Für einmal den Hörsaal verlassen war das Motto der Exkursion zur Ringvorlesung «Die Praxis der Religionen». Im Hindutempel Sri Rajarajeshwary in Emmenbrücke und in der mazedonisch-orthodoxen Kirche in Triengen erkundete eine interessierte Schar konkrete Orte religiöser Praxis.

Priester Sasithareen Ramakrishna Sarma erläutert die Funktion der Prozessionsfiguren. (Foto Andreas Tunger-Zanetti)

Bis ins kleinste Detail erstreckt sich die Vielfalt knalliger Farben in einem Hindutempel der südindischen Tradition. (Foto Maria Ettlin)

Unter dem prächtigen Kronleuchter erläutert Venko Stoicov von der mazedonisch-orthodoxen Gemeinde die Elemente des Kirchenraums. (Foto Andreas Tunger-Zanetti)

Eine lange Liste von Spenderinnen und Spendern aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland hat zum Kirchenbau ihr Scherflein beigetragen. (Foto Andreas Tunger-Zanetti)

Religiöse Praxis braucht Orte, gerade wenn es um gemeinschaftliches Beten und Feiern geht. Katholische und reformierte Kirchen sind hierzulande leicht zu finden. Wo aber versammeln sich kleine Religionsgemeinschaften, die erst in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz heimisch geworden sind? Zwei von ihnen suchte die Exkursion auf, zu der sich 16 Hörerinnen und Hörer der Ringvorlesung «Die Praxis der Religionen» angemeldet hatten.

Erste Station war der Sri Rajarajeswary Amman Tempel, der im Juni 2017 in Emmenbrücke im ersten Stock eines umgenutzten Gewerbebaus eröffnet wurde. Der Priester Sasithareen Ramakrishna Sarma erläuterte der Gruppe die einzelnen Schreine, die Bedeutung der verschiedenen Gottheiten und einzelne der vielen Riten. Deutlich wurde dabei, an wie vielen Stellen eine Diaspora-Gemeinschaft pragmatische Kompromisse eingehen und Behelfslösungen suchen muss. Bald brach die Exkursionsgruppe auf, während der Priester sich noch auf das Navaratri-Fest vorbereitete, das am selben Abend anstand.

Einen grossen Gegensatz zum Hindutempel bot das zweite Exkursionsziel, die mazedonisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Naum von Ohrid. Sie wurde am Rand der Landgemeinde Triengen erbaut und 2010 eröffnet. Bilder spielen in der Form von Ikonen auch hier eine wichtige Rolle, wenn auch nicht mit der Vielfalt knalliger Farben wie im südindischen Hindutempel. Das Gebäude selber ist aussen so weiss wie viele Kirchen und Wohnhäuser auch. Innen im zentralen Kuppelraum herrscht Weiss ebenfalls noch vor, bisher ist nur der Altarraum farbig ausgemalt. Doch ganz nach ostkirchlicher Tradition sollen die andern Wände ebenfalls von einem Spezialisten noch bemalt werden, wie Venko Stoicov der Gruppe erklärte. Das Geld für die Aktion sammelt man derzeit. Wie der Gastgeber draussen an der Spendentafel für das Gebäude ausführte, kommen die Gottesdienstbesucher von weit her. Schliesslich gibt es für die mazedonische Gemeinschaft in der Schweiz nur diese eine von Grund auf gebaute Kirche.

Reichlich versorgt mit Informationen und eindrücklichen Bildern der beiden religiösen Stätten, trat die Gruppe den Rückweg nach Luzern an.

17. Oktober 2018