Mehr zu den Denker:innen aus unserem Quiz vom Tag der Offenen Tür 2025
Welcher Typ Philosoph:in sind Sie?
Wenn Sie am Tag der Offenen Tür an unserem Quiz «Welcher Typ Philosoph:in sind Sie?» teilgenommen haben, finden Sie nachfolgend mehr Informationen zu der Person, der Sie am ähnlichsten sind.
Falls Sie keine Gelegenheit hatten, das Philosophie-Quiz zu spielen, hier geht es zum Fragebogen. Finden Sie heraus, ob Sie eher wie Hannah Arendt sind, wenn es um politisches Denken geht, oder ob in Ihnen vielleicht ein Sokrates, Kant oder gar eine Simone de Beauvoir steckt. Viel Spass!

Sie denken politisch, tragen Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere, und Sie haben den Mut, alte Muster zu verlassen und Neues zu beginnen. Sie sorgen sich um die Welt, aus dem Wunsch heraus, sie aktiv mitzugestalten. Genau diese Eigenschaften waren es, die für Hannah Arendt zentral waren. Und deshalb ist sie die Philosophin, die Ihnen im Denken am nächsten steht.
Für Arendt war Freiheit nie einfach nur die Möglichkeit, tun und lassen zu können, was man will. Freiheit hiess für sie: gemeinsam handeln, Verantwortung übernehmen, den Raum eröffnen, in dem Neues entstehen kann. Ihr berühmter Satz «Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen» bringt auf den Punkt, dass blinde Unterordnung in die Unfreiheit führt. Stattdessen plädierte sie für eine Haltung, die Denken und Handeln untrennbar miteinander verbindet.
Die Antworten im Quiz spiegeln das wider: Wer sich vornimmt, im nächsten Jahr toxische Beziehungen hinter sich zu lassen, verkörpert Arendts Idee der Natalität, also die Fähigkeit zum Neubeginn. Wer sagt, dass er sich um die Welt sorgt, greift ihr Leitmotiv amor mundi auf: die Liebe zur Welt und die Bereitschaft, Verantwortung für ihr Fortbestehen zu übernehmen. Und wer sein perfektes Dinner in einem Restaurant an der Upper West Side in New York verortet, bewegt sich ganz nah an Arendts eigener Biografie: Nach der Flucht aus Europa wurde New York ihr Zuhause.
Ihre wichtigsten Schriften eröffnen unmittelbare Zugänge zu diesem Denken: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951) bleibt eine hochaktuelle Analyse des Totalitarismus. In Vita activa oder Vom tätigen Leben (1958) entfaltet sie eine Theorie des Handelns jenseits von Arbeiten und Herstellen. Über die Revolution (1963) reflektiert die Bedingungen von Freiheit und Neubeginn, während der berühmte Bericht Eichmann in Jerusalem (1963) eindringlich vor Augen führt, wie die Missachtung persönlicher Verantwortung das Böse hervorbringt.
Ein guter Einstieg in ihr Denken ist das Gespräch mit Günter Gaus von 1964 (YouTube), in dem Arendt mit klarem Blick und persönlicher Offenheit über ihr Leben und ihre Philosophie spricht.

Sie denken kritisch über gesellschaftliche Normen nach, glauben an die Möglichkeit, sich selbst zu entwerfen, und streben danach, als freies Subjekt in einer komplexen Welt zu leben. Sie sind überzeugt, dass Identität durch soziale Praktiken, kulturelle Erwartungen und strukturelle Zwänge geformt wird. Genau diese Haltung war für Simone de Beauvoir zentral – und deshalb ist sie die Philosophin, die Ihrem Denken besonders nahekommt.
Ihr berühmter Satz «Man wird nicht als Frau geboren, man wird es» (Das andere Geschlecht, 1949) bringt auf den Punkt, dass Geschlechteridentitäten nicht einfach gegeben, ‘natürlich’, von biologischen Fakten bestimmt sind. Vielmehr werden wir zu dem, was wir sind. Unsere körperlichen und emotionalen Bedürfnisse, Wünsche, kognitiven Fähigkeiten, Dispositionen und Charaktereigenschaften sind etwa durch Kinderspiele, den Konsum kultureller Produkte wie Romane, Filme oder Musik, sowie durch Bildungs-, Sport- und Berufsmöglichkeiten tief geprägt. Der Prozess, in dem wir zur Frau werden, ist in unserer Gesellschaft eine besonders stressige, widersprüchliche Aufgabe. Zum Beispiel muss laut de Beauvoir eine ‘gute’ Frau sich den Erwartungen, Perspektiven und Wünschen von Männern (Väter, Partner, Vorgesetzte, Kollegen u. a.) und der männlichen Welt unterwerfen; zugleich soll sie selbstständig und stark genug sein, um als interessante und anregende Gesellschaft zu gelten. Doch gerade in diesen Widersprüchlichkeiten lassen sich die Ressourcen finden, um sich von den gesellschaftlichen Zwängen zu befreien.
De Beauvoir zählt zu den einflussreichsten und zugleich umstrittensten Autor:innen und Aktivist:innen des 20. Jahrhunderts. Sie verfasste bahnbrechende philosophische Werke, und experimentierte mit zahlreichen weiteren Genres: Romane, Novellen, autobiografische Schriften, Reiseberichte. Politisch engagierte sie sich nicht nur für die Rechte von Frauen, sondern auch für Jüd:innen, Algerier:innen und rassistisch benachteiligte Gruppen.
Aus ihren zahlreichen Briefen und autobiografischen Schriften erfahren wir, wie lebenslustig und lebendig sie war: eine begeisterte Wanderin und wilde Partygängerin. Sie führte verschiedene parallele Liebes- und sexuelle Beziehungen, sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Ihre Lieblingsorte waren die Pariser Cafés. Ihr freier und unkonventioneller Lebensstil war im 20. Jahrhundert, vor allem für eine Frau, aussergewöhnlich und wurde häufig kritisiert oder abgewertet. Unbestritten bleibt jedoch eines: ihr ausgeprägter Sinn für Mode. Ihre Turbane, Tailleurs und farbenfrohen, bizarren Outfits sind ikonisch geworden.

Sie vertrauen der Vernunft, glauben an moralische Prinzipien und streben danach, autonom zu handeln. Sie sind überzeugt, dass Freiheit nicht Beliebigkeit bedeutet, sondern Selbstgesetzgebung durch die Vernunft. Genau diese Haltung war für Immanuel Kant zentral – und deshalb ist er der Philosoph, der Ihrem Denken am nächsten steht.
Kants Denken ist geprägt von einer tiefen Ehrfurcht vor dem moralischen Gesetz in uns und dem gestirnten Himmel über uns. Dieser berühmte Satz aus der Kritik der praktischen Vernunft bringt seine Überzeugung auf den Punkt: Der Mensch ist nicht nur Teil der Natur, sondern auch ein freies Wesen, das sich selbst moralische Regeln geben kann. Für Kant ist Freiheit die Fähigkeit, aus Gründen der Vernunft zu handeln – unabhängig von Neigung oder äusseren Zwängen.
Die Antworten im Quiz spiegeln diese Haltung wider: Wer sagt, dass er an die Macht der Vernunft glaubt, lebt ganz im Geist Kants. Wer sich vornimmt, im nächsten Jahr weniger zu feiern, zeigt den Wunsch nach Ausgleich zwischen Pflicht und Neigung – ein zentrales Thema in Kants Ethik. Und wer sein perfektes Dinner zu Hause im Esszimmer verortet, bevorzugt die vertraute Ordnung gegenüber dem Reiz des Neuen – Kant war bekannt dafür, seinen Alltag auf feste Zeiten und Gewohnheiten aufzubauen, ganz im Sinne eines Denkens, das Klarheit und Struktur schätzt.
Kant lebte von 1724 bis 1804 und ist ein zentraler Vertreter der Epoche, die als Aufklärung bekannt ist. Kants Schriften sind anspruchsvoll, aber lohnend: In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785) formuliert er den berühmten kategorischen Imperativ: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» Und in der Kritik der praktischen Vernunft (1788) entfaltet er seine Moralphilosophie als Ausdruck menschlicher Freiheit. Am bekanntesten ist aber wohl sein Aufsatz «Was ist Aufklärung?» (1784), in dem er Menschen aufruft, selbstständig zu denken und sich nicht von Autoritäten verleiten zu lassen.
Ein guter Einstieg in sein Denken ist der Aufsatz «Was ist Aufklärung?», dieses kurze Video (YouTube) der Kant-Forscherin Jun. Prof. Dr. Sophie Møller und dieses Interview mit dem Kant-Forscher Prof. Dr. Marcus Willaschek in der Sternstunde Philosophie (SRF).

Sie zweifeln an vermeintlichem Wissen und trauen sich, Ihre eigenen Überzeugungen zu hinterfragen. Sie tragen Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch gegenüber Ihren Mitmenschen; und Sie haben den Mut, Denkwege neu zu begehen. Dabei verstehen Sie das offene Gespräch als Weg zum guten Leben und zur Erkenntnis. All das sind Eigenschaften, die man mit Sokrates in Verbindung bringen kann – und daher ist er der Philosoph, der Ihrem Denken am nächsten steht.
Für Sokrates war Philosophie Lebenspraxis: das unablässige Hinterfragen und Durchleuchten von Meinungen und Werten. Sein berühmter Satz «Ich weiss, dass ich nichts weiss» steht für die Einsicht, dass wahres Wissen mit der Anerkennung der eigenen Grenzen im Denken beginnt. Mithilfe der von ihm entwickelten Maieutik – einer Hebammenkunst des Geistes – wollte Sokrates nicht wie üblich sein Gegenüber überzeugen, sondern durch geschicktes Fragen neue Erkenntnisse zur Geburt führen und dabei alte Denkgewohnheiten überwinden.
Ihre Antworten im Quiz spiegeln dieses Denken wider: Wer sagt «Ich habe mehr Fragen als Antworten», verkörpert den sokratischen Mut zum Nichtwissen. Wer frei denken und die Aussagen anderer hinterfragen möchte, folgt seiner Methode der Maieutik. Und wer am liebsten auf dem Marktplatz an einem Imbiss mit Freund:innen zu Abend isst, steht mitten in der Welt – so wie Sokrates, der seine Gespräche auf der Agora im Zentrum Athens führte. Und dennoch ist es ein guter Vorsatz für das neue Jahr, den Zweifel an mancher Stelle auch mal einzuhegen und die Dinge hinzunehmen, wie sie sind.
Sokrates gilt als Begründer der abendländischen Philosophie. Dennoch schrieb er keine seiner philosophischen Gedanken selbst auf – was wir von ihm wissen, stammt aus den Berichten seiner Schüler. Wer also mehr über das Denken und Wirken Sokrates’ erfahren möchte, für den lohnt sich eine Lektüre der Komödie des Aristophanes, der Dialoge des jungen Platons oder der sokratischen Schriften Xenophons. Ein guter Einstieg in sein Denken ist ausserdem das Buch Sokrates zur Einführung von Christoph Kniest. Und für etwas Spass sorgen die Sokrates-Comics aus Existential Comics.



