Christengemeinschaft – Anthroposophische Gesellschaft

Kirchenraum und Altar

Die Anthroposophie entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eine eigenständige Neugründung aus der Theosophie heraus. Der österreichische Publizist und Philosoph Rudolf Steiner (1861 - 1925) gründete 1912/13 die anthroposophische Gesellschaft, nachdem er zuvor elf Jahre lang Präsident der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft gewesen war. Steiner und eine Kerngruppe der Anthroposophinnen und Anthroposophen liessen sich ab 1912 in Dornach bei Basel nieder und bauten dort 1913 das sogenannte Goetheanum, das vermutlich aufgrund von Brandstiftung zerstört wurde. In der Folge entstand nach Steiners Entwürfen zwischen 1925 und 1928 mit dem «zweiten Goetheanum» ein architektonisch eigenwillig gestaltetes Zentralgebäude am Rande von Dornach.

Die Christengemeinschaft entstand aus der Anthroposophie heraus als eigenständige Gemeinschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg wandten sich junge, vorwiegend protestantische Theologen und Theologinnen mit dem Anliegen, die bestehenden christlichen Strukturen zu erneuern, an Steiner. In der Folge gründeten sie 1922 die Christengemeinschaft als «religiöse Erneuerungsbewegung». Erster «Erzoberlenker» der Gemeinschaft wurde Friedrich Rittelmeyer (1872-1938), ein protestantischer Pfarrer. Steiner initiierte den Kultus der Gemeinschaft, wurde jedoch nie selbst Mitglied. Wie auch andere Wirkungsfelder (anthroposophische Medizin, bio-dynamische Landwirtschaft, Steiner-Schulen), entwickelte sich die Christengemeinschaft durch Steiners Impulse als unabhängige Bewegung. Ihre Vertreterinnen und Vertreter legen bis heute Wert darauf, als eigenständige Bewegung wahrgenommen zu werden.

In der Christengemeinschaft werden sieben «erneuerte» Sakramente gepflegt: Taufe, Konfirmation, Menschenweihehandlung, Beichte, Trauung, Priesterweihe und letzte Ölung. Zudem gibt es Predigtgottesdienste, Bestattungen und mit der Sonntagshandlung und der Weihnachtshandlung eigene Rituale für Kinder. Seit ihrer Gründung haben Frauen ebenfalls Zugang zum Priesteramt. Des Weiteren entstanden in der Folge diakonische Einrichtungen. Bis heute distanziert sich die Gemeinschaft von der Zuschreibung, eine ‹Sekte› zu sein. Als zentraler Vorwurf gilt, dass dem von Steiner geformten Kultus die gleiche Autorität wie den biblischen Schriften zugesprochen werde. Im Kanton Basel-Stadt erhielt die Christengemeinschaft 2010 den Status als kantonale anerkannte Religionsgemeinschaft zugesprochen.

«Religionsvielfalt im Kanton Luzern» (www.unilu.ch/rel-LU) ist ein Projekt des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Luzern.
Letzte Aktualisierung: 27. 11. 2023