Was sind die Auswirkungen des Prämienverbilligung-Systems in der Schweiz auf die Wahl der Krankenversicherung und auf die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen? Dies wird im Rahmen eines von Prof. Dr. Stefan Boes geleiteten Nationalfonds-Projekts untersucht.

(Symbolbild: Pixabay/Doris Jungo)

Das Schweizer Gesundheitssystem zeichnet sich durch eine hohe Versorgungsqualität und einen garantierten Zugang zu Gesundheitsleistungen aus. Auf der anderen Seite stehen hohe Ausgaben und die stetig steigenden Prämien in der obligatorischen Grundversicherung. Insbesondere Haushalte mit niedrigem Einkommen tragen mit einem vergleichsweise hohen Einkommensanteil zur Finanzierung des Gesundheitssystems bei. Um einen Teil der durch Prämienzahlungen verursachten Ungleichheit aufzufangen, sieht das seit 1996 bestehende Krankenversicherungsgesetz individuelle Prämienverbilligungen (IPV) vor. Das IPV-System ist kantonal unterschiedlich geregelt und entsprechend unterschiedlich ist dessen potenzielle Wirkung auf die Reduktion von Ungleichheit, oder auch andere gesundheitsrelevante Entscheidungen, zum Beispiel die Krankenversicherungswahl. 

Beitrag zur effizienten Ausgestaltung

In der Schweiz und international gibt es bislang nur wenig Fakten zu den Auswirkungen von Prämienverbilligungen auf das Entscheidungsverhalten im Bereich Krankenversicherung, und daran anschliessend die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Ein gutes Verständnis der zugrundeliegenden Wirkungsmechanismen ist jedoch unerlässlich für eine effiziente Ausgestaltung des IPV-Systems. 

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, erstens die international bestehenden obligatorischen Krankenversicherungssysteme hinsichtlich ihrer Ansätze zur Reduktion von vertikaler Ungleichheit zu untersuchen und zweitens die kausalen Zusammenhänge von IPV und Versicherungswahl bzw. Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen in der Schweiz zu analysieren. Methodisch wird neben einem beschreibenden Gesundheitssystemvergleich eine quantitative Analyse von Daten der Schweizer Gesundheitsbefragung und des Schweizer Haushaltspanels durchgeführt. Bei der Analyse werden quasi-experimentelle Methoden verwendet, welche die kantonalen Unterschiede im IPV-System ausnutzen, um die Auswirkungen der IPV auf das Entscheidungsverhalten herauszuarbeiten.
 

  • Originaltitel des Projekts und Übertragung ins Deutsche: "Premium Subsidies and their Impact on Health Plan Choices and Health Care Demand in Mandatory Health Insurance Systems. Evidence from Switzerland and an International Comparison of Health Systems" (Prämienverbilligungen und ihre Auswirkungen auf die Krankenversicherungswahl und Nachfrage nach Gesundheitsleistungen in der obligatorischen Krankenversicherung. Befunde aus der Schweiz und anderen Gesundheitssystemen)
  • Leitung: Prof. Dr. Stefan Boes, Professor für Gesundheitsökonomie
  • Mitarbeiterin: Shalvaree Vaidya (Doktorandin); 1 wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, noch zu bestimmen
  • Projektdauer: 4 Jahre
  • bewilligte Fördersumme des Schweizerischen Nationalfonds (SNF): CHF 350'000 (gerundet)
     
1. Mai 2019