Concours 2011
« Monsieur le président de la Cour.
Les membres de la famille Joujou sont différents de l’homme de la rue gauterienne mais la Convention Européenne des Droits de l’Homme protège chaque individu dans sa façon personnelle. »
Dies ist der Beginn unseres Plädoyers. Der Weg dahin erforderte viel Kraft, einige Diskussionen, Einfallsreichtum sowie ein Flair für die französische Sprache. Die erste Begegnung mit der Familie Joujou fand anfangs Dezember statt. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Fall publiziert und die Recherche begann. Da wir damals noch nicht wussten, welche Seite wir vertreten werden, also Kläger oder Staatsvertreter, versuchten wir die Argumente für beide Seiten auszuarbeiten. Dies half uns, von Anfang an die Knackpunkte des Falles neutral zu beleuchten, was uns auf die Schwächen und Stärken unserer späteren Argumentation aufmerksam machte. Als schliesslich der Entscheid fiel, dass wir die Opfer vertreten, konnten wir uns bereits gut mit den Anliegen der Joujous identifizieren.
Der Fall befasst sich mit mehreren zentralen Rechtsfragen:
Lola Joujou, die jüngste noch minderjährige Tochter, wurde Opfer des grenzüberschreitenden Menschenhandels. Problematisch ist, dass die Menschenrechtsverletzungen nicht nur auf dem Territorium von Gauterie stattfanden. Es galt darzulegen, dass Gauterie diverse Schutzpflichten an der Grenze missachtete und dadurch aus unserer Sicht mitverantwortlich für die Verletzungen im Nachbarstaat Syge wurde.
Gina, die mittlere Tochter, ist Mitglied einer Gothic-Band und kleidet sich dementsprechend. Gauterie störte sich daran, dass sie mit ihren Haaren ihr Gesicht fast vollständig bedeckte und zur Dekoration ihres Bühnenbildes plastinierte Körper verwenden wollte. Wir mussten nun darlegen, dass beides Aspekte ihrer Persönlichkeit sind und jegliche Einschränkungen ausreichend gerechtfertigt werden müssen.
Rosita, die älteste Tochter, prostituiert sich und engagiert sich für die Rechte der Prostituierten. Die geplante Demonstration wurde jedoch von Gauterie nicht genehmigt. Zusätzlich wurde ihr jegliche Werbung für ihr Gewerbe untersagt. Monsieur Honoré ist Rositas Kunde und wird dafür bestraft, dass er die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nimmt. Dies, obwohl Rosita dies klar aus freien Stücken und ohne jeglichen Zwang macht. Wir mussten aufzeigen, dass dieser Eingriff in einer demokratischen Gesellschaft nicht gerechtfertigt werden kann.
Zu guter Letzt wurden die Eltern Joujou für mangelhafte Erziehung ihrer Kinder bestraft. Auch dies stellte unserer Meinung nach einen unzulässigen Eingriff in ihr fundamentales Recht auf Selbstbestimmung dar.
Motiviert machten wir uns ans Verfassen unserer Rechtsschrift. In unserem super Büro waren wir mit Wasserkocher und viel Schokolade bestens für lange Arbeitstage gerüstet. Obwohl wir uns vorher kaum kannten, funktionierte die Zusammenarbeit sehr gut und für Spass war auch ausreichend gesorgt. Wir kämpften uns durch zahlreiche Fälle, ein ganzes Büchergestell voll Bücher und heraus kamen unzählige Seiten Text, der wieder umgeschrieben, verbessert, gekürzt und manchmal neu geschrieben wurde. Es ist gar nicht so einfach, sich auf dreissig Seiten zu beschränken! Pünktlich auf die Fasnacht reichten wir unsere Arbeit in Strassburg ein.
Nach zwei Wochen bangen Wartens erfuhren wir, dass wir leider nicht zu den besten 16 Teams gehörten, welche sich für das mündliche Finale in Strassburg qualifizierten. Die Enttäuschung war vor allem deswegen sehr gross, weil wir von Strassburg keinerlei Rückmeldung erhielten und somit nicht wissen, woran es gefehlt hat. Dank dem Engagement von Prof. Heselhaus und seinem Lehrstuhl bekamen wir die Möglichkeit, gegen das Neuenburger Team zu plädieren und so trotzdem die Erfahrung einer mündlichen Runde zu machen. Nach kurzer aber intensiver Vorbereitungszeit stellten wir uns der Herausforderung, die so ein Plädoyer in einer Fremdsprache mit sich bringt. Es war sehr aufregend und lehrreich und bildete den perfekten Abschluss unseres Moot Courts. Die Erleichterung und der Stolz, welche man nach einem gelungenen Plädoyer verspürt, sind einfach unbeschreiblich und machen alle Mühen wett.
Team 2011 der Uni Luzern:
Joëlle Fatton (Mootie)
Christa Preisig (Mootie)
Stéphanie Rossé (Mootie)
Joëlle Sigrist (Mootie)
Jonas Hertner (Coach)

