Am Donnerstag, 20. November 2014, fand zum dritten Mal die Diskussionsrunde "Buch im Fokus" statt.

Unserem gegenwärtigen Wirtschaftsmodell fehlt der Wert zwischenmenschlicher Beziehungen – so die kritische Pulsfühlung der beiden renommierten italienischen Wirtschaftswissenschaftler Luigino Bruni und Stefano Zamagni. Deren vielbeachtetes Buch Zivilökonomie – Effizienz, Gerechtigkeit, Gemeinwohl stand am vergangenen Donnerstagabend im Zentrum der dritten Runde von "Buch im Fokus". Eingeladen hatten die St. Charles Society und das Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP).

Einleitend stellte Angela Nigg, Studentin des Masters Religion – Wirtschaft – Politik, einige ausgewählte Kerninhalte aus dem Werk von Bruni und Zamagni vor. Die Autoren verfolgen einen doppelten Ansatz: Einerseits versuchen sie die bisher wenig beachtete Denktradition der Zivil­ökonomie aus dem Italien der frühen Neuzeit und zentrale Werte daraus wiederzubeleben, anderseits über die Einbettung und Bewusstmachung bürgerlicher Tugenden eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen, um anschliessend die Grundsätze einer neuen Wirtschaftsordnung zu entwerfen.

Ausgehend von der Frage, ob der Markt selber zu einem Ort des Glücks werden kann – wie dies Bruni und Zamagni vertreten – entwickelte sich auf dem Podium eine engagiert geführte Diskussion zwischen Monika Bobbert, Professorin für Theologische Ethik und Sozialethik an der Universität Luzern, und Christian Kobler, Gründungspartner, CFO und Präsident des Verwaltungsrats bei Forma Futura Invest AG in Zürich. Als Moderator fungierte Antonius Liedhegener, Professor für Politik und Religion an der Universität Luzern. Mit einem klaren Votum für eine auf zwischenmenschlichen Beziehungen Wert legende Wirtschaft, die nicht nur auf quantitativen, rationalen Elementen fusst, lancierte Kobler sogleich die Debatte. Diskutiert wurden unter anderem Themenfelder wie die Arbeitslosigkeit in Wohlstandsgesellschaften, das Verhältnis von Arbeit und Privatleben oder die Erfahrung von Glück. So wies Bobbert mitunter auf die Problematik kulturell geprägter Vorstellungen von Glück hin, wobei sie eine Suche nach Glücksmomenten, die alle betreffen, präferieren würde. Nicht zuletzt wurden auch die konzeptuellen Eigenheiten des zivilökonomischen Ansatzes der Autoren vor dem Hintergrund eines globalisierten Wirtschaftssystems und von Machbarkeitsfragen kritisch gewürdigt.

Auch das Publikum beteiligte sich mit vielfältigen Voten an der angeregten Debatte. Diskutiert wurde etwa über Schlüsselfaktoren zur Herstellung von Vertrauen – eine lebendige Demokratie?  Compliance-Regelungen in den Unternehmen? – oder darüber, ob der Hebel für eine menschlichere Wirtschaft eher in geeigneten Strukturen oder im bewussten Einsatz des Einzelnen liege.

Einen geselligen Abschluss fand der Diskussionsabend traditionellerweise beim schmackhaften Apéro. (dz) 

 

Vorschau

Der nächste Abend der Reihe «Buch im Fokus» findet am 26. März 2015 statt. Der Buchtitel
wird demnächst in der Rubrik "Veranstaltungen" bekanntgegeben.

 

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26. November 2014