Forschungsprojekte am Philosophischen Seminar
- Phänomenales Bewusstsein: Qualitatives Erleben und seine naturwissenschaftliche Erklärung
- Bildverlust in der Wissensgesellschaft
- Formen und Formwandel der Rezeption antiker griechischer Philosophie
- Ueberweg "Grundriss der Geschichte der Philosophie" Renaissance und Humanismus
- Zur Aktualität Jean-Paul Sartres. Philosophie, Literatur, Politik
Phänomenales Bewusstsein: Qualitatives Erleben und seine naturwissenschaftliche Erklärung
Im Zuge des explanatorischen Erfolgs der Naturwissenschaften gelten auch klassische philosophische Fragestellungen (Willensfreiheit, Leib-Seele-Problem) als künftig mit empirischen Mitteln lösbar. Im Bereich des Phänomenalen sieht sich der Transfer naturwissenschaftlicher Methoden allerdings mit gravierenden Problemen konfrontiert, die aus den spezifischen Charakteristika des phänomenalen Bewusstseins resultieren: der qualitative bzw. erlebnishafte Charakter von Bewusstseinszuständen, die Subjektivität des Erlebens dieser Zustände und die Nicht-Begrifflichkeit ihres jeweiligen Gehalts. Diese Merkmale erweisen sich gegenüber naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen als derart resistent, dass phänomenales Bewusstsein insgesamt als "the really hard problem" (Chalmers) des gesamten Projekts der Naturalisierung gelten kann. Um sich als plausibel auszuweisen, machen naturalistische Positionen von Begründungsverfahren Gebrauch, deren Legitimität klärungsbedürftig ist. Hierzu zählen: die Bedeutungsverschiebung zentraler phänomenologischer Begriffe, der Rekurs auf Prinzipien und Grundsätze, deren allgemeine Gültigkeit und rechtfertigender Status umstritten ist, die Modifikation des Explanandums sowie die Verschiebung der Beweislast. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsprojekt zielt auf eine umfassende Analyse und Bewertung solcher Argumentationsstrategien. Die Legitimität der Strategien soll einer kritischen Beurteilung unterzogen werden, und es soll geprüft werden, ob und inwieweit von deren Verwendung die Begründbarkeit naturalistischer Theorien abhängt.
Leitung: Prof. Dr. Christiane Schildknecht
Mitarbeiter: Tobias Ballweg, M.A., Dipl.-Psych.
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Bildverlust in der Wissensgesellschaft
Sollten sich die modernen Gesellschaften in einem Zeitalter, das auch das ‚Medienzeitalter’ genannt wird, ihres Bilderreichtums nicht erfreuen? Bevor diese Frage definitiv beantwortet werden kann, wäre zu klären, um welche Art von Bildern es sich handelt. Die These des Projektes lautet: der Bilderreichtum verdankt sich einer Massenproduktion und medialen Verbreitung von Abbildern, d.h. von Darstellungen und Repräsentationen ohne originellen oder gar künstlerischen Anspruch, jedoch von omnipräsenter Aufdringlichkeit und Macht.
„Abbilder sind zweifellos die verbreitetsten Bilder. Ein erheblicher Teil ihrer öffentlichen Präsenz (im Fernsehen, in Photos, Reklamen, Katalogen etc.) dient diesem Zweck. Es ist leicht einzusehen, dass der sekundäre Status des Abbildes das Bildverständnis schwer behindert.“ (Gottfried Boehm).Das Projekt „Bildverlust in der Wissensgesellschaft“ will die Ursachen dieser Behinderung aufdecken und kritische Antworten auf den beschleunigten „Bildverlust“ (Peter Handke) – verdeckt durch die permanent ansteigende Abbildkonjunktur – in den mediengesteuerten Gesellschaften bereitstellen. Das Projekt ist darum bemüht, zu einer präzisen Semantik des Bildbegriffes beizutragen, die hilft, angesichts der Vielfachverwendung der Bildvokabel Äquivokationen zu vermeiden (Weltbild, Bildwelt, Sprachbild, Bildsprache, Klangbild etc.). Der allenthalben wieder zu beobachtenden Renaissance des Bildes („iconic turn“) kann das Projekt ebenso dienlich sein wie einer Apologie des Bildes gegen seine Ersatzprodukte. Das Vorhaben ist naturgemäss interdisziplinär angelegt – Kunstwissenschaftler, Literaturwissenschaftler, Philosophen, Textwissenschaftler, Historiker, Medienwissenschaftler, Musikwissenschaftler u.a.m. sind engagiert. Tagungen und parallel geschaltete Wokshops dienen als Arbeitsformen, die den Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit herstellen sollen. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung „Lucerna“ und dem Kulturwissenschaftlichen Institut.
Leitung: Prof. Dr. Enno Rudolph nach oben
Formen und Formwandel der Rezeption antiker griechischer Philosophie
Ziel des SNF-Forschungsprojektes am Kulturwissenschaftlichen Institut ist es, anhand einschlägiger Texte der philosophischen Tradition einen Beitrag zur Analyse von Kriterien und Methoden der Rezeption antiker griechischer Philosophie zu leisten. Im Mittelpunkt des Projektes stehen Theophrasts "Metaphysik", Calcidius´ "Kommentar zu Platons "Timaios" und Pomponazzis "De fato, de libero arbitrio et de praedestinatione". Auf dem Weg der Erstellung je einer deutschen Übersetzung bzw. Erstübersetzung und einer kooperativen Kommentierung der genannten Texte soll konkret herausgearbeitet werden, wie sich unter der problemgeschichtlichen Vorgabe der Konkurrenz von Physik und Metaphysik Formen und Formenwandel der Rezeption antiker griechischer Philosophie ausbilden.
Leitung: Prof. Dr. Enno Rudolph
Mitarbeiter: Gregor Damschen, M.A. nach oben
Ueberweg "Grundriss der Geschichte der Philosophie" Renaissance und Humanismus
Finanziell gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds wird am Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Luzern an der Erstellung von drei Bänden zum Thema "Renaissance und Humanismus" für den "Grundriss der Geschichte der Philosophie" (nach Friedrich Ueberweg) gearbeitet.
Der "Grundriss der Geschichte der Philosophie" zählt zu den unentbehrlichen Standardwerken der Philosophiehistorie und wird gegenwärtig von Grund auf neu konzipiert und ediert. Er verbindet die detaillierte Darstellung der Entwicklung der Philosophie mit differenzierten Referaten sowohl zur einschlägigen Forschungsgeschichte als auch zum aktuellen Stand der Forschung. Das Projekt ist in einem internationalen Forschungsumfeld angesiedelt, zumal es gelungen ist, Forscher wie Anthony Grafton, Paolo Rossi, Glenn Most, Bernd Roeck und Jill Kraye für die Mitarbeit daran zu gewinnen.
Die Förderungszusage des SNF ermöglicht die Einstellung eines neuen wissenschaftlichen Mitarbeiters für die Dauer von zwei Jahren mit der Aussicht auf eine Verlängerung für ein weiteres Jahr.
Leitung: Prof. Dr. Enno Rudolph
Mitarbeiter: PD Dr. Gernot Müller
Gregor Damschen, M.A.
Tobias Brücker, BA
Weitere Informationen zur Reihe
"Grundriss der Geschichte der Philosophie"
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Zur Aktualität Jean-Paul Sartres. Philosophie, Literatur, Politik
Jean-Paul Sartre (1905-1980) hat in seinen frühen philosophischen Schriften, insbesondere aber in L’être et le néant (1943) den Versuch unternommen, ausgehend von Kierkegaard bzw. Husserl und in deutlicher Abgrenzung von Hegel und Heidegger eine Ontologie der menschlichen Existenz zu entwickeln, die im Begriff einer absoluten Freiheit ihren Ausgangs- und Fluchtpunkt hat. Dieser Versuch und seine Exemplifizierung einerseits in literarischen Werken, die den Menschen als auf sich allein gestelltes, in Situationen des Lebens verstricktes und „zur Freiheit verurteiltes“ Wesen beschreiben, andererseits in einem ausgeprägten politischen Engagement üben heute eine erneute Faszination aus. Zahlreiche jüngere Publikationen setzen sich mit Sartre auseinander, und einige neue Theorien erweisen eine geradezu erstaunliche Affinität zu Gedanken Sartres auf. Wie weit reicht jedoch diese Übereinstimmung wirklich? Was besagt dieser Befund über die tatsächliche Anschlussfähigkeit Sartres innerhalb der gegenwärtigen und der zukünftigen philosophischen Diskurse innerhalb und ausserhalb Europas? Und wie ist die bislang kaum ausgewertete Interdependenz der drei Fraktale des Sartreschen Werkes – Philosophie, Literatur und Politik – heute zu bestimmen? Diese und andere damit verbundenen Problemstellungen sollen in einem im März 2011 durchzuführenden und vom Philosophischen Seminar zusammen mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Luzern organisierten Sartre-Symposium von einer Reihe prominenten Forscherinnen und Forschern aus dem In- und Ausland diskutiert werden.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch das Legat von Herrn Botschafter a.D. Dr. Thomas Raeber zugunsten des Philosophischen Seminars der Universität Luzern gemäss dessen Vereinbarung mit der Stiftung Universität Luzern vom 13. Mai 2002 und in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Luzern.
Leitung: Prof. Dr. Enno Rudolph
Mitarbeiter: Dr. Alessandro Lazzari nach oben
