Als Erzähler hat Amos Oz neue jüdische Perspektiven auf Jesus und Judas sowie auf das Juden- und Christentum eröffnet. Dafür wurde der israelische Schriftsteller mit dem interreligiösen Preis der Mount Zion Foundation ausgezeichnet.

Der Preisträger Amos Oz bei seiner Dankesrede. (Bild: ©Mount Zion Foundation)

Die Überreichung der zweijährlich vergebenen Auszeichnung fand am 29. Oktober, dem Nostra-Aetate-Tag, in der Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg statt. Den "Mount Zion Award" konnte der 1939 in Jerusalem geborene Amos Oz im Rahmen eines Festakts von Prof. Dr. Verena Lenzen, Leiterin des Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) an der Universität Luzern, und von P. Dr. Nikodemus Schnabel OSB, Prior-Administrator der Dormitio-Abtei der Benediktiner in Jerusalem, entgegennehmen.

Der Preis wird vom IJCF im Namen der Mount Zion Foundation und in Zusammenarbeit mit der Dormitio-Abtei verliehen. Die mit 20'000 Euro dotierte Auszeichnung geht an Personen oder Organisationen, die sich erfolgreich für die Verständigung zwischen Juden, Christen und Muslimen in Israel/Palästina einsetzen.

Aufwerfen religiöser und existenzieller Fragen

Gewürdigt wird auf diese Weise Amos Oz' 2014 erschienener Roman "Judas" (hebräischer Originaltitel: "הבשורה על פי יהודה", "Das Evangelium nach Judas"; 2015 in deutscher Übersetzung von Mirjam Pressler). Das Buch wirft, so die Laudatio, grosse gesellschaftliche, religiöse und existentielle Fragen auf – nach Krieg und Frieden im Land Israel, nach Jesus und Judas Iskariot, nach politischen Visionen, Schuld, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung. Hatte der Grossonkel von Amos Oz, der Gelehrte Joseph Gedalja Klausner, mit seinem Buch "Jesus von Nazareth" 1922 die erste wissenschaftliche Deutung aus jüdischer Sicht und in hebräischer Sprache vorgelegt, so eröffnet Oz als Erzähler neue jüdische Perspektiven auf Jesus und Judas, auf Judentum und Christentum.

Hinweis auf die unterschätzte Rolle der Kunst

Das Werk setzt, wie es in der Laudatio weiter heisst, einen interessanten literarischen Impuls für den jüdisch-christlichen Dialog. Mit der diesjährigen Preisverleihung soll die zuweilen unterschätzte Rolle von Kunst, vor allem Literatur, im Dialog zwischen den drei grossen abrahamitischen Religionen in den Fokus gerückt werden. Der Preis will ein Signal setzen, dass gerade die Religionen des Heiligen Landes einen eigenen ästhetischen Glaubenszugang kennen, der eine wertvolle interreligiöse Dialogebene für Gegenwart und Zukunft bietet.

Video der Feier

31. Oktober 2017