Navigation



Sie sind hier:

REGIE - Religion und gesellschaftliche Integration in Europa

Teilprojekt 3: Funktionswandel von Religion und modernen Gesellschaften, dargestellt an den Beispielen "Ultramontanismus" und "katholisches Milieu"

von Prof. Dr. Markus Ries

Im Blick auf die soziale Binnenpluralisierung und die Ausbildung von Teilgesellschaften im 19. Jahrhundert ist zu untersuchen, welche Funktionen dem Religiösen in den einzelnen Bereichen zukam und wie diese Funktionen sich verschoben. Obwohl die Religion selbst in Kontinuität zur Vormoderne stand, veränderten die Übergänge ins 19. Jahrhundert die Rahmenbedingungen von Grund auf: Die Gesellschaften des bürgerlichen Zeitalters waren von neuen Mentalitäten geprägt; die Herrschafts- und Rechtsverhältnisse, die ökonomischen Lebensbedingungen und die kulturellen Orientierungen hatten innerhalb von nur zwei Generationen einen dramatischen Wandel erfahren. Die katholische Kirche bewegte sich in zwei Richtungen: Auf der einen Seite stand der Versuch, das Religiöse im neuen gesellschaftlichen Umfeld zu verankern, auf der anderen Seite gab es Ablehnung und Verweigerung. In Auflehnung gegen die Moderne sammelten sich die konservativen Katholiken in einem eigenen Sozialmilieu, welches gesonderte Strukturen ausbildete und sich damit einen festen Rahmen gab. Religion wirkte als weltanschauliche Klammer und als institutionelles Identifikationsmerkmal, aber auch nach wie vor als Rahmen für die persönliche und gemeinschaftliche Lebensgestaltung. Im Teilprojekt 3 geht es darum, den Bedeutungswandel des Religiösen für das "katholische Milieu" zwischen den Krisen um 1830 und dem Kulturkampf zu analysieren und darzustellen.
zurück