Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Luzern haben Drittmittel für drei Projekte eingeworben. In diesen geht es um verschiedene Arten von Entscheidungsfindung, ethische Fragen und um die Besteuerung von Non-Profit-Organisationen.

Zwei der Forschungsprojekte werden vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt, der im Auftrag des Bundes die Grundlagenforschung in allen wissenschaftlichen Disziplinen fördert (Totalsumme: rund 449'000 Franken), und eines durch einen privaten Gönner (495'000 Franken). Die Forschungsvorhaben sind an der Theologischen Fakultät, an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt.

Die eingeworbenen Drittmittel beinhalten das Salär der Projektmitarbeitenden und decken die weiteren Kosten ab, die mit der Umsetzung des Projekts verbunden sind. Die gesuchstellenden Projektleiterinnen und -leiter erhalten ihr Salär von der Universität Luzern.

Wie intensives Nachdenken dem Urteilsvermögen schaden kann

Projektleiter Prof. Dr. Reto Hofstetter

Es wird uns oft geraten, über wichtige Beurteilungen und daraus resultierende Entscheidungen intensiv nachzudenken. In den empirischen Sozialwissenschaften kommt diese Ansicht häufig dadurch zum Ausdruck, dass Probanden bei Fragebögen explizit aufgefordert werden, über ihre Antworten nachzudenken, bevor sie diese niederschreiben. Ziel dieses Forschungsprojektes ist zu überprüfen, ob solche Instruktionen die Qualität von Daten tatsächlich erhöhen, da Grund zur Annahme besteht, dass dies nicht immer der Fall ist. Vorrangig anhand von sozialwissenschaftlichen Experimenten soll getestet werden, ob und wann extensives Nachdenken die Genauigkeit von Beurteilungen und Entscheidungen verringern kann. Die kognitiven Prozesse, welche wohlüberdachten bzw. schnellen Beurteilungen vorhergehen, sollen beschrieben werden, um auf dieser Basis qualifizierte Empfehlungen zur besseren Entscheidungsfindung im Allgemeinen sowie zum Design von Erhebungsmethoden der empirischen Sozialwissenschaften im Speziellen abzuleiten.

Original-Projekttitel: The Benefits of Thinking Less. How Deliberation Can Harm Consumer Judgment
Projektleiter: Prof. Dr. Reto Hofstetter, Professor für Betriebswirtschaftslehre (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Projektmitarbeitende: Gabriela Kunath (Doktorandin)
Laufzeit: 3 Jahre
Bewilligter Betrag (gerundet): 251'000 Franken
Förderinstitution: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Lucerne Graduate School in Ethics

Foto Peter Kirschlaeger
Projektleiter Prof. Dr. Peter G. Kirchschläger

Die Anfang 2018 startende und am Institut für Sozialethik ISE angesiedelte "Lucerne Graduate School in Ethics" verfolgt das Ziel, Forschung in Ethik zu fördern und zur akademischen Nachwuchsförderung in diesem Bereich substanziell beizutragen. Drei Doktorierende erhalten die Möglichkeit, ethische Fragen der Gegenwart und der Zukunft zu untersuchen. Ihre individuelle Förderung und Begleitung sowie der gezielte Austausch unter ihnen im Dienste der gegenseitigen methodischen und inhaltlichen Bereicherung ihrer Forschung werden in Form der neuen Graduate School organisiert. Das entsprechende Doktoratsstudium umfasst neben der Erarbeitung der entsprechenden Dissertation gemeinsame Studienprojekte und punktuellen Einsatz in der Vermittlung von wissenschaftlichen Diskussionsansätzen und Ergebnissen. Neben der wissenschaftlichen Formation soll so das Forschen im Team und die Entwicklung einer entsprechenden Kommunikationskultur gefördert werden.

Projektleiter: Prof. Dr. Peter G. Kirchschläger, Ordinarius für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE (Theologische Fakultät)
Projektmitarbeitende: drei Doktorierende (noch zu bestimmen; Stellenausschreibung dt. / engl.)
Laufzeit: 3 Jahre
Bewilligter Betrag: 495'000 Franken
Donator: Martin Haefner, Verwaltungsratspräsident Amag AG

Besteuerung von Non-Profit-Organisationen

Foto Andrea Opel
Projektleiterin Prof. Dr. Andrea Opel

Das Projekt hat zum Ziel, ein Grundlagenwerk zur Besteuerung von Non-Profit-Organisationen (NPO) in der Schweiz hervorzubringen. Das Gemeinnützigkeitssteuerrecht stellt eine komplexe, föderalistisch zersplitterte Materie dar. Derzeit besteht in verschiedener Hinsicht Rechtsunsicherheit – eine wissenschaftliche Aufarbeitung ist dringend geboten. Im Vordergrund steht die steuerliche Behandlung der NPO selbst: Neben der Frage nach der Steuerbefreiung im direktsteuerlichen Bereich ist auch die mehrwertsteuerliche Situation zu analysieren. Im Sinne einer umfassenden Betrachtung wird zudem die Besteuerung von Gönnern und Begünstigten beleuchtet. Die Untersuchung will nicht beim geltenden Recht verharren, sondern aktuelle Entwicklungen einbinden. Die zunehmende Internationalisierung und der Einzug "unternehmerischen Gedankenguts" haben einen tiefgreifenden Wandel angestossen. Vor diesem Hintergrund gilt es, die Anforderungen an ein zeitgemässes Gemeinnützigkeitssteuerrecht herauszuarbeiten.

Original-Projekttitel: Besteuerung von Non-Profit-Organisationen. Unter Einbezug der Besteuerung von Gönnern und Begünstigten
Projektleiterin:
Prof. Dr. Andrea Opel, Ordinaria für Steuerrecht (Rechtswissenschaftliche Fakultät)
Projektmitarbeitende: Marianne von Orelli (wissenschaftliche Mitarbeiterin) und eine Doktorandin resp. ein Doktorand (noch zu bestimmen; Stellenausschreibung)
Laufzeit: 3.5 Jahre
Bewilligter Betrag (gerundet): 198'000 Franken
Förderinstitution: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

 

7. Dezember 2017