Bilderflut - Bilderarmut?
Die Frage nach dem Original ist die Frage nach einem Werk, dessen Bedeutung nicht von einer vorgängigen Wirklichkeit wie von einem übergeordneten Muster abhängig ist. Bilder, die Anspruch auf künstlerische Anerkennung erheben, sind unabhängig von solchen Mustern. Sie sind nicht Bilder von etwas, durch das sie überhaupt erst validiert werden, sie sind sich selbst genug: sie zeigen nicht auf ein von Ihnen verschiedenes Original, sie sind die Originale, sie zeigen auf sich selbst. Die so genannte „Bilderflut“, von der wir im Medienzeitalter immer noch zunehmend heimgesucht werden, ist keine Flut von Originalen, - sie ist eine Flut von Abbildern. Kunstbilder bilden schöpferisch, Abbilder bilden nach. Kunstbilder sind autonom, Abbilder sind Instrumente. Die „Bilderflut“ verdrängt nicht nur die Bildoriginale - sie sind in den für sie geschaffenen Asylen getthoisiert, den Museen und Ausstellungshallen -, sie täuscht Authentizität durch Visualisierung vor. Die Manipulationsleistung der Bilderflut ist kaum zu überschätzen. Über die politischen Folgen dieses Befundes wurde auf einer früheren Tagung ausführlich diskutiert. In dieser Veranstaltung geht es abschliessend darum, in multidisziplinärer Perspektivik danach zu fragen, was kein Bild ist, und wie sich das Bild, das nicht beansprucht, Wirklichkeiten lediglich zu repräsentieren, sondern neue Wirklichkeiten zu schaffen, der Instrumentalisierung entziehen kann.
