von Prof. Dr. Stephanie Klein, Professur für Pastoraltheologie

Die geschichtliche Entwicklung des Verständnisses von Ehe und Familie in der europäischen Kultur wurde stark vom Christentum geprägt. Heute wird in den mitteleuropäischen Gesellschaften eine große Vielfalt von familialen Lebensformen sichtbar, die politische Fragen aufwerfen und zunehmend gesellschaftliche und rechtliche Akzeptanz erfahren. Im Zusammenhang mit Globalisierung und Migration begegnen sich zudem in verschiedenen Kulturen verwurzelte familiale Lebensweisen, die sich gesellschaftlich und politisch gegenseitig herausfordern, in der multikulturellen und multireligiösen Familienpraxis aber oftmals verbunden werden.

In der katholischen Kirche ist die Kluft zwischen den vielfältigen Familienformen und dem lehramtlichen Familienverständnis, das die Familie allein in der sakramentalen Ehe gegründet sieht, immer tiefer geworden. Es gibt kaum einen Familienverband, der nicht von den kirchlichen Normvorstellungen abweicht. Die Kirchenleitung hat darauf in den Jahren 2014 und 2015 mit zwei Welt-Bischofssynoden reagiert, denen jeweils Befragungen der Gläubigen und kirchlichen Gruppierungen weltweit vorausgingen, und die in dem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris laetitia von Papst Franziskus im Jahr 2016 ihren Niederschlag fanden.  

Diese gesellschaftlichen und kirchlichen Prozesse bilden die Grundlage für die Forschungsfragen des Projekts: Wie verstehen sich die Familien selbst und vor welchen Herausforderungen stehen sie? Wie können die vielfältigen Familienrealitäten und die Herausforderungen theologisch angemessen verstanden und integriert werden? Welche Hinweise lassen sich aus der Rekonstruktion der Geschichte der Familie im Christentum gewinnen? Welche pastoralen Konzepte werden für die Unterstützung der Familien in ihren unterschiedlichen Situationen benötigt?

Diese Fragen werden in fachübergreifenden und interdisziplinären Beiträgen in Ringvorlesungen und Tagungen bearbeitet, die in Sammelbänden publiziert werden. Zudem wird in Einzelprojekten zu konkreten Themen geforscht.

 Forschungsveranstaltungen

FS 2017: Ringvorlesung: Familienvorstellungen im Wandel. Biblische Vielfalt, kirchengeschichtliche Entwicklungen, gegenwärtige Herausforderungen

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FS 2017: Interdisziplinäre Tagung mit Forschungskolloquium am 27.-28.3.2017: Identität im Internet. Mediale Identitätskonstruktionen über Familie, Religion und Sprache. In Zusammenarbeit mit dem Graduiertenkolleg TeNOR

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Einzelprojekte

- Pastoral Care to Youth of Varapuzha Archdiocese affected by alcohol Consuption in the Family. Pastoral Concepts in Switzerland and India (Thomson Thannikappilly)

- Religion als Ressource für Migration und Integration (Jaime Armas)