Polyphonie

Das Projekt „Polyphonie“ bildet einen Teilbereich der SNF-Förderprofessur von Boris Previšić zu Musikalischen Paradigmen in Literatur und Kultur. Es untersucht die Verbindungen zwischen akustisch organisierter und musikalisch konstituierter Polyphonie in musiktheoretischen Musikdiskursen, in verschiedenen (literarischen) Genres und Formen der Kritik. Das Projekt verortet sich historisch im 17. und 18. Jahrhundert. Gleichzeitig sucht es den Anschluss an zeitgenössische Diskurse zu Pluralität. Dazu gehört das für 2018/2019 geplante Grundlagenwerk Polyphonie und Narration, welches in Kooperation mit namhaften NarratologInnen und MusikwissenschaftlerInnen unter der Leitung von Silvan Moosmüller an der Universität Luzern entsteht. In einem eher philosophisch-literaturwissenschaftlichen Kontext siedelt sich das Projekt 2019/2020 in Zusammenarbeit mit Klaus Birnstiel, Universität Basel, an: Stimmen der Kritik. Register der Aufklärung zwischen Episteme und Gattung.

Biodiversity and Cultural Diversity in the Technological Enlightenment

Leitung:Malte-Christian Gruber und Marianne Sommer

New, Scientific, Evolutionary, and Ecological Humanism

Leitung: Marianne Sommer

The Development of Law in the Anthropocene

Leitung: Malte-Christian Gruber

Contempt for the Poor: Ideas of Equality and Inequality in the Enlightenment

Leitung: Martin Hartmann

The Markets of Enlightenment

Leitung: Martin Hartmann

The Emotions of Enlighentement

Leitung: Martin Hartmann

Plurality on Stage

Theater und Politik unterhalten ein intrikates Verhältnis zueinander. Bereits in der Antike und dann insbesondere wieder im Kontext der Aufklärung wird der Schauspielkunst zudem eine spezifische Beziehung zur Demokratie zugeschrieben. Die Imitation einer anderen Person gilt als eine demokratisierende Praxis. Wer einen Anderen spielen kann, bemerkt Ähnlichkeiten und Möglichkeiten, realisiert allenfalls, dass er ein Anderer sein könnte, so etwa eine Befürchtung von Thomas Hobbes, der das Fremd- und Vieltun deshalb im Werk "Leviathan" selbst noch dann resolut zurückweist, wenn jemand das Rollenspiel ganz ohne Zuschauer vollzieht.

Die vielfältigen Praktiken der Darstellung, die sich im Kontext des Digitalen multipliziert haben, werden bereits in der Aufklärung in ihrer ganzen Ambivalenz diskutiert. Wenn das digitale Netz heute so etwas wie den Versammlungsraum umfasst, stellt sich die Frage nach der Verfasstheit aktueller, demokratischer Öffentlichkeit grundlegend. Ausgehend von der Untersuchung des in der europäischen Aufklärung akzentuierten Zusammenhangs zwischen Schauspielerei, Selbst- und Fremddarstellung und Demokratie, werden einerseits die politischen Bedeutungen von Praktiken der Verstellung im Zeitalter des Digitalen analysiert und reflektiert und andererseits gefragt, wodurch sich die immer noch im Entstehen begriffene digitale Öffentlichkeit von einer „theatralen“ unterscheidet und schliesslich diskutiert, welche gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Implikationen diese Transformation nach sich ziehen kann.

Team: Christine Abbt, Thomas Forrer, Donata Schoeller (Koblenz), Susanne Schmieden

Partners: Beate Hochholdinger-Reiterer (University of Berne), David Levin (University of Chicago), Dieter Mersch (ZHdK), Juliane Rebentisch (Offenbach a. Main), Anton Rey (ZHdK), Eric Santner (University of Chicago), Dieter Thomä (HSG), Benno Wirz (University of Zurich)

Plural Boundaries: The Conceptual Foundations and the Politics of Fuzzy Membership

Proceeding from the concept of ‘fuzzy sets’, the aim is to critically evaluate new pluralist understandings and practices of socio-political membership, and to render this productive across the areas of citizenship, democracy and gender identities.

Leitung: Joachim Blatter and Johannes Schulz

Partners: Mathias Koenig-Archibugi (London School of Economics and Political Science), Patricia Purtschert (University of Berne), Charles Ragin (University of California)

Rethinking the Democratic Majority

Die Forderung nach politischer Pluralität ist das Ergebnis eines Prozesses, der bereits vor 1650 einsetzt und nach 1800 fortdauert. Dazwischen lässt sich in der europäischen Philosophie ein Zusammenspiel von Faktoren ausmachen, das Vielfalt in sozialer, politischer und religiöser Hinsicht aufwertet: Die Wahrnehmung der Individualität und damit einhergehend ein Sensorium für die Problematik politischer und religiöser Repräsentationen; die Idee der Volkssouveränität und damit einhergehend die Kritik am Absolutismus und der Entwurf neuer Formen geteilter Macht (Polysynodie); ein Bewusstsein für die Problematik von Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

 

An Texten u.a. von Abbé de Saint-Pierre, Bayle, Diderot, Hume, Kant, Lessing, de la Mothe-Fénelon, Fontenelle, Montesquieu, Rousseau, Smith untersuchen wir einzelne Faktoren und deren historische Bedingungen und machen diese für die Diskussion aktueller Problemstellungen zugänglich bzw. beziehen diese frühen Überlegungen zum Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, von Minderheit und Mehrheit auf heutige Fragestellungen.

 

Team: Christine Abbt, Martin Hartmann, Urs Marti (Zürich), Nahyan Niazi, Ralph Weber (Basel)

Terms of Democratic Exclusion? Terms of Religious Inclusion?

Demokratien gelten als offen, Religionen als exklusiv. Die Untersuchung wählt die umgekehrte Perspektive: Gefragt wird einerseits nach der Legitimität von Einschränkungen persönlicher Grundrechte im Namen demokratischer Pluralität bzw. andererseits nach den Möglichkeiten von Christentum und Islam, die Anerkennung etwa der Würde des Menschen allgemein zu stärken.

Politik: Die demokratischen Argumente pro und contra Limitierungen persönlicher Freiheiten werden in Auseinandersetzung mit aktuellen Positionen systematisiert und auf aktuelle Fälle und politische Entscheide in den USA und der Schweiz bezogen, in denen die Rede- bzw. Versammlungsfreiheit tangiert wird.

Religion: Die Frage nach dem Potential von Religionen für die Anerkennung universaler Werte und Rechte wird in hermeneutischer Auseinandersetzung mit aktuellen religiösen Rechtfertigungen von Menschenrechtsverletzungen untersucht.

Team: Christine Abbt, Rana Alsoufi, Peter G. Kirchschläger, Leire Urricelqui

Partners: Oliver Diggelmann (University of Zurich), Rainer Forst (University Frankfurt am Main), Ingeborg Gabriel (Professor of Social Ethics, University of Vienna), Anna Goppel (University of Berne), Oliver Marchart (University of Vienna), Cristina Traina (Religious Studies, Northwestern University Chicago), Benedict Vischer (Max Planck Institute Berlin)