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Wichtiges und Interessantes

  1. Religionspädagogische Tagung Luzern 2009
  2. Buchbesprechung: Claudia Hofrichter/Elisabeth Färber: Wir feiern Kommunion

Religionspädagogische Tagung Luzern 2009


„Starke Mädchen, starke Jungs“ Genderbewusstsein in der religiösen Bildung – Religionspädagogische Tagung Luzern 2009


Mädchen und Jungs, Frauen und Männer. So wachsen wir auf, so erfahren Kinder unsere Welt. Genderbewusstsein negiert diese Wirklichkeit nicht, sondern weitet den Blick und verweist auf weit komplexere Realitäten – auf die Realität der Vielfalt.

Die Religionspädagogische Tagung vom 11. Februar 2009 zum Thema „Starke Mädchen, starke Jungs. Genderbewusstsein in der religiösen Bildung“ nahm diese Diskussionen auf.


Das Eröffnungsreferat von Dr. Annebelle Pithan (Comenius-Institut, Münster D) legte eine inhaltliche Basis, in dem es die Schlüsselbegriffe Geschlecht, doing gender und undoing gender klärte. Die Titelfrage „Geschlechtersensible Religionspädagogik – zusätzliche Belastung oder hilfreiche Perspektive?“ löste die Referentin deutlich positiv auf. Als wichtiges Instrument und Teil professionellen Handelns von Verantwortlichen religiöser Bildung gewichtet Pithan die Selbstreflexion. Was ist für mich weiblich / männlich? Welche Erfahrungen habe ich mit Männern / mit Frauen gemacht? Was durfte ich als Mädchen / Junge? Welche Bilder habe ich von Mädchen / Jungen; welche fördere ich? Worauf reagiere ich erfreut, worauf abwehrend? Professionelle Pädagoginnen und Pädagogen sind herausgefordert ihr eigenes Verständnis von Geschlecht zu reflektieren, um Mädchen und Jungen in ihren unterschiedlichen Lebenswelten angemessen begleiten zu können.
Die geschlechtsspezifische Sozialisation von Mädchen und Jungen in ihren Lebenswelten legt die Referentin in den Bereichen Aktivitäten und Freizeitverhalten, Gesundheit und Körper, Aggression und Gewalt dar und spricht unterschiedliche Entwicklungsaufgaben an. Sie regt schliesslich an, Geschlechtergerechtigkeit müsse einerseits als geschlechtsspezifisches Handeln explizit angegangen werden, andererseits ist es eine Querschnittsdimension schulischer Themen. Fazit: Geschlechtersensible Religionspädagogik eröffnet neue Perspektiven auf das eigene Verhalten als Verantwortliche/r, auf die Kinder und Jugendlichen.


Den Jungen im Religionsunterricht widmete Prof. Dr. Thorsten Knauth (Universität Duisburg-Essen) in seinem Referat Aufmerksamkeit. Sind Jungen „das vernachlässigte Geschlecht des Religionsunterrichts“? Typisierungen des Geschlechts oder Wesensaussagen über Männlichkeit und Weiblichkeit bringen diese Diskussion nicht weiter. Der Referent legte dar, dass der Blick stattdessen auf die Vielfalt von geschlechterbezogenen Selbstentwürfen zu richten sei. Neben den Differenzen zwischen den Geschlechtern ist für Knauth die Sensibilität für Differenzen innerhalb der Geschlechter selbst, sowie die Aufmerksamkeit für soziale Prozesse des Ausschliessens und Dazugehörens in bzw. aus Gruppen ebenso wichtig. Gerade in der Pubertät ist es wichtig, dass bisherige (Geschlechtsrollen-)Entwürfe aufgebrochen werden. Ziel ist ein balanciertes Junge- und Mannsein zwischen Präsentation und Selbstbezug, Aktivität und Reflexivität, Leistung und Entspannung, Stärke und Beschränktheit.
Knauth propagiert eine Religionspädagogik, die die besonderen Lebensbedingungen von Jungen als Ressourcen und Möglichkeiten, aber auch die Risiken im Blick hat. Jungenarbeit ist individuell-biographisch orientiert, auf Dauer angelegt, kritisch-reflektiert und darf nicht in einer Negativperspektive („Kleine Helden in Not“) verharren. Ein geschlechtergerechter Religionsunterricht arbeitet flexibel mit geschlechtshomogenen und geschlechtsheterogenen Gruppen.


Nach dem Mittagessen mit der Möglichkeit zu persönlichem Austausch bot die Tagung Gelegenheit, die Thematik in fünf Ateliers zu vertiefen und zu konkretisieren.

- Püppchen oder Zickenkrieg – Aggressionsformen von Mädchen (Dr. Annebelle Pithan),

- „Das ist nur was für Jungs“ – Beispiele und Übungen zur geschlechtsbezogenen Reflexion von Geschichten, Themen und Methoden für den Religionsunterricht (Prof. Dr. Thorsten Knauth),

- … und schaffen als Mann und als Frau. Gendersensibilität in der Gestaltung der Berufsrolle (Dorothee Foitzik),

- Geschlechtsbezogene Arbeit im Religionsunterricht. Ein Erfahrungsbericht. (Stefan Gasser),

- Differenzen im Paradies. Geschlechterbewusste Bibelarbeit mit Elementen aus dem Bibliodrama (Detlef Hecking/Monika Schmid).

Die mit 80 Teilnehmenden gut besuchte Tagung schloss traditionellerweise mit einem zum Nachdenken und Schmunzeln anregenden Schlusspunkt.

Zur Vertiefung der weitgespannten aktuellen Thematik sei der Ende 2009 erscheinende Sammelband empfohlen:

Arzt, Silvia / Jakobs, Monika / Knauth, Thorsten / Pithan, Annebelle (Hg.): Gender – Religion – Bildung. Beiträge zu einer Religionspädagogik der Vielfalt, Gütersloh 2009.






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Buchbesprechung: Claudia Hofrichter/Elisabeth Färber: Wir feiern Kommunion

 

Bei der Erstkommunionkatechese nichts Neues
 
Claudia Hofrichter, deren grundlegende Arbeit „Leben Bewusstwerden Deuten Feiern“ zu einem Referenzwerk im Hinblick auf Taufe, Katechese und Liturgie geworden ist, hat in Zusammenarbeit mit Elisabeth Färber ein Arbeitsbuch zur Erstkommunion vorgelegt. Ein solch kompetentes Autorinnenteam weckt grosse Erwartungen.

Das Begleitbuch beginnt mit einem hilfreichen, guten Theorieteil, bei dem das Ganze der Erstkommunionkatechese reflektiert wird. In zwei weiteren Abschnitten werden praktisch-pastoraltheologische Probleme samt Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt (Rollen der Beteiligten, späte Taufen, gemischtkonfessionelle Familien, behindertes Kind, Zeitplanung etc.). Das Buch ist sehr praxisorientiert, berücksichtigt die Vorbereitung inklusive verschiedener praktischer Probleme der Erstkommunionvorbereitung, enthält Anregungen für Liturgien und katechetische Treffen mit Eltern; es ist vom Umfang her realistisch und nicht überladen.
Das Konzept erhebt den Anspruch, im Kontext der Hinführung zur Erstkommunion den Zusammenhang von „Leben, Bewusstwerden, Deuten und Feiern“, wie schon beim gleichnamigen Standardwerk von Claudia Hofrichter, durchzubuchstabieren. Es geht um den Zusammenhang von Leben und Glauben, um Korrelation und um die liturgische Feier des gemeinsamen Weges.
Im Vorbereitungsbuch für die Kinder vermisst man aber gerade überzeugende Angebote zur Korrelation. Vieles steht einfach nur nebeneinander.
Die Lebenswelt von Kindern wird auf einer Doppelseite ohne Text abgebildet (Pferde, Spielen, Radeln, Inlineskaten), steht aber ganz unverbunden neben dem Beten auf der folgenden Seite. Ähnlich unverbunden sind das „heilige Brot“ und das „tägliche Brot“: Bilder und Texte zum Brot, wie z.B. ein Backrezept stehen einfach neben dem Brot in der liturgischen Gabenbereitung. Auch bei der Erläuterung der Taufe (22f.) schmerzt das Fehlen von Korrelation.
Korrelation zwischen Leben und Glauben ist hier nicht eingelöst. Oder doch? Erstaunt liest man, Jesus sei „unser Kumpane“. Die Erklärung im Begleitbuch lautet: Kumpane kommt von ‚cum pane’, das heisst, er ist Brot für uns, es ist der ‚rote Faden’ des Buches. „Die ‚Kumpanei’ Jesu, seine Hingabe an die Menschen fordert dazu heraus, einander zu Kumpanen zu werden.“ (32) So reizvoll das Wortspiel sein mag, so wenig praktikabel, ja fremd erscheint es. Es entspricht nicht dem sprachlichen Alltagsgebrauch und muss uneigentlich gebraucht werden, was Kinder in diesem Alter überfordert.
Ein weiterer roter Faden und inhaltlicher Schwerpunkt ist das Thema „Wir feiern Gottesdienst“. Die entsprechende Bebilderung wirkt uninspiriert und langweilig und vermittelt einen Eindruck vom Gottesdienst, der kaum der Absicht der Autorinnen entspricht. Die Bilder (S. 13) zeigen einen Gottesdienst mit wenigen BesucherInnen, eine Art Familiengottesdienst ohne Gemeinde, andere zeigen nur Mädchen; beim Vortrag des Evangeliums schliesslich schaut die um den Priester versammelte Gruppe ins Publikum statt sich zum Wort hinzuwenden. Der Begleittext vergisst ausserdem zu erwähnen, dass das Evangelium erst vorgetragen wird, bevor die Predigt folgt. Das Bild zum Tagesgebet, das der Priester „stellvertretend für die Gemeinde“ spricht, braucht offensichtlich keine Gemeinde. MinistrantInnen sind zwar beim Wortgottesdienst abgebildet, bei dem sie wenige Funktionen haben, bei der Gabenbereitung jedoch nicht. Seit der Liturgiereform des II. Vaticanums spricht man von der „participatio actuosa“, die in der Literatur zur Kinder- und Jugendliturgie Standard geworden ist – in diesem Buch wirken sie wie Statisten.
Auch aus theologisch-liturgischer Sicht gäbe es Diskussionsstoff: Bei der Erstkommunion geht es nicht nur um ein „Erinnern an die Taufe“ (Katechetenbuch, 60), sondern um das erste öffentliche selbständige Taufbekenntnis der Kinder. Nach der Kommunion gehen die Kinder „auf ihre Plätze“. Warum hat man nicht den Vorschlag der deutschsprachigen Liturgischen Institute aufgenommen, unter Anleitung ein Dankgebet zu sprechen?
Beim Thema „Versöhnung“ zeigt sich die Problematik, die entsteht, wenn man das Thema, wahrscheinlich im Hinblick auf das Busssakrament, in die ohnehin zeitlich begrenzte Erstkommunionkatechese aufnehmen will. Die Beichte wird dann auch in einem Satz in der Rubrik „Wusstest Du schon?“ abgehandelt.  Es bleibt wenig Zeit für eine wirklich altersgerechte Hinführung.
Die genannte Rubrik findet sich bei allen Themen und hat wohl die Funktion, wichtige Informationen zu liefern. Diese sind aber sehr diaparat und schwer einsichtig, zum Teil auch uninteressant. Ausgerechnet der 3. Oktober als Feiertag der Versöhnung? Oder: Menschen backen in fast allen Teilen der Erde Brot, in Deutschland gibt es die meisten verschiedenen Brotsorten, Bethlehem heisst „Haus des Brotes“. Dazu kommen dann Fragen, die nicht auf der Wissens-, sondern auf der Deutungsebene liegen: Wusstest Du schon, dass beim Mahl Jesu überall auf der Welt Brot geteilt wird? Oder: Kumpel kommt von cum pane, auch Bergarbeiter sagen zueinander Kumpel, auch Kinder müssen im Bergbau arbeiten (73).
Ein Detail: Muss es schon wieder „Der barmherzige Samariter“ sein? Sollte man nicht vermeiden, in der begrenzten Zeit, in der Kinder religiöse Anregungen bekommen, immer dieselben Perikopen zu behandeln?
 
Eine gute Theorie, einige hilfreiche Praxishinweise - enttäuscht wird man jedoch, wenn man darauf hofft, für das Problem einer kindgerechten symbolischen Repräsentation der Eucharistie gäbe es eine annehmbare Lösung. Auch auf differenzierten Zugängen für die unterschiedlichen Adressatengruppen wird nicht eingegangen. Die Bilder wirken steril, die Texte oft konventionell.
Es ist schade, dass in diesen sorgfältig produzierten Büchern die Chance vertan wurde, insbesondere im Kursteil für die Kinder Neues und Herausforderndes zu zeigen.




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