Preis für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik


Mit dem Luzerner Religionspreis, der 2006 erstmals ausgeschrieben wurde, würdigt die Theologische Fakultät das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf das Themenspektrum Religion, indem sie herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik auszeichnet.

Der Preis, der mit 500 Franken dotiert ist und von der Universitätsstiftung entrichtet wird, wird jedes Jahr ausgeschrieben. Zugelassen sind Arbeiten aus allen Fächern und aus der gesamten deutschsprachigen Schweiz. Den aktuellen Abgabetermin entnehmen Sie bitte dem Merkblatt. Eine Fachjury, bestehend aus Dozierenden der Theologischen Fakultät und des Religionswissenschaftlichen Seminars der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, beurteilt die eingereichten Arbeiten.

Für den Religionspreis 2019 können Maturaarbeiten an die Präsidentin der Jury eingereicht werden, die Arbeiten sind von den Betreuungspersonen an Prof. Dr. Monika Jakobs (monika.jakobsremove-this.@remove-this.unilu.ch) zu senden. Das Abgabedatum wird noch bekannt gegeben.

Kontakt und Auskünfte

Prof. Dr. Monika Jakobs
Präsidentin der Jury

T +41 41 229 52 46
monika.jakobsremove-this.@remove-this.unilu.ch

Preisverleihung 2018

Anaïs Treadwell, Gewinnerin des Luzerner Religionspreises 2018
Anaïs Treadwell, Gewinnerin des Luzerner Religionspreises 2018, anlässlich der Ausstellung "Fokus Maturaarbeit" im März 2018 (Bild: Markus Wild)

Der Luzerner Religionspreis 2018 für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik geht an Anaïs Treadwell aus Beromünster. In ihrer Arbeit beleuchtet sie das Thema Flucht aus verschiedenen Perspektiven.

Die prämierte Arbeit wurde im Fach Geschichte an der Kantonsschule Beromünster verfasst und trägt den Titel "Der Flucht ein Gesicht verleihen. Ein Blick auf die zwei grössten Fluchtwellen der letzten hundert Jahre in Europa". Inmitten der politisch aufgeladenen Diskussion um Flüchtlinge in Europa und in der Schweiz präsentiert Anaïs Treadwell einen multiperspektivischen und vielgestaltigen Zugang zum Thema "Flucht", hält die Jury in ihrer Beurteilung fest. Sie erinnere daran, dass Fluchtbewegungen und -erfahrungen historisch eher die Regel als die Ausnahme sind.

In vier geschichtlichen Blitzlichtern werden die Verhältnisse und Fluchtursachen in Syrien und Afghanistan sowie diejenigen in Ostpreussen und im Baltikum nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet. Nebst historischer Klärung wird der Blick auf acht Einzelschicksale gerichtet. Die Betroffenen werden porträtiert und kommen in Interviews selbst zu Wort. "Es gelingt der Autorin nicht nur, der Flucht ein Gesicht zu verleihen, sondern eine informative und gleichwohl offene Gestaltung zu finden, welche die Leserinnen und Leser bereichert und überdies die Frage nach anderen historischen Situationen der Flucht, nach weiteren Gesichtern und Schicksalen aufwirft", urteilt die Jury.

Medienmitteilung Luzerner Religionspreis 2018

Preisverleihung 2017

Jan Schärer, Gewinner des Luzerner Religionspreises 2017
Jan Schärer mit seiner prämierten Maturaarbeit. (Bild: Benno Bühlmann)

Der Luzerner Religionspreis 2017 für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik geht an Jan Schärer von der Kantonsschule Alpenquai Luzern für seine medienethische Analyse des Pressebildes von Aylan Kurdi, einem auf der Flucht ertrunkenen Jungen.

Die prämierte Arbeit befasst sich mit der Frage, inwiefern es legitim ist, das Pressebild des ertrunkenen Kindes in den Medien weiterzuverbreiten. Das Foto ging im Jahr 2015 um die Welt und zeigt den dreijährigen Aylan Kurdi tot auf dem Bauch liegend am Strand von Bodrum in der Türkei.

Gemäss dem Urteil der Jury präsentiert Jan Schärer "eine beeindruckende, in die Tiefe gehende Analyse der Entstehung und Verbreitung dieses Bildes". Um zu ermitteln, wie das Bild in der schweizerischen Presse eingesetzt wurde, befragte der Maturand verantwortliche Presseleute. Den Kern der Arbeit bildet der Jury zufolge "eine sorgfältige medienethische Reflexion, die alle Aspekte der Beurteilung umfassend darstellt und erwägt". Als ein Argument gegen eine Publikation des Bildes führt er beispielsweise auf, dass dies Aylan Kurdis Würde verletze. Der Schockeffekt des Fotos bewirke, dass man sich der unwürdigen Situation der Flüchtlinge bewusst werde, ist eines der Argumente, die gemäss den Erwägungen für eine Publikation sprechen. Jan Schärer kommt nach einer umfassenden Abwägung verschiedener Aspekte und Perspektiven zum Schluss, dass die Verbreitung des Bildes gerechtfertigt war. Die Qualität der Arbeit zeige sich in genauem Hinsehen und Erforschen der Fakten, bei der Unterscheidung von Zentralem und Nebensächlichem, im präzisen Nachdenken über moralische Aspekte und politische Wirkungen. "Jan Schärer kann die ganze Spannung und die unterschiedlichen Perspektiven aller Beteiligten gut aufzeigen", so die Jury.

Medienmitteilung Luzerner Religionspreis 2017

Preisverleihung 2016

Preisträger Jan Murer (rechts) mit Martin Doppmann. (Bild: Benno Bühlmann)

Der Preisträger des Luzerner Religionspreises 2016 für herausragende Maturaarbeiten im Bereich Religion und Ethik steht fest: Es handelt sich um Jan Murer von der Kantonsschule Alpenquai Luzern. Dies für sein Filmporträt des Tetraplegikers Martin Doppmann.

 

«Ich träumte, ich kann fliegen»: So lautet der Titel des 20-minütigen Films (siehe Link unten), den Jan Murer im Rahmen seiner Maturaarbeit konzipiert und gedreht hat. In diesem stellt der 18-Jährige aus Root den Tetraplegiker Martin Doppmann vor. Dieser hatte vor rund zehn Jahren einen Kletterunfall und führt – unterstützt von seinem Freundeskreis – ein recht selbstständiges Leben in seiner Wohnung in Malters. Allen Widrigkeiten zum Trotz hat der 54-Jährige, der eine eigene Website unterhält, seinen Humor nicht verloren; so ist vor Kurzem sein zweites, wiederum komplett selbst gestaltetes Buch «Alles Käse. Lyrisch, schräg, ironisch und sinnfrei. Texte und Bilder» erschienen.

Für die Dokumentation begleitete Murer Doppmann mit der Kamera in verschiedenen Lebenssituationen und versuchte mittels Interviews zu erfahren, was ein Leben mit starken Einschränkungen trotzdem lebenswert macht. Im schriftlichen Teil der von Willi Bühler, Lehrer für Religionskunde und Ethik an der Kantonsschule Alpenquai, betreuten Arbeit beschreibt Jan Murer den Entstehungsprozess des Films – mit all den menschlichen und technischen Herausforderungen, die es dabei zu bewältigen galt.

Medienmitteilung "Religionspreis für Dokumentarfilm" 14. Juni 2016

Preisverleihung 2015

Camila Bucher mit ihrer prämierten Maturaarbeit. (Bild: Benno Bühlmann)

Der Luzerner Religionspreis 2015 für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik geht an Camila Bucher von der Kantonsschule Alpenquai Luzern. Die 19-jährige Luzernerin erhält die Auszeichnung für ihre literarische Verarbeitung des Themas Unterentwicklung und Hilfeleistung.

 

Camila Buchers prämierte Maturaarbeit trägt den Titel "Literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Blindheit und der damit verbundenen Problematik eines Entwicklungslandes, inspiriert durch eine wahre Begebenheit". Das Herzstück der Arbeit der 19-jährigen Luzernerin mit peruanischen Wurzeln bildet die selbst verfasste Erzählung "yurak ñawsa kay. Weisse Blindheit".

Die Handlung spielt in einem abgelegenen Dorf in den peruanischen Anden, wo in kurzer Zeit beinahe die ganze Bevölkerung erblindet. Rückblickend erzählt die Hauptperson Enma als alte Frau einem Journalisten die damaligen Ereignisse, die Ankunft der Helfer und Ärzte aus der Stadt und ihre weitere Lebensgeschichte. Die Erzählung besteht noch aus einer weiteren Ebene, die erst durch den überraschenden Schluss deutlich wird.

Dem Urteil der Jury zufolge beeindruckt Camila Buchers Erzählung durch die "flüssige Schreibweise, den immer vorhandenen Spannungsbogen und die kunstvolle Verbindung mehrerer Zeitebenen". Die literarische Form rege dazu an, über die Stabilität und die Anfälligkeit einer relativ geschlossenen Gemeinschaft nachzudenken, über die Frage, wer unter welchen Umständen zur Hilfe verpflichtet ist, über die unauflösbare Zwiespältigkeit der von aussen kommenden Helfer und über die Spannung zwischen Kulturen. Durch den erzählenden Zugang gewinne das Thema der Blindheit eine doppelte, eine metaphorische Bedeutung. (Ausführliches Juryurteil in der Medienmitteilung.)

Der 2006 erstmals vergebene Luzerner Religionspreis wird jährlich von der Theologischen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem Religionswissenschaftlichen Seminar der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern verliehen. Die Auszeichnung ist mit 500 Franken dotiert, zur Verfügung gestellt von der Universitätsstiftung. Die Jury besteht aus Prof. Dr. Monika Jakobs (Präsidentin), Dr. Andreas Tunger-Zanetti und Prof. Dr. Robert Vorholt.

Medienmitteilung Luzerner Religionspreis 2015 

Preisverleihung 2014

Luzerner Religionspreis 2014:
zwei herausragende Maturaarbeiten aus Luzern ausgezeichnet

Foto: Benno Bühlmann/PD

Die Preisträgerin und der Preisträger des Luzerner Religionspreises 2014 für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik stehen fest: Es handelt sich zum einen um Franziska Vogel von der Kantonsschule Musegg Luzern mit ihrer Arbeit zum Priesterzölibat. Zum anderen wird Fabian Pfaff von der Kantonsschule Alpenquai Luzern für seine Arbeit zur göttlichen Dreifaltigkeit ausgezeichnet. 

Bei den zum Wettbewerb eingereichten Arbeiten konnte generell ein hohes Niveau festgestellt werden. Aus diesem Grund wird der jährlich vergebene Preis auch in diesem Jahr an zwei Preisträger verliehen.
Der Jury zufolge zeigt sich an beiden Maturaarbeiten «vorbildlich, wie persönliches Interesse an einem Thema zu einer fundierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit eben diesem führen kann. Die Untersuchungen sind geprägt von Sorgfalt, grosser Nachdenklichkeit, viel Engagement und haben bedenkenswerte Ergebnisse hervorgebracht.» Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:

Franziska Vogel
"Um des Himmelreiches willen …" Wie begründen katholische Priester ihr zölibatäres Leben? (KS Musegg, Luzern)

Im Zentrum der Maturaarbeit von Franziska Vogel steht die Frage, wie katholische Priester ihr eigenes zölibatäres Leben persönlich begründen – gerade auch vor dem Hintergrund kirchlicher Vorgaben. Grundlage ist eine Fragebogenuntersuchung von Priestern des Bistums Basel, deren Aussagekraft durch die hohe Rücklaufquote von 70 Prozent eine besondere Bedeutung erhält. In den Antworten der Befragten spiegeln sich Entwicklungen seit dem Vatikanischen Konzil (Verzicht auf die Betonung von Reinheit). Der Zölibat wird subjektiv unterschiedlich spirituell und pragmatisch begründet. Die Befragten schätzen den Zölibat durchaus positiv ein, ohne ihn dabei zu überhöhen. So können sich die meisten vorstellen, dass ein verheirateter Priester ebenso gute Arbeit leisten kann wie sie selbst. Interessant ist, dass mit dem Alter die spirituelle gegenüber der pragmatischen Begründung an Gewicht verliert. Die Autorin gibt hierfür zwei mögliche Erklärungen an: Die subjektive Begründung für den Zölibat verändert sich innerhalb des Lebenslaufs – oder aber die Tatsache, dass für die jüngeren Priester in einem stärker säkularen Umfeld die spirituelle Fundierung ihrer Entscheidung wichtiger ist. Besonders lobenswert sind das ausgezeichnete methodische Vorgehen wie auch die Auswertung des empirischen Materials. Der sorgfältige theoretische Zugang, die sprachliche Form und ein ausgewogenes Urteil zeugen von einer bemerkenswerten wissenschaftlichen Haltung der jungen Forscherin.

Fabian Pfaff
Mikha’el. Eine Untersuchung des Stellenwertes der Trinität und ihrer Vermittlung in der Praxis von Seelsorgenden und TheologInnen (KS Alpenquai, Luzern)

Das Interesse an der lebenspraktischen Bedeutung einer zentralen christlichen Glaubensaussage, der Trinität, ist Fokus der Maturaarbeit von Fabian Pfaff. Dazu interviewte der Autor 12 Personen, die in Luzern im Dienst der katholischen Kirche stehen, Frauen und Männer, Priester und Laien, Religionspädagoginnen sowie Pastoralassistenten und -assistentinnen. Sein Ergebnis – mit vielen interessanten Einzelaussagen – zeigt, dass Individualisierung und religiöse Pluralität bei den katholischen Berufstheologinnen und -theologen heute selbstverständlich geworden sind. In der pastoralen Praxis gibt es nicht das eine Verständnis von Trinität. Die Interviews illustrieren, wie die Theologinnen und Theologen das Dogma der Trinität in Bezug zu ihren Lebens- und Arbeitswelten setzen und dabei bestimmte Aspekte betonen, die für ihre Praxis relevant sind. Das Profil einer Religionsgemeinschaft kann, so konstatiert der Autor richtig, in dieser Pluralität verschwimmen, Vermittlung wird angesichts der mangelnden Eindeutigkeit schwieriger. Fabian Pfaff hat sich mit dem schwierigen Thema eigenständig und kundig auseinandergesetzt, die Interviews gut geführt und systematisch ausgewertet. Die Arbeit zeugt von einer frischen, neugierigen Herangehensweise an ein Thema, das für heutige junge Menschen nicht gerade auf der Hand liegt. Die Ergebnisse seiner Arbeit dürften Fachleuten viel Anlass auch zum selbstkritischen Weiterdenken geben. 

Foto: Benno Bühlmann/PD

Die Preisträgerin und der Preisträger des Luzerner Religionspreises 2014 für herausragende Maturaarbeiten zum Thema Religion und Ethik stehen fest: Es handelt sich zum einen um Franziska Vogel von der Kantonsschule Musegg Luzern mit ihrer Arbeit zum Priesterzölibat. Zum anderen wird Fabian Pfaff von der Kantonsschule Alpenquai Luzern für seine Arbeit zur göttlichen Dreifaltigkeit ausgezeichnet. 

Preisverleihung 2013

Der Luzerner Religionspreis 2013 für herausragende Maturaarbeiten geht an Maturandinnen aus Luzern und Wil

Der Luzerner Religionspreis 2013 für herausragende Maturaarbeiten zum Thema "Religion" oder "Ethik" geht an Leana Käch von der Kantonsschule Alpenquai Luzern für ihre Arbeit "Wem gehört mein Tod?" und an Jessica Schmid von der Kantonsschule Wil (SG) für ihre Arbeit "Glaube und Physik – Duell oder Duett?".

Die zum Wettbewerb eingereichten Arbeiten zeichneten sich durch ein hohes Niveau aus. Dies zeigt sich auch darin, dass der jährlich vergebene Preis dieses Jahr zum ersten Mal an zwei Preisträgerinnen verliehen wird. Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt:

Leana Käch: Wem gehört mein Tod?

Die Frage der Suizid- und Sterbehilfe ist bereits viel diskutiert worden, meistens unter dem Aspekt des Selbstbestimmungsrechts. Leana Käch rollt diese Frage auf und erweitert sie um den ökonomischen Aspekt, der politisch in der Regel schamhaft verschwiegen wird. Sie vermag in ihrer Arbeit ethische, ökonomische und rechtliche Aspekte zu berücksichtigen und miteinander zu verknüpfen. Entspricht dem Recht auf Leben das Recht auf den Tod, oder: entspricht dem Recht auf ein menschenwürdiges Leben das Recht auf einen menschenwürdigen Tod? Eine liberale Gesetzgebung im Hinblick auf die Sterbehilfe auf der Basis des Selbstbestimmungsrechts führt zu einer Aufhebung des Tötungsverbots, das im Kontext der gesellschaftlichen Altersstruktur und den ökonomischen Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens auch Missbräuche ermöglicht.

Die differenzierte und vielperspektivische Argumentation der Arbeit ist klar, führt aber gerade nicht in Eindeutigkeiten, sondern in "Grauzonen", in Spannungsfelder, die nicht aufzulösen sind. Die Auseinandersetzung mit diesen sind aber die Voraussetzung dafür, zu vertretbaren Entscheidungen im Einzelfall und zu klareren rechtlichen Grundlagen zu kommen.

Die Arbeit ist sehr informativ und zeichnet sich aus durch einen klaren, gut lesbaren Stil.

Jessica Schmid: Glaube und Physik – Duell oder Duett?

Foto Jessica Schmid
Maturafeier Wil

Sind christlicher Glaube und Naturwissenschaft vereinbar? Das ist die Ausgangsfrage von Jessica Schmids Arbeit. Sie begegnet gesellschaftlich als Forderung der Kreationisten, die Urknalltheorie dürfe nicht unterrichtet werden.

Jessica Schmid nimmt die Frage von neuesten Erkenntnissen der Physik (Higgs-Boson, Astronomie) ausgehend auf, stellt sie dogmatischen Argumentationsfiguren, insbesondere den Gottesbeweisen im Anschluss an Thomas von Aquin gegenüber und kommt von daher zu einer Auseinandersetzung von Glaube und Vernunft. Diese Auseinandersetzung führt zu einer Theorie, welche den Dualismus zwischen Naturwissenschaft und Theologie im Sinne einer Komplementarität überwindet. Mit der Erarbeitung ihres persönlichen Standpunktes trifft Jessica Schmid mitten ins Zentrum zeitgenössischer Theologie, wie sie etwa auch in der heutigen Exegese der Schöpfungsberichte betrieben wird.

Die Interdisziplinarität zweier komplexer Fachgebiete ist für eine Maturaarbeit ganz aussergewöhnlich, und die Autorin meistert ihr ehrgeiziges Vorhaben hervorragend.

Preisverleihung 2012

Der Luzerner Religionspreis 2012 für eine herausragende Maturaarbeit geht an Linda Khema Eppler 

Der Luzerner Religionspreis 2012 für eine herausragende Maturaarbeit zum Thema Religion und Ethik geht an Linda Khema Eppler von der Kantonsschule Alpenquai Luzern für ihre Arbeit "Gott ist überall". Tamilische Jugendliche in der Schweiz sprechen über den Hinduismus.

Das Thema der Maturaarbeit von Linda Khema Eppler befindet sich am Puls aktueller religionswissenschaftlicher Forschung. Durch den Fokus auf Jugendliche wird in dieser Maturaarbeit neues, noch nicht bearbeitetes Forschungsterrain bearbeitet. Die Studie zeigt, wie Migrationshintergrund und gesellschaftlich-kultureller Kontext im neuen Heimatland von den Jugendlichen auf verschiedene Weise aufeinander bezogen werden. Dabei reicht die Spanne von der (durchaus reflektierten) Übernahme traditioneller religiöser Vorstellungen bis hin zum kritischen Infragestellen derselben. Deutlich wird auch, wie eng traditionelle Kulturkontexte mit Religion verwoben sind (z.B. Heirat). Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass auch in kleinen, vermeintlich homogenen Gruppen wie in der zweiten Generation von Tamilen in der Schweiz zwischen verschiedenen Typen differenziert werden muss.

Die Verfasserin befolgt in vorbildlicher Weise elementare Grundregeln des empirischen Arbeitens. Sie entwickelt ihre Fragen theoriebasiert, berücksichtigt den Stand der Forschung und zeigt sich religionsgeschichtlich versiert. Sie kommt in ihrem Ergebnis zu einer Typenbildung, die zu einer differenzierteren Wahrnehmung der untersuchten Gruppe führt und in dieser Weise noch nicht wissenschaftlich bearbeitet wurde. Es handelt sich um eine exzellente, gut dokumentierte und gut lesbare Feldstudie vor Ort, die ausserordentliche Anerkennung verdient. Betreut wurde die Arbeit von Daniel Räber.

Die Jury der Universität hat mit der Vergabe des Luzerner Religionspreises auch die Empfehlung abgegeben, die Maturaarbeit von Linda Khema Eppler als Buch zu veröffentlichen. Die Studie von Linda Khema Eppler wird Ende September 2012 unter dem Titel "Zwischen Shiva und Shoppen. Tamilische Jugendliche in der Schweiz sprechen über den Hinduismus" veröffentlicht. Die Publikation kostet 16 Franken und kann bereits jetzt online subskribiert werden unter www.db-verlag.ch.

Der Luzerner Religionspreis ist mit 500 Franken dotiert und wird jährlich von der Theologischen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem Religionswissenschaftlichen Institut der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern verliehen.

Preisträger/innen

Preisträger/innen  Titel der Maturaarbeit

Anaïs Treadwell (2018)
Kantonsschule Beromünster

Der Flucht ein Gesicht verleihen. Ein Blick auf die zwei grössten Fluchtwellen der letzten hundert Jahre in Europa

Jan Schärer (2017)
Kantonsschule Alpenquai Luzern

Medienethische Analyse des Pressebildes von Aylan Kurdi, einem auf der Flucht ertrunkenen Jungen

Jan Murer (2016)
Kantonsschule Alpenquai Luzern

Filmporträt des Tetraplegikers Martin Doppmann: «Ich träumte, ich kann fliegen»

Camila Bucher (2015)
Kantonsschule Alpenquai Luzern

Literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Blindheit und der damit verbundenen Problematik eines Entwicklungslandes, inspiriert durch eine wahre Begebenheit

Franziska Vogel (2014) Kantonsschule Musegg Luzern

"Um des Himmelreiches willen ..." Wie begründen katholische Priester ihr zölibatäres Leben?

Fabian Pfaff (2014)
Kantonsschule Alpenquai Luzern

Mikha'el. Eine Untersuchung des Stellenwertes der Trinität und ihrer Vermittlung in der Praxis von Seelsorgenden und TheologInnen

Leana Käch (2013)
Kantonsschule Alpenquai Luzern 

Wem gehört mein Tod?
 

Jessica Schmid (2013)
Kantonsschule Wil 

Glaube und Physik – Duell oder Duett?
 

Linda Khema Eppler (2012) Kantonsschule Alpenquai Luzern 

"Gott ist überall". Tamilische Jugendliche in der Schweiz sprechen über den Hinduismus

Stefanie Lochbühler (2011) Gymnasium St. Klemens Ebikon 

Todesanzeigen ? Spiegel der Religiosität. Entwicklung christlich-religiöser Elemente in Todesanzeigen Luzerner Zeitungen von 1920 bis heute

Helen Galliker (2010) Kantonsschule Luzern 

Auditing – Therapeutische Methode oder clevere Geschäftsidee?
 

Yasmin Bensultana (2009) Kantonsschule Luzern 

Religious Aspects in Naguib Mahfouz’s "Children of the Alley" and its attempt at demythologizing humanity’s religious quest

Simone Büeler (2008) Kantonsschule Luzern 

Pränataldiagnostik und das Down-Syndrom. "Egal ob ein Mädchen oder ein Junge, Hauptsache gesund!"

Stefanie Wiederkehr (2008) Kantonsschule Reussbühl 

Weibliche Genitalverstümmelung. Man macht es, weil man es macht.
 

Matthias Lötscher (2007) Kantonsschule Schüpfheim 

(In)komplett
 

Martina Moser (2006) Kurzzeitgymnasium der Kantonsschule Luzern 

Kein Platz für Schwule und Lesben in der Katholischen Kirche?

 

Stefan Schütz (2006) Kurzzeitgymnasium der Kantonsschule Luzern 

Ein fiktives Gespräch zum "Stellenwert des Individuums" zwischen einem Buddhisten, einem Christen und einer Muslima