In einem aussergewöhnlichen Dialog begibt sich der Judaist Richard Blättel auf die Spuren einer Wahlverwandtschaft zwischen Søren Kierkegaard und jüdischem Denken. Eine religionsphilosophische Reise beginnt.

Wie nahe stehen sich die jüdische Gedankenwelt und die Ideen Søren Kierkegaards? In seiner Dissertation «Das Geheimnis der Wiederholung: Søren Kierkegaard passiert jüdisches Denken» gibt der Judaist Richard Blättel darauf eine religionsphilosophische Antwort. Er lässt einen jüdisch-christlichen Dialog entstehen, indem er drei alttestamentarische Erzählungen in den Blick nimmt: den Sündenfall, die Opferung Isaaks und Hiob. Sowohl Kierkegraard als auch die jüdischen Denker Joseph B. Soloveitchik, Max Brod und Abraham J. Heschel haben sich mit diesen biblischen Narrativen befasst. An diesen Schnittstellen setzt Blättel an und untersucht, wo sich die Denker nahe kommen und in welchen Punkten sie divergieren.

Doch bei diesem Vergleich belässt es der Autor nicht. Ihn interessiert die Frage nach dem eigenen Personsein, die sich aus dem Dialog ergibt. Die jüdischen Denker und Kierkegaard zeigen: Personsein passiert jeweils in der leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Transzendenz Gottes. Der Mensch vergewissere sich selbst über seine Personalität, die in der Lebendigkeit des Geistes wurzle. Durch dieses Kriterium bietet das Konzept der Personalität mehr als das des Subjekts oder des Individuums. Das Leben der Person müsse im Kontext der Schöpfung und des Kreatürlichen zugänglich gemacht werden.  

In seiner Dissertation richtet Blättel die Philosophie einerseits als eine dialogisch-erzählende Philosophie neu aus. Andererseits gestaltet er solch eine Philosophie als Kunst bzw. als spezifisches Schreibverfahren. Die entscheidende Verbindung dieser narrativen Philosophie sieht der Autor in der gedanklichen Leidenschaft – einem philosophischen Pathos.

Die GSL gratuliert Richard Blättel ganz herzlich zum erfolgreichen Abschluss der Promotion!

8. Januar 2016