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Dem Geheimnis der Musik näher kommen

10.08.2010

Der aus Augsburg stammende Kirchenmusiker Werner Zuber hat im Sommer 2010 an der Theologischen Fakultät den Masterstudiengang "Liturgical Music" (Kirchenmusik) erfolgreich abgeschlossen. Ein Gespräch mit dem ersten Absolventen dieses Studiengangs über das Verbindende von Musik und Theologie und die Faszination Gregorianik.

Werner Zuber (l.) und Wolfgang Sieber, Orgellehrer und Organist der Luzerner Hofkirche Werner Zuber (l.) und Wolfgang Sieber, Orgellehrer und Organist der Luzerner Hofkirche

Von Stephan Müller

Stephan Müller: Mit diesem Studiengang wagen die Theologische Fakultät der Universität Luzern und die Hochschule Luzern – Musik eine enge Zusammenarbeit. Wie haben Sie diesen Schulterschluss der beiden Institutionen erlebt?

Werner Zuber: Ich habe diese Zusammenarbeit sehr positiv erlebt. Prof. Dr. Alois Koch, der zu den Mitinitianten dieses Studienganges gehört, lieferte mir Informationen aus erster Hand und sorgte für eine ideale Betreuung. Zudem hat er mich bei der Suche nach einer versierten Persönlichkeit für den Orgelunterricht unterstützt. Beim Organisten der Luzerner Hofkirche, Wolfgang Sieber, durfte ich Orgelunterricht höchster Güte geniessen. Der Künstler gilt in Deutschland als einer der bekanntesten Schweizer Organisten. An der Theologischen Fakultät der Universität Luzern genoss ich in besonderem Mass die vertiefenden Studien in Gregorianik. Die Kooperation zwischen den Hochschulinstituten klappte meines Erachtens reibungslos. Ein solches Modell kennen wir in Deutschland nicht.

Was verbindet für Sie Theologie und Musik im Besonderen?

Als aktiver Kirchenmusiker kann ich sagen, dass die Kirche ohne Musik und Gesang nicht leben kann. In den Pfarreien leisten unzählige musikalische Gruppen einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung einer ansprechenden Liturgie.
Die Theologie hingegen verleiht der Musik ihren Standort; ihre Bestimmung wird klar. Das Zweite Vatikanische Konzil betont denn auch, dass Musik und Gesang wesentliche Elemente der Liturgie sind.

Man könnte auch sagen, dass die Musik die Seelsorge unterstützt. Ich habe bei vielen Konzerten immer wieder erleben dürfen, wie heilsam Musik für die Menschen sein kann.

Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihrem Studium gesetzt?

Nebst Elementen der Musiktheorie (Tonsatz, Komposition) im Rahmen meines Orgelunterrichts habe ich mich mit der "Theologie der Musik" befasst. Meine musikalischen Interessen reichten von Gregorianik bis zu „neuen geistlichen Liedern“. Das Bologna-Studienmodell ermöglichte mir, eigene Schwerpunkte zu setzen sowie meinen beruflichen Erfahrungsschatz mit einfliessen zu lassen.

Gregorianik bildet einen besonderen Schwerpunkt im Fächerangebot. Wie beurteilen Sie dieses Angebot? Und wie ist dieses Angebot ausgestaltet?

Die Möglichkeit, bei Prof. Dr. David Eben Gregorianik zu studieren, hat mich zusätzlich motiviert, nach Luzern zu kommen.

Gregorianik gehört heute kaum mehr zur kirchlichen Praxis und hat mit unseren Gottesdiensten wenig zu tun.

Das Studium der Gregorianik erlaubt, an die Wurzeln der Kirchenmusik zu gehen. Es hat mich motiviert, die Herkunft der Musik aus liturgie- und musikwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Zudem konnte ich im Singen und Dirigieren des gregorianischen Chorals praktische Kenntnisse erwerben. Dadurch hat für mich das Studium zusätzlich an Attraktivität gewonnen.

Gregorianik eröffnet uns zudem die Chance, dem Geheimnis der Musik ein Stück näher zu kommen. Die klare Form der gregorianischen Gesänge und die Einstimmigkeit der Töne werden zum harmonischen Klang, zu einem Kunstwerk. Diese Klangfarbe spricht viele Menschen an, sei es beim Zuhören oder beim Mitsingen.

Die Kunst der Musik besteht auch darin, dass nicht alles beantwortet werden kann. Musik hat für mich etwas einzigartig Verbindendes, ja etwas Göttliches. Vielleicht ist darin auch der "Atem Gottes" zu erahnen. Musik sagt letztlich viel mehr, als wir in Worten auszudrücken vermögen.

Von der Gregorianik können wir letztlich auch lernen, wie Musik funktioniert. Solches Wissen kann heute auch für die Komposition neuer geistlicher Lieder verwendet werden. Davon kann ich in meinem Berufsalltag als Kirchenmusiker unmittelbar profitieren.

Noch einmal zur Gregorianik: Gregorianische Gesänge schaffen es auch heute immer wieder in die Charts der europäischen Hitparaden. Woran liegt es, dass sich ein jahrhundertealtes Liedgut bei jungen Menschen neben Technosound immer wieder zu behaupten vermag?

Gregorianik wird heute von vielen Menschen nicht mehr direkt mit der Kirche in Verbindung gebracht. Das hat den Vorteil, dass ein unvoreingenommener Zugang zu dieser Musik erfolgen kann. Wenn junge Menschen gregorianische Klänge hören, sind sie möglicherweise fasziniert von deren Andersartigkeit. Es mag für sie exotisch oder gar "freakig" klingen.

Ich denke aber auch, dass Gregorianik die Sehnsucht nach Religion und Spiritualität wecken kann. Dafür sind viele Menschen offen.

Letztlich bietet Gregorianik ein Klangerlebnis, das vielen Jugendlichen bekannt vorkommt: Ähnlich wie beim Rap wird in der Gregorianik allein mit der Stimme Klang produziert.

Sie tragen nun den akademischen Titel "Master of Theology in Liturgical Music". Wo und wie können Sie Ihr Wissen in der Praxis umsetzen?

Ich werde mein Wissen in der Aus- und Fortbildung in der Diözese Augsburg weitergeben. Mitarbeitenden aus dem pastoralen Dienst oder Kirchenmusikern werde ich im Rahmen von Weiterbildungsveranstaltungen die Theologie der Musik erläutern und aufzeigen, inwiefern die Musik in der Seelsorge eingesetzt werden kann.

Ich möchte Kirchenmusiker dazu befähigen, dass sie sich auch als Seelsorgende im weiteren Sinn verstehen können.

Was antworten Sie jemandem auf die Frage, ob ein solches Masterstudienangebot heute noch notwendig ist?

Die Kommunikation zwischen Musik und Theologie macht dieses Studium aus. Eine solche Spezialisierung ist in einem Grundstudium nicht möglich. Für meine berufliche Karriere bedeutet dieser Studiengang eine wertvolle Zusatzqualifikation.

Die Bestrebung, Musik und Theologie auf wissenschaftlicher Ebene ins Gespräch zu bringen, ist von hoher Bedeutung.


Werner Zuber ist beim Bischöflichen Ordinariat der Diözese Augsburg tätig (Amt für Kirchenmusik). Dort ist er als "Referent für Musik in der Pastoral" zuständig und u.a. Leiter des Arbeitskreises "Neues Geistliches Lied – Jugend und Kirchenmusik in der Diözese Augsburg".


Weitere Informationen:
Angaben zum Masterstudiengang "Liturgical Music"
Auskunft beim Studienleiter

Interview mit Werner Zuber zum Download

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