Master of Arts in Weltgesellschaft und Weltpolitik
Im Rahmen des Studiengangs der Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften (MA SoCom).
Ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt
Das MA-Programm „Weltgesellschaft und Weltpolitik“ ist als interdisziplinäres Kooperationsprojekt konzipiert. Das Programm wird organisatorisch vom Soziologischen Seminar der Universität Luzern betreut. Die thematischen Schwerpunkte des Programms werden aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Disziplinen betrachtet, wobei insbesondere soziologische, politikwissenschaftliche und historische Akzente gesetzt werden.
Weltgesellschaft und weltpolitische Regelungsstrukturen als Leitlinie des Programms
Das Studienprogramm „Weltgesellschaft und Weltpolitik“ gründet auf zwei Leitgesichtspunkten. Auf der einen Seite das Studium internationaler Institutionen und Organisationen und insbesondere der Strukturen der Global Governance in der Weltpolitik, in denen sich eine interne funktionale Differenzierung der Weltpolitik abzeichnet, die quer zu der Binnendifferenzierung der Weltpolitik in das System der National- und Territorialstaaten steht. Kaum ein Bereich nationaler Politik kann sich heute noch dem Einfluss internationaler Entwicklungen und Entscheidungsprozesse entziehen. Es haben sich vielfältige und verflochtene Formen von politischer Gestaltung jenseits des Staates herausgebildet, deren Untersuchung die Vernetzung von Konzepten und Theorien aus den Bereichen der Internationalen Beziehungen und der vergleichenden Politik erfordert und die Fragen nach politischer Legitimität und demokratischer Verfasstheit neu stellt. Diesem politisch fokussierten Blickwinkel steht ein breites soziologisches Studienprogramm gegenüber, das die vielfältigen neuartigen Strukturbildungen untersucht, aus denen heraus das System der Weltgesellschaft entsteht. In dieser Hinsicht wird der Studiengang vergleichende Perspektiven, die die verschiedenen Weltregionen in den Blick nehmen, und evolutionäre Gesichtspunkte, die auf den langfristigen Wandel gesellschaftlicher Strukturen zielen, miteinander verbinden. Diese beiden Beobachtungsgesichtspunkte erlauben es, die historische Einzigartigkeit der Weltgesellschaft der Gegenwart angemessen herauszuarbeiten. Im Einzelnen interessiert die Entwicklung von übergreifenden globalen Funktionssystemen (Ökonomie, Wissenschaft, Religion und Recht), globalen Netzwerkstrukturen wie beispielsweise weltweite Verwandtschafts- und Migrationsnetzwerke, die Vielfalt globaler Organisationen und epistemischer Gemeinschaften in der Weltgesellschaft. Schließlich werden im Studiengang die Vergleichsschemata von Kultur und kultureller Differenz, mittels deren sich die Weltgesellschaft selbst beobachtet, thematisiert. Soziologisch-anthropologische Perspektiven werden immer von der Frage nach politischen Gestaltungs- und Steuerungsansprüchen einerseits sowie der Autonomie der Evolution globaler gesellschaftlicher Strukturen andererseits begleitet.
Schwerpunkte:
Global Public Policy: Die Transnationalisierung von Problemräumen und deren politische Bearbeitung, z.B. internationale Migrations-; Umwelt-; Wirtschafts- oder Entwicklungspolitik; die Strukturen der Politik jenseits des Nationalstaates: Regionale Integration, Internationale Organisationen und Regimes, Globale Politiknetzwerke, NGOs, Medien, Staatliche und substaatliche Akteure und deren Interaktion; sowie die Verrechtlichung der internationalen Beziehungen
Politische Ideen und demokratische Legitimität: Der Wandel von Staatlichkeit und grundlegender Vorstellungen von demokratischer Verfasstheit, Öffentlichkeit, Repräsentation, und politischer Kommunikation angesichts eines globalen gesellschaftlichen Systems.
Genese und Struktur der Weltgesellschaft: Historische Rekonstruktion der Selbstbeschreibungen und Strukturen der Weltgesellschaft; Analyse der Formen globaler gesellschaftlicher Strukturbildung: Funktionssysteme, Organisationen, Netzwerke als „small worlds“, epistemische Communities, globale Kategorien der Selbst- und der Fremdbeobachtung; Strukturen globaler Ungleichheit.
Kommunikation, Verkehr, Migration – Bewegungsmomente der Weltgesellschaft: Neue Techniken der Kommunikation und des Verkehrs; Migration und Kommunikation als das 19.-21. Jh. bestimmende Alternativen der Vernetzung des Sozialen; Kontrolle von Raum und Zeit durch Sozialsysteme; Differenz und Konflikt in der Weltgesellschaft.
Lehrformen und Ausbildungsziele
Didaktisch stehen forschungsnahe Lehrformen im Vordergrund (Seminare, Forschungskolloquien, Forschungsarbeiten/Praxisarbeiten, Masterarbeiten). Von den Studierenden wird erwartet, eigene Studienschwerpunkte zu setzen und - in Auseinandersetzung mit den Mitstudierenden und den Lehrenden - zu gestalten.
Inhaltlich wird die Entwicklung sachlicher Kompetenz entlang der thematischen Schwerpunkte des jeweiligen Programms gefördert. Dazu zählt auch forschungsnah erarbeitetes Wissen, das im Hinblick auf anspruchsvolle Berufsprofile von eminenter Bedeutung ist: die Fähigkeit, offene, unstrukturierte Situationen selbständig zu gestalten sowie die Kompetenz zur kritischen Evaluation von Handlungsalternativen - auf der Grundlage eigenständiger Forschungsarbeit unter Nutzung aller professioneller Recherchetechniken der modernen Wissensgesellschaft.
Thematische Vernetzung mit dem MA „Vergleichende Medienwissenschaft“ und dem MA „Organisation und Wissen“Das MA-Programm „Weltgesellschaft und Weltpolitik“ ist thematisch eng mit zwei weiteren MA-Studienprogrammen vernetzt: dem MA „Vergleichende Medienwissenschaft“ sowie dem MA „Organisation und Wissen“.
MA „Vergleichende Medienwissenschaft“
Die Programme profitieren wechselseitig von der Vernetzung ihrer zentralen Themen „Medien“, „Weltgesellschaft“, „Global Governance“ (Weltöffentlichkeit und lokale Öffentlichkeit; Verbreitungsmedien und Transformation globaler und lokaler Räume; lokal und global vernetzte KMU’s, multinationationale Unternehmen, Internationale Organisationen, NGO‘s und globale Medienräume).
MA „Organisation und Wissen“
Auch hier ergeben sich naheliegende thematische Schnittstellen entlang der jeweiligen zentralen Themen der Programme: „Organisationen“, „Weltgesellschaft“, „Global Governance“ (Multinationationale Unternehmen/lokale Unternehmen bzw. KMU; Internationale, insb. auch politische, Organisationen, NGO‘s, NPO‘s).
Aufbau des Studiums
Die drei Masterprogramme „Organisation und Wissen“, „Vergleichende Medienwissenschaft“ sowie „Weltgesellschaft und Weltpolitik“ sind eng miteinander vernetzt. Dies ermöglicht den Studierenden, je nach gewählter Ausrichtung eigene Akzente zu setzen und zugleich die Angebote eines weit gefassten Wahlbereichs zu nutzen. Besondere Möglichkeiten der Vertiefung bietet nicht nur die Masterarbeit, sondern auch das Forschungs-Praxis-Modul (mit Praxis- und Forschungsarbeit). Das Forschungs-Praxis-Modul kann zudem dafür genutzt werden, forschungsnah erworbenes Wissen durch ein freies oder ein didaktisch strukturiertes Praktikum zu ergänzen und im Rahmen einer Forschungsarbeit wissenschaftlich zu reflektieren. Eine Alternative hierzu ist die Spezialisierung auf methodische Kompetenzen.
Methoden
Auf der Ebene des Masterstudiums besteht die Möglichkeit zur Spezialisierung in empirischer Sozial- und Kommunikationsforschung. Der Methodenunterricht orientiert sich jeweils an der thematischen Ausrichtung des gewählten Masterprogramms „Organisation und Wissen“, „Vergleichende Medienwissenschaft“ und „Weltgesellschaft und Weltpolitik“, wobei sowohl ausgewählte Verfahren der standardisierten („quantitativen“) als auch der nicht-standardisierten („qualitativen“) empirischen Forschung theoretisch vertieft und anhand von bestehenden Forschungsbeiträgen reflektiert werden. Zudem wird ein besonderes Augenmerk auf die praktische Anwendung der Methoden gelegt, um die Vorteile und Grenzen der einzelnen methodischen Zugriffe konkret erfahrbar zu machen und kritisch zu hinterfragen. Ferner besteht innerhalb des Forschungs-Praxis-Moduls die Option, das gewählte Praktikumsfeld projektorientiert zu erforschen und eine eigene empirische Forschungsarbeit zu verfassen. Die Methodenausbildung ist Teil des Forschungs-Praxis-Moduls.
Forschungs-Praxis-Modul
Dieses Modul kombiniert Forschungsorientierung und berufspraktische Kontexte und zielt damit auf die Zusammenführung von „Theorie und Praxis“. Hierzu werden Kooperationen mit ausseruniversitären Anbietern – etwa aus den Bereichen Bildung und Wirtschaft – vereinbart. Eine Alternative ist das Einbringen eigener einschlägiger Praxiserfahrungen, die im Rahmen des Studiums angerechnet werden können. Das gilt z.B. für forschungsbezogene Tätigkeiten, für die Mitarbeit in Organisationen (Non Profit-Organisationen, Unternehmen, Internationale Organisationen, Bildungseinrichtungen etc.) sowie für Arbeiten im Bereich der Medien und Kommunikation. Diese Praxisimpulse werden im Rahmen des Moduls aufgearbeitet, indem die Studierenden das erarbeitete Wissen wissenschaftlich reflektieren und methodisch strukturiert vertiefen. Das Forschungs-Praxis-Modul überschreitet damit den universitären Kontext im engeren Sinn und eröffnet so einerseits Berufsperspektiven im Anschluss an das MA-Studium. Andererseits kann es zur Weiterverfolgung der Forschung und damit zur akademischen Laufbahn nach Erlangung des MA motivieren.
Das Forschungs-Praxis-Modul umfasst insgesamt eine Studienleistung im Umfang von 30 CP. Es setzt sich zusammen aus:
1. einem Methodenbereich von insgesamt 16 CP, der folgende Arbeiten umfasst:
zwei Seminare in quantitativen oder qualitativen Methoden (8 CP) und
eine methodisch orientierte Forschungsarbeit (8 CP)
2. einem Wahlbereich von insgesamt 14 CP, der folgende Möglichkeiten umfassen kann:
eine Praxiserfahrung (Praktikum, Forschungsmitarbeit) oder
ein strukturiertes Ausbildungsangebot in berufspraktischen Themenfeldern
Alternativ können spezielle Veranstaltungen aus dem Methodenbereich oder auch andere Angebote des MA-Programms gewählt werden.
Näheres zum Praktikum und zu den Forschungsarbeiten finden Sie auf dem Merkblatt.
Berufsmöglichkeiten
Die Master-Programme haben ein generalistisches Profil, das reflexive, forschungsorientierte Fähigkeiten fördert und durch berufspraktische Bezüge erweitert werden kann. Die thematischen Schwerpunkte Organisationen und Kommunikationsmedien sowie Weltgesellschaft und Weltpolitik weisen dabei auf die spezifischen Berufsprofile hin: Tätigkeiten in der Medienindustrie wie Programmgestaltung, Herausgeber, Journalismus etc.; Unternehmens- und Organisationskommunikation; Public Relations; interne Kommunikation in Unternehmen und Organisationen (von Parteien und religiösen Organisationen bis hin zu NGOs und Non-Profit-Organisationen); Funktionen der Politik und Strategie in Institutionen und internationalen Organisationen; Unternehmensberatung und Personalplanung; öffentliche Verwaltung; akademische Laufbahn.
Weitere Informationen
L_hc__ulinu--reztark__ardnaxela (Sekretariat sozsem).

