Der Humanist Willibald Pirckheimer meinte es genau zu wissen: Der Schweizer Solddienst sei nichts anderes als commercium hominum, Handel mit Menschen, schrieb er 1500. Einige Jahre später formulierte Huldrych Zwingli das noch drastischer: der eidgenössische Reislauf sei nichts anderes als fleysch und bluott verkauff; Schweizer Menschenfleisch sei auf italienischen Schlachtfeldern billiger als Kälbernes.

Was geschieht mit menschlichen Körpern und Körperteilen, wenn sie vermarktet werden? Die Renaissance war nicht nur das seit Jakob Burckhardt gefeierte Zeitalter der Erfindung abendländischer Subjektivität und der Entdeckung des Ich. Sie war auch die entscheidende Umbruchszeit für neue Formen der Vermarktung menschlicher Körper durch Reislauf, Sklavenhandel, durch den Verkauf von zum Tode Verurteilten auf Galeeren und den Handel mit Leichen für anatomische Sektionen in der Frühen Neuzeit.

Mit welchen Begriffen und Normen wurde der menschliche Körper dabei der ökonomischen Sphäre entzogen oder an sie angeschlossen? Welche sozialen Praktiken schlossen an solche Rechtsbegriffe an? Und wie wirkten umgekehrt die Praktiken auf die Rechtsbegriffe und ihre Definitionen zurück?

Hier berührt sich ein vermeintlich vertrautes Kapitel der Schweizergeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit plötzlich mit sehr gegenwärtigen Phänomenen: mit dem sogenannten "Frauenhandel" und dem internationalen Markt für Adoptionen, aber auch dem Handel mit menschlichem Blut und Organen. Wie weit dürfen Institutionen und Einzelpersonen auf die Körper anderer zugreifen, und was begrenzt diesen Zugriff?