Der 40-jährige Herr Y, Manager, ist wegen des Vorwurfs der mehrfachen Vergewaltigung in Untersuchungshaft. Bereits als 20-Jähriger wurde er wegen Vergewaltigung zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt. Die neuen Tatvorwürfe deuten auf sadistische Handlungselemente hin. In seiner Firma ist er geachtet und erfolgreich, seine frühere Partnerin bezeichnet ihn in der Einvernahme als Psychopathen. Der Beschuldigte be­streitet jegliches Fehlverhalten. Die Staatsanwaltschaft beauftragt Sie mit der psychia­trisch-psychologischen Begutachtung von Schuldfähigkeit, Rückfallgefahr und Mass­nahmebedürftigkeit.

Der Bedarf nach Begutachtung und Behandlung von Straftäterinnen und Straftätern boomt. Die Gründe sind vielfältig. Das Strafrecht verpflichtet heute über sehr weite Teile zu einer solchen Begutachtung bzw. Behandlung. Die rechtlichen Rahmenbedingungen wie auch die psychiatrisch-psychologischen Grundlagen werden immer umfangreicher und komplexer. Zugleich verfügen noch immer nur wenige Fachperso­nen über einen ausreichend starken rechtlichen sowie fachlich psychiatrisch-psycho­logischen Rucksack. In diesem Studiengang werden rechtswissenschaftliche, psychi­atrische und psychologische Erkenntnisse verbunden, aufeinander bezogen und für die praktische Tätigkeit reflektiert.

Zielpublikum
Als universitäres Zusatzstudium richtet sich der CAS FPP an Ärztinnen und Ärzte sowie Psychologinnen und Psychologen mit aktueller oder künftiger Tätigkeit im Bereich der forensischen Psychiatrie oder der forensischen Psychologie. Bei gleichwertigen Vor­aussetzungen besteht die Möglichkeit einer Aufnahme «sur dossier». Näheres zu den Zulassungsvoraussetzungen finden Sie im Reglement.

Studienziele
Der Studiengang verfolgt durch die einmalige Kombination von Recht, Psychiatrie und Psychologie in einem Kurs drei Ziele:

  • Mit der gemeinsamen psychiatrisch-psychologischen Fortbildung der beiden Be­rufsgruppen werden die wissenschaftlichen und bundesgerichtlichen Forderungen nach Rollenklärungen, definierter Aufgaben-und Kompetenzaufteilung sowie Stan­dardisierung der psychologischen Fortbildung erfüllt.
  • Mit einem deutlichen Bekenntnis zu einem juristischen thematischen Schwerpunkt wird den bisherigen Defiziten der psychiatrisch/psychologischen Sachverständigen in juristischen Belangen Rechnung getragen.
  • Forensische Psychiater und Psychiaterinnen erhalten neben dem universitären CAS die gemäss Weiterbildungsprogramm der Ärztegesellschaft FMH notwendigen theo­retischen Voraussetzungen zur Erlangung des Schwerpunkttitels «Forensische Psychiatrie und Psychotherapie FMH».

Aufbau | Dauer | Inhalt

Der CAS Forensische Psychiatrie und Psychologie besteht aus sechs Kursen mit einer Dauer von je drei Tagen, verteilt über ca. ein Jahr. Die Kurse finden in der Regel an der Universität Luzern statt und dauern jeweils von Donnerstagmorgen bis Samstagnach­mittag. Am Ende des Studiengangs findet eine schriftliche Schlussprüfung statt.
Der Studiengang CAS Forensische Psychiatrie und Psychologie besteht aus Kursen zu folgenden Themenbereichen: Rolle des Gutachters/der Gutachterin im Strafverfahren; Auftragserteilung, Fragestellungen, Zuständigkeiten und Aufklärung; Erstellung und Erstattung des Gutachtens; störungs-und deliktsspezifische Belange; Risk-Assess­ment, strafrechtliche Massnahmen, Vollzug und Schnittstellen zum Zivilrecht.

Zertifikat

Für das erfolgreiche Absolvieren des Studienganges erhalten die Teilnehmenden das mit 12 ECTS-Kreditpunkten bewertete Zertifikat «CAS Forensische Psychiatrie und Psycho­logie (Universität Luzern)».

Verantwortung

Prof. Dr. Jürg-Beat Ackermann

Studienleitung Wissenschaft; Professor für Straf- und Strafprozessrecht
T +41 41 229 53 75 • Raum 4.B20 • juerg-beat.ackermannremove-this.@remove-this.unilu.ch

Mehr Infos (Professur Ackermann)

Prof. Dr. med. Marc Graf

Studienleitung Praxis; Klinikdirektor Forensisch Psychiatrische Klinik, Basel
marc.grafremove-this.@remove-this.upkbs.ch

Kursleiter und Dozierende

Kursleiter und Dozierende sind ausgewiesene Fachleute aus Praxis und Wissenschaft. In Kombination garantieren sie, dass die unterrichtete Materie sowohl wissenschaft­lich durchdrungen als auch von hoher praktischer Relevanz ist.

Anmeldung | Daten | Kosten

Daten

Der Studiengang CAS Forensische Psychiatrie und Psychologie startet voraussichtlich im August 2017 und dauert bis Juni 2018. Weitere Informationen folgen.

Kosten

Die Kosten für den gesamten Studiengang betragen CHF 9‘500.– (Kursgeld CHF 8‘800. –, Anmeldegebühr CHF 100.­–, Prüfungsgebühr CHF 600.­­–). Darin inbegriffen sind die Kursunterlagen (ohne Fachbücher), der Zugang zur Lernplattform OLAT sowie das Zertifikat.

Nicht inbegriffen sind Anreise, Verpflegung und Unterkunft.