Die religiöse Organisation der Zeugen Jehovas ist in das Spektrum der christlichen Endzeitgemeinden einzuordnen. In der Mitte des 19. Jahrhunderts der US-Ostküste erwarteten protestantische Christen die Wiederkehr Christi und hatten mit 1844 ein konkretes Datum benannt. Nach dem Ausbleiben der Wiederkehr suchten der 18 jährige Charles Taze Russell (1852-1916) und Freunde 1870 in der Bibel nach Hinweisen für mögliche neue Daten. Nun erwarteten sie für 1872 bzw. 1873 sowie dann 1874 die sichtbare Wiederkehr Christi und das Ende der Welt. Das erneute Ausbleiben des Ereignisses führte Russell zu einem intensiveren Bibelstudium. Darauf geht der erste, frühe Namen der Zeugen Jehovas als Ernste Bibelforscher zurück. Russells Nachfolger Joseph Franklin Rutherford (1869-1942) wandelte den Namen in Zeugen Jehovas um. Nach Auffassung der Zeugen Jehovas sind die hebräischen Konsonanten J-H-W-H (Jahwe) als «Jehova» zu übersetzen und auszusprechen (die meisten Gelehrten lehnen diese Aussprache ab). 1881 gründete Russell die «Watch Tower Bible and Tract Society», die in kleinen Traktaten und Zeitschriften die biblische Interpretation der Ernsten Bibelforscher verbreiteten. Für 1914 hatte Russell erneut die Wiederkehr Christi vorausgesagt und nach dem abermaligen Ausbleiben und Russells Tod 1916 geriet die wachsende Bewegung in eine Krise. Rutherford als neuer, zweiter Präsident führte die verschiedenen Ortgemeinden zu einer zentralen Gesellschaft zusammen mit dem Anspruch, dass die Gesellschaft «der sichtbare Vertreter des Herrn auf Erden ist». Weitere Berechnungen der Wiederkehr Christi für die Jahre 1925 und 1975 blieben erneut unerfüllt. Seit 1994 werden keine neuen Jahresdaten mehr benannt.

Zentrale Glaubensgrundsätze der Zeugen Jehovas sind, dass die Bibel inspiriertes Wort Gottes ist, dass Jesus Christus der Erlöser ist und dass Jesus im Himmel 1914 als König unsichtbar inthronisiert wurde. Die Kriege und Umwälzungen der Zeit seien durch die Wegweisung Satans auf die Erde entstanden. Zeugen Jehovas nehmen die Aussagen der Bibel wortwörtlich und als Anweisungen für persönliches Verhalten und die Lebensführung. Erwartet wird von Zeugen Jehovas als «Diener Gottes» ein Leben in geistiger, sittlicher und körperlicher «Reinheit» inmitten der als «unrein» interpretierten Welt zu führen. Bluttransformationen lehnen Zeugen Jehovas ab, akzeptieren jedoch blutfreie Behandlungsformen. Zeugen Jehovas sind bekannt für ihre sehr aktive Missionstätigkeit, die sowohl von Haus zu Haus als auch durch «Verkündiger» auf Strassen und Plätzen geschieht. Die Zeitschriften «Der Wachtturm» und «Erwachet!» werden in mehr als 250 Sprachen und in einer Auflage von knapp 60 Millionen Exemplaren vertrieben. Die eigene Webseite bietet Informationen zur Bibel in über 500 Sprachen an. Der starke «Verkündigungsdienst» ist in der Auffassung begründet, dass bei der endzeitlichen Schlacht von Harmagedon Zeugen Jehovas überleben und diejenigen, die «Gottes Willen tun», und von den Toten auferweckt werden. Die Anfänge der Zeugen Jehovas in der Schweiz gehen auf eine Vortragsreise von Russell 1891 und die Gründung von Lesekreisen zurück. 1900 kam der in den USA lebende Auslandsschweizer Adolph Weber auf Vorschlag Russells in die Schweiz und gründete erste Gemeinden und die erste Schweizer Zweigstelle mit Büro und Literaturdepot 1903 in Yverdon. Von 1925 bis 1970 bestand in Bern das zentraleuropäische Büro, von wo während der Zeit des Nationalsozialismus Literatur nach Deutschland, Polen und andere Länder gelangte. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Zahl der Mitglieder in der Schweiz und beläuft sich heute auf 18‘600 Personen (2015), die als «Verkündiger» und «ehrenamtliche Bibellehrer» tätig sind. 2015  waren an der jährlichen Abendmahlsfeier etwa 32'000 Personen anwesend. Die Schweizer Zentrale der 270 Gemeinden befindet sich seit 1970 in Thun. 2013 wurde das Zweigbüro Schweiz aufgehoben und dem deutschen Zweigbüro in Selters, Taunus, D, angeschlossen (ebenso Österreich und Luxemburg).

In Luzern ist eine Tätigkeit der Zeugen Jehovas seit 1922 belegt. Gegenwärtig sind etwa 800 Personen in 10 Sprachen als «Bibellehrer» bzw. «Bibellehrerinnen» im Luzerner Raum tätig. Die Versammlungen in Kriens werden auch auf Tamil und Albanisch angeboten; in Ebikon gibt es auch französischsprachige Zusammenkünfte.

 

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«Religionsvielfalt im Kanton Luzern» (www.unilu.ch/rel-LU) ist ein Projekt des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Luzern.
Letzte Aktualisierung: 06.12.2016