Prof. Dr. Michele Luminati

Die zunehmende Bedeutung der Justiz in der globalisierten Welt hat zu einem beträchtlichen Aufschwung der Justizforschung und Justizgeschichte geführt. Eine markante Lücke besteht allerdings in Bezug auf die Schweiz. Mit diesem Forschungsprojekt sollen die Grundlagen für eine langfristige, methodisch abgesicherte und international vernetzte Beschäftigung mit der Geschichte der Justiz im schweizerischen Bundesstaat geschaffen werden. 

Ein erster Schwerpunkt liegt bei der rechts- und sozialgeschichtlichen Untersuchung des Schweizerischen Bundesgerichts. Auf der Grundlage einer prosopographischen Datenbank wird ein biographisches Lexikon der Bundesrichterinnen und Bundesrichter für die Periode 1848 – 2008 erstellt. Parallel dazu erfolgt eine multifaktorielle Analyse der gesammelten Daten, die Aufschluss über die Dynamik des Justizfeldes und die Entwicklung der schweizerischen Justizelite geben soll. 

Ein zweiter Schwerpunkt bildet die Frage nach den Wechselwirkungen zwischen Rechtsprechung und Gesetzgebung in der Schweiz. Insbesondere wird der Umgang des Schweizerischen Bundesgerichts mit den grossen Kodifikationen (OR, ZGB und StGB) untersucht. In diesem Zusammenhang stellen sich etwa folgende Fragen: Was bedeutet Gesetzesbindung und Umsetzung des gesetzgeberischen Willens? Wie werden Konflikte zwischen unterschiedlichen (kantonalen) Rechtsprechungstraditionen gelöst?