Political Correctness, Cancel Culture und der Vorwurf des Moralismus

Dr. phil. Barbara Bleisch und Dr. phil. Wolfram Eilenberger

Political Correctness, Cancel Culture und der Vorwurf des Moralismus - oder: Wie Gespräche dennoch gelingen

Samstag, 2. Oktober 2021

Zu den wohl wesentlichsten und brisantesten Veränderungen des jüngeren Meinungsklimas in westlichen Demokratien zählt die Durchsetzung von politischen Agendazielen mit den Mitteln der moralischen Anklage und Ausgrenzung in den sozialen Medien – meist von marginalisierten Gruppen oder Gemeinschaften gegenüber Akteuren oder Stimmen mit so genannt privilegiertem Status. Diese vor allem im digitalen Raum zu beobachtende Dynamik wird gängig mit den Schlagworten „Political Correctness“ und insbesondere „Cancel Culture“ adressiert.

Bereits die Begriffswahl zeigt, dass es sich hier um eine Übertragung US-amerikanischer Phänomene und Konstellationen auf andere Kulturkreise handelt. Beispielsweise werden Kulturschaffende oder ProfessorInnen von Veranstaltungen auch öffentlicher Träger ausgeschlossen oder ausgeladen, Firmen und Manager über Shitstorms an den Pranger gestellt, wird zum Boykott kanonischer LiteratInnen aufgrund deren politischer Überzeugungen oder persönlichen Verfehlungen aufgerufen.

Wo KritikerInnen des Phänomens einen mit digitalen Mitteln befeuerten Wiedereinzug des vormodernen Prangers erkennen, sehen Befürworter und Aktivistinnen in dieser Praxis eine genuin demokratische Form, bisher ungehörten Stimmen und gerechtfertigten Zielen gemäßes Gehör zu schaffen und mutmaßliche Selbstverständlichkeiten produktiv zu hinterfragen. Wieder andere Beobachter bestreiten die Existenz besagter Entwicklungen zu Gänze und halten deren Skandalisierung für ein rhetorisches Manöver konservativer Kräfte.

Wie lassen sich diese Phänomene  sachlich beschreiben, begreifen und gegebenenfalls begründbar bewerten? Welche Motive, Interessen und Ausgrenzungserfahrungen sind hier im Spiel? Welche Skandalisierungsformen werden vor welchen Hintergründen mit welchen Mitteln mobilisiert? Und was bedeutet die offenbar gestiegene Sensibilität wie auch Fehlerfurcht für Journalistinnen und Medienmacher im konkreten Arbeitsalltag? 



Kurz-CV von Dr. phil. Barbara Bleisch

Barbara Bleisch, Dr. phil., hat in Zürich, Basel und Tübingen Philosophie, Germanistik und Religionswissenschaften studiert und am Ethik-Zentrum der Universität Zürich promoviert. Seit 2010 moderiert sie die „Sternstunde Philosophie“ bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF, seit 2018 ist sie Kolumnistin beim „Tages-Anzeiger“. 2020 wurde Bleisch zur Schweizer Journalistin des Jahres in der Kategorie ‘Gesellschaft’ gekürt. Bleisch ist Mitglied des Ethik-Zentrums der Universität Zürich und lehrt Ethik in den «Advanced Studies in Applied Ethics» an der Universität Zürich. 2014 war sie Senior Research Fellow an der Queen’s University Belfast, von 2017 bis 2019 akademischer Gast am Collegium Helveticum der Universität Zürich, der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste. Bleisch ist ausserdem Mitglied der Jury des Tractatus-Preises für Philosophische Essayistik. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören u.a. «Kinder wollen» (gemeinsam mit Andrea Büchler, Hanser), „Warum wir unseren Eltern nichts schulden“ (Hanser), „Familiäre Pflichten“ (Suhrkamp) und „Ethische Entscheidungsfindung“ (Versus).

Kurz-CV von Dr. phil. Wolfram Eilenberger

Wolfram Eilenberger, geboren 1972, ist ein mehrfach preisgekrönter deutscher Schriftsteller, Philosoph und Fernsehmoderator. Als Publizist und Kolumnist gilt seine Leidenschaft der Anwendung philosophischer Gedanken auf die heutige Lebenswelt, sei es in Fragen der Politik, der Kultur oder des Sports. Er ist Gründungschefredakteur des Philosophie Magazins und einer der Moderatoren der „Sternstunden Philosophie“ im SRF.
Sein Buch "Zeit der Zauberer - Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919-1929" wurde es in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Das Werk wurde im November 2018 mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet und erhielt 2019 zudem in Frankreich den renommierten Prix du Meilleur Livre Étranger.
Im September 2020 erschien sein neues Buch “Feuer der Freiheit - Die Rettung der Philosophie in finsterer Zeit 1933-1943”, das ebenfalls zum Bestseller wurde.
Eilenberger lehrte an der University of Toronto (Kanada), der Indiana University (USA) und an der Berliner Universität der Künste. Seit September 2019 auch an der ETH Zürich. Er ist Mitglied der Programmleitung des Philosophie-Festivals phil.cologne . 

 

Weitere Informationen:
Frühbucherpreis (bei einer Anmeldung bis am 31.04.2021) 790.- CHF
Regulärer Preis 890.-
Der Preis beinhaltet die Pausen- und Mittagsverpflegung.
Die Platzzahl ist auf 22 Personen beschränkt. Die Plätze werden gemäss Anmeldungseingang vergeben. Es wird eine Warteliste geführt.
Eine Abmeldung ohne Kostenfolge ist bis zum 20. August 2021 möglich. Danach werden die Kosten nur bei triftigen Gründen erlassen, abgesehen von 100.- Bearbeitungsgebühr.

 

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