Wissenschaftliche Grundlagen hinsichtlich orthodoxen Strömungen innerhalb des Islams – sogenanntem Salafismus – in der Deutschschweiz schaffen: Das ist das Ziel eines vom Bund unterstützten Forschungsprojekts des Zentrums Religionsforschung.

Das Forschungsteam mit (v.l.) Jürgen Endres, Martin Baumann, Silvia Martens und Andreas Tunger-Zanetti

Die Förderung des im Mai startenden Projekts erfolgt im Rahmen des "Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus" (NAP). Die Studie mit dem Titel "Salafismus in der (deutschsprachigen) Schweiz" ist am Zentrum Religionsforschung (ZRF) der Universität Luzern angesiedelt und wird von Prof. Dr. Martin Baumann, Professor für Religionswissenschaft und Co-Leiter des Zentrums, geleitet.

Zum Team zählen die Forschungsmitarbeitenden Dr. Jürgen Endres, Dr. Silvia Martens und Dr. Andreas Tunger-Zanetti. Das Forschungsprojekt knüpft an die Forschung des ZRF seit 2011 zu jungen Musliminnen und Muslimen in der Schweiz an. Hierbei hatte das ZRF-Team aufgezeigt, wie vielfältig und unterschiedlich muslimische Lebenswelten und muslimische Glaubenspraktiken in der Schweiz sind (Forschungsprojekt zu muslimischen Jugendgruppen und zu religiösen Autoritäten).

Hypothese: von friedlich bis radikal

Das neu bewilligte Projekt erforscht nun erstmals systematisch mit sozialwissenschaftlichen empirischen Methoden das Feld des Salafismus in der deutschsprachigen Schweiz. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Salafismus hierzulande ein breites Spektrum aufweist, das von einer friedlichen, spezifischen Form einer religiösen Orthodoxie bis hin zu radikalen Verständnissen und Positionen reichen kann. Ziel ist es, die Bandbreite salafistischer Milieus und Haltungen vertieft zu untersuchen und seine Dynamiken besser zu verstehen.

Mit der Studie wenden sich die vier Forschenden einem gesellschafts- und auch sicherheitspolitisch relevanten Thema zu. Sie möchten eine wissenschaftliche Grundlage für informiertes politisches und behördliches Handeln im Bereich von Prävention und Deradikalisierung in Bezug auf islamisch begründeten Extremismus bereitstellen.

Das Projekt des Zentrums Religionsforschung ist eines von zehn Projekten, die das Bundesamt für Polizei (fedpol) im ersten Förderjahr des Nationalen Aktionsplanes bewilligt hat. Von dieser Seite wird die Studie im ersten Jahr mit 98'000 Franken gefördert; gesamthaft ist sie mit 294'000 Franken an Drittmitteln dotiert. Die Universität unterstützt das Projekt in gleicher Höhe mit Eigenleistungen und universitätseigenen Fördermitteln.

Projekt-Website

16. April 2019