kann zwar Aussagen über die allgemeine Minorisierung von Sprachminder- heiten treffen und dabei die beiden Arenen vergleichen; Der Nachweis eines Effektes steht jedoch nicht im Zentrum der empirischen Analyse; insbesondere ein klarer Effekt der direkten Demokratie auf Anliegen der Sprachminderheiten kann nicht ausgewiesen werden • Vergleich der beiden Arenen kann problematisch sein aufgrund der verschiedenen Zeit- räume der Datensätze; für repräsentative Arena nur Daten ab 1996 berücksichtigt, wäh- rend bei Volksabstimmung Resultate seit 1874 berücksichtigt wurden 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Aussagen über das allgemeine Abschneiden der Sprachminderheiten in der Schweiz können mit der Studie getroffen werden • Nicht möglich erschient jedoch eine Übertragung der Evidenz auf an- dere Minderheiten, da Sprachminderheit sich doch sehr von anderen Minderheitengruppen (wie Ausländern) unterscheidet; Die Berück- sichtigung der Sprachminderheiten hat in der Schweiz eine lange Tradition und wird als sehr wichtig für den Zusammenhalt des Landes erachtet (Linder, 2012), weshalb die Befunde nicht sonderlich überra- schen hierzu Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Übertragung auf andere Länder kaum möglich und sinnvoll Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? Die benannten Probleme der Generalisierungsfähigkeit werden diskutiert und es wird explizit erwähnt, dass Pauschalurteile fehl am Platz seien Weitere Bemerkungen: • Fazit: Studie kann nicht wirklich gewichtige Evidenz für den allgemeinen Untersuchungszusammen- hang liefern. Das gesamte Design der Untersuchung kann kaum einen Bezug zur thematischen Debatte über den Effekt herstellen. Bolliger zeigt allerdings anhand der Sprachminderheiten in der Schweiz durchaus überzeugend auf, dass die direkte Demokratie nicht als pauschales Übel für Minderheiten gel- ten kann. Autor und Jahr: Danaci 2008 Veröffentlichung via: Paper für Jahreskongress Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaft - SVPW/ASSP 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Überzeugende und umfassende theoretische Darstel- lung der Wirkungsmechanismen • Sehr gute Reflexion des Begriffes «Effekt»: Klar- stellung der Optionen, die in unabhängigen bzw. in- tervenierenden Effekt der Variable DD resultieren • Theoretische Herleitung der Hypothesen • • keine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Minderheitenbegriff b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Breiter methodischer Ansatz: Counting-up, qualitative Betrachtungen und Regressionsanalyse • Insbesondere die Ergänzung der quantitativen Be- trachtungen mit qualitativen Untersuchungen der Fälle, erweist sich als wertvoll (so konnte beispiels- weise der Fall Freiburg 1986 relativiert werden in Aussagekraft) -> solch eine Untersuchung der konkre- ten Gründe für die Ablehnung der Fälle kann die Ro- bustheit der Counting-up Ergebnisse stärken • Eigener Anspruch, den Counting-up Ansatz verglei- chend mit repräsentativer Arena durchzuführen, ge- lingt in dem Sinne, dass betrachtet wird, wie die di- rekte Demokratie den Output der Parlamente verändert hat. • Regressionsanalyse berücksichtigt zwei Modelle; je einmal Eliten und einmal Stimmbürger im Fokus, was Vergleich ermöglicht; jedoch beinhaltet die Zielvari- able nicht zwingend einen Effekt • Kein indirekter Effekt berücksichtigt; aber wird reflektiert und auf Christmann verwie- sen • Counting-up-approach berücksichtigt die durchschnittliche Ablehnungsquote von Re- ferendumsvoralgen (über Vorlagen aus allen Bereichen gesehen) nicht; was zu falschen Schlüssen aus den Zahlen führen kann • Zudem: Counting-up, der nur auf Referenden zu Ausbauvorlagen fokussiert kann rein von der Konstruktion nur einen negativen oder keinen Effekt finden; positiver Effekt ist rein logisch in so einer Konstruktion ausgeschlos- sen; aber Problem war, dass keine Initiative den Auswahlkriterien entsprach 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Sehr transparente Fallauswahl der minderheitenrelevanten Vorlagen; vor allem die An- wendung eines klaren Auswahlkriteriums kann überzeugen und stärkt die Qualität der Datenerhebung und gewährt wichtige Einsicht in die Datenbasis. • Jedoch ist Kriterium sehr eng gefasst; deshalb auch «nur» 15 Vorlagen, auch wenn sehr breit auf kantonaler wie auch kommunaler Ebene gesucht wurde (in letzteren ohne Er- folgt) • Warum keine Abstimmungen auf Bundesebene berücksichtigt? Argument mit Kantons- hoheit in Religionsfragen kann nur bedingt überzeugen; keine saubere Begründung für diese doch relevante Einschränkung • Eigene (grobe) Recherchen auf kantonsebene bestätigten die Auswahl der 15 Fälle; auch wurde keine passende Initiativen gefunden • Für Regressionsanalyse: Kodierung der Elitenpräferenzen (Eliten Zustimmungsgrad) an- hand von Parteiparolen kann nicht überzeugen; (grosse Verzerrungen bspw. bei parteiin- ternen Uneinigkeiten; stark abweichenden Präferenzen innerhalb einer Partei) • Regressionsanalyse auf Basis von 15 Fällen an unterer Grenze • Argument, dass die Regression auf einer Vollerhebung basiere, hängt an Auswahlkrite- rium und der Qualität der Messung; es ist anzunehmen, dass zumindest gewissen Mess- fehler vorhanden sind, weshalb nicht allzu leichtfertig von Vollerhebung gesprochen werden sollte • Operationalisierung der Variablen für Regression ist sehr qualitativ und von diversen Unsicherheiten geprägt; grundsätzlich sollte es aber möglich gewesen sein, die Dummy- Variable zur Bestimmung der Betroffenheit einer Religionsgruppe korrekt zu kategori- sieren Interne Validi- tät: Counting-up: berücksichtigt genau nur die Fälle, die offensichtliche einen nachweisbaren kausa- len Effekt hatten (sagt aber wenig aus über qualitative Dimension des Effektes); die Folgerung, dass bei mindestens drei Fällen ein klar negativer Effekt durch die DD resultierte, ist jedoch intern valide. Anzuzweifeln sind dabei aber Äusserungen über einen allgemeinen negativen Effekt auf religiöse Minderheiten Die Qualitative Betrachtungen können sehr überzeugend den kausalen Effekt anhand einzelner Fälle nachweisen und zudem auch einen Einblick in Wirkungsmechanismen und Kontexte liefern. Die Regressionsanalyse ist eine interessante Ergänzung; ihr Output erscheint aber aufgrund diver- ser Probleme (Interkorrelationen, fehleranfällige Operationalisierung und Messung, geringe Fall- zahl etc.) nicht sehr robust; trotzdem kann damit die Tendenz aufgezeigt werden, dass «Out- groups» einen schweren Stand haben bei Volksabstimmungen 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • 15 untersuchte Vorlagen, alles Referenden auf Kantonsebene; nur Ausbauvorlagen; Fallzahl ist sicherlich an unterer Grenze; zwar wird Anspruch auf Vollerhebung gemacht, was aber angezweifelt werden kann • starker Fokus auf die grossen christlichen Konfessionen, deren Min- derheitenstatus zumindest heute angezweifelt werden kann; Für die ge- genwärtige Diskussion der Thematik zentrale religiöse Minderheiten (wie der Islam) sind klar untervertreten im Sample. • Evidenzen zu Islam können aber wohl durchaus auf Ausländer (sofern sie als Outgroups wahrgenommen werden) übertragen werden • Starke Abhängigkeit der Resultate von Kontexten, wie der gesell- schaftlichen Akzeptanz der betroffenen Religion zur Zeit der Abstim- mung, was Generalisierungsversuche erschwert Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Zeitliche Repräsentativität kann nicht wirklich überzeugen, besonders nicht für die Gegenwart; nur zwei der 15 Vorlagen waren von 1990 oder später (1990 und 2003) • Auch Aussagen über andere Kontexte (Länder; Politebenen etc.) kaum möglich Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? ➔ wird nicht explizit angesprochen; Die Generalisierung von Danaci: «Die Tatsache, dass deren vier vom Volk ab- gelehnt wurden, bedeutet, dass die Minderheiten in der direkten Demokratie weniger gut geschützt sind als in der parlamentarischen Arena.» scheint doch sehr vorschnell zu sein und bedürfte zumindest einer kritischen Reflexion; Da- naci kann klar etwas über den Effekt der DD aussagen in Zusammenhang mit den betrachteten Minderheiten; wie sich die repräsentative Arena jedoch allge- mein gegenüber Minderheiten verhält, kann nicht beantwortet werden. Autor und Jahr: Christmann 2011 Veröffentlichung via: Swiss Political Science Review (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Sauber Überleitung von Theorie zu Hypothesen (und sehr gute theoretische Untermauerung der Hypothe- sen) • Sehr gute Darlegung theoretischer Wirkungsmecha- nismen und Ansätze, weshalb sich repräsent. und di- rektdem. Arena in Bezug auf Minderheitenent- scheide unterscheiden • Berücksichtigung der Interaktion der Hypothesen und Aufstellung von Interaktionshypothesen • Allgemein werden alle Erkenntnisse der Analyse sehr gut in einen theoretischen Rahmen eingebettet und kritisch reflektiert • Die Logik/Wirkungsmechanismus hinter der indirekten Beeinflussung hätte noch et- was verstärkt ausgeführt werden können; z.B. unter Bezug der überzeugenden Arbeit von Gerber (1996); ansonsten kaum Schwachstellen in theoretischen Einbettung zu finden b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Erstmalig ausschliesslicher Fokus auf indi- rekten Effekt • gut begründete Wahl der Methode • QCA sehr geeignet zur Beantwortung der Hypothese • Vor allem Stark; da sie Kombinationen/In- teraktionen von verschiedenen Faktoren aufzeigen kann • «Ausreisser» werden explizit analysiert • Qualitative Beobachtungen können berück- sichtigt werden Einschränkungen in Bezug auf Evidenz für den Un- tersuchungszusammenhang dieser Arbeit: • Direkter Effekt wird nicht berück- sichtigt • Kein Vergleich mit rein repräsen- tativer Arena -> würde hier Volks- wille eventuell auch debattiert und antizipiert um z.B. Widerwahl zu gewährleisten? 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Datenerhebung: • Sehr genaue Prüfung und Untersuchung der ausgewählten Fälle • Verzerrung bei Erstellung der Fuzzy-Werte können nicht ganz ausgeschlossen werden • Fokus auf diskursive Faktoren in Bezug auf die zentrale Messung des Ausmas- ses der Debatte über die Volksrechte ist wohl sinnvoller Weg, um den sehr schwer messbaren Faktor zu erfassen, inwieweit die Volksrechte die Entscheide indirekt beeinflussten o Problem; keine Berücksichtigung von informellen Debatten oder still- schweigenden Bedenken über mögliche Volksabstimmung (somit könnte dieser Faktor eher zu tief «gemessen» worden sein o Auch wird nur anhand der letzten Debatte gemessen, was nicht begrün- det wird • Äusserst transparentes Vorgehen • Messung der weiteren Faktoren scheint sehr valide; wenn auch mit kleinen Ab- strichen bei Faktor Islam-Debatte, da hier ebenfalls auf rein diskursive Ele- mente in der Form von Wortmeldungen zurückgegriffen werden musste • Konzeptualisierung der abhängige Variable anhand des sechsstufigen Indexes kann überzeugen Interne Validität: • Im Rahmen einer QCA ist von hinreichenden und notwendigen Bedingungen zu sprechen (hier Urteil anhand Konsistenz und Abdeckungsgrad) • Die Abwesenheit der Debatte über die Volksrechte hat mit einem Konsistenz- wert von 0.92 überzeugend als notwendige Bedingung für liberale Anerken- nungsregelungen ausgewiesen werden können; auch wenn zwei der vier Fällen (mit den höchsten Werten für die abhängige Variable) keine komplette Abwe- senheit der Debatte auswiesen können • Gesamtabdeckungswerte sind eher gering; somit keine vollständige Erklärung des Outcomes möglich -> wird von Christmann aber reflektiert 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Fokus auf einen sehr spezifischen Outcome (Anerkennung religiöser Gemeinschaften) • Wie gut repräsentieren diese Beobachtungen die religiösen Minderhei- ten der Schweiz; sowie die Minderheiten allgemein? • Ist schwierig zu beurteilen; es handelt sich grundsätzlich um Vorlagen, die die Möglichkeit der Anerkennung von Religionsgemeinschaften thematisieren. Solche Themen werden in den letzten 20 Jahren of mit dem Islam verbunden; weshalb ein enger Bezug zur Migrationsthema- tik und Ausländerpolitik anzunehmen ist • Wenn das Parlament denkt, die Bevölkerung sei kritischer eingestellt gegenüber dem Islam, wird das zu negativem Effekt führen; diese Lo- gik sollte auch für andere «Outgroup»-Minderheiten gelten, wie Aus- länder oder auch Straftäter. Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Die Schweizer Politik orientiert sich sehr stark an der direkten De- mokratie; das antizipieren der Bürgermeinung gehört zu täglichen Geschäft der Politikerinnen. Der Effekt wird wohl kaum in den Ausmassen in einem anderen Land auf Ebene der Nationalstaaten auftreten; in der USA ist ein ähnlicher Effekt auf regionaler und lokaler Ebene zu erwarten (besonders in Staaten mit ausgebauter DD wie Kalifornien) Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Es werden keine Aussagen betreffend der Wirkung in anderen Kontexten ausserhalb der Schweiz gemacht. • Die Möglichkeit der Generalisierungsfähigkeit auf andere Minder- heitenbereiche in der Schweiz hätte durchaus angesprochen wer- den können • Implizit wird der Anspruch erhoben, dass der gefundenen indi- rekte Effekt der DD grundsätzlich die Parlamente der Schweiz be- einflusst, was sicherlich anzunehmen ist Weitere Bemerkungen: • Überzeugende Darlegung; weshalb liberale Anerkennungsregelungen im Rahmen von Totalrevisionen grös- sere Chancen haben -> ist neuer Kontextfaktor («bundling von Vorlagen kann Minderheitenanliegen zu ei- ner Nebensache machen und dadurch Annahme der Ausbauvorlage erhöhen); zeigt, wie das Parlament durch solche «Tricks» versuchen kann, einen gewünschten Outcome trotz ablehnender Haltung in der Be- völkerung durchzusetzen Autor und Jahr: Redfield-Ortiz 2011 Veröffentlichung via: Arizona State Law Journal (student-edited law review) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Überzeugende theoretische Einleitung in Thematik • Intensive Beschäftigung mit Unterschieden der di- rektdem. und repräs. Arena; klare Darstellung von Wirkungsmechanismen • Intensive Auseinandersetzung mit Studie von Gamble • Wichtigkeit der «Gay-Rights» im amerikanischen Kontext der Diskussion um die direkte Demokratie herausgestrichen • Betonung der Wichtigkeit des Vergleichs mit der re- präsentativen Arena • Übergang von einleitenden Betrachtungen des Effektes (der DD auf Minderheiten all- gemein) hin zum spezifischen Untersu- chungsgegenstand von Gay-Rights nicht ganz überzeugend b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Intensive qualitative Auseinandersetzung mit einzel- nen Fällen und Berücksichtigung der zeitlichen Kontexte • Berücksichtigt Stimmverhalten • Outcome wird auf Pro und Contra hin unter- sucht, was zu Problem führt, dass etwas als Pro oder Anti Minderheit ausgewiesen wird, was gar keinen eigentlichen Effekt hatte • Einbezug der Wählerpräferenzen • Stark deskriptive Analyse und nicht übersichtli- che Präsentation der Ergebnisse ( erfüllt in die- sem Sinne Inklusionskrit • Etwas zu wenig berücksichtigt wurde Tatsache, dass DD ein komplementäres Element der re- präsentativen Arena darstellt 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Grosser Teil der Daten von Publikationen von Haider-Markel, der sich sehr lange mit Gay-Rights in USA auseinandersetzte • Sehr transparente Auflistung der Beobachtungen und der entsprechenden Kodierung Interne Validi- tät: • Nachweis von Effekt kann und wird nicht beansprucht; allerdings können Hinweise gelie- fert werden, wie Gay-Rights in den beiden Arenen abschneiden • Durch die qualitative Analyse einzelner Fälle kann relativ überzeugend aufgezeigt wer- den, wie direktdem. Instrumente die «Gayrights» beschnitten haben • Durch diese Beschäftigung mit einzelnen Fällen wird interne Validität gesteigert 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Gay-rights können gut repräsentiert werden; sehr umfassende Daten- sammlung in diesem Gebiet • Aussagen über andere Minderheiten können nicht gemacht werden Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Schwankungen in der Wahrnehmung der LGBT-Community wurden aufgezeigt; weshalb anzunehmen ist, dass der zeitliche Kontext zu be- achten ist und keine allg. Aussagen gewagt werden sollten • Eine Übertragung der Evidenz auf z.B. Europa ist problematisch, da Europa grundsätzlich gegenüber LGBT’s als liberaler angesehen wird, könnten die Ergebnisse dort anders aussehen Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? Nein, ist aber auch nicht Anspruch der Arbeit Weitere Bemerkungen: • Fazit der Autorin: "It is clear that not only do legislatures serve as far better protectors of minority rights, but also that direct democracy is used almost exclusively as a tool of those who wish to restrain minority rights." • Befunde sind für Rechte von Homosexuellen aussagekräftig; allerdings kann ein kausaler Effekt der DD nicht überzeugend mit dem Design «gemessen» werden • Weiter ist zu bemerken, dass es sich hierbei um eine Studie aus der Perspektive der Rechtswissenschaft han- delt Autor und Jahr: Vatter und Danaci 2011 Veröffentlichung via: “Vom Schächt- zum Minaretverbot – Religiöse Minder- heiten in der direkten Demokratie», 2011, Adrian Vatter (Hrsg.) Kapitel basiert auf Artikel aus dem Jahr 2010, veröffent- licht in der Politischen Vierteljahresschrift; 51(2) (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Sehr gute theoretische Einbettung • Von bisherigen Studien, die umfassendste Darlegung verschiedener theoretischer Ansätze zur Erklärung des Effektes (outstanding) • Gute Aufarbeitung des Forschungsstandes; auch Einbezug von eher «indirekter» Evidenz • Klare Darstellung von direkten und indirekten Effek- ten; sowie Volksabstimmungen ohne Effekte (z.B. abgelehnte Initiative) • Minderheitenbegriff der Studie klar definiert • Theoretische Herleitung der Rolle von Kontextfakto- ren • Herleitung der Hypothesen zwei Details: o Bei Kategorisierung der Minderheiten in Out- und Ingroups wurden Frauen als stär- kere Fremdgruppe kategorisiert als bei- spielsweise Homosexuelle; was nicht ganz zu überzeugen scheint; ansonsten ist die Grobeinteilung gut nachvollziehbar o Aus S. 227 wird bei der Beschreibung der Kategorien die Gruppe der Frauen «verges- sen», was den Leser etwas verwirren kann auf den ersten Blick b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Umfassendes Design; welches direkte und indirekte Effekte, sowie Kontextfaktoren adressiert (jedoch keine Primäruntersuchung zu indirektem Effekt) • Sehr gelungene Übersetzung der diagnostizierten Forschungslücken in das eigene Forschungsdesign • Effekt auf den repräsentativen Output als zentraler Fokus • Simpler aber korrekt angewendeter Counting-up-ap- proach; • Darstellung in Kreuztabellen als sehr gewinnbrin- gende Ergänzung des reinen «Counting-up» Einige Punkte, die nicht ganz ideal sind: • Die Analyse zum indirekten Effekt wird in Einleitung relativ prominent erwähnt; die Se- kundäranalyse der Studien dazu ist dann aller- ding eher oberflächlich (und es wird nicht wie angekündigt ein vertiefter internationaler Ver- gleich geliefert) • Indirekter Effekt wird nicht mittels einer Pri- märanalyse untersucht • Kein direkter Vergleich mit einer rein reprä- sentativen Arena (je nach Argumentation aber auch nicht nötig) • Gemessene Veränderung der direkten Demo- kratie scheint nicht zu berücksichtigen; dass gewisse Checks and Balances auch bei Volks- abstimmungen wirken; z.B. abgeschwächte Umsetzung durch das Parlament 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Die umfassende und intensive Datensuche scheint im Allgemeinen solide Ergebnisse er- zielt zu haben, auch wenn eine umfassende Überprüfung der Datensätze nicht möglich ist • So kann Kategorisierung nicht überprüft werden (hierfür wäre komplette Replikation des Studienteils nötig); aber durch die Beurteilung durch mehrere Forscher, sollte eine ob- jektive Einschätzung des tatsächlichen Effektes der einzelnen Vorlagen gewährleistet sein; auch wenn hier Verzerrungen nicht ganz klar ausgeschlossen werden können • Auch die Frage, ob tatsächlich alle minderheitenrelevanten Abstimmungen berücksich- tigt wurden, ist schwierig zu beantworten. Auch wenn eine perfekte Vollerhebung kaum möglich scheint, so ist zumindest anzunehmen, dass die gefundene Fälle alle minderhei- tenrelevant sind und in hohem Masse repräsentativ sein sollten Interne Validi- tät: • Counting-up: Die Veränderung des Policy-outputs kann bei den untersuchten Abstimmungen ein- deutig mit der direkten Demokratie in Verbindung gebracht werden. Die Resultate des Counting-up können so den direkten Effekt «sichtbar machen». Nicht mit Sicher- heit kann jedoch daraus auf einen klar «unabhängigen Effekt» geschlossen werden. Wie von Danaci (2008) argumentiert, kann bei Effekten, die von unterschiedlichen Präferenzen herrühren, ganz präzise nicht von einem unabhängigen, sondern von ei- nem intervenierenden Effekt der direkten Demokratie gesprochen werden, da die Veränderung nicht direkt auf die Institution der direkten Demokratie zurückzuführen ist. • Regressionsanalyse: Die Standardfehler und Pseudo R^2 weisen auf robuste Ergeb- nisse • Weiter sprechen auch der breite Einsatz von Kontrollvariablen, die Berücksichtigung von räumlichen Cluster und Interkorrelationen sowie die Erstellung verschiedener Modelle, für durchaus robuste Ergebnisse • Ein ökonomischer Fehlschluss wird verhindert, indem keine Individualmerkmale der Stimmbürger als Variablen berücksichtigt wurde; Problematisch könnte hierbei z.B. sein, wenn von einem Einfluss der Variable «Bildungsgrad» oder «Arbeitslosigkeit» auf das Abstimmungsverhalten von Individuen zu schliessen; was aber von den Au- toren auch nicht gemacht wird 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Die 193 Vorlagen scheinen sehr nahe an einer Vollerhebung zu sein; ein hohes Mass an Repräsentativität für versch. Minderheitengruppen der Schweiz ist anzunehmen • Zur hohen Repräsentativität trägt auch die breite, aber sehr klar formu- lierte, Definition von Minderheitengruppen bei. • Zuteilung zu In- und Outgroups war heuristisch. Tatsache, dass bei- spielsweise Frauen als stärkere «Fremdgruppe» eingeteilt wurden als Homosexuelle, kann hinterfragt werden. Ist allerdings für finale Er- gebnisse der Studie nicht von grosser Bedeutung Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Sehr umfassende Zeitspanne (40 Jahre) berücksichtigt, was Ver- zerrungen durch «zeitliche» Kontextfaktoren verringert • Wichtige Erkenntnis der Autoren ist, dass die Effekte stark von Kontexten abhängt; was bei Generalisierungsversuchen zu be- rücksichtigen ist und diese stark einschränkt. Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? Nein, eine explizite Diskussion der Generalisierungsfähigkeit findet nicht statt. Generelle Aussagen auf Basis ihrer Resultate werden jedoch auch sehr vorsichtig geäussert. Weitere Bemerkungen: • Qualitative Unterscheidung des Effektes von Annahme einer Abbauvorlage und Ablehnung einer Aus- bauvorlage; was überzeugt • Effekt auf Minderheiten wird nicht explizit auf Minderheitenrechte angewendet. Entscheidend war, ob bei der Vorlage Minderheitenanliegen im Zentrum standen; eine Analyse, die einen engeren Fokus wählt, und stärker auf «Grundrechte» Bezug nehmen würde, hätte zu anderen Resultaten kommen kön- nen und hätte sicherlich weniger Vorlagen berücksichtigt. Autor und Jahr: Lewis 2013 Veröffentlichung via: The Routledge series Controversies in Electoral Democ- racy and Representation 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Breite und korrekte theoretische Abhandlung zur Thema- tik • Zentrale Begriffe sauber entwickelt • Minderheitenbegriff erscheint sinnvoll entwickelt zu werden; zudem sehr gut ist, dass explizit auch betrachtet wird, was «Recht» in diesem Zusammenhang meint. o Minderheitenbegriff: Gruppen, die sich sozialer, politischer oder ökonomischer Diskriminierung ausgesetzt sehen • Indirekte und direkte Effekte werden sehr anschaulich präsentiert • Ausführungen zu wichtigen Kontextbedingun- gen etwas zu kurz • Forschungsstand fast ausschliesslich auf USA fokussiert; gäbe aber gerade aus der Schweiz von Vatter, Danaci und Co. relevante Forschung • Keine kritische Auseinandersetzung mit bisheri- gem Forschungsstand; z.B. bei Zitierung der Studie von Frey und Goette • Kaum positive Erklärungsansätze präsentiert • Keine konkreten Hypothesen hergeleitet; beson- ders in Bezug auf bestimmte Kontextfaktoren • Viele Hintergrundinfos zu Status Quo und hist. Entwick- lung der direkten Demokratie in den Bundesstaaten • Theoretische Einbettung gefundener statistischer Zusam- menhänge • Unterscheidung eines tyrannischen Effektes der DD von einem allgemeinen Effekt der Mehrheitsdemokratie; letz- tere kann auf Basis von Wählerpräferenzen einen negati- ven Outcome erklären, wobei die direkte Demokratie bloss einen «Interaktionseffekt» hat; Im Schlussteil wird diese Unterscheidung zwischen unabhängigen und ab- hängigen Effekt diskutiert b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Überzeugender Methoden-Mix • Qualitative und quantitative Auswertungen und an- schliessende zusammenfassende Diskussionen • Counting-up-Approach sowie Regressions-Analysen • Verbindung der einzelnen Evidenzen zu einem grös- seren Ganzen • Cox-Regressionen (Event History Analyse) berück- sichtigen eine zeitliche Komponente; so können be- dingte Wahrscheinlichkeiten geschätzt werden; so- mit nicht bloss von bereits eingetroffenen Ereignissen abhängig; verhindert Problem der rechtszensierten Daten • Keine explizite Begründung der jeweiligen Methodenwahl • Keine (überblicksmässige) Einführung in das methodische Vorgehen • Bei Cox-Modell: zeitliche Variation der Hazardraten muss ausgeschlossen werden können; Nicht-Erfüllung der Proportionali- tätsannahme kann die Analyse stark verzer- ren • Die Regressionen berücksichtigen nicht, wenn ein Policy-Entscheid später rückgän- gig gemacht oder revidiert wurde 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Daten von 49 Staaten (Zeitpanne 1980 bis 2008) wurden transparent und systematisch er- hoben • Zentrale unabhängige Variable direkte Demokratie wird in zwei Varianten operationali- siert; einmal als dichotome Variable und die zweite Version, welche Abstufungen berück- sichtigt; Eigener Index für DD «Impact» wird hierbei erstellt und als Mass für abgestufte Variable verwendet, was sehr überzeugen kann • Diverse Kovariablen berücksichtigt; auch theoretisch begründet • Die Fallauswahl ist grundsätzlich als zweckmässig einzustufen, auch wenn genaue Aussa- gen über die einzelnen Erhebungen nicht gemacht werden können Interne Validi- tät: • Block 1: robuste und signifikante Ergebnisse können überzeugend dargelegt werden; so- wohl mittels Counting-up, wie auch mit Cox-Regression; allerdings bei English only laws und Affirmative Action sind gewisse Schwachstellen auszumachen (in Bezug auf Regres- sionsoutput); so ist die Erklärungskraft der Modelle hier deutlich geringer; insbesondere Fallzahl bei Affirmative Action ist für Regression zu klein (nur 8 Fälle); • Block 2; interne Validität ist dank den diversen Kontrollvariablen grundsätzlich gegeben; Probleme können jedoch bei Operationalisierung der Kontrollvariablen nicht ausge- schlossen werden; insbesondere bei Werte wie «Ideologie» • Block 3: der deskriptive Counting-up Teil kann hier nicht wirklich überzeugen; Fallzahl hier ist zu klein und Variation zu gross; Fokus liegt aber auf Messungen der Cox-Regres- sion; diese liefert trotz bestmöglicher Kontrolle der Rahmenbedingungen keine signifi- kanten Ergebnisse; Fallzahl allgemein bei den drei untersuchten Policies wohl zu klein Allg. Betrachtung interne Validität: • Bei allen Cox-Regressionen wird Proportionalitätsannahme überprüft und grundsätzlich erfüllt • Grosse Stärke zeigt sich im Methoden-Mix; durch Ergänzung mit qualitativen Betrach- tungen wird interne Validität gestärkt; da es helfen kann aufzuzeigen, dass der statistische Zusammenhang wohl tatsächlich als kausaler Effekt verstanden werden kann (Beweis durch Analyse der einzelnen Fälle) 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • die ausgewählten Fälle sind für die im Fokus stehende Policy jeweils repräsentativ; bzw. werden erschöpfend erfasst • allerdings ist der Auswahlbereich der konkreten Vorlagen eher klein und somit die Repräsentativität der untersuchten Vorlagen für die allg. Untersuchung zu Minderheitenrechte relativ eingeschränkt: o grundsätzlich: Fokus auf ethnische, sprachliche Randgruppen sowie Homosexuelle o Fokus auf eine relativ kleine Anzahl von konkreten Anti- Minderheiten Policies, was der Repräsentativität für allg. Minderheitenanliegen schadet o Zudem spielen Affirmative Action eine prominente Rolle; be- ruht jedoch auf einer eher weit gefassten Auffassung von Minderheitenrechten; da hier «bloss» Art Sonderrechte einge- schränkt werden o Gender, Behinderte, Straftäter etc. die ebenfalls dem Minder- heitenbegriff entsprechen würden; wurden nicht in Analyse berücksichtigt; warum z.B. Frauen nicht dabei? Hätte vertieft reflektiert werden sollen Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) o Klare Beschränkung auf USA; allgemeine Aussagen aus- serhalb dieses Kontextes sind kaum überzeugend o Zeitliche Dimension; Cox-Regression ist hier sicherlich im Vorteil gegenüber klassischer Regression; allerdings kann die Evidenz nur auf Zeiten übertragen werden, welche Proportio- nalitätsannahme nicht verletzen Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? o Im Schlussteil wird Bezug zu Schweiz gewagt; Aussagen ausserhalb der USA werden jedoch grundsätzlich nicht gemacht; Lewis verweist insbe- sondere auf die institutionellen Kontexte, welche entscheidend seien und sich von Land zu Land unterscheiden können. Weitere Bemerkungen: • Langjährige und intensive Forschung; diverse Analysen werden in einer Publikation verpackt und sehr guter Überblick gewährt • Widerspricht Hajnal, Gerber und Louch, die für Evidenz sämtliche Vorlagen einbeziehen; sondern folgt e- her dem Ansatz von Haider-Markel et al. und fokussiert nur auf Vorlagen, die auch wirklich Minderheiten- rechte betreffen • In Konklusion wird die Rolle der Wählerpräferenz genauer analysiert; und die Rolle der direkten Demokra- tie beim Effekt auf Minderheitenrechte wird etwas relativiert • Lewis schliesst aus den Ergebnissen, dass Vorlagen, die für eine breite Gruppe von Minderheiten sprechen, durch DD positiv beeinflusst werden können; hingegen haben sehr spezifische (auf einzelne Minderheiten- gruppen beschränkte) Ausbauvorlagen einen schwereren Stand aufgrund der DD Autor und Jahr: Hainmueller und Hangartner 2015 Veröffentlichung via: American Journal of Political Science (Peer Reviewed); Forthcoming. 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns a) Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Theoretische Erklärungsversuche des Regressionsout- puts • Theoretische Herleitung von diversen Kontextfaktoren sowie Kontrollvariablen etc. zur Stärkung der Robust- heit der Regression • Schwächen in bisheriger Forschung werden eruiert (wenn auch nicht sehr ausführlich und nicht immer berechtigt) und versucht mit dem eigenem Design zu beheben • «legal accountability» kann als theoretischer Wir- kungsmechanismus überzeugen; und wird auch mit ei- gener Regressionsanalyse (p.21) empirisch getestet; • Kaum Erläuterungen/Reflexion, wie genau der Untersuchungsgegenstand für die allge- meine Debatte zur direkten Demokratie einen Beitrag leisten kann (erst im Schlussteil im Rahmen der Generalisierungsfähigkeit • Keine theoretisch hergeleiteten Hypothesen • Theorie nur nach Analyse in Form von Erklä- rungsversuchen des Zusammenhangs • Wirkungsmechanismen stark (bzw. fast aus- schliesslich) von eigener Evidenz in ihren Stu- dien abhängig -> Keine wirklich unabhängige, theoretische Erklärungsansätze; jedoch ist der alleinige Fokus auf diesen Ansatz nicht überzeugend • Zu schnelle Abschreibung möglicher Erklä- rungsfaktoren: So wird beispielsweise die Tat- sache, dass die SVP Sitzanteile in den Ge- meinderäten in etwa dem Wähleranteil der SVP entspricht, als Evidenz aufgeführt, dass die Erklärung der versch. Präferenzen nicht entscheiden seien (später wird dieses Argu- ment zwar noch etwas spezifiziert getestet) • Die dabei gemachte Annahme, dass die Präfe- renz der Medianwähler grob den Präferenzen der Repräsentanten entspräche, ist nicht kon- sistent mit gegenwärtigen politikwissenschaft- lichen Erkenntnissen (z.B. jene von Gerber 199), besonders in minderheitenrelevanten Fragen • Viele der Theorieansätze werden auf Basis von Befragungen der «Gemeindeverwaltung» (37 Interviewpartner) bestätigt oder verwor- fen, was nicht wirklich überzeugen kann • Allgemein wird zu wenig berücksichtigt, dass einzelne theoretische Erklärungen als Kombi- nation zu erwarten sind und keine alternativen Modelle darstellen • Verständnis von «Direct vs. Representative Democracy» wird vermittelt, was problema- tisch ist und nicht Realität entspricht b) Methodenwahl Stärken Schwächen • Anspruch: natürliches Experiment; (Bedarf einen Unter- suchungsgegenstand mit Wechsel bei der unabhängigen Variable «Direkte Demokratie» (durch exogenen Faktor ausgelöst) innerhalb sonst gleicher Kontexte oder ver- gleichbare Fälle, die sich nur in der unabhängigen Vari- able unterscheiden) • Einbürgerungsverfahren durchlief tatsächlich solch einen Wechsel (sehr ideale Voraussetzungen) • Fokussiert auf exogene «over-time» Variation in direk- ter Demokratie (als Einbürgerungsverfahren) • -> quasi-experimentelle Bedingungen können durch das Forschungsdesign gewährleistet werden • Die «natürlichen» Gegebenheiten werden überzeugend in das Forschungsdesign übersetzt. • Regressions-Diskontinuitäts-Analyse ist richtige Wahl auf Basis der Datenlage und der Umstände • Das Design kann die Arena der direkten Demokratie mit der repräsentativen Entscheidungsfindung vergleichen und erlaubt Placebo-Tests/ Kontrollgruppen • Dadurch sehr hohe interne Validität der Ergebnisse zu erwarten • Methode kann nicht direkt auf die in Titel und Abstract prominent präsentierte Frage des Ef- fektes der direkten Demokratie auf Minder- heiten Bezug nehmen • Einbürgerungsprozess ist sehr individuell und unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von re- gulären Prozessen der Gesetzgebung • Interne Validität sehr stark; aber klare Einbus- sen in externer Validität, vor allem im Rah- men der allg. Frage des Effektes der direkten Demokratie auf Minderheitenrechte zu erwar- ten • Titel und Abstract korrespondieren somit nicht wirklich mit dem tatsächlichen Inhalt der Studie 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Methodisch sehr gut; extrem ausführliche Erläuterungen über mögliche Verzerrung und Reflexion zur Robustheit • Für diverse potenziell Verzerrungen wurde kontrolliert • Placebo-Tests; Inklusion von zeitabhängigen Kovariablen • Diverse Spezifizierungen des Regressionsmodels können Robustheit der Ergebnisse stär- ken • Auch zeitlich bedingte Störfaktoren berücksichtigt (beispielsweise Zustimmungsrate der Stimmbürger zur SVP; Indikator für xenophobe Präferenzen) • Die erleichterte Einbürgerung kann als Placebo-Test Gruppe überzeugen; hier konnte keine Veränderung in der Zeit des Wechsels gefunden werden, was die DD als Erklä- rungsfaktor stärkt • genügend hohe Anzahl Beobachtungen Interne Validi- tät: Ja. Die interne Validität erscheint ausgesprochen hoch. Die Autoren kontrollieren für diverse Stör- faktoren und eliminieren eine grosse Bandbreite an potenziellen Verzerrungen; vergleiche Ausfüh- rungen unter a. Interne Validität wird auch durch Erstellung von «Sub-Samples» überprüft. Die Befunde können somit klar auf die Veränderung des direktdemokratischen Entscheidungsver- fahren angewendet werden. 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Generalisie- rung auf andere Minder- heiten und deren Rechte innerhalb der untersuch- ten Arena • Die Fälle sind für das Einbürgerungsverfahren in der Schweiz äusserst repräsentativ • Fokus auf AusländerInnen, die sich als Individuum bei Einbürgerungs- verfahren einer bestimmenden Mehrheit gegenübersehen. -> sehr spe- zifische Untersuchungseinheit • zentrale Frage für diese Arbeit ist, ob damit Aussagen über andere Minderheitengruppen und andere Politikbereiche gemacht werden können. • Die Studie behauptet dies in gewissen Massen, was aber nur schwer nachvollziehbar ist • Einbürgerungspraxis folgt sehr eigenen Wirkungsmechanismen, wes- halb Aussagen über generelle politische Entscheidungsverfahren nicht wirklich überzeugen können • Aussagen über andere Minderheiten; z.B. Homosexuelle oder Frauen sind nicht möglich oder nur sehr eingeschränkt; • Auch der Bezug zu expliziten Rechten von Minderheiten ist nicht ge- geben • Deshalb können die Ergebnisse wohl kaum als Evidenz für einen ne- gativen Effekt auf Minderheiten als weitgefasster Begriff gelten. Kontextfokus: ➔ Fragt nach Generalisie- rungsfähigkeit auf andere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Generalisierungsfähigkeit auf andere Länder wird diskutiert; Auf Basis von ESS-Daten, werden für die Schweiz tiefe «Anti-Immigranten-Ge- fühle» ermittelt; was dafürsprechen kann, dass der Effekt in anderen Ländern gar noch stärker ist (da Effekt in «fremdenfeindlichen» Ge- meinden besonders stark war bei eigener Untersuchung) • Somit kann Übertragung der Befunde auf Einbürgerungsverfahren in anderen Ländern durchaus gewagt werden Wird Generalisierungsfähigkeit in genügenden Massen reflektiert? • Wird gemacht; und zwei zentralen Fragen werden gestellt: ist Schweiz anders; und ist Einbürgerungsprozess anders? -> sind sicherlich zwei sehr wichtige Fragen • Erste Frage zur Schweiz; hier wird angenommen, dass in anderen Län- der ein stärkeres Ani-Immigranten-Gefühl herrscht (vrgl. Punkte von oben unter Kontextfokus) • Zweite Frage: Unterschied minderheitenrelevante Vorlagen und Ein- bürgerung: letztere zielen auf Individuen, während Vorlagen eine Min- derheit als gesamte Gruppe betreffen; Argument von «person-positi- vity bias»! (kann durchaus überzeugen und der Ansatz ist auch ziemlich gut empirisch abgesichert) -> lässt Autoren vermuten; dass bei allg. direktdemokr. Arena der negative Effekt noch stärker sei • Beide Fragen werden diskutiert und die Autoren kommen so zum Schluss; dass Ihre Ergebnisse auf Basis der zwei Überlegungen in an- deren Kontexte wohl noch stärker ausgeprägt sein sollten; -> somit wird relativ klare negative Evidenz für allg. Zusammenhang ausgewie- sen • Das Vorgehen kann is durchaus passend, vor allem aber das Argument des «person-positivity bias» kann jedoch alleine nicht als Argument überzeugen, weshalb die Ergebnisse einfach so auf allg. politische Verfahren angewendet werden können • Die beiden Autoren relativieren die Generalisierungsfähigkeit zum Schluss: Eine überzeugende ext. Validität könne nur durch weitere in- tern valide Studien in anderen Ländern und anderen Bereichen ge- währleistet werden; dem ist sicherlich zuzustimmen Autor und Jahr: Bochsler und Hug 2015 Veröffentlichung via: Electoral Studies (Peer Reviewed) 1. Theoretisch-konzeptionelle Qualität des Forschungsdesigns Theoretische Einbettung Stärken Schwächen • Transparenz über den angewendeten Minder- heitenbegriff • Wichtige theoretische Ansätze werden präsen- tiert • Probleme und Grenzen bisheriger Studien zur Thematik werden diskutiert • Breiter Bezug zu Forschungsstand (auch sol- che mit indirekter Evidenz für Untersuchungs- zusammenhang) und wichtigen politwissen- schaftlichen Grundlagen • Theoretisch und empirisch hergeleitete Hypo- these • Keine klaren Erläuterungen zum Begriff der di- rekten Demokratie und dessen Variationen • Vertiefte theoretische Darlegung; weshalb Medi- anwähler-Präferenz sich von Präferenzen der Re- präsentantInnen unterscheiden soll, wäre zu wün- schen • Theorieansätze für möglichen unabhängigen Ef- fekt werden nicht präsentiert Methodenwahl Stärken Schwächen • Erstmals internationaler Vergleich angestrebt • Fokus auf nationaler Ebene (Bochsler und Hug kritisieren, dass bisher meist sub-natio- nale Ebene im Fokus standen) • Berücksichtigung von Interaktionseffekten • Das Design muss für eine Vielzahl von Kovariab- len kontrollieren können • Es wird nicht berücksichtigt, wie oft die direktde- mokratischen Instrumente benutzt werden; son- dern lediglich ob es die Möglichkeit dazu gibt; Einteilung in nur zwei Kategorien (22 mit und 30 Länder ohne DD) führt wohl zu gewissen Verzer- rungen, da in Realität entscheidend ist, ob und wie häufig diese auch tatsächlich benützt werden 2. Qualität der Datenerhebung und interne Validität des Forschungsdesigns Qualität Daten- erhebung: • Verzerrungen bei Operationalisierung der Medianwählerpräferenz auf Basis der Survey- Daten wahrscheinlich; vor allem auch, da gestellte Fragen nicht immer sehr gut auf die untersuchte Policy abgestimmt sind (z.B. Frage zu Versammlungsfreiheit (vrgl. S. 210 des Papers)) • Verzerrung durch die bereits oben beschriebene Problematik der Operationalisierung von «direkter Demokratie» • Einführung des Interaktionsterms kann Erklärungskraft des Regressionsmodells in allen Bereichen stärken Interne Validi- tät: • Die Regressionsanalyse kann für den Interaktionsterm bei allen Policy-Bereichen einen Effekt nachweisen; allerding nur bei zwei Policy-Bereichen signifikant («Freedom of As- sembly» und «Woman social rights»; interne Validität ist somit beschränkt, aber eine ge- wisse Variation lässt sich relativ klar und überzeugend auf den Interaktionsterm zurück- führen • Durch Berechnung der Wahrscheinlichkeit eines liberalen Outcomes unter verschieden Bedingungen (3 Szenarien), kann die Robustheit des Effektes des Interaktionsterms ge- stärkt werden • Somit scheinen zumindest Hinweise für den Interaktionseffekt von direkter Demokratie und Medianwählerpräferenz valide zu sein für die entsprechenden Fälle • die Stärke des Effektes ist allerding für gewisse Policy-Outcomes sehr schwach; und die Erklärungskraft der gesamten Schätzung ist doch relativ begrenzt 3. Generalisierungsfähigkeit der empirischen Analyse (externe Validität) Variable Fokus: • Fragt nach Ge- neralisierung auf andere Min- derheiten und deren Rechte in- nerhalb der un- tersuchten Arena • Mögliche Probleme der Repräsentativität der Fälle: Schweiz in untersuchten Survey Welle (1999-2004) nicht dabei; Land, indem über die Hälfte aller Volksabstimmungen auf nationaler Ebene stattfanden (Kaufmann, 2010), ist so- mit nicht in Analyse eingeschlossen; sicherlich nicht optimal • Berücksichtigte Minderheiten: o Sinnvoll kann Berücksichtigung von politischen Minderheiten sein (mit Fokus auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit); aber Problem ist; dass hier die Interessen der Mehrheit nicht mit den Interessen der Minderheiten divergieren; ausser es handelts sich um explizite Rechte/Verbote für Minderheiten; deshalb dieser breite Ansatz nicht ideal, besonders in Bezug auf das Argument der Tyrannei der Mehrheit o Zudem: klassische Minderheitengruppen (rassische, ethnische oder sprachliche Minderheiten) aufgrund fehlender Datenbasis in den Län- dern nicht berücksichtigt o Nicht berücksichtigt sind auch Ausländer und LGBT spezifische Rechte; es wird zwar angesprochen, dass same-sex marriage abgedeckt sei durch Studie, in keiner der RA liess sich dieser Bereich jedoch als Variable finden o Grundsätzlich somit Beschränkung auf Frauenrechte und allgemeine Bürgerrechte o -> diese Auswahl, die als «minority issues» präsentiert wird, ist nicht wirklich repräsentativ für Minderheitengruppen zu sein und weicht re- lativ stark von dem Fokus der bisherigen Forschung zum Effekt ab Kontextfokus: ➔ Fragt nach Ge- neralisierungs- fähigkeit auf an- dere Kontexte, (wie Gebiete, Zeiten etc) • Durch weltweite Länderauswahl ist die Repräsentativität für demokratische Staaten relativ hoch; weshalb davon ausgegangen werden kann, dass die Hinweise auch für Demokratien relevant sind, die nicht untersucht wurden o -> Ist sicherlich Stärke der Studie • Zeitlicher Kotext wurde zu wenig kontrollier/beachtet; weshalb zeitunab- hängige Aussagen nur sehr vorsichtig gemacht werden können. Wird Generalisierungsfä- higkeit in genügenden Massen reflektiert? Nicht direkt; müsste sicherlich ausführlicher gemacht werden; insbesondere die an- gesprochenen Schwächen in Bezug auf die Generalisierung des untersuchten Politik- Outputs und des Minderheitenfokus müsste eingehend diskutiert werden.

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    Erstellungsdatum: 11.03.2022

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