Vesak-Fest, 18.05.2019

Etwa 15.000 Vietnamesen leben heute in der Schweiz. Mehrheitlich kamen sie aufgrund des Vietnamkrieges in den 1970er Jahren in die Schweiz. In der Region Luzern gründeten die sogenannten Indochina Flüchtlinge bereits 1984 einen Verein, um eine erste Andachtsstätte und einen Treffpunkt an der Bernstrasse in Luzern zu schaffen. Nachdem sie in den folgenden Jahren zeitweise Räumlichkeiten an anderen Standorten nutzen konnten, konstituierte sich der Verein 1993 neu und erwarb 2001 ein Haus in Emmenbrücke. Im Jahr 2017 verkaufte der Pagodenverein das Haus in Emmenbrücke und erwarb ein ehemaliges Gasthaus in Nebikon. Seither hat die Pagode den Namen Chùa Vien Minh. Der Verein finanziert sich nach eigener Aussage ausschliesslich über Spenden durch Mitglieder.

Das Gebäude wurde seit dem Erwerb umgebaut. Im Erdgeschoss befinden sich ein Empfangsraum, Büros, Küche und Speisesaal/Gemeinschaftsraum sowie die Buddha-Halle. Im oberen Stockwerk gibt es eine Bibliothek, die Wohnräume des Abts und mehrere Gästezimmer. Im Untergeschoss wurde ein grosses Unterrichtszimmer und ein Aufenthaltsraum eingerichtet. Dort werden die jungen Vietnamesen und Vietnamesinnen der 2. Und 3. Generation in Sprache, Kultur und Religion unterrichtet. Auch finden regelmässig Seminare statt.


Die Vien Minh Pagode besitzt eine neue Statue des Skayamuni-Buddha, die auf dem Hauptaltar steht. Davor auf einem kleineren Altar stehen mehrere Boddhisatvas und zuvorderst eine Statue eines kindlichen Skayamuni-Buddhas. Davor und daneben steht Blumenschmuck. Es gibt einen kleinen Seitenaltar im Nebenraum, wo die Ahnen verehrt werden. Im hinteren Teil der Halle befinden sich die Rezitationsbücher – einige Exemplare haben jeweils deutsche und englische Übersetzungen der Meditationstexte.
Im Gemeinschaftsraum steht die Buddha-Statue aus der Pagode in Emmenbrücke. Die Bibliothek enthält in erster Linie buddhistische Texte in Vietnamesisch, Sanskrit und Chinesisch. Die Gästezimmer sind für besuchende Mönche/Nonnen, aber auch für Seminarteilnehmer.

Der Vietnamesische Buddhismus gehört dem Mahayana-Zweig an und vereint die Meditationspraxis des chinesischen Ch’an-Buddhismus, die vertrauensvolle Hingabe an den Buddha Amitabha des „Reinen Landes“ sowie die Hochachtung und Verehrung der Ahnen.

Im Tempel treffen sich täglich Laienbuddhisten um 16 Uhr, um unter Anleitung von Ehrw. Thich Nhu Tu zu rezitieren. Für die religiöse Praxis sind Rezitation der Sutras, Mantren und Meditation zentral. Insbesondere die monatliche Vollmondzeremonie ist gut besucht. Für diese Zeremonie reisen vietnamesische Buddhisten aus der ganzen Schweiz an. Höhepunkte im Jahresverlauf sind die Jahresfeste, wie „Phat Dan“, Buddhas Geburtstag und „Vu Lan“, das Elterngedenkfest. Weiterhin finden in dem Tempel an Wochenenden so genannte „Reuezeremonien“ statt, mittels Niederwerfungen und Rezitationen ist es das Ziel gutes Karma zu erwerben. Zu grösseren religiösen Anlässen kommen Mönche und Nonnen aus anderen Ländern in die Pagode Vien Minh. Auf der Webseite der Pagode findet sich das Jahresprogramm in Deutsch. 

Lange Zeit verfügte die Pagode über kein geistliches Oberhaupt. Seit 2014 leitet Ehrw. Thich Nhu Tu die Pagode

«Religionsvielfalt im Kanton Luzern» (www.unilu.ch/rel-LU) ist ein Projekt des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Luzern.
Letzte Aktualisierung: 14. 07. 2020