In Anbetracht der gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an das Recht kommt es zunehmend darauf an, über punktuelle Anpassungen der Rechtsdogmatik hinauszublicken und deren grundlegende Begriffe und Unterscheidungen kritisch zu reflektieren. Vor diesem Hintergrund hat sich der Lehrstuhl für Rechtsphilosophie und Wirtschaftsrecht zum Ziel gesetzt, die besondere Bedeutung der rechtswissenschaftlichen Grundlagenforschung für Recht, Wirtschaft und Gesell­schaft ins Bewusstsein zu bringen. Seine Lehr- und Forschungstätigkeit ist von der Überzeugung getragen, dass die Grundlagenfächer des Rechts ihre Aufgabe darin finden, die gesamte Rechtswissenschaft für Universität, Wis­senschaftssystem und Gesellschaft zu öffnen. Diese Aufgabe betrifft vor allem auch die Felder des Privat- und Wirtschaftsrechts sowie des Rechts der neuen Technologien, die – gerade mit Blick auf die dort entstehenden disziplinenübergreifenden Fragestellungen – zu den weiteren Arbeitsschwerpunkten des Lehrstuhls gehören.

Mit dieser Ausrichtung soll der Lehrstuhl am Institut für Juristische Grundlagen (lucernaiuris) in Forschung und Lehre dazu beitragen, rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung mit interdisziplinärem Austausch und technologischer Innovationsorientierung zu verbinden. Hier eröffnen sich Perspektiven auf ein Recht der nächsten Gesellschaft, das im Übergang der Computergesellschaft zur Bioinformationsgesellschaft mit einer zunehmenden Konvergenz von digitalen Kommunikationsmedien und neuen Biotechnologien zurechtkommen muss. Angesichts der enger werdenden Verbindungen von Digitalwirtschaft und Lebenswissenschaften sind fächerübergreifende Bezüge zum Recht der Bio- und Informationstechnologien herzustellen, die nicht zuletzt an die Forschungsprojekte des Zentrums für Recht & Gesundheit (ZRG) anknüpfen können.

Eine konzeptionelle Grundlinie markiert dabei das Forschungsprogramm der technologischen Aufklärung: Demzufolge gilt es, aus einer reflexiv gewordenen Vernunftaufklärung ein besonderes Problembewusstsein für deren eigene Schranken zu entwickeln, die etwa in einer mangelnden Kontrollierbarkeit von neuen Technologien und deren Folgen für Mensch und Umwelt erkennbar werden. Zahlreiche Rechtsprobleme der neuen Technologien bedürfen insoweit einer juristischen Methode, die experimentierend nach neuen Begriffen und Übergangsordnungen sucht mit dem Ziel, dem technologischen Wandel lernend zu begegnen und das geltende Recht selbst als eine Technik der Humanisierung von Technik einzusetzen.