Jeder fünfte Versicherte kennt die genauen Angaben seines Krankenversicherungsmodells nicht. Dies kann negative Folgen haben. Daher erforscht Prof. Dr. Stefan Boes im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts die Krankenversicherungskompetenz in der Schweiz.

verschiedene Krankenkassen-Karten

Das Schweizer Gesundheitssystem ermöglicht es, den Versicherer und das Versicherungsmodell in der obligatorischen Grundversicherung jährlich neu zu wählen. Fast jede Fünfte, jeder Fünfte kennt jedoch die Angaben ihres bzw. seines Krankenversicherungsmodells wie die Franchise oder die Art des Modells (z.B. Standard, Hausarzt, Telmed) nicht. Auf die Gesundheit der Versicherten und das Gesundheitssystem als Ganzes können eine finanziell ineffiziente Versicherungswahl und der mögliche Verzicht auf Versorgungsleistungen negative Auswirkungen haben.

Optimierung der Versicherungswahl

Die Krankenversicherungskompetenz ("health insurance literacy") wird als wichtiger Faktor für die Versicherungswahl betrachtet. Bis anhin wurde die Versicherungskompetenz vor allem in den USA erforscht, weswegen die Ergebnisse sehr kontextspezifisch sind und sich nicht ohne Weiteres auf die Schweiz anwenden lassen. Das Forschungsvorhaben unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Boes, Professor für Gesundheitsökonomie, widmet sich diesem Aspekt. Das Projekt zielt darauf ab, die Verteilung der Versicherungskompetenz in der Schweiz zu erfassen und daraus Interventionen abzuleiten, die den Entscheid der Krankenversicherung unterstützen.

Die Durchführung des Forschungsvorhabens erfolgt anhand von vier Studien. Der erste Teil des Projekts ist eine Literaturrecherche, um die aktuellen Messinstrumente zur Erhebung der Versicherungskompetenz sowie verwandte Konzepte zu erfassen. Anschliessend wird in einer zweiten Studie eine Expertengruppe um die Erstellung einer Liste von Kompetenzen und einer operationalen Definition der Versicherungskompetenz im Kontext des Schweizerischen Gesundheitssystems gebeten. Ausgehend von den Erkenntnissen der ersten beiden Studien entwickeln die Forschenden im dritten Abschnitt ein neues Messinstrument, das nach einer Testphase in der vierten Studie validiert und bei der Bevölkerung eingesetzt wird. Im Rahmen einer grösseren Befragung werden nebst der Krankenversicherungskompetenz auch demografische und sozioökonomische Merkmale, die individuelle Gesundheitskompetenz, krankenversicherungsrelevantes Verhalten sowie subjektive und objektive Einschätzungen des eigenen Gesundheitszustandes erfasst und ausgewertet.
 

  • Originaltitel des Projekts und Übertragung ins Deutsche: "Assessing Health Insurance Literacy in Switzerland. Towards an Operational Framework and Measurement Tool" (Einschätzung der Krankenversicherungskompetenz in der Schweiz. Entwicklung eines operativen Rahmens und eines Messinstruments)
  • Leitung: Prof. Dr. Stefan Boes, Professor für Gesundheitsökonomie
  • Mitarbeitende: 1 Doktorand/in und 1 wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, noch zu bestimmen
  • Projektdauer: 4 Jahre
  • Bewilligte Fördersumme des Schweizerischen Nationalfonds (SNF): CHF 387’000 (gerundet)
     
20. November 2019