Forschung
Das Zentrum engagiert sich vor allem in Forschungstätigkeiten, die die Hausarztmedizin und Community Care stärken, indem objektive, fundierte Lösungsansätze für die heutigen und zukünftigen Herausforderungen erarbeitet werden. Konkrete Forschungsschwerpunkte bilden 1) innovative Modelle der interprofessionellen Patientenversorgung innerhalb der Grundversorgung und 2) interdisziplinäre Patientenversorgung an Schnittstellen wie zwischen Spitälern, Spezialdisziplinen und der Grundversorgung. Des Weiteren ist es den Forschenden am Zentrum ein Anliegen die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen zu optimieren, sowie Versorgungsmodelle für Personen mit chronischen oder multimorbiden Beschwerden, eingeschränkter Funktionsfähigkeit und Behinderung zu entwickeln. Durch den Einbezug in die Forschung sollen insbesondere auch Entwicklungsmöglichkeiten und akademische Perspektiven für junge Menschen geschaffen werden, welche sich der Hausarztmedizin und Community Care verpflichten.

Integration von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN in der medizinischen Grundversorgung des Kantons Luzern (Luzerner Modell)
Nach dem erfolgreichen Einsatz einer Pflegeexpertin APN in einer Hausarztpraxis in Aesch LU wurde eine gute Ausgangslage für die Integration von weiteren Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN in hausärztlichen Praxen des Kantons Luzern geschaffen. Als nächster Schritt sollen die Erkenntnisse aus den bisherigen Pilotversuchen genutzt werden, um einer breiten Implementation und Finanzierung der Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN in der Grundversorgung möglichst nahe zu kommen.
Das übergreifende Ziel dieses Vorhabens ist die Erarbeitung des «Luzerner Modells» zur nachhaltigen Stärkung der medizinischen Grundversorgung im Kanton. Dazu soll in mindestens vier hausärztlichen Praxen der Einsatz von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN detaillierter evaluiert werden, um die Kosten und Nutzen ihres Einsatzes möglichst standardisiert und verallgemeinerbar zu bestimmen. Weiter soll gemeinsam mit den wichtigsten Stakeholdern aus hausärztlichen und pflegerischen Berufsverbänden und Kostenträgern ein Konsens zum Einsatz der Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN in der Grundversorgung erreicht werden.
Das Projekt wird gemeinsam mit dem Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern durchgeführt. Ansprechpersonen am Zentrum sind sind Ass.-Prof. Dr. Thekla Brunkert und Nisreen Sidani.

In dem Pilotprojekt wird eine Pflegelotsin oder ein Pflegelotse mit dem Profil einer Advanced Practice Nurse (APN) eingesetzt, um Pflegenotfälle von zu Hause lebenden Menschen zu koordinieren. Pflegenotfälle sollen so zu den Leistungserbringern von ambulanten und stationären Pflege- und Betreuungsdienstleistungsanbietern triagiert werden, damit Betroffene möglichst lange zu Hause bleiben können. Die Pflegelotsin oder der Pflegelotse ergänzt das Beratungs- und Koordinationsangebot der städtischen «Fachstelle Alter und Gesundheit» der Stadt Zug.
Weitere Informationen zum Projekt hier: https://www.age-stiftung.ch/foerderung/pilotprojekt-organisation-pflegenotfall-durch-pflegelotse-im-kanton-zug
Das Projekt wird gemeinsam mit der «Fachstelle Alter und Gesundheit» der Stadt Zug durchgeführt. Ansprechpersonen am Zentrum sind Patricia Lampart und Dr. Stefan Essig.
Die Studie «The Safer Cannabis Research In Pharmacies randomized controlled Trial» (SCRIPT) ist eine gemeinsame Pilotstudie der Universitäten Bern und Luzern zum regulierten, nicht-gewinnorientierten Cannabisverkauf für den Eigengebrauch.
Die Teilnehmenden können während zwei Jahren in festgelegten Apotheken eigens für die Studie produzierte, in Labors getestete und neutral verpackte Cannabisprodukte beziehen. Geschultes Fachpersonal steht ihnen beratend zur Seite und informiert nach Bedarf zu Themen wie risikominimierende Konsumformen oder Rauchentwöhnung. In dieser Studie sollen die Auswirkungen einer kombinierten Intervention, bestehend aus Verkauf und Beratung in Apotheken, auf das Konsumverhalten und die Gesundheit untersucht werden.
Die daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollen einen Beitrag zur Diskussionsgrundlage für eine künftige verantwortungsvolle Cannabispolitik in der Schweiz leisten. Weitere Informationen zur Studie hier: https://www.script-studie.ch/
Das Projekt wird im Auftrag der Stadt Luzern und gemeinsam mit der Universität Bern durchgeführt. Ansprechperson am Zentrum ist Dr. Rebecca Tomaschek.
Medizinische Praxisassistent:innen und -koordinator:innen (MPA/MPK) übernehmen in Hausarztpraxen eine zentrale Rolle in der Patient:innenversorgung. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für Patient:innen und sind massgeblich an koordinierenden, organisatorischen sowie klinischen Tätigkeiten beteiligt. Trotz einer schweizweit standardisierten Ausbildung variieren ihre Aufgabenprofile, Verantwortlichkeiten und Einsatzbereiche jedoch erheblich zwischen den Praxen. Diese Unterschiede können die Effizienz der Arbeitsabläufe, die Qualität der interprofessionellen Zusammenarbeit und potenziell auch die Sicherheit der Patient:innen beeinflussen.
Gleichzeitig steht die Grundversorgung vor zunehmenden Herausforderungen bei der Rekrutierung und langfristigen Bindung von MPA/MPK. Hohe Arbeitsbelastung, begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten, eine als unzureichend wahrgenommene Wertschätzung sowie vergleichsweise tiefe Löhne sind mögliche Gründe dafür, dass diese zentrale Berufsgruppe unter Druck gerät.
Das Projekt „CHIP – Swiss Interprofessional Primary Care Survey“ verfolgt das Ziel, erstmals schweizweit wissenschaftliche Daten zu Aufgabenprofilen, Rollenverständnis, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven von MPA/MPK in der hausärztlichen Grundversorgung mittels Online-Befragung und vertiefenden (Fokusgruppen-) Interviews zu erheben. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung von Rollenmodellen sowie für Massnahmen zur Stärkung der Nachhaltigkeit der interprofessionellen Teams in der Grundversorgung schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Untersuchung des Potenzials KI-gestützter Lösungen zur Unterstützung sicherheitsrelevanter Tätigkeiten, z.B. der telefonischen Triage. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, praxisnahe, akzeptierte und umsetzbare technologiegestützte Versorgungsmodelle zu entwickeln, die sowohl den Bedürfnissen der Patient:innen als auch den Realitäten der Praxisteams gerecht werden.
Ansprechpersonen am Zentrum sind Ass.-Prof. Dr. Thekla Brunkert, Patricia Lampart, Charlotte Müller und Daniela Knup.
