Wie heute Liturgie feiern? Gottesdienst und Gesellschaft
Forschungsschwerpunkt (2)
| Prof. Dr. Birgit Jeggle-Merz |
Als gesellschaftliches Ereignis steht Gottesdienst immer auch in einem Bezug zu der jeweiligen Gesellschaft, in der er seinen Ort findet. Die Bedingungen heutigen Liturgiefeierns haben sich in den letzten vierzig Jahren aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen und ihrer Auswirkungen auf das Leben des einzelnen Menschen grundlegend verändert. Der Prozess gesellschaftlicher Differenzierung führte dazu, dass die christliche Religion ihrer Monopolstellung eines übergreifenden Sinnhorizontes und einer die Gesellschaft prägenden Kraft eingebüsst hat und zu einem Teilsystem neben anderen geworden ist.
In der Komplexität und Unübersichtlichkeit der modernen Kultur suchen Menschen nach Orientierung und tiefer Verbundenheit. Kirche und Christentum können diesen Menschen auf ihrer Suche nach Sinn ein Angebot machen. Es gilt, im Resonanzraum der gegenwärtigen Kultur das Lebensdeutungsangebot des Glaubens neu ins Spiel zu bringen. Die Liturgiewissenschaft ist gefordert, den christlichen Glauben und das Glaubensleben in eben dieser Umwelt zu reflektieren, dazu gehört die Suche nach neuen Gestaltungsformen und die Auseinandersetzung mit neuen kulturellen Einrichtungen. Die Anfragen der zeitgenössischen Kultur an die Liturgie müssen aufgegriffen werden, so wie die Kultur selbst aufgrund dessen, was die Liturgie feiert, kritisch rückgefragt werden muss.
Vorliegende Veröffentlichungen zum Thema
Birgit Jeggle-Merz, Liturgie und Lebenswelt. Skizzen angesichts neuzeitlicher Strömungen und alter Sehnsüchte (Antrittsvorlesung an der Universität Luzern am 16. Mai 2007; Veröffentlichung Ende 2008).
Birgit Jeggle-Merz, Gottesdienste mit/für Ungeübte(n): Orte der Sehnsucht und Erfahrungsräume des Transzendenten, in: BiLi 71 (2008) 163-171.
Birgit Jeggle-Merz, Relevanz der Theologie heute für die Suche nach gefeiertem Leben (Jubiläumsvortrag an der Theologischen Hochschule Chur am 6. Mai 2008; Veröffentlichung 2009).
