Field Trip in Vietnam
Von der Tradition zur Strategie: Beratung vor Ort in Vietnam
Wie entwickelt man eine Marketingstrategie für ein traditionelles Keramikunternehmen in einem der geschichtsträchtigsten Handwerksdörfer Vietnams? Und was können Schweizer Studierende aus der Arbeit an der Schnittstelle zwischen Kulturerbe, Nachhaltigkeit und Unternehmertum in Schwellenländern lernen?
In diesem Jahr reisten 12 Studierende im Rahmen des von Dozent Samuel Forrer geleiteten Kurses „Emerging Markets Field Consulting“ nach Vietnam. Während sieben intensiver Tage verbanden sie akademische Strenge mit praktischer Beratung, kulturellem Eintauchen und dem Kennenlernen einer der dynamischsten Volkswirtschaften Südostasiens.
Beratung in Bat Trang: Strategie für einen Pionier der nachhaltigen Keramikherstellung
Im Mittelpunkt der Exkursion stand ein Beratungsprojekt bei GOM BUT, einem familiengeführten Keramikunternehmen in Bat Trang, dem historischen Töpferdorf in der Nähe von Hanoi.
Die Keramikproduktion in Vietnam ist tief im nationalen Erbe verwurzelt. Seit Jahrhunderten ist Bat Trang für seine Handwerkskunst und traditionellen Techniken bekannt. Bei GOM BUT erlebten die Studierenden diese Tradition hautnah. Sie besuchten die Produktionsstätte, führten Interviews mit dem Managementteam und nahmen an einem Töpferworkshop teil, um den Entstehungsprozess jedes handgefertigten Produkts zu verstehen.
Gleichzeitig steht GOM BUT für modernes, auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Unternehmertum. Das Unternehmen stellt Keramik aus recycelten Austernschalen her und verwandelt so Abfall in hochwertige handgefertigte Stücke. Durch die Verbindung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft mit traditionellen Techniken liefert das Unternehmen ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Tradition und Innovation sich gegenseitig bereichern können.
In zwei Beratungsteams erarbeiteten die Studierenden strategische Empfehlungen zur Unterstützung des Unternehmenswachstums. Eine Gruppe konzentrierte sich auf eine B2B-Vertriebsstrategie und identifizierte Partnerschaftsmodelle, Vertriebskanäle und Positionierungsmöglichkeiten. Die zweite Gruppe arbeitete an einer B2C-Marketingstrategie und befasste sich mit Markenpositionierung, Storytelling und Kundensegmentierung.
Im Laufe der Woche führten die Studierenden Interviews mit der Unternehmensleitung durch, analysierten Wettbewerber und fassten ihre Erkenntnisse in klaren strategischen Roadmaps zusammen. Der Höhepunkt des Projekts waren professionelle Managementpräsentationen, die direkt vor dem Führungsteam des Unternehmens gehalten wurden.
Über den Unterricht hinaus: Vietnams Innovationsökosystem
Während das Beratungsprojekt das akademische Rückgrat des Kurses bildete, erkundeten die Studierenden zudem Vietnams sich rasch entwickelnde Innovationslandschaft.
An der Foreign Trade University in Hanoi besuchten sie das Innovationslabor der Universität und tauschten sich mit lokalen Start-ups aus, darunter Investy, eine Plattform, die vietnamesische Talente mit internationalen Stellenangeboten verbindet, und Leaply, das Studierende mit globalen Praktika vermittelt. Diese Gespräche lieferten Einblicke aus erster Hand, wie junge Unternehmen in Vietnam Skalierung, Talentförderung und internationales Wachstum angehen.
Um das unternehmerische Ökosystem besser zu verstehen, traf sich die Gruppe mit der A Start Group, die im Web3- und Digital-Asset-Bereich tätig ist, sowie mit BK Holdings, dem Investitions- und Innovationszweig der Hanoi University of Science and Technology. Als eine der etabliertesten universitätsnahen Investitionsplattformen in Vietnam unterstützt und investiert BK Holdings in technologieorientierte Unternehmen, die aus dem Forschungs- und Ingenieursökosystem der Universität hervorgehen. Diese Begegnungen verdeutlichten, wie eng Wissenschaft, Technologie und Unternehmertum in der Wachstumsgeschichte Vietnams miteinander verflochten sind.
Kultur, Kontext und Perspektive
Erfahrungsorientiertes Lernen geht über die Geschäftsanalyse hinaus. Die Studierenden erkundeten die Landschaft von Ninh Binh, besuchten ein traditionelles Weihrauchdorf außerhalb von Hanoi und besuchten ein lokales Fußballspiel zwischen Hanoi und Ninh Binh, bei dem die beiden Spitzenreiter der vietnamesischen Liga gegeneinander antraten. Diese Erfahrungen lieferten wertvolle Einblicke zum Verständnis des Verbraucherverhaltens, der sozialen Dynamik und der nationalen Identität.
Ein besonderes Highlight war die Einladung in die Schweizer Residenz in Hanoi. Botschafter Thomas Gass und sein Team hießen die Gruppe willkommen und gaben Einblicke in das wirtschaftliche und entwicklungspolitische Engagement der Schweiz in Vietnam. Der stellvertretende Leiter der Entwicklungszusammenarbeit, Andri Meier, gab einen Überblick über die Entwicklungsprioritäten der Schweiz in der Region. Dieser Austausch verband die Strategie des Privatsektors mit internationaler Zusammenarbeit und öffentlicher Politik.
Lernerfolge: Strategie unter realen Bedingungen
Der Praxiskurs in Vietnam forderte die Studierenden heraus, außerhalb ihrer Komfortzone zu agieren und strategisches Denken in einem realen Umfeld anzuwenden. Unter der Leitung von Dozent Samuel Forrer vertieften sie ihre Kompetenzen in folgenden Bereichen:
- Strategische Analyse unter realen Bedingungen
- Strukturierung und Lösung vieldeutiger geschäftlicher Probleme
- Professionelle Kommunikation mit Kunden und Präsentationen vor Führungskräften
- Interkulturelle Zusammenarbeit und Teamarbeit
- Umsetzung von Erkenntnissen aus der Praxis in umsetzbare Empfehlungen
Durch die Kombination von Beratungsarbeit, Einblicken in Innovationsökosysteme und kultureller Immersion zeigt der Kurs, wie Erfahrungslernen in Schwellenländern die akademische Ausbildung ergänzen und Studierende auf Führungsaufgaben in einer zunehmend vernetzten Welt vorbereiten kann.







