Schweizerischer Nationalfonds, Forschungsprojekt 2007-2009 
Jon Mathieu, Universität Luzern 

Die internationale Gebirgsforschung und Gebirgspolitik haben in den letzten zwei Jahrzehnten einen starken Aufschwung erfahren. Besondere Momente der öffentlichen Aufmerksamkeit bildeten das von der UNO Umweltkonferenz in Rio angenommene "Bergkapitel" von 1992 und das "Internationale Jahr der Berge" von 2002, das Aktivitäten rund um den Globus auslöste.

Wenn wir verstehen wollen, wie die Berge der Welt an der Wende zum 21. Jahrhundert zu einem solchen Gegenstand der Besorgnis und des soziopolitischen Engagements werden konnten, müssen wir weit zurückblicken. In der Tat findet man die Wurzeln der globalisierten Wahrnehmung der Berge in der frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert, als die Wissenschaft und der Alpinismus in Europa einen take-off erfuhren und traditionelle Begrenzungen überschritten.

Das vorliegende Forschungsprojekt beginnt mit der Untersuchung dieser langfristigen Prozesse in Wissenschaft, Kultur und Politik, die unsere Einstellung zu Gebirgsregionen veränderten. Dann greift es eine Reihe von historischen Problemen auf, die in der jüngsten Forschung debattiert werden, und versucht, sie in einen komparativen Rahmen einzufügen. Zu diesem Zweck berücksichtigt das Projekt variable Samples von Bergregionen weltweit sowie ausgewählte Perioden seit 1500. Die untersuchten Themenbereiche sind: 1. Globalisierung der Bergwahrnehmung; 2. Bevölkerung und Urbanisierung; 3. Landwirtschaft, Familie und Mobilität; 4. Indigene Formen der Bergwahrnehmung und Modernität.

In der laufenden Forschung erhalten Gebirgsregionen grosse Beachtung seitens der Naturwissenschaften und der Geographie, die oft räumliche Zugangsweisen privilegieren. Das vorliegende Projekt zur vergleichenden Geschichte der Berge hofft, diese Studien bis zu einem gewissen Grad zu ergänzen, indem es die menschlichen Akteure und die chronologische Ordnung ins Zentrum stellt.

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