Die Forschung rekonstruiert die Wirkung von quantitativen Statistiken in der Weltpolitik. Im Fokus steht der Übergang von den Kolonialreichen zu den neuen Staaten in Afrika. Beim Aufbau dieser Nationalstaaten waren die vergleichenden quantitativen Statistiken wichtig, die von den internationalen Organisationen ab den 1940er-Jahren erhoben wurden. Untersucht werden die Arealstatistik, die Wirtschaftsstatistik und die Bevölkerungsstatistik. Es ist interessant zu sehen, dass die europäischen Kolonialmächte noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein kaum Bescheid wussten, wie viele Menschen unter ihrer Herrschaft in Afrika standen und was diese genau taten. Die neuen internationalen Organisationen legten hingegen grossen Wert auf den Zahlenvergleich, und forderten die Wissenschaft auf, entsprechendes Wissen bereitzustellen. Dabei wurde die Nation zur unhinterfragten Grundeinheit. Mit der Veränderung der Machtstrukturen durch die Dekolonisation ging auch ein Wandel des Wissens einher. Beim Projekt dabei sind Patricia Hongler, Samuel Misteli und Yann Stricker, die in diesem Rahmen ihre Dissertationen verfassen. Sie untersuchen die Wissensproduktion und die Rolle von Experten in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), im Uno-System und in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).