Vor 70 Jahren fand in Seelisberg UR die Dringlichkeitskonferenz gegen Antisemitismus statt, aus der zehn bahnbrechende Thesen hervorgingen. Deren geistiger Urheber geriet im deutschen Sprachraum fast in Vergessenheit – das soll sich nun ändern.

Gesicht in der Menge – und doch so viel mehr: Jules Isaac (hervorgehoben) auf dem Gruppenbild mit den Teilnehmenden der Seelisberg-Konferenz (Ausschnitt).

Man kann ihn auf dem Gruppenbild mit den rund 65 Teilnehmenden der Seelisberg-Konferenz im Sommer 1947 nur schwer ausmachen: Jules Isaac steht beinahe am linken Bildrand in einer hinteren Reihe und wird durch das Gesicht eines Vordermanns halb verdeckt. "Dass er sich als Person nicht in den Mittelpunkt drängen wollte, wozu es allerdings durchaus Berechtigung gegeben hätte, ist typisch für Isaac", sagt Prof. Dr. Verena Lenzen mit Blick auf das historische Foto. 

Sowohl was die Konferenz als auch die Wegbereitung für die kirchliche Konzilserklärung "Nostra Aetate" anbelangt, habe der Franzose eine zentrale Rolle eingenommen, so die Professorin für Judaistik und Theologie / Christlich-Jüdisches Gespräch. "Aufgrund seiner Verdienste um die jüdisch-christliche Verständigung ist es erstaunlich, dass Jules Isaac zumindest im deutschen Sprachraum fast völlig in Vergessenheit geraten ist." Das möchte Verena Lenzen mit einer Biografie über den jüdischen Historiker und Pazifisten, die sie zurzeit verfasst, ändern. Die geplante Monografie ist Teil des von ihr geleiteten, vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojekts zur Konferenz von Seelisberg, das zwei Dissertationsprojekte umfasst. 

Ausführlicher Artikel im Bereich "Fokus Forschung"

24. Juli 2017