Um den Sozialstaat und die Personenfreizügigkeit innerhalb Europas zu erhalten, müsse die EU bei den Sozialleistungen einen Systemwechsel anstreben. Dies forderte Hans-Werner Sinn in einem Vortrag an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Hans-Werner Sinn sprach an der diesjährigen St. Charles Konferenz in Public Policy zum Thema Asyl.

Bereits zum dritten Mal lud die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät am 19. Juni zur St. Charles Konferenz in Public Policy mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Werner Sinn. In der Villa St. Charles in Meggen referierte der ständige Gastprofessor an der Universität Luzern zum heissumstrittenen Thema der Migration.

Sinn analysierte unterschiedliche Formen und Aspekte der Migration. Bezogen auf die Migration innerhalb der EU sprach der deutsche Ökonom von einem unlösbaren Trilemma. Von den drei Zielen freie Wanderung, Wohlfahrtsstaat und Inklusionsprinzip liessen sich nur zwei erfüllen. Das Inklusionsprinzip besagt, dass die Sozialleistungen jeweils vom EU-Gastland erbracht werden müssen. Langfristig führe die dadurch induzierte Sozialmigration zur Erosion der besser ausgebauten Sozialstaaten.

Sinn plädierte dafür, das Inklusionsprinzip durch ein Heimatlandprinzip zu ersetzen. Für ererbte Sozialleistungen (z.B. Sozialhilfe), die man nicht durch Steuern oder Abgaben mitfinanziert hat, sollte das EU-Heimatland zuständig sein. Davon ausgenommen wären selbstverständlich politisch Verfolgte aus Drittstaaten.  

Sinn argumentierte, dass der Sozialstaat dadurch geschützt und die Akzeptanz der Personenfreizügigkeit erhalten werden könnte. Ferner zeigte er sich überzeugt, damit auch Grossbritannien wieder für die EU zu gewinnen.

Engagierte Diskussion

Neben Hans-Werner Sinn debattierten an der anschliessenden Podiumsdiskussion Prof. Dr. Reiner Eichenberger, Professor an der Universität Freiburg am Lehrstuhl "Theorie der Finanz- und Wirtschaftspolitik", Wirtschaftsjournalist Dr. Rainer Hank, ehemaliger Leiter der Wirtschafts- und Finanzredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, sowie Sozialwissenschaftler, Publizist und Autor Dr. h.c. Beat Kappeler.

Nicht zuletzt die migrationsrelevanten Aspekte des geplanten institutionellen Rahmenabkommens zwischen der Schweiz und der EU lösten eine lebhafte Diskussion aus. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Karl Hofstetter, Mitglied des Universitätsrates der Universität Luzern sowie Präsident des Wirtschaftsverbands SwissHoldings.

Seminar mit Sinn

Im Rahmen eines Seminars hatten ausgewählte Studierende am Vormittag die Möglichkeit zum wissenschaftlichen Austausch mit Professor Sinn. Dabei wurden konkrete wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderungen wie der Klimawandel und die Migration aus ökonomischer Perspektive diskutiert.  

Impressionen

26. Juni 2019