Der Rechtsrahmen hat erhebliche Auswirkungen auf den Einsatz neuer Technologien. Zu diesem Schluss kommen Forschende der Universität Luzern in einem gemeinsamen Projekt von fünf Schweizer Kompetenzzentren für Energieforschung zum Einsatz von "Power-to-X", dessen Ergebnisse heute vorgestellt worden sind.

Bei Power-to-X-Verfahren (P2X) wird der überschüssige Strom aus neuen erneuerbaren Energien genutzt, um durch elektrochemische Umwandlung flüssige oder gasförmige Energieträger zu erzeugen, wie beispielsweise Wasserstoff, Methan oder Methanol. Diese werden dann weiter in den Verbrauchssektoren eingesetzt, um Fahrzeuge anzutreiben oder Wärme beziehungsweise auch wieder Strom zu erzeugen.

Erkenntnisse über P2X in Weissbuch zusammengefasst

Markus Schreiber (links) an der Präsentation des Weissbuchs "Power-to-X". Er hat das Kapitel zu den rechtlichen Aspekten mitverfasst.

Im Auftrag der Eidgenössischen Energieforschungskommission (CORE) haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Weissbuch "Power-to-X" erstellt. Dieses ist heute an der ETH in Zürich vorgestellt worden. Ziel des Weissbuchs ist es, die wichtigsten vorhandenen Erkenntnisse über P2X-Technologien zu sammeln.  Prof. Dr. Sebastian Heselhaus und sein Assistent Markus Schreiber vom Luzerner Zentrum für Energierecht haben dabei die gesetzlichen Aspekte im Zusammenhang mit dem Einsatz von P2X untersucht. Dazu gehören allgemeine Regelungen wie Raumplanung oder Sicherheitsvorschriften, aber auch spezifischere wie Netznutzungsentgelte oder die Regulierungen im Gas- und Wärmemarkt und im Verkehrssektor.

Anreize für P2X-Produkte

Die CO2-Steuergesetzgebung bietet bereits heute Anreize für P2X-Produkte, halten die Forschenden fest. Begünstigend wirkt ferner, dass Wasserstoff und synthetisches Methan als Brennstoff nicht unter die Mineralölsteuer fallen. Im Verkehrssektor bietet das geltende Recht Importeuren fossiler Brennstoffe Anreize, Investitionen in P2X zu tätigen, um damit einen Teil der CO2-Emissionen aus den importierten fossilen Brennstoffen auszugleichen.

Hemmende Faktoren

Es ist gemäss den Autoren nicht klar, ob P2X-Anlagen als Stromerzeuger oder Endverbraucher gelten. Als Endverbraucher müssten sie Netznutzungsentgelte zahlen. Eine derartige Regelung würde zu höheren Kosten führen und damit die Rentabilität einer Power-to-X-Anlage senken, die Strom aus dem öffentlichen Netz speichert. Ferner würden Anreize geschaffen, das öffentliche Netz nicht mehr zu nutzen, sondern Strom direkt aus erneuerbarer Stromerzeugung zu beziehen. Dies wiederum hätte Auswirkungen auf die Wahl des Standorts der Anlagen und der Kohlenstoffquellen und letztendlich auf die Kosten.

Der Rechtsrahmen habe erhebliche Auswirkungen auf den Einsatz neuer Technologien und sollte so konzipiert sein, dass er diejenigen Optionen unterstützt, die wirksam zu den übergeordneten Zielen beitragen, halten die Forschenden abschliessend fest.

Kompetenzzentren für Energieforschung

An dem Projekt beteiligten sich Forschende des Paul Scherrer Instituts PSI, der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), der Eidgenössischen Technische Hochschule (ETH) Zürich, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR), der Universität Genf und der Universität Luzern. Sie sind Teil von fünf der acht Kompetenzzentren für Energieforschung (Swiss Competence Centers for Energy Research SCCER). Das Luzerner Zentrum für Energierecht ist unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Hesehaus am SCCER CREST (Competence Center for Research in Energy, Society and Transition) beteiligt. Das Projekt wurde von der Innovationsförderagentur des Bundes Innosuisse und dem Bundesamt für Energie finanziert.

Auskunft und weitere Informationen
Zum rechtlichen Teil: Markus Schreiber, Luzerner Zentrum für Energierecht, +41 41 229 59 47, markus.schreiberremove-this.@remove-this.unilu.ch
Allgemeine Fragen: Dr. Tom Kober, Paul Scherrer Institut, Leiter der Gruppe Energiewirtschaft, +41 56 310 26 31, tom.koberremove-this.@remove-this.psi.ch
Medienmitteilung des PSI vom 3. Juli "Das Energiesystem der Zukunft und Power-to-X"
Weissbuch Deutsch (pdf) | White Paper Englisch (pdf)
Perspectives of Power-to-X-technologies in Switzerland; Supplementary Report to the White Paper (pdf)

 

 

8. Juli 2019