Im Dezember trafen sich OrganisationssoziologInnen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) an einer zweitägigen Sektionstagung. Dabei diskutierten sie unter anderem über die Rolle - und wagten einen Blick in die Zukunft der Disziplin.

Die SoziologInnen Nadine Arnold, Hannah Mormann und Raimund Hasse luden Anfang Dezember 2019 zur Herbsttagung “Organisationsgesellschaft ‘reloaded’- Empirische Einsichten und konzeptionelle Herausforderungen” nach Luzern ein. Raimund Hasse, Professor für Soziologie und Leiter des Soziologischen Seminars an der Universität Luzern, eröffnete mit einem Vortrag die Sektionstagung und wies sogleich auf die Herausforderungen und Probleme hin, mit welchen sich die Organisationssoziologie konfrontiert sieht. Ziel der Tagung war es, neue theoretische Auffassungen im Umgang mit Organisationen zu präsentieren und mögliche Lösungsansätze zur Überwindung der bevorstehenden Hürden zu erarbeiten. Im Rahmen von insgesamt sechs “Parallel-Sessions” hatten knapp 30 WissenschaftlerInnen die Gelegenheit, ihre aktuellen Forschungen und Theorieansätze zu präsentieren und zu diskutieren. Nachfolgend sollen einige der Vorträge in wenigen Worten vorgestellt werden. 

Neue theoretische Auffassungen

Sven Kette (Uni Luzern) zeigte die gegensätzlichen Entwicklungsrichtungen auf, die eine Organisation unter dem Druck der «ökonomisierten Gesellschaft» einschlagen kann. Nämlich unter anderem hin zur Homogenisierung einzelner Organisationen, die vielfach im organisationalen Kontext anzutreffen ist. Rena Schwarting (WZB Berlin) widmete sich hingegen den gesellschaftlichen Erwartungen an die ökonomische Effizienz und an der Neutralität der eingesetzten Technologien in Organisationen. Sie untersuchte die sogenannte «algorithmic discrimination», also die Diskrimination durch den Einsatz von Algorithmen. Am Fallbeispiel konnte sie aufzeigen, dass diese Erwartungen und der Einsatz von Scores eher selektiv eingesetzt werden und von der Praxis entkoppelt sind.

Die Rolle der Organisation in der Gesellschaft

Bei Maja Apelt (Uni Potsdam) und Ines Michalowsk (WZB Berlin) standen wiederum spezielle Organisationstypen und Organisationsvergleiche im Vordergrund. Sie sprachen von speziellen Organisationstypen wie Schwimmbädern, die auf gesellschaftliche Entwicklungen in der Migration zu reagieren haben und diese beeinflussen. Roman Gibel und Judith Nyfeler (beide Uni Luzern) präsentierten Resultate dazu, wie Modefirmen und Mitgliederorganisationen unterschiedlich mit der gesellschaftlichen Forderung nach Transparenz umgehen. Die Orientierung an einem gesellschaftlichen Wert wie Transparenz zeigt die Verantwortung, welche Organisationen heutzutage in der Gesellschaft übernehmen müssen. 

Mögliche Lösungsansätze

Bei der abschliessenden Diskussion stellte sich heraus, dass die Tagung den Punkt der ungewissen Zukunft des Forschungsfeldes im organisationssoziologischen Diskurs getroffen zu haben schien. Aufgrund der vielen Schnittstellen und somit der grossen Konkurrenz mit anderen Forschungsfeldern scheint die Zukunft der Organisationssoziologie ungewiss und es stellt sich die Frage nach der Identifikation des Forschungsfeldes. Genau in dieser Interdisziplinarität des Feldes scheint aber auch ein sehr wertvolles Potenzial zu liegen, um die gewünschte internationale Anschlussfähigkeit der Disziplin zu erlangen. Die angeregten Diskussionen und Gespräche machten zudem deutlich, dass eine Schärfung der methodischen Begriffe und Methoden, sowie eine historische Perspektive in der Organisationssoziologie zielführende Lösungsansätze darstellen könnten.

Dieser Artikel wurde von den Studentinnen Arina Mischol, Carmen Gloggner und Caroline Walpen verfasst.

Arina Mischol und Caroline Walpen studieren  den Masterstudiengang Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften, Carmen Gloggner studiert den Masterstudiengang Kulturwissenschaften mit Major Soziologie.

 

10. März 2020