An der Diplomfeier der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät wurde Zora Matter für ihre «Ethnographie des Saunabesuchs» mit dem Preis für die beste Bachelorarbeit gewürdigt. Die Absolventin des Studiengangs «Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften» hat zuvor das «richtige Schwitzen» über Monate beobachtet.

Luca Tratschin gratuliert Zora Matter zur besten Bachelorarbeit. (Foto: Markus Forte)

Zora Matter ist es gelungen, eine der grössten Stärken der Soziologie für ihre Bachelorarbeit fruchtbar zu machen. Diese besteht darin, das Vertraute mit fremden Augen zu sehen, über banal erscheinende Situationen zu staunen und die immense soziale Komplexität aufzuzeigen, die noch in den einfachsten Alltagssituationen verborgen liegt. Gestaunt hat Zora Matter in der Sauna, ihre Erkenntnisse zusammengestellt hat sie unter dem Titel «So schwitzt es sich richtig. Eine Ethnographie des Saunabesuchs».

Im Gegensatz zu ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen hat Zora Matter nicht nur metaphorisch geschwitzt für ihren Abschluss, sondern auch buchstäblich. Während vier Monaten hat sie bei Temperaturen von 60 bis 85 Grad Celsius in verschiedenen Saunas transpiriert und sich Extrembedingungen ausgesetzt, auf die der menschliche Körper schlecht vorbereitet ist.

Im Anschluss an die Perspektive der Ethnomethodologie hat sie argumentiert, dass eine Sauna nicht bloss durch die Holzbänke, das Aufgussbecken und die hohen Temperaturen zum sozialen Ort der Sauna wird, dass man der sozialen Praxis des Saunierens nicht auf die Schliche kommt, wenn man nur die offiziellen Verhaltensgebote studiert.

Mitschwitzen für die Forschung

Sie hat argumentiert, die Sauna sei interaktionstheoretisch als Ort zu verstehen, der situativ durch die anwesenden Saunierenden in seiner Ordnung hervorgebracht und stabilisiert werden muss. Damit war klar, dass man die Logik des sozialen Ortes der Sauna nur entschlüsseln kann, wenn man hinschaut, wie Saunateilnehmende sich in der Situation wechselseitig aneinander orientieren und wie sie kollektiv und im Moment einen Raum als Sauna konstituieren. Kurz gesagt: Um soziologisch etwas über die Sauna herauszufinden, muss man teilnehmend beobachten – und eben mitschwitzen.

Die Arbeit von Zora Matter überzeugt einerseits durch die Kreativität ihres Ansatzes. Anderseits hat sie einen Beitrag an ein sozialwissenschaftlich nahezu unbesetztes Gebiet geleistet und die interaktive Hervorbringung eines sozialen Ortes mit grossem Scharfblick und bemerkenswerter Kompetenz rekonstruiert.

Für ihre Arbeit mit dem Titel „So schwitzt es sich richtig. Eine Ethnographie des Saunabesuchs“ wurde Zora Matter im Rahmen der Diplomfeier der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät mit dem Preis für die beste Bachelorarbeit geehrt. Dieser wird von der ALUMNI Organisation der Universität Luzern gestiftet. Zora Matter hat ihr Studium der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften im Frühling 2018 mit dem Bachelor abgeschlossen.

Der vorliegende Text basiert auf der Laudatio, die Dr. Luca Tratschin im Rahmen der Diplomfeier gehalten hat. Dr. Tratschin hatte die Arbeit betreut.

25. September 2018