Zum Freuen / Zum Weinen
Im Blick auf die Theologie gibt es immer wieder Dinge zum Freuen, aber leider auch solche zum Weinen.
Auf dieser Seite sollen einige Lichtblicke, aber auch dunkle Wolken gesammelt werden.
Zum Freuen
Zwischen Kardinal Christoph Schönborn (Wien) und Vorstandsmitgliedern der Pfarrerinitiative hat am 12. Oktober ein weiteres Gespräch stattgefunden, das "nicht disziplinären Massnahmen, sondern der gemeinsamen Sorge um lebendige Gemeinden vor Ort" gegolten habe. Zugleich informierte Kardinal Schönborn darüber, dass sich die Österreichische Bischofskonferenz an ihrer nächsten Sitzung mit dem Thema befassen werde. (kathpress, 12.10.2011)
Am 9. Oktober konnte nach knapp dreimonatiger Sedisvakanz mit Ivo Muser ein Priester aus dem eigenen Bistum zum neuen Bischof von Bozen/Brixen geweiht werden. (Radio Vatikan, 3.10.11)
Der Direktor des Evangelisierungszentrums der Gemeinschaft Emmanuel in Wien, Herr Otto Neubauer, brachte in einem Vortrag über die Neuevangelisierung vor dem "Ratzinger-Schülerkreis" am 27. August in Castel Gandolfo auch die Sorge über eine starke "Welle der Klerikalisierung" zum Ausdruck. Wörtlich dazu: "Die Gefahr scheint mir groß, wenn das Amt mit seiner Autorität erneut in den Mittelpunkt gestellt wird, dass der entscheidende Ruf der getauften Christen zur Heiligkeit verdrängt bzw. nachgeordnet wird. Das aber verstellt das Angesicht des dienenden Christus."
zum Vortrag
Kardinal Christoph Schönborn bezeichnet gegenüber den Mitarbeitenden in seinem Bistum den Grundauftrag Jesu zur Verkündigung des Evangeliums als Grundlage von Reformen in der Erzdiözese Wien. (Radio Vatikan, 14.9.11)
Die Bistumsräte des Bistums St. Gallen (Priesterrat, Rat der hauptamtlichen Laienseelsorgenden und Seelsorgerat) haben für die eidgenössischen Wahlen als Grundlage für den Wahlvorgang das Motto "Wir wählen Haltung" formuliert. (Kipa 14.9.11)
Die Theologische Fakultät der Universität Luzern lebt seit Anfang September 2011 erstmals mit den anderen Fakultäten der Universität unter einem Dach zusammen. Auch die umfangreiche Bibliothek wird gemeinsam benützt. Erstmals stehen den Mitarbeitenden und den Studierenden Aufenthaltsräume und eine Mensa zur Verfügung.
Die Ethikerin Beatrice Bowald wird für ihre Dissertation mit dem Titel «Prostitution. Überlegungen aus ethischer Perspektive zu Praxis, Wertung und Politik» mit dem Förderpreis der Marga-Bührig-Stiftung ausgezeichnet.
Der Weltjugendttag in Madrid hat bei den Teilnehmenden und darüber hinaus viel positives Echo ausgelöst.
Der Befreiungstheologe, engagierte Menschenrechtskämpfer und emeritierte Erzbischof von Sao Paulo in Brasilien (1970 bis 1998), Kardinal Paulo Evaristo Arns, feiert am 14. September 2011 seinen 90. Geburtstag. Im Jahre 1992 hielt Kardinal Arns eine viel beachtete Gastvorlesung an der Theologischen Fakultät Luzern (Kathpress, 11.9.2011).
siehe auch http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/41429.html
Im Zuge der vom Präsidenten des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, im Frühjahr 2011 losgetretenen Debatte über den Pflichtzölibat der Priester haben sich auch verschiedene Bischöfe dafür ausgesprochen, an die Stelle des Pflichtzölibat eine Option für die ehelose oder die eheliche Lebensform zu entwickeln, unter anderem Kardinal Paulo Evaristo Arns früher Sao Paulo (Brasilien), Bischof Markus Büchel (St. Gallen).
Neben dem Memorandum von über 300 Professorinnen und Professoren der katholischen Theologie hat in diesem Frühjahr auch die Österreichische Pfarrerinitiative die Frage einer grundlegenden Erneuerung der katholischen Kirche in die öffentliche Diskussion gebracht.
Ein Initiativkomitee zur Förderung der gleichberechtigten Zulassung zum Priesteramt hat im Juni 2011 durch eine Unterschriftenaktion Schritte unternommen, um "die Behörden der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt und der Römisch-Katholischen Landeskirche Basel-Landschaft (d.h. Svnoden und Kirchenräte) [zu] verpflichten, darauf hinzuwirken, dass die Römisch-Katholische Kirche die gleichberechtigte Zulassung – unabhängig von Zivilstand und Geschlecht – zum Priesteramt ermöglicht."
Das Domkapitel des Bistums Basel hat im September 2010 die aus sechs Namen bestehende Liste der Kandidierenden der letzten Bischofswahl veröffentlicht und damit einen wichtigen Beitrag zur Transparenz dieses in der kirchlichen Tradition generell üblichen, wenngleich heute singulären Wahlvorgangs geleistet.
Zum Weinen
Der Schweizer Kardinal Kurt Koch, Präsident des Rates für die Einheit der Kirche hat sich in einem Interview für Kath.net kritisch zum Kirchensteuersystem in Deutschland geäussert: "Die unlösbare Verkoppelung von Kirchenzugehörigkeit und Kirchensteuerpflicht scheint mir in der Tat ein Problem zu sein, das ernsthaft angegangen werden muss". (Radio Vatikan, 5.10.11)
Der Bischof von Rom hat mit dem in Freiburg schnell gesprochenen Wort von der notwendigen "Entweltlichung" der Kirche eine schwer kontrollierbare Diskussion ausgelöst.
Zugleich hat der Bischof von Rom beider Ökumenischen Begegnung in Erfurt im Blick auf die ökumenischen Erwartungen mit der Kategorie "Staatsbesuch" und den aus seiner Sicht damit verbundenen Usancen argumentiert.
Eine am 24.9.11 in Luzern vorgestellte Studie des SPI prognostiziert für die kommenden 20 Jahre einen weiteren drastischen Rückgang der Zahl der Priester in den Schweizer Bistümern und zugleich eine Zunahme ihrer Überalterung.
Der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Kardinal Mauro Piacenza, bekräftigt den "endgültigen Charakter" der Entscheidung der katholischen Kirche, Frauen nicht zum Priesteramt zuzulassen. (Radio Vatikan, 19.9.2011)
Kardinal Christoph Schönborn (Wien) wird Forderungen nach einer Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt weder nach Rom tragen noch sie dort unterstützen. (ORF-Interview, 16.9.2011)
Kardinal Christoph Schönborn (Wien) hält gegenüber seinen Mitarbeitenden Anpassungen der Kirche an die heutige Zeit – wie beispielsweise die Änderung der Zulassungsbedingungen für Priester – für völlig falsch. (Radio Vatikan, 14.9.11)
Für den notwendigen Erneuerungsbau der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern steht auch nach 30 Jahren an Planung und politischen Bemühungen keine Lösung in Aussicht.
Die öffentlich gemachten Kosten für den Weltjugendtag in Madrid und für den Besuch des Bischofs von Rom in Deutschland lassen erkennen, dass eine vernünftige und verantwortbare Plafonierung der dafür eingesetzten Geldmittel sowie verantwortbare Finanzierungswege noch nicht gefunden sind.
Im Zuge verschiedener Debatten über den Pflichtzölibat der Priester im lateinischen Ritus der römisch katholischen Kirche haben mehrere Bischöfe ihre Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass diese kirchendisziplinarische Vorschrift nicht geändert werden kann oder darf, u. a. Kardinal Joachim Meisner (Köln), Kardinal Christoph Schönborn OP (Wien), Kardinal Mauro Piacenza (Kleruskongregation), Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (Limburg), Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (Hamburg).
Die Freiheit der römisch katholischen Christinnen und Christen, in einer ihnen verantwortlich und angemessen erscheinenden Form bei der Feier der Eucharistie den Leib des Herrn zu empfangen, wird durch die Verordnung, dass in der Basilica San Pietro in Vaticano sowie bei Eucharistiefeiern, denen der Bischof von Rom vorstehe, nur die liturgische Form der Mundkommunion praktiziert werden darf, in unverhältnismässiger und ungerechtfertigter Weise eingeschränkt.
Das Verbot von weiblichen Ministrantinnen bei Messfeiern nach dem Tridentinischen Ritus ("ausserordentliche Form") widerspricht nicht nur dem Geist des Konzils und der nachkonziliaren Entwicklung der Kirche. Beklagenswert ist auch die formalistische Ausführung der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", die in einem Antwortschreiben auf eine entsprechende Anfrage ihren Entscheid damit begründet, die 1994 durch die Glaubenskongregation verfügte Zulassung von Ministrantinnen habe keine rückwirkende Geltung auf den 1962 approbierten Messritus. (Radio Vatikan, 7.6.2011 unter Berufung auf KNA)
Der von der Hilfsorganisation "Kirche in Not" finanzierten Druckkosten für 700 000 Exemplare des Jugendkatechismus "YouCat", die beim Weltjugendtag in Madrid verteilt wurden, stellt einen fragwürdigen Einsatz entsprechender Finanzmittel und Spendengelder dar: Von einer Unterstützung kirchlicher Notsituationen kann in diesem Fall wohl kaum gesprochen werden. Es ist bedauerlich, dass sich für dieses Anliegen von dessen Initiatoren keine ordentlichen Finanzierungswege erschliessen liessen. (Radio Vatikan, 7.7.2011)
Verschiedene Bischöfe haben sich kritisch zum Memorandum der Theologieprofessorinnen und Theologieprofessoren geäussert, ohne sich konkret mit den angesprochen Themen konstruktiv auseinander zu setzen, u. a. Kardinal Walter Kasper, Kardinal Walter Brandmüller, Kardinal Joachim Meisner (Köln) und Bischof Felix Genn (Münster).
Änderungsdatum: 18.10.2011
