Profil der Religionswissenschaft in Luzern
Die Welt der Religionen zu studieren und kennenzulernen...
... ist faszinierend und erhellend zugleich. Religiöse Vorstellungen, Handlungen und Gruppen waren und sind prägend für Individuen und Gesellschaften. Die Reden und Rhetorik US-amerikanischer Präsidenten waren nicht nur im 19., sondern sind auch im 21. Jahrhundert religiös durchsetzt; religiös begründete Mobilisierungen etwa im Iran veränderten die Weltgeschichte und Globalpolitiken. Weltweite Migrationsbewegungen führten zu einer Pluralität von Religionen vor Ort, sei es in Europa, Nord- und Südamerika und weiteren Weltregionen. Religionen beeinflussen das Verhalten Einzelner in Kleidung, Ernähung, ethischer Auffassung und Genderverständnis, sie prägen Gesellschaften sozial und politisch und gehören zum unverzichtbaren Teil des Verstehens von Gegenwart und Vergangenheit. Konflikte und Kriege, Kooperationen und Verständigungsprozesse haben oft auch religiöse Dimensionen, die zu kennen wichtig sind.Religion als Teil von Gesellschaft. Am religionswissenschaftlichen Seminar erfolgt das Studium von Religion und Religionen in kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Religöse Texte, Vorstellungen und Handlungen sind immer Bestandteil von Gesellschaft und Kultur. Diese gesellschaftliche Kontextuierung und Veränderungen gilt es in der Beschäftigung mit religiösen Ausdrucksformen - seien es Handlungen, Texte, Musik, Gebäude und vielem mehr - zu beachten. Die Besonderheit religionswissenschaftlichen Arbeitens ist ihre doppelte vergleichende Perspektive - von Religionen in der Gegenwart und der nahen oder fernen Vergangenheit, von Religionen in Europa/ Nordamerika und ausserhalb moderner westlicher Gesellschaften. Lehre und Forschung in Luzern befassen sich schwerpunktbezogen mit den Traditionen des Islam, Buddhismus, Hinduismus und den gesellschaftlichen Herausforderungen durch Migration und Religionspluralität.
Schwerpunkt des Luzerner Masterstudiums Religionswissenschaft ist das Verständnis und die theoretische Reflexion von Dynamiken der Ausbreitung und Veränderung global gewordener religiöser Traditionen. Nicht erst mit dem 19. Jahrhundert begannen Prozesse der Globalisierung einst regional begrenzter Religionen. Christentum, Islam und Buddhismus verbreiteten sich schon Jahrhunderte früher über viele Länder und wurden in unterschiedlichen Kulturen heimisch. Weitere religiöse Traditionen wie Hindu-Religionen und neu entstandene Religionen des 19. Jahrhunderts folgten im 20. Jahrhundert mit ihrer Etablierung auf nahezu allen Kontinenten. Welche Veränderungen und Dynamiken der Anpassung und Redefinition religiöser Lehren, Praktiken und Organisationsformen gehen mit der Übertragung in andere Länder und Kulturen einher? Welche gesellschaftlichen Reaktionen zeigen sich in den Ländern des neuen Heimischwerdens, treten etwa Spannungen, kontroversen, Kämpfe um gesellschaftliche Mitsprache und Neuaushandlungen von Status in der neuen religionspluralen Situation auf?
Das Masterschwerpunkt «Dynamiken globaler Religionen» untersucht sowohl religionsgeschichtlich, wie religionsvergleichend und analytisch Veränderungen und Neukonstellationen im Kontext der Globalisierung religiöser Traditionen, Ideen und Praktiken.
Forschungsorientiertes Lernen und Lehren. Für die Studierenden bestehen Möglichkeiten, im Rahmen angeleiteter Forschungsarbeiten an den laufenden Forschungsprojekten des Seminars mitzuwirken und so frühzeitig an methodisch reflektierte Datenerhebung, religionstheoretische Kontextuierung und neue Forschungsergebnisse herangeführt zu werden. Dies erfordert sowohl selbständiges wie auch teamfähiges Arbeiten und kann Hinführung zu einer Promotion sein, die im Anschluss an einen erfolgreichen Abschluss des Masters möglich ist.
Berufliche Perspektiven. Studierende des Masters «Dynamiken globaler Religionen» haben wissenschaftliche Kompetenzen in Bereichen des Recherchierens, Analysierens, Interpretierens und Schreibens erworben. Sie können gesellschaftliche Veränderungen und Religionen historisch-kritisch verorten, unterschiedliche Positionen und Interpretationen abwägen und haben anspruchsvolle Aufgaben eigenständig bearbeitet und strukturiert. Der Masterabschluss, ebenso die Promotion, eröffnen berufliche Möglichkeiten nicht nur in Forschung und Lehre, sondern gerade auch im Umfeld der Medien, Kulturberatung, Behörden, Bildungsinstitutionen und
international mit kulturellen Fragen beschäftigen Organisationen.
Letzte Aktualisierung: 2/2010


