Die Gründung der Scientology-Organisation fällt in die US-amerikanische Nachkriegsgeschichte, eine Zeit der Technikfaszination und des wissenschaftlichen Fortschritts. 1950 hatte Lafayette Ronald Hubbard (1911-1986), der u.a. als Science-Fiction-Autor tätig war, das Buch "Dianetik: Der Leitfaden für den menschlichen Verstand" veröffentlicht. Das Buch argumentiert, dass Personen ihr denkerisches Potential in höherem Masse nutzen könnten als sie es bisher getan hätten. Die Idee fand in verschiedenen US-amerikanischen Kreisen Anklang und es bildeten sich Lese- und Diskussionskreise. Als Organisation mit dem Anspruch einer Kirche wurde die Scientology-Kirche 1954 in Los Angeles gegründet, wobei das Buch «Dianetik» die inhaltliche Grundlage für Scientology bildet. In den folgenden Jahren wuchs Scientology in den USA und expandierte in weitere Länder, so dass sie heute in mehr als einhundert Ländern verbreitet ist.

Um Scientology besteht seit vielen Jahren eine Diskussion, in der nach Kritikern und ehemaligen, teils ranghohen Mitgliedern, Scientology keine Kirche oder religiöse Organisation sei, sondern ein wirtschaftliches Unternehmen und eine strafwürdige Organisation. Viele religionswissenschaftliche Studien verordnen Scientology im Kontext der Entstehung neuer weltanschaulicher und religiöser Gruppierungen, wie sie sich im 19. und 20. Jahrhundert im Zug der Entflechtung von Staat und Religion herausbildeten.

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Im Zuge des Wachstums der Scientology-Kirche wurde diese in zwei getrennte Leitungsgremien organisiert, das «Religious Technology Center» und die «Church of Scientology». Das Religious Technology Center, dessen Vorsitzender seit 1987 David Miscavige ist, fungiert als Instanz, dass die Wahrung und Weitergabe der Lehrinhalte von L. Ron Hubbard und die Verwendung der Handelsmarke «Scientology» als Trademark überwacht. Die Lehre wird «Technologie» bezeichnet, da sich die Aussagen im Dianetik-Buch gemäss Scientology-Vertretern als eine wissenschaftliche Methode verstehen. Anspruch ist, dass durch diese Methode Probleme wie unerwünschte Gefühle, irrationale Ängste und psychosomatische Leiden erleichtern werden könnten. Es gelte, so bezeichnete Engramme, demnach unbewusste Erinnerungsinhalte, zu überwinden. Dazu wird der oder die Interessierte in Lehrgängen stufenweise in diese Methode und Technologie eingeführt. Diese Einführung erfolgt im sogenannten Auditing, in dem gemäss Scientology schlechte Erinnerungsinhalte gelöscht würden, gleich wie das Löschen von Dateien auf einem Computer, und so die dem Menschen möglichen Fähigkeiten ermöglicht würden. Öffentliche Standaktionen mit der Aufschrift Dianetik und Werbung für Stresstest sind bemüht, Interessierte für diese Technologie und für die Scientology-Kirche zu gewinnen.

Hauptaufgabe der 1954 gegründeten Church of Scientology International ist die weltweite Verbreitung der scientologischen Lehre. Die Church of Scientology International, deren Präsident Reverend Heber C. Jentsch seit 1982 ist, ist in vielen Ländern verbreitet und gliedert sich hierarchisch von oben nach unten: die «CS Flag Ship Service Organization» hält Kurse höchster Stufe ab, gefolgt von der «Flag Service Organization» (in Clearwater, USA), die höherer Lernstufen anbietet. Es folgen nationale Kirchen, Missionen und lokale Dianetik- und Scientology-Gruppen. Inhaltlich angeschlossen, wenn auch nicht organisatorisch, sind zahlreiche Verbände und Projekte, die unterschiedliche soziale Aktivitäten, bildungsbezogene Programme und Antidrogenkampagnen durchführen (u. a. Nein zu Drogen, Narconon). Im wirtschaftlichen Bereich besteht das World Institute of Scientology Enterprises (WISE), welches Unternehmen und Gruppen durch Organisations- und Ausbildungsberatung beim «Vorankommen», so in eigener Sprache, unterstützt.

Scientology ist in der Öffentlichkeit umstritten. Sowohl das gesellschaftliche, z.T. von bestimmten Interessen beeinflusste Klima als auch rigorose Vorgehensweisen der Organisation selbst haben beigetragen, dass über diese Gruppierung wie über wohl kaum eine andere weltanschauliche Organisation kontrovers diskutiert und geschrieben wurde. Die Frage, ob Scientology eine Kirche, Religion oder ein als Religion getarnter Wirtschaftskonzern sei, wird von der Justiz westlicher Staaten unterschiedlich beurteilt. In einzelnen Staaten wie Spanien, Schweden, Portugal, England und den USA ist sie als Religion anerkannt und steuerlich begünstigt, in anderen Staaten wird sie vom Verfassungsschutz beobachtet. Von Aussteigern wird der gruppeninterne Druck, viel Geld für Kurse auszugeben, kritisiert. In den vergangenen Jahren ist die z.T. hitzige und kontroverse Diskussion um Scientology aufgrund der Verlagerung der Medienöffentlichkeit auf andere Themen abgeebbt.

In der Schweiz wurde der erste Scientology Verein 1974 in Basel eingetragen. Das Luzerner Zentrum folgte 1976. Es betreut gemäss Eigenangaben etwa 3500 Dianetik-Scientology-Interessierte in der Zentralschweiz. Zum Jahresbeginn 2009 bezog Scientology ein neues, grösseres Domizil in Emmenbrücke. Zudem eröffnete die Scientology-Kirche 2015 in Basel, unter Teilnahme des Vorsitzender des Religious Technology Center, David Miscavige, ein grosses neues Zentrum. Das Zentrum hat im Vorfeld und danach zu erheblichen Protesten der Anwohner geführt, die sich an den damit verbundenen Werbe- bzw. Missionstätigkeiten gestossen haben. Interessanterweise hat das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) in Basel im Juni 2015 die Scientology Kirche als religiöse Gemeinschaft nach Art. 3 Abs. a des eidgenössischen Arbeitsgesetzes eingestuft und damit von arbeitsgesetzlichen Bestimmungen bei gewerblichen Tätigkeiten befreit.

Die Diskussion um den Status von Scientology, ob Wirtschaftsunternehmen oder Kirche, wird in der Schweiz und weiteren Ländern fortgeführt.

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Letzte Aktualisierung: 22.01.2019