Der Peacock Chair ist mehr als ein Designklassiker: Auf dem geschwungenen Korbstuhl nahmen immer wieder Menschen Platz, die ihn mit neuem Inhalt füllten. Der deutsche Essayist Marcel Beyer schaut in der Reihe «Lose Bilder» des Kulturwissenschaftlichen Instituts Luzern genau hin und führt die Blicke durch Geschichten und Geschichte.

Datum: 19. März 2018
Zeit: 16.15 Uhr bis 18.00 Uhr
Ort: Universität Luzern, Raum 3.A05

1967 arrangiert der Dichter Eldridge Cleaver eine Porträtphotographie: Er lässt den Black Panthers-Aktivisten Huey Newton auf einem geschwungenen Korbstuhl Platz nehmen, bekannt als Peacock Chair. Als leere Form lässt sich dieses Möbelstück scheinbar mit jedem beliebigen Inhalt füllen. Vier Jahre zuvor spielt er im Rahmen der «Wiederentdeckung» des Dichters Ezra Pounds eine tragende Rolle.

Zugleich unbestimmt und dingfest

Doch die Geschichte des Peacock Chair reicht noch weiter zurück, bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert, in eine Zeit ohne Worte, die Stummfilm-Ära. Und er wird, wenige Jahre später, als Emmanuelle-Stuhl erneut seinen Platz in einer Sphäre des zugleich Unbestimmten und Dingfesten finden.

Der deutsche Schriftsteller, Lyriker, Epiker und Essayist Marcel Beyer schaut im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Lose Bilder» des Kulturwissenschaftlichen Instituts Luzern genau hin und lenkt die Blicke des Publikums durch Geschichte und Geschichten.

Bilder als Denkobjekte

Denn Bilder sind nicht nur Illustration, Kunst, Werbung oder Blickfänger. Sie sind auch Denkobjekte: Sie bringen ihre Betrachter auf Ideen. Und diese haben oft mit den ursprünglichen Intentionen der Bildermacher nicht viel zu tun.

Marcel Beyer wurde 1965 geboren und lebt heute in Dresden. Er schreibt Gedichte, Romane, Essays und Libretti. 2008 war er Gast am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, 2015 Fellow der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz an der Freien Universität Berlin.

2016 hielt er die Frankfurter Poetik-Vorlesungen an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Im selben Jahr erhielt er den Georg Büchner-Preis. Zuletzt erschienen die Essaysammlung «Sie nannten es Sprache» (2016) und «Das blindgeweinte Jahrhundert. Bild und Ton» (2017).

Flyer zur Veranstaltung.