Ehe und Elternschaft: Wandel und Kontinuität im heutigen Afrika

Ethnologisches Proseminar von Laura Preissler, MA, im Herbstsemester 2018.

Das Seminar beschäftigt sich mit der Vielfalt afrikanischer Verwandtschaftsbeziehungen, die als „Familie“ bezeichnet werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf Ehe und Elternschaft, die wir anhand verschiedener ethnographischer Fallstudien diskutieren werden. Die Frage nach Wandel und Kontinuität im Kontext von Migration und Globalisierung wird uns dabei besonders beschäftigen.

Eheliche Beziehungen nehmen in afrikanischen Kulturen vielfältige Formen an und trotz des sich verbreitenden Ideals der Liebesheirat, haben Polygynie oder Gynaegamie (Frauenheirat) nicht an Bedeutung verloren. Die Wahl der Heiratspartner, Praktiken was Brautpreiszahlungen angehen oder die Art wie Ehen gelebt werden, wandeln sich jedoch aufgrund der Einführung der Geldwirtschaft sowie zunehmender Urbanisierung und transnationaler Migration.

Ein weiterer Grund für Veränderungen von Familien, ganz besonders was die Versorgung von Kindern betrifft, ist HIV/AIDS. Der HIV-Status spielt ebenfalls eine grosse Rolle in Liebesbeziehungen, denn HIV-Tests werden nicht nur genutzt, um eine Infektion auszuschliessen, sondern auch um dem/der PartnerIn Treue oder Sittsamkeit zu beweisen.

Auch das Aufziehen von Kindern ist ein sich wandelnder aber nach wie vor wichtiger Bestandteil des Erwachsenenwerdens. Eine Vielzahl ethnographischer Studien dokumentieren die negativen Konsequenzen von Kinderlosigkeit in afrikanischen Gesellschaften. Die voranschreitende Globalisierung der Reproduktionstechnologien bedeutet jedoch, dass heute auch unfruchtbare Paare in Afrika von diesen Gebrauch machen können, um Eltern zu werden.

Folgende Fragen können im Seminar behandelt werden: Wie werden transnationale Ehen zwischen senegalesischen Migranten in Europa und ihren Frauen in der „Heimat“ geschlossen und gelebt? Welche Gründe für Kindspflegschaft gibt es in Benin? Wie verstehen Leihmütter in Mali das Verhältnis zu dem Kind, das sie für die Wunscheltern austragen? Wie gehen stillende Mütter in Malawi mit dem Risiko einer Ansteckung ihres Kindes mit HIV um und inwiefern haben sich Konzepte von Muttermilch und Mutterschaft in diesem Zusammenhang verändert?

Mittwochs, 10:15 - 12:00 Uhr

Universität Luzern

Frohburgstrasse 3

6002 Luzern