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Promotionsprogramm Geschichte

Studierende im Fach Geschichte, die im Herbst 2010 oder später ein Doktoratsstudium beginnen, sind automatisch Mitglieder der Graduate School. Innerhalb dieses Rahmenprogramms besteht seit 2009 für die besonderen Verhältnisse des Historischen Seminars ein spezielles Lehr- und Betreuungsprogramm für Doktoranden und Doktorandinnen. Es ist für die besonderen Verhältnisse des Fachs entwickelt worden - für uns heisst das, überschaubare und vor allem persönliche Strukturen mit intensiver Betreuung zu schaffen.


Aktuelles Angebot

Die beiden laufenden Forschungskolloquien zur Geschichte der Vormoderne und zur Neueren und Neuesten Geschichte, während des Semesters jeweils 14-tägig durchgeführt, stehen nicht nur Promovierenden, sondern auch Studierenden des MA-Programms (und auf Nachfrage auch fortgeschrittenen Studierenden der BA-Stufe) offen. In ihnen werden laufende Dissertationsprojekte am Historischen Seminar und von auswärtigen Gästen vorgestellt und diskutiert. Es hat sich als sehr produktiv erwiesen, diese relativ informellen Werkstattberichte mit der Präsentation von Forschungen auswärtiger Kolleginnen und Kollegen und mit der Diskussion wichtiger Neuerscheinungen zu verknüpfen. Die beiden Kolloquien finden jeweils um eine Woche versetzt statt, um möglichst problemlosen Wechsel beim Besuch beider Veranstaltungen zu ermöglichen.

Seit Frühjahr 2011 findet ausserdem das Doktorandenseminar statt. Im Rahmen dieser von den Promovierenden selbst organisierten Veranstaltungen werden Teile von Dissertationsprojekten, theoretische und methodische Ansätze zur Debatte gestellt. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung die Möglichkeit zur vertieften Auseinandersetzung mit Strategien des Zeitmanagements, der Nutzung technischer Hilfsmittel und dem Austausch von Erfahrungen mit auswärtigen Gästen. Zuletzt war am 26. Mai 2011 Prof. Dr. Beate Fricke (Department of Art History, University of California at Berkeley –  zu Gast; dabei ging es um Fördermittel, Arbeitstechniken, Hindernisse und Chancen beim Verfassen einer Doktorarbeit.

Ebenfalls auf Initiative der Doktorandinnen und Doktoranden fand vom 12. bis 14. Mai 2011 im Jura eine Doktoranden-Retraite statt. Die Teilnehmenden konnten dort ausgehend ihren Projekten Probleme und Fragen diskutieren sowie über Forschungsansätze debattieren. Grundlage waren vorgängig eingereichte Texte – je nach Stand der Dissertation einzelne Kapitel, Kapitelauszüge, Skizzen und Entwürfe.

Zusätzlich werden jeweils spezialisierte Workshops durchgeführt, im laufenden Frühjahrssemester am 21. April 2011: „Fertig Lustig. Wissenschaftliches Schreiben als Arbeitspraxis“, durch Valentin Groebner (Historisches Seminar Luzern). Eine Dissertation fertig stellen heisst in der Praxis, eigene Texte zu produzieren, zu redigieren und in ein komplettes Manuskript einzuarbeiten – und all das unter beträchtlichem (Zeit-) Druck. Die Veranstaltung bietet dazu eine Reihe von praktischen Hilfen und Hinweisen. Zeitplanung und Schreibstrategien werden dabei ebenso thematisiert wie der Umgang mit Vorbildern, fachspezifischen Sprachregelungen und strubem Jargon.

Unter dem Titel „Unnötige Verschulung oder notwendige Strukturierung“ hat am 8. April 2011 in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern eine von Prof. Dr. Lucas Burkart organisierte Veranstaltung zur Perspektiven des Promotionsstudiums in den Geschichtswissenschaften stattgefunden.

Veranstaltungen seit Sommer 2009


Warum spezialisierte Veranstaltungen?

Promovierende sind keine „Schülerinnen“ oder „Schüler“, sondern Erwachsene mit abgeschlossener Universitätsausbildung. Im Lauf ihrer Arbeit an ihrer Dissertation wissen sie über ihr eigenes Forschungsgebiet im engeren Sinn mehr als ihre jeweiligen akademischen BetreuerInnen. Sie brauchen Orientierung, Betreuung und feste Spielregeln, aber keinen „Unterricht“ im traditionellen Sinn.

Ein Promotionsprogramm kann nur dann erfolgreich sein, wenn es die Kompetenzen der Doktorierenden in Forschung und Selbstorganisation durch klare Anforderungsprofile und Freiräume fördert. Anders gesagt, es muss daran gemessen werden, dass es die Arbeitsmöglichkeiten und die Selbstdarstellung der Promovierenden verbessert – und nicht die ihrer Betreuer. Das allererste Ziel von Promotionsförderung ist dementsprechend die Fertigstellung und Abgabe der Dissertationsmanuskripte nach drei bzw. ver Jahren, die als Grundlage für eigenständige wissenschaftliche Monografien – also Bücher - dienen.


Rahmenbedingungen

Die Doktorandinnen/Doktoranden arbeiten als selbstständige Forscherinnen und Forscher. Promotionsförderung sollte unseres Erachtens möglichst schlanke administrative Strukturen haben, um Autonomie und Selbstmanagement zu fördern. Gleichzeitig muss sie stark auf „feedback“ ausgerichtet sein, um Probleme möglichst früh erkennen und korrigieren zu können. Die Doktorandinnen/Doktoranden liefern daher in viertel- bis halbjährlichem Abstand relativ umfangreiche schriftliche Tätigkeitsberichte (10,000 bis 30,000 Zeichen Umfang) an ihre Betreuer. In den ersten zwei Jahren sind das in der Regel Resumés der Materialrecherchen bzw. Berichte zum Stand der Arbeit; im letzten Jahr einzelne Kapitel der Dissertationsmanuskripte.

Obligatorische Treffen der Doktorandinnen/Doktoranden mit dem Betreuer stellen gegenseitige Information und Austausch sicher. Darüber hinaus nehmen alle Doktorandinnen/Doktoranden während der Vorlesungszeit an den Forschungskolloquien am Historischen Seminar teil und stellen dort ihre Arbeiten vor. Dieser formalisierte Ablauf von schriftlicher Berichterstattung und Einbindung in die laufenden Forschungsprojekte am Historischen Seminar stellt einerseits regelmässige Präsenz am Seminar sicher, ermöglicht aber grösstmögliche Bewegungsfreiheit für Recherche und eigene wissenschaftliche Vernetzung (Besuch von in- und ausländischen Tagungen)

Geschichte als Fach ist von Methodenpluralismus und, bedingt durch stark unterschiedliche Quellengrundlagen und Subdisziplinen, von einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Arbeitstechniken und theoretischer Positionen geprägt. Uns erscheinen deswegen obligatorische „Theorie-Kurse“ für alle Promovierenden weder produktiv noch sinnvoll. Methodische und theoretische Lehrangebote in einem Promotionsprogramm müssen unserer Meinung nach auf die konkreten Bedürfnisse und die direkte Nachfrage der Promovierenden zugeschnitten werden, wenn sie produktiv wirken sollen. Im Idealfall werden sie von den Dissertanden selbst konzipiert.

Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass die machtvollen theoretischen Zauberwörter in den Kultur- und Sozialwissenschaften relativ rasch zum Jargon abgeschotteter wissenschaftlicher Schulen zu erstarren drohen. Gerade die verlockenden Grossmodelle unterliegen Konjunkturwechseln und teilweise erschreckend raschem Verschleiss. Deswegen sollte dieser Bereich so flexibel und so stark wie möglich auf die Wünsche der Promovierenden nach Orientierung in den zukünftigen Forschungslandschaften ausgerichtet sein. Wissenschaftliche Theorie wird von uns also nicht als Credo oder Identitätspolitik begriffen, sondern als ein an Resultaten orientierter Werkzeugkasten, der möglichst unterschiedliche Instrumente enthalten muss.


Weitere Information erteilen gerne das Sekretariat (L_hc__ulinu--mestsih) und Prof. Dr. Valentin Groebner (L_hc__ulinu--renbeorg__nitnelav)