Das Zentrum für Aufklärung, Kritisches Denken und Pluralität stellt ein organisatorisches Dach für den inter- und transdisziplinären Austausch innerhalb der und zwischen den vier  Fakultäten der Universität Luzern dar, mit dem Ziel, die Sichtbarkeit bereits existierender und zukünftiger Forschung zu erhöhen. Die übergeordneten Zielvorstellungen bestehen dabei einerseits im Aufbau und der Entwicklung neuer kritischer Perspektiven auf die drängenden Probleme der heutigen digitalen und pluralen Gesellschaft, und andererseits in der Ermöglichung einer begleitenden Reflexion über die Bedeutung kritischen Denkens in dieser Welt.

Das Zentrum nimmt eine einzigartige Stellung innerhalb des sich verändernden Bereichs der Humanities ein, indem es einen besonderen Schwerpunkt auf die Erforschung des Erbes der historischen Epoche der Aufklärung legt und dessen heutige soziale, politische und kulturelle Bedeutung freilegt. Dies ist auf die Überzeugung zurückzuführen, dass die Fragen und Perspektiven der Aufklärung heute erneut zur Diskussion stehen, und dass uns die Texte der klassischen Aufklärung eine nützliche Orientierungshilfe bieten, um auf die aktuellen globalen Herausforderungen angemessen antworten zu können.

Im Kontext aktueller Debatten über das Vermächtnis und die Relevanz aufklärerischen Denkens dominieren zwei Linien der Beantwortung dieser Frage. Die erste besteht darin, die Aufklärung als ein gescheitertes und überholtes Projekt zu entlarven, das keinerlei Bedeutung mehr für heutige soziale und politische Herausforderungen hat. Die zweite besteht in zuweilen schrillen und simplifizierenden Rufen nach einer Rückkehr und Erneuerung der "wirklichen" aufklärerischen Werte als Basis für eine moderne und emanzipatorische Politik.

Das Zentrum für Aufklärung, Kritisches Denken und Pluralität geht davon aus, dass beide Sichtweisen die Aufgabe einer adäquaten Neubesinnung auf die Aufklärung verfehlen. Am Ausgangspunkt stehen daher zwei leitende Prämissen: 1., dass eine erneute kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe der Aufklärung unverzichtbar für das Verständnis (post-)moderner globaler Phänomene und für die Arbeit an neuen Lösungen für aktuelle Probleme ist; und dass 2. ein solches Unterfangen im vollen Bewusstsein der unterschiedlichen und komplexen Traditionen, die mit der historischen Aufklärung verbunden sind, stehen muss.

Ziele

Das Zentrum für Aufklärung, Kritisches Denken und Pluralität unterstützt, koordiniert und fördert:

  • Interdisziplinäre Forschungen zur europäischen und nordamerikanischen Aufklärung (1630-1800)
  • Interdisziplinäre Forschungen zur voreuropäischen und nicht-europäischen Aufklärung
  • Interdisziplinäre Forschungen zum historischen Vergleich zwischen Aufklärung und Gegenwart
  • Interdisziplinäre Forschungen zur Relevanz der Ideengeschichte der Aufklärung(en) für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie sie die Prozesse der Digitalisierung und der Umgang mit Pluralität bedeuten
  • Interdisziplinäre Forschungen zum Zusammenspiel zwischen Digitalisierung und Pluralität

Das Zentrum für Aufklärung, Kritisches Denken und Pluralität bietet:

  • Unterstützung bei der Publikation und Vermittlung von Forschungsergebnissen in Bezug auf Aufklärung, Pluralitätsfragen und Digitalisierung
  • Unterstützung beim Aufbau eines nationalen und internationalen Netzwerkes zu den genannten Forschungsschwerpunkten
  • Unterstützung bei der Finanzierung und Drittmittelbeschaffung für Forschungen zu Aufklärung, Digitalisierung und Pluralität

Geschichte

2015 gelingt es der Universität gleich zwei SNF-Förderungsprofessuren zum Schwerpunkt Aufklärung und Pluralität in Luzern für Forschung und Lehre zu gewinnen: Die SNF-Förderprofessuren von Christine Abbt und Boris Previšić. Christine Abbts Forschungsteam untersucht in Philosophie und Literatur der Antike, Aufklärung und Gegenwart die Bedeutung, welche dem Nicht-Eigenen für demokratische Gesellschaften zugesprochen wird und formuliert davon ausgehend aktuelle Kriterien für eine verbindliche Pluralität. Boris Previšić Forschungsteam wiederum konzentriert sich auf das musikalische Paradigma der Polyphonie in Literatur und Kultur vor allem im 17. und 18. Jahrhundert und ihre Aktualisierung in der Gegenwart.

Aufklärung und Pluralität bilden nicht nur einen gemeinsamen thematischen Fokus dieser beiden SNF-Förderungsprofessuren der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (KSF). Die Frage nach der Aktualität aufklärerischer Anliegen, Perspektiven und Fragestellungen beschäftigt darüber hinaus etliche weitere Professuren und Forschungsteams der Universität Luzern. In den letzten zwei Jahren hat sich in der Folge eine interfakultär zusammengesetzte Forschungsgruppe zusammengefunden, die sich mit Fragen beschäftigen, welche sich uns aufgrund einer veränderten Lebenswelt heute akut stellen. Digitalisierung, Klimawandel, Frage der Grundrechte, Verhältnis von Ungleichheit und Ungerechtigkeit, Migration, Verteilung von Gütern sind nur einige Stichworte, die diesen gegenwärtigen Wandel skizzieren.

Darüber hinaus gibt es eine grosse Zahl weiterer Professorinnen und Professoren, die das Interesse an Fragen zur europäischen Aufklärung und ihrer Relevanz für aktuelle Fragen in ihren Forschungen diskutieren. Unter ihnen:

  • Rana Alsoufi (Islamische Theologie)
  • Malte-Christian Gruber (Rechtsphilosophie)
  • Peter Kirchschläger (Theologische Ethik)
  • Sophie Mützel (Soziologie)
  • Daniel Speich Chassé (Geschichte)

Zuzüglich zu diesen Personen gibt es in allen vier Fakultäten der Universität Luzern Vertreterinnen und Vertreter, die heutige Herausforderungen kritisch untersuchen und einen Bezug zu historischen oder systematischen Fragestellungen der Aufklärung vornehmen:

  • Joachim Blatter (Politikwissenschaften)
  • Thomas Forrer (Kulturwissenschaften)
  • Martin Hartmann (Philosophie)
  • Steven Howe (Institut Lucernaiuris, Rechtswissenschaften)
  • Johannes Schulz (Politikwissenschaften)
  • Marianne Sommer (Kulturwissenschaften)

Das Zentrum steht weiteren interessierten Forschenden der Universität Luzern offen.

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Organisation

Das Zentrum wird von einem Gremium geleitet, welches aus Vertretern und Vertreterinnen der beteiligten Fakultäten der Universität Luzern besteht. Das Leitungsgremium ist verantwortlich für die gesamte Administration, so auch für die Finanzierung und Organisation gemeinsamer Aktivitäten. Christine Abbt, Boris Previšić und Daniel Speich Chassé übernehmen die operative Leitung. Das Sekretariat des Zentrums unterstützt das Leitungsgremium, die operative Leitung und Netzwerke de Znetrums für Aufklärung Kritisches Denken und Pluralität in administrativen Belangen. Steven Howe fungiert als Koordinator.

 

Leitungsgremium: Christine Abbt, Christian-Malte Gruber, Martin Hartmann, Steven Howe, Peter G. Kirchschläger, Sophie Mützel, Boris Previšić, Daniel Speich Chassé

Operative Leitung: Christine Abbt, Boris Previšić, Daniel Speich Chassé

Koordinator: Steven Howe

Forschung

Am Zentrum für Aufklärung, Kritisches Denken und Pluralität sind verschiedene Forschungsgruppen mit unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen Schwerpunkten angesiedelt. Das Ziel ist es, ein tragfähiges Forschungsnetzwerk auf- und auszubauen, an dem Forschende verschiedener Disziplinen der Universität Luzern mit nationalen und internationalen Partnern und Partnerinnen kooperieren.